"Rückpass-Revolution" in der E Jugend

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  • Blöd ausgedrückt, meinte jeden, der TW spielt, das sind tatsächlich bei mir mehrere.

    Ich habe mich im letzten Spiel wieder gefragt, ob mein TW überhaupt diese direkte Option auf dem Schirm hat, habe es mit ihm besprochen, war nicht immer der Fall. Das sollte man immer bedenken, dass man eher Leitlinien vermittelt und diese nicht zu Dogmen werden lässt.


    Wenn ihr euch hier tatsächlich nur auf diese Trainer/TW-Abschläge als einziges Mittel bezieht, erschließt sich mir da der Sinn nicht. Das ist doch absoluter Konsens hier!

  • Achtung, wir reden hier über eine E Jugend. Prinzipiell klingen eure Vorschläge toll. Hast du ne Truppe die was kann, kann man auch vieles machen.


    Überhalb schrieb einer: Wir spielen mit 2010ern gegen E Jugenden. Ich hab 2008er im Team, die würden von 2010ern vorgeführt werden, und die müssen nichtmal sonderlich gut sein.


    Hast du ne Truppe wie ich, bei der sogar Kinder im Winter erst begonnen haben zu kicken, dann sieht das schon wieder ganz anders aus.


    Gibst du denen dann die gleiche Spielzeit wie allen anderen auch, kommt die nächste Abstufung.


    Die können den Ball nicht annehmen, geschweige denn vernünftig weiterspielen.

    Da ist auch egal wer in der Mitte der Defensive steht um den Spielaufbau zu lenken.


    Der Lerneffekt dürfte hier genauso hoch sein wie beim langen Hafer. Wem die individualtaktische Ausbildung fehlt, dem muss ich eben erstmal die beibringen und ihn nicht zusätzlich frustrieren in dem ich ihn ins offene Messer laufen lasse und er jedes Gegentor verschuldet. Der traut sich doch in Zukunft gar nix mehr.

  • Hast du schon mal gegen Teams gespielt wo der gegnerische Torwart JEDEN Ball aus der Hand in deine Hälfte geschlagen hat, oder wenn der Torwart den Erdabstoss taktisch umgeht, indem er den Ball 50cm nach vorne spielt, der Mitspieler ihn zurückberührt und dieser ihn dann erneut aus der Hand in deine Hälfte holzt?


    Ich habe da schon Mitleid mit den Kindern und den Eltern (die es verstehen), da ich mich in deren Rolle versetze und mir vorstelle, dass ich mein Kind 2 oder 3 mal die Woche zum Training fahre und am Wochenende zu den Spielen und Turnieren und dann wird das Kind andauernd sinnlos überspielt und lernt dabei noch nicht mal etwas.


    Es geht in diesem Thread um das Thema "Rückpass-Revolution" und dass Trainer diese Lücke ausnutzen und genau das gleiche machen wie vorher ohne diese Regel.


    Und da fände ich es gut, wenn man diese Regel ändert/anpasst um diesem Rumgeholze zu entgehen und den Kindern auf den Platz die Möglichkeit gibt Fussball zu spielen und zu lernen.


    PS: Auf die Frage eines Trainers zu einem anderen Trainer, ob er denn immer nur mit langen Abschlägen operiere, antwortete dieser voller Stolz:


    "Ja klar. Wir haben die letzten 3 Turniere gewonnen durch dieses schnelle Umschalten vom Torwart auf unseren schnellen Stürmer!"


    Ich konnte da nur noch den Kopf schütteln...

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"


  • Da bin ich anderer Meinung.


    Wann sollen sie es denn deiner Meinung dann lernen?


    Ich habe meine Kinder letztes Jahr in der U7 (Bambini) übernommen und auch da haben wir es schon angefangen mit dem Spielaufbau und der Lerneffekt ist defintiv vorhanden, trotz aller Gegentore oder Niederlagen.


