Beiträge von Grätsche

    Die Frage, ob nun eher die Eltern oder doch die Vereine Schuld haben, ist doch wie die Frage nach dem Ei oder dem Huhn, wer war zuerst da.

    Aus meiner Sicht habe beide eine Aktie an der Entwicklung. Natürlich lehnen die Vereine keine Talente ab. Als Elternteil einem Kind die Chance auf einen Wechsel zu verwehren, ist aber genauso unwahrscheinlich. Die meisten Eltern scheitern doch bereits daran, dem 7-jährigen ein Handy zu verweigern, wie soll dann eine Anfrage vom Fc Bayern dem Kind ausgeredet werden?!

    Zur Lösung des Problems müssen aus meiner Sicht mehrere Parteien beitragen. In erster Linie DFB und DFL. Ich bin kein Freund von Verboten, aber hier funktioniert die Selbstregulierung "des Marktes" offensichtlich nicht. In nahezu allen Interviews betonen die Verantwortlichen, dass die Entwicklung nicht gut sei, man aber keine andere Wahl habe, als mitzumachen.

    Also: NLZ Mannschaften erst ab U12. Die NLZ-Trainer gehen regelmäßig in die Vereine der Region, um die Vereinstrainer fortzubilden. Wechselverbote unterhalb U14/U15 über große Entfernungen (wäre noch zu definieren) analog der UEFA-Regelung für Minderjährige. Als Sanktion gibt es sonst erhebliche Geldstrafen, die in die Talentförderung bzw. Nachwuchsförderung der Landesverbände fließen.

    Aus eigenen Erfahrungen und nach Berichten von Trainerkollegen/Lehrgangskollegen liegt die Spanne zwischen 30-50%, sowohl bei B-Lizenz wie auch bei EJ.

    Oberhaching soll relativ streng sein, d.h. eher an den 30%.

    Bezüglich Ausnahmen habe ich noch nichts gehört. Wer die Punkte nicht hat, wird nicht zugelassen.

    Fehlt die erforderliche Lizenz, z.B. bei Aufstieg, dann gibt es die Möglichkeit von Übergangsregelungen. Die Lizenz ist dann z.B. innerhalb eines Jahres zu erwerben. Setzt natürlich die erforderliche Punktzahl voraus.

    Was schon mal vorkommt, dass die Wartezeiten verkürzt werden. Bsp. das 1 Jahr Wartezeit für die A-Lizenz. Wenn man die Lizenz für die Liga braucht, dann kann man auch schon mal vor Ablauf der Wartezeit den Lehrgang absolvieren. Bei ehemaligen Nationalspielern kommt es wohl auch hin und wieder vor.;)

    Von Derbystar kann ich nur abraten. Wir hatten zwei verschieden Versionen.

    Bei beiden das Problem, dass sie extrem schnell die Luft verlieren.

    Ich kann dies auch bestätigen. Wir hatten bislang immer Adidas, die haben teilweise monatelang die Luft gehalten. Seit dieser Saison nun Derbystar, die halten max. 2 Wochen. Lagerung ist identisch, daran kann es also nicht liegen.

    Schnattl Steht etwas in den Kleinfeldregeln zum Abstand bei Freistößen?

    Bei eigener Ausführung würde ich den Abstoß einfach mit ausreichend Abstand zur Strafraumlinie ausführen und beim gegnerischen Abstoß soviel Abstand halten, wie bei Freistößen vorgegeben.

    Soweit mir bekannt ist, gibt es in jedem Verband Kleinfeldregeln. Dort ist üblicherweise der Abstand bei Freistößen geregelt. Die 9,15 m gelten für das Großfeld.

    In meinem Kreis gibt es die klare Festlegung, dass die Abstöße max. 2 Meter von der Torlinie entfernt ausgeführt werden müssen. Also nix mit Ball auf die Strafraumlinie legen. Aber: die Schiris achten auf diese Regel nicht. Und dann kommt es zu genau der Situation, die Schnattl angefragt hat.

    Ich würde also in den Kleinfeldregeln nicht nach einer Abstandsregel suchen, sondern nach einer Festlegung von wo der Abstoß zu erfolgen hat.

    Gibt es denn auch Verbände ohne Mädchenstützpunkte?

