Vorbereitung gegen starken Gegner

  • Hallo!

    Wir haben morgen ein Spiel gegen einen Gegner, der seit 2 Jahren noch kein Spiel verloren hat. Dieses Spiel zu gewinnen, ist daher eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist hingegen, das es eine richtige Packung setzt.

    Was sagt ihr euren Kids vor einem solchen Spiel?

    In der Vergangenheit, war es immer so, wenn ich erwähnt habe, daß der Gegner stark ist, hatten sie schon vorher die Hosen voll.

    U11 Mannschaft.

  • Wahrscheinlich wissen die Kids schon gegen wen es geht. Ich würde daher nicht viel vorher sagen. Als kein Salz in die Wunde streuen.
    Wir hatten das selbe mal vor knapp 2 Jahren. Ich habe versucht zu Motivieren und habe den Kindern vereinzelt einfache Ziele gesetzt. Michael sollte versuchen einen Zweikampf gegen den besten dort zu gewinnen. Tim sollte eine Finte zeigen usw.
    Die Mannschaft sollte den Torwart unterstützen und jeder sollte jedem helfen.

    Ansonsten gilt, Augen zu und durch.

  • da wir immer von der Entwicklung und Ausbildung sprechen, versuche ich das auch immer den kids zu vermitteln: wir haben schon immer (auch in spielformen) den simplen spruch: wir verlieren nie, entweder wir gewinnen, oder wir lernen.

    Das bewirkt nicht, das kindern egal ist, wie sie spielen, sondern nimmt meiner Erfahrung nach, ein wenig den druck vom kessel, der ohnehin da ist( eltern etc.)... kinder spielen befreiter und selbstbewusster. Wie gesagt sehr simpel aber für kinder erklärbar und vor allem vermittelbar.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich kenne eine Mannschaft (mittlerweile D-Jugend), die war in der F über zwei Jahre ungeschlagen. So eine Art Kifu-Real-Madrid, praktisch ohne Schwachpunkte.


    Die haben dann aber im Finale des Kreispokals eine ziemliche Packung sogar bekommen. Da hat der Gegner sein Heil total in der Offensive gesucht und vollgas nach vorne Druck gemacht. War ein bisschen Harakiri-Taktik :-) Hat aber funktioniert.


    Das Kifu-Real-Madrid hat hinten mit zwei physisch sehr großen, schnellen und zweikampfstarken Spielern gespielt. Wenn die das Spiel vor sich hatten, haben die alles abgeräumt, keine Chance vorbeizukommen. Die extrem offensive Spielweise des Gegners hat sie in dem Pokalspiel aber überfordert, da haben sie die Übersicht verloren. Ihre Mitspieler haben sich darauf nicht oder zu wenig eingestellt, weil sie auch gewohnt waren, dass auf ihre zwei "Kanten" hinten Verlass ist. Zwar haben sie ein paar Konter-Tore geschossen (klar), sind auch sogar – meine ich – in Führung gegangen. Aber das hat nicht gereicht.

  • Da habe ich ein gutes und interessantes Beispiel:


    Wir haben vor kurzem gegen ein Team gespielt (jünger Ejugend), dass spielerisch meiner Meinung nach ähnlich stark ist wie wir.

    Unter normalen Umständen wird das ein knappes Spiel.


    Ich wollte auch den Druck etwas raus nehmen und habe meinen Jungs gesagt, dass sie einfach Fußball spielen sollen und versuchen sollen alles zu geben und das es komplett egal ist wie das Ergenis am ende aussieht. Einfach laufen und Spaß haben....


    Leider ging der Schuß nach hinten los. Dadurch dass sie null Druck mehr hatten, haben sie auch keine Spannung mehr gehabt sich zu konzentrieren. Wir haben ne richtig ordentliche Packung bekommen.... :P


    Der Punkt ist, nicht jede Mannschaft wird auf diese oder jene Ansprache entsprechend reagieren, da gibt es zu viele Faktoren. Die richtigen Worte zur Motivation zu finden und das bei unterschiedlichen Spielen, das ist ja auch irgendwie Trainerkunst.


    Das wir verloren haben ist übrigens kein Problem gewesen. Habe ich den Jungs auch so gesagt, Mund abwischen und weiter...war ein bisschen ärgerlich wie wir verloren haben, da wir wie gesagt unter normalen Umständen mindestens ebenbürtig wären...aber so what, wen interessierts..

