Dropout D und C - Jugend; Verhinderung möglich oder mittlerweile normal?

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!
  • Danke schon mal für eure Ideen. Unser Sohn spielt C-Jugend. Seine alte Mannschaft hat sich verändert und effektiv ist dort nur noch 1 Fußballer der Talent hat und Stützpunkt gespielt hat. In der Mannschaft spielen auch 2004er. D. h. 2003er und 2004er wurden zusammen gelegt. Vor einem Jahr sind dort 3 gute Jungs komplett ausgestiegen. 2 andere sind zu anderen leistungsstärkeren Vereinen gewechselt. Der Trainer und Co-Trainer haben keine fussballerische Ausbildung und erst ca. 2 Jahre Erfahrung im Jugendbereich. Optimal läuft es da auch nicht.
    In unserem Dorfverein wird über den JFV wo unser Sohn spielt schon jahrelang gelästert. Zitate wie: "Die nehmen uns die guten Spieler weg" oder "nach ein paar Jahren kommt ihr sowieso wieder zu uns..." Geredet wird eh hier auf dem Lande, da muss man drüber stehen. Aber eine gewisse Genugtuung hätte die alte Mannschaft schon. Andererseits hat schon ein anderer JFV der näher dran ist, ein Auge auf unseren Sohn geworfen. In seinem Jahrgang gibt es leider dort auch keinen Trainer der irgendeine DFB-Lizenz hat. Beim zwischenmenschlichen in der Mannschaft gibt es auch Unstimmigkeiten. Die aktuellen Trainer unseres Sohnes haben DFB-Lizenzen und sind geschult. Leider ist das mit der Verfügbarkeit von Spielern zu Punkt-/Testspielen so eine Sache. Die Spieler haben eine App wo sie eingeplant werden. Es gab schon kurzfristig Nominierungen und Deaktivierungen von unserem Sohn, wo wir unsere privaten geplanten Termine schieben mussten. Da war ich schon sauer, da es wichtige Termine waren. Deswegen finde ich dass sehr schade, dass dann ein paar Stunden vorher wieder irgendwelche kurzfristige Veränderungen stattfinden und quasi auf Abruf ohne vorherige persönliche Ansprache. Wenn ich dann nicht auf die "App" geguckt hätte, wäre diese kurzfristige Änderung nicht aufgefallen. Persönlich finde ich dass sehr übertrieben, da unser Sohn ja nicht 24 Stunden verfügbar sein kann und es auch noch Schule etc. gibt. Ausserdem wird er dieses Jahr konfirmiert, da kamen natürlich auch Termine da zwischen. Vllt. brauchte unser Sohn auch nur eine kleine Auszeit vom Fußball, er hatte nämlich noch vor einer Woche Probleme mit seinen Knien. Wir waren beim Sportorthopäden und der sagte, das käme von Überbelastung und der hatte ihm 2,5 Wochen Sportverbot erteilt. Die Zeit davor, war er im sportlichen Dauereinsatz. An einem Tag hatte er 4 Stunden Schulsport, danach Fußball-Training mit vorherigen Kraftsport. Dann Testspiele auf Kunstrasen 2x pro Woche...und vom Verein noch schnelles Radfahren "Spinning". Normal war 2x die Woche Training und am Wochenende 1 Spiel.
    Mal schauen, wie seine sportliche Entscheidung aussieht. Sein Onkel der jahrelang Tennis als Leistungssport gemacht hat, wird auch noch mal mit ihm sprechen, der hat einen guten Draht zu seinem Neffen. Mir als Mutter ist nur wichtig, dass er Spaß am Fußball hat und seine Motivation nicht flöten geht...

    "Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden ;-) "

  • Na großartig - Überbelastung ist kein Spaß. Vor allem nicht bei 14-Jährigen. Ich würde als Papa dem Sohnemann gleich noch eine Woche extrapause auferlegen - weniger ist mehr.
    Und Du musst mit deinem jungen über Intensitäten reden. sonst wird aus ihm ein Drop-Out-Sportinvalide bevor er seine Berufsausbildung beendet hat. Falscher Ehrgeiz hilft da nicht weiter.