    Ja, die gibt es. Etwa in den Verbänden Bayern, Sachsen oder Berlin gibt es keine separaten Mädchenstützpunkte. In Brandenburg gibt es ein Mädchenleistungszentrum in Potsdam, darüber hinaus aber soweit ich weiß keine besonderen Förderstützpunkte. Im Verband Niederrhein gibt es z.B. die "Talentförderzentren" für die Mädchen, im großen Verband Westfalen gibt es sogar ein eigenes Mädcheninternat. Wie bereits geschrieben, es macht jeder Verband ein wenig anders.

    Der DFB-Föderalsmus sieht folgendermaßen aus

    1 DFB
    5 Regionalverbände (Z.B. Norddeutscher FV), das sind die Farben in der Karte
    21 Landesverbände (Z.B. NFV) das sind die weißen Linien innerhalb der Farben
    Bremen, Hamburg, und Berlin haben jeweils einen eigenen Landesverband (Punkt in der Karte)
    Bezirke - beim NFV sind´s z.B. 4 (Braunschweig, Hannover, Lüneburg, Weser-Ems)
    Kreise

    Und genau wegen dem DFB-Förderalismus gibt es auch Verbände mit separaten Mädchen-Stützpunkten oder die Stützpunkte des BFV. Aus diesem Grund kann keine absolute Aussage getroffen werden zur Thematik. Es ist halb überall ein wenig anders.

    Kiriku

    Meine Erfahrungen decken sich zum Großteil mit den bereits geschilderten Meinungen.

    Das nächste NLZ liegt bei mir auch gut eine Autostunde entfernt. Im Feierabendverkehr ist diese eine Std. aber kaum zu schaffen. Plane die Ankunft mindestens 15 Minuten vor dem Trainingsbeginn ein. Trainingsbeginn bedeutet umgezogen und schon individuell vorbereitet auf dem Platz zu stehen.

    Die Trainingszeit von 90 Min. wird häufig überschritten. Ausnahme: wenn die nächste Mannschaft den Platz beansprucht (kommt in den Übergangsmonaten manchmal auf den Kunstrasenplätzen vor). Danach häufig noch Nachbesprechung bzw. Vorbesprechung des letzten/nächsten Spiels. Durchschnittlich waren bei mir für eine Trainingseinheit insgesamt rd. 4,5 Std. einzuplanen. In der Altersklasse deiner Tochter würde ich mit 3x Training in der Woche rechnen. Plus ein Spiel am Wochenende und ein weiteres Testspiel bzw. Turnier an mind. einem Wochenende im Monat.

    Der Zeitaufwand für die Spiele/Turniere hängt natürlich von den Austragungsorten ab. Bei ehemaligen Spielerinnen und Spielern war es häufig so, dass sie Wochenenden komplett weg waren. Alle Hausaufgaben mussten somit Freitag nach der Schule erledigt werden. Bei überregionalen Turnieren war teilweise schon Freitag Nachmittag die Anreise. Gerade die Schularbeit erfordert unheimlich viel Disziplin von den Kindern. Und die Familie muss ihre gesamte Zeitplanung auf die Termine deiner Tochter einstellen.

    Hier wäre halt die Frage, ab wann eine Aufnahme in ein Internat erfolgen könnte, d.h. über welchen Zeitraum der Fahrtaufwand voraussichtlich betrieben werden müsste. Bei den Jungs erfolgt die Internatsunterbringung zumeist ab U14. D.h. es wäre bei einem 2007er der im Sommer wechselt nur ein Jahr Fahrerei. Die Frage, ob es individuell richtig ist, mit 13 Jahren das Kind ins Internat zu geben, lass ich jetzt mal offen.

    Soweit mir bekannt, gestaltet es sich bei den Internatsplätzen für die Mädels etwas schwieriger. Eine mir bekannte Spielerin erhielt trotz 100 km Anreise keinen Platz, weil dieser für Spielerinnen vorgehalten wurde, die noch weiter weg wohnten. Das führte dann zum Wechsel des NLZ.

    Ein genereller Unterschied zwischen Jungs und Mädels wurde ja schon beschrieben: Jungs wechseln früher in die NLZ als Mädels und Jungs haben es, so zumindest meine Erfahrung, in späteren Jahren ungleich schwerer vom Dorf noch den Sprung in ein NLZ zu schaffen.

    Du beschreibst das Jugenteam deiner Tochter durchaus positiv und am Stützpunkt kann sie auch noch ein Jahr bleiben, warum soll sie dann in diesem Sommer schon wechseln?

