Beiträge von Schimanski

    Das ist ja auch eines der vielen Probleme bei Übungsformen. Es wird immer versucht Ordnung herzustellen, wo eigentlich Chaos herrscht. Beim Fußball geht es doch auch darum Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Wenn ich immer wieder von vornherein Ordnung (vorgegebene Pass- und Laufwege) vorgebe, werden die Spieler nie in der Lage sein, dieses Chaos selbst aufzulösen.


    ...bzw. in diesem Chaos erfolgsstabile Lösungen zu finden. Ergänzend: Spielformen sind für mich nicht nur Rondos und Ballhalteformen, sondern auch und vor allem Umschaltübungen (wo man ggf. den Torabschluss noch integrieren kann), also z.B. sowas oder sowas (die Übungen sind nur zur Veranschaulichung verlinkt, es gibt da unzählige Varianten (selbst beim DFB, die ja eher dazu neigen isolierte Übungen zu empfehlen)).


    Umschalten würde ich übrigens ab der Bambini regelmäßig ins Training integrieren (also eine Angriffs- und eine Verteidigungsaktion im direkten Wechsel ohne abzuschalten (diese ist z.B. auch noch gut, kann man auch auf zwei große Tore machen)). Das fördert nicht nur Raumgefühl und Orientierung, sondern auch Handlungsschnelligkeit und Auffassungsgabe (immer unter Strom stehen), ein elementarer Punkt in der Talentsichtung.


    Moderne Fussballspiele bestehen aus unzähligen Umschaltmomenten und werden auch meist in diesen entschieden (und (leider) weniger aus dem geordneten Ballbesitz heraus). Also sollte man dieses "Chaos" und die Lösungsfindung in diesem Umfeld auch im Training simulieren.


    Ich trainiere im Moment eine C-Jugend gemischt aus 2004ern und 2005er. Die 2005er sind viel mit Umschalten und Positionsrotation groß geworden, die 2004er eher mit isolierten Übungen und klaren Spielerrollen (also Verteidiger verhindert Tore, Stürmer schießt Tore, Sechser zerstört, Zehner passt). Genau dieser Aspekt ist jetzt (nach acht bis neun Jahren Kinderfussballausbildung) der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Jahrgängen. Die 2004er schalten einfach zu oft ab, müssen dann angetriggert werden und haben Probleme sich individual- und gruppentaktisch an veränderte Spielsituationen anzupassen. Sie kompensieren diesen Nachteil natürlich zum Teil über ihre Physis und sind deswegen trotzdem unverzichtbar. Technisch sind die Unterschiede übrigens nicht so groß, die 2005er sind nur beidfüßiger und haben ein größeres Fintenrepertoire.


    Ein Tip wie man Umschaltmomente in eine Übung organisatorisch integrieren kann, ist das Einlaufen eines weiteren Spieler mit neuem Spielball von einer (ggf. anderen) Position. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Übung so sehr zügig und flüssig läuft, Speed und Intensität stetig hoch sind.

    Ich bin zu 100% der Meinung von @Strznievski.


    Wir Trainer neigen immer dazu das Spiel in seine Einzelteile zu zerlegen. Ich habe mittlerweile eine extreme Abneigung gegen das isolierte Training. Für mich gehören Sachen ohne Gegnerdruck/ohne Entscheidungsoptionen nur ins Aufwärmen oder vielleicht in irgendwelche Fun- oder "Schleifer"-Übungen, die aber nur sporadisch eingesetzt werden, um Stimmung/Mentalität zu steuern. Alles andere wird immer unter Gegnerdruck und mit Entscheidungsmöglichkeiten trainiert.


    Ich glaube auch, dass das isolierte Training hauptsächlich bevorzugt wird, weil man dadurch eine gewisse Sicherheit und Kontrolle über das, was trainiert wird, bekommt. In Spielformen scheint es vielleicht schwerer zu sein, konkrete Schwerpunkte zu setzen oder Lernziele zu steuern. Aber das ist eigentlich nur eine Sache von Erfahrung und Hirnschmalz. Und selbst wenn das mit dem Setzen des Schwerpunktes nicht wie erhofft klappt, trainiert man alles andere nebenher. Selbst eine beliebige Spielform hat immer einen Lerneffekt.


    Marco Henseling (der das Buch "Fussball durch Fussball" mit Rene Maric geschrieben hat), hat hier im Forum dazu ein PDF veröffentlicht. Ich habe darauf Bezug nehmend die Gründe für spielformen-basiertes Training hier aufgeführt. Das PDF ist unten auch verlinkt.


