Abstoß oder Spieleröffnung?


  • Hier wird ja die Meinung vertreten, dass Spielintelligenz von aleine kommt, wenn man keine Vorgaben gibt und die Spieler für alles eigene lösungen finden lässt.
    Dein Beitrag steht dem gegenüber im Widerspruch.


    Aber ich frage mal:
    Ist Spielintelligenz nicht die Fähigkeit, eine (die) beste Option (das kann ein Dribbling, Pass, aber auch ein Laufverhalten ohne Ball sein, der Raum für Mitspieler öffnet) in der jeweiligen Spielsituation zu wählen und diese dann auch technisch-taktisch umsetzten zu können?


    Dazu bedarf es aber doch erstmal ein Portfolio an Lösungsmöglichkeiten, aus denen der Spieler dann die (eine) richtige auswählen kann.
    Sollte man als Trainer den Kindern nicht sukzessive möglichst viele Handlungsoptionen vermitteln? Eben damit der SPieler irgendwann ein großes Repertoir hat, aus dem er auswählen kann?


    Kreativität (oder Spielintelligenz) im Fussball ist für mich nicht vergleichbar mit Kreativität in der Kunst oÄ. Einfach, weil es nicht unendlich Möglichkeiten gibt.
    Kreativ ist ein Spieler, der ein großes Portfolio an Handlungsoptionen zur Verfügung hat und dann situativ aus diesem eine richtige auswählt und auch umsetzten kann.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill


  • Ich habe hier eigentlich selten jemanden so verstanden, dass einfach nur spielen zu allem führt. Nach meinem Verständnis geht es in der Regel eher darum, möglichst induktiv und nicht deduktiv vorzugehen. Ist ja exemplarisch auch beim hier von vielen geschätzten Horst Wein so. Der sagt ja nicht "einfach nur spielen lassen", sondern "erstmal einfach spielen lassen und dann per Fragen Lösungsmöglichkeiten verbessern lassen". So wäre auch für mich eine sinnvolle Herangehensweise. Zum einfach nur spielen lassen braucht's keinen Trainer.

  • Sir Alex,


    die Ungarn haben in der legendären ersten Niederlage der Engländer in Wembley die Abwehr der Engländer u.a. durch die simple taktische Variante durcheinander gebracht, dass der Mittelstürmer sich hin und wieder hat ins Mittelfeld zurück fallen lassen. Aus heutiger Sicht unglaublich simpel, aber damals eine Revolution. Kannte man einfach nicht. Und da standen lauter Nationalspieler auf dem Platz und die hatten darauf keine Antwort.


    Dann können Kinder mit wenig Fußballerfahrung erst recht keine Antwort auf taktisch überlegen eingestellte Gegner finden. Ich muss zugeben, dass ich bislang taktisch fast gar nichts gemacht habe. Aber das in der Halle war wirklich ein frappierendes Erlebnis. Ich weiß, dass ich kampfstarke und fitte Mädchen habe, und plötzlich standen die nur noch hilflos auf dem Platz und verloren einen Ball nach dem anderen vor dem eigenen Tor. War mir eine Lehre, so hilflos will ich sie da nicht stehen lassen.

  • Zum einfach nur spielen lassen braucht's keinen Trainer.


    Ich denke schon, dass es einen Unterschied macht, ob man einfach 8:8 pölen lässt oder Kleinfeldspiele a la Horst Wein. Habe ich bislang viel gemacht. Die Erkenntnis, dass man sich freilaufen muss für ein Zusammenspiel sollte eigentlich längst angekommen sein. Aber ein strukturiert gemeinschaftlich vorgehender Gegener ist dass schon eine andere Hausnummer. Da muss man zum Herstellen der Waffengleichheit doch wohl auch zusätzlich taktisch ein bisschen was vermitteln.

  • Kreativ ist ein Spieler, der ein großes Portfolio an Handlungsoptionen zur Verfügung hat und dann situativ aus diesem eine richtige auswählt und auch umsetzten kann.


    Sir Alex


    dein Beitrag deckt sich mit meiner Denke.


    Das Vermitteln der einzelnen Handlungsoptionen ist für mich Aufgabe des Trainers und nicht der Selbstenwicklung des Spelers
    überlassen.


