Beiträge von Powerzwergenpapa

    Ohne dir, let1612 , widersprechen zu wollen, hat Fechter meiner Meinung nach an einem Punkt recht: man muss m. E. in der Diskussion derzeit aufpassen, dass man sozusagen nicht "auf der anderen Seite vom Pferd fällt". Auch geniales Passspiel ist eine besondere Qualität, siehe Kroos oder Özil, oder früher Xavi.


    Heute stehen alle auf diese Typen wie Sancho, Sané, Mpappé und Co. Sind ja auch coole Fußballer. Aber Fußball hat viele Facetten und ich meine, eine gute Mannschaft braucht verschiedene Spielertypen mit unterschiedlichen Qualitäten.

    Ich war lange Zeit im Glauben, dass die kleinen Spiele (bspw. Funino, 4vs4, etc.) genügend zur Entwicklung beitragen.

    Ich glaube auch nicht, dass das reicht. Es ist sicher gut - und ich glaube auch, dass das geht - alle Übungen mit spielerischen Elementen bzw. kleinen Wettkämpfen zu verbinden. Aber allein Fußballspielen lassen, reicht nicht. Sonst hätte ich es zum Technikmonster gebracht 😁


    Es braucht Üben und Bewegungen müssen sich auch ein Stück einschleifen (blödes Wort, ich weiß). Trainer müssen Dinge zeigen können. Ich glaube auch, es ist ganz wichtig, dass sich Kinder auch alleine - für sich - mit dem Fußball beschäftigen.


    Dafür braucht es aber nicht viele Worte. Vormachen - nachmachen. Immer viel mit Ball, viel Bewegung, die Kinder immer tendenziell ein bißchen überfordern (ohne sie zur Verzweiflung zu bringen). Keine taktischen Dinge, kein Stellungsspiel oder Positionen oder Spielzüge, sondern beim Fußballspielen den Kindern die Freiheit lassen, eigene Entscheidungen treffen und selbstständig Lösungen finden zu können, Schusstraining statt Passspiel. Bei kleinen Toren wird das Passspiel automatisch mittrainiert. Spielfreude als oberste Priorität.

    Für mich hört sich das nach zu viel Reden und zu wenig Fußball an.


    Die Übungen / Spielformen daher so gestalten, dass man möglichst wenig Erklärung nötig ist. Ball am Fuß, mit koordinativen Elementen, die die Kinder fordern, keine isolierten Übungen, keine Passübungen. Alle Kinder in Bewgung halten.


    Wenn du etwas neues zeigen/einführen möchtest, mach das am Anfang. Ansonsten immer wieder auf Bekanntem aufbauen, so dass du statt langwieriger Zeitverschwendung mit Erklären, Spieler einteilen u. Ä. die Zeit mit Beobachten und Einzelkorrektionen verbringen kannst.

    Also aus meiner Sicht macht Selektion in G und F im Blick auf die Ausbildung keinen Unterschied, weil es da ja noch komplett um die individuellen Grundlagen geht.


    Wenn man etwa in der F bei uns im Kreis schaut: von drei erstplatzierten Teams (alles selektierte, auf Erfolg getrimmte Teams) jetzt in der Halle hat es kein einziger Spieler ins NLZ geschafft. Aus den Teams auf Platz 4 und 5 hat es je ein Spieler geschafft. Das Team auf Platz 4 ist auch eine selektierte Truppe, das Team auf Platz 5 ist aber eine ganz normale F-Mannschaft.


    Also aus Ausbildungungssicht sehe ich überhaupt keinen Mehrwert darin, in G oder F eine starke Trainingsgruppe zusammenzuselektieren.


    Stattdessen verursacht die Selektion aber einige Probleme:

    - Freunde müssen in verschiedenen Teams spielen

    - harte Entscheidungen (aus den selektierten F-Teams bei uns wurden etwa Spieler für die Endrunde "aussortiert")

    - um mit den selektierten Teams mithalten zu können, sind kleinere Vereine zu Entscheidungen "gezwungen", die für die Ausbildung nicht gut sind (etwa feste Positionen, es spielen immer dieselben oder Kinder werden zu früh hochgezogen)

    - oder eben solche Probleme, wie Bennoah sie oben schildert


    Trotzdem - obwohl Selektion in G und F aus Ausbildungssicht zwar keinen Mehrwert, dafür aber etliche Probleme verursacht - selektieren selbst ansonsten sehr vorbildlich und ausbildungsorientiert arbeitende Vereine bereits in diesem jungen Alter.


