Beiträge von Larius


    Da ich hier auch schon von anderen gelesen haben das noch weiter differenziert wird wollte ich fragen wir ihr das macht und wie eure Erfahrungen damit sind?


    Gruß

    Torsten

    Ich differenzier nach gutdünken. Für mich gibt es keine Skala die alle Fälle abdeckt.

    Paar Beispiele: Jemand kommt krank ins Training und steckt die halbe Mannschaft an. Ist es da nicht besser zuhause zu bleiben?
    Das Kind muss für die Schule lernen. Wollt ihr wirklich die Kinder vor die Entscheidung zwischen Lernen und Training stellen?

    Eine Mutter ( Beispiel ist jetzt nicht für Jugendfußball geeignet) muss auf ihr Kind aufpassen. Soll man sie dann wirklich deswegen am Wochenende nicht spielen lassen?

    Ich stell daher immer so auf, wie ich es für richtig halte und nicht wie irgendeine Tabelle es mir vorgibt. Ich glaube auch, dass Kinder ein Gespür haben, ob der Trainer sie grad dabeihaben will weil er sie dabei haben will oder ob sie dabei sind weil Excel es sagt.

    Abseits der Nebendiskussion zum eigentlichen Anliegen:

    Hast du mal mit deinen Jungs geredet warum im Spiel Dinge nicht funktionieren, die im Training klappen? Oftmals kann man durch ein Gespräch mehr lösen als durch zig Trainingseinheiten.

    Bezüglich deiner Taktikfragen:

    Ich bin kein Fan von peniblen taktischen Vorgaben. Gib da vielleicht ein bisschen weniger vor was Pass- und Laufrouten angeht. Ich versuche immer meine Mädels in der Entscheidungsfindung zu stärken. Etwas vereinfachend gesagt sich doch nur zwei Dinge wichtig. Die Spielerin muss sich bewegen und den Ball wollen und der Ball muss am Ende im Tor sein. Heisst konkret: die ballführende Spierlin muss den Plan haben durch Ballabgabe dem Torerfolg näher zu kommen und die die nicht den Ball haben müssen durch Bewegung dem Torerfolg näher kommen. Da will ich auch gar nicht soviel reinreden. Mir ist persönlich der Erfolg der Aktion nicht so wichtig. Ich will nur sehen, dass die Spielerin einen klaren Plan hatte (sinnloses Ballgeschiebe und Verantwortung abdrücken konnte man in letzter Zeit sehr gut im Fernsehen beobachten). Spieler sollten Dinge tun weil sie intelligent sind und nicht weil der Trainer es sagt. Dazu gehört, dass wir Trainer sie in ihrem Tun bestärken und nicht, dass wir sie im Misserfolgsfall übermäßig kritisieren.

    Beispiel: Wenn die Gegner mit 2 Stürmern spielen, bleibt dann ein 6er hinten weil du es ihm sagst oder weil er es selber erkennt? Du solltest in jedem Fall letzteres hinarbeiten.

    Die Gemeinde gibt was dazu, das sind aber mehr so Investitionszuschüsse falls Kabinen modernisiert werden müssen etc. Sponsoren sind im normalen Bereich (ab und an mal ein Satz Trikots).

    Ich denke, dass wir das so günstig halten können hat zwei Gründe.

    1. Einnahmen:

    Bei einem Spiel der Herren haben wir ca. 150 Zuschauer im Schnitt, die Eintritt zahlen und bisschen was Essen und Trinken.

    2. Ausgaben:

    Ausser dem 1. Herrentrainer bekommt niemand Geld. Hypothetische Rechnung

    20 Spieler der Herrenmannschaft und 15 Jugendtrainer bekommen jeweils 100 Euro im Monat. Das sind im Jahr 42.000 Euro, die wir nicht finanzieren müssen. Selbst wenn ich die Jugendtrainer rausrechne sparen wir uns im Verein immernoch 24.000 Euro.

    Ja wir haben alles. Vielleicht jetzt nicht so superduper Fancysachen, aber mir persönlich fehlt nichts (Höchstens vielleicht so aufblasbare Gegner für das Torwarttraining).

    Wir nehmen 20 Euro im Jahr von Jugendlichen. Trainingsmöglichkeiten sind bei uns gut bis sehr gut (ein zusätzlicher Platz wäre schön, aber das ist wirklich maulen auf hohen Niveau). Wir zahlen allerdings den Herrenspielern kein Gehalt was leider im Fußball ligenunabhängig Usus geworden ist. Dadurch sparen wir uns einiges an Kosten.

