Alles für den Sieg?

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  • Hallo zusammen,

    wir hatten am vor kurzem ein Pokalspiel. Wir führten bis 10 Minuten vor Schluß mit 2:0. Ich hatte 5 etwas schwächere Spieler auf der Auswechselbank, die ich nach und nach einwechselte. Bis ca. 15 Minuten vor Abpfiff hatte ich alle 5 Spieler auf dem Feld und somit 5 stärkere Spieler auf der Bank. Der Gegner glich in der Nachspielzeit zum 2:2 aus und wir verloren am Ende im Elfmeterschießen...


    Ich habe es in all den Jahren noch nie gemacht, dass ich einen Spieler von der Bank nicht gebracht habe und somit jemand gar nicht gespielt hat. Doch nach diesem Spiel stelle ich mir eine Frage. Die Frage lautet: Habe ich den stärkeren Spielern ihren verdienten Sieg genommen, weil ich auf Teufel komm raus alle Spieler von der Bank einwechseln wollte? Was wäre in diesen Spiel eigentlich wichtiger gewesen? Das alle gespielt haben, oder das die Mannschaft die nächste Pokalrunde erreicht?

    Ich dachte in diesem Spiel, wir könnten beides schaffen. Hätte ich den absoluten Erfolg in den Vordergrund gestellt, hätten 2-3 Spieler nicht eine Minute gespielt und wir wären höchstwahrscheinlich nicht ausgeschieden. Ich habe mich verpokert. Wie handhabt ihr solche Situationen? Was ist euch wichtiger?

  • Ich verstehe den Gedanken dahinter voll und ganz, habe das eigentlich auch immer so gehandhabt. Trotzdem werde ich es heute so nicht mehr machen.


    Keine Ahnung um welchen Jahrgang es geht, 5 Wechselspieler sind schon viel und entsprechend wenn du nicht die gleiche Spielzeit für alle ansetzt, spielen sie eh nicht wirklich lang.


    Also, weniger Wechsler mitnehmen. Du willst alle Spielen lassen, warum nicht ein FS mit einem Team ausmachen und dort die schwachen den Kern bilden lassen und mit ein paar starken auffüllen. Sollte dann natürlich ein Gegner auf Augenhöhe sein.


    Egal wie sehr du es vorlebst, die guten Spieler und deren Eltern werden genervt sein davon, dass Spiele verloren gehen, die sonst eher gewonnen werden. Am Ende vom Tag zählt für die eben das Ergebnis mehr als der Spaß.


    Mir sind zu oft die guten abgehauen zu Vereinen mit weitgehend homogenen Teams und die schwachen haben dann spätestens im zweiten Jahr D aufgehört, weil Fußball nix für sie ist.


    Aktuell habe ich wieder eine E Jugend. Wir spielen verbandsseitig Festivals im Funino 5, und 4+1 auf Jugendtore, FS spielen wir im 6+1. 14 Kinder, alle spielen, komplett durchgemischt.


    Die Kinder wissen genau wer was kann und wer nicht. Da kann Paule mutterseelenallein frei vorm Tor stehen, da wird kein Pass kommen.


    Daher werde ich zukünftig FS ausmachen wo tatsächlich nur die besseren spielen und wo nur die schlechteren spielen.


    Erfahrungen brauchen alle, aber selbst im Trainingsspiel kriegen die den Ball übertrieben gesagt nur beim Einwurf.

  • Das ist immer eine schwere Entscheidung. Die Jungs wollen und sollen spielen. Als Team gewinnt und verliert man nun mal zusammen. Das ist auch eine wichtige Lektion für die Jungs. Solch Niederlagen schmerzen natürlich sehr, aber eine Mannschaft muss lernen damit umzugehen und zusammen daran arbeiten gut zu werden.

  • Ich finde sowas ist immer eine sehr individuelle Entscheidung.

    Es kommt auf so viele Faktoren an. Wie groß ist der Leistungsunterschied? Wie lange spielt man schon zusammen? Ist man rein im Breitensport unterwegs, oder seit ihr ambitionierter? Wie ist das Zahlenverhältnis von schwächeren zu stärkeren?

    Manchmal hilft es ja vielleicht schon, wenn man in solchen Spielen 1-2 schwächere Spieler in die Startelf packt und in der Halbzeit entweder gegen die nächsten 1-2 schwächeren Wechselt.

    U13 ist D-Jugend? Da spielt man ja nur 9:9. Ich unterstelle jetzt mal du hast 9 stärkere (Startformation) und 5 schwächere Spieler?

