Beiträge von Strznievski

    Woher ziehst du dir deine Spielformen mit den verschiedenen Schwerpunkten jeweils?

    Mittlerweile bin ich richtig stolz darauf, einen Großteil meiner Trainingsinhalte selbst zu entwickeln. Wenn dich meine Methodik interressiert, kann ich dir mal eine Einheit samt dazugehörigen Überlegungen von mir zukommen lassen.

    Also nach der Zeit entwickelt man da natürlich auch selber was, klar, aber wie hast du angefangen auf welcher Basis?

    Angefangen habe ich im Grunde genau so, wie ich mit Übungsformen angefangen habe. Ich habe (und mache es teilweise immer noch) ganz einfach in diversen Büchern, DVDs und auf Internetplattformen nach Spielformen mit passendem Schwerpunkt gestöbert.

    Ich find das auch alles klasse und der Verstand alleine sagt schon, alles stimmig und das passt so. Aber dann hätten doch alle YouTube Trainingsstars, die auf 1on1 Drills gehen oder auch Kleingruppen usw. keine daseinsberechtigung oder? Also die Frage die ich mir immer wieder stelle ist, wie kann man das faktisch belegen, dass nur Spielformen im Training den absoluten Unterschied machen.

    Ich weiß jetzt nicht genau, was du unter Youtube Trainingsstars verstehst, aber soweit ich das beurteilen kann, sind das entweder Übungen die quasi als Hausaufgaben alleine zu Hause zum Nachmachen sind, oder es ist halt ein leicht zu vermittelnder Inhalt für den "Papa-Trainer" (Begriff bitte nicht auf die Waagschale legen), der froh ist einfach etwas nachmachen zu können. Faktisch belegen kann ich es leider nicht, da mir der sportwissenschaftliche Background fehlt.

    Ich denke ja immer auch noch zwischendurch es müsste vllt ein gesunder Mix aus allem sein. Bei Übungsformen natürlich alles ohne Standzeiten, Schlange stehen etc. das ist ja klar und vor allem kurz, knackig mit Variationen und Wettkampfcharakter.

    Ich für meinen Teil biete ca 80% meiner Traingszeit in Spielformen (so ziemlich alles bis auf Aufwärmen und Gymnastik) an. Grundsätzlich schaut das bei mir so aus, dass während der ersten Trainingseinheit in Kleingruppen (3v3, 4v4, 5v5) gespielt wird, während der zweiten Einheit in größeren Gruppen (8v8+) und beim Abschlusstraining 1v1 und 2v2. Somit gibt es natürlich auch einen Mix. Ich sehe es immer so, dass ich mit einer Übungsform das Spiel "Fußball" lediglich simulieren kann. Verglichen mit einem Piloten, macht es ja auch durchaus Sinn, gewisse Situationen am Simulator zu üben. Der Pilot wird aber um tatsächliche Flugstunden nicht herumkommen. Ähnlich kann man dann natürlich auch einschleifende Übungen gezielt nutzen um gewisse Spielsituationen zu simulieren.

    Aber es gibt ja wirklich die Verfechter die sagen, ne ne, nur Spielformen. Aber dann wäre ja der ganze kognitive Kram, Brain und Kinetikram usw usw. auch alles für n Arsch. Das kommt ja oft in den kleingruppentrainings vor.

    Der kognitive Kram ist bestimmt nicht fürn Arsch, lässt sich aber auch in Spielformen integrieren. Laienhaft ausgedrückt geht es ja dabei darum den Spieler kopfmäßig zu überfordern, damit er dann im Spiel unter größtem Zeitruck Entscheidungen treffen kann. Hätte ich jetzt nur drei Spieler zur Verfügung und müsste mit ihnen etwas in diese Richtung trainieren würde ich es so machen. Habe ich 16 Spieler zur Verfügung fallen mir unendlich viele Spielformen zum kognitive Überfordern ein.

    Mehrere. Spontan fällt mir da Fußball durch Fußball von Rene Maric als Referenz ein. Top Titel. Es gab da auch einen tollen Artikel auf den ich durch dieses Forum aufmerksam wurde. Der Link stammte glaube ich von vangaalsnase und der Artikel erschien glaube ich auf spielverlagerung.de

    Ich durchforste noch mal meinen "Fußbalbuchschrank" und gebe dir noch Bescheid. Während des Schreibens kam mir noch ein Buch von Raymond Verheijen in den Sinn. Ich glaube das heißt Handbuch Fußballkondition.