    "Some people think football is a matter of life and death. I don't like that attitude. I can assure them it is much more serious than that." - Bill Shankly

  • Niederlagen gehören im KiFu dazu. Das versuche ich meinen Jungs auch zu vermitteln.

    Es ist keine Schande, gegen eine bessere Mannschaft zu verlieren.

    Ich erkläre den Jungs dann immer, dass man gerade aus solchen Spielen was lernen kann. Entweder haben die Gegner was richtig gut gemacht, was man übernehmen kann, oder aber meine Jungs haben Fehler gemacht, die passieren, die auch passieren dürfen, aus denen man aber lernen kann/sollte.

    Ansonsten wenn die Jungs vor dem Spiel schon die Köpfe hängen lassen, frag sie, ob sie gegen ihre Eltern oder andere Große Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen, oder vorher auch schon direkt aufhören? Und wenn sie dann mal eine Figur verlieren (ein Tor kassieren) wird dann weiter gemacht und trotzdem probiert zu gewinnen, oder aufgegeben?

    Oder zeig Ihnen auf, dass Mannschaften wie Frankfurt im DFB Pokal Finale 2018 gegen Bayern zwar der "Kleinere" sind, aber nicht direkt den Kopf hängen lassen, sondern alles probieren um zu gewinnen und dann das auch passieren kann.

    Und gerade wenn der Gegner wie in diesem Fall seit 2 Jahren kein Spiel mehr verloren hat, sag ihnen, dass es immer den ersten geben muss, der sie schlägt und das deine Jungs sein können.

  • Spiele die "vorher schon verloren sind" sind im Dorfverein doch immer wieder dabei.


    Ich habe von meinen Teams gerade hier oft die besten Spiele gesehen, weil "uns das Ergebnis egal war". Ich habe meinen Spielern das auch immer genau so gesagt, mit dem Zusatz "aber wir wollen unser bestes zeigen". Dazu gab es dann für jeden Spieler ein oder mehrere erreichbare Ziele.


    Je nach Gegner hieß es dann "heute mindestens einen Gegner ausspielen" oder "keinen Ball einfach weg schlagen sondern immer erst kontrollieren" usw. Somit konnte jeder Spieler, trotz teils zweistelliger Ergebnisse, mit einem persönlichen Erfolg vom Platz gehen.

    Hilfreich ist es hierbei auch sich die Ziele jedes Spielers zu merken, bzw. ich musste mir das notieren. Dann kannst du hinterher in der Kabine jeden zu seinem Ziel befragen und ein positives Feedback verteilen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Spiele morgen auch gegen den Tabellenführer der noch keinen Punkt hergegeben hat (E2 Jugend)...

    Die Kids wissen das teilweise natürlich auch.

    Mein Ziel ist es, dass wir nicht mehr als 5 Gegentore bekommen.


    Am Montag kann ich berichten wie es gelaufen ist! ^^

  • Ich spiele morgen gegen einen Gegner, der laut Aussage des Trainers, die beiden besten G-Jugendlichen im Team hat, die er in 20 Jahren KiFu gesehen hat.

    Ich bin mal gespannt was das für Kinder sind.

    Ansonsten weise ich meine Jungs grundsätzlich schon auf stärkere Gegner hin oder und erlebe erlebe dann auch einen etwas höheren Fokus.

  • Wie schon oben erwähnt ist es für starke Mannschaften oft sehr schwer wenn sie unter druck gesetzt werden. Wir haben leider in beiden Richtungen schon so unsere Erfahrungen gesammelt. Technisch und körperlich starken Gegner von Beginn an direkt zugelaufen und auch die Anspielstationen bei Torwartball zugestellt. Ergebnis lange Bälle die bei uns gelandet sind und wir haben dann die Buden gemacht.

    Leider bei uns auch schon passiert dass der Gegner uns direkt unter Druck gesetzt hat und so viele Ballverluste provoziert hat. Dann machen die 2 Tore kurz hintereinander und schon geht der Kopf runter und der Frust steigt.


    Wenn man eh nichts zu verlieren hat, dann Kommando Attacke

  • Michael sollte versuchen einen Zweikampf gegen den besten dort zu gewinnen. Tim sollte eine Finte zeigen usw.