    Bei uns im Verein haben wir uns bis einschließlich E gegen selektierte Teams entschieden. Wenn möglich teilen wir die Teams nach Jahrgang ein oder es gibt zumindest eine gemeinsame Trainingsgruppe. Das wird bei uns aber von Verein und Jugendleitung mitgetragen. Wir haben dabei allerdings den Vorteil, dass wir einen ehemaligen Nationalspieler im Team haben, dessen Rat natürlich einiges Gewicht hat.

    Trainer E , das Thema Talentmerkmale und Talenterkennung ist in diesem Zusammenhang aber doch wichtig. Bennoah spricht ja auch von "Talent" bzw. "Talenten".


    Wir haben bei uns in der G auch einen Jungen, der alles platt macht. Das kommt aber daher, dass er körperlich zwar gar nicht groß, abet ansonsten extrem weit und kräftig ist. Das ist zwar auch ein Talentmerkmal, aber ja doch für sich genommen noch ein bißchen wenig, um wirklich von einem "Talent" sprechen zu können.


    Ich denke, ein guter Trainer kann solche Dinge einordnen, sieht, was Kinder mitbringen und wo die Notwendigkeit besteht, sie zu entwickeln.

    Ich verstehe nicht ganz, wo das Problem ist :-)


    In einer nicht-selektierten Breitensport-Mannschaft ist es ja normal, dass es eine mehr oder weniger extreme Leistungsschere gibt.


    In der G und F sehe ich darin aus Ausbildungssicht überhaupt kein Problem. Und 11 Kinder ist doch optimal.

    Ich finde ja das System mit den BFV-NLZ interessant.


    Ich würde ja sagen, im Prinzip gibt es das bei uns in Norddeutschland auch. Bei uns läuft es nur "inoffiziell", ohne die Transparenz eines entsprechenden Zertifizierungssystems auf Verbandsebene. Bei uns im Norden gibt es in diesem Zwischenbereich zwischen NLZ und Breitensport meiner Wahrnehmung nach ziemlichen Wildwuchs.

    Für fußballbegeisterte, bewegungsfreudige Kinder gibt es da eigentlich kein Limit. Die kriegen nie genug. Die Frage ist, was die Eltern mitmachen.


    An sich reicht in dem Alter Training 1x/Woche. Bei uns ist 2x/Woche Training à 60min.

    Fechter , niemand schiebt die Verantwortung für die WM auf die U-Teams ab, das ist doch absurd. Du vermischt zwei Themen.


    Bei der WM sehe ich es mittlerweile so, dass da einiges zusammengekommen ist und auch, insbesondere gegen Südkorea, einfach Pech dabei war. Deutschland hatte da durchaus Chancen, gerade Özil hat eigentlich ein gutes Spiel gemacht. Nicht zuletzt das Ding von Hummels war eigentlich eine 100%ige und es ist unglaublich, dass er den nicht gemacht hat.


    Wir hatten letztens Hallen-Endrunde und der Top-favorit, die eigentlich bis dahin in der Halle alles gerockt haben, haben beim Abschlussturnier nur einen Platz im Mittelfeld der Abschlusstabelle gemacht. Insbesondere das Spiel gegen uns hat sie demoralisiert und war gefühlt der Knackpunkt. Das war eigentlich eine klare Kiste, ein Spiel auf ein Tor (nämlich unsers:saint:). Aber es sollte einfach nicht sein. Irgendwie war immer noch ein Bein dazwischen oder der Spieler hat verzogen, was auch immer. Wir hatten im ganzen Spiel nur einen einzigen Torschuss, und das Ding saß. War für uns geil, aber war natürlich total unverdient. Aber manchmal läuft es eben im Fußball so. Und bei dem Turnier hat man gemerkt, dass das besagte Spiel bei den Kindern des Top-Favoriten den Flow abgerissen hat, die Leichtigkeit war danach futsch.

    Powerzwergenpapa , ich finde die Bewertung falsch, dies mit fußballbegeistert abzutun. Und nein, das dürfen sie nicht! Kein Kind hat das Recht einem anderen weh zu tun durch überharte Spielweise. Und kein Kind sollte so gepusht sein, dass es ausrastet. Es ist Teil der Sorgfaltspflicht, dafür zu sorgen, dass so was nicht passiert und da muss man den Hitzkopf eben mal runter nehmen bevor was passiert.

    Ich sehe es so wie let1612 und Follkao .


    Der Impetus des Kindes Ist nicht das Problem, den würde ich auch nie bremsen wollen. Im Gegenteil, ich finde das toll, wenn die Kinder Feuer haben, gewinnen wollen, sich für ihr Team einsetzen.


