Isolierte Übungsformen vs. Spielformen (U10-U12)

  • Woher ziehst du dir deine Spielformen mit den verschiedenen Schwerpunkten jeweils?

    Mittlerweile bin ich richtig stolz darauf, einen Großteil meiner Trainingsinhalte selbst zu entwickeln. Wenn dich meine Methodik interressiert, kann ich dir mal eine Einheit samt dazugehörigen Überlegungen von mir zukommen lassen.

    Also nach der Zeit entwickelt man da natürlich auch selber was, klar, aber wie hast du angefangen auf welcher Basis?

    Angefangen habe ich im Grunde genau so, wie ich mit Übungsformen angefangen habe. Ich habe (und mache es teilweise immer noch) ganz einfach in diversen Büchern, DVDs und auf Internetplattformen nach Spielformen mit passendem Schwerpunkt gestöbert.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • wo die verteidiger nicht reindürfen...

    Da hast du dann ja auch keinen gegnerdruck:/

    Bei einer U9 wo gefühlt 60% der BA/BM noch schlampig sind würde ich das definitiv so machen, wenn der Fokus auf dem Zuspiel von der Seite liegt. Bei einem höheren Niveau kann man später bestimmt auf 3vs3 in der Mitte und 1vs1 in den Außenzonen gehen, aber grundsätzlich ging es ja darum, wie man den o.g. "starren Ablaufplan" A-B-A-C-Querpass in eine Spielform verpacken kann.

  • Bei einer U9 wo gefühlt 60% der BA/BM noch schlampig sind würde ich das definitiv so machen, wenn der Fokus auf dem Zuspiel von der Seite liegt. Bei einem höheren Niveau kann man später bestimmt auf 3vs3 in der Mitte und 1vs1 in den Außenzonen gehen, aber grundsätzlich ging es ja darum, wie man den o.g. "starren Ablaufplan" A-B-A-C-Querpass in eine Spielform verpacken kann.

    Ok. Unabhängig von deiner spielform wäre für mich zweifelhaft, ob ich bei einer u9 flanken/Hereingaben üben lassen würde. Zumal ich bei der Anordnung schon Verhaltensmuster schaffe- nach aussen und flanken/passen.

    Sehe ich als grosses Problem bei aller Begeisterung für spielformen.

    Jede spielform sollte bitte auch den Ausbildungsstand und den Entwicklungsstand berücksichtigen. Für eine u9 finde ich diese spielform z.b. absolut ungeeignet.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • ich hoffe nicht, dass die Übungsform-Trainer sich nicht trauen hier zu schreiben. Ich würde mich freuen gerne auch Meinungen aus diesem „Lager“ zu hören und warum die auch Übungsformen für sinnvoll erachten.

    erwischt ^^


    Ich bin zwar kein "Übungsform-Trainer" sondern lasse ebenso überwiegend in Spielformen trainieren, allerdings erachte ich es als sinnvoll manche Techniken auch in Übungsformen trainieren zu lassen.


    Da ich mit dieser Meinung allerdings hier im Forum zwischen den ganzen Horst-Wein-Jüngern ziemlich alleine dastehe und diese doch recht aggressiv versuchen jeden zu missionieren, habe ich Diskussionen hierüber sein lassen...

  • Hallo zusammen,

    ich würde gerne mal meinen Standpunkt zum Thema mitteilen und vielleicht so auch noch mal andere Aspekte in die Diskussion mit einbringen.

