Beiträge von Grätsche

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    Leider entwickelt sich dieser wirklich interessante Thread wieder in eine Richtung, die wir schon zig mal geführt haben. Das beobachter_1000 offensichtlich schlechte Erfahrungen mit (einem?) Stützpunkt(en) gemacht hat, sollte mittlerweile klar sein.

    Persönlich fände ich es gut, wenn wir in diesem Thread tatsächlich beim Thema blieben. Es ist wirklich spannend die Entwicklung zu lesen, danke Don Quijote .

    Zum Fall von Bennoah : ich finde die Entscheidung sehr gut. Der Junge kann in seinem Umfeld bleiben, hält aber gleichzeitig den Kontakt zum NLZ. Eltern können für sich und ihr Kind mehr Einblick gewinnen, ob das NLZ zukünftig der richtige Schritt ist.

    Zur Versicherungsthematik möchte ich Chris etwas ergänzen: ein Verein hat keine Krankenversicherung, sondern eine Unfallversicherung (und eine Haftpflichtversicherung). Kommt ein Vereinsmitglied bei Ausübung des Sports zu Schaden, dann leistet i.d.R. die private Krankenkasse und diese holt sich die Kosten von der Unfallversicherung des Vereins wieder. Jetzt ist die Unfallversicherung häufig bei der Rahmenversicherung des Verbandes abgeschlossen und deren Leistungen sind oft überschaubar. Deshalb kann ich nur jedem zu einer privaten Unfallversicherung raten.

    Nichtmitglieder sind grds. nicht über die Unfallversicherung des Probetrainingsvereins versichert (Ausnahme: extra vertraglich geregelt). Wenn bei einem Probetraining ein Unfall passiert, übernimmt aber die private Krankenversicherung des Spielers die Behandlungskosten.

    Im Erwachsenenbereich ist es (soweit mir bekannt) überall möglich, die Zustimmung des abgebenden Vereins durch Zahlung einer definierten Entschädigung zu "erkaufen". Warum das im vorliegenden Fall nicht geht, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Regelung von einem Zivilgericht kassiert werden würde.


    Ähnlicher Fall aus meinem Bekanntenkreis: Spieler einer C-Junioren Leistungsmannschaft erhält eine Einladung von einem NLZ. Verein teilt dem Spieler mit, dass die Genehmigung nicht erteilt wird (Anfrage vom NLZ muss also eingegangen sein, weil sonst keine Ablehung). Spieler nimmt am Probetraining teil, wechselt aber nicht. Verein sanktioniert ihn dafür nach Ablauf der Wechselfrist.

    Wir bilden Spieler in erster Linie anhand des 1-gegen-1 aus

    Ist das tatsächlich so? Nach meiner Wahrnehmung wurden eher Passmaschinen ausgebildet. Im Verhältnis zu anderen Nationen verfügen wird doch über eine recht hohe Zahl von guten zentralen Spielern. Das spanische Tiki-Taka galt doch viele Jahre als Vorbild. Ein Umdenken setzte doch erst ein, als es mit dieser Art des Spiels nicht mehr weiter ging. Plötzlich wurden wieder die Fummler gesucht, neudeutsch "Unterschiedsspieler".

    Zur Individualisierung gehört für mich auch im übrigen, dass dem jeweiligen Spieler sein Verhalten im Raum vermittelt wird.


    Zurück zum eigentlichen Thema:

    Aus meiner Sicht geht das Ausscheiden überwiegend auf den Trainer zurück. Führungsspieler wie Kimmich und Müller wurden ihrer Stärken beraubt, nach einigen Experimenten im Vorfeld wurde eine Grundordnung gewählt, die die meisten Spieler in ihren Vereinen nicht spielen. Das gesamte Aufbauspiel war viel zu langsam (Kroos), wie schon bei der WM 18. Bei einigen Wechseln musste ich mich echt fragen, was da in seinem Kopf vorging?! Volland, der einzige echte MS, spielte den linken Schienenspieler, ebenso Sané, dessen Stärke im Andribbeln in Richtung Strafraum besteht. Die Reaktionen erfolgten zudem viel zu spät, als ob das vorher nicht in Betracht gezogen wurde, in Rückstand zu gehen. Der negative Höhepunkt: das 0:1 gegen England fällt in der 75. Min. Danach passiert erst 10 Min. gar nichts und dann bringt er Can für Ginter. Keinen Volland, keinen Musiala.

