Beiträge von let1612

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    open-minded : dann hat bei dir der Masterplan wohl nicht die beabsichtigte Wirkung erzielt - woran machst du das fest?


    Ich finde z.B. den Ansatzpunkt

    "Unser Ziel ist es, Vereine in der Entwicklung zukunftsfähiger Wettbewerbs- und Freizeit-Fußball-Angebote zu fördern."

    sehr interessant.

    Konkretisiert wird das auf Seite 16 und 17 mit:

    Spielformen im Kinderfußball und Tag des Mädchenfußball

    => 2 Themen, die auch hier immer wieder zu vielen Diskussionen führen


    Interessant finde ich das, weil den Vereinen keine 100% Lösungen serviert werden und sie am Prozess beteiligt werden (bzw. sie sich am Prozess beteiligen müssen). Und diesen Prozess finde ich sehr interessant (auch hier in den Diskussionen). Wer bringt sich ein, wer setzt was und wie um, wer schaut es sich vom Rand an und wer steht außen und meckert nur? Wem wäre es lieber, dass sich nichts ändert und wer will nur etwas auf Befehl umsetzen?


    Weiterhin ist der Prozess auch in den Verbänden sehr interessant zu beobachten.

    Bin gerade drüben bei facebook über einen Link gestolpert. Sollte das Live Scouting zur Normalität werden (wie es heute schon Fußballcamps und Förder-/Einzeltraining sind), dann wird es zukünftig wahrscheinlich noch mehr Wechsel geben - und ich gehe davon aus, dass Vereine daran nicht mit beteiligt/entschädigt werden (vielleicht höchstens, wenn man ihre Sportplätze benötigt). Und ob das "alles für das Kind/Jugendlicher" noch das Motto sein kann, bezweifel ich auch sehr stark.

    "Die Europameisterschaft hat viele Tore und einige interessante taktische Entwicklungen hervorgebracht. Während einige "Trends", wie die Fokussierung auf die "Goldenen Zone" und die "Assist Zone" nur eine Fortführung von bereits bekannten Entwicklungen waren, ist vor allem die "neue" taktische Rolle der Außen- und Flügelverteidiger eine Entdeckung dieser EM. Sie sind nicht mehr nur primär als Vorbereiter, sondern zunehmend auch als Abschlussspieler in Erscheinung getreten."

    Quelle mit Bildern - dfb-akademie.de

    Ich bleibe hier, wenn ich das hier auch im Frustabbau-Thread schreiben könnte. Die Kinder haben heute mehr Wettkampf als früher - sie haben sogar mehr Spielzeit als früher. Und ich belege meine Aussagen auch:

    - früher gab es (in vielen Kreisen) keine G-Jugend Wettbewerbe: heute wird 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 gespielt - meistens 7 Spiele (Wettkämpfe) a 7 min. -> 49 min. Wettkampf gegen meist ca. 2-4 Teams in 7 Spielen

    - früher wurde in der F-Jugend 7 gegen 7 2x 20 min. gespielt (Gesamtspielzeit: 40 min.) -> heute (wer Minifußball spielt) 3 gegen 3 (7x 7 min. -> 49 min.); oder beim 5 gegen 5 z.B. 6x 10 min. (Gesamtspieldauer: 60 min.) und ich habe nicht einen Wettkampf, sondern 6 an einem Tag

    - selbst im ersten E-Jugend-Jahr stehen den 60 min. im Minifußball nur 50 min. (2x 25 min.) und nur ein Wettkampf im 7 gegen 7 gegenüber.


    Auch in der D-A-Jugend gibt es heute für die Nachwuchsspieler meistens mehr Wettkämpfe als früher. Es gibt v.a. von der Qualität her mehr hochwertige Spiele (Wettkämpfe) als früher. Ich komme aus Stuttgart, deshalb hier meine Beispiele:

    - die Weltmeister 1990 G. Buchwald und J. Klinsmann spielten in BaWü in der A-Jugend noch in einer zweigleisigen Verbandsliga. Eine Staffel gewann immer der VFB Stuttgart oder die Stuttgarter Kickers - es kam auf 2 Spiele in der Saison an, wer Meister wurde. Die anderen Spiele waren Selbstläufer. Und auch die andere Staffel gewannen 2-3 Teams jedes Jahr. Der Sieger aus dem Finale (meistens ein Stuttgarter Verein) nahm dann an der Deutschen Meisterschaft teil.