    Denn durch diese Situation lernen sie es und was glaubst du wie die Freude und Motivation dann da war, als es dann anfing zu klappen.


    Die Kinder ärgern sich über die Gegentore und Niederlagen, vergessen diese aber ganz schnell. Trainer/Eltern, da bleibt sowas länger im Kopf hängen. Frustrierter sind die Kinder wenn sie vom Trainer und den Eltern es gezeigt bekommen, dass die Aktion "falsch"schlecht" war.


    Und genau hier liegt das Problem. Man muss die Kinder für den Versuch loben, dann trauen sie es sich auch erneut. Frustrierter und trauen sich danach gar nix mehr, ist wenn man es dem Kind auch als negativ vermittelt.


    Denn das Kind hat doch die richtige Entscheidung getroffen, lediglich die korrekte Umsetzung hat gefehlt.


    Dann lobe ich das Kind doch erstmal dass es die richtige Entscheidung getroffen hat und muntere es auf, dass es diese nochmal versucht. Dann arbeite ich doch daran dem Kind zu helfen diese richtige Entscheidung richtig umzusetzen.


    Um dein Beispiel aufzunehmen:


    Die können den Ball nicht annehmen, geschweige denn vernünftig weiterspielen.


    Jetzt ist doch die Möglichkeit gegeben dies zu üben.


    Mir ist lieber die Kinder haben im Spiel 20 mal die Möglichkeit den Ball anzunehmen, als wenn der TW den Ball 20mal über ihre Köpfe hinwegdrischt.


    Denn heute sind 20 Ballannahmen und 20 Ballverluste, nächstes Wochenende 20 Ballannahmen und wieder 20 Ballverluste, nächstes Wochenende 20 Ballannahmen und wieder 20 Ballverluste,nächstes Wochenende 20 Ballannahmen aber nur noch 18 Ballverluste.


    Und genau das wollen wir doch.


    Wenn jedes Wochenende der Ball nach vorne gedroschen wird, werden in einem Jahr die 20 Ballannahmen immer noch 20 Ballverluste mit sich bringen.

  • Habe ich, erst letzten Freitag. Fands für meine Spieler eine überragende Erfahrung, weil sie nach Ballverlust, Halten/Vorbeigehen eines Schusses wirklich das ganze Feld im Blick haben mussten und richtig gefordert waren. Wir spielen sonst in einer Großstadt nur gegen ambitionierte Teams, die wie wir alle mehr oder weniger denselben Spielstil/diesselben Prinzipien haben. Dass das nicht meine Spielweise ist und ich sie nicht für altergemäß halte, ist klar. Aber man sollte schon die Verhältnismäßigkeiten sehen. Wie oft begegnet dir solch ein Team? Mir ehrlich gesagt selten (eins von 10), und ich mache auch für meine schwächeren oft Testspiele gegen Gruppenteams. Da sehe ich insgesamt eine positive Entwicklung, wie dort gewichtet wird.
    Dann musst du nur unter Gesichtspunkten der Ausbildung die Rückpassregelung komplett abschaffen, aber dem TW bei Abstoß das Andribbeln als Option geben. Da wäre ich wiederum dabei, aber dieses Herumdoktern an einzelnen Phänomenen halte ich für nicht zielführend.

  • Mein Torhüter entscheidet immer selbständig und situativ. Für meine Mannschaft gilt 1. Prämisse wir spielen flach heraus. 2. Ist das nicht möglich, weil Verteidiger sich nicht anbieten oder zugedeckt sind durch Pressingmonster , wird das Ding seitlich auf die Flügelspieler mit einem Flugball gespielt.

    Steht der Gegener zu hoch und mein Torhüter erkennt das, dann darf er den Ball auch gerne nach Rückpass weit nach vorne schlagen.

