Trainererfahrung sammeln, ohne direkt eine Mannschaft zu übernehmen?

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  • Ich würde mich sehr über euren Rat oder eure Einschätzung freuen.

    Bei mir ist es so, dass ich gerne herausfinden würde, ob die Tätigkeit als Trainer im Fußball etwas für mich ist. Dabei möchte ich jedoch nicht direkt so viel Verantwortung übernehmen oder sofort eine komplette Mannschaft führen.

    Stattdessen könnte ich mir gut vorstellen, einzelne Trainingseinheiten zu übernehmen, zum Beispiel als Vertretung, wenn jemand ausfällt, oder regelmäßig etwa vier bis fünf Trainings pro Monat zu leiten. Außerdem würde ich sehr gerne auch einmal ein Spiel coachen.

    Gleichzeitig denke ich mir aber, dass das Training in der Regel auf einer bestimmten Spielphilosophie aufbaut. Deshalb macht es aus meiner Sicht nur bedingt Sinn, ausschließlich ein Spiel zu coachen, ohne auch die Trainingsarbeit zu begleiten, da man dort Verhaltensmuster und Prinzipien aufbaut, die man im Spiel aktiv einfordern und steuern kann.

    Ich finde es allerdings schwierig, mit diesen Vorstellungen an einen Verein heranzutreten.

    Was würdet ihr sagen: Ist das ein legitimer Wunsch? Wie könnte ich dabei am besten vorgehen? Gibt es Vereine, die für eine solche Art der Mitarbeit offen sind, oder habt ihr noch andere Tipps?

  • Finde zunächst den Gedanken super schauen ob es was ist. Wie alt bist du ?


    Grundsätzlich hätte ich kein Problem damit und würde auch erstmal dich einbinden , nach 2-3 Einheiten dich auch mal eine Einheit leiten lassen um zu schauen ob du klar kommst.


    Vollkommen legitim

  • Wir vergeben auch Praktika im Verein. Das wäre auch eine Möglichkeit. An welche Altersklasse oder Liga bei den Herren hattest du gedacht?

  • Das mit dem Training leiten, das sehe ich nicht als Problem. Irgendwo als Co einzusteigen, da sollte es viele Optionen geben. Auch dann, wenn du nicht bei jedem Training dabei sein kannst/willst.


    Das mit dem Spiel coachen, sehe ich schon problematischer. Gerade, wenn du eben neu bist und eh nicht regelmäßig dabei bist.

    Jedenfalls in den meisten Altersklassen. Besonders, wenn du das als Vertretung machen sillst, also nicht in der Form, dass der Chef sich nur mal ein Spiel eher rausnimmt.

    Aus verschiedenen Gründen.


    Ein vlt passender Vorschlag:

    Ich kenne einige, mich eingeschlossen, die haben angefangen, die Fussball AG einer Grundschule zu leiten. Da ist oft Bedarf, weil Lehrer das nicht mehr machen wollen, da es nicht mehr als Schulstunde betrachtet/bezahlt wird.

    Das machen nahezu überall, Studenten oä, teilweise sogar der Hausmeister.

    Ist idR einmal die Woche und eh weit mehr Spielen, als alles andere. Da schult man aber, wie man eine Kindergruppe "im Griff" hat.

    Und einen Wettkampf hat man da auch kaum, vlt mal ein Hallenturnier oder ein Sommerturnier im Kreis/Bezierk.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Danke für eure Antworten!

    Ich bin 33 und habe tatsächlich im Zuge eines Praktikums für einige Wochen in einer Fußballschule gearbeitet. Aber ich denke, es ist etwas anderes, wenn man sein eigenes Team hat, und ich bin wirklich überrascht. Ich dachte, dass es so nicht wirklich legitim wäre, in dieser Art einfach auf jemanden zuzugehen. Aber das hat mir irgendwie Mut gegeben, doch noch einmal eine passende E-Mail zu formulieren und an die Vereine heranzutreten. Oder was würdet ihr sagen? Ist eine E-Mail der richtige Weg?

    An sich glaube ich, reizt mich das Großfeld schon.


    Ich glaube, ich würde mir total gerne so einen Mentor wünschen, von dem ich mir einiges abschauen kann. Mit dem ich viele Dinge diskutieren kann und der mir auch mal zeigt, wie er bestimmte Situationen angeht. Ein ein gutes Team sein, wertschätzende zusammenarbeitet und auch mal Dinge ausprobieren wäre meine Idealvorstellung.


    Was mir außerdem sehr viel Spaß macht, ist, mir Spiele anzuschauen und Spieler, die mir besonders auffallen, einfach aufzuschreiben – wenn ich kann. Dabei habe ich das Gefühl, dass es wirklich Spaß macht. Und ich finde es grundsätzlich sehr gut, auch jüngeren Leuten eine saubere Technik beizubringen, mit vielen Ballkontakten, und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

  • Moin.