    Dann sollte es auch den 9 Stärkeren einleuchten, dass sie nicht immer nur unter sich spielen können. Aber vielleicht reicht gegen einen Stärkeren Gegner im Pokal dann auch 2 Wechselspieler. Sofern ihr frei Wechseln könnt, kann man doch mit denen viel rotieren. Wenn das Spiel dann verloren geht, ist es auch nicht so offensichtlich, dass es wegen ihnen verloren ging. So wenn man am Ende wechselt checkt das auch der Letzte und vor allen Dingen die Schwächeren selber (auch kein schönes Gefühl).

  • Zur besseren Einordnung ergänze ich, dass es hier um eine U13 Mannschaft geht.

    In der Altersklasse darf es nicht sein, dass ein Spieler im Kader steht und nicht zum Einsatz kommt. (Ausnahme vielleicht Ersatztorwart, wenn sichergestellt ist, dass diese sich in einem definierten Rhythmus abwechseln). Von daher war es richtig allen Ersatzspielern Spielzeit zu geben. Vielleicht wäre es im Nachhinein schlauer gewesen zwei der schwächeren von Beginn an zu bringen und zwei stärkere draußen zu lassen, damit später immer ein schwächerer einen schwächeren ersetzt und gleichzeitig en stärkerer nochmal nachlegen kann. Aber hinterher ist man immer schlauer.

    Mir zeigt das nur wieder, dass auch in der U13 Wettbewerbe in denen es um etwas geht (egal ob Pokal oder Meisterschaft / Abstieg) nichts verloren haben. Wäre das Ergebnis egal gewesen, hättest Du ohne schlechtes Gewissen alle Deine Jungs spielen lassen ohne Dich vor Dir selbst und wahrscheinlich auch vor deinen ambitionierten stärkeren Spielern und deren Eltern rechtfertigen zu müssen.

    Grundsätzlich sind fünf Ersatzspieler in der U13 natürlich auch eine Menge bei 2x30 Minuten, vier würden da auch reichen. Wenn Du Deinem Anspruch an Spielzeit für alle und den Wettbewerben gerecht werden willst, dann bleibt Dir nur, dass Du in den Spielen in denen es um etwas geht nur die stärksten mitnimmst und die schwächeren bevorzugt gegen Schwache Gegner einsetzt oder separate Freundschaftsspiele ausmachst. - ich bevorzuge nach wie vor Abschaffung der Wettbewerbe.

    Wäre das Ergebnis nicht wichtig und würde das weiterkommen nicht daran hängen, dann wären Diene starken ausgewechselten Spieler sicher auch enttäuscht, sie könnten für sich aber auch sagen, solange ich dabei war haben wir 2:0 gewonnen...

    Ich habe in der NLZ-Förderliga jetzt die Erfahrung gemacht, dass die Jungs jedes Spiel mit Vollgas angehen, natürlich den Anspruch haben zu gewinnen bzw. ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Es gibt da auch eine Tabelle auf die die Jungs schauen, aber der Drittletzte versucht gegen den Tabellenführer trotzdem Tore zu erzielen und mauert nicht um das 0:0 für den Klassenerhalt mitzunehmen. Und wenn es nach dem 2. Drittel Unentschieden steht und ein etwas schwächerer Spieler noch nicht auf dem Feld war, dann bekommt er trotzdem das ihm zustehende Drittel an Spielzeit auch wenn das Spiel am Ende verloren wird, weil der überragende Innenverteidiger seine Pause bekommt und der Gegner einfach von der Bank besser nachlegen konnte. Man ist dann zwar enttäuscht, die Maßnahme an sich stellt aber niemand in Frage...

  • Schwer zu sagen, wer da genau Schuld hat.

    An der NLZ-Förderliga ist der Verband ja letztendlich kaum bis gar nicht beteiligt. Die Liga findet letztendlich ja nur unter dem Dach des Verbands statt. Organisiert und ausgedacht haben sich diese vermutlich eher die Vereine, weil sie erkannt haben, dass der normale Spielbetrieb zumindest für die jüngeren Teams keinen Sinn macht.

    Ich glaube, eine Anregung aus den Vereinen käme, lasst die Wettbewerbe mit Auf- und Abstieg in der Jugend sein und organisiert einen Testspielbetrieb bei dem sich immer gleich starke Mannschaften neu finden und miteinander messen können, würde beim Verband (zumindest in Bayern) mit offenen Armen aufgenommen und umgesetzt werden. Die Ideen beim DFB zu einem sinnvollen Spielbetrieb im Nachwuchs gehen ja in die gleiche Richtung. Ich fürchte der Bremsklotz sind leider die meisten Vereine, die sich nicht von den alten gewohnten Rahmenbedingungen verabschieden möchten - siehe schleppende Umsetzung von Funino und 5+1 bzw. 4+1 ...