    Bitte mich jetzt nicht auf irgendeine Quelle festnageln. Aber so ziemlich alle Onlinebeiträge, Bücher usw. die ich gelesen habe tendieren stark in die Richtung Spielformen. Und auch ganz laienhaft, ohne jegliches wissenschaftliches Primborium, haben Spielformen für mich lediglich einen einzigen Nachteil: Bei älteren Jugendlichen, bzw Erwachsenen muss vorher aufgewärmt werden. Ansonsten sind Spielformen für mich die eierlegenden Wollmilchsäue der Trainingssteuerung. Es gibt nichts was man nicht trainieren kann und meistens lassen sich sogar alle Aspekte (konditionell, technisch, mental, taktisch) gleichzeitig trainieren.

    Ich freue mich wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Nach einem Vereinswechsel meinerseits im Winter, 2 Vorbereitungen (Winter und Sommer) und dem letzten Bewerbsspiel im Oktober 2019 ist es endlich wieder soweit....


    Übermorgen darf ich endlich (nach fast 10Monaten!!!) wieder bei einem Meisterschaftsspiel an der Linie stehen.

    Wenn der jetzt die Ballannahme technisch nicht sauber hinbekommt bei Gegendruck bzw. es hier und da auch einfach schon mal daran scheitert, dass der Ball nicht am Fuß kleben bleibt und eine passende Folgeaktion einleiten kann, müsste man dann nicht wieder zu der isolierten Übung dafür zurückgreifen?

    Musst du nicht zwangsläufig. Da du von einem leistungsorientertem Team sprichst, gehe ich mal davon aus, dass die zumindest die groben Grundlagen vorhanden sein sollten. Um die Spielform zu steuern, gibt es ja einige Möglichkeiten. Spontan fallen mir da "Überzahl der Mannschaft in Ballbesitz erhöhen" und "Spielfläche größer machen" ein. Dadurch haben die Spieler mehr Zeit den Ball zu verarbeiten.

    Verliert das Kind dann nicht auch sogar die Lust bei ständigem Ballverlust oder sagen wir auch einfach mal zu falsch dosierten Innenseitstößen/Passspiel usw.?

    Wahrscheinlich werden sie das. Aber da ist es deine Aufgabe die Spielform entsprechend anzupassen.

    Ich bin in einer ähnlichen Situation. Bin Co-Trainer bei einem Team, dessen Niveau ich selbst als Spieler nie hatte (Allerdings doch noch ein gutes Stück von einer Deutschen RL entfernt).


    Ich dachte zuerst, dass mein fehlendes Können als Spieler ein großes Hindernis darstellen würde. Tut es aber überhaupt nicht. Ich habe das ganze so erlebt, dass die Spieler fachliche Kompetenz ganz einfach anerkennen und es ihnen egal ist ob der Trainer selbst mal höher gespielt hat. Deshalb liegt meine Vermutung nahe, dass auch ein jüngerer Co-Trainer (bei einem Headcoach schaut es vmtl wieder anders aus) bei entsprechendem Know How kein Problem darstellen sollte.


    Eines der tollen Dinge als Co-Trainer ist es, dass man selbst keine Entscheidungen treffen muss. Man muss keinem Spieler sagen, dass er beim nächsten Spiel nicht im Kader steht. Ich bin als Co-Trainer viel mehr Kumpeltyp, als ich es als Cheftrainer bin. Ich zeige ganz einfach vor den Spielern Verständnis für deren Situation, ohne dabei die Entscheidung des Cheftrainers zu hinterfragen.

    - Wie gestaltet ihr das Training, dass Kinder möglichst viel mitnehmen?