    Ich hätte im gewohnten 4-2-3-1 agiert. Boateng war für mich diese Saison deutlich stärker, als Süle. Baku hätte ich auch mitgenommen. Günther hat eine klasse Saison gespielt in Freiburg, warum kam der überhaupt nicht zum Zug? Gündogan spielte eher auf der 10 in dieser Saison, als auf der 6. Bis Goretzka fit war hätte ich deshalb so gespielt:

    Neuer; Baku, Hummels, Boateng, Günther; Kimmich, Gündogan; Gnabry, Müller, Sané (alternativ: Werner); Havertz (Volland).

    Kimmich ist auf außen immer dann stark gewesen, wenn er einen offensiven Außen zum Hinterlaufen hatte, als alleiniger Außen zu langsam, außerdem war es eine neue Aufgabe für ihn. Müller als alleiniger Stürmer funktionierte noch nie. Er braucht einen echten MS vor sich, der die IV bindet und in dessen Rücken er sich zwischen IV und 6er des Gegners bewegen kann.

    Selbst ohne Baku und Boateng, hätte man mit 4er Kette spielen können. Ginter auf rechts und Goosens auf links wäre eine asymetrische Variante gewesen, das spielte Bayern mit Pavard und Davies aber auch oft.

    Im zu langsamen Spielaufbau stand unsere 3er Kette doch fast immer auf einer Höhe und Kroos lies sich (wie gewohnt) fallen. Er stand dann 5 Meter vor Hummels und nahm ihn praktisch aus dem Spiel. So konnte er keine Diagonalbälle spielen. Über Rüdiger im Spielaufbau braucht man wenig Worte verlieren.

    Das zentrale MF der Engländer fand ich relativ schwach, dazu beide früh mit gelb belastet. Stones und Maguire sind mit Halbfeldflanken wohl kaum in Bedrängnis zu bringen, dafür sind sie relativ unbeweglich.

    Aus meiner Sicht ein ziemlich unnötiges Ausscheiden. Bis zu den Toren hatten die Engländer genau zwei echte Chancen.

    Richtig bitter ist die Niederlage in Anbetracht des Turnierbaums. Im VF die Ukraine und im HF Dänemark oder Tschechien. Allesamt machbare Gegner...

    Fluffi Also ist es so, wie ich es in meinem Post vom 20.04. bereits angenommen hatte.

    2. Unabhängig von 1. gilt: das BfArM hat Zualassungen auch für sog. Laientests erteilt. D.h. für mich, auch Selbstest können anerkannte Tests sein. Beim Kauf muss ich darauf achten, dass die Tests die Zulassung haben.

    Die Situation in Thüringen ist unverändert schlecht. Obwohl die Notbremse ein Training von unter 14-jährigen erlaubt, bleibt es vorerst noch verboten. Der Grund: die bisherigen Landesregelungen sind strenger als die Notbremse und gehen deshalb vor. Man kommt sich hier echt verdummt vor. Der Ministerpräsident stellt sich vor die Kameras und sagt, er versteht nicht, wieso Kinder keinen Sport treiben können, ändert aber die Landesregelung, die genau das verbietet nicht.

    In einigen Regionen sind es mittlerweile 6,5 Monate ohne Training. Bei einem Kreuzbandriss steht man i.d.R. nach einer kürzeren Zeit wieder auf dem Platz. Das sollten sich alle Verantwortlichen vergegenwärtigen. Wir müssten somit eigentlich mit einer Art Reha-Programm wieder anfangen, die Kinder "wettkampftauglich" zu machen. Teilweise sind die Kids 5-10 cm gewachsen. Muskeln, Sehnen, Bänder... Bin echt gespannt, was mich da erwartet...

    Das ist leider eine sehr einseitige Betrachtungsweise - mag natürlich daher kommen, dass bei euch andere Regeln gelten. Jeder, der von gar keinem Training zu kontaktfreiem Kleingruppentraining kommt, wird glücklich sein.