    Grundsätzlich geht es im Fußball ja immer um die Aspekte wahrnehmen, entscheiden und ausführen. Vor der Ausführung (Technik) kommt also grundsätzlich immer eine Entscheidungskomponente, sprich das individuelle taktische Verhalten. Am Ball könnten das folgende Aspekte sein: Dribble ich, passe ich, schieße ich? Wenn ich mich für eines entschieden habe, muss ich noch entscheiden, wohin ich bpsw. passe, mit welcher Geschwindigkeit und in welchem Moment. Erst dann führe ich die Entscheidung aus. Bei einer Iso-Form fällt genau diese Komponente weg. Ich passe oder dribbele dahin, weil der Trainer es so will und nicht, weil ich es so entscheide. Aus der Selbstbestimmtheit wird somit eine Fremdbestimmtheit. Dies ist nunmal der große Nachteil einer Iso-Form. Im Gegensatz zu den Spielformen, gibt es in den Iso-Formen aber meist mehr Ballkontakte und Wiederholungen und man kann sich auf die vermeintliche Idealtechnik konzentrieren. Dass es die jedoch eigentlich nicht geben kann, da alle biomechanisch anders agieren und keine Situation die gleiche ist, lautet die These Schöllhorns. Ich denke aber dennoch, dass es gewisse "Algorithmen" gibt, die bei jedem Spieler in der Technik gleich sind. Bspw: Die Fußspitze beim Innenseitstoß anzuziehen, damit der Fuß fixiert ist. Letztendlich muss Technik aber eines sein: Funktionell. Im Prinzip ist's doch total egal, wie elegant der Ball von A nach B kommt, Ästhetik spielt keinerlei Rolle. Das wichtige ist, dass der Ball im richtigen Moment, mit der richtigen Geschwindigkeit an die richtige Position gelangt. Oder zählt ein Tor mit der Picke etwa weniger als eines mit dem Spann?

    Mitnichten. Es wäre aber falsch daraus zu schließen, dass es keinerlei Techniktraining benötigt. Vielmehr müssen wir die individuelle Entwicklung der Spieler und technische Ausführung zulassen. Wenn jemand lieber mit dem Außenrist passt, lass es ihn machen.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Die Diskussion wird's auch in 20 Jahren noch geben. Für mich haben Iso-Formen in zwei Teilen des Trainings durchaus ihre Daseinsberechtigung: 1. Im Regenerationstraining bei älteren Altersklassen und 2. in der Herz-Kreislauf-Aktivierung, sprich im Aufwärmteil.

    In allen weiteren Teilen würde ich Spielformen vorziehen, da diese einfach effizienter sind. Wir haben nun einmal meist nur 2x90 Minuten. Da müssen wir Technik, Taktik und Koordination schulen.


    Aus dem Grund habe ich mir für meine Einheiten das Modell von Bert van Lingen (Quelle: Coaching Youth Football) genommen und etwas adaptiert. Im Kern sieht das Modell folgendermaßen aus. Angenommen, das Thema heißt Spielaufbau. Technisch wären dabei die Inhalte Passen (inkl. 1. Kontakt) und Dribbling von Bedeutung.

    Ich starte mit einer kurzen Erwärmung. Danach starte ich in den ersten Technischen Übungsteil, hier das Dribbling. Die Formen können verschiedene Übungsformen zum Dribbling sein. Bspw. wird in einem Feld gedribbelt (mit verschiedenen Aufgaben: Rechts, links, Richtungswechsel usw.). Irgendwann zeigst du als Trainer eine Farbe an und die Spieler müssen so schnell wie möglich durch das aufgestellte Hütchentor in der Farbe dribbeln. Im Anschluss spielst du auf Dribbeltore, bspw. 4v4. Dabei kannst du die Teams so wählen, wie du sie Samstags hast, bzw. anfänglich haben wirst, da ja hoffentlich die Positionen rotiert werden. Da kannst du dann auch schon auf kleine Aspekte im Spielaufbau eingehen, bspw. den Raum zu öffnen und in Breite und Tiefe zu besetzen.

    Danach ist das Passen und der erste Kontakt dran. Dabei kannst du bspw. 2v1 aufs große Tor oder Minitore spielen, denn das Ausspielen einer Überzahl ist ein wichtiger Aspekt im Spielaufbau. Im Anschluss spielst du dann, bspw. 4v3 auf je zwei Minitore je Seite. So lernen die Spieler das Spiel im Spielaufbau geduldig zu verlagern. Implizit schulst du also Taktik und durch die Wahl der Tore damit auch noch mal die entsprechende Technik.

    Ähnlich kann man für das Übergangsspiel oder das Spiel im letzten Drittel auch vorgehen. Sollen defensive Aspekte geschult werden, wie das defensive 1v1, wäre im technischen Bereich das Dribbling und fintieren zu trainieren, da eine Defensivaktion ja auch immer gleichzeitig eine Offensivaktion für den Gegner ist.