    Ich habe hier eigentlich selten jemanden so verstanden, dass einfach nur spielen zu allem führt


    zumindest ich hatte diesen Eindruch schon


    "erstmal einfach spielen lassen und dann per Fragen Lösungsmöglichkeiten verbessern lassen".


    Und hier gehe ich davon aus, jedoch nicht wissend ob ich richtig liege, dass Wein die von Sir Alex angesprochen einzelnen
    Handlungsoptionen entsprechend den jeweiligen Altersstufen als gegeben vorraussetzt.


    Wählen kann ich nur unter dem, was ich kenne und kann. Ist das gegeben, dann kommt die zielgerichtete Kreativität zum Tragen und die dann auch zu fördern ist.. Nicht umgekehrt.


  • Bei Wein sieht das so aus, dass man ein bestimmtes Spiel macht (etwa 3 gegen 3, oder 2 gegen 1). Man fängt mit diesem Spiel an und schaut, was die Spieler für Lösungen finden. Dann unterbricht man und fragt, was gut geklappt hat und was nicht und zeigt eventuell Lösungsmöglichkeiten auf (bzw. idealerweise kommen die über die Frage, was gut geklappt hat, von den Spielern selbst; man erarbeitet also mit den Spielern gemeinsam). Dann gibt es Übungen, mittels derer man die Dinge übt, die für die jeweilige Situation hilfreich sein könnten und dann geht man in das Spiel zurück und die Spieler sollen versuchen, das anzuwenden. Da geht es dann durchaus auch um individualtaktische Dinge, also etwa im 2 gegen 1 wie sich die Spieler in Überzahl zum Angriff positionieren und wann der beste Moment für einen Pass ist, ob man besser viele Pässe spielt oder wenige, so etwas. Der Trainer kommt letztlich mit Lösungsvorschlägen ausgerüstet an, versucht aber, die Spieler mittels passender Spiele dazu zu bringen, diese selbst zu finden und diese dann ggf. mit ihnen zu erarbeiten. Wenn's gut läuft ist das also tatsächlich mehr oder weniger ein Lernen durch Spielen alleine (auch wenn's hinterher nochmal im Gespräch gefestigt wird), wo das nicht klappt bringt der Trainer seine Lösungsvorschläge schon mit ein, nur mit einer bestimmten Vorgehensweise.


    Zu beachten ist dabei natürlich wieder die Altersklasse. Bei Wein geht es bis 13.

  • Ich habe das Buch "Entwicklung der Spielintelligenz".


    Alle Übungen die darin enthalten sind führen bei mir zu dem Eindruck, dass die ab der F Jugend nicht zu einer Überlastung/Überforderung führen. Desto älter die Truppe ist, desto eher könnte man Übungen aus dem hinteren Teil des Buches anwenden, soweit die schon so weit sind.


    Ich hatte mir beispielsweise -cirka 30 Spieleübungen- rausgeschrieben und mit meiner D 1 praktiziert.


    Dazu habe ich mir cirka 120 Meter Spanngurte in der Farbe rot im Internet bestellt und auf eine ausrangierte alte Kabelrolle gewickelt. Dann habe ich Metallringe eingenäht, so dass ich die Zonen des Spielfeldes mit Zelthaken die in die Ösen gesteckt wurden...erstellen konnte.


    Z.B. Dreierteams....ein Ball. Diese hatten die Grundaufgabe, so schnell wie möglich bei einer Ballberührung (=Provokationsregel) pro Mann durch das Feld zu kommen. Der dritte Mann mußte mit seiner Berührung auf das Tor abschließen. Ich als Trainer hielt die Sekunden fest, benannte den Weinschen Rekort von ?? Sekunden (weiss ich nicht mehr). Dann wurde das schnellste Team nach drei Durchgängen gefeiert und ich stellte die Frage, was die wohl anders gemacht haben oder auch...soweit sie nicht die optimalste Lösung wählten...was man allgmein noch verbessern könnte. Sieger war die schnellste Zeit bei Einhaltung der Vorgaben. Hiervon ungefähr 12 Übungen auf diesem Feld = eine Trainingseinheit minus Freies Spiel.