    - ein Europameister 1996 F. Bobic (1990 DFB-Jugend-kicker-Pokalsieger) spielte noch keine Regionalliga in der A-Jugend (wurde erst 1997 eingeführt)


    Früher gab es keine Halbjahresgespräche und auch keine Kader mit so vielen Spielern (die meisten Vereine hatten noch eine U18 - und auch dort spielten spätere ChampionsLeague-Sieger). Der Wettbewerb und Druck hat zu- und nicht abgenommen - noch dazu kommen Spieler aus größerer Entfernung (Stichwort: Internat). Ein internationales Turnier ist für die Spieler heute ab der C-Jugend etwas völlig normales - früher war das noch etwas besonderes.


    Mir stellt sich da die Frage, ob es nicht zuviel ist. Ob es nicht auch ein Punkt zu der Aussage von N. Elgert ist: "Heutzutage wollen alle etwas sein. Niemand will mehr etwas werden." Ich werde heute schon in der C-Jugend mit Bus zum Spiel gegen Chelsea gefahren - welche Ziele habe ich da noch für die Zukunft?


    Der deutsche Fußball hat genügend Talente - Talent allein reicht allerdings nicht (Wille, Leidenschaft, Demut, Disziplin u.a. gehören auch dazu)

    Aus dem Leben eines Dorfklubs:

    Es sind oftmals nicht die Kinder/Jugendlichen, die auf die Idee kommen den Verein zu wechseln.


    Trainer:

    - beim D-Jugend Freundschaftsspiel werden Eltern von einem Trainer einer nicht-beteiligten Mannschaft angesprochen und bekommen sein Kärtchen mit der Einladung zum Probetraining

    - Eltern eines C-Jugend-Spielers bekommen eine WhatsApp mit der Einladung zum Probetraining

    (meine Erlebnisse in den letzten 14 Tagen)


    Scouts (nach dem Motto die NLZs machen es auch so).

    - siehe Link


    Eltern


    Kinder und Jugendliche, die sich verbessern oder mit ihrem Freund zusammen spielen wollen und deshalb den Verein wechseln, sind eher die Ausnahme (nimmt mit zunehmendem Alter zu, nicht aber so stark wie die letztendlich durchgeführten Wechsel).

    Nur mal ein paar Fakten:

    - es handelt sich um TSG Hofherrnweiler (U15 - Bezirksstaffel) und VfR Aalen (U15 - Landesstaffel) - eine Liga Unterschied

    - beide Vereine haben große Kader

    - die 1. Mannschaft vom VfR Aalen spielt Regionalliga und die der TSG Hofherrnweiler spielt Verbandsliga Württemberg - zwei Ligen Unterschied

    - der VfR Aalen spielt mit der U17 Verbandsliga (u.a. mit FC Heidenheim II) und mit der U19 Oberliga BaWü. Die TSG Hofherrnweiler spielt mit der U17 (Bezirksstaffel) und U19 (Landesstaffel)

    - die Sportanlagen sind ca. 2,5 km auseinander


    Und jetzt soll das ganze mit einem kurzfristigen Probetraining über die Bühne gegangen sein - das glaube ich nicht. Und wenn es so wäre, wäre es aus meiner Sicht eher ein unprofessionelles Verhalten auf Seiten des VfR Aalen als auf Seiten der TSG Hofherrnweiler.


    Ich schaffe es in einem Dorfclub einem Kind ca. 3 Schnuppertrainings (Probetrainings) zu bieten, um sich für oder gegen den Verein/Mannschaft zu entscheiden (und ja, auch zu Corona-Zeiten) - und auch um mir ein Bild von dem Kind zu machen. Und bei einem ambitionierten Verein wie dem VfR Aalen will der Trainer das nach einem Training beurteilen, dass das Kind fußballerisch (das traue ich ihm noch zu) und menschlich (das traue ich ihm nicht zu) in den Kader passt. Meistens muss ja ein Kind dafür weichen - und auch für das hat man als Trainer eine Fürsorge. Von daher zweifel ich den Ablauf stark an.