    Aber jetzt stell dir vor, dass wir morgen unsere 20. Trainingseinheit seit Mitte März haben und seitdem mit 20 Spielern (plus zwei Trainern) trainieren dürfen. Mehrfach schon 11 gegen 11 über den ganzen Platz gespielt, Zweikampfübungen, Kontakt und alles, was dazu gehört: normales Training auf dem Platz. Für uns ist das ein erheblicher Rückschritt und wie soll ich den Spielern erklären, dass wir das so krass zurückschrauben müssen, obwohl sich weder das Infektionsgeschehen im Kreis (durchgängig über 100, aber konstant), im Ort (durchgängig über 100, aber konstant), im Verein (bislang 0 Infizierte) oder in der Mannschaft (ebenfalls bislang 0 Infizierte) verändert hat?

    Das ist keine einseitige Betrachtungsweise, das ist meine persönliche Betrachtungsweise. :]

    Natürlich verstehe ich dich, wenn es für die Einschränkungen bedeutet. Allerdings leben wir ja nun seit einem Jahr mit Einschränkungen. Und was die Erklärungen an die Spieler angeht: manches ist halt nicht zu erklären. Wenn es so beschlossen wird, muss man sich daran halten. Ich kann es meinen Spielern auch nicht erklären, dass sie in der Schule mit 20 Kindern im Klassenraum sitzen, aber am Nachmittag nicht zu dritt "organisiert" trainineren dürfen. Wenn ich mich in ihrer Gegenwart darüber aufrege, bringt es aber auch niemandem etwas. Die Kraft stecke ich lieber in kreative Lösungsansätze, um sie überhaupt "am Ball" zu halten.

    Nein... die Selbsttests sind nur privat. Die werden nirgends anerkannt.

    Okay, da erübrigt sich für einige das Training sicherlich.


    In der Wirtschaft reicht es doch auch aus, den Mitarbeitern nur ein Testangebot zu machen. Wieso man nun im Freizeitsport an der frischen Luft strengere Regeln erlassen möchte als in einem Sektor, in dem die Menschen regelmäßiger und unter schlechteren Bedingungen zusammen kommen müssen, lässt sich wohl nicht rational erklären. Oder ich verstehe es einfach nicht...

    Das sehe ich anders.

    Im Gesetzentwurf heißt es:

    Anleitungspersonen müssen auf Anforderung der nach Landesrecht zuständigen Behörde ein negatives Ergebnis einer innerhalb von 24 Stun-den vor der Sportausübung mittels eines anerkannten Tests durchgeführten Testung auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorlegen.


    1. Bedarf es einer Anforderung der zuständigen Behörde. Hier kann es möglicherweise zu unterschiedlichen landesrechtlichen Regelungen kommen. Mglw. kann ein Land sogar gänzlich von der Vorlage absehen. Des weiteren kann die jeweilige Behörde definieren, welche Tests sie zulässt (z.B. nur Testzentrum oder auch Selbstests).

    2. Unabhängig von 1. gilt: das BfArM hat Zualassungen auch für sog. Laientests erteilt. D.h. für mich, auch Selbstest können anerkannte Tests sein. Beim Kauf muss ich darauf achten, dass die Tests die Zulassung haben. Deshalb bin ich anderer Meinung als Goodie

    Mit Kontaktlos ist dann wohl wieder kein vernünftiges Kindertraining möglich.

    Das sehe ich anders. Dribbeln, Passen, Schießen, An- und Mitnahme (ohne Gegnerdruck) ist alles möglich. Die Kinder sind so heiß drauf endlich wieder auf den Platz zu können. Es gab hier im Forum ja auch schon genug Beispiele für Spiel- bzw. Wettkampfformen ohne direkten Körperkontakt. Das ist alles viel besser, als die gegenwärtige Situation.


    so brauch man als Trainer für jedes Training einen neuen negativen Test... das würde ziemlich ans Geld gehen...

    Einmal pro Woche hat jeder Anspruch auf eine Gratistestung. Ein 5er Pack Tests beim Discounter kosten aktuell 18,99 € (Lidl). Bei 2x Training pro Woche kommt man also für 18,99 € 5 Wochen weit. Das sollte sicher niemanden überfordern...

    z.B in Österreich kann man direkt von der B-Lizenz, die A und A-Jugend in einem Lehrgang machen und dass auch direkt mit der B-Lizenz, so wie es die UEFA beschreibt.