    Mein Vorschlag wäre: die Mädelsmannschaft bringt sie offensichtlich nicht weiter, das würde ich weglassen. Stattdessen regelmäßig am Training des NLZ und hin und wieder an Testspielen teilnehmen. So gewöhnt sie sich und ihr euch langsam an den Zeitaufwand, sie bleibt beim NLZ im Fokus und ihr lernt das Umfeld besser kennen. Sollte das NLZ ernsthaft Interesse an deiner Tochter haben, werden sie dieser Vorgehensweise zustimmen.

    Also letzte Woche erstes Freundschaftsspiel mit der ansage "alle können spielen". Ergbnis war ein ständiges Wechseln, keinerlei "einspielen" und verwirrte Kinder. Einfach ein grotten Kick!

    Ich bin dazu übergegangen mit dem Gegner drei Drittel zu vereinbaren und nur in den Pausen zu wechseln bzw. im letzten Drittel im Block. Die Spielzeit ist ingesamt etwas länger, so dass jeder Spieler mit 1,5 Dritteln dennoch mehr als die Hälfte eines regulären Spiels hat. Spielerwechsel und Positionswechsel bekommen meine Jungs ansonsten auch nicht gut hin.


    Aus dem Geschilderten scheint es in der Tat so zu sein, dass die Mutter möglicherweise nur auf den richtigen Moment gewartet hat. Ich finde es richtig, nicht in der Gruppe zu reagieren, sonder das persönliche Gespräch mit den übrigen Eltern zu suchen.

    Deine Gefühlslage kann ich gut nachvollziehen. Da zieht man Kinder jahrelang mit durch, behandelt sie vielleicht (unbewusst) besser als andere (Akzeptieren von Abwesenheiten) und wird dann "öffentlich" an den Pranger gestellt.


    Als "guter" Trainer versucht man die Kinder bestmöglich zu fördern, manche Eltern sehen im Training aber leider nur eine Aufbewahrung und manchmal sogar nur eine lästige Pflicht. Hier klaffen die Erwartungshaltungen mitunter deutlich auseinander. Und wenn dreimal Fußball in der Woche der Mutter zu viel ist, dann zählt sie wohl auch zur beschriebenen Gruppe.


    Persönlich ärgert es mich immer, wenn unentschuldigt dem Training fern geblieben wird. Es gibt immer Gründe, warum ich auch eine geringere Trainingsbeteiligung akzeptiere und die Kinder dennoch spielen lasse. Aber dann erwarte ich eben auch Ehrlichkeit und die rechtzeitige Absage. Kommt die Absage nicht und wird dann noch pampig reagiert, dann hört bei mir der Spaß auch auf. Ich begreife auch nicht, wie man ein Training vergessen kann?! Diese Ausrede bekam ich diese Woche schon zweimal. Seit Jahren sind die Trainingszeiten gleich und dann vergessen Kind und Eltern das Training?!

    Es muss in der Ausschreibung zur Hallenrunde geregelt sein. Ansonsten gelten die allgemeinen Regelungen zum Einsatz von Spielern aus anderen Mannschaften des Vereins.

    In meinem Kreis dürfen Spieler bei der Hallenmeisterschaft nur in einer Mannschaft einer Altersklasse spielen. Finde ich persönlich auch gut so. Gab in der Vergangenheit den Fall, dass ein Trainer seine 3 besten in mehreren Teams spielen lies, um damit auf jeden Fall in die Endrunde zu kommen (Vorrundengruppen waren vom Niveau recht unterschiedlich). Wenn mehrere Teams gemeldet werden, dann müssen diese auch besetzt werden. Das überlegt man sich am besten bei der Meldung. Und aufgrund der Jahreszeit plant man immer Ausfälle wegen Krankheit oder Skiurlaub ein.

    Will damit sagen: Der rote Faden wird oft in den Übungen, Trainingsaufbau etc. gesehen, der rote Faden im Coaching dabei aber total vernachlässigt.

    Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: das Coaching ist esentiell. Gerade Einsteiger stellen sich ihre Trainingseinheiten mit Übungen zu einem bestimmten Schwerpunkt zusammen, ziehen die Übungen unreflektiert durch und meinen dann einen bestimmten Schwerpunkt trainiert zu haben.

    Bestimmte Grundspielformen eignen sich doch für fast jeden Schwerpunkt. In einem anderen Thread wurde das 4+1 gg. 3 angesprochen, bei mir kommt dieser Rondo in jedem Schwerpunkt vor.