    Und - weil ich mir das Video vor ein paar Tagen angesehen habe - hier noch drei etwas ältere Aussagen von Slomka, die teilweise auch zum Thema passen:


    - 24:26 Min bis 26:03 (den Spieler im Kopf schneller machen, statt isoliert Schnelligkeit zu trainieren)

    - 29:09 Min (ein Wettspiel ist immer intensiver als das Training, ergo braucht man keine Übungsformen, um die Intensität zu drosseln, sondern sollte immer versuchen, das Training möglichst spielnah zu machen)

    - 36:20 Min (je intensiver man trainiert, umso weniger Verletzungen)

    Ich habe mir letztens mal die U16 des MSV Duisburg in der Niederrheinliga angeschaut, da mein langjähriger Trainerkollege auf der anderen Seite die Mannschaft von Hamborn 07 (U17) betreute. Ich muss dazu sagen, dass ich jetzt keinen Vergleich zu anderen NLZs habe, aber ich konnte in dem Spiel fast keinen Ausbildungsgedanken erkennen.


    Grundsätzlich waren praktisch alle Spieler vom MSV sehr weit in ihrer körperlichen Entwicklung und im Schnitt sogar wuchtiger und kräftiger als die Spieler des Gegners, die ja zum Großteil ein Jahr älter waren. Entsprechend sah das Spiel auch aus. Rassige Zweikämpfe, hohe Intensität und viel Körperlichkeit. Der MSV hat fazinierende Athleten ausgebildet und gecastet.


    Gegen den Ball ein Standard 4-4-2-Mittelfeldpressing, mit Ball ganz viel Gebolze und Gekämpfe. Kaum flacher Spielaufbau, Torwart nicht eingebunden, kaum strukturierte Spielzüge übers Zentrum, kaum mutige offensive 1:1-Situationen. Insgesamt war die Spielanlage sehr reaktiv, zwar von hoher Diziplin geprägt, aber fast ohne Spielwitz und Überraschungen. Kern des Spielanlage war dagegen halten, kämpfen und durchsetzen. Das Coaching war entsprechend. Die zwei Tore fielen durch einen Kopfball nach Standard und ein Duseltor. Weitere Chancen waren Mangelware, wenn dann aus Umschaltmomenten, keine aus der eigenen Spielanlage.


    Das Kern des Problems sehe ich darin, dass der Trainer und das NLZ einfach Ergebnisse liefern muss und dadurch der Ausbildungsgedanke komplett hinten angestellt wird. Falls da wirklich gestern irgendwo ein Talent für den Profifussball auf dem Platz stand, kann er sich nach meiner Einschätzung fussballerisch nicht optimal entwickeln, da die athletischen Aspekte und die Arbeit gegen den Ball fokussiert wurden. Im Gegenteil könnte ein begnadeter Fussballer sogar auf der Bank gesessen haben, da Physis und Durchsetzungsvermögen an erster Stelle standen und deswegen stark akzelerierte und frühgeborene Spieler den Vorzug erhielten.


    Grundsätzlich vermute ich schon, dass dieses "Problem" keinesfalls typisch MSV ist, sondern die gesamte Nachwuchsförderung mehr oder weniger darunter leidet. Zum einen werden physisch früh entwickelte und durchsetzungsfähige Spieler bei der Kaderzusammenstellung und der Aufstellung bevorzugt (obwohl sich deren Vorzüge im Erwachsenenalter vielleicht rauswachsen und der eigentlich talentiertere, aber spät entwickelte Spieler deswegen weniger Spielzeit bekommt), zum anderen werden dann beim Spiel Ausbildungsaspekte hinten angestellt, weil man keinesfalls Spiele verlieren möchte. Trotzdem war ich gestern erschrocken wie wenig versucht wurde, selber Fussball zu spielen und das Spiel aktiv zu gestalten, zumal der Gegner ja ein Nicht-NLZ war und sich spielerisch variabler zeigte (und für die Hamborner geht es ja schließlich auch um den Ligaverbleib).


    Drei Tage später erschien die Bericht von Christian Dobrick und ich habe mich in so vielen Aspekten erinnert gefühlt...

    ————————-Torwart ———————-

    —————IV————————IV—————

    RM———————-ZDM———————-LM

    —————ZM———————ZM—————

    —————————-ST—————————-

    Ich habe jetzt drei Jahre D-Jugend hinter mir und die Raumaufteilung auch oft so wie oben vorgegeben. Grund war für mich die durchgängige Dreiecksstruktur (die so prinzipiell optimale Stafflungen für das Zusammenspiel bietet) und der Gedanke möglichst flexibel auszubilden (es gibt ja eigentlich fünf Mittelfeldspieler, die offensiv und defensive Aufgaben haben, die wiederum unterschiedlich interpretiert und fokussiert werden können). Diesen Aspekten wird die Formation auch gerecht. Zudem erzeugt man gegen "klassische" Formationen oft Zuordnungsprobleme, vor allem wenn der Gegner mit Mannorientierungen spielt. Das kann, muss aber nicht zwingend, vorteilhaft sein.