    Wenn ich sehe, dass bei uns nach wie vor die U7 und U9 Spiele und Turniere im 6+1 austrägt (das ist keine Verbandsvorgabe, sondern freie Entscheidung der Trainer), dann dauert es noch sehr lange, bis hier Vernunft einkehrt.

  • Es ist ziemlich einfach zu sagen, wer da Schuld hat.


    Der DFB hat schon länger kapiert, dass es neue Modelle braucht, dass es förderlicher wäre, ohne Ergebnisdruck zu arbeiten.


    Ausgebremst wird er bei der Umsetzung modernerer Modelle jedoch zu oft von den Landesverbänden. Und die LV reagieren sehr oft auf den Druck der "altmodischen" Trainer und Vereine, wie Coach1976 es beschrieben hat.

  • Ich fürchte der Bremsklotz sind leider die meisten Vereine

    Denke ich auch, ich bekomme ja durch diversen Facebook-Gruppen die Diskussionen mit, wenn man wieder das Thema Funino aufkommt, da springen alle direkt im Kreis und bekommen Schnapp-Atmung

    "Mehr als eine Trainingsübung ist das eh nicht" oder das Argument, dass man so vielleicht dem Spielerschwund entgegen wirken könnte, wird auch völlig ignoriert "ging früher auch mit 11v11 auf Großfeld"...
    naja, sind vermehrt die alt eingessenen Trainer, die auch auich ihre E-Jugend ohne Ball runden laufen lassen...

    Ich sehe den Jugendfussball in meinem Kreisverband echt auf eine Klippe zu fahren

  • Zum Thema Funino habe ich eine differenzierte Meinung. Fußball besteht für mich aus:

    1 Ball
    2 Tore

    90 Minuten

    Jetzt gehen wir natürlich her und passen den Sport an die Kinder an, indem wir a) das Feld verkleinern, b) die Teamstärke verringern und c) die Spieldauer reduzieren. Es bleibt aber Fußball.

    Bei Funino geht es mir daher ein wenig zu weit mit den 4 Toren. Es ist sicherlich förderlich, und im Training ist das echt eine super Sache. Aber als Wettkampfform wird meines Erachtens der Grundgedanke zu sehr auf "Die Kinder sollen viele Tore schießen" gelegt. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, mal statt 4 Tore einfach 4 Bälle reinzuwerfen. Dann hätten wir auch viele Tore und noch mehr Kinder mit vielen Ballkontakten.

  • Libra Im Grunde ist es ganz einfach: Frag die Spieler! Ich bin immer wieder erstaunt, dass das scheinbar nicht üblich ist. Beim Volleyball gehört eine Mannschaftsbesprechung zu jeder Saison bei der die Ziele für die nächste Saison fixiert werden. Und da kann man mit ner D-Jugend schon besprechen, ob man so spielt dass alle eingesetzt werden und man ggf. mal deshalb verliert oder ob man ergebnisorientiert spielen will und dann ggf. mal welche genau deshalb auf der Bank bleiben. Auch eine Differenzierung nach Liga und Pokal ist ja denkbar und klar läuft das idealerweise im Kontext mit der Ausrichtung des Vereins.

    Der Vorteil liegt ja klar auf der Hand: du hast sofort Klarheit und musst nicht rumrätseln welche Methode das beste ist.

  • Das ist ja die Crux am Mannschaftsport. Leistungsteams nehmen mehr Spieler mit, da weiss der Ersatzspieler das er heute wahrscheinlich nicht spielen wird vom Kopf her. Jeder Einsatz ist dort ein Bonus , da er zeigen das er besser ist als die Startelf vom Trainer. Im Breitensport kommt es auf die Mannschafts- oder Trainerprinizipien an. Wenn das vor der Saison geregelt wurden ist.
    Vor 2-3 Wochen hatten wir auch ein knappes Spiel, da hat mein Ersatzspieler gesagt, es ist besser wenn ich heute nicht spiele und als Begründung das er sich nicht gut fühlt und am Ende haben wir noch gewonnen. Man muss mit den Spielern sprechen, die verstehen das schon. Was Eltern dazu sagen ist doch sekundär, die wissen doch alles besser und können ganz entspannt dem Spiel zuschauen.


  • Bei Funino geht es mir daher ein wenig zu weit mit den 4 Toren. Es ist sicherlich förderlich, und im Training ist das echt eine super Sache. Aber als Wettkampfform wird meines Erachtens der Grundgedanke zu sehr auf "Die Kinder sollen viele Tore schießen" gelegt. Zum Glück ist noch niemand auf die Idee gekommen, mal statt 4 Tore einfach 4 Bälle reinzuwerfen. Dann hätten wir auch viele Tore und noch mehr Kinder mit vielen Ballkontakten.

