Von anderen Sportarten lernen

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  • einen Bonustreffer per Elfmeter erzielen kann / darf, dann geht dadurch nicht viel Zeit verloren und das Training wird um einen motivierenden Funfact erweitert.

    mag ja sein, das es ein Funfact ist, da möchte ich Dir nicht widersprechen.

    in einer Spielform mit Spielrichtung, also auf 2 Tore, würde das eine schnelle Spielfortsetzung behindern. gegner ist vielleicht ungeordnet und es kann schnell eröffnet werden etc. etc.

    insgesamt würde mir das viel zuviel Dynamik nehmen, woran dann die u.a. Intensität und die Aufmerksamkeit leiden würde

    Da hast Du natürlich recht. Schnelle Spielfortsetzung nach dem Tor ist deutlich sinnvoller, als Ausbremsen durch einen "künstlich erzeugten" Standard.

  • Trainer E : wenn ich in meinem Training keine Standardsituationen trainiere, dann brauche ich mir auch keine Gedanken machen, wie ich sie "spielnäher" (psychologisch), häufiger (Quantität) und mit mehr Spannung (Qualität) im Training berücksichtigen kann.

    Ich jedenfalls fand die Idee gut und sehe hier vergleichbare Situationen im Hockey- und Fußballspiel (das Argument, dass die Spielfelder unterschiedliche Eigenschaften (teilweise wetterabhängig) haben, würden auch Hockeytrainer bringen, die das nicht machen wollen). Und auch die Altersdiskussion wurde in dem Hockeyvideo geführt - und wie im Hockey sind auch im Fußball die Standards in Richtung Erwachsenenfußball und dort in Richtung Spitzenteams eher zu untersuchen und analysieren als in der Jugend.


    Standardsituationen kommen aus meiner Sicht im Fußball auch öfters vor und werden umso höher es geht auch immer öfters trainiert bzw. analysiert. Und das in der Mauer stehen oder sich in den Schuss werfen, hat für mich schon Ähnlichkeiten zur Defensive bei der kurzen Ecke im Hockey (die kurze Ecke ist wahrscheinlich um einiges schmerzhafter und die Hockeyspieler werden die Fußballer hier belächeln).


    Skriwer : in Richtung Technik bin ich 100%ig bei dir.


    Coach1976 : Elfmeter macht Spaß - und ich bekomme einen "Mannschaftsdruck" bzw. Gruppendruck ein bisschen hin. Beim Elfmeterkönig z.B. schießt ja jeder nur für sich.


    Trainer E : zum letzten Punkt: eine schnelle Spielfortsetzung habe ich im Spiel nach einem Tor auch nicht. Da gibt es Anstoß und alle müssen in die eigene Hälfte ;-) -> somit sind beide Spielfortsetzungen nach einem Tor für mich nicht spielnah.

  • Trainer E : zum letzten Punkt: eine schnelle Spielfortsetzung habe ich im Spiel nach einem Tor auch nicht. Da gibt es Anstoß und alle müssen in die eigene Hälfte ;-) -> somit sind beide Spielfortsetzungen nach einem Tor für mich nicht spielnah.

    Du machst im Training nach Toren Anstoß ?

    Ich lasse nicht wirklich ernsthaft einen Anstoß machen. Das gleiche gilt für Einwürfe. Eindribbeln oder einkicken je nach lust und laune, besser je nach Spielsituation;). schnell wieder in die Situation und die gegebenheiten situativ nutzen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich hoffe das passt noch dazu. Die Übung kommt ja nicht aus anderen Sportarten.


    Standardspielform:


    Es wird in 2 Teams gegeneinander im Feldausschnitt gespielt.

    Spielfortsetzung ist immer eine Ecke (es gibt keinen Abstoß) oder ein Freistoß.

    Bei Toraus gibt es immer Ecke und beim Seitenaus (Schräge und 16er-Grenze bzw. Mittellinie) einen Freistoß aus der Position. Die Standards werden bei sortiertem Gegner nach taktischer Vorgabe ausgeführt, bei unsortiertem oder „schläfrigem“ Gegner werden die Standards schnell und kreativ ausgeführt.

    Nach einiger Zeit die Seiten tauschen.



    Ich hoffe man kann das Bild erkennen. Ich habe es am Handy erstellt. Es ist nur zur Veranschaulichung und keine echte Eckenvariante.

    Spielfeldgröße und Spielerzahl müssen angepasst werden:-)

  • Trainer E : ich trainiere gerade eine E-Jugend - da geht es mir wie dir, da lasse ich keine Standards trainieren (noch nicht einmal Technik (z.B. Einwurf) - durch Corona-Abstand-Training habe ich kürzlich sogar mehr Einwürfe machen lassen, da ging es mir aber mehr um das Werfen und den hüpfenden Ball als um die korrekte Technik). Wie setzen meine Kinder ein Spiel nach einem Tor fort? In der Halle beim Spiel auf 2 Tore meistens mit einem Anstoß, weil da sind ja Linien vorhanden. Auf dem Feld geht es einfach weiter mit Torabstoß - weil das hinten raus spielen ein Trainingsschwerpunkt von mir ist und die Kinder dort auch nicht nach dem Mittelpunkt suchen (eine Mittellinie habe ich meistens nicht). Ich fordere allerdings auch keine Standardkenntnisse oder -verhaltensweisen im Spiel.