    Problematisch wird die Formation aber bei Spielen mit vielen Umschaltmomenten und/oder auf großen Feldern. Da fehlt dir oft vor beiden Toren Präsenz. Entweder steht man dann hinten zu luftig oder erzeugt vorne keinen Punch oder schlimmstenfalls beides. Zum Ende der D-Jugendzeit habe ich deswegen oft eine 3-4-1 gespielt, was einem 3-2-3 (die Außen etwas höher) oder einem 3-1-3-1 (die zwei Zentralen mit klaren Rollen in der Höhe statt in der Breite) nicht unähnlich ist bzw. durch kleine Anpassungen dazu wird. Diese drei Formationen wurden nach meiner Erfahrung von 90% der Gegner gespielt. Die Unterschiede in der Spielweisen ergeben sich dann durch die Spielertypen und/oder die vom Trainer vorgegebenen Verhaltensweisen in den einzelnen Spielphasen und nicht durch die formativen Vorgaben.


    Als dritte Variante fällt mir noch das 2-4-2 ein, mit (theoretisch) schlechteren Staffelungen, aber mehr Präsenz im Sturm.

    Was ich mich frage: Wie oft gibt es diese klaren Spielaufbausituationen? Um vom Torhüter mit Spielunterbrechung neu zu starten muss ja ein - bis zum Abschluss - durchgespielter Angriff des Gegners vorausgegangen sein (Ball im Toraus oder gefangen). Das ist eigentlich eine Situation, die vermieden werden soll (und in einem Spiel auf Augenhöhe auch oft wird).


    Meist werden Angriffe des Gegners ja vorher erstickt und dann hat man zwangsläufig eine mehr oder weniger chaotische Struktur (auf beiden Seiten), also ein typischer Umschaltmoment. Natürlich kann man dann den eroberten Ball auf den Torhüter nach hinten spielen und den Spielaufbau von dort neu beginnen. Aber das wird ja meist nur dann gemacht, wenn man sich im ersten Spielfelddrittel befindet (je nach Trainerphilosophie auch gar nicht). Und selbst dann ist die Staffelung und die Struktur selten vorhersehbar. Meistens ist die Seite, wo der Ballbesitz wechselt, verdichtet und die andere etwas luftiger. Hinzu kommt das unberechenbare Verhalten des Gegners (Anlaufen, Durchlaufen, Fallen lassen?).


    Macht es also wirklich Sinn über fest geplante Spielzüge und Bewegungen zu philosphieren oder geht das an der Realität vorbei? Und wenn dem so ist, wie kann man einer Mannschaft trotzdem eine Handschrift verleihen und welche (Trainings-)Methoden benutzt man, um sie zu vermitteln?


    Ansonsten lese ich solche Tagebücher wirklich gerne und möchte mich bei Taktiker_95 für seine Mühen bedanken :thumbup:

    oder auch der harte Kampf um junge Talente (Video)

    Interessant und ziemlich naiv fand ich die Aussage, dass er nach Bayern gewechselt ist, weil es der größte Verein in Deutschland und einer der größten in Europa ist. Ich kann dieses Argument aus den Augen eines Jugendlichen verstehen, aber die Erwachsenen, die ihn beraten haben, müssten da mehr Weitsicht und Vernunft haben.


    Im Endeffekt wird da doch nur über großen Glamourwelt des Erwachsenenfussballs argumentiert. Dieses Argument hat für seine Ausbildung aber doch so gut wie keinen Wert. So kann eine Profifussballer argumentieren, der Titel gewinnen will, aber doch nicht ein Jugendspieler. Zu Bayern kann er auch noch mit 19, 20 oder 21 Jahren wechseln und die Ausbildung bis dahin wird in Berlin vergleichbar sein.


    Und nur wegen dieser Verblendung werden Freundeskreis und Heimat aufgegeben...

    Ich habe die Übung heute leicht abgeändert durchcgeführt, indem ich eure Verbesserungsvorschläge zum Teil aufgegriffen habe.


    Die Tore standen heute gegenüber, also eins rechts oben, eins links unten (bezogen auf das obige Bild zum Übungsaufbau). Dadurch konnte ich die Torhüter besser einbinden. Die Torhüter kamen bei der 2:2-Situation ins Spiel und durften dann ins Spiel ihres Teams integriert werden (so dass es dann eigentlich ein 3:3 war).