    Sorry,

    Wenn Du denkst das es bei Funiño hauptsächlich darum geht das die Spieler mehr Tore schießen hast Du wenig davon kapiert.

    Es gibt eine Menge weiterer Vorteile.

    Einfach mehr Aktionen für die Kinder jeglicher Art.

    Nachgewiesen mehr Zweikämpfe, Ballkontakte und ja auch mehr Tore.

    Warum da vier Tore statt zwei Tore stehen ?

    Damit mehr Tore fallen ?

    Nein, der Hauptgrund ist das die Kinder dann nicht so sehr auf die Mitte fokussiert sind sondern dadurch das es zwei Gegnertore gibt eine gute Übersicht belohnt wird. Sie erkennen spielerisch das es oft mehr bringt den Kopf hoch zu nehmen und das freie Tot zu erkennen als blind mit den Kopf durch die Wand durch die Mitte zu drängen.

    Überhaupt lernen die Kinder bei Funiño vieles auf spielerische Art, individuell , aber auch im zusammenspiel.

    Aber ich will hier auch kein weiteres Plädoyer über Funiño halten, die Vorteile sind hier den meisten bekannt.

    Dir empfehle ich aber trotzdem sich besser darüber zu informieren bevor Du so gefährliches Halbwissen weiterverbreitest.

    Am leichtesten geht das mit der Lektüre von Horst Wein.

  • Das sind für mich klare Trainingsinhalte. Wieso muss ich Training im Wettkampfspiel machen?

  • Weil der Wettkampf in diesem Alter* absolut vorrangig der sportlichen Entwicklung dient. Dementsprechend mache ich hier das, was dazu am besten geeignet ist.


    *nicht falsch verstehen: Das gilt auch bei deutlich älteren Spielern noch

  • Im Ausbildungsbereich ist das Training nicht die Vorbereitung auf den Wettkampf.

    Sondern der Wettkampf ist die Fortführung des Training😉

    Das ist zumindest für den Breitensport m. E. einfach nicht richtig.


    Warum wird immer eine angeblich optimale Ausbildung zur Maxime unseres Handelns als Trainer gemacht? Ein Trainer im Kleinfeldbereich, dessen Ziel es ist, möglichst viele Kinder im NLZ oder im Stützpunkt unterzubringen, handelt nicht Kind-gerecht. Wir reden hier nicht von der Schule, sondern von einer Freizeitaktivität.


    Es geht aus meiner Sicht bis einschließlich der D-Jugend allein darum, den Kindern Freude am Fußball zu ermöglichen, damit sie längerfristig dem Fußball erhalten bleiben, auf welchem Niveau auch immer. Kinder wollen aber Fußball spielen und zwar so wie die Großen, ein Tor auf jeder Seite. Ob Sie dabei ausgebildet werden, ist zunächst unerheblich, Hauptsache sie bekommen nachhaltig Spaß am Fußball. Dazu gehören aber vor allem aus Sicht der Kinder ab der F-Jugend auch Liga-Wettbewerbe und ja! auch Tabellen und klassische Turniere.


    Es ist mE. falsch verstandener Ehrgeiz von Seiten der Trainer, wenn den Kindern abverlangt wird, bis zu einer bestimmten Altersstufe bestimmte Ausbildungsziele erreicht zu haben, damit die Trainer auf diese Weise ihr eigenes Ego befriedigen können. Wenn man das anders handhabt, befördert man bereits im Kleinfeldbereich Drop Out. Und der lässt sich ja nicht leugnen.


    Ich vertrete diese Thesen als ein Papa-Trainer ohne Lizenz, der in seinem Team von den Bambini bis zum Ende der D-Jugend keinen einzigen Drop-Out Fall im Team hatte (ich habe nach der D-Jugend aufgehört) und dem gleichzeitig mehrfach attestiert wurde, dass seine Jungs fußballerisch (nebenbei!) ganz gut ausgebildet sind.

  • luibo schreibt wie es sein sollte. EnterTrainer schreibt wie es ist. Deshalb passen wir die Wettbewerbsform an und das kommt beiden zu gute - ganz besonders den Kindern :-)

    Die anderen Argumente wurden teilweise auch schon hier Wettkampfstrukturreform - allgemeiner Austausch ausgetauscht.

    Und ich hatte auch keinen Drop-out von Bambini bis D-Jugend ;-) - und das obwohl ich anders als EnterTrainer vorgegangen bin.