  • Ein Thema was mich zur Zeit auch sehr beschäftigt. Und den Ausführungen von @Manndecker kann ich mich nur anschließen.
    Alles Gründe, weswegen wir uns im Verein ( ab C Bezirk aufwärts ) zur Zeit intensive Gedanken darüber machen, vielleicht alles einfach mal eine Nummer runter zu schrauben. Wenn ich bedenke was meine Spieler schon hinter sich haben... Kreisauswahl, Stützpunkt bis zur C, im Verein in der C auf Bezirk, jetzt auf Landesebene mit drei Mal die Woche Training und am WE Spiele mit zum Teil über zwei Stunden Anfahrt...dann Oberstufe, Jugendleiterschein möchte der eine oder andere auch machen, Fahrschule, Praktikum oder schon Ausbildung....
    Daher verfolge ich den Thread hier mit großem Interesse

  • ich denke wir können uns darauf einigen, dass es nicht einen einzelnen Grund gibt.


    Was mich mittlerweile wirklich beeindruckt, wieviel Wert bei Eltern darauf gelegt wird das das Kind aufs Gymnasium geht....
    Da ist Fußball natürlich im Weg.


    Ich habe mich auch schon damit beschäftigt, die alten Strukturen aufzubrechen.
    Aber das ist nicht so einfach.
    Stichwort flexibles Training, Fußball ist ja immer an fixen Terminen. Praktisch ist das nicht umzusetzen. Zumindest habe ich keine Idee wie?


    Ich habe mich vor kurzen mit einem Jugendtrainer unterhalten der seit 23 Jahren im Geschäft ist und mit Ihm über dieses Thema gesprochen.
    Ob mehr oder weniger als in der Vergangenheit aufhören konnte er leider nicht genau sagen, gefühlsmäßig nein.
    Laut seiner Meinung gab es aber auch schon vor 20 Jahren die verschiedensten Gründe, warum nicht mehr gespielt wurde.
    Des Weiteren ist für Ihn die Situation in jedem Verein gleich, dass Leute nur in einem speziellen Verein aufhören, gibt es nicht.
    Ausnahme einen Trainer der alles maßlos übertreibt.


    Schaue ich auf meine Vergangenheit vor ca. 25 Jahren zurück, dann stelle ich fest, von meiner F-Jugendmannschaft sind nur ganz wenige im Herrenbereich angekommen.

  • Nein, Fußball ist auch bei einem Gymnasiumsbesuch nicht im weg. Die Jugendlichen haben immer noch Zeit für ihre Hobbys.
    Bloß eben nicht mehr für alles gleichzeitig. Es erfordert schon etwas Zeit-Management und Kompromisse. Man muss als Trainer halt eine Umgebung schaffen, bei der das Fußball spielen diese Kompromisse gewinnt.
    Macht das Training spaß, man Verbessert sich und kommt auch gut mit der Mannschaft aus werden die Kinder und Jugendliche das Training anderen Dingen Vorziehen.
    Wenn man den Spruch mit dem Straßenfußball ernst nimmt und nicht nur kleine Spielformen einstreut, sondern sein Training komplett danach ausrichtet und auch die Atmosphäre schafft, bleiben die Jungs eher dabei denke ich.
    Das Training und Spielen muss sich halt anfühlen wie Kicken mit den Freunden, dann geht man auch gerne hin.
    Wer jedoch nie aus Freude Fußball gespielt hat, wird sobald er die Wahl hat aufhören.

  • Ja. Zeitmanagement. Das ist das A & O. Wir Eltern betreiben ziemlichen Aufwand. Was mich persönlich ärgert ist, dass seitens des Vorstands versprochen wurde, dass ab der U15 ein Bus fährt.... Das ist aber nicht der Fall. Finde ich ziemlich enttäuschend einem etwas vorzugaukeln. Als Eltern wird man skeptisch, wenn etwas so toll angepriesen wird. Oder eben auch die Verletzungsphase von unserem Sohn, keiner von den Trainern hat mal gefragt, wie es ihm geht. Da fühlt man sich irgendwann überflüssig. Die Medaille hat immer zwei Seiten und Probleme bzw. Unstimmigkeiten gibt es überall. Unser Sohn strebt neuerdings auch keine Karriere mehr als Profi an. Er will etwas Kaufmännisches machen. Die jetzige Teenagerzeit ist ja auch eine Neuorientierung und Abnabelung. Ich finde es wichtig auch über den Tellerrand zu schauen. Man hat ja nur eine Jugend;-)

    "Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden ;-) "

  • Übrigens geht unser Sohn auf die Realschule. Er hatte vor 2 Jahren vom Gym dorthin gewechselt. Seit dem ist er auch entspannter geworden, was Schule angeht.

