Ausbildungs-Orientierung statt Ergebnis-Orientierung im Kinderfußball

  • Was für eine Idee hattest du, als du den Regenwurm deinem Gegner auf die Schulter gelegt hast....

    "Was machst du da?" geht dann auch.....

    Du hast mich verstanden! :thumbup:;)

    Es gibt diese Situationen in der G-Jugend die einen nur noch ratlos: "Was machst du da???" fragen lassen.

    Mit Coaching hat das nichts zu tun. Coaching ist in der G ohnehin kaum möglich. Die Jungs verstehen fußballspezifische Anweisungen schlicht noch nicht und diese Schreierei am Rand macht sie eher nervös als alles andere.

  • Schreien gehört überhaupt nicht in den Kinder- und Jugendfußball. Es ist doch selbst bei uns Erwachsenen so, das wir nicht angeschrien werden wollen. Kommt man uns jedoch mit sachlicher und im bestenfall noch hilfreicher Kritik, dann nehmen wir uns das an und versuchen es beim nächsten Mal besser zu machen.


    Gerade die Kids brauchen doch von uns jegliche Hilfestellung die sie bekommen können.

  • Ich glaube in der Tat, dass die Realität zumindest zum Teil eine Andere ist. Viele der hier im Forum geschilderten negativen Ereignisse habe ich hier in einer ländlichen Region so nicht erlebt, und ich glaube deshalb, dass es vielleicht bzgl Trainer/Eltern/Kinder-Verhalten große geographische Unterschiede bzw große Unterschiede zwischen Stadt und Land geben mag.


    Hier in der Gegend sind so gut wie alle Trainer der kleinen bis mittelgroßen Vereine Papa-Trainer mit viel Herz und Idealismus. Extreme Brülltrainer mit 100% Joystick Coaching habe ich in 5 Jahren bisher nur 2x erlebt und das waren beides mal Lizensierte Trainer größerer Vereine ……. Meine Schlussfolgerung: Die stehen unter Druck, wir als Vater-Trainer nicht, da es ansonsten statt uns ja keiner machen würde.


    Im Verein bei uns holen sich die meisten KIFU Trainer ihre Anregungen für das Training aus dem Internet, Unterstützung von der JL gibt's nicht. Wie das in Nachbarvereinen ist, kann ich nicht beurteilen


    Fast alle Trainer brüllen mehr oder weniger häufig auch ins Spiel rein, aber dabei handelt es sich zu 95% um Aufmunterung, Anfeuerung oder Anweisungen bzgl des Auswechselns. Manchmal gibt es auch Kritik, aber Bemerkungen, die die Kinder bloß stellen, kommen Gott sei Dank so gut wie nie vor.


    Spieler-Rotation läuft im Bambini-Bereich immer vorbildlich, nimmt dann bis zum Ende der E1 kontinuierlich bis auf NULL ab.


    Coaching Zone und Zuschauer-Distanz zum Spielfeld sind meist Fehlanzeige, trotzdem gibt es weder Stress mit den Zuschauern noch mit dem Gegner. Ich habe allerdings meine Eltern darauf hingewiesen, nur anzufeuern, aber die Kinder nicht zu kritisieren und keine taktischen Anweisungen reinzurufen. Meine Kids genießen es, wenn viele Zuschauer da sind und viel angefeuert wird, unsicher wird davon keiner.


    Allerdings habe ich bei einem Großstadt-nahen Hallenturnier einmal mitbekommen, dass es auch anders sein kann, insofern verstehe ich viele Forumsmeinungen, die für eine Reform des KIFU plädieren.

  • Ich glaube gar nicht, dass du im Großen und Ganzen andere Erfahrungen gemacht hast als andere hier im Forum.


    Du bewertest sie einfach anders.