    Ganz allgemein - nicht nur bei dieser Altersklasse - sollte jede Trainingseinheit irgendein Lernziel haben. Diese Ziel kann technischer-, taktischer-, oder athletischer Natur sein. Idealerweise werden alle 3 Komponenten gleichzeitig abtgedeckt (Stichwort Spielformen!!!). Weiters sollte sich jede Übungs- und Spielform einer Einheit im Schwerpunkt ergänzen. Dabei gibt es mehrere Zugänge wie z.B. "vom Einfachen zum Schweren". Mein Zugang (oder besser gesagt jener von Horst Wein) ist der, mit einem Spiel zu beginnen und dabei zu beobachten an welchen Stellschrauben es zu drehen gilt. Danach in einer Übungsform diese "Fehler" behandeln und abschließen wieder zu spielen.

    - Welche Übungen macht ihr hauptsächlich?

    Spielformen (SSGs in allen erdenklichen Formen) im Schwierigkeitsgrad dem Können der Spieler angepasst.

    - Nutzt ihr feste Trainingspläne?

    Wenn du damit fertig gestaltete Trainingspläne meinst, lautet die Antwort: Als Anfänger sehr häufig, mit steigender Erfahrung immer weniger. Allerdings gibt es Tip-Top Trainingspläne zu allen erdenklichen Schwerpunkten.

    - Auf welchen Dinge achtet ihr in der Altersklasse?

    Keine Stehzeiten, viel Spielen, wenig Kritik, jeder einen Ball, Kinder probieren lassen, Fehler zulassen, Mut fördern, Eltern mit ins Boot holen.

    Gibt es gute Lektüre nach der man das Training gestalten kann?

    Ja, zuhauf. Wenn es genau ein Buch sein müsste, dass ich empfehlen kann, dann ist es Horst Weins "Spielintelligenz im Fußball kindgemäß trainieren".

    Eigentlich gibts da keine zweite Meinung ;). Die ideale Uhr für den Trainingsalltag ist die gute, alte Casio FW91.


    Vorteile:


    1. Extrem billig (ca 10€)

    2. Extrem leicht (Ich bin eigentlich kein Uhrenträger und empfinde große, klobige Uhren extrem störend.)

    4. Extrem robust und wasserdicht (habe meine schon etliche Jahre im Betrieb und sie trotzt Schweiß, Matsch, Regen...)

    5. Stoppuhr-Funktion

    6. Man kann sie auf der Hand tragen, was meiner Meinung nach praktischer ist, wennn man z.B. in einer Spielform mal selbst auch mitspielt.

    7. Wow-Faktor (Auf diese Uhr haben mich tatsächlich schon mehrere Personen angesprochen 8))

    8. Sollte man kurzfristig Untertützung brauchen ruft man damit einfach K.I.T.T. herbei.



    P.S.: Handy geht meiner Meinung nach gar nicht.

    Was gehört zu dem Begriff "Coaching" alles dazu?


    Für mich ist coaching die Fähigkeit Wissen (also die von Sir Alex angesprochen Fachkompetenz) verständlich und transparent zu vermitteln.


    Ich möchte Sir Alex auf keinen Fall widersprechen. Die Aussage, das Fachkompetenz die Basis darstells, gefällt mir sehr gut. Oft scheitert es auch schon daran. Es ist nämlich gar nicht so einfach, einen Fehler zu erkennen, zu analysieren um ihn dann auszumerzen. Ich vermute aber mal, dass es Felix571 um die "richtige" Vermittlung entsprechender Fachkompetenz, also die Kommunikation zwischen Trainer und Spieler geht.


    Das ist ein verdammt weitläufiges, aber interessantes Thema. Da gehört alles dazu was Kommunikation betrifft.


    Führen, Mimik, Gestik, Rhetorik, Didaktik.


    Diesbezüglich gibt es unmengen an Literatur und Möglichkeiten Kurse zu belegen. Wenn du Felix571 davon schreibst, dass du zu viel rein rufst (was ist zuviel?), dann ist der erste Schritt ja eh schon getan. Es kommt jetzt natürlich auch darauf an, welches Alter du coacht, aber viel coaching, bedeutet nicht immer schlechtes coaching. Der typische Joystick, sollte aber nur bei der Playstation angewandt werden. Wenn du konkreter bei deiner Fragestellung wirst, kann ich dir vielleicht mehr weiterhelfen.

    Und trotzdem haben wir jetzt bislang alle Spiele (drei Testspiele, Pokalspiel, Ligaspiel) trotz teilweise absurder Überlegenheit verloren.