    Und selbst wenn es so war, könnte es gute Gründe geben, den Spieler erst einmal zu sperren - z.B. Wechselaktivitäten zwischen den Vereinen in anderen Altersklassen mit problematischen Hintergründen oder vereinseigene Sportartikel (z.B. Trainingsanzug u.a.).

    Warum ist im Fußball alles reglementiert, aber der Vereinswechsel nicht? Hier gibt es noch nicht einmal ein Gentlemen Agreement.

    Wie könnte man den Vereinswechsel für die Kinder und Jugendlichen verbessern? Aus meiner Sicht stehen diese bei den Wechseln meistens nicht im Mittelpunkt und das sollten sie aber aus meiner Sicht.

    Hier einfach mal ein paar Gedanken von mir zu möglichen vorgeschriebenen Verbesserungen:

    - Anzahl an X Probetrainings

    - Min. 2 Spiele mit Gastspielerlaubnis

    - ein protokolliertes Gespräch zwischen abgebenden und aufnehmenden Trainers

    - ein "Ablösespiel"

    - eine neutrale Person muss zustimmen

    - Fahrzeit oder Kilometer-Begrenzung (evtl. nach Ligenzugehörigkeit)

    - "Elterntest" (Elterngespräch)

    - Probezeit nach Vereinswechsel

    - Medizintest

    ein Fussballtrainer ist ein normaler Arbeitnehmer für den die deutschen Arbeitnehmergesetzte gelten. Und das bedeutet nach 2 Jahren ist es ein unbefristetes Angestelltenverhältnis, ganz gleich welche Befristung im Vertrag steht.

    Ganz so eindeutig sehe ich das nicht.


    "Die für die Praxis hoch interessante Frage, ob Trainer im Amateurfußball als Arbeitnehmer zu qualifizieren sind, wurde bisher noch nicht höchstrichterlich entschieden. Die Arbeitsgerichte haben in der Vergangenheit hierzu tendenziell die Auffassung vertreten, dass Amateurtrainer keine Arbeitnehmer sind (vgl. LAG Frankfurt, Urteil vom 27.10.1964 – 5 Sa 136/64; LAG Düsseldorf, 26.03.1992 – 7 Ta 20/92, LAGE § 611 BGB Arbeitnehmerbegriff Nr. 25; LAG Köln, Beschluss vom 01.08.1997 – 11 Ta 106/97, BeckRS 1998, 41465.

    In jüngerer Zeit ist jedoch zu beobachten, dass auch im Amateurbereich tätige Trainer von den Instanzgerichten vermehrt als Arbeitnehmer qualifiziert werden (vgl. LAG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 07.07.2014 – 3 Ta 21/14, NZA-RR 2014, 492; LAG Köln, Urteil vom 04.05.2012 – 4 Sa 56/12, BeckRS 2012, 73133; LSG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 27.04.2006 – L 1 KR 31/04, SpuRt 2008, 126)."

    Quelle: adovogarant.de


    Bei den Fußballprofis wurde auch anders entschieden - zum Beispiel Heinz Müller (FSV Mainz 05)


    Fußball steht da nicht alleine da (siehe sportschau.de zum DSOB-Konzept) und in §14 TzBfG ((1) Satz 7:

    "der Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind, und er entsprechend beschäftigt wird"

    geklagt hat auch noch keiner.

    Ich ergreife mal Partei für den Verein.