    "Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden ;-) "

  • Ja. Zeitmanagement. Das ist das A & O. Wir Eltern betreiben ziemlichen Aufwand. Was mich persönlich ärgert ist, dass seitens des Vorstands versprochen wurde, dass ab der U15 ein Bus fährt.... Das ist aber nicht der Fall. Finde ich ziemlich enttäuschend einem etwas vorzugaukeln. Als Eltern wird man skeptisch, wenn etwas so toll angepriesen wird. Oder eben auch die Verletzungsphase von unserem Sohn, keiner von den Trainern hat mal gefragt, wie es ihm geht. Da fühlt man sich irgendwann überflüssig. Die Medaille hat immer zwei Seiten und Probleme bzw. Unstimmigkeiten gibt es überall. Unser Sohn strebt neuerdings auch keine Karriere mehr als Profi an. Er will etwas Kaufmännisches machen. Die jetzige Teenagerzeit ist ja auch eine Neuorientierung und Abnabelung. Ich finde es wichtig auch über den Tellerrand zu schauen. Man hat ja nur eine Jugend;-)

    Das mit dem Bus ist ja gang und gäbe. Es gibt hier bei uns auch ein NLZ, das über einen Bus verfügt. Sagt einem aber keiner, dass das ein 9-Sitzer ist, der genau einmal am Tag am einem bestimmten Punkt auftaucht und dass dort erst mal ein Platz freiwerden muss.

  • Ein interessanter Artikel von Mai 2016


    http://blog.hamburgparadies.de…t-eines-15-jaehrigen.html



    http://ins-netz-gegangen.info/…ng/fuer-fussballer-eltern


    Habe noch als Betroffene Susanne Amar gefunden. Sie ist Coach und Fussballmutti.
    Ihr Sohn spielt seit ein einigen Jahren bei der Bundesliga.
    Vielleicht finden hier Eltern und andere ein paar Infos die wichtig sein könnten, für die Entscheidung, welche Förderung gewählt wird.

    "Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden ;-) "

  • Der Drop-Out ist doch ein total hausgemachtes Problem.

    Wenn ich mich bei uns im Kreis umsehe, wird mir in der E-Jugend schon schlecht.

    Wir hatten ein Spiel gegen einen Altjahrgang.

    Scheinbar haben meine Jungs den Gegner in der 1. Hälfte zu sehr geärgert.

    Also durfte ein schwächeres Kind die 1. Halbzeit garnicht spielen.

    Und auch als es in der 2. Hälfte deutlich wurde haben immer die gleichen beiden gewechselt.

    Und das wird in den höheren Jahrgängen ja nicht besser...

    Ich würde da auf Sicht auch aufhören

  • "Kinder können sich kaum noch frei entwickeln, haben weniger Entfaltungsmöglichkeiten, sie unterliegen immer engeren Vorgaben und mehr äußeren Einflüssen. Sie sind in vielen Bereichen fremdgesteuert. Hier müssen wir gegensteuern, allgemein in der Gesellschaft und speziell auch im Verband."

    Quelle: Markus Hirte (DFB) kicker.de


    3450 Mannschaften weniger in 2019 als 2018

  • Liest sich für mich nach populistischem Geschwätz. Schule ist schuld, E-Sport ist schuld, Gesellschaft ist schuld. G8 wurd ein den Ländern ca. vor über 15 Jahren eingeführt. Konsolen, Fernseher etc. gab es auch schon zu meiner Jugend (Super Nintendo war das zu meiner Zeit). Fußball muss attraktiver gemacht werden. Und nicht nur für Spieler, sondern auch für Trainer, Ableitungsleiter etc. Unser Abteilungsleiter hat mir vor kurzem gesagt, dass sich der ganze Aufwand in den letzten 15 Jahren ca. verdreifacht hat und das nur wegen Bürokratie. Das zieht sich durch alle Teile. Heute darf ein Trainer ja im Prinzip kein Training mehr allein machen. Solche Dinge sind einfach sehr abschreckend. Wenn ich nur Bürokratiequatsch machen muss kann ich mich um die eigentliche Arbeit nicht mehr kümmern. Ich denke auch, dass das Bild was Fußballorganisationen mit ihrer ganzen Korruption abgeben nicht gerade förderlich ist.