  • Ich lasse meine U11 zwar auch nur flach hinten rausspielen und könnte mich damit jetzt einfach in die Reihe der "Guten" stellen, hinterfrage mich aber nach den letzten Eindrücken:

    - Trainiere ich meinem TW den Weitblick ab?
    - Ist das in der "Radikalität" noch ausbildungsorientiert oder schon dogmatisch?

    - Geht's nur mir so oder entwickelt sich solch ein Gefühl für Räume, Lücken und Situation nicht langsam und stetig? Diese Instant-Erfolge nach gemeinsamem Reflektieren, da sind mMn schon viele andere Qualitäten gegeben.

    Welchen weitblick?? Ganz ehrlich den passgenauen 30 meter abschlag aus dem fussgelenk kann ein tw in der u11 garantiert nicht. die vororientierung fürs flache Spiel fordert schon ausreichend.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • ist jetzt nicht auf dich bezogen aber Ausbildungsorientiert bei tw habe ich oft gehört. Da wird in der u9 schon mit schleuderwurf etc. Hantiert. Ohne das trainer grundbegriffe wie korbgriff kennt- oder nur vom einkaufen?

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Auch wir (E1) versuchen im Training und definitiv auch im Spiel einen kontrollierten Spielaufbau von hinten zu etablieren.


    Aber: Ich habe in den letzten 18 Monaten 3 Bundesligaspiele besucht. In allen drei Spielen haben 5 von 6 Mannschaften ihr Spiel auf lange Abschläge des Torwarts aufgebaut- Nicht schön, aber es war so. Meine Frage lautet deshalb: Überfordern wir die Kinder nicht, wenn wir in allen Spielsituationen einen kontrollierten Spielaufbau von hinten einfordern?

  • Es wird immer von den Begebenheiten abhängig sein. Wie ich schon sagte habe ich absolute Anfänger im Team und denen tu ich damit keinen Gefallen.


    Die spielen gegen Kinder die schon mindestens 4 Jahre Fußball spielen. Man könnte sagen die sind in der vierten Klasse und spielen gegen Schulanfänger.


    Keiner würde auf die Idee kommen einen Lesewettbewerb zu veranstalten wo ein Viertklässler gegen einen Erstklässler macht.


    Ihre Wiederholungen bekommen sie im Training in den Spielformen, und da bekommen sie wirklich zahllose. Zum einen sind sie da in der Gruppe der Anfänger und der Kinder die zwar länger kommen, bei den guten aber noch nicht mithalten können, zum anderen bekommen sie im Spiel beim Aufbau niemals den Ball gespielt, denn die Mitspieler wissen auch wer schon was kann und wer ein Risiko ist.


    Und das ist ganz bestimmt nicht so, weil es so von den Trainern kommuniziert wird.


    Die anderen werden Woche für Woche besser, ganz klar, die Sprünge sind oft größer als bei den aktuell guten. Denn im Training messen sie sich mit denen auf ihrem Niveau. Da geht man auch eher ins Dribbling oder wagt ne Finte als gegen das Minimonster wo man eher auf Sicherheit geht.


    Meine Starken können auch vernünftig aufbauen, kommunizieren dabei und machen das auch selbstbewusst weiter wenns mal nicht klappt.


    Natürlich sollen die anderen da hin kommen, aber das braucht eben Zeit.


    Ich bleibe auch dabei. Die Neulinge werden eher verunsichert als ermutigt wenn sie in einer Tour den Ball verlieren und es zu gefährlichen Situationen kommt. Noch dazu schauen die anderen sich das auch nicht permanent an ohne mal ihren Unmut zu bekunden.


  • Selbstverständlich kannst du gerne dabei bleiben. Jeder hat da seine eigenen Gedanken und Meinungen und dazu. Es hat auch nichts mit richtig oder falsch zu tun.


    Es ist halt nur meine Meinung, dass wenn ich den oder die spielschwächeren Spieler mitspielen lasse, ich diesen genauso das gleiche versuchen lasse und ich ihm nicht sagen würde, dass er den Ball nach immer wegschiessen soll.