    Und trotzdem finde ich z.B. den Elfmeter in der Jugend als Bonus (Funfaktor) interessant - mit hat z.B. früher auch 3 Ecken -> ein Elfer auf dem Bolzplatz sehr gut gefallen.

  • Hockey-Video von let1612


    Ich habe mir das Video auch mal angeschaut, obwohl ich von Hockey keine Ahnung habe. Eigentlich handelt das Video ja inhaltlich um das Verteidigen des Schusses nach einer kurzen Ecke. Verschiedene Weltklasseverteidiger werden in ihrer Verteidigungsstrategie analysiert, was ich persönlich sehr interessant fand. Wie Trainer E ja schon vermutete, haben kurze Ecken anscheinend einen größeren Einfluss auf den Spielverlauf beim Hockey.
    Wirklich entscheidend in Bezug auf Tor -> kurze Ecke wird es dann hier:

    Das mit Abstand beste Training - Nicklas Beneke / Minute 27:00


    let1612 Ich interpretiere den Kern der Aussage im Video glaube ich etwas anderes als du. Ich finde es geht nicht darum, das Tor durch irgendeine Standardsituation nochmal zu "bestätigen", auch wenn er es wörtlich so sagt :/. Im Grunde geht es dem Trainer im Video vielmehr sogar nur um die Ecke und eine möglichst erfolgsstabile Ausführung, da der Umgang damit anscheinend einen unheimlich hohen Stellenwert für den Spielverlauf hat. Und er nutzt die Motivation der Angreifer (falls sie die Ecke verwandeln zählt das Tor) und der Verteidiger (wenn sie den Schuss geblockt bekommen, verhindern sie doch noch das eigentlich schon aus dem Spiel kassierte Gegentor), um eine möglichst hohe Konzentration und Ausführungsqualität (Angriff und Verteidigung) zu provozieren. Was ich in diesem Beispiel zusätzlich schön finde ist, dass die Defensive nochmal die Chance hat, als Team den ursprünglichen Gegentreffer wett zu machen. Und auch im Angriff habe ich den (leienhaft gesagt) Eckenballspieler, Ballstopper und Torschützen. Auch dort ist eine Teamleistung erforderlich, wenn ein Tor gelingen soll. Das hat für mich einen ganz eigenen Charakter, da der Fokus in Spielformen ja gerade auf Agieren-als-Team, Spielverständnis und auch die Spielerkommunikation liegt. Wenn ich mich jetzt ganz konkret auf die Situation im Video beziehe, fände ich die Interpretation "kurze Ecke im Hockey" -> "Elfmeter im Fußball" etwas zu kurz gedacht, da in dem ursprünglichen Gedanken glaube ich viel mehr Potential steckt. Grundsätzlich ist gegen den Gedanken mit dem Elfmeter aber natürlich gar nichts einzuwenden und sobald es in den Spaßbereich geht, wird es spätestens Geschmackssache und da tickt ja auch jeder Trainer anders.


    Für meine persönliche Situation (F-Jugend) könnte ich mir folgende Übersetzung vorstellen: Für mich stellt sich die Frage, welche Situationen im (Kinder)fußball für meine Mannschaft echt wichtig und häufig spielentscheidend sind (vgl. kurze Ecke im Hockey). Und da muss ich bspw. an das erfolgsstabile Ausspielen von Überzahlsituationen mit Zug zum Tor denken. z.B. 2gg1, 3gg1 oder 4gg2.
    Erfolgsstabil definiere ich in meinem persönlichen Fall recht einfach:

    1. Das Runde muss in Eckige!
    2. Das sollte in Überzahlsituationen kein Zufall, sondern die Regel (jetzt lege ich die Messlatte vielleicht etwas zu hoch😉 ) und somit reproduzierbar sein. (mit reproduzierbar meine ich nicht einstudierte Laufabläufe zu reproduzieren, sondern wiederholter Torerfolg in Serie.)

    Das Video legt den Fokus ja eigentlich sogar auf die Verteidigung des Schusses. Übertragen wäre das mein Verteidigerverhalten in Unterzahl. Auch die kann ich natürlich mit diesem Ansatz gut mit solchen Situationen konfrontieren und zusätzlich pushen, für mich persönlich liegt mein Fokus aktuell aber mehr auf dem erfolgsstabilen Offensivspiel.


    Dem Gedanken aus dem Video folgend könnte ich mir bei uns vorstellen, dass die Mannschaft (z.B. 2gg2 + 2 neutrale), die einen Punkt machen möchte, sich durch ein Tor erstmal ein "Vorteil" (so wie man es aus dem Tennis oder Tischtennis kennt) erspielen muss. Erst wenn sie im "Vorteil" ist, zählen geschossene Tore auch als Punkt. Ob die Kinder das wirklich alles schon so taktisch sehen wie ich, müsste ich durch "Trial and Error" im Training ausprobieren und