    Ich finde den Beitrag zu gering, denn manchmal stellt man schon bei Eltern fest: "was nix kostet ist nichts wert" . Ein Fußballtraining für 0,05 Cent wird schneller abgesagt als eine Musikstunde für 30 Euro.

    Bin Torwarttrainer bei den Damen in der Kreisliga (3. unterste Liga). Bekomme für meine Fahrten eine Spendenquittung. Ansonsten gibt es einmal im Jahr ein Treffen, das der Verein zahlt. Zum Saisonabschluss gibt es ein Geschenkkorb von der Mannschaft. Direkte Geldzuwendungen bekomme ich nicht.

    Ich würde dir nicht raten zu wechseln. Finde das extremst daneben D-Juniorinnen nach Hause zu schicken. Klar man kann nicht immer alle Jugenden besetzen, aber dann ziehe ich alle nach oben und nicht nur ein paar.

    Ist natürlich schwierig wenn man mit lauter Anfängern zusammenspielt. Das gibt sich aber bei gutem Training nach kurzer Zeit. Gerade da wär es doch super, wenn man Teil dieses Erfolges ist?

    Was passiert wenn sich die Eltern geschlossen weigern in der Kreisklasse Junioren zu Spielen ?

    Bei uns ist es so, dass bei 3 Spielabsagen die Mannschafts automatisch zurückgezogen wird.

    Klar hat der Verein das Recht, eure Mannschaft für die E-Junioren zu melden. Es ist aber auch das Recht der Mädels nicht zu spielen.

    Es liest sich irgendwie ein wenig so, dass der Verein die Mädels Mannschaft nur haben will, damit die Damen aufsteigen können. Sollte das der Fall sein finde ich das ziemlich mies.

    Larius

    Ich gehe davon aus, dass die Einnahmen dem kompletten Verein zur Verfügung gestellt werden. Hiervon profitieren natürlich Senioren und Junioren, gerade das Beschaffen von Trainingsmaterialien kommt ja allen zu Gute. Spielt eure Jugend in einer JSG?

    Wir spielen in keiner JSG. Wenn es aber in einer Jugend knapp gehen wir mit verschiedensten Vereinen Spielgemeinschaften ein. Das Geld wir dem Hauptverein zur Verfügung gestellt. Wir haben da im Prinzip eine Kasse. Wenn in einem kleinen Verein jeder nur nach seinen eigenen Vorteil schaut, kann man den Laden gleich zusperren. Zum Glück ist das bei uns nicht so.

    Erstmal Glückwunsch zu deiner komfortablen Situation. Es scheint dir ja nur der Torwarttrainer Kopfschmerzen zu bereiten. Am besten sprich doch mit ihm und frag ihn wie er es sich vorstellt. Gib ihm dann auch Tipps wie er sich wo informieren kann. (Auf Youtube gibts den "virtuelles Torwarttraining" Kanal, der ist richtig klasse, da hier die verschiedenen Techniken sehr gut erklärt werden). Wenn das ganze nicht funktioniert musst du natürlich eingreifen, aber ich würde ihm möglichst freie Hand geben.

    Mit meinen B-Mädels sind 90 km einfach nicht ungewöhnlich (spielten Kleinfeld). Hier muss man die Eltern ins Boot holen und ihnen auch im Zweifel klarmachen, dass man als Trainer immer fährt und es von Eltern 2-3x die Saison verlangen kann. Eventuell kannst du ja so eine Art Sozialplan machen, so dass ärmere Eltern nicht die weitesten Touren fahren müssen.

    Wir finanzieren uns zum größten Teil über Sponsoren (Trikots) und über den Verein. Das mit dem Verein funktioniert aber auch nur, weil wir ein echter Amateurverein sind, bei dem kein Spieler Geld bekommt. Dadurch bleiben bei einem Herrenheimspiel durch Eintritt und Verkauf aber so ca. 200-300 Euro als Gewinn hängen der wieder investiert werden kann und dabei gleichzeitig nur ein lächerlich niedriger Mitgliedsbeitrag erhoben werden muss (Jugendliche zahlen im Jahr 25 Euro).