    Ich gebe dir mal den Tipp, für ein paar Spiele eine Kamera mitlaufen zu lassen. Somit kannst du nach dem Spiel in aller Ruhe beobachten, warum der Gegner mehr Tore als dein Team geschossen hat und selbst Ursachenforschung betreiben. Vor allem wenn du auf die spielerische Linie setzt, können sich da ganz schnell vermeintlich kleine Fehler einschleichen, die bei Ballverlust verheerend sein könnten. Adhoc fällt mir da z.B. mangelnde Absicherung des Sechsers ein. Das fällt (mir zumindest) dann unter dem Spiel gar nicht sonderlich auf, dass der immer wieder zu weit nach vorne mitrückt und durch große Einsatz auch dreimal in höchster Not mit einer Grätsche den Konter unterbindet. Schaut ja unheimlich gut aus, also wird er auch noch gelobt. Beim vierten mal kommt er tzrotz vollem Einsatz zu spät und der Gegner galoppiert in Überzahl auf den Tor zu. Das war jetzt nur ein Beispiel und muss bei dir nicht so ablaufen. Aber lass dich nicht täuschen. Ich habe mir schon oft gedacht, dass wir ganz gut gespielt haben und dann wegen Fehler solcher Art trotzdem verloren haben.

    Der umgekehrte Fall tritt natürlich auch ein.

    Wäre sportlich sehr reizvoll, aber eine Trennung von meinen Jungs (und einem ganz besonders) wäre für mich auch erstmal schmerzhaft - und den allermeisten würde ich damit wohl auch keinen Gefallen tun. Zu dem Zeitpunkt ohnehin nicht.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die mit diesem Dilemma irgendjemand helfen kann. Hör in dich hinein und beantworte dir diese Frage selbst. Der erste Gedanke ist oft der richtige.

    Wie man es nennt ist egal. Und meiner Meinung nach ist sogar wichtig, dass man es nicht verkompliziert. Auf dem Niveau Kreisklasse (Verallgemeinerung) reicht es meistens, dass der IV ordentlich Druck bekommt. Ob der Bogenlauf des Stürmers jetzt richtig umgesetzt wird oder ob er zu schmal oder zu groß gelaufen wird ist meist zweitrangig. Es reicht meist so oder so, damit der IV nervös wird und unsauber abspielt oder den Ball rausschlägt.

    Ich habe hier den umgekehrten Weg gewählt. Also von der "Mannschaftstaktik" (oder einfacher ausgedrückt, alle rücken raus), über Gruppentaktik, zur Individualtaktik (z.b. Bogenlauf). Hat man tatsächlich mal alle dazu bekommen einfach nur mitzuarbeiten ist tatsächlich der Laufweg des Einzelnen eher unwichtig.

    Im Mittelfeldzentrum sollte die Regel gelten, dass sich jeder einen Gegenspieler sucht, den er eng deckt, damit dieser nicht angespielt werden kann. Die beiden ballnahen Außen verhindern kurze Pässe auf den Flügel, die entfernte Seite schiebt rein. Die IV teilen sich auf, einer eng an den Stürmer ran, einer sichert ab. TW ist ebenfalls wachsam für den langen Ball.

    Ich arbeite zusätzlich noch sehr viel mit Deckungsschatten.

    Ich bin freund einer kombinierten Raum/Manndeckung, wobei die Raumdeckung überwiegt. Alle Spieler bekommen feste Räume zugeteilt. Ein Spieler wird den Kopfballstärksten (wenn nicht bekannt den größten Gegenspieler) in Manndeckung nehmen. Mindestens 2, eher 3 Spieler - hängt davon ab wie viele kleinere und sehr schnelle Spieler ich habe - stellen sich an die Mittelinie. Zwei gehen in die Breite, einer ins Zentrum, dieser Spieler steht etwas näher zum Tor als die anderen beiden.


