Die mit Abstand größte Herausforderung im Vereinsfußball sehe ich im Ehrenamt. Wer ist heutzutage noch bereit, so viel private Zeit zu investieren, wie es ein Traineramt abverlangt?
Allein der Aufwand umfasst bei mir:
- mindestens 2× Training pro Woche (inkl. Auf- und Abbau)
- Spiele am Wochenende
- Turniere, Freundschaftsspiele, Mannschaftsausflüge
- unzählige organisatorische Aufgaben: Elterngespräche, Terminabsprachen, Spielermeldungen, Passbilder aktualisieren, Kioskdienste organisieren & einkaufen, Trikotwaschdienst, Trainersitzungen, Fortbildungen, Vereinsveranstaltungen, Spielberichte schreiben usw.
Dazu kommen noch die eigenen Fahrtkosten.
Das alles lässt sich realistisch eigentlich nur stemmen, wenn das eigene Kind in der Mannschaft spielt.
Den meisten Eltern ist es schon zu viel die Rückmeldung in der Teampunkt-App abzugeben oder das Kind trotz Anmeldung zum Training zu bringen.
Die Motivation der meisten Trainer in der Umgebung ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Viele sind absolut Ergebnisgesteuert. Für eine wirklich tiefgehende, qualitativ hochwertige Nachwuchsarbeit reicht diese Motivation in der Breite häufig nicht mehr aus. Sonst wäre z. B. Hier deutlich mehr konstruktive Diskussion und Austausch zu beobachten.
Ich zähle mal ein paar konkrete Beobachtungen aus den letzten Monaten, die mir aufgefallen sind auf:
Bei einem Trainer der neben mir trainiert läuft seit vier Wochen exakt dasselbe Trainingsmuster ab: 14–16(!) Kinder stellen sich an -> Pass auf den Trainer -> er legt ab -> Direktschuss aufs Tor. Kein Seitenwechsel, kein schwacher Fuß, kein hoher Ball, keine Ballmitnahme, nichts. Danach 7-gegen-7 oder 8-gegen-8 – und er spielt teilweise selbst mit. Als Kind hätte ich da schnell die Lust verloren.
Ein anderer Trainer lässt seit der G-Jugend fast ausschließlich seine 2-2-Formation einspielen. Sowohl im Training als auch im Aufwärmen vor Spielen. Jedes Kind hat eine feste Aufgabe und fixe Position. Die Eltern sind zufrieden, weil fast alles gewonnen wird.
Beim leistungsorientierten Verein nebenan trainieren die „starken“ Kinder 4+1 mit drei (!) Trainern. Die schwächeren Kids stehen abseits auf einem Haufen und spielen Funino – ohne Betreuung.
Solche Beispiele gibt es leider zuhauf, wenn man genau hinschaut. Ich bin überzeugt, gerade in der G- bis F-Jugend (und damit auch für die spätere E- und D-Jugend) wären wir in der technischen Grundausbildung deutlich weiter, wenn wir mehr und besser geschulte Trainer hätten.
In der Breite bräuchte es beim Training vor allem viel mehr 2-gegen-2 und 3-gegen-3 Spiele, das würde die Basis für alles Weitere massiv verbessern.