    Die Wahl der Mittel ist das Problem. Daran trägt aber - meiner persönlichen Erfahrung nach - nicht der Junge schuld. Das sagt Libra ja auch, wenn ich es richtig verstanden habe, dass der Trainer das Spiel mitgespielt hat. Der Junge spiegelt da nur das, was ihm die Erwachsenen vorleben. "Das beste am Straßenfußball früher war, dass kein Erwachsener dabei war." (Hermann Hummels, ist aus dem Gedächtnis zitiert.)

    Libra , also dass der Trainer da mitmacht, finde ich auch nicht gut. Ein Trainer sollte da beruhigend wirken.


    Aber ansonsten, hört sich an als ob der Junge super fussballbegeistert wäre, so wünscht man es sich doch.


    Natürlich schlagen Kinder manchmal noch über die Stränge. Dafür sind es ja Kinder, da darf man das noch 😀


    Bei einem unserer letzten Turniere gab es einen Jungen, den man nur einmal schief anzuschauen brauchte, schon lag er weinend am Boden (obwohl der Junge aussergewöhnlich groß und kräftig war). Es war offensichtlich, dass es der Junge nicht akzeptieren wollte, wenn er einen Zweikampf verloren hat. Das war nicht zuletzt auch deshalb nervig, weil das zu ständigen Spielunterbrechungen geführt hat. Aber sein Trainer ist da gut mit umgegangen. Anstatt das Spiel mitzuspielen, hat er den Jungen, als er mal wieder heulend am Boden lag, ausgewechselt, mit ihm liebevoll ein paar ernste Worte gewechselt und danach war gut.

    Ich meine, der Auftrag Spieler richtig gut auszubilden, sollte wieder stärker hin zu den Amateur-Vereinen vor Ort gehen. Die Idee mit den NLZ war vielleicht mal gut, aber das System hat sich - aus verschiedenen und im Einzelnen ja auch durchaus nachvollziehbaren Gründen - in die falsche Richtung entwickelt.


    -Kinder, die in ihrem Umfeld vor Ort gefördert werden

    -Knowhow, das aus den NLZ in die kleinen Vereine transferiert wird, durch Kooperationsmodelle (auf Kreisebene!), durch die Fussballschulen, durch Fortbildungsangebote für die Trainer.

    -Kifu als Fussball sui generis betrachten (Also nicht als Erwachsenenfussball in Klein)


    Ich fürchte, dass das nicht so einfach ist, aber ich meine, dass sich auch die NLZs verändern müssen. Bis einschließlich D-Jugend sollten die Kinder in ihrem vertrauten Umfeld bleiben und die Begabten dort auch ausreichend gefördert werden können. Statt das Geld in aufwendige Strukturen zu investieren, sollten sich die großen Vereine als Multiplikatoren verstehen.


    Von den Weltmeistern 2014 war m.W. kein Spieler in einem Internat und Lahm oder auch Schweinsteiger waren m. W. bis zur D-Jugend in ihren Heimatvereinen.

    Ist ja schön, dass diese Mannschaft erfolgreich ist. Die eigentliche Frage, die für mich in diesem Thread schlummert, lautet: zu welchem Preis?


    Kann ich nicht beurteilen. Gibt es Videos von der Mannschaft?


    Ich kenne Vereine, die versuchen, trotz schlechter Rahmenbedingungen "mit den Großen" mitzuhalten. Nach meiner Wahrnehmung ist das, grob gesagt, im Sinne des Ausbildungsgedankens nicht gerade hilfreich.

    Ballaufpumper , wir sind F-Jugend in der Großstadt. Alle Kinder spielen gleiche Zeit. Wir haben keine Abgänge, dafür können wir uns vor Zugängen nicht retten, weshalb wir mittlerweile fast 20 Kids in der Mannschaft haben.


    Ich denke, für die Eltern ist wichtig, dass sie ein gutes Gefühl haben bei dem Verein, bei dem ihr Kind spielt. Wir haben auch einfach einen sehr guten Ruf, weil alle Teams hochklassig spielen und wir regelmäßig viele Kids ins NLZ abgeben bzw. in der Auswahl haben.


    So pauschal kann man das also nicht sagen. Einen guten Ruf muss man sich natürlich über Jahre erarbeiten. Aber das Thema Elternkommunikation ist auch ganz wichtig. Wenn man das gut kommuniziert und wenn die Eltern eine gute Entwicklung sehen, dann bleiben sie auch.