    Intakte Vereine haben meiner Meinung nach weniger ein Problem. Intakte Vereine sind für mich Amateurvereine, also Raritäten im heutigen Fußball. Bis teilweise in die 8. Liga haben wir Profiligen. Da kann natürlich kein Vereinszusammenhalt aufkommen und das Hobby-Hopping wird befördert, da es ja von den Erwachsenen vorgelebt wird.

  • Es wird nicht DEN Grund geben warum Jugendliche mit dem Fußball aufhören. Jede Vermutung die wir hier treffen wird also richtig sein.


    Meine Erfahrung bisher (abgesehen von den aus meiner SIcht akzeptablen Gründen wie Interessensverschiebung, Schule, Freundin) ist es aber, dass unsere Gesellschaft sich in den letzten Jahren dahin bewegt hat, den Schwanz einzuziehen wenn es mal nicht läuft. Wo zu meiner Zeit das Team unglaublich wichtig war und man es nie hätte hängen lassen, ist es heute irgendwie anders. Sind vllt auch die Eltern schuld, ... Stichwort Helikoptereltern? Fehler eingestehen, eigene Schwächen zugeben? Eher nicht.

    Dazu kommt dann noch, dass man damals Freunde eben nur über Schule, Verein getroffen hat. Durch soziale Medien ist es alles viel unverbindlicher, vernetzter und teilweise auch naiver. "Ich habe Stress mit meinem Mitspieler? Mein Trainer kritisiert mich wegen meiner Einstellung? Ist doch egal, mein letztes Foto auf Insta hat drölfmillionen Likes und gestern Abend hat mich geiler Babo XYZ zu seiner fetten Party eingeladen. Scheiß doch aufs Team..."

    (Bewusst alles provokant geschrieben ;))

  • Bis teilweise in die 8. Liga haben wir Profiligen.

    Da muss ich dir absolut zustimmen. Ich habe in der B- und A-Jugend Landesliga gespielt, in der D-Jugend Bezirksliga. Das war zwischen 2002 und 2009. Damals haben wir dort mit den Jungs gespielt, die seit der F-Jugend im Verein sind. Später in der A-Jugend kamen allerdings manche von außerhalb dazu, da auch unsere erste Mannschaft Bezirksliga spielte. Das hat viele Urgesteine des Vereins verdrängt und sie haben mit dem Fußball aufgehört.


    Wenn ich mir das heute anschaue: Jeder Bezirksligist scoutet und pflückt die Vereine der Umgebung kaputt. Das ist echt ein Arschtritt für jede JSG, 9er Mannschaft oder jeden Verein, der in einem Jahrgang keine Mannschaft stellen kann. Wenn damals einer gut war, hatten wir einen Erst-, einen Zweit- und einen Drittligisten in der Umgebung, für die man interessant war.


    Heute wird gefühlt jeder Spieler, der geradeaus laufen und Tore schießen kann irgendwohin eingeladen. Aus den drei Vereinen sind plötzlich 10 Vereine geworden, die alles abgrasen wollen anstatt sich einzugestehen, dass sie selbst keine Jugendarbeit machen, die für ihr angestrebtes Niveau reicht.

    Wenn ich mir anschaue, was für Spieler mit Defiziten schon zum Probetraining eingeladen werden und in der Woche dreimal 50km fahren sollen, weil sie ja ihre große Chance dort haben.. Unmöglich. Die große Chance ist dann, einer von 20 Spielern bei einem von 12 Bezirksligisten in einer von 50 (?) Bezirksligen in einem von 4 Altersklassen zu sein, wobei ab der C-Jugend dann noch höherklassige Ligen da sind. Aber man kann erzählen, dass man eine Liga höher spielt als seine Schulfreunde und ist der Geilste.


    Ich denke also, dass viele kleinere Vereine sich professionalisieren und bereits in der Jugendleiter/-trainer haben, die meinen, sie würden in der Bundesliga um deutsche Meisterschaften spielen. Aber es sind tatsächlich nur Bezirksligisten, die ihre Spieler von überall zusammengeholt haben.