    Es gab aber ein paar Einschränkungen für die Keeper:

    - sie durften nur mit einem oder mit zwei Kontakten spielen

    - sie durften keine direkten Tore erzielen

    - sie durften vom Gegner angegriffen werden (waren also keine typischen Wand- bzw. Neutralspieler)

    - falls die Torhüter den Ball verloren bzw. sich pressen ließen, durfte auch während des 2:2-Spiels auf ihr großes Tor abgeschlossen werden


    Ich wollte damit die typische Spielsituation simulieren, bei der die Torhüter als Drucklöser und Weiterleitungsstation dienen. Dadurch, dass sie angegriffen werden konnten, bekamen sie spielnahen Gegnerdruck, was ein aktives Freilaufverhalten, Kommunikation und Handlungsschnelligkeit verlangte. Die stetige Verantwortung für ihr Tor sorgte allerdings dafür, dass sie nicht wie ein freier Feldspieler bewegten, sondern sich im Bereich ihres Tores aufhielten. Die Kontakbegrenzung provozierte schnelles Spiel und schuf ein verstärktes Bewusstsein für den ersten Kontakt (mit welchem Fuß, in welchen Raum).


    Ein weiterer interessanter Aspekt war das Anlaufen bzw. Pressen des Torhüters aus Sicht des gegnerischen Feldspielers. Hier musste der Feldspieler entscheiden, ob sich das Anlaufen lohnt oder ob er dadurch nicht einen wichtigen Raum vor den kleinen Toren öffnet und dem Gegner so eine "einfach" zu lösende 2:1-Situation gestattet. Falls er sich für ein aggressives Anlaufen entschied, musste er idealerweise einen Gegenspieler in den Deckungssschatten nehmen, wozu ein gutes Spielfeldscanning und lenkendes bzw. bogenförmiges Anlaufen nötig waren. Auch dieser Aspekt war sehr spielnah und erinnerte an typische Spielsituationen im Angriffspressing.


    In diesem Punkt war bei meiner Mannschaft allerdings noch Luft nach oben. Oft wurde der Torhüter in Ruhe gelassen, was auch damit zusammenhing, dass das Spielfeld eher großzügig abgesteckt war und die Wege entsprechend weit waren. Hier kann man die Reize aber leicht anders setzen.


    Insgesamt ist die Übung mit den Änderungen noch komplexer, spielnäher und facettenreicher geworden. Ein Nachteil ist mir nicht aufgefallen. Deswegen danke für den Input :thumbup:


    Auffällig war heute auch noch, wie wichtig das laute Mitzählen der Tore und der Wettkampf sind. Als eine Mannschaft schnell deutlich führte, konnte ich die typische, etwas laxe, Trainingsintensität beobachten. Als die andere Mannschaft aber plötzlich auffholte und irgendwann gleichzog, wurde die Intensität maximal und erinnerte an Meisterschaftsspiele. Und genau diese Situationen brauchen wir in einem guten Training ;) 


    P.S. Für gutes Punkten war es hilfreich, den Torschuss als erstes zu setzen und zu versenken (zählten wir heute doppelt). Die darauf folgende 2:1-Situation war in den meisten Fällen "Formsache", so dass man im Idealfall drei Tore innerhalb von einigen Sekunden erzielen konnte, falls der Gegner seinen Torschuss nicht versenken konnte. So bekam der Wettkampf schnelle Wendungen und gewann an Dramatik.


    Schönen Gruß, Christoph

    Drei Spieler wurden sogar zur Verbandssichtung eingeladen. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber mein Eindruck ist, dass der Altersaspekt spätestens da kaum mehr eine Rolle mehr spielt. Es geht einfach darum in der Masse der Spieler aufzufallen und sich durchzusetzen.


    Falls ich mich unklar ausgedrückt habe: Gemeint war hier der Relative Age Effect. Dem wird zwar bei der Auswahl des Stützpunktes Rechnung getragen, aber darüber anscheinend nicht mehr, was auch folgende Tabelle eines DFB-Lehrgangs des 2003er-Jahrgangs bestätigt (gefunden auf der Facebook-Seite des Stützpunktes Schiefbahn):


    20106670_192259326798l6r9a.jpg

    Kein Spieler aus dem vierten Quartal, zwei Spieler aus dem dritten Quartal, sieben Spieler aus dem zweiten Quartal (davon fünf April) und 17 Spieler aus dem ersten Quartal.

    Sind die nach der ersten Aktion raus?