  • Ich persönlich finde, dass isolierte Übungen auch zu einem Teil ihre Daseinsberechtigung haben.


    Man sollte sie aber passend, in Maßen, zielgerichtet und auch nur vorbereitend für etwas spielnahes nutzen.


    Bei den kleinsten/nicht so weiten Kindern, finde ich es zb sinnvoll um ihnen die Bewegungsmuster, Finten, Abkapp- und Ballführungstechniken beizubringen und zu verinnerlichen. Insbesondere wenn man ihnen dann bei Dinge wie Fusshaltung in Ruhe erklären kann und sie diese danach mehrere Male wiederholen, setzen sie es später besser um.


    Nach solchen Übungen steigere ich es gerne mit einem 1gegen1 wo die Kinder diese Dinge direkt versuchen können es spielnah umzusetzen.


    Anschließend kann man es ja weiter steigern mit anderen Spielformen bzw bei den kleinen halt viel 2vs2/3vs3.


    Mir persönlich ist aufgefallen, dass wenn man diese isolierten Übungen macht, in der Regel macht man sie ja , ich nenne es mal "symmetrisch" sprich beidfüßig, und man darauf achtet, dass die Kinder diese Beidfüßigkeit auch in den Spielformen einsetzen, sie immer unbewusster den richtigen Fuß nutzen.


    Was ich sagen möchte ist, dass man bestimmte Grundlagen durch isolierte Übungsformen besser erlernen kann. Durch diese "Trockenübungen" erlernen sie es einfacher, sollten es aber auch im Anschluss versuchen es spielnah umzusetzen.


    Je älter bzw besser die Kinder werden, desto weniger müssen sie um die Hütchen dribbeln und desto mehr erhöht sich der Anteil der Spielformen.


    Und je besser ein Kind den Ball und die Grundlagen beherrscht, desto besser kann es die Spielformen umsetzen.


    Solange beim Kind bei der Ballmitnahme oder Pass jedes Mal der Ball verspringt oder 3m vorbei gespielt wird, weil es den Fuss falsch hält oder den Ball immer wieder an der falschen Stelle trifft, kann ich es mit einer isolierten Übung öfters wiederholen und erklären. Sobald es die Basics drauf hat und es ohne Gegnerdruck klappt, kann ich das Kind dem Gegnerdruck in einer Spielform aussetzen.


    Es wird dann zwar zu Beginn auch Probleme haben, aber jetzt weiss es ja wie es den Fuß halten und wo es den Ball treffen soll. Lediglich an der Umsetzung hapert es durch den Gegnerdruck, aber nicht weil es nicht weiss wie.


    Ist aber halt nur meine Meinung. Ich persönlich trainiere mit meiner U10 lieber in passenden Spielformen, aber um diese Spielformen umzusetzen müssen bestimmte Dinge noch erlernt bzw verbessert werden.


    Ich baue deswegen auch immer wieder gerne solche Übungen ein oder kombiniere sie wenn es möglich ist.


    Ich hoffe ich habe es nicht zu verwirrend geschrieben :S

  • Solange beim Kind bei der Ballmitnahme oder Pass jedes Mal der Ball verspringt oder 3m vorbei gespielt wird, weil es den Fuss falsch hält oder den Ball immer wieder an der falschen Stelle trifft, kann ich es mit einer isolierten Übung öfters wiederholen und erklären. Sobald es die Basics drauf hat und es ohne Gegnerdruck klappt, kann ich das Kind dem Gegnerdruck in einer Spielform aussetzen.

    Genau so sehe ich es auch. Verstehe nicht wie viele Trainer Ihre Jungs mit starken technischen Defiziten einfach in Übungsformen reinwerfen. Es muss zumindest mal eine gewisse Grobform der Technik erarbeitet werden, damit eine Spielform überhaupt Sinn macht.

    Wenn ein Kind absolut nicht mit dem Ball dribbeln kann (Was in frühem Alter ja meinetwegen in Ordnung ist), kann ich es doch schlecht in 1vs1 Situationen schicken und ihm Beibringen nach der Finte das Tempo explosionsartig zu steigern.