    Und das leider auf Kosten von Dorfvereinen und Kreisligisten, die so tollen Angeboten von überkreislichen Teams nichts entgegenzusetzen haben.


    Wir haben einen Verein bei uns im Umkreis - die erste Herrenmannschaft spielt Oberliga. Der Verein stellt inzwischen drei A-, drei B, drei C- und vier D-Jugenden, darunter jeweils 5 E- und F-Jugenden. Die erste und zweite Mannschaft jeder Altersklasse sind nach Alter sortiert und im Prinzip 3/4 des DFB-Stützpunkts zusammengeholt. In den dritten und vierten Mannschaften dürfen dann die Jungs aus dem Ort, die einfach nicht so gut sind, in Kreisliga 5,6 und 7 gegen den Ball treten. Mit Strahlkraft kann man eben so gut wie jeden zu sich lotsen, sei es von der Gesamtzahl der verfügbaren Spieler im Verein auch noch so unnötig. Und alle Teams haben einen 20er Kader.


    Ein weiterer Grund für mich ist, dass es heute einfach viel mehr Freizeitangebote gibt und diese viel leichter zu erreichen sind. Einer aus meiner C-Jugend hat mit dem Fußball aufgehört, weil er jetzt im Trampolinverein ist. Hätte es vor 15 Jahren nicht gegeben, weil man dafür in die nächste große Stadt hätte fahren müssen. Andere machen Fußballpausen, weil sie lieber ihre Ruhe haben und zocken wollen. Eltern erlauben das - hätte es mit der Technik von vor 15 Jahren nicht in dem Maße gegeben. Eltern scheinen auch mal froh zu sein, wenn das Kind sich beschäftigt und dann ist es vielleicht auch egal wie.


    Es kommt da vieles zusammen, in meinen Augen gibt es einfach wie Revilo schon schrieb weniger Zusammenhalt, weil jeder sagen kann "Na dann geh ich halt woanders hin" oder "ich kann ja auch mal Tennis spielen", wenn mal was nicht passt. Ist leider genau der Egoismus, den man in einem Team nicht brauchen kann, aber die heutige Zeit mit ihren Möglichkeiten lässt das zu. Kinder werden erzogen mit "Du kannst werden, was du willst" und "Sky is the limit". Fast keiner will mehr einer von vielen in seinem Heimatverein sein. Wenns beim Fußball nicht läuft, geht man eben dahin, wo man einer werden kann. Und wie gesagt: Inzwischen kann man halt beim Trampolinspringen einer werden - hätte man vor 15 Jahren nicht so einfach. Oder wenn man der beste in seinem Heimatverein ist und ein größterer Verein anklopft, ist es total geil, wenn man das annimmt und "was besseres" ist. Und am Ende schämt man sich, wenn man aussortiert wurde und vielleicht doch nichts "besseres" ist.


    Wir werden das auf jeden Fall nicht aufhalten oder ändern können, deshalb sehe ich für die Zukunft wirklich schwarz. Es werden definitiv immer mehr JSGs oder 7er/9er Mannschaften. Man kann als Trainer nur versuchen, jeden zum Fußball zu motivieren und seine Leute bei sich zu behalten. Aufhören werden immer welche, dazukommen selten.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

    Einmal editiert, zuletzt von Charles De Goal ()

  • Sind vllt auch die Eltern schuld, ... Stichwort Helikoptereltern? Fehler eingestehen, eigene Schwächen zugeben? Eher nicht.

    Das ist für mich, aus der Erfahrung der letzten Jahren, ein gewichtiger Grund.

    Ich habe jetzt in dieser Zeit auch mal eine Rückmeldung bekommen, die mich leicht erschrocken hat.

    Ein Elternteil findet die Entwicklung seines Kindes hätte dieses Jahr Stagniert. D Jugend.

    Ehrlich gesagt stimmt das auch. Der Junge ist top talentiert, aber eher nicht der Typ, der körperlich dagegen hält, sondern

    in diesen Spielen meistens abtaucht. Zum Ende der Hinrunde wurde das auch besser. Da wir in der Liga aufgrund seltsamer Einteilung in 2 B Ligen( die stärksten Mannschften wurden auf die beiden Ligen aufgeteilt, anstatt eine C Liga zu machen, so wie es üblich war)

    nur 2,3 mittelstarke Gegner hatten habe ich die Jungs noch verstärkter andere Positionen spielen lassen.