    Du meinst die Torhüter? Ja, aber ich habe das nicht so dramatisch empfunden.

    Da ich nicht will, dass sich ein Spieler unendlich Zeit lässt und dann relativ verlässlich ein Tor erzielt - denn trifft nur einer, bekommt nur er einen Punkt - bekommt der erste Abschluss aufs Tor schon einen Punkt, egal ob Tor oder nicht. Eventuell mit einer Einschränkung (ab dem xten Kontakt, ab einer Markierung), weil die Jungs sonst auch rechnen können und wissen mit dem sofortigen Abschluss gehen sie mindestens Remis aus dem Duell. Und so muss man irgendwie mit Regeln das Trainingsziel sicher stellen.

    Volle Zustimmung.


    An so kleinen Rädchen kann man als Trainer schnell drehen. Man muss nur wissen, was man sehen will und dann auch den Mut haben, während der Übung anzupassen, falls es nicht so läuft wie gewünscht.

    Zu Beginn meines Trainerdaseins war ich da deutlich orientierungsloser und zurückhaltender.

    Ja stimmt.

    Die Spielzeiten im 2 gegen 1 bzw. 2 gegen 2 sind aber kurz, geschätzt weniger als eine Minute im Mittel.

    Der Unterschied zum klassischen Funino sind die provozierten Umschaltmomente durch die zwei Neustarts. Tempo und Intensität sind dadurch maximal. Trotzdem beinhaltet die Übung natürlich alle positiven Funino-Elemente bis auf das Dreiecksspiel...

    Hallo zusammen,


    hier habe ich eine schöne Übung, die wir gestern fast eine Stunde gemacht haben. Die Jungs hatten großen Spaß und die Übung schult eigentlich alles außer mannschaftstaktische Aspekte. Basis ist eine DFB-Übung, die ich ein wenig angepasst habe.


    Hier ist der Aufbau:

    fussballtotalfrrz9.png


    Man braucht mindestens zehn Spieler (davon zwei Torhüter), aufgrund der hohen Intensität sind 12 bis 14 aber besser, ungerade Anzahlen sind kein Problem. Mit mehr Spielern könnten die Standzeiten zu lange werden. Ausprobieren!


    Zwei Teams bilden und die Spieler an die vier Starthütchen, so wie im Bild gezeigt, verteilen. Jeder Spieler muss immer einen Ball am Fuss haben. Nach jedem Durchgang wechseln die Spieler das Hütchen, an dem sie sich anstellen.


    Jeder Durchgang beginnt immer mit einem Torschussduell. Dafür starten die Spieler rechts nach Trainersignal ein Laufduell auf die beiden Tore links an dessen Ende ein Torabschluss steht. Falls beide Spieler erfolgreich abschließen, gewinnt der Spieler das Duell, der zuerst versenkt hat. Trifft nur ein Spieler ins Tor gewinnt er natürlich das Duell, unabhängig davon wann er geschossen hat. Verfehlen beide Spieler das Tor, gewinnt der Spieler, der zuerst geschossen hat. Die erzielten Tore fließen in die Mannschaftswertung, die der Trainer laut mitzählt, ggf. kann man ein Torerfolg des Zuerstschießenden doppelt zählen.


    Der Trainer sagt den Sieger laut an und der bekommt zur Belohnung einen Mitspieler hinzu, der unmittelbar von der Seite mit Ball zum 2 gegen 1 auf die zwei fernen Passtore einläuft. Nach diesem Duell (Ball im Tor oder Aus), kommt ein Mitspieler des unterlegenen Spielers mit Ball zum 2 gegen 2 ins Feld. Alle Tore fließen in die Mannschaftswertung ein. Kontertore zählen ebenfalls und kann man in Unterzahl (also beim 2 gegen 1 von dem einzelnen Spieler erzielt) sogar doppelt werten.


    Die Übung schult vielfältige Aspekte. Zuerallerst natürlich der Torschuss unter spielnahem Zeitdruck und Stress. In den zwei Momenten, wenn ein neuer Spieler und Ball ins Spiel kommt, wird die Handlungsschnelligkeit und das Umschalten in beide Richtungen trainert. Dazu kommen dann so Kriterien wie Orientierung im Raum, Scannen des Spielfelds, Freilaufen, Auffächern, (seitliches) Anlaufen, Deckungsschattennutzung, etc.