    Bis zur Einführung der EJ-Lizenz war das in Deutschland auch so. Soweit ich weiß, gibt es diese Zwischenstufe zwischen B und A nur in Deutschland. Warum diese Stufe seinerzeit eingeführt wurde, hat sich mir bis jetzt nicht erschlossen.

    Vom Grundsatz her wird in der C-Lizenz Individualtaktik vermittelt, bei der B-Lizenz Gruppentaktik und bei der A-Lizenz Manschaftstaktik (grob zusammengefasst). Die EJ bildete so ein Mischmasch von B und A und stellte aus meiner Sicht eine Art Flaschenhals in der Ausbildung dar. Um die A zu erwerben, mussten alle Trainer durch die EJ, obwohl die allermeisten (so zumindest meine Erfahrungen) überhaupt nicht im Nachwuchsbereich arbeiten wollten. Auch das Pflichpraktikum im Stützpunkt war für viele Trainer, die aus dem Erwachsenenbereich kommen eher lästig, als gewinnbringend. Durch die Zulassungsvoraussetzungen zur A musste die EJ jedoch mit einem Mindestpunktwert abgeschlossen werden. Somit konnte die EJ zur Endstation werden, obwohl ein Trainer diese Lizenz eigentlich gar nicht benötigte. Denn im Seniorenbereich genügt bis zur Oberliga (theoretisch) die B-Lizenz und für die Regionalliga muss es eh die A-Lizenz sein. Die EJ wiederum genügt nicht für die Juniorenbundesliga, dafür braucht es auch die A. Sie wird eigentlich nur für A-, B- und C-Junioren Regionalliga sowie für die Tätigkeit in einem NLZ benötigt. Für mich wirkt die EJ als "Nischenprodukt" irgendwie hineingequetscht in das Ausbildungssystem. Sieht man ja auch an der Bezeichnung: sowohl B als auch EJ gelten als UEFA B-Level. Ich finde es deshalb richtig, wenn nun die Struktur angepasst wird.

    Update zu unserer Gemeinde:

    Ordnungsamt und Sportamt sind sich jetzt angeblich einig, dass in NRW auch 5 Meter Abstand zwischen den Kindern einer 20er Gruppe eingehalten werden muss. So hat es mir zumindest das Sportamt (nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt) heute bestätigt.

    Ich hab dann einfach frustriert aufgelegt. Es ist einfach mühsam. Ich mag nicht mehr diskutieren, ich hoffe einfach, dass jemand anders mehr Glück hat.

    Es mag frustrierend sein, aber hey: sei froh, dass ihr überhaupt trainieren dürft.

    In meinem Bundesland liegt die Inzidenz aktuell bei 168, Tendenz seit Wochen steigend. Bis 31.03. ist jeglicher organisierter Sport untersagt. Und keiner glaubt daran, dass die Inzidenz nach Ostern plötzlich auf unter 100 sinken wird. Es ist wie überall, wo mehr getestet wird, gibt es auch mehr positive Fälle. Erschreckend sind die Zahlen bei getesteten Kindern. Deswegen sind in einigen Regionen die Grundschulen auch bereits wieder zu. Sollte an der Inzidenz als Maßstab festgehalten werden, wird es noch lange dauern, bis hier der Ball wieder rollt.

    Für mich zeigen die Beschlüsse erst mal eines: die Lobbyarbeit von DFB und den übrigen Verbänden scheint funktioniert zu haben. Von Schulen, Gastronomie etc. liest man fast gar nichts im Beschlusspapier. Ich hatte mit derart weitreichenden Lockerungen für den Sport überhaupt nicht gerechnet. Unabhängig von der konkreten Auslegung der Wortlautes (die Länder werden hierzu sicher in Kürze eigene Interpretationen herausgeben), befürchte ich durch die höhere Anzahl der Testungen auch steigenden Inzidenzen. Allerdings: entscheident bei diesen Tests wird sein, ob eine Meldung an die Gesundheitsämter erfolgt. Bei Tests in Schulen oder durch den Arbeitgeber kann ich mir Verpflichtungen vorstellen. Wenn es aber bspw. Gratistests in der Apotheke gibt, die der Normalbürger dann zu Hause vornimmt, weiß ich nicht, ob sich dann bei positiven Fällen jeder beim Gesundheitsamt meldet. Denkbar wäre ja auch, beim Hausarzt anzurufen und sich wegen einer Erkältung krankschreiben zu lassen.