  • Günter


    Ich weiß nicht genau, ob ich dir noch eine Antwort schuldig bin, denn thomasg hatte schon prima Antworten darauf!


    Aber vielleicht noch mal speziell zu deiner Frage zum "langen Abstoß"? Im Unterschied zum Abschlag kann man den Abstoß auch sehr gut in Feldspielerpostionen trainieren. Der Vorteil dabei ist die Häufigkeit der Ballkontakte kombiniert mit der Beobachtung, wie eigene und gegnerische Spieler darauf reagieren.


    Es wurde hier bereits darauf ein stückweit eingegangen, dass man auf Trainer trifft, die meinen, sie könnten im Training versäumte Situation im Spiel durch Hereinrufen "nachtrainieren"! Das klappt fast nie! Denn der Spieler macht es in dieser Situation nur, weil sein Trainer "ihn so nett bittet", aber nicht, weil er es wirklich versteht! Deshalb meinen solche Trainer, ihre Spieler seien vergesslich, weil sie es ihnen schon zum zigsten Male im Spiel zugerufen hätten.


    Ähnlich ist es mit den Trainern, die meinen, sie müßten in der Mannschafts- oder Halbzeitansprache alles hineinpacken, wofür sie sich nicht die Mühe im Training gemacht haben. Das klappt genauso wenig, weil die Spieler wohlmöglich bei den Beschreibungen ihres Trainers andere Bilder im Kopf haben.


    Ich würde es nicht unbedingt als Spielintelligenz bezeichnen, wenn ein Spieler aus mehreren Möglichkeiten eine auswählt! Denn selbst die zweitbeste Antwort ist allemal besser, als gar nichts zu machen! Voraussetzung ist jedoch, dass man jede Übung und jede Spielform ein wenig anders gestaltet! Denn Wiederholungen führen lediglich zur Annahme, es würde sich im Spiel auch so darstellen. Das ist jedoch ein Trugschluß, denn jedes Spiel entwickelt sich ein wenig anders als das Vorherige!

  • Mal ein letzter Nachklapp zur Hallenrunde: Gestern war Endrunde, wir als Hinrunden-Kreisklassenerster gegen die ersten drei der Kreisliga-Tabelle und eine Mannschaft aus der Bezirksklasse. Wir sind ziemlich überfahren worden, 1:3, 0:5, 0:3, 1:6. Deutliche Erkenntnis: Der Unterschied lag nicht im körperlichen oder im Zweikampf- oder technischen Bereich (Ballbehandlung etc.). Der Unterschied lag eindeutig im taktischen Bereich, wenn ich das Spielerverhalten 'Spielen und stehen' bei uns und 'Spielen und gehen' beim Gegner mal als taktisches Element bezeichne. Sind unsere Mädchen einfach nicht gewöhnt, diese Form der 'Wachheit' ist ihnen von den bisherigen Gegnern nicht abverlangt worden. Die sind mehrfach sauber durch unsere Reihen marschiert, da wird bei uns noch dem abgespielten Ball hinterher geguckt und bei denen war die Abspielerin schon wieder in eine anspielbare Position gelaufen.


    Natürlich ist das auch eine Frage der Erfahrung. Die anderen spielen schon seit Jahren in der Kreisliga ständig gegeneinander und für uns waren es die ersten Gehversuche auf diesem Niveau. Aber eine Schlüsselerkenntnis aus dieser Hallenrunde ist für mich eindeutig, neben dem Schwerpunkt Kleinfeldspielen auch verstärkt und gezielt Dinge ins Training einzubauen, die ein bestimmtes Verhalten fördern. Habe ich bislang vernachlässigt. Die haben einfach besser Fußball gespielt und ich denke auch durchaus verstanden, warum sie dieses und jenes auf dem Platz tun und nicht nur Trainer-Anweisungen befolgt.