    Passspiel, Dribbling, Fintieren können die Spieler unter ständigem spielnahem Gegnerdruck ausprobieren. Durch die vier Tore wird die Lösungskreativität gefördert. Körpertäuschungen und Finten werden zu Hauf genutzt, genauso wie das Freilaufen in die Breite sowie Verlagerungen provoziert werden. Auch kreuzende Spieler habe ich mehrfach beobachten können. Gerade beim 2 gegen 1 kann man gut das "Distanz schaffen" (um durch einen Pass einen Raumgewinn zu erzielen) coachen, sowohl in Bezug auf das Freilaufen als auch das Andribbeln.


    Hinzu kommen natürlich noch athletische Aspekte. Man hat viele spielnahe Antritte und Richtungswechsel. Durch die Erholungsphasen in den Anstellphasen zwischen den Durchgängen hat man immer maximale Intensität und wettkampfnahe Zweikampfführung. Jeder Spieler der reinkommt, brennt.


    Dadurch dass zweimal ein neuer Ball in ein voriges Spiel eingespielt wird, gleicht kein Spiel dem anderen Spiel. Die Spieler stehen in diesen Umschaltmomenten immer in unterschiedlichen Räumen und Zonen. Es gibt immer wieder neue Situationen und Reize. Manchmal lohnt sich das Tempodribbling, manchmal der tödliche Pass. Im nächsten Spiel lohnt es sich zu verzögern oder zu verlagern. Das gilt genauso für die Defensivspieler. Rücke ich aggressiv raus und gehe ich ins 1:1 oder halte ich die Tiefe, nehme ein Tor oder einen Gegenspieler in den Deckungsschatten? Das trainiert die Entscheidungsfindung. Genau wie im "richtigen" Spiel, dass ja auch aus einer Vielzahl unterschiedlicher 1:1, 2:1 und 2:2-Duellen besteht (die Mannschaftsstaffelung "drumherum" mal ausgeblendet).


    Viel Spaß beim Probieren. Über Feedback freue ich mich natürlich.


    Schönen Gruß, Christoph

    Hallo,


    eine kurze Rückmeldung von mir: Wir gehen jetzt in die zweite Saison. Unser Stützpunkt hat sechs Spieler in die NLZs abgegeben (drei zum MSV, zwei nach RWO, einer Leverkusen). Von meiner Mannschaft sind mittlerweile neun Spieler im Stützpunkt, wobei diese Zahl - gemessen am Leistungsvermögen anderer Vereine/Spieler - definitv zu hoch ist und in den nächsten Wochen auch reduziert werden soll. Der Zuwachs kam durch Wechsel aus einem anderen Verein, unserer D2 und unserer E1 (2006er).


    Highlight war das Kreisauwahlsichtungsturnier am Ende der letzten Saison, wo fünf bzw. sechs (ein Neuzugang) Spieler von mir eingeladen wurden. Die Jungs haben sich wie Nationalspieler gefühlt ;):




    Drei Spieler wurden sogar zur Verbandssichtung eingeladen. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber mein Eindruck ist, dass der Altersaspekt spätestens da kaum mehr eine Rolle mehr spielt. Es geht einfach darum in der Masse der Spieler aufzufallen und sich durchzusetzen.


    Mein Vorschlag wäre, dass man im halbjährlichen(?) Wechsel die Spieler aus dem ersten Quartal bei den 2004ern und aus dem letzten Quartal bei den 2006er mitspielen lässt oder aber die Jahrgänge komplett mischt und am 1.Juli trennt, um die wirklichen Talente herauszufiltern. Wie gesagt, alles im ständigen Wechsel, ansonsten würde man das Problem ja nur in andere Monate verlagern. Die Umsetzung wird sicher einiges an Kopfzerbrechen und Versuche erfordern, aber dass es derzeit nicht korrekt läuft, steht ja außer Frage.


    Das Verhältnis zum Stützpunktrainer und dessen Engagement in Bezug auf die Talentsichtung würde ich als sehr gut bezeichnen. Er besucht viele Spiele bei uns im Kreis, ist immer ansprechbar und bemüht sich um einen fairen Umgang mit den Jungs auch in Bezug auf Spielzeiten und dergleichen.


    Etwas kritischer sehe ich persönlich das Training. Mir ist es zu technikorientiert, monoton und wenig spielnah. Das dürfte aber nicht am Trainer, sondern an den DFB-Vorgaben liegen. Zudem fällt es oft aus, weil andere Jahrgänge Sichtung oder Spiele haben. Bei einer vollwertigen weiteren Einheit im Verein würde ich deswegen einen höheren Förderungswert vermuten. Ein Vorteil beim Stützpunkt ist natürlich der Umstand, dass man mit Talenten aus anderen Vereinen trainiert, was neue Spielerfahrungen und auch Freundschaften bedeuten kann. Aber gerade der Mehrwert an neuen Spielerfahrungen würde höher ausfallen, wenn man im Training auch mehr "spielt" ;)


    Gruß, Christoph

    Ich habe mir in Anlehnung an Nagelsmann letzten Sommer auch zehn Prinzipien für meine D-Jugend Jungjahrgang ausgedacht.
    Damit die Jungs sie sich besser merken können, fangen alle mit "A" an. Grundidee war, den Jungs in jeder Phase des Spiels mögliche Verhaltensweisen aufzuzeigen, wie sie der Mannschaft helfen können.