    Persönlich baue ich meine TE eher nach Typ 2 auf, hin und wieder aber auch Typ 1. Letztlich kommt es meiner Meinung nach darauf an, in welchen Abläufen sich der Trainer sicher und wohl fühlt und was von den Kindern angenommen wird. Das Coachen in komplexen Spielformen ist nicht jedermanns Sache und auch manche Kinder fühlen sich in klar strukturierten Übungsformen sicherer.

    macgyver Ergänzend zu den Fragen von Don Quijote würde mich noch interessieren, wie lang die Fahrzeit aktuell ist? Kann euer Sohn auf seiner bisherigen Schule bleiben oder ist ein Schulwechsel erforderlich?

    Das Profi-NLZ meinte, er müsse jetzt spätestens wechseln, da irgendwann der Zeitpunkt sonst verpasst wird.

    Solche Aussagen gefallen mir nicht. Zwar wechselten sehr viele Spieler, die inszwischen bei den Profis angekommen sind in diesem Alter und die Anzahl der Profis, die erst in späteren Jahren oder gar nicht in ein NLZ wechselten, ist doch recht überschaubar (geworden), aber es bedarf immer einer Einzelfallbetrachtung, welcher Weg am erfolgversprechensten erscheint.

    Wechsel in der Winterpause, mit der Begründung es müsse unbedingt sofort erfolgen, haben mitunter auch einen Beigeschmack. Bsp. ein ehemaliger Spieler von mir sollte auch unbedingt noch in der Winterpause wechseln. Hinterher kam heraus warum: der bisherige Stammspieler des NLZ auf "seiner" Position hatte sich schwer verletzt und fiel monatelang aus. Der Wechsel kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande. Und was war im Sommer? Das NLZ wollte von einem Wechsel nichts mehr wissen.

    Wenn ernsthaftes Interesse des NLZ besteht, vereinbart doch regelmäßiges Trainings und Teilnahme an Leistungsvergleichen und Freundschaftsspielen. So lernt ihr das Team und das gesamte "Drumherum" besser kennen. Außerdem zeigt sich, ob euer Sohn das Niveau für das NLZ besitzt und wie er mit der höheren Belastung umgeht.

    let1612 Ich interpretiere es so:

    von den Kadern der U 19 der Profiklubs (für mich Liga 1-3!), haben es 3,5 % in die Topligen (heißt für mich 1Liga!) geschafft. Das relaviert die Zahl doch ziemlich. Denn für einen U 19 Spieler eines Drittligisten wäre doch der Sprung in die 3. Liga oder 2. Liga schon erstrebenswert. Aussagekräftiger wäre doch die Betrachtung wer aus den U19 Kadern einen Profivertrag erhalten hat (für mich Liga 1-3).

    Die U 19 Kader der NLZ sind mitunter auch größer als 20 Spieler. Statistisch würde es also aus jedem Kader (der Ligen 1-3) etwa ein Spieler in die 1. Liga schaffen. Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass die allermeisten U19 Kader zwei Jahrgänge umfassen.

    Deshalb würde ein jahrgangsbezogener Vergleich vielleicht mehr Sinn machen.

    Die Bälle werden oft nur weit und hoch weggeschlagen, obwohl die ruhige Annahme die bessere Wahl wäre. Mir wirkt das immer ziemlich hektisch und die Ballverluste stören mich dann oft.

    Entsprechendes Verhalten beobachte ich immer wieder, vorallem bei Spielern oder Spielerinnen, die von klein auf als Abwehrspieler eingesetzt wurden. Hauptsache den Ball aus der Gefahrenzone gebracht, je weiter weg desto besser. Eltern und Trainer feiern das häufig noch.

    Dazu häufig noch Dribbelverbot am eigenen Strafraum, könnte ja schief gehen.

    Ich habe schon mehrfach solche Spieler von meinen Trainerkollegen geerbt.

    Meine Herangehensweise sieht so aus: viele Dribbelaufgaben und 1 gegen 1 Duelle offensiv, damit sie lernen Vertrauen in sich zu entwickeln und keine Angst mehr haben den Ball anzunehmen. In Spielformen bekommen sie Mindestkontakte, mit zwei beginnend, damit sie den Ball nicht direkt schlagen können. Dann auf 3 oder 4 Kontakte steigern. Schlagen sie direkt den Ball, bekommt der Gegner einen Punkt. Wegen dem Bolzen ein Spiel verlieren möchte niemand...

    Die Gründe warum Spieler es nicht schaffen sind so vielfältig wie es verschiedene Menschen gibt.