    Ich würde immer einen zweiten Spieler zur kurzen Ecke holen. Der Schütze wäre immer ein Links oder Rechtsfuß in der Einteilung, dass der Ball zum Tor hingezogen werden kann. Der zweite Spieler hätte jeweils den anderen Fuß als starken Fuß. Holt der Gegner einen oder keinen Spieler raus aus dem Zentrum zur kurzen Ecke. Der eine Gegenspieler wird dann durch simples Blank spielen ausgespielt und geflankt. Hierbei spielt der Eckenschütze den Ball kurz an und hinterläuft dann den angespielten Spieler. Dieser macht dann vom Verhalten des Gegenspielers abhängig, ob er selber geht und flankt oder den Eckenschützen zurück anspielt.

    Schickt der Gegner 2 Spieler raus, verzichten wir auf die kurze Ausführung. Der zweite Spieler bleibt aber kurz stehen. Es hat den Vorteil, dass wir im Vergleich zum normalen "Ball einfach reinflanken" einen Spieler im Zentrum verlieren (der der sich kurz anbietet, der Schütze ist ja eh immer als Schütze da), der Gegner aber 2 Spieler aus dem Zentrum verliert. Im Zentrum ändert sich das Zahlenverhältnis so also um +1 zu unseren Gunsten.

    Klingt sehr vernünftig und deckt sich zum Teil mit meinen Beobachtungen.

    Meiner Meinung nach der komplizierteste Punkt. Den würd ich auch nicht wirklich verallgemeinern, hier müsste man schon sehen, was für Spieler zu r Verfügung stehen. Wichtig: Einen klaren Plan haben! Dieser sollte aber nicht verkompliziert werden und es sollte immer eine Exit-Strategie geben; spricht, was ist zu tun, wenn ich unter massiven Druck bin und nicht weiß wie ich da raus kommen soll (Bsp. im Zweifel: Hoch und Weit bringt Sicherheit ).

    Grundsätzlich würd ich auf gegensätzliche Laufwege setzen von Spielerpärchen setzen. Der vordere Spieler (z.B. Stürmer) kommt entgegen, der hintere (10er) geht in die Tiefe. Ansonsten klare Prinzipien im Aufbau: Aufbau in Überzahl, heißt 2 vs. 1 oder 3 vs. 2 und dann durch Blank spielen ins Mittelfeld dribbeln.

    Gefällt mir auch sehr gut.

    Hier würde ich ganz viel Wert in der Trainingsarbeit drauf legen. Ich würde zu Beginn daran arbeiten, dass nach jedem Ballverlust ab Höhe Mittelkreis und weiter vorne sofort der Ball gejagt wird. Dies würde ich bewusst so einfach halten, auch wenn es nicht immer richtig sein wird. Aber so würde ich dafür sorgen, dass der Impuls zum Gegenpressing (Ball jagen) sich mit jedem Spiel weiter ausprägt. Meist erobert der Gegner den Ball, hat dann aber ja selber eine zufällige Staffelung, die es nicht immer unbedingt ermöglicht sofort einen gewinnbringenden Ball zu spielen, dazu kommen die Technischen Anforderungen beim Spielen und Verarbeiten unter dem Druck der Ball-Jäger.

    Offensiv würde ich Einführen, dass alle nach Ballgewinn mit nach vorne Rennen. Angefangen bei den beiden IV und dem Keeper, die im Tempo rauslaufen und lautstark einfordern, dass alle Spieler rausschieben!

    Glaube auch, dass laienhaftes Gegenpressing auf Kreisklasseniveau mindestens den selben Impact hat als die Kloppsche Herangehensweise im Spitzenfußball.

    Aus eingangs genannten Gründen, möchte ich da jetzt nicht mehr näher ins Detail gehen. Vielleicht noch ein paar Worte zu den Themen, die sich daraus ableiten:


    1. Formation > Die sollte so gewählt werden, dass ich den Gegner auch wirklich unter Druck setzen kann. Ist auch immer ein wenig abhängig vom Gegner, ich habe aber keine Scheu, z.B. gegen einen Stürmer in einer 2-4-4 Pressingformation anzutreten.


    2. Offensivphase > Wie schaut das eigene Verhalten in Ballbesitz aus?


    3. Umschaltverhalten


    4. Standards. Ich bin überzeugt, dass man mit ein paar einstudierten Standardvarianten auf unterklassigem Niveau einen immensen Vorteil erzielen kann. Auch hier gilt wieder den Gegner so weit wie möglich aus seiner Komfortzone zu holen.