    Sie lauten:


    Aktivität: Ich beteilige mich ständig am Spiel!!!


    Bei Ballbesitz (offensive, ballfordernde, aktive Haltung):


    - Anspielbarkeit (Lösen vom Gegenspieler)
    - Auffächern (mit Tempo in die freien Räume)
    - Anker setzen (Gegenspieler binden/wegziehen/Räume freiziehen)


    Bei Ballbesitz (defensive, passive Haltung):

    - Absicherung der dribbelnden Mitspieler (falls Ballverlust-> Zugriff)
    - Angebote in der Tiefe (Drucklöser/“hinten rum“-> Ballbesitzerhalt)


    Bei gegnerischem Ballbesitz (vorwärtsgerichtet, Ballgewinn):

    - Aggressivität (Gegenpressing direkt nach Ballverlust)
    - Arsch aufreißen (Anlaufen, Verschieben, Überzahlen bilden, doppeln)


    Bei gegnerischem Ballbesitz (rückwärtsgerichtet, Sicherung des eigenen Tores):

    - Absicherung der Teamkameraden beim Pressen,
    - Antritt (bei Konter keilförmig mit Tempo zum eigenen Tor zurück)


    In jeder Phase: Ansprache (Kommunikation untereinander)!!!



    Wir haben die Punkte intensiv im Trainingslager an der Taktiktafel durchgesprochen. Während der Saison habe ich sie aber nicht mehr aufgegriffen, obwohl ich es eigentlich geplant hatte. Einen Grund kann ich nicht nennen...

    Hallo zusammen,


    eine schöne Spielform habe ich in der Kommentarsparte des Trainerblogs auf konzeptfussball.de vom User "SP" gefunden.
    Ich habe die Übung leicht angepasst und erfolgreich ausprobiert. Hier ist der Aufbau:



    Das Spielfeld ist annähernd quadratisch und war bei mir für 12 Spieler des Jahrgangs 2005 etwa 40x40m. In den Ecken sind vier Dreiecke willkürlicher Ausrichtung aufgebaut. Diese sollten nicht zu klein sein, damit sie nicht von einem Spieler komplett zugestellt werden können.


    Ziel ist über Ballzirklulation das Spiel auf die zwei Großtore freizuschalten. Dafür muss die ballbesitzende Mannschaft zwei unterschiedliche(!) Dreiecke durchspielen. Dabei ist es egal ob per Pass oder Dribbling (je nach Trainingsschwerpunkt kann man diesen Umstand auch konkretisieren).


    Die Torhüter spielen in dieser Phase mit der ballbesitzenden Mannschaft mit, dürfen aber natürlich nur am Fuß angespielt werden und werden so in ihren fussballerischen Fähigkeiten geschult. So ergibt sich eine doppelte Überzahl. Die restliche Spielerzahl ergibt sich aus der Trainingsbeteiligung. Sinnvoll dürfte die Spielform im 4:4 bis 6:6 laufen. Andere Mannschaftsstärken können auch funktionieren, habe ich aber noch nicht probiert.


    Sobald zwei Dreiecke bespielt wurden, ist das Spiel auf die großen Tore freigeschaltet. Dabei muss die ballbesitzende Mannschaft auf das entfernte Tor spielen und die pressende Mannschaft spielt auf das Tor, dass nahe an dem zuletzt durchspielten Dreieck liegt. Daraus ergeben sich spezielle Reize in Bezug auf das Pressing und Umschalten. Es kann für die Mannschaft ohne Ball strategisch durchaus lohnenswert sein, nach dem Durchspielen des zweiten Dreiecks sofort ins Pressing zu gehen und dann nach Balleroberung mit einem schnellen Abschluss auf das nahe Tor belohnt zu werden. Das konnte ich beim ersten Mal bei meiner D-Jugend aber (noch?) nicht beobachten. Dafür fehlt wohl noch das Verständnis für die Spielsituation. Bei älteren Spielern und/oder mehr Erfahrungswerten in dieser Spielform kann das natürlich anders aussehen.