    In meiner vorstehenden Ausführungen habe ich mich ja insbesondere zu (jungen) Erwachsene geäußert. Mir ist es ganz wichtig, noch einen Gedanken zu Kindern und Jugendlichen mit euch zu teilen.

    Im Austausch mit anderen Trainern höre oder lese ich immer wieder, dass Inhalte "aufgeholt" oder "nachgeholt" werden sollen. Meiner Meinung nach wir das nicht funktionieren. Die fehlenden Zeiträume werden wir nicht einfach aufholen können.

    Ich nehme als Beispiel die Nachwuchsmannschaften hier vor Ort. Die U14 spielte vor zwei Jahren als U12 noch im Kleinfeld (1+7), das Jahr darauf kam die Strukturreform, als U13 Kompaktfeld (1+8) mit Abseits. Seit letzten Sommer U14 Großfeld.

    Als U13 spielten sie knapp 2 Monate Punkstpiele. Als U14 bislang 1,5 Monate (bedingt durch die Ferien). Sofern die Mannschaft überhaupt bestehen bleibt, muss man realistisch mit Inhalten der U 13 beginnen. Das wären für mich immer noch überwiegend individualtaktische Themen. Ausbildungsplanmäßig müssten im Bereich des Übergangs zur U15 gruppentaktische Zusammenhänge im Vordergrund stehen. Beispielsweise das Zusammenspiel von Abwehrkette und 6er: individualtaktisch schule ich beim 6er das Aufrehen, Anbieten, den Winkel zum Passgeber etc. Wenn diesen Bewegungen sitzen, geht es an die gruppentaktische Umsetzung (Dreiecksbildung etc.).

    Wenn nun aber der individualtaktische Teil bei meinem 6er infolge Corona fehlt, dann brauche ich mit der Gruppentaktik nicht anfangen. Und wofür bisher zwei ganze Spieljahre benötigt wurden, das wird sich nicht plötzlich in 3-4 Monaten bis zu den Sommerferien vermitteln lassen. Ich befürchte aber, dass manche Trainer den Kindern die notwendige Zeit (unbewusst) nicht geben werden...

    Fußballspezifische Ausdauer erfordert nach meiner Meinung eine Grundlagenausdauer. Ich kann eine Pyramide nur so hoch bauen, wie es das Fundament zulässt. Je älter die Spieler werden, desto höher muss die Pyramide werden, sprich desto größer muss das Fundament sein. In Zeiten des regelmäßigen Trainings- und Spielbetriebes bedarf es außerhalb der enstprechenden Perioden meiner Meinung keiner gesonderten Betrachtung der Grundlagenausdauer (längere Verletzungen mal außen vor gelassen). Den Ausführungen von Banovcic und Schubert ist insofern zuzustimmen. Nur haben wir seit Monaten keinen regelmäßigen Trainings- und Spielbetrieb. Und dies hat Auswirkungen auf die Grundlagenausdauer. Wenn nun vesucht wird, ohne die entsprechenden Grundlagen gleich wieder in die fußballspezifische Ausdauer zu gehen, führt dies bestenfalls dazu, dass das frühere Leistungsniveau nicht oder nicht dauerhaft erreicht wird. Schlimmstenfalls kommt es zu Verletzungen. Anpassungsprozesse im Körper benötigen Zeit. Gerade die schnellen und explosiven Richtungswechsel im Fußball funktionieren nicht, wenn die Muskulatur und auch der Kopf ermüdet ist. Daher ist individuell zu klären, was hat der Spieler in den letzten Wochen und Monaten gemacht. Banovcic und Schubert betreuen ein Klientel, dass mit Sicherheit individuelle Trainingspläne bekommen hat und mglw. sogar Mannschaftstraining absolvieren durfte. Das ist natürlich eine ganz andere Ausgangsbasis, als der dicke Paule der die letzten Monaten mit Cola und Chips vor dem PC zugebracht hat.