  • Bspw: Die Fußspitze beim Innenseitstoß anzuziehen, damit der Fuß fixiert ist. Letztendlich muss Technik aber eines sein: Funktionell. Im Prinzip ist's doch total egal, wie elegant der Ball von A nach B kommt, Ästhetik spielt keinerlei Rolle. Das wichtige ist, dass der Ball im richtigen Moment, mit der richtigen Geschwindigkeit an die richtige Position gelangt. Oder zählt ein Tor mit der Picke etwa weniger als eines mit dem Spann?

    Mitnichten. Es wäre aber falsch daraus zu schließen, dass es keinerlei Techniktraining benötigt. Vielmehr müssen wir die individuelle Entwicklung der Spieler und technische Ausführung zulassen. Wenn jemand lieber mit dem Außenrist passt, lass es ihn machen.


    Hier stimme ich dir leider nicht ganz zu. Ist auch nicht böse oder als Angriff gemeint :saint:


    Funktionell zu denken ist in meinen Augen nicht beim Kinder- und Jugenfussball geeignet, da man damit das Ergebnis/den Zweck (Ball kommt an) dem Weg/dem Mittel (Picke) Vorrang gibt.


    Mit ist es lieber das Kind versucht den Paß mit dem richtigen Fuß und der richtigen Technik zu spielen und der Ball kommt die ersten 9 von 10 Male nicht an, als würde es den Ball mit der Picke schießen und er kommt an.


    Technik ist auch nicht gleichbedeutend mit Ästhetik, sondern es geht um die korrekte Umsetzung um die Aktion in diesem Fall zu verbessern.


    Mit dr Zeit werden die Passwege länger und die Pässe müssen immer fester, genauer und weiter gespielt werden. Wenn man von Beginn an die richtige Technik anwendet kann man diese dafür nutzen, da nur mit der richtigen Technik diese Pässe gelingen. Dass man später mit der Picke feste, genaue und weite Druckpässe spielen kann bezweifle ich. Deswegen achte ich von Beginn an, dass diese Techniken angewndet werden. Kostet viel Geduld, Gegentore und Niederlagen, aber mit der Zeit wird es lohnen.


    Zum Thema Aussenrist kann ich nur sagen, dass ich auchhier auf die Beidfüßigkeit achte. Solange man erkennt, dass das Kind den Außenrist nur benutzt um den schächeren Fuß zu umgehen, achte ich darauf, dass er hier die Innenseite des anderen Fusses nutzt.


    Damit unterdrücke ich auch keinen Instinkt oder Kreativität, denn den Aussenrist werden sie immer wieder machen.


    Und wenn sie ihn irgendwann dann anwenden, weil er von den zwei Optionen (anderer Fuss Innenseite oder anderer Fuss Aussenrist) dann die für die Situation und seinen Mitspieler bessere Option wählt und nicht weil er den anderen Fuß nicht benutzen kann, ist es optimal.


    Oft suchen sich die Kinder den einfachsten Weg und nehmen immer nur den starken Fuss, verpassen aber damit Situationen/Möglichkeiten den anderen Fuß zu verbessern.

  • Genau so sehe ich es auch. Verstehe nicht wie viele Trainer Ihre Jungs mit starken technischen Defiziten einfach in Übungsformen reinwerfen. Es muss zumindest mal eine gewisse Grobform der Technik erarbeitet werden, damit eine Spielform überhaupt Sinn macht.

    Wenn ein Kind absolut nicht mit dem Ball dribbeln kann (Was in frühem Alter ja meinetwegen in Ordnung ist), kann ich es doch schlecht in 1vs1 Situationen schicken und ihm Beibringen nach der Finte das Tempo explosionsartig zu steigern.

    Was passiert bei den Bambini in den Fangspielen? Eigentlich, unangeleitetes fintieren mit -explosionsartiger- Temposteigerung zum -Entwischen- . Das kann man ja moderieren.

    Starke technische Defizite. Ich bleibe mal beim Funino und den Minitoren(Passtoren). Da kommt der Technikerwerb auch in der Spielform nicht zu kurz, vorrausgesetzt ich mache das Altersgerecht. Der Nutzen der Innenseite zum genauen PAss kann da gut vermittelt werden. Drehe ich z.b. die Tore ein und platziere sie hinter dem Spielfeld, nehmen Kinder auch verstärkt den anderen, schwachen Fuß, weil Ihnen der Nutzen klar ist.