  • Hallo,
    ich möchte kurz über die aktuellen Erfahrungen berichten.
    Altersklasse F-Junioren, Kreisklasse
    Vorgabe an das Team war nach Möglichkeit hinter heraus zu spielen, unkontrollierte lange Bälle zu vermeiden. Zu meiner großen Freude gelang das auch sehr gut. Im ganzen Spiel wurden nur 5 Abschläge "lang" gespielt, wovon 4 unmittelbar zurück kamen. War also ein guter Lerneffekt. Die Gegner verfügten über mehrere Kinder, welche aus 15 Metern relativ platziert auf´s Tor schießen konnten. Die Abschläge wurden also zu einer Gefahr für das eigene Tor. Hingegen wurde es beim Herausspielen nur zweimal brenzlig, als der Torwart (stand insgesamt zum 2. Mal im Kasten) den Ball zum Gegner spielte. Alle andern ca. 15 Anspiele kamen prima (auch wenn einigen Eltern dabei der Atem stockte). :) Die angespielten Kinder lösten es auch prima. Und das, obwohl der andere Trainer ständig "Zustellen!" rief.
    Aber: wie das Leben so spielt, trotzdem haben wir knapp verloren. Taktik der andere Mannschaft ging damit wohl auf... Dennoch war ich sehr zufrieden, weil die Kinder genau das trainierte und von mir geforderte umgesetzt hatten. Ein paar Eltern guckten dennoch komisch, warum ich nach einer Niederlage so positiv drauf war. Hab es Ihnen dann ausführlich erklärt. :D

  • ich habe mir die pdf von björn auch angeschaut. ein schlüssel hier, und das machen auch viele teams viel zu selten,
    bewegung und gegenbewegung! das ist eigentlich ein ganz zentrales thema, insbesondere beim abschlag
    aber auch beim einwurf. wenn du das beherrscht, ist das oft die halbe miete und du kriegst immer einen freien spieler.
    insbesondere beim einwurf ist das bei den spielern ein solches "aha" erlebnis, wenn di ihnen das mal zeigst oder einstudierst.
    nach drei spielen haben sie es zwar vergessen (wie bei eckbällen auch), aber man kann es dann kurz und knapp immer wieder auffrischen.

    @siebener oder auch alle anderen... "Bewegung und Gegenbewegung" könntest du bitte diesbezüglich noch die ein oder andere Ausführung machen??? Wenn ich das vom Namen her richtig ableite, steht vielleicht genau dieses Thema gerade auf meiner Trainingsagenda ;-)


    Hat vielleicht noch jemand Trainingsvorschläge hierfür??? Ich trainiere eine Landesklasse A/B-Junioren...

  • Ja ok, danke... So ungefähr hatte ich mir das auch vorgestellt...


    Ich hätte gern, dass unsere Jungs im Spielaufbau (6er sind aufgedreht - Stürmer/10er stehen auf den IV bzw. im Zwischenlinienraum) hiermit "arbeiten". Sprich: ein Spieler kommt entgegen, wird verfolgt oder auch nicht, und ein anderer startet in diesen Raum. Der aufgedrehte Spieler entscheidet dann ob kurz oder lang, je nach dem...


    Hab auch schon ein paar Traininseinheiten diesbezüglich absolviert (Spiel mit toten Zonen etc.), aber so richtig zufrieden war ich mit keiner Übung...


    Jemand Ideen, Meinungen etc... ??? Gerne auch bezüglich anderer Spielsituationen (Abstoß, Einwurf...)


    P.S. Ich weiss, dass dies "ein bischen" Offtopic ist - hoffe das ist ok - ansonsten eröffne ich auch gerne ne neuen Thread...

  • ja, schimanski hat in minute 2:45 genau das getroffen, was ich meinte. ein spieler kommt dem passgeber entgegen,
    zieht im besten fall einen abwehrspieler mit und ein "entfernter" spieler zieht weg und erhält den ball.
    gerne bei den aussen. aussen mittelfeld kommt und AV zieht die linie runter und bekommt den ball. klappt fast immer.
    warum? weil bewegung und folglich eine lücke entsteht, bestenfalls in die tiefe. die aktion ist primär und erwirkt die reaktion.
    erfolgt in diese lücke eine zweite aktion ist der vorteil auf der hand, oder?