    Klar geht es oft in die Hose, aber den anderen Fehler erlauben und ihm sagen, dass er lieber den Ball weghauen soll, werde ich nicht machen. Steuern versuche ich es oft über die Position wo er spielt. Macht er den Fehler weiter vorne ist es für ihn weniger negativ behaftet, da nicht zwangsläufig direkt ein Gegentor passiert.


    Du nennst es "gefährliche Situation", für mich sind es genau die Situationen die die Kinder brauchen um zu lernen. Das ist mir lieber, da die Kinder genau in diesen Situationen das versuchen sollen umzusetzen was wir im Training geübt haben.


    Im Training die Sachen üben, aber im Spiel nicht erlauben anzuwenden, würde ich persönlich nicht machen.


    Aber ich verstehe dein Problem wenn man Neulinge mit weiter fortgeschrittenen spielen lässt. Evtl. würde es helfen dies zu steuern, dass sie immer nur jeweils gegen gleichstarke Teams spielen.


    Auch wir (E1) versuchen im Training und definitiv auch im Spiel einen kontrollierten Spielaufbau von hinten zu etablieren.


    Aber: Ich habe in den letzten 18 Monaten 3 Bundesligaspiele besucht. In allen drei Spielen haben 5 von 6 Mannschaften ihr Spiel auf lange Abschläge des Torwarts aufgebaut- Nicht schön, aber es war so. Meine Frage lautet deshalb: Überfordern wir die Kinder nicht, wenn wir in allen Spielsituationen einen kontrollierten Spielaufbau von hinten einfordern?


    Den Vergleich Kinderfussball mit Erwachsenenfussball sollten wir Kinder-/Jugendtrainer tunlichst vermeiden ;)


    Wir haben ganz andere Ziele und Aufgaben als die da oben. Unsere Aufgaben ist es ihnen all das beizubringen um es irgendwie nach oben zu schaffen und nicht im Kindesalter wie die Erwachsenen zu spielen.


    Aber ich weiss was du meinst und beobachte es auch in Spielen von NLZ-Teams, dass oft nach vorne geschlagen und dann der zweite Ball gejagt wird :rolleyes:


    Wir fordern den Spielaufbau ja auch nicht des Ergebnis wegen, sondern damit die Kinder von Beginn an versuchen ihren Aktionen Struktur und Ordnung beizubringen. Ein Bewusstsein entwickeln für das Erkennen von Situationen und der anschliessenden Entscheidungen nach Abwägen von mehreren Optionen.


    Gebe ich dem Kind aber von Anfang an nur die Option, dass er den Ball weghauen soll, wird das Kind nicht viel dadurch lernen. Von daher sollten wir den Kindern von Beginn an viele Optionen an die Hand geben aus denen sie auswählen und anschliessend versuchen sollen.


    Von Beginn an und unabhängig von den Auswirkungen wie Gegentore und Niederlagen.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"

  • Überfordern wir die Kinder nicht, wenn wir in allen Spielsituationen einen kontrollierten Spielaufbau von hinten einfordern?

    Für mich besteht da ein ganz anderes Problem:

    Wenn man als Trainer für unterschiedliche Spielsituationen nur eine einzige Lösungsvariante erlaubt, nimmt man den Kindern Optionen. Wer mögliche Lösungsvarianten ausschließt, killt Spielintelligenz.

    • Wenn der TW einen Ball abfängt und sich für einen Offensivspieler ein Raum auftut, finde ich es gut, den Raum zu sehen und den Spieler mit einem langen Ball auf die Reise zu schicken.
    • Wenn ein Gegner konsequent hoch zustellt, finde ich es gut, wenn der TW das sieht und einen Mitspieler steil schickt.
    • Wenn ein Gegner tief steht, finde ich es gut, das Spiel über einen Verteidiger zu eröffnen.
    • Stellt ein Gegner hoch zu und steht gleichzeitig hinten tief, finde ich es gut, wenn der TW den Raum im Mitteldrittel sieht und darüber das Spiel eröffnet.