    Einen Grundgedanken diesbezüglich kann ich noch preis geben, weil mir eigentlich relativ egal ist, wie der Gegner darauf reagiert, bzw ich immer darauf reagieren kann.


    Bei Eckball gegen uns, sind meine Spieler z.B. angehalten zu dritt vorne zu bleiben. Erstens werden dadurch mindestens 3, meistens aber 4 gegnerische Spieler gebunden und können somit nicht am eigen Offensivspiel teilnehmen. Außerdem eröffnet einem das tolle Kontermöglichkeiten.

    Setze den Gegner (vor allem die schwachen Spieler) PERMANENT unter Druck!


    Jetzt stellen sich mir mehrere Fragen:


    Wo setze ich den Gegner unter Druck?


    a. Ich habe die Möglichkeit mich hinten einzuigeln > Abwehrpressing!

    b. Radikales Angriffspressing!

    c. So ein bisschen von beidem > Mittelfeldpressing


    Welche Vorteile erziele ich daraus bei Ballgewinn?


    a. Obwohl der Ball relativ weit vom gegnerischen Tor entfernt erobert wird, tun sich teilweise extreme Räume auf, die man dann bespielen kann. Problem an der Sache ist nur, dass die meisten Teams nicht versuchen Überzahl im Angriff herzustellen, sondern sich meistens auf die individuelle Klasse ihrer Legionäre verlassen und dadurch oft einfach "hinten stehen bleiben". Somit kann das gegen manche Vereine zielführend sein, gegen die meisten sicher nicht.


    b. Diese Option bietet gleich mehrere Vorteile. Erstens erobere ich den Ball in unmittelbarer Tornähe und kann praktisch immer Gefahr ausstrahlen. Es verfügen nur wenige Vereine über wirklich spielstarke und pressingresistente Verteidiger. Also denke ich mir, sollte der Gegner dort angeborhrt werden, wo er am Fehleranfälligsten ist. Außerdem verhindere ich dadurch, dass die spielstarken Spieler scharfgeschalten werden.


    c. War anfangs meine Lieblingsoption, weil es scheinbar beide Vorteile miteinander vereint. Allerdings musste ich feststellen, dass eine klare, unmissverständliche Vorgabe (Wir greifen mit Pauken und Trompeten an!, oder Wir verteidigen mit Mann und Maus!) für den Kreisklassekicker viel einfacher umzusetzen ist. Mit "wir pressen wenn Bedingung a erfüllt ist und lassen uns sofort wieder Fall wenn Faktor B in Kraft tritt", wird das meiner Erfahrung nach nix.


    Wo liegen die Gefahren?


    a. Dadurch, dass ich die gegnerischen Verteidiger nicht unter Druck setze, kann selbst der technisch schwächste Spieler der Liga, den Ball mitnehmen, in aller Ruhe schauen und den Ball zum nächsten (besseren) Spieler spielen. Landet der Ball dann bei einen der Ausnahmekönner, wirds gefährlich, weil so einer dann ganz einfach mindestens eine Klasse stärker ist, als die Spieler in den eigenen Reihen.


    b. Die größte Gefahr, sehe ich hier in den Abstimmungsproblemen innerhalb der Mannschaftsteile (oder in meinen Kommunikationsfähigkeiten). Während der Stürmer unmitiviert anläuft, pennt der Mittelfeldspieler und es tun sich Räume auf. Außerdem ist es schwer, die exakte Höhe zu finden (unterschiedliche Platzgrößen). Somit kann ein Verteidiger unter Umständen einen langen Ball hinter die Abwehrreihe spielen (immer gefährlich!).


    c. Erstens, dass die Abwehrspieler zu "feige" nachrücken und Räume offen lassen. Zweitens der lange Ball hinter die Abwehr.


    Kann ich das mit meinen Spielern umsetzen, bzw. wollen meine Spieler das überhaupt?