    Das ist m.e. nachhaltigere Vermittlung als das in Hütchenschlachten einzufordern.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Vielen Dank für deine Sichtweise!

    Ob es für den Kinder- oder Jugendfußball aus deiner Sicht geeignet ist, oder nicht, ist ja erstmal zweitrangig. Letztendlich funktioniert der Fußballsport nun mal so. Was bringt dir die "korrekte" Ausführung, was auch immer "richtige Technik" sein soll, wenn der Pass zu früh, zu spät, zu lahm oder zum falschen Ort gespielt wird? Nichts. Der einzige Unterschied zwischen Kinder- und Jugendfußball, sowie dem Seniorenfußball ist doch der erhöhte Gegnerdruck und das höhere Tempo.


    "Technik ist auch nicht gleichbedeutend mit Ästhetik, sondern es geht um die korrekte Umsetzung um die Aktion in diesem Fall zu verbessern." Wann ist eine Aktion denn korrekt umgesetzt? Wenn der Ball zur richtigen Zeit mit der richtigen Geschwindigkeit am richtigen Ort ist oder wenn du das Idealbild der Technik benutzt, der Ball aber niemals den Mitspieler erreicht? Wohl ersteres, oder? Wir sind nicht beim Turnen, wo es immer gleiche Techniken gibt. Im Fußball muss die Technik funktionell sein. Letztendlich wird der Erfolg einer Aktion nun einmal daran gemessen, ob der Ball ankommt, oder nicht. Im Fußball haben wir ein Spielfeld von 105x68m, sprich 7.140 Quadratmeter. Wenn ein Spieler sich nun nur meterweise bewegen könnte, hätte er schon alleine in der Fläche 7.140 mögliche Positionen auf dem Spielfeld. Bei zwei Spielern wären es alleine in der Fläche schon über 50 Millionen Möglichkeiten, wie die Spieler sich auf dem Spielfeld aufstellen können. Wie wäre es erst bei 22 Spielern? Wir sehen, wir können die Situationen gar nicht kopieren, die im Spiel auftauchen. Und, dass technisch ein Meter einen deutlichen Unterschied machen kann, wissen wir alle. Spätestens, wenn die Spieler dann aufs Großfeld wechseln. Insofern kann Technik immer nur funktionell sein. Der Situation eben angepasst. Es geht ja auch gar nicht anders. Wir laufen niemals mit derselben Geschwindigkeit an, wir haben niemals dieselbe Körperhaltung. Also können wir ein und dieselbe Technik niemals kopieren.

    Allerdings jedoch gibt's "Algorithmen", die dir helfen, dass der Ball schärfer gespielt werden kann usw. Diese gilt es zu schulen. Eben bspw. Fuß fixieren, gerader Anlauf bei einem Flugball bspw. usw.

    Aus dem Grund muss, aus meiner Sicht, der Großteil, wenn nicht gar alles in einer Spielform oder spielnahen Form stattfinden. Ich als Trainer kann das Spiel ja so steuern, dass die Technik adäquat verbessert werden kann. Ich kann doch auch mit Anfängern schon bspw. Rondo spielen, um das Passspiel zu verbessern. Vielleicht nicht im 3v1, aber dafür im 6v1 oder so. In größeren Räumen bspw. auch.


    Sehr interessant dazu ist der folgende Beitrag: https://www.fcevolution.com/is…own-football-development/


    Dass darunter nicht die Beidfüßigkeit leiden sollte, versteht sich ja aus meiner Sicht von selbst.

  • Genau so sehe ich es auch. Verstehe nicht wie viele Trainer Ihre Jungs mit starken technischen Defiziten einfach in Übungsformen reinwerfen. Es muss zumindest mal eine gewisse Grobform der Technik erarbeitet werden, damit eine Spielform überhaupt Sinn macht.