    Was ich sagen will: Unterschiedliche Spielsituationen erfordern unterschiedliche Lösungen. Wer das Handeln unabhängig von der Spielsituation vorgibt, darf nicht erwarten, dass sich ein Erkennen von Situationen und dazu passender Lösungen entwickelt.

  • Auch wir (E1) versuchen im Training und definitiv auch im Spiel einen kontrollierten Spielaufbau von hinten zu etablieren.


    Aber: Ich habe in den letzten 18 Monaten 3 Bundesligaspiele besucht. In allen drei Spielen haben 5 von 6 Mannschaften ihr Spiel auf lange Abschläge des Torwarts aufgebaut- Nicht schön, aber es war so. Meine Frage lautet deshalb: Überfordern wir die Kinder nicht, wenn wir in allen Spielsituationen einen kontrollierten Spielaufbau von hinten einfordern?

    Der Bundesligavergleich hinkt etwas, die Teams schlagen den Ball ja nicht planlos nach vorne, sondern suchen ja schon ihren Zielspieler. Und außer Hannover sind alle Teams, die ich diese Saison gesehen habe, schon in der Lage auch kurz zu eröffnen und sich in die gegnerische Hälfte zu spielen.


    Ich sehe es so, dass mein Tormann(der ja eh immer wechselt) auch als Fußballer ausgebildet werden soll. Und wenn wir kurz eröffnen habe wir in der Regel eine Überzahlsituation, da unser Torwart anspielbar ist, der gegnerische Torwart aber keinen Gegenspieler übernehmen kann. Nun ist es unsere Aufgabe/unser Ziel, den Verteidiger so freizuspielen, dass er mit Tempo andribbeln kann/den Angreifer vor ihm anspielen kann. Dabei hilft uns natürlich die Rückpassregel enorm, weil der Torwart sich auf einen ungenauen Pass, wie sie in dem Alter ja durchaus normal sind, draufschmeißen kann und uns somit eine neue Chance gibt das Spiel zu eröffnen.

  • Welchen weitblick?? Ganz ehrlich den passgenauen 30 meter abschlag aus dem fussgelenk kann ein tw in der u11 garantiert nicht. die vororientierung fürs flache Spiel fordert schon ausreichend.

    Na der "Weitblick", den ich schon beschrieben habe und den jetzt auch noch einmal Follkao dargelegt hat. Es geht überhaupt darum, diese freien Räume und mögliche 1vs1 Situationen, die durch einen weiten Abschlag entstehen können, zu erkennen. Passgenau ist hier niemals eine Kernforderung gewesen.

  • Es gibt leider sehr viele Mannschaften, die diese "Taktik" anwenden. Beim Abstoß spielt der Torwart zu einem Mitspieler, dieser spielt ihn zurück und der Torwart schlägt dann aus der Hand nach vorne. Vorne steht dann meist ein "guter" Stürmer, der den Ball bekommt und dann alleine auf das Tor zugeht. Das kann man so machen, wenn man ergebnisorientiert spielt. Wenn man den Kindern und vor allem den Verteidigern was lernen möchte, dann versucht man, den Ball von hinten herauszuspielen. Auch auf die Gefahr hin, dass das mal schief geht, der Ball abgefangen wird und es zu einem Gegentor kommt.

    Leider lassen sich viele Trainer auch von den Eltern beeinflussen. Viele Eltern denken nur ergebnisorientiert und sie sehen es überhaupt nicht ein, wenn "gute" Spieler ausgewechselt werden und durch "schlechtere" Spieler ersetzt werden.

    Als Trainer braucht man da oft ein dickes Fell. Am besten ist es immer, den Kindern und den Eltern zu erklären, warum man gerade so spielen lässt und das Ergebnis bei den Kleinsten völlig egal ist.