  • Dass man solche Beobachtungen nicht macht, heißt nicht, dass es sie nicht gibt.
    Diejenigen, die mit dem selben Jahrgang durch die verschiedenen Altersklassen gehen, treffen größtenteils auch die selben Trainer.
    Wer längere Zeit in der selben Altersklasse bleibt, trifft im Laufe der Jahre deutlich mehr unterschiedliche Trainer. Es gab Jahrgänge, in denen ich dachte, dass es sich langsam bessert. Auffällig war, dass das die Jahrgänge waren, die bei uns mit der FPL gestartet waren. In den letzten beiden Jahren sah ich dann wieder die Abgründe des Kinderfußballs. Ob Stadt oder Land spielt dabei keine Rolle. Der Anteil an Vollidioten ist überall gleich.

    Hier in der Gegend sind so gut wie alle Trainer der kleinen bis mittelgroßen Vereine Papa-Trainer mit viel Herz und Idealismus. Extreme Brülltrainer mit 100% Joystick Coaching habe ich in 5 Jahren bisher nur 2x erlebt und das waren beides mal Lizensierte Trainer größerer Vereine ……. Meine Schlussfolgerung: Die stehen unter Druck, wir als Vater-Trainer nicht, da es ansonsten statt uns ja keiner machen würde.

    Ich habe in den letzten 10 Jahren Vollidioten mit und ohne Lizenz kennengelernt. Sie kamen aus großen, kleinen und mittelgroßen Vereinen.

  • Ich frage mich gerade, was Lautstärke in Bezug auf Ausbildungsorientierung bzw. Ergebnisorientierung für Auswirkungen bzw. Einfluss hat. Ich werde sowohl als Trainer als auch als Vater hin und wieder laut - muss ich mich deshalb nun beim Jugendamt selbst anzeigen? Ich persönlich bin "gefährlicher", wenn ich leise bin. Hat aber keine Auswirkungen auf Ausbildungs- oder Ergebnisorientierung.

  • Ich denke, es kommt nicht nur auf die Lautstärke alleine an. Entscheidend ist auch, was gesagt wird. Es kann inhaltlich richtig sein, was ich sage, aber die Ausdrucksweise geht gar nicht oder auch der Ton. Manchmal ist auch das, was gesagt wird total daneben. Ich muss mich nicht als Trainer zu wichtig nehmen. Von wegen, ich bin der Beste, etc. Und mich andererseits darüber lustig machen, wenn ein Kind etwas nicht schafft...

  • Ich frage mich gerade, was Lautstärke in Bezug auf Ausbildungsorientierung bzw. Ergebnisorientierung für Auswirkungen bzw. Einfluss hat. Ich werde sowohl als Trainer als auch als Vater hin und wieder laut - muss ich mich deshalb nun beim Jugendamt selbst anzeigen? Ich persönlich bin "gefährlicher", wenn ich leise bin. Hat aber keine Auswirkungen auf Ausbildungs- oder Ergebnisorientierung.

    Die Lautstärke und vor allem die Intensität wirken sich auf das Ergebnis aus.

    Da haben wir schon nen gewaltigen Einfluss.

    Ich bilde mir ein grundsätzlich relativ ruhig an der Linie zu sein.

    Ich erinnere die Kinder an Vorgaben, lobe sie, muntere sie auf. Alles in eher ruhiger, sachlicher Art.

    Im Training habe ich es mal anders versucht. Beim Abschlußspiel ging eine Mannschaft total unter.

    Eigentlich gleich stark aber an dem Tag ging nix...

    Also habe ich die Kids gepusht. Lautstark angefeuert. Die Intensität jedes einzelnen auf Anschlag gehalten. Das Spiel ändert schlagartig. Ob sie das noch gedreht haben weiß ich nicht mehr. Aber es hatte einen gewaltigen Einfluss auf das Ergebnis.

    Führte im Übrigen zu einer starken Verunsicherung der anderen Mannschaft.

    Dieses Hochpushen bringt kurzfristig massive Erfolge. Langfristig natürlich Blödsinn.

    Aber der kurzfristige Erfolg ist das gefährliche...

  • Dieses Hochpushen bringt kurzfristig massive Erfolge. Langfristig natürlich Blödsinn.

    Aber der kurzfristige Erfolg ist das gefährliche...