    Schön, dass eure Veranstaltungen so toll verlaufen sind. Zeigt sich doch wieder, dass enormes Potential noch im Mädchenfußball als Breitensport steckt. Ich hoffe, dass sich da langsam etwas in den Vereinen bewegt und Mädchen ganz normal zum Fußballspielen gehen können und diese Tage in Zukunft überflüssig werden bzw. in "Tag des Kinderfußball" umbenannt werden können.

    Wichtig, dass du Mädchenfußball ernst nimmst. Es wurde ja schon geschrieben, dass Mädels eher das Gemeinschaftsgefühl suchen und nicht so sehr den sportlichen Erfolg. Das ganze darf aber nicht in Bewegungstherapie mit Ball enden. Zeig ihnen, dass du ihnen Fußball beibringen willst und dich kleinere fußballerische Katastrophen nicht aus der Bahn werfen. Plane deine Ziele über Jahre. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut werden und so ist es auch beim Mädchenfußball. Viele interessieren sich nicht für Profifußball und dementsprechend sind ihnen viele unbekannt die man bei Jungs als gegeben sehen kann. Plane da viel Zeit ein und sei geduldig. Ich wollte mal eine Übung machen und habe 60 Minuten damit verbracht, die Übung zu erklären, was dabei gelernt wird und warum das intelligent ist. Das kann man jetzt als Zeitverschwendung ansehen, aber ich fand das klasse, dass solang geredet wird. Es sollen keine Sachen gemacht werden, weil es der Trainer sagt sondern weil die Spielerin es als intelligent ansieht. Wenn man diesen Umweg gehen muss, dann ist das halt so.

    Noch eine kleine Bitte;): Bring deinen Mädels Fußball bei. Leider ist man -besonders am Anfang (geht aber auch in den Frauenbereich hoch)- erfolgreich wenn man blind bolzt und dem Ball hinterherrennt. Wenn du deinen Mädels aber ein gepflegtes Spiel beibringst machst du langfristig glücklich, weil sie was gelernt haben, unabhängig davon ob sie irgendwann aufhören.

    Ja, du musst dich arrangieren. Im Zweifel kannst du aber sicherlich gerne bei der Jugend mithelfen ;). Ich denke du kannst aber fragen, warum er das so ausführlich möchte. Ich kann den Trainer nämlich verstehen, dass er unentschuldigtem Fehlen gleich einen Riegel vorschieben möchte. Vergiss nicht, dass es bei dir nur um ein Kind geht, bei dem Trainer aber um viele. Es gibt nichts nervigeres und frustrierendes als unzuverlässige Spieler egal welche Jugend.

    Vielleicht ist denen schlichtweg kalt? Gerade wenn man in der Kälte stehen muss, um der Erklärung zu lauschen wird manchen schnell kalt an den Händen.

    Mein letzter Satz ist nur ein Denkanstoß, falls du zur Erkenntnis kommst, dass du zukünftig deine Trainertätigkeit nur noch als unbezahltes Hobby siehst. Für viele ist der Frauenfußball nämlich ein weißer Fleck auf der Landkarte was ich sehr schade finde, da er meiner Meinung nach der bessere Fußball ist.

    Ich finde es gut, dass du ein Ziel und auch einen Plan hast wie du es umsetzen willst. Ich würde nur den Plan überarbeiten und deutlich straffen. Gib dir nicht bis 30 Zeit um mit dem Lehramtsstudium anzufangen, denn das hieße, dass wenn das gut geht du mit ca. 37 ins Berufsleben einsteigst. Gib dir Zeit bis du dein erstes Studium fertig hast, so im Trainergeschäft zu stehen, dass du davon leben kannst. Dein Bundesligatrainerkontakt sollte deine erste Anlaufstelle sein, im schlimmsten Fall kriegst du ein "Nein", aber verlieren kannst du nix.

    Dir muss klar sein, dass du Trainer als Beruf wählst und die von dir geschilderten Fälle sind normal. Stell dir die Frage, ob du das wirklich willst.

    Klar träumen wir alle davon unser Hobby zum Beruf zu machen. Nur ist das Hobby da um Spaß zu machen und der Beruf um Geld zu verdienen und das geht leider selten Hand-in-Hand.

    Wenn du mich nach meiner persönlichen Lieblingstrainerposition fragen würdest, sag ich dir Juniorinnenmannschaft bei einem "Dorfverein". Bei deiner Expertise bist du da ein 6er im Lotto und wirst viel Spaß haben bei der Teamentwicklung. Geld verdienen wirst nur leider nicht können.