    Ein ganz entscheidender Faktor im Amateurfußball ist es (natürlich nur bis zu einem gewissen Grad), auch so spielen zu lassen, wie die Spieler spielen wollen. Jemand, der etwas tut, weil er es machen will, wird immer intensiver arbeiten, als jemand, der es machen muss!


    a. Auf diese Möglichkeit, greife ich nur äußerst selten zurück, weil die Spieler einfach keinen Bock darauf haben, manchmal minutenlang von links nach rechts und wieder zurück zu verschieben.


    b. Um wirklich kontrolliertes Mittelfeldpressing mit situativen Pressingauslösern zu spielen, müssten mehrere Bedingunen erfüllt sein. Ich habe fast immer alle Spieler am Training zur Verfügung (geht bei mir nicht > Schichtarbeiter) und ein paar Spieler im Team die das kennen (können) und die anderen Spieler mit Kommandos führen (habe ich zu wenig)


    c. Ich traue mich mal sagen, dass 9 von 10 Spielern die aktive Rolle (Ball jagen) wesentlich lieber ist, als die passive Rolle (verschieben). Umsetzbar ist Angriffspressing in meinen Augen dann, wenn ich junge, hungrige, schnelle und ausdauernde Spieler habe.


    Jetzt gilt es sich Gedanken zu machen und Vor- sowie Nachteile gegeneindander aufzuwiegen. Im meinem Fall, fällt mir die Entscheidung relativ leicht und ich würde in den meisten Fällen, das bedingungslose Angriffspressing vorziehen. Dies muss aber jeder Trainer für sich entscheiden und vom eigenen Team abhängig machen.


    (Dieses war der zweite Streich. Als nächstes muss ich mir überlegen, wie ich die Vorteile maximieren und die Nachteile minimieren kann).

    Ich wage mich mal daran, meine grundlegenden Überlegungen zu Papier (bzw auf den Bildschirm) zu bringen, ohne dabei allzu sehr ins Detail zu gehen, da ich hier leider nicht ganz anonym schreiben kann und ich nicht will, dass diese Informationen gegen mein Team verwendet werden.


    Die Gretchenfrage meiner Meinung nach, lautet:


    In welcher Situation fühlt sich der gemeine Kreisklassespieler (der Einfachheit halber nenne ich mal alle unterklassigen Spieler so) so richtig unwohl?


    Die Antwort darauf, lautet eindeutig: Wenn er weder Zeit noch Raum hat!


    Ich wage mal die gewagte These, dass nahezu jeder Kreisklassespieler einen halbwegs geraden Pass spielen kann, solange er genügend Zeit dazu hat. Setzt man ihn allerdings unter Zeit- und Raumdruck, trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Spieler, die den Ball unter Druck behaupten und sinnvoll verarbeiten können, reduziert sich entweder auf die Legionäre, oder auf die rar gesähten Talente.


    Das bedeutet für mich, dass der erste Grundgedanke (oder für die Hobbyguardiolas das oberste Defensivprinzip ;)) folgendermaßen lauten sollte:


    Setze den Gegner (vor allem die schwachen Spieler) PERMANENT unter Druck!


    ... und zwar unabhängig davon, ob der Gegner insgesamt etwas besser, oder schwächer einzuordnen ist.


    Diese erste Erkenntnis klingt zunächst etwas nichtssagend, ist aber unheimlich wichtig für die weiteren Überlegungen die auf dieser ersten Grundidee aufbauen.



    (Das war jetzt mal der erste einleitende Teil. Sobald ich Zeit habe werde ich diesen Beitrag ergänzen.)

    Habe den Threat hier grad wiedergefunden....finde das super spannend und komisch, dass es quasi keine Beiträge gibt :/


    Rückfrage zu folgendem Satz:

    Sind die üblichen Unterschiede gemeint? Also der eine Platz ist 2m länger als der andere (oder auch mal etwas mehr) oder wird teilweise quer in einer Spielfeldhälfte gespielt?

    Tut mir echt leid. Habe den Thread eröffnet und dann vollkommen aus den Augen verloren. Thema finde ich aber auch noch immer höchst interessant. Werde meine Gedanken dazu in den nächsten Tagen mal posten.


    Mit Größenunterschied sind die üblichen Unterschiede gemeint. Allerdings ist die Toleranz bei uns ein wenig mehr als 2m. Würde eher bis zu 15m sagen. Wir spielen aber natürlich, alle Spiele Großfeld.