    Die Folgen fehlender Grundlagen konnte ich im letzten Jahres bei den (jungen) Erwachsenen sehen: viele Bänder und Muskelverletzungen, weil ohne ausreichenden Vorlauf gleich wieder fußballbespezifisch trainiert wurde. In meiner Region war es so, dass die Herbstrunde 2019 Anfang Dezember endete. Dann war Winterpause, die Rückrunde startete Anfang März. Bei den meisten Mannschaften gab es eine übliche Vorbereitung. Im März war dann Schluss, 1-2 Spiele, manche Mannschaften spielten auch gar nicht mehr. Erst komplettes Trainingsverbot, ab Mitte Mai, also nach über 2 Monaten Unterbrechung, Training mit Einschränkungen bis Ende Juni. Da zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar war, wann und wie es weiter geht, gingen einige Mannschaften in die Sommerpause. Die Saison wurde Mitte Juli abgebrochen, Start der neuen Saison war dann Anfang September. Gespielt wurde 2 Monate, bis Anfang November. Seit dem herrscht Trainingsverbot, welches nach derzeitiger Situation noch mindestens bis Mitte März gelten wird. Zusammengefasst seit Dezember 2019: 6 Wochen Pause, Wintervorbereitung, 1-2 Spieltag(e), 2 Monate Pause, 1-2 Monate eingeschränktes Training, "Sommerpause" 4-6 Wochen, Sommervorbereitung 4-6 Wochen, 2 Monate regulärer Spiel- und Trainingsbetrieb, 4,5 Monate Pause. In 16 Monaten max. 10 Pflichtspiele, 2 Mal reguläre Vorbereitung, 2 Monate eingeschränktes Training, 2 Monate "normales Training" während der Saison. Wo soll da die Grundlagenausdauer her kommen? Hinzu kommt, dass die Trainingsbeteiligung in vielen Vereinen überwiegend schlecht ist. Vieles was im Lockdown nicht ging, musste nachgeholt werden. Ähnliches befürchtet ich nun auch. Trainingspläne oder Videotraining dürfte es im Breitensportbereich wohl kaum gegeben haben.

    Meine Meinung:

    Da sitzt ein Trainer, der gerade mit seiner Mannschaft ein ziemlich wichtiges "6-Punkte-Spiel" verloren hat. Er wird ziemlich gefrustet gewesen sein und dann kommt ein Journalist, der ihm mit seiner Frage unterschwellig unterstellt, er habe keinen Plan gehabt. Ich schätze er hat einfach eine mega Krawatte gehabt und wollte dem Journalisten eine rein würgen, ohne aber unverschämt zu werden. Ich fand die Antwort jedenfalls Klasse.

    feu92 Natürlich ist das Thema viel komplexer, als dass es sich auf die Herkunft reduzieren lässt. Nur mal ein paar Gedanken zu deinen Fragen.

    Weltmeister wurde Deutschland 2014 aus meiner Sicht, weil sie das beste Team waren, nicht weil sie die besten Talente hatten. Es kam unbändiger Wille und natürlich auch Glück dazu. Unstreitig dürfte es aber Teams gegeben haben, die mindestens soviel individuelle Klasse hatten, wie die Deutschen. Armut allein ist auch nicht entscheident, sondern sie schafft die Basis für die Motivation. In Frankreich und England stimmen natürlich die Rahmenbedingungen für den nächsten Schritt, sprich Akademien. So etwas gibt es in Afrika nicht. Ein entscheidenter Punkt für mich ist die berufliche Perspektive. In Spanien und auch in Frankreich ist die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch. In Deutschland hingegen herrscht Mangel nach Nachwuchskräften. Wenn ein Absolvent sich jetzt also entscheiden muss Beruf/Studium oder Sport, welche Option ist denn dann die "klügere"? Ein Großteil der NLZ-Spieler legt das Abitur ab. Nach 3-4 Jahren Studium winkt ein sicherer Job. Das Einkommen eines Berufseinteigers liegt mit Sicherheit im Bereich eines durchschnittlichen Regionaligakickers. Und der Berufseinsteiger kann nebenbei noch locker in der 6. Liga kicken und etwas dazu verdienen. Wirtschaftlich dürfte es wohl erst ab Liga 3 (und dann auch erst mit der Perspektive mehrere Jahre dort zu spielen) Sinn machen, sich gegen ein Studium und für den Sport zu entscheiden. Dort werden die freien Plätze schon ganz schon dünn. Hinzu kommt die Kurzlebigkeit von Trainern und gerade in Liga 3 die Situation, dass praktisch die halbe Liga gegen den Abstieg oder aber auch um den Aufstieg spielen kann. Da werden dann lieber fertige Spieler oder aber körperlich einfach schon weiter entwickelte Talente aus dem Ausland geholt.