    Warum ist das langfristig Blödsinn?

    Ich würde argumentieren, dass eine hohe Spiel- und Trainingsintensität für die langfristige Entwicklung sehr gut sind. Es wird sich einfach an eine hohe Spielintensität gewöhnt und so langsam die Messlatte verschoben. Die Kinder erreichen ein Niveau (körperlich und vor allem geistig) auf dem sie einfach mehr abrufen können.

  • Warum ist das langfristig Blödsinn?

    Ich würde argumentieren, dass eine hohe Spiel- und Trainingsintensität für die langfristige Entwicklung sehr gut sind. Es wird sich einfach an eine hohe Spielintensität gewöhnt und so langsam die Messlatte verschoben. Die Kinder erreichen ein Niveau (körperlich und vor allem geistig) auf dem sie einfach mehr abrufen können.

    Agreed


    Eine hohe Intensität ist einer der Hauptfaktoren, wenn es um die Qualität einer Trainingseinheit geht. Meine Übung kann noch so toll und spielnah konstruiert sein, wenn die Intensität nicht wettkampfgerecht ist, dann kann ich mir diese auch schenken.

  • Das kommt immer auf die vorhandenen Spielertypen an. Wenn ich den ohnehin hoch motivierten Spieler ständig pushe wirkt das irgendwann albern. Wird auch dazu führen, das der Spieler sich fragt, ob ich, obwohl er ohnehin 110% gibt, noch mehr will, bzw. das gezeigte nicht ausreicht.

    Generell ist aber ein Pushen/Anfeuern auch im Spiel gut, vermittelt ja auch den Charakter

    das der Trainer voll dabei ist, und das beste aus den Kids herausholen will. Immer verbunden mit Aufmutnerung(wenn Aktion danebengeht) und Lob wenn es klappt.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Also habe ich die Kids gepusht. Lautstark angefeuert. Die Intensität jedes einzelnen auf Anschlag gehalten. Das Spiel ändert schlagartig.

    Auch hier sollte man das Alter der Kinder im Auge behalten. Bei den Bambinis finde ich das noch nicht so gut. Hier ist das Spiel vielleicht signifikant langsamer aber warum sollten sie sich die Zeit nicht nehmen? Ball unter Kontrolle bekommen, eine Entscheidung fällen, das dauert bei einigen einfach länger. Statt schnell wird das Spiel dann auch gerne mal hektisch.
    Funktioniert aber nur, wenn beide Trainer das gleiche machen.


    Ab der F gehört eine gewisse Einsatzbereitschaft schon dazu. Und das kann man im Training auch gut im Griff haben, im Trikot kann das dann signifikant anders aussehen. Hier darf man die Kinder dann schon erinnern, warum sie gerade da rumstehen.


    In der E sollte das dann aber eigentlich nicht mehr nötig sein... :/ (intrinsische Motivation, Gruppendynamik)

  • Das kommt immer auf die vorhandenen Spielertypen an. Wenn ich den ohnehin hoch motivierten Spieler ständig pushe wirkt das irgendwann albern. Wird auch dazu führen, das der Spieler sich fragt, ob ich, obwohl er ohnehin 110% gibt, noch mehr will, bzw. das gezeigte nicht ausreicht.

    Generell ist aber ein Pushen/Anfeuern auch im Spiel gut, vermittelt ja auch den Charakter

    das der Trainer voll dabei ist, und das beste aus den Kids herausholen will. Immer verbunden mit Aufmutnerung(wenn Aktion danebengeht) und Lob wenn es klappt.

    Ich halte es auch für kontraproduktiv, wenn ich hochmotivierte Spieler ständig dumm von der Seite anmache und anmotze

  • Ich halte es auch für kontraproduktiv, wenn ich hochmotivierte Spieler ständig dumm von der Seite anmache und anmotze

    öh, da meinte ich jetzt auch nicht mit pushen.;)

    dumm von der seite anmachen und anmotzen sollte man gar kein Kind. Das kann mal gar kein Kind gebrauchen.