    Welche Effekte konnte ich noch beobachten? Zum einen habe ich viele interessante Lösungen im 1:1 gesehen. Dadurch dass es keine feste Spielrichtung in der Zirkluationsphase gab, waren Finten, Körpertäuschungen und Richtungswechsel lohnenswert und wurden auch zu Hauf genutzt. Zudem wurde das Freilaufen, Kopfheben, aus dem Deckungssschatten lösen, die Besetzung ballferner Räume, Seitenverlagerung, Kommunikation und mannschaftliches Pressing im Überfluss geschult. Die Übung war auch sehr intensiv, da ständig alle Räume bespielt werden konnten und man sich niemals ausruhen konnte.


    Noch einige Details zum Ablauf: Wenn der Ball ins Aus ging, habe ich einen neuen Ball auf die Mannschaft eingespielt, die den Einwurf bekommen hätte. Manchmal machten das auch die Torhüter nach meinem Zuruf (dafür ein paar Bälle ins Tor legen). Nach einem Tor hat die andere Mannschaft einen neuen Ball bekommen. Bei Ballbesitzwechsel in der Zirkulationsphase hat die andere Mannschaft versucht, die zwei Dreiecke zu bespielen. Es muss aber immer wieder bei Null angefangen werden. In einer vorigen Zirkulationsphase durchspielte Dreiecke zählten nicht. Wenn das Spiel auf die großen Tore freigeschaltet war, wurde bis zum Tor oder Aus durchgespielt, auch wenn der Ballbesitz mehrfach wechselte. Dazu kam es bei mir aber nicht. Es wurde immer schnell und direkt zum Abschluss durchgespielt. Der Spielrhythmus änderte sich also schlagartig.


    Als Alterklasse würde ich es einer ambitionierten E-Jugend durchaus zutrauen. Ansonsten erst aber der D-Jugend ohne Grenze nach oben.


    Über Feedback würde ich mich natürlich wie immer freuen, genauso wie über Rückfragen, falls etwas unklar ist.


    Schönen Gruß, Christoph

    Nach meiner Erfahrung profitieren auf Asche vor allem Mannschaften, die viel bolzen und über den Kampf kommen. Auch Underdogs haben bessere Chancen, weil die Vorteile von spielstarken Mannschaften geringer ausfallen. Dadurch dass der Ball schwerer zu kontrollieren ist, bekommt die verteidigende Mannschaft schneller Zugriff und es kommt zu vielen Zweikämpfen. Das kann gerade für Mannschaften von Vorteil sein, die physisch stark sind und/oder im Angriff auf direktes Spiel, Standards, Zufall und individuelle Momente setzen. Zudem ist es auf Asche meist schwerer die Initiative zu übernehmen und das Spiel zu gestalten. Die Fehlerquote ist dabei einfach höher als auf Rasen und Kunstrasen, so dass man anfälliger für Pressing und schnelles Umschalten wird. Wir spielen als D-Jugend auf Asche taktisch aber nicht anders als auf anderen Untergründen, da Ausbildung und eigene Spielidee in dem Alter für mich wichtiger sind.

    Schimanskis Aufbau hat auch Parallelen aus dem Spiel, wenn man den Torschuss beiseite lässt, welcher ja nur der Temposteigerung dient. Oft genug drehen Spieler auf, ohne dass der Gegenspieler direkt hinter ihnen ist. Trotz allem hat das schnell zu erfolgen, um z.B. bei einem Angriff nicht das Tempo rauszunehmen.

    Danke.
    Ich möchte mit dem Gegenspieler nur spielnahen Stress simulieren. Um das 1:1 geht es mir nicht. Es ist eigentlich eine isolierte Technikübung zur Ballmitnahme mit Zeitdruck und Fun (Torabschluss/Wettbewerb).

    Wäre es nicht realistischer einen Verteidiger im Rücken zu haben? Wann kommt es schon mal vor, dass man direkt vor dem Tor so entgegen startet ohne einen Verteidiger im Rücken zu haben?

    Das wäre dann eine klassische Schulung des 1:1 mit Gegner im Rücken. Aber ich möchte den ersten Kontakt, die Ballmitnahme und die Drehung schulen. Der Gegenspieler sorgt eigentlich nur für spielnahen Zeitdruck. Den Zweikampf möchte ich gar nicht. Wenn man so eine Ballmitnahme trocken ohne verfolgenden Gegner, Wettkampf und Torschuss durchführt, wird sie meistens zu lasch und langsam durchgeführt. Der jagende Verteidiger ist nur ein Notbehelf. Er soll keine typische Stürmer-Verteidiger-Abschlusssituation aus dem realen Spiel nachstellen, sondern nur wettkampfnahes Tempo und Handeln provozieren.