    Am schlimmsten finde ich es immer, wenn schon bei den Kleinsten Rivalitäten geschürt werden. Wenn Derbys stattfinden und Nachbardörfer gegeneinander antreten, dann werden oftmals schon die Kinder "heiß" gemacht. Die Atmosphäre bei solchen Spielen ist auf dem Platz leider immer wieder aggressiv und teilweise vergiftet.

    Es steht und fällt aber alles mit dem Trainer.

  • Hallo,

    ich trainiere eine Kreiauswahl E und eine F-Mannschaft. Bei unserer Vereins E-Mannschaft springe ich hin und wieder im Training oder bei Spielen ein. Diese Problematik kenne ich natürlich schon seit Jahren und ist ja auch schon bei F Spielen zu beobachten. In der Halle und auf dem Feld. Im Tor und auch in der Abwehr stehen ja oft Spieler, die nicht besonders gut spielen. Das meinen zumindest veiel Trainer. Was sollen die Kinder machen: den Ball nach Vorne schlagen. Das führt dummerweise in der F und E auch oft zu Torchancen. Die Eltern am Spielfeldran fordern das nach vorne Bolzen auch regelrecht. Beim meiner F schon passiert. Um jetzt noch auf die konkrete Rückpassproblematik zurück zukommen, es macht keinen Sinn den Kinder zu sagen: Hau den Ball nach vorne!! Was haben sie dadurch gelernt? Immer hinten raus spielen. Meine Anweisungen sind immer: Ball hinlegen und passen oder aus der Hand rollen. Die Kinder entscheiden selbst. Natürlich geht da einiges schief. Aber genau diese "Fehler-Erlebnisse" helfen den Kindern mehr. Sie müssen nach Toraus schnell eine Entscheidung treffen (sonst stellt der Gegner vielleicht zu). Die Abwehrspieler müssen sich aber auch schnell und mutig anbieten. Das ist Fußball. Einen Ball aus der Hand nach vorne schlagen brauche ich meinen Kids nicht beizubringen, das bringt sie ja auch nicht wirklich weiter.


    Genauso sollte man gegnerische Teams auch eine Spieleröffnung ermöglichen. Besonders wenn es sich um schwächere Teams handelt. Wenn die jedes Mal hinten bei der Spieleröffnung den Ball verlieren und meine Jungs erzielen aus ein paar Metern ein Tor, ist das auch wenig sinnvoll.


  • Mein Torhüter entscheidet immer selbständig und situativ. Für meine Mannschaft gilt 1. Prämisse wir spielen flach heraus. 2. Ist das nicht möglich, weil Verteidiger sich nicht anbieten oder zugedeckt sind durch Pressingmonster , wird das Ding seitlich auf die Flügelspieler mit einem Flugball gespielt.


    Steht der Gegener zu hoch und mein Torhüter erkennt das, dann darf er den Ball auch gerne nach Rückpass weit nach vorne schlagen.

    Genau so hanhaben wir das auch, Ich habe mit meinen 08ern (U11) in der U8 angefangen Spielaufbau mit flachen Bällen zu üben.

    Das schlimme fand ich damals die Eltern die lange Abschläge gefordert haben. Wir haben fast jedes Spiel danach verloren, aber inzwischen sind die Eltern begeistert weil es richtig nach schönem Fussball aussieht und die Kinder haben auch mehr Spass daran. Verteidiger haben dadurch auch mehr Ballbesitz. Durch diese Abschläge werden Verteidiger praktisch aus dem Spiel genommen und sind fast nur noch für die Balleroberung zuständig,

    Wie oft begegnet dir solch ein Team? Mir ehrlich gesagt selten (eins von 10)

    Da hast es gut. Bei uns bestimmt jedes 3. Spiel (U11!). Erst letztes Wochenende. Der Trainer hat den Torwart von der Seite richtig rund gemacht wenn er das nicht so gemacht hat. Mein Trainerkollege ist während dem Spiel zu ihm hin und hat gefragt ob er das für die richtige Ausbildung hält. Hat meinen Kollegen ignoriert und abgedreht.