    Gegen diese Kernaussage ist erst einmal nichts einzuwenden. Für mich wäre es interessant, ob denn im Fußball im Vergleich zu anderen olympischen Sportarten etwa, die Quote auffällig abweicht. Im von let1612 verlinkten Artikel ist von 3,5% der Talente der "großen deutschen Klubs" zu lesen. Sind damit die NLZ allgemein gemeint oder nur bestimmte? Auf welche Alterklasse beziehen sich die 3,5 % ? Auf die U 19 oder auf die Kader der jüngsten Jahrgänge im NLZ? Ich meine, für fundierte Aussagen braucht es eine einheitliche Datengrundlage. Dann können auch Vergleiche zu anderen Sportarten herangezogen werden und schließlich kann geforscht werden, warum (sofern es denn tatsächlich so ist) die Quote im Fußball geringer ist.

    Unabhängig davon, würde ich gern mal ein-zwei Ideen in die Runde werfen und eure Meinungen dazu hören. Ich bin kein großer Freund von Verboten und Vorgaben. Anreize ziehen meiner Meinung nach oftmals mehr. Warum also sollte "gute" Nachwuchsausbildung nicht stärker honoriert werden? Die NLZ erhalten durch den DFB finanzielle Förderung. So weit ich weiß, hängt die Höhe der Förderung von der Anzahl der Sterne ab, die das NLZ bei der Zertifizierung erhalten hat. Es sollte doch dem DFB möglich sein, bei der Förderung zumindest auch den Aspekt der ausgebildeten Nachwuchsspieler in den Lizenzmannschaften (stärker) zu berücksichtigen. Schaffen es eigene Spieler vom NLZ in den Profikader gibt es Geld. Erreichen diese Spieler eine bestimmte Anzahl von Spielen gibt es einen Zuschlag. Die Höhe der Förderung könnte zudem nach der Verweildauer im NLZ gestaffelt werden, so dass ein Anreiz geschaffen wird, die vorhandenen Spieler nach Möglichkeit länger zu halten und nicht zur U17 den kompletten Kader auszutauschen. Die bereits bestehenden Vorgaben an die NLZ verhindern, dass in der U11 oder U 12 zu große Kader aufgebaut werden. So könnte es wirtschaftlich attraktiv werden, zunächst genauer hinzusehen, wer in das NLZ geholt wird und die geholten Spieler dann auch länger zu halten.

    Die Zertifizierung hatte ich bereits angesprochen. Verschiedenes was ich darüber gelesen und auch von invollvierten Personen gehört habe, macht mich zumindest nachdenklich. Warum muss dies ausschließlich von einer belgischen Firma gemacht werden? Hätte es nicht mehrere Vorteile, wenn dies der DFB selbst macht? Aktuelle Entwicklungen und auch Zielstellungen des DFB könnten doch sehr viel besser in die Zertifizierung einfließen. Zumindest sollte aber bei der Zertifizierung die Verweildauer der Spieler in den NLZ und auch der Weg in die Lizenzmannschaften stärker berücksichtigt werden. Meiner Meinung nach sollte eine hohe Zahl von eigenen Spielern in der Lizenzmannschaft eine deutlich stärkere Gewichtung haben, als die Anzahl der angestellten Psychologen oder das Vorhandensein mehrerer Kunstrasenplätze.

    Aus einer solchen (modifizierten) Lizenzierung könnten auch Informationen für Spieler und Eltern abgeleitet werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass bspw. die durchschnittliche Verweildauer oder die durchschnittlich erreichte Spielklasse von ehemaligen NLZ-Spielern, bei der Entscheidung zwischen zwei NLZ eine Rolle spielen könnte. Schließlich kann auch eine Aussage zum durchschnittlichen Eintrittsalter in das NLZ von Lizenzspielern getroffen werden. So könnte dem "Jagen" von 8-jährigen Einhalt geboten werden, deren Eltern glauben, ihr Sohn hätte seine letzte Chance auf eine Profilaufbahn.

    Ich bin für einen offenen Umgang miteinander.

    Sofern es mit dem Nachbarverein nicht bereits ungute Erfahrungen gibt, würde ich von Jugendleiter zu Jugendleiter Kontakt aufnehmen (lassen). Tenor: wie sehen eure Planungen für die 2004er aus, wir haben Interesse den Jungs eine Perspektive zu geben, die bei euch den Sprung in die B2 nicht schaffen.