  • Konterbewegung wäre für mich zunächst der Anfang. Dies ist ein elementarer Baustein im individual-taktischen Bereich und sollte schon in jungen Altersklassen in keiner Übung fehlen. D.h. dem Spieler auch vermitteln, möglichst unberechenbar zu sein. Wenn ich schon frühzeitig in die Richtung laufe, wo ich den Ball hin haben möchte, merkt das selbst die größte Schlafmütze an Gegenspieler spätestens beim dritten oder vierten Mal. Auf jeden Fall also weg von diesen Übungen aus dem Stand schon in der F. Ist ein langer Prozess, aber im günstigsten Fall wird es ab ältere E zum Automatismus.


    @lokn
    Einfache Übung, aber schult sehr schön den Handlungsablauf und sorgt schnell für Erfolgserlebnisse. Optimalerweise als intensive Individualübung durch Dich oder Deinen Co. während des Hauptteiles.


    Quadratisches Feld. Bei den ersten Durchführungen nicht zu klein, um zusätzlich zum Gegnerdruck nicht auch noch den Raumdruck zu hoch zu haben. Kenne nicht die Spielstärke Deines Teams, aber erfahrungsgemäß sollte das Spielfeld lange eher größer gehalten werden um die Konterbewegung als solches "ausladend" ausführen zu können. Sage jetzt mal so als Richtschnur 15x15 Meter. Auf zwei gegenüber liegenden Seiten zwei Randspieler mit ausreichend Bällen. Nenne sie mal A und B. Im Feld einen offensiven Spieler (C) und einen defensiven (D). Zwei Minuten Spielzeit, danach Wechsel. A und B ins Feld, C/D Randspieler. So haben diese beiden etwas Verschnaufpause. Zum Schluss waren dann alle vier Spieler mal der offensive Part. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Abspielen in diesen zwei Minuten. Wichtig noch: Sollte D mal den Ball erobern, bekommt er einen Punkt wenn er über eine der vier Seitenlinien dribbelt ( Anschlussaktion ).


    Konzentriere Dich aber beim Coaching ausschließlich auf C ! Und das nur so am Rande: Oft gesehenes Verhalten. Ein Schwerpunkt soll trainiert werden, aber zeitgleich auftretende Verhaltensweise außerhalb des Schwerpunktes wird auch mit angesprochen und bearbeitet. Merken und zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.
    C hat während der gesamten zwei Minuten immer die Entscheidungsfreiheit von wem er angespielt wird und auch wem er den Ball zurück spielt. Also Doppelpass oder offene Annahme bzw. Eindrehen und Abspiel zur anderen Seite. Wichtiger ist vielmehr, dass er/sie lernt durch schnelle "Täuschbewegungen" oder kurzem Antritt in die entgegengesetzte Richtung und sofortigem Freilaufen nach dem Abspielen sich vom Gegenspieler zu lösen. Wie gesagt ein länger Prozess, also zu Anfang nicht zu viel verlangen und ruhig öfter Coachen.


    Später dann kommt ein zweiter offensiver Spieler dazu, also 2:1. Dann ( und erst dann ) kann man schaffen von Räumen für den Mitspieler schulen.

  • Hallo zusammen,


    also generell versuchen wir (U19-EnBW-Oberliga) immer von hinten heraus das Spiel aufzuziehen. Hierfür provozieren wir innerhalb unserer Trainingseinheiten immer wieder Pressing-Situationen und versuchen den Spielern für diese Situationen Lösungen zu bieten (z.B. 6er und 8er schiebt in einer Kippbewegung immer wieder zwischen die breit positionierten Innenverteidiger, Torhüter verschiebt zentral seitlich, die Außenverteidiger stehen hoch). Wichtig finde ich dabei, den Torhüter mit in diese Übungsform einzubeziehen, weil er dabei lernen soll, einen Mitspieler der ihn als Anspielstation blockiert besser zu positionieren und zum anderen damit ich ihm auch Lösungen für die verschiedenen Situationen bieten kann. Allerdings kriegt er von mir die klare Vorgabe, das Risiko in seinen Aktionen gering zu halten, d.h. wenn er Zweifel am Sinn der Spieleröffnung hat, soll er lieber den langen Ball in die Halbaußen-Position der gegnerischen Hälfte befördern, das dient allerdings nur als Notlösung. Ein kontrollierter Spielaufbau ist uns da schon wichtiger... Ebenso beziehen wir die Torhüter auch in Kontersituationen im Training ein. Das ist einfach wichtig, da sehr häufig der schnelle Konter über den Torhüter eingeleitet wird, ob jetzt per Abschlag aus der Hand oder aus dem Spiel heraus. Ich finde es generell wichtig sowas als Verbund zu trainieren, weil es sind ja doch meistens mehrere Mannschaftsteile in diese Situationen verstrickt...