    ...gebe zu bedenken, dass solch individuelle Ziele im Spiel ja für den betreffenden Spieler eine Erschwerniß, da Zusatzaufgabe, darstellt.

    Das ist eher was gegen leichtere Gegner.

    Im hier vorliegenden Fall wäre dasevtl. Überforderung wenn die Kids eh "am Rad drehen".

    Z.B. ist die Vorgabe den Ball nicht einfach wegzuschlagen, sondern immer erst kontrollieren gegen einen drückend überlegenen Gegner schlicht nicht machbar und somit als Vorgabe in diesem Falle ungeeignet.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Ich persönlich versuche den Gegner nicht wirklich in meine Ansprache einzubauen, außer es gibt einen Altersunterschied. In erster Linie sollen die Jungs das umsetzen, was wir trainiert haben und damit Erfolgserlebnisse sammeln. Das Ergebnis steht immer hintendran.

    Und das Credo ist: Wenn wir unseren Fußball spielen(klingt sehr hochtragend, dazu gehören aber einfach nur 2 Punkte, die wir gerade trainiert haben, wie der Zeitpunkt für ein Abspiel bzw ein Dribbling und das suchen von freien Räumen), dann können wir auch gegen jeden Gegner Tore schießen. Und dafür spielen wir ja schließlich Fußball.

  • So, Gott sei Dank ist das Spiel vorbei.

    14:1 verloren. Und das nur, weil der gegnerische Trainer nach einem gewissen Vorsprung seine besten Leute rausgenommen hat. Sonst wären das wahrscheinlich über 20 Gegentore geworden. Die waren schon sehr gut, eher D Jugend Niveau, wir hingegen F Jugend.

    Die Dinge wurden nicht umgesetzt, wie besprochen. Keine unnötigen Dribblings in gefährlichen Räumen, bei Ballerverlust nicht stehen bleiben, Freilaufbewegung , wenn einer vorm Tor besser steht, abspielen. Hat sich aber schon bei der Ansprache angedeutet. Ich wollte eh nur 2-3 Sätze sagen, aber selbst bei denen wurde ständig geschwätzt.

    Alles nicht passiert.

    Tja, Mund abputzen weiter gehts.

  • Ich sehe es mittlerweile so, dass im Kifu an taktischen Maßnahmen alles erlaubt ist (natürlich vorausgesetzt, dass man es den Kindern verständlich erklären kann).

    Aha

  • Ich gehe davon aus, das Powerzwergpapa an Maßnahmen mit Sicherheit keine unfairen Mittel gemeint hat, sondern eher psycholigische Tricks (für seinen eigenen Jungs, nicht Gegner).


    lobinho Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber solche Tage kenne ich. Da ist die ganze Gruppe einfach durch und man freut sich, wenn das Spiel ein Ende hat.

    Aber schön zu sehen, dass der gegnerische Trainer auch darauf reagiert hat und das "Abschlachten" nicht noch weiter gefördert hat.

  • Z.B. ist die Vorgabe den Ball nicht einfach wegzuschlagen, sondern immer erst kontrollieren gegen einen drückend überlegenen Gegner schlicht nicht machbar und somit als Vorgabe in diesem Falle ungeeignet.

    In meinem Fall erfolgen solche "Individualziele" nicht ins Blaue. Und klar kann es auch eine Erschwernis sein. Aber wenn ich nichts zu verlieren habe und sowieso weiß das es eine Niederlage hagelt kann ich das doch auch in die andere Richtung nutzen.

    Denn auch die Kinder wissen das es wieder andere Spiele gibt, und wenn ich gegen XY den Ball behaupten konnte kann ich es gegen ABC doch schon zweimal! Wie oft der Ball dabei auch verloren ging spielt dann eine untergeordnete Rolle.


    Und nochmal, die Ziele werden nicht aus dem Bauch heraus vergeben sondern sind (soweit beeinflussbar) auch für jeden erreichbar! Im "schlimmsten Fall" wird über die "Fehler" auch einfach hinweg gesehen. Als Trainer hat man schließlich so viel zu tun (Auswechsel, Schiri, usw.) , da kann an ja nicht alles sehen!


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)