    Wie auch für die Talentförderung (zurück zum Thema) gilt: wir werden weiter Toptalente haben, aber die Quantität wird sinken.

    Vorweg: mich beschleicht bei der Thematik ein ungutes Gefühl. Der DFB scheint finanziell an seine Grenzen zu kommen. Akademieneubau, Steuernachzahlungen, Verlust der Gemeinnützigkeit, sinkendes Interesse am "Premiumprodukt" Nationalmannschaft, dazu die Coronaproblematik. Die Talentförderung kostet mehrere Millionen jedes Jahr. Die Ergebnisse, sprich die Quantität und die Qualität der Talente, waren in den vergangenen Jahren offensichtlich nicht so, wie sich das der Verband vorgestellt hat. Gut möglich, dass nun der Rotstift angesetzt wird, natürlich verpackt als neues Projekt.

    Inhaltlich möchte ich an das anknüpfen, was ich an anderer Stelle schon mal geschrieben habe: aus meiner Sicht braucht es eine Differenzierung. In Ballungsräumen mit (mehreren) NLZ in kurzen Entfernungen sehe ich die Notwendigkeit von Stützpunkten weniger, als in Regionen wo weit und breit kein NLZ zu finden ist. Doch auch in den Ballungsräumen sollte man bedenken: die aktuellen Diskussionen gehen je eher weg von einer früheren Förderung in den NLZ, sprich Einstieg erst ab U12 oder U13. Zudem wird die Verweildauer kritisiert und die Spieler sollen nach Möglichkeit länger in den NLZ bleiben. Die Plätze in den NLZ-Teams sind begrenzt. Wenn der Eintritt später erfolgt und die Fluktuation reduziert werden soll, bedeutet dies, dass weniger Kinder in die NLZ aufgenommen werden. Wo sollen die Kinder, für die es aktuell noch nicht reicht, ausgebildet und an die NLZ herangeführt werden? Wenn die Stützpunkte wegfallen (sollen) bleiben dann nur noch die Breitensportvereine und die "leistungsorientierten" Vereine. Bei den Breitensportvereinen kommen die Kinder aber recht schnell an den Punkt, dass entweder geeignete Mitspieler und/oder Gegner fehlen. Also wechseln diese Kinder dann zu den "leistungsorientierten" Vereinen. Meine Erfahrungen mit diesen Vereinen bzw. Mannschaft sind überwiegend negativ. Dort werden Teams genauso zusammengecastet wie in den NLZ, allerdings fehlen die professionellen Strukturen und mitunter auch professionelles Personal. Das "Elite-Denken" habe ich bei solchen Teams übrigens öfter erlebt als bei den Stützpunkten. Dort wird dann mit Probetrainings bei NLZ und "Leistungsvergleichen" gegen hochklasige Gegner geworben, die letztlich auch nur die Eitelkeit der Trainer befriedigen sollen.

    Aufgrund der begrenzten Kapazitäten der NLZ halte ich eine neutrale Instanz zwischen Breitensport und NLZ schon für wünschenswert. Ob es Stützpunktvergleiche o.ä. braucht, ist natürlich eine andere Frage. Ich denke, gerade der fehlenden Druck, am Wochenende keine Ergebnisse liefern zu müssen, sollte zu einem entspannteren und damit höherwertigen Training beitragen.

    In meinem Lehrgang hatten auch Teilnehmer Verletzungen oder konnten nicht durchgängig mitmachen, weil sich alte Verletzungen zurückgemeldet haben. Im Lehrgangsspiel hatten wir zwei Teilnehmer, die nicht mitmachen konnten - die haben dann die Mannschaft gecoacht. Es werden schon Wege gefunden, dass das funktioniert.

    Ein Kollege berichtete mir, dass in Oberhaching Teilnehmer nach Hause geschickt wurden, weil sie nicht nicht komplett mitmachen konnten. Gebühr komplett bezahlt und dann nach Hause geschickt. Es scheint mir auch hier so, dass in den Lehrgängen unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden.