    Den langen Abschlag setzen wir generell gerne als Kontermittel nach Eckbällen ein. Hier bevorzuge ich die "südamerikanische" Variante, sprich den seitlichen Volley-Abschlag auch wieder in das Halbfeld (unser Konterstürmer steht dann meist ganz außen und zieht mit hohem Tempo nach innen). Dazu muss der Torhüter aber vor dem Eckball das Feld scannen um zu sehen, auf welcher Seite der Stürmer steht bzw. wo stehen die Verteidiger. Der Ball wird dann möglichst flach mit viel Vorwärtszug in die Schnittstellen geschlagen. Kann man 2-3 mal im Spiel einsetzen, dannach lassen die Gegner oftmals einen weiteren Defensiv-Spieler hinten um das zu vermeiden. Das wiederum ist ein Vorteil für uns, da wir einen gegnerischen Spieler weniger zu verteidigen haben... ;)


    Wichtig ist halt, das die Torhüter schon im frühen Alter auf verschiedene Situtionen vorbereitet werden. Genau wie das Fang-, Flug und Stand-Training, gehört die Spieleröffnung eigentlich spätestens ab der D-Jugend mit zur Ausbildung (zumindest bei mir).


    LG BMW

  • @lokn
    Einfache Übung, aber schult sehr schön den Handlungsablauf und sorgt schnell für Erfolgserlebnisse. Optimalerweise als intensive Individualübung durch Dich oder Deinen Co. während des Hauptteiles.


    Quadratisches Feld. Bei den ersten Durchführungen nicht zu klein, um zusätzlich zum Gegnerdruck nicht auch noch den Raumdruck zu hoch zu haben. Kenne nicht die Spielstärke Deines Teams, aber erfahrungsgemäß sollte das Spielfeld lange eher größer gehalten werden um die Konterbewegung als solches "ausladend" ausführen zu können. Sage jetzt mal so als Richtschnur 15x15 Meter. Auf zwei gegenüber liegenden Seiten zwei Randspieler mit ausreichend Bällen. Nenne sie mal A und B. Im Feld einen offensiven Spieler (C) und einen defensiven (D). Zwei Minuten Spielzeit, danach Wechsel. A und B ins Feld, C/D Randspieler. So haben diese beiden etwas Verschnaufpause. Zum Schluss waren dann alle vier Spieler mal der offensive Part. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Abspielen in diesen zwei Minuten. Wichtig noch: Sollte D mal den Ball erobern, bekommt er einen Punkt wenn er über eine der vier Seitenlinien dribbelt ( Anschlussaktion ).


    Konzentriere Dich aber beim Coaching ausschließlich auf C ! Und das nur so am Rande: Oft gesehenes Verhalten. Ein Schwerpunkt soll trainiert werden, aber zeitgleich auftretende Verhaltensweise außerhalb des Schwerpunktes wird auch mit angesprochen und bearbeitet. Merken und zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.
    C hat während der gesamten zwei Minuten immer die Entscheidungsfreiheit von wem er angespielt wird und auch wem er den Ball zurück spielt. Also Doppelpass oder offene Annahme bzw. Eindrehen und Abspiel zur anderen Seite. Wichtiger ist vielmehr, dass er/sie lernt durch schnelle "Täuschbewegungen" oder kurzem Antritt in die entgegengesetzte Richtung und sofortigem Freilaufen nach dem Abspielen sich vom Gegenspieler zu lösen. Wie gesagt ein länger Prozess, also zu Anfang nicht zu viel verlangen und ruhig öfter Coachen.

    Vielen Dank schonmal...