    In der Rückrunde habe ich Freundschaftspiele gg. die stärkste Mannschaften im Kreis vereinbart.

    Eines haben wir gespielt, der Rest fiel Corona zum Opfer. In dem Spiel spielten wir gg. die mit Abstand stärkste Mannschaft (mit 7 Punkten Tabellenführer A-Liga) unentschieden. Wobei wir da auch gewinnen hätten können

    Für mich stimmte also, trotz der schwachen Gegner der Hinrunde, die Entwicklung. Die Jungs konnten Ihren Spielstil auch gg. eine sehr starke Mannschaft durchbringen.

    Der Vater des besagten war z.b. bei diesem Spiel gar nicht da.

    Soll nur den Punkt des Zitates unterstreichen.

    Es sind noch nichtmal immer die Kinder, es sind auch oft die Eltern, die Ihre Kids für die neuen Messis halten, und wenn mal ein

    natürlicher Durchhänger kommt, sind alle schuld. Nur nicht die Kids.

    Das bringt dann weder den Kids selbst, noch sonst irgendwem was.

    Wenn Fluktuation in den letzten JAhren war, habe ich das nur so wahrgenommen.

    Die Eltern reden den Kids ein, das Sie, z.b. von der Rotation ausgenommen sein müssten, da Sie ja die allerstärksten sind.

    Dann wird gewechselt, und die Eltern stellen fest, das bei anderen Vereinen wirklich NUR die -vermeintlich-stärksten Spielen, Ihr Kind aber leider nicht dazugehört

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Natürlich kann man auf die bösen Eltern schimpfen und man wird auch häufig den richtigen treffen aber eben auch nicht immer. Denn auch die Vereine könnten sich mal an die eigene Nase fassen.

    Andre hatte immer wieder darauf gepocht, dass ein Verein ein funktionierendes, gelebtes Konzept braucht. Anfangs dachte ich... hm, muss man wirklich so einen Aufriss machen?

    Inzwischen denke ich: unbedingt!!! Nicht dass man das zwingend in Papierform gebracht ist aber das Grundverständnis "wer sind wir" und "was wollen wir sein" sollte von allen(!) mitgetragen werden.

    Ist dies nicht der Fall, kommt es zu Verwerfungen, die die Spieler - zumeist Kinder - ausbaden müssen.

    Stichwort ist hier zum Beispiel: Verein im Verein, wenn jeder Trainer eigenständig und willkürlich rumwurschteln kann.

    Oder wenn vom Konzept willkürlich abgewichen wird, weil doch der Trainer der E1 so nett ist (oder was weiß ich was es für Gründe gibt)


    Fakt ist, dass wir mit unseren Jungs schon mehrfach unter diese Räder gekommen sind und auch als Trainer schon merkwürdige Erfahrungen machen mussten.


    Wie hat sich das ausgewirkt?

    • Feste Positionen bei Bambinis
    • Strafrunden als Kollektivstrafen in der F-Jugend und klar definierte Erfolgserwartung: Wenn ihr die nicht schlagt...
    • F-Jugendtrainer hat ne Star-Truppe, fördert, macht, tut. Folge: die besten hauen zum ambitionierten Verein ab. Die Resterampe kommt nicht mehr mit, der Trainer wird abgesägt weil er von den restlichen Kindern viel zu viel fordert.
    • Brülltrainer werden toleriert (es macht ja sonst keiner)
    • Permanentes hin und her schieben der Kinder auch mitten in der Saison um es einem einzelnen Trainer recht zu machen (F1 braucht alle Stars und der Trainer hat beste Beziehungen zum JL)
    • Jahrgangsübergreifende Sichtung wird für genau einen Jahrgang ausgesetzt weil genau dieser Jahrgang nicht auseinander gerissen werden soll. Außer für zwei Kinder, die kommen dann doch in die erste Mannschaft.
    • Ein Jahr später stellt man um auf Jahrgangsmannschaften, erwartet aber weiterhin den Verbleib in den Leistungsklassen. Es folgt: der Anspruch für das vorhandene Team ist viel zu groß, daraus resultierende
      Erfolgslosigkeit wird mit Druck "ausgeglichen". (klappt super, not!) Jahrelange Versäumnisse in diesem Jahrgang werden geflissentlich übersehen.
    • Ein "Startrainer" kommt in den Verein, stellt Ansprüche und man versucht diese auf Kosten der Kinder zu bedienen. (Komplette Kleinfeldjahrgänge werden ungeachtet der Freundschaftslinien zerrissen) Und nach einem Jahr ist der wieder weg...
    • Gruppenbildung nach türkisch/nicht türkisch mit einer klaren Bevorzugung einer der Gruppen
    • Jugendleitungen trauen sich nicht, sich durchzusetzen, "dann gehen die Trainer/Spieler" (was ja zu beweisen wäre)