    Die Lizenzprüfungen und auch die Eignungstests unterliegen schon sehr den subjektiven Einschätzungen der Prüfer. Und damit eben auch den persönlichen Vorlieben und Abneigungen dieser Personen. Ich kenne sowohl Prüfer, die sehr großen Wert auf eine vorherige Karriere als Spieler legen. Und dann kenne ich Prüfer, die selbst auch nie höherklassige gespielt haben, die sehen es etwas entspannter. Wenn die Prüfer einen "nicht mögen", dann werden sie auch einen Grund finden, die Zulassung zu versagen.

    Oder bekommen hier einige Leute vielleicht durch Vitamin-B Vorteile?

    Dieses Thema wird natürlich gern von den Verantwortlichen dementiert, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass Beziehungen zumindest nicht schaden. Ein Vorteil ist, wenn man von einem höherklassigen Verein kommt. Möglicherweise spielt da hinein, dass die Prüfer dann eine gewisse Erwartungshaltung haben, nach dem Motto wenn der Trainer beim Verein XY ist, dann muss der ja etwas drauf haben, sonst hätten die ihn nicht genommen.


    Ganz grundsätzlich sollte man bei der Diskussion aber immer bedenken, um welche Lizenz geht es und was steht damit im Zusammenhang. Bei der B-Lizenz reden wir von der höchsten Lizenz der Landesverbände. D.h. es wird sich grds. um Trainer handeln, die in den höchsten Ligen des Verbandes arbeiten werden. Und hier bin ich bei Charles De Goal , da muss man auch ein gewisses Eingekönnen erwarten können. Inhaltlich geht es in der Ausbildung um Indivdual- und Gruppentaktik, also muss ein Trainer auch in der Lage sein, dass eine oder andere vormachen zu können. Was auch zu bedenken ist: nach der B-Lizenz geht es ja dann zu den zentralen Ausbildungen des DFB. Hier wollen sich die B-Ausbilder sicher auch nicht blamieren. Es spricht sich mit Sicherheit schnell herum, wenn die EJ-Anwärter eines Verbandes regelmäßig schlecht abschneiden. Jetzt könnte man meinen, dann sollen sie halt in der Prüfung nicht die nötigen Punkte für die Zulassung geben. Wenn aber ein Großteil der Lehrgangs die Punkte nicht schafft, dann werden sich die Prüfer genauso rechtfertigen müssen, warum die Ergebnisse so schlecht waren. Also wird bei der Zulassung zu B schon so genau hingeschaut werden, dass ein Großteil zumindest die Chance auf entsprechende Prüfungsergebnisse hat.

    Und in der Tat ist es so, dass selbst ehemalige Profis die B ablegen müssen. Je nach Region ist dann natürlich schon ganz schön Qualität im Lehrgang. Und da fällt der Kreisligakicker dann in der Tat negativ auf.

    Weil die Oberliga angesprochen wurde: bei den mir bekannten Oberligisten verfügen die Trainer mindestens über die A-Lizenz. Ich will nicht ausschließen, dass es irgendwo auch jemanden mit der B gibt, ich kenne allerdings niemanden. Und bei der A-Lizenz spielt das Eigenkönnen nur noch eine ganz kleine Rolle. U.a. stehen ja bei den Prüfungen "echte" Mannschaften zur Verfügung, bei der B-Lizenz sind es meist die übrigen Trainer.

    Hallo,

    vielleicht kann jemand aus diesem Forum weiterhelfen:

    Eine befreundete Familie ist im vergangenen Sommer in den Raum Stralsund umgezogen. Der Junior, geboren 2010, sucht einen neuen Verein. Er hat bereits in einer Mannschaft mittrainiert, die ihm "empfohlen" wurde. Die Eindrücke dort waren aber ziemlich negativ, Brülltrainer, Trainerlieblinge unter den Spielern, Fokussierung auf "Leistungsträger", Ergebnisfußball. Natürlich lassen sich die Vereine in der Nähe herausfiltern, allerdings erfährt man auf deren Internetseiten wenig über den tatsächlichen Umgang mit den Kindern. Der Junge reagiert relativ sensibel auf die geschilderten Verhaltensweisen und möchte einfach nur gern in einer Mannschaft Fußball spielen. Allerdings möchte er ein "Durchprobieren" sämtlicher Vereine gerne vermeiden. Wenn jemand eine Empfehlung hat, in welchem Verein kindgemäß traniert wird, bitte melden, gern per PN.