    Trau dich! Meine Biografie dazu in Kürze:

    Als meine Tochter damals vor 3 Jahren in der U7 gespielt hat,gab es einen einzigen Trainer,der rund 20 Kinder auf dem Platz bespaßen durfte und ist geschwommen.


    Als Ex-Goalie im Betriebsfussball wollte ich ursprünglich mich als Torwarttrainer einbringen, weil es mich gereizt hat einerseits und andererseits ich mir nicht vorstellen konnte, regelmäßig Zeit mit kleinen Rackern zu verbringen, die großteils nicht des Sports per se wegen im Verein sind.


    Ich bin direkt zum Jugendleiter gegangen und hab mich als TW-Trainer ohne Ausbildung und Erfahrung im vereinsmäßigen Kifu angeboten. Er meinte, das macht der Verein erst ab der U11, aber ich könne beim aktuellen TW-Trainer paar Einheiten zusehen und lernen.


    Als der U7-Trainer davon Wind bekommen hat, dass ich mich einbringen will, hat er seine Chance ergriffen und mich gefragt, ob ich ihm nicht helfen kann in der U7 als Co-Trainer. Er schlug vor, dass wir die Kids auf 2 Gruppen aufteilen (heute die A und die B Mannschaft) und ich laufe ein halbes Jahr mit ihm mit bis Saisonende und trainiere die B-Truppe mit meiner Tochter, da ich sowieso in dieser Zeit am Platz stehe.


    Naja, nach anfangs holprigem Start ohne Erfahrung mit ersten Trainingseinheiten, wo ich mal den Stand der Kinder und deren Willen zu spielen ausfindig machen durfte, hab ich mich mit Büchern wie Horst Wein bzgl. Funino und Internettrainingsplänen in das Kifu-Training reingetigert. Wichtig ist, dass du ein Konzept hast wie du was trainieren möchtest, mit Eltern oft kommuniziert und deine Linie durchziehst mit situativen Anpassungen abhängig von Kader und Unterstützung der Eltern.

    Es machte mit den Kids immer Spaß bisher - Regeln und Konsequenzen für Kids und Eltern wirst du sicher brauchen.


    Manche Eltern wirst du aus meiner Erfahrung raus möglicherweise hie und da gerade in jungen Altersklassen auf Schiene bringen müssen bzw. den ein oder anderen auch ziehen lassen oder eine andere Sportart empfehlen müssen.


    Und deine Familie muss mitziehen, denn wenn du deine Sache ordentlich machen willst, geht einiges an Zeit drauf mit Trainingsplanung, Spieleplanung, Kommunikation mit Eltern und anderen Trainern, Trainersitzungen usw.



    Kurz: ich hab es nicht bereut als Rookie einzusteigen.

  • Ich würde es anders angehen: geh mal ein paar Wochenenden zu den Spielen in deiner Umgebung und der passenden Altersklasse und achte drauf, welcher Trainer/Team dich von der Art her anspricht.

    Den Trainer kannste dann sicher nach dem Spiel freundlich anquatschen. Frag am Besten nach einer Hospitation. Dann ist klar, dass du zwar lernen möchtest aber niemanden aus dem Amt kicken.
    Falls es menschelt, werden sie dich dann schon von sich aus fragen ob du bleiben möchtest.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Ich würde es anders angehen: geh mal ein paar Wochenenden zu den Spielen in deiner Umgebung und der passenden Altersklasse und achte drauf, welcher Trainer/Team dich von der Art her anspricht.

    Den Trainer kannste dann sicher nach dem Spiel freundlich anquatschen. Frag am Besten nach einer Hospitation. Dann ist klar, dass du zwar lernen möchtest aber niemanden aus dem Amt kicken.
    Falls es menschelt, werden sie dich dann schon von sich aus fragen ob du bleiben möchtest.

    Ich sehe es auch wie Goodie

    E-Mails zu schreiben, da wird oft nicht drauf reagiert in Breitensportvereinen.

    Schaue dir Spiele von Vereinen in deiner Umgebung an und beobachte die Trainer.

    Und dann gehe persönlich auf die Trainer zu.

    Auch Trainingseinheiten wirst du dir anschauen können, die Zeiten stehen meist auf den Websites der Vereine.

    In Breitensportvereinen läuft viel über diese persönliche Basis.

  • Aus welcher Region kommst Du denn?

  • Du fängst ja quasi bei 0 an. Schau dir mal bei YouTube die Videos der Trainingsphilosophie Deutschland an. Hier hast du schon mal eine kleine Basis. Dann solltest du dir überlegen welchen Jahrgang du trainieren willst.


    Ich bin Typ 100%, hab da einen inneren Monk, ich kann nicht mitten drin übernehmen 🤷🏼‍♂️ deshalb hab ich bei den Bambinis angefangen, entwickle die Mannschaft und erziehe die Eltern Jahr für Jahr.