    Wenn der Nachbarverein gut geführt ist, dann wird dort ein Interesse bestehen, die Jungs weiter zu vermitteln. Ich finde es macht auch einen großen Unterschied, ob den Jungs von ihrem bisherigen Verein in den Kadergesprächen gesagt wird, tut uns Leid, wir sehen dich nächste Saison nicht in der B2, aber wir haben das Angebot eines Probetrainings bei xy, anstatt, dass man als Nachbarverein anklingelt und sagt, hey, du hast eh keine Zukunft, komm doch zu uns.

    Möglicherweise ergibt sich ja eine Art Kooperation, so dass der Leistungsverein immer mal wieder Spieler abgibt bzw. den Jungs die Tür offen hält, falls einer mit 15 oder 16 Jahren noch einmal einen Sprung macht.

    let1612 Selbst wenn der Einfluss gering ist, halte ich es allemal für besser, wenn die Trainer sich intensiv um die bereits vorhandenen Kinder kümmern, anstatt relativ planlos (so macht es auf mich nach den vorstehenden Ausführungen den Eindruck) einfach neue Jungs zu casten, die womöglich aktuell „besser“ erscheinen, als die vorhandenen.

    Es ist doch irgendwie logisch, dass "talentierte" Kinder gerne mit solchen Spielern zusammen spielen, die eine ähnliche Leidenschaft und Begeisterung für den Sport haben, wie sie selber. Kreative Prozesse sind für das Kind befriedigender wenn die eigene Idee aufgrund der Qualität der Mitspieler auch umsetzbar ist.

    Das sehe ich genauso. Zu beachten ist aus meiner Sicht das Alter der Kinder. Die Freude mit anderen talentierten Kindern zusammenspielen zu wollen entwickelt sich nach meiner Beobachtung erst im Laufe der Zeit und geht mit dem Verständnis über die Notwendigkeit des Zusammenspiels einher. Im G und F Alter sind die Kinder in aller Regel noch sehr auf sich bezogen und versuchen allein zu spielen. Erst mit dem Verständnis für das Zusammenspiel und die "Notwendigkeit" der Mitspieler entwickelt sie die Vorliebe mit anderen "talentierten" Kinder zusammenspielen zu wollen. Je nach persönlicher Entwicklung beobachte ich dieses Verhalten frühestens Ende F, Beginn E, häufig aber erst während der E. Und wiederum etwas später entwickelt sich nach meinen Beobachtungen aus der Vorliebe für das Spiel mit anderen Talenten der Wunsch ausschließlich mit diesen zusammenzuspielen. Erst zu diesem Zeitpunkt kommt aus meiner Sicht bei den Kindern selbst der Wunsch auf, ggf. zu einem leistungsstärkeren Team zu wechseln. Meine Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtungen sind:

    1. Wechsel von Kindern in F und E zu "leistungsstärkeren Vereinen", um sich "besser zu entwickeln" sind sehr häufig von den Eltern initiert.

    2. "Leistungsstark" hat in Kinderaugen wenig bis gar nichts mit der Spielklasse zu tun, sondern hängt davon ab, ob in der Mannschaft viele Kinder sind, die sie als gut ansehen und mit denen sie gern spielen möchten.

    3. Aus 1. und 2. ergibt sich, dass vermutlich kaum ein 9- oder 10-jähriger auf die Idee käme, zu einem Sichtungstraining einer U 11 zu gehen, damit er in der U 15 höherklassig (was immer auch damit gemeint ist) spielen kann.


    Ein U 11 Sichtungstraining macht für mich insofern Sinn, als dass eine Mannschaft neu gebildet wird, der Verein sich vorstellt und Kinder und Eltern sich ein Bild davon machen können, ob der neue Verein etwas für sie wäre (Konzept, Trainer, Infrastruktur, andere Eltern, andere Kinder). Selbst bei den Sichtungen von den NLZ habe ich den Eindruck, dass meist die Eltern die treibenden Kräfte hinter den Anmeldungen sind. Und soweit ich es auf dem Schirm habe, führen die NLZ in den älteren Jahrgängen (ab U 14) kaum noch oder gar keine offenen Sichtungen mehr durch.

    Als Hinweis an Loddar2 nutzt die Zeit, die ihr 4 Trainer für das Sichtungstraining eingeplant habt, um eure bestehende Mannschaft zu trainieren. Mit 4 Trainern könnt ihr schön individuell mit den Kindern arbeiten und sie so "besser" machen. Versucht bis zur U 15 so viele Spieler wie möglich auf das angestrebte Niveau zu bringen und sucht ab der U 14 gezielt nach Jungs aus der Umgebung, deren Qualität euch dann fehlt.