    Wenn ein Kind absolut nicht mit dem Ball dribbeln kann (Was in frühem Alter ja meinetwegen in Ordnung ist), kann ich es doch schlecht in 1vs1 Situationen schicken und ihm Beibringen nach der Finte das Tempo explosionsartig zu steigern.

    Wieso kann ich ein Kind dann nicht ins 1v1 schicken im Training? Es bekommt, ohne dass du als Trainer nur ein Wort sagst, die Rückkopplung, dass das Dribbling nicht gut ist. Nun schlägt deine Stunde als Trainer: Begleite das Kind und hilf ihm, dass es dribbeln kann.

    Durch die direkte Rückkopplung des Spieles, bspw. in Form eines Ballverlustes, lernt das Kind es ja implizit. So, wie es früher auf den Bolzplätzen dieser Republik auch war. Danach sind wir nach Hause gegangen, haben unsere Idole im TV gesehen und deren Tricks kopiert. Ich muss als Trainer ja nicht alles korrigieren und vorkauen. Das Spiel ist nun mal der beste Lehrmeister.

  • Wieso kann ich ein Kind dann nicht ins 1v1 schicken im Training? Es bekommt, ohne dass du als Trainer nur ein Wort sagst, die Rückkopplung, dass das Dribbling nicht gut ist. Nun schlägt deine Stunde als Trainer: Begleite das Kind und hilf ihm, dass es dribbeln kann.

    Durch die direkte Rückkopplung des Spieles, bspw. in Form eines Ballverlustes, lernt das Kind es ja implizit. So, wie es früher auf den Bolzplätzen dieser Republik auch war. Danach sind wir nach Hause gegangen, haben unsere Idole im TV gesehen und deren Tricks kopiert. Ich muss als Trainer ja nicht alles korrigieren und vorkauen. Das Spiel ist nun mal der beste Lehrmeister.

    Da sind wir dann halt einfach unterschiedlicher Meinung, was ja völlig ok ist :)

  • Wieso kann ich ein Kind dann nicht ins 1v1 schicken im Training? Es bekommt, ohne dass du als Trainer nur ein Wort sagst, die Rückkopplung, dass das Dribbling nicht gut ist. Nun schlägt deine Stunde als Trainer: Begleite das Kind und hilf ihm, dass es dribbeln kann.

    Durch die direkte Rückkopplung des Spieles, bspw. in Form eines Ballverlustes, lernt das Kind es ja implizit. So, wie es früher auf den Bolzplätzen dieser Republik auch war.

    Bei mir kommen Kinder, die nur beim Training Fußball spielen.

    Die lernen, Dribbeln klappt nicht.

    Leider klappt dann meist wegbolzen.



    coach_23 schrieb:

    Danach sind wir nach Hause gegangen, haben unsere Idole im TV gesehen und deren Tricks kopiert. Ich muss als Trainer ja nicht alles korrigieren und vorkauen. Das Spiel ist nun mal der beste Lehrmeister.




    In Einzelübung. Was ja einer Übungsform näher kommt als einer Spielform.

  • Ich habe damals während der C Lizenz den Referenten gefragt ob er Spiel- oder Übungsformen bevorzugt.


    Sein Antwort war ganz lapidar: Frag dich ob das was du deine Kinder machen lässt so im Spiel vorkommen kann.


    Am ehesten bringe ich reines Techniktraining im Aufwärmteil unter, oder kurz als Erholung.


    Ich trainiere fast nur in Spielformen, aktuell eine gemischte F Jugend mit einer extrem ausgeprägten Heterogenität. Mir ist bewusst vermutlich wird es keiner davon nach ganz oben schaffen. Wie bei den meisten anderen hier auch.


    Letzten Endes bin ich aber mit voller Begeisterung dabei und meine Kinder auch und wenn das bei einem Coach der den Fokus primär auf Technik setzt auch der Fall ist, finde ich das auch ok. Denn dann kommen die Kinder gerne zum Fußball und das ist vermutlich das höchste was viele von uns erreichen können.


    Was den Lerneffekt betrifft glaube ich durchaus, daß im reinen Techniktraining die Ausführung optisch ansprechender sein wird als bei der Truppe aus der Kategorie Spielform, aber das für mich wichtige, die Spielfähigkeit, wird vermutlich bei Gruppe zwei besser sein und langfristig gedacht, wird die Truppe vermutlich dennoch die Nase vorn haben, da sie auf einen großen Pool von Spielerfahrungen zurückgreifen kann und über die Jahre mögliche technische Defizite längst aufgeholt hat.