    Ich bilde einen Spieler über Jahre aus und der geht dann nach einem einmaligen Probetraining kurzfristig zu einem anderen Verein (ohne ein Gespräch) - da hätte ich auch meine Probleme. Und die Probleme wären noch größer, wenn der Verein evtl. in einer Jahrgangsstufe viele Spieler im Kreis/Bezirk einsammelt, weil er zuvor keine oder keine gute Jugendarbeit leistet. Das weiß der einzelne Spieler nicht, aber der Verein verliert jährlich viele Spieler und bekommt Unruhe in seine Mannschaften (warum er und nicht ich? oftmals von den Eltern gesteuert). Da kann ich Sperren schon verstehen - die Sperren Schaden den Vereinen mehr als den Kindern und Jugendlichen. Sperren nämlich mehrere "geschädigte" Vereine ihre wechselnden Spieler, hat der aufnehmende Verein am Anfang der Saison keine wettbewerbsfähige Mannschaft.

    In Bayern haben wir zum Glück seit letzter Saison die Meldeliga - ich hoffe damit wird das Einsammeln von Spieler zumindest im Kreis etwas weniger.

    Goodie : der Tipp mit der Rückfahrt/Abendessen gilt nicht nur für Papa-Trainer, sondern insgesamt für Papa's ;) - und er ist nicht unbedingt leicht umzusetzen;) (unabhängig von der Jugend)

    vangaalsnase und Charles De Goal : Vielen Dank für die Ausführungen.


    vangaalsnase : das Prinzip "GP-Strukturen bei eigenem Ballbesitz" kann ich nachvollziehen. Ich habe nur mein Problem damit, dass wenn der Gegner das auch so macht, dass sich dann eine "Pressingwalze" über das Spielfeld schiebt. Und ja, da hätte ich dann gerne, dass meine Spieler es schaffen aus der GP-Struktur auszubrechen - auch wenn das auf Kosten des Prinzipes "GP-Strukturen bei eigenem Ballbesitz" geht.

    Der DFB ist aus meiner Sicht mit seinen offensiven Leitlinien hiervon nicht weit entfernt:

    "Mit und ohne Ball Gegner binden, ohne Ball anspielbar sein oder Zugriff auf den Gegner haben!"

    Hier wird auch in Ballbesitz bereits an den Ballverlust gedacht.


    Mir persönlich gefällt der Satz "bei gegnerischem Ballbesitz Raum eng machen. Bei eigenem Ballbesitz den Raum öffnen" (Raum groß machen) schon - allerdings nicht als Ziehharmonika-Prinzip sondern eher wie die Leitlinie "Raum so tief wie möglich und so breit wie nötig aufteilen!" - Ziehharmonika interpretiere ich mit breit machen und an den Seitenlinien steht kein Tor. Wenn ich allerdings die Länge/Tiefe auch nütze, komme ich näher zum Tor. (viele Trainer und Spieler haben dies allerdings nicht auf dem Schirm, wenn sie von groß machen sprechen - viele sprechen ja auch explizit von breit machen).


    Noch etwas zu den kurzen Pässen und der höheren Wahrscheinlichkeit, dass sie ankommen. Für den einzelnen Pass stimmt das 100%ig. Wenn ich allerdings 10 kurze Pässe benötige um einen Raumgewinn zu bekommen wie bei einem langen Pass, könnte die Wahrscheinlichkeitsrechnung auch umschlagen (1 von 10 langen Pässen -> 10%; Kurzpassquote von 80% führt bei 10 Pässen auch zu knapp 11% (hoffentlich habe ich gerade richtig gerechnet ;))).

    Er hat in vielem Recht, aber das ist falsch und wird auch nicht richtig, wenn es öfters wiederholt wird.

    "In den Verbänden gibt’s Überlegungen, wegen des Leistungsdrucks bei ganz jungen Spielern keine Tore mehr zu zählen, Sieg, Niederlage und Tabellen abzuschaffen. Völliger Blödsinn!"


    Tore und Sieg/Unentschieden/Niederlage wird es weiterhin geben! - bei allen Verbänden.


    Ich glaube übrigens auch, dass es bei RB Leipzig keine Vier gegen Vier-Tabelle gab und Joshua Kimmich hat trotzdem alles gegeben. Und so hätte er es als 8-jähriger beim FUNino auch gemacht.


    Ansonsten ein gutes Interview aus meiner Sicht.


    Auflösung und Quelle