    Ich meinte damit generell das positive Motivieren.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Das kommt immer auf die vorhandenen Spielertypen an. Wenn ich den ohnehin hoch motivierten Spieler ständig pushe wirkt das irgendwann albern. Wird auch dazu führen, das der Spieler sich fragt, ob ich, obwohl er ohnehin 110% gibt, noch mehr will, bzw. das gezeigte nicht ausreicht.

    da setzte ich auf de Hausverstand das derjenige der es macht das auch erkennt..


    Auch hier sollte man das Alter der Kinder im Auge behalten. Bei den Bambinis finde ich das noch nicht so gut. Hier ist das Spiel vielleicht signifikant langsamer aber warum sollten sie sich die Zeit nicht nehmen? Ball unter Kontrolle bekommen, eine Entscheidung fällen, das dauert bei einigen einfach länger. Statt schnell wird das Spiel dann auch gerne mal hektisch.
    Funktioniert aber nur, wenn beide Trainer das gleiche machen


    ich gehe ein Schritt weiter und behaupte es macht erst Sinn wenn die Kinder eine gewisse Aufmerksamkeit/ Konzentrationsfähigkeit erreicht haben und den Rundumblick entwickelt haben damit auch die richtigen Entscheidungen getroffen werden können.

    Wenn ein Spieler mit dem Blick am Boden zum Ball sprintet um schnell einzuwerfen holt hat er noch immer nicht alles im Griff obwohl er schnell ist. Anders wiederum wenn derjenige der den Ball holt schon alle Möglichkeiten abgecheckt hat ist klar im Vorteil weil er beim Aufheben schon einen Plan hat. Schnell bedeutet nicht immer automatisch gut

  • Es hat auch was mit Erfahrung zu tun. Wir sollten uns nicht vormachen, wenn ein Jungtrainer oder auch emotionaler Papa am Rand seine 1-2 Saison durchlebt und auch mit schwierigen Kids zu tun hat. Es ist auch viel Arbeit die wir investieren in unserer Freizeit und zum Teil ohne Anerkennung des Vereins oder geschweige der Eltern. Es hat mich auch was mit Idealismus zu tun, wenn wir uns so engagieren wie die meisten hier im Forum.

    Auch wir Trainer lernen dazu unsere Handlungsweise, Trainingskonzepte zu überdenken und dazuzulernen.


    ich denke die Brüllaffen die ihr meint stehen entweder unter enormen Druck oder sie machen sie selber zuviel Druck und dieses wird auf die Kinder abgewälzt. Was natürlich nicht geht. Aber auch diese Brüllaffen werden früher oder später zu zahmen Tigern, wenn ihr anfängliches herumschreien oder aussortieren von schwächeren Spielern Erfolg brachte, setzte sich das am Ende glaube ich nicht durch.

    Ich habe jetzt in meinen 2 Jahren soviel gelernt und würde es nur bedingt jemanden empfehlen Trainer zu sein, wenn man nicht die notwendige Zeit hat sich mit Kinder - oder Jugendfussball auseinanderzusetzen und sich selbst zu reflektieren. Was war gut und was geht noch nicht. So wie wir es den Kids auch versuchen beizubringen. in diesem Sinne, genießt die Zeit mit den Jungs und achtet darauf das der Teamgedanke immer ganz weit oben steht.

  • Störungen von aussen beeinflussen natürlich die Kinder. Ein Stück weit ist das unvermeidlich und die Kinder müssen lernen, das auszublenden.


    Problematisch wird es, wenn es die Kinder in ihrer Entscheidungsfindung beeinflusst. Deshalb sind mir die leisen, zurückhaltenden Trainer lieber.


    Ich sehe es auch so wie Goodie , dass anfangs eigentlich erst einmal Druck raus genommen werden bzw. erst langsam aufgebaut werden muss, weil Kindern erstmal zugestanden werden muss, Gelerntes sich in ihrem eigenen Tempo anzueignen. Ich kenne es auch so: Sorgfalt vor Schnelligkeit.