  • Ich sehe auch eher die Grautöne - und kein schwarz oder weiß wie es Goodie in Frage gestellt hat.


    Ordne ich die isolierten Übungsformen der Zergliederungsmethode und die Spielformen der Ganzheitsmethode zu, so schreibt auch Horst Wein auf Seite 199 in Spielintelligenz im Fußball kindgemäß trainieren "Beide Methoden haben im Training ihre Daseinsberechtigung ..." oder "So wie man eine fußballspezifische Technik nicht ohne Anwendung der analytischen Methode erlernen und beherrschen kann, sollte dem Spieler mit der Anwendung der globalen Methode die Möglichkeit gegeben werden, das Fußballspiel mit allen seinen Nuancen zu entdecken und zu verstehen."


    Vorteil von isolierten Übungen:

    - kann man zur Erholung und Regeneration machen

    - kann man alleine oder zu zweit machen

    - kann man langsam machen

    Vorteil von Spielformen:

    - bereiten auf das Spiel vor

    - machen meistens mehr Spaß

    - schulen und trainieren auch andere Schwerpunkte


    Für mich ist jeder Ballkontakt eine weitere Ballerfahrung und somit gut. Ich selbst liebe "Bälle" (Fußball, Volleyball usw.) und spiele gerne mit ihnen (allein oder mit anderen).


    Wenn ich dann allerdings lese: "Im Schnitt führt ein Spieler den Ball weniger als eine Minute pro Spiel." (Quelle: deutschlandfunk.de) frage ich mich oftmals, ob wir der Technik (v.a. in isolierten Übungen) nicht zu viel Trainingszeit geben. So beobachte ich z.B. in der E-Jugend, dass einige eine gute Technik haben, diese aber nicht anwenden können, weil sie sich falsch bewegen oder stehen. Andere wiederum kommen mit einer schlechteren Technik, aber mehr Spielverständnis, besser zu Recht (für die Älteren: Klinsmann wurde "Flipper" genannt, weil ihm die Bälle oftmals weit vom Fuß wegsprangen, er hat es allerdings durch Schnelligkeit kompensiert). Ich tendiere deshalb im Mannschaftstraining zu Spielformen. Durch ihre Ganzheitlichkeit sind sie aus meiner Sicht auch anspruchsvoller (nicht nur für Technik, sondern auch für Kondition, Aufmerksamkeit u.a.).


    In der kontaktlosen Corona Zeit habe ich natürlich viele isolierte Übungen gemacht. Und zu meiner Verwunderung werden diese von den Kindern heute (mit Kontakt) oftmals gefordert.

  • In der kontaktlosen Corona Zeit habe ich natürlich viele isolierte Übungen gemacht. Und zu meiner Verwunderung werden diese von den Kindern heute (mit Kontakt) oftmals gefordert.

    Das sehe ich gar nicht so als verwunderlich an (aus unserer Sicht natürlich schon, Spielen macht doch vielmehr Spaß). Denn isolierte Übungen sind weniger komplex, überfordern die Kinder also nicht so schnell und es kommt zu einfacheren, schnelleren Erfolgserlebnissen, über die sich ein Kind natürlich freut.

    Darin sehe ich auch für mich den Sinn von isolierten Übungen: Sie geben dem Kind Selbstvertrauen und laden zum Ausprobieren ein. Ein Junge von mir wird im Spiel niemals mit rechts spielen, vorher würde er sich den kompletten linken Fuß verdrehen. Bei ihm bringt kein Kniff etwas, damit er in einer richtigen Wettkampfsituation (er ist sehr ehrgeizig) den rechten Fuß zum Schießen würde. Er sagt selber, dass er das nicht kann und Angst hat, zu scheitern. Bei isolierten Übungen macht er es mit dem rechten Fuß und ich habe das Gefühl, dass er da langsam an Selbstbewusstsein gewinnt und es vielleicht bald auch mal im Wettkampf machen wird.