    Das ist nur das, was ich in drei Vereinen mitbekommen habe. Direkt oder im direkten Umfeld (Jahrgang höher oder tiefer) Und da ist auch alles dabei: vom im Geld schwimmenden Verein mit perfekten Rahmenbedingungen bis hin zum arme Leute Club.


    In keinem einzigen Fall würde ich das Anspruchsdenken der Erwachsenen nachvollziehen können, warum man von Kindern fordern sollte, dies auszuhalten - Stichwort Vereinstreue.


    Mein ganz persönliches Fazit aus den letzten Jahren: Wir gucken von Jahr zu Jahr. Denn allzuhäufig haben sich die Rahmenbedingungen in drastischer Art und Weise für die Kinder verändert. Und nein, meine Kinder müssen das dann auch nicht ausbaden. Vielmehr freuen wir uns, wenn es einfach mal zwei Jahre gleich bleibt!

    Aber wenn sie dann über die Jahre dererlei Erfahrungen immer wieder machen mussten, würde es mich nicht wundern, wenn sie in der B-Jugend irgendwann mal keine Lust mehr haben sich wieder neu zu orientieren.

  • Ich hatte meinen folgenden Beitrag gestern schon geschrieben, wollte aber so spät am Abend nicht zu sehr auf die Dorfvereine schimpfen. Aber wenn Goodie schon mal angefangen hat, schiebe ich meinen doch nochmal hinterher. Zumal mir gestern auch wie dir der Bezug zu André in den Kopf kam. :P


    Um ein bisschen Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, es gibt auch gut geführte, reine Kreisligavereine. Diese haben aber in der Regel auch gewisse Grundkonstanz in ihren Strukturen und Neuanmeldungen und werden daher nicht diese massiven Schwierigkeiten haben, dass plötzlich ein halbes Team wegläuft. Mag es zwar bestimmt auch irgendwo geben - das sind dann aber eher Ausnahmen, die am allgemeinen Trend und meiner Kritik nichts ändern.


    Aber es sind tatsächlich nur Bezirksligisten, die ihre Spieler von überall zusammengeholt haben. Und das leider auf Kosten von Dorfvereinen und Kreisligisten, die so tollen Angeboten von überkreislichen Teams nichts entgegenzusetzen haben.

    Ist leider genau das, was ich in meinem vorletzten Verein auch dauernd gehört habe: ,,Zu uns will niemand, wir können nichts bieten."

    Meine Standardantwort: ,,Wie gedenkt ihr, das zu ändern?" Natürlich mit anschließenden Vorschlägen meinerseits, die allesamt nicht mal ausprobiert wurden.

    Mein persönliches Fazit: Viele kleine Vereine sind sicherlich nicht ganz unschuldig, wenn sie zunehmend Probleme bekommen. Keine Trainingsmaterialien; kaputte Netze; ungepflegter Rasen (und dann auch nur ein einziger Platz); jeder Trainer darf komplett unbehelligt und ohne Leitlinie vor sich hin werkeln und wird auch bei grobem Unfug (Ausdauerläufe E-Jugend o.ä.) nicht angesprochen; Geld für qualifizierte Trainer ist nicht da; außersportliche Aktivitäten oder sonstige vereinsbildende Maßnahmen finden nicht statt; verantwortliche Personen machen seit Jahren nur weiter, weil sich niemand anders findet und sind entsprechend hochmotiviert; Öffentlichkeitsarbeit/Internetpräsenz nicht vorhanden; einheitliche Kleidung (Trikots, Anzüge, ...) mannschaftsübergreifend nicht vorhanden; Bereitschaft, aktiv Vereine wegen dort überschüssiger Spieler zu kontaktieren, nicht vorhanden; Bereitschaft, an irgendeinem dieser Punkte etwas zu ändern, auch nicht vorhanden. Die Lösung stattdessen: Spielgemeinschaft mit einem weiteren Verein.