    Ja das erscheint mir als sinnvoll und gut zur Einführung... Haben wir in ähnlicher Form auch schon desöfteren trainiert... Feldgröße so ungefähr wie bei dir, allerdings mit nur einem Anspieler. Der Offensive erhielt dann für jeden erfolgreichen geklatschten Ball zum Anspieler einen Punkt und für jedes Aufdrehen inc. dribbeln über die gegenüberliegende Seite 2 Punkte....


    Wie würdest du die 2 vs 1 Variante spielen lassen??? Genauso wie die 1 vs 1 Variante + 2 Anspieler wäre sicherlich nicht zielführend.... Mich interessiert dennoch sehr, wie ihr das "schaffen von Räumen für den Mitspieler" schulen würdet??? Vielleicht starte ich diesbezüglich lieber noch mal ein extra Thread...

  • Hi @lokn
    Mit nur einem Anspieler ist das eine gänzlich andere Übung und mMn absolut suboptimal für Konterbewegungen.


    Aber hast Recht. Wäre wirklich einen eigenen Thread wert bzw. kapert nicht diesen.
    Da schreib ich dann was ich meine und wie man darauf aufbauend ins 2:1 geht.

  • Quadratisches Feld. Bei den ersten Durchführungen nicht zu klein, um zusätzlich zum Gegnerdruck nicht auch noch den Raumdruck zu hoch zu haben. Kenne nicht die Spielstärke Deines Teams, aber erfahrungsgemäß sollte das Spielfeld lange eher größer gehalten werden um die Konterbewegung als solches "ausladend" ausführen zu können. Sage jetzt mal so als Richtschnur 15x15 Meter. Auf zwei gegenüber liegenden Seiten zwei Randspieler mit ausreichend Bällen. Nenne sie mal A und B. Im Feld einen offensiven Spieler (C) und einen defensiven (D). Zwei Minuten Spielzeit, danach Wechsel. A und B ins Feld, C/D Randspieler. So haben diese beiden etwas Verschnaufpause. Zum Schluss waren dann alle vier Spieler mal der offensive Part. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Abspielen in diesen zwei Minuten. Wichtig noch: Sollte D mal den Ball erobern, bekommt er einen Punkt wenn er über eine der vier Seitenlinien dribbelt ( Anschlussaktion ).


    Konzentriere Dich aber beim Coaching ausschließlich auf C ! Und das nur so am Rande: Oft gesehenes Verhalten. Ein Schwerpunkt soll trainiert werden, aber zeitgleich auftretende Verhaltensweise außerhalb des Schwerpunktes wird auch mit angesprochen und bearbeitet. Merken und zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.
    C hat während der gesamten zwei Minuten immer die Entscheidungsfreiheit von wem er angespielt wird und auch wem er den Ball zurück spielt. Also Doppelpass oder offene Annahme bzw. Eindrehen und Abspiel zur anderen Seite. Wichtiger ist vielmehr, dass er/sie lernt durch schnelle "Täuschbewegungen" oder kurzem Antritt in die entgegengesetzte Richtung und sofortigem Freilaufen nach dem Abspielen sich vom Gegenspieler zu lösen. Wie gesagt ein länger Prozess, also zu Anfang nicht zu viel verlangen und ruhig öfter Coachen.


    Später dann kommt ein zweiter offensiver Spieler dazu, also 2:1. Dann ( und erst dann ) kann man schaffen von Räumen für den Mitspieler schulen.

    Danke für die Übung, Steini.


    Eine Sache ist mir noch nicht ganz klar. Du schreibst, die Randspieler haben ausreichend Bälle. Wann werden denn neue Bälle gebraucht? Wer bestimmt denn den Rhythmus und wann welcher Ball gespielt wird. Ist es nicht so, dass der Ball oft bei den Randspielern "verharrt", weil der offensive Feldspieler nur klatschen lässt und dann wieder damit beschäftigt ist, sich freizulaufen? Was ist, wenn er nach einem geklatschten Ball zum anderen Randspieler läuft? Bekommt er dann einen "neuen" Ball zugespielt? Wenn ja, hat das dann nicht den Effekt, dass der offensive Feldspieler von einer Seite zur anderen läuft und immer nur klatschen lässt? Möchtest du nicht einen anderen Effekt trainieren?


    Gruß, Christoph