    Wenn du weißt wie du dein Training aufziehen willst dann kannst du dir verschiedene Vereine und Trainer anschauen und dich beim richtigen mal vorstellen. Ich hab schon viele Trainer gesehen, da gibt es so viele Unterschiede in der Philosophie dass du nicht immer dein Spaß haben wirst ;)

  • Ich hab damals als Co-Trainer angefangen.

    Ohne Vorbildung als Trainer, nur als Fußballer.


    Also:

    - beim Training als Assistent mitwirken, Übungen nach Anweisung aufbauen, teilweise selber coachen
    - als (alleiniger) Coach der zweiten Mannschaft zu den Spielen fahren


    Das Training als Co-Trainer hat mir viel gebracht. Der Cheftrainer und der andere (sehr erfahrene) Co-Trainer haben mir sehr viel erklärt und mich an die Hand genommen. Zum einen sehr viel über die grundsätzliche Herangehensweise/Philosphie. Zum anderen viel zu den Übungen erklärt.


    Das Coachen bei den Spielen fiel mir anfangs recht schwer und ich hab da auch durchaus Fehler gemacht. Habe nach ein paar Monaten aber dann die Lehren aus den Trainings auch ins Coaching einfließen lassen können und dann wurde es besser.


    In meiner zweiten Saison dann als Cheftrainer eine Mannschaft übernommen. Hier war der Schritt für mich am größten, bzw. die Lernkurve für mich am steilsten. Hier musste (bzw. wollte) ich Wochen und Monate vor der Mannschaftsübernahme erstmal viel know-how aufbauen.


    Alles in allem finde ich das einen guten Einstieg.
    Wenn man selbstbewusst genug ist und starker Autodidakt mit viel Eigeninitative ist, kann man vielleicht auch direkt einsteigen, ohne den Co-Trainer Job.

  • Ich bin wirklich dankbar für eure vielen Tipps. Besonders die Idee, zunächst verschiedene Vereine anzuschauen, um ein Gefühl für die Philosophie zu bekommen, finde ich sehr hilfreich – darauf wäre ich selbst gar nicht gekommen. Danke dafür.


    Auch der Ansatz, zuerst die eigene Spielphilosophie für sich selbst klar zu haben, finde ich sehr gut. Ich denke nämlich, dass man nicht wirklich harmoniert, wenn man grundsätzlich andere Vorstellungen hat. Natürlich hat man eine Traumvorstellung von attraktivem Fußball: gut organisiert, schnelles Pressing nach Ballverlust, viel eigener Ballbesitz, aber nicht langweilig, sondern mit klugen Verlagerungen, um Räume zu öffnen, und mit Schnittstellenpässen, die wie ein Messer durch warme Butter gehen.


    Gleichzeitig glaube ich aber, dass man sich auch ein bisschen an den Spielern orientieren muss, die man hat. Dann kann man das Beste aus ihnen herausholen und sie nicht in eine Rolle quetschen, in die sie nicht passen. Anders als Profitrainer hat man ja oft nicht den Luxus, den Kader nach eigenen Vorstellungen zusammenzustellen. Das setzt einen auch ein bisschen unter Druck, aber zeigt auch die Grenzen auf, die der Kader mitbringt. Dadurch kann man vielleicht auch Frust vermeiden, weil die Spieler etwas nicht umsetzen können.


    In meinem Praktikum habe ich über acht Wochen verteilt 40 Stunden pro Woche Training gegeben. Es war eine Mischung aus einem Trainingsskript, das wir gemeinsam als Team umgesetzt haben, und eigenen Übungen, die ich eingebracht habe. Die Mannschaften haben dabei jedoch immer rotiert, sodass man eine Mannschaft nur zweimal pro Tag für eine Einheit hatte, und das in verschiedenen Altersklassen. Ich habe das Gefühl, dass ich im Fußballbereich eigentlich eine interessante Story habe – aber irgendetwas in mir traut sich nicht, den nächsten Schritt zu gehen. Deshalb dachte ich, es wäre eine gute Option, hier im Forum nachzufragen.


    Meine Leidenschaft für Fußball ist ein bisschen abgeflaut, muss ich ehrlich sagen, nachdem ich die Identifikation mit einem Verein nicht mehr wirklich aufbringen konnte. Das ganze Business wirkt auf mich manchmal merkwürdig. Deshalb habe ich gezweifelt, ob ich überhaupt noch am Fußball interessiert bin. Aber diese Idee geht mir trotzdem nicht aus dem Kopf.


    Ich glaube, ich bräuchte ein Umfeld, das kooperativ ist und eine gute Stimmung hat – nette Trainer, die sich gegenseitig unterstützen. Wenn ich sehe, wie manche Trainer Kinder grundlos anschreien oder manche Eltern sich genauso verhalten, schreckt mich das ab. Deshalb tut mir der Austausch hier wirklich gut.