    Warum sieht es im Dorfverein so aus und bei den besser geführten Vereinen eben nicht? Alles eine Frage der Kompetenz und des Engagements, dabei bleibe ich. Beides kann man sich auch als Dorfverein organisieren - und das SOLLTE man, wenn man sonst in personelle Probleme kommt.


    Der erste Verein, in dem ich als Trainer arbeitete, hatte direkt nebenan (also wirklich DIREKT nebenan) eine Grundschule und einen Kindergarten. Vorhandene Jugendmannschaften: eine D-Jugend-7er-JSG mit fünf (!) Vereinen und eine 11-er A-Jugend, die ich damals selbst aus dem Boden gestampft habe. Es hätte sich in den ganzen Jahren nur ein einziger Verantwortlicher finden müssen, der in KiGa und Grundschule Präsenz zeigt (Flyer, Aushänge, Vorstellen auf Elternabend/im Unterricht, whatever) - dann hätte man auch keine Probleme mit der Spielerzahl gehabt.


    Auch in Dorfvereinen gibt es Spieler, die sich auf einem höheren Niveau ausprobieren wollen. Und doch: Es ist ein Unterschied, ob du im Dorfverein mit dem "gezwungenen" Papatrainer Kreisklasse spielst oder in einem gut geführten Verein mit lizenzierten Trainern in der U16 (oder B2/B3) Bezirksliga. Einmal ist das spielerische Niveau ein anderes, zum anderen werden die Spieler auch (tendenziell!) besser betreut - in der Regel sehen nämlich alle obigen Mängel in höherklassigen Vereinen anders aus.


    Sollen diese ehrgeizigen Spieler jetzt die Chance sausen lassen, nur weil ihr aktueller Verein nicht für Nachschub sorgen kann? Wer dankt ihnen das? Und: Es macht für die weitere Eigenmotivitation schon einen Unterschied, ob du im Herrenbereich später Leistungsträger in der Kreis- oder vielleicht sogar Bezirksliga bist oder in der zweiten Kreisklasse bei irgendeiner Thekentruppe auf der Bank sitzen musst, weil du damals als B- und A-Jugendlicher im Dorfverein nicht gut ausgebildet wurdest. Das ginge dann aber eben mehr Richtung "Dropout beim Übergang vom Jugend- in den Erwachsenenfußball".


    Zitat

    Der Verein stellt inzwischen drei A-, drei B, drei C- und vier D-Jugenden, darunter jeweils 5 E- und F-Jugenden. Die erste und zweite Mannschaft jeder Altersklasse sind nach Alter sortiert und im Prinzip 3/4 des DFB-Stützpunkts zusammengeholt. In den dritten und vierten Mannschaften dürfen dann die Jungs aus dem Ort, die einfach nicht so gut sind, in Kreisliga 5,6 und 7 gegen den Ball treten. Mit Strahlkraft kann man eben so gut wie jeden zu sich lotsen, sei es von der Gesamtzahl der verfügbaren Spieler im Verein auch noch so unnötig. Und alle Teams haben einen 20er Kader.

    Unabhängig vom Sinn dieser Vielzahl an Mannschaften: Geht es den Spielern in der B3 vielleicht besser als in der B1 eines Dorfvereins? Ich habe einen hochklassigen Verein hier in meiner Nähe im Kopf, der ähnlich aufgestellt ist. Dieser hat dann aber auch drei Kunstrasen, zwei Naturrasen, ein top Vereinsgelände, einheitliche Kleidung für die gesamte Jugend, selbstverständlich lizenzierte Trainer bis zur A-Lizenz, einen guten Ruf durch gute Öffentlichkeitsarbeit und mit den Trainingsmaterialien können die sich totwerfen. Noch dazu haben die B2- und B3-Spieler auch regelmäßig Kontakt mit den höherklassigen Spielern (Training oder Spiel), wodurch sie sportlich profitieren. Glaubst du, es würde den B3-Spielern in der B1 eines gewöhnlichen Dorfvereins langfristig und konstant genau so gutgehen?