  • Mein Trainerkollege ist während dem Spiel zu ihm hin und hat gefragt ob er das für die richtige Ausbildung hält. Hat meinen Kollegen ignoriert und abgedreht.

    auch wenn ihr, dein Trainerkollege und du, in meinem Augen, inhaltlich Recht habt, kann ich den gegnerischen Trainer vollkommen verstehen. Während des Spiels geht sowas, meiner Meinung gar nicht und provoziert nur

  • Für mich besteht da ein ganz anderes Problem:

    Wenn man als Trainer für unterschiedliche Spielsituationen nur eine einzige Lösungsvariante erlaubt, nimmt man den Kindern Optionen. Wer mögliche Lösungsvarianten ausschließt, killt Spielintelligenz.

    • Wenn der TW einen Ball abfängt und sich für einen Offensivspieler ein Raum auftut, finde ich es gut, den Raum zu sehen und den Spieler mit einem langen Ball auf die Reise zu schicken.
    • Wenn ein Gegner konsequent hoch zustellt, finde ich es gut, wenn der TW das sieht und einen Mitspieler steil schickt.
    • Wenn ein Gegner tief steht, finde ich es gut, das Spiel über einen Verteidiger zu eröffnen.
    • Stellt ein Gegner hoch zu und steht gleichzeitig hinten tief, finde ich es gut, wenn der TW den Raum im Mitteldrittel sieht und darüber das Spiel eröffnet.

    Was ich sagen will: Unterschiedliche Spielsituationen erfordern unterschiedliche Lösungen. Wer das Handeln unabhängig von der Spielsituation vorgibt, darf nicht erwarten, dass sich ein Erkennen von Situationen und dazu passender Lösungen entwickelt.

    Generell hast Du Recht. Ich bin so vorgegangen wie ich schrieb, vllt. habe ich den TW wirklich der Lösungsmöglichkeiten beraubt. den AbWURF in die zweite Reihe (dein letzter Punkt-Mitteldrittel) habe ich auch zugelassen. Fußballerisch ist er mittlerweile einer der stärksten -Raum-Spieler auf dem Feld, der die Bälle in die Schnittstellen legt oder den Seitenwechsel beherrscht. Also der TW, der bis in die E hauptsächlich trotz Rotation im Tor stand. Ich habe es eher als Reduzierung auf technisch sauber ausführbare Optionen gesehen(in bezug auf den TW).

    Durch die selbstauferlegte Rückpassregel habe ich da das ständige Umblickverhalten ohnehin schon mit beim tw drin. (Man achte auf die Torhüter, die den Ball aufnehmen und sich dann erst orientieren/ (fehlende)vororientierung ist auf fast keiner Position so schnell zu erkennen in diesem Alter)

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich finde sowohl hinten raus spielen als auch die langen Abschläge nicht gut, wenn es nicht eine bewusste Entscheidung der Kinder ist. Und für mich ist das nicht nur eine Entscheidung des Torspielers, sondern auch der Feldspieler (wo bieten sie sich an?).

    Die Aufnahme mit der Hand der Rückgabe würde ich verbieten - macht entwicklungstechnisch auch keinen Sinn, wenn man später sie nicht mehr machen darf.

    Meinem Torspieler in der F-Jugend sage ich immer, dass ich vor einem Abschlag einen Namen hören will und so kann ich feststellen, ob er den Ball nur "vorprügelt" oder gezielt schlagen will (bewusst). Die Feldspieler werden angehalten, dass sie sich auch anbieten - die bekommen schon mal die Frage, ob sie anspielbar sind oder ob der Torspieler den Ball so weit bringen kann.

    Mir ist das "bewusst" wichtig, weil oftmals kommt es mir vor wie Automatismen (sowohl die langen Abschläge als auch das hinten raus spielen) und nicht wie situative Entscheidungen.