Ei gude wie,
ich weiß nicht ob hier so ein ähnliches Thema schon besteht, habe zumindest nichts gefunden.
Ich möchte einfach mal ein Thema ansprechen wo ich mir gut vorstellen kann das es denjenigen die davon betroffen sind eher unangenehm ist, da ist nicht sehr einfach ist. Diejenigen die sich nicht betroffen fühlen möchte ich vorweg sagen: seit froh und seht zu das es so bleibt!
Ich spreche davon wenn ein Trainer zusammenbricht unter der Last die er zu tragen hat. Letztes Jahr im November ist bei mir das "Burn-Out-Syndrom" aufgetreten. Ich hatte zu dem Zeitpunkt hier in der Hauptverantwortung die C- und B2-Jugend und A-Jugend als Manager da unser Trainer neu ist in der Jugend und ich die Jungs alle kenne.
Hinzu kam noch so Sachen wie die Homepage und der Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Seelsorger, Mädchen für alles, gute Seele und eben der der immer da ist und den alle kennen. Ich war 6 Tage die Woche jeden Tag mindesten 5 Stunden für die Kids aufm Platz und Sonntags bei den Aktiven waren die Kids dann bei mir. Ich kann nicht sagen das ich das doof gefunden hätte, ich hatte und habe eine sehr starke emotionale Bindung zu den Jungs, zu allen. Später dazu mehr ...
Daheim habe ich dann an der Homepage geschraubt oder Papierkram erledigt, Sponsoren gesucht und Ideen gesammelt was man mit den Jungs alles so veranstalten könnte, Training geplant, gelernt (vor allem Medizinischen Krempel),sprich es war ein echter Fulltime Job, nicht selten 12-14 Stunden am Ende pro Tag.
Meine Kids fanden es toll wie sie umsorgt worden sind. Ich kann mit stolz behaupten das mir uns von allen Vereinen hier in der Umgebung deutlich absetzen. Das fängt damit an das alle Jugendmannschaften in den selben Trikots spielen (ja woanders vllt normal, hier aber nicht), das mir eine JSG Hymnde haben (Manowar - Number one), das die Jungs ohne Ende Klamotten für kleines Geld bekommen konnten wo groß und breit "JSG Pohlheim" drauf steht (hab ich dann in der Firma gemacht), das die Jungs Powerade zu jedem Spiel bekommen haben, meine Torjungs musste nie was für Handschuhe bezahlen und haben alle 2 Monate neue bekommen (hatten einen eigenen Sponsor dafür) und das ein Keeper mal 10 Trikots zum aussuchen hatte ist auch nichts neues hier gewesen. Kurz gesagt: Ich bin sicherlich in weiten teilen weit übers Ziel hinausgeschossen am Ende ...
Ich hab dann irgend wann gemerkt das was nicht stimmte, nämlich als ich auf einmal mit Bauchweh zum Training mit der C bin. Die C-Jugend liegt emotional am stärksten bei mir, eben weil ich mit den Jungs echt ganz ganz unten begonnen habe. Das ganze hatte sich dann immer weiter geführt, ohne das ich es groß gemerkt hatte aber ich wurde zunehmend aggrressiver den Jungs gegenüber, oder den Schiris. Der Knackpunkt war dann wo ich wegen eines falschen Einwurfs vom Platz geflogen bin weil ich dem Schiri an den Kragen wollte!
Am nächsten Tag mit der C haben die Jungs gemeint das ich mich sehr verändert hätte ... und das tat richtig weh es von den Jungs zu hören. Das war dann auch gleichzeitig das letzte Spiel mit den Jungs, nicht das die Jungs mir nicht die Treue gehalten hätten, ich könnte euch stundenlang Storys erzählen warum ich auf die Jungs so stolz bin, nur eine Sache als Beispiel: Als bei meinem Astra der Motor kaputt war haben die Jungs von der C angefangen Geld zu sammeln für einen neuen Motor ...
Ich hab dann in der Woche danach eine JSG Versammlung einberufen wo ich die Situation erklärt habe und ich kann euch sagen das war ein harter Tag. Selbst die Jungs aus der A haben angefangen zu heulen, von der C möchte ich mal nicht sprechen, denkt es euch.
Ich musste dann sofort alles abbrechen, die Kontakte einfach alles weil es bei mir schon sehr weit fortgeschritten war im Krankheitsbild.
Ich muss seit dem auch jeden Tag Tabletten nehmen die mich künstlich auf einem brauchbaren Level halten und das wohl nun für immer aber okay ...
Nur die ganze Sache hat einen Haken, ich konnte nicht mehr mit den Jungs aber noch weniger ohne die! Ich bin ein Loch gefallen das unendlich tief war. Die Mutter von meinem Keeper in der C hatte sich dann sehr um mich gekümmert, wofür ich ihr auch sehr dankbar bin weil ohne wäre ich nie wieder auf die Beine gekommen! (Für nicht wissende: Das Burn-Out-Syndrom endet unter umständen im suizied).
Besagte Tabletten machen es möglich das ich heute wieder auf Sparflamme mit der B2 arbeiten kann aber definitv nicht mehr so wie früher. Im verlauf von dem ganzen verliert man die Fähigkeit zu entspannen, deswegen muss ich heute viel mehr Abstand nehmen von allem. Ohne den Fussball würde gar nichts gehen, mein Therapeut hat mir auch geraten vorsichtig bei der Sache zu bleiben.
Den Kontakt zur C habe ich mehr oder weniger gehalten. Ich bin bei den Spielen dabei wenn ich kann und rede als mal kurz mit den Jungs. Ich kann aber auch hier nur wieder respekt an die kleenen zollen das die so verantwortungsvoll mit der Sache umgehen und mich oft genug einbremsen ... die Tatsache das ich den neuen Trainer von denen jedes mal am liebsten eine rein hauen würde hat damit aber nix zu tun, das ist ein anderes Thema.
Warum schreib ich das alles ... nun mir ist bewusst das ich sicher nicht der einzigste Mensch auf der Welt bin der sich so liebevoll um seine Jungs kümmert ... und ich möchte einfach mal denen die es nötig haben, vor Augen halten was alles passieren kann. Ich habe lang nicht alles geschildert das sprengt den Rahmen.
Einen richtigen Schlusssatz fällt mir eben nicht ein drum beende ich diesen Beitrag mit dem Motto unsrer JSG
"Wir sind geboren um die Nummer Eins zu werden" (Manowar - Number one)
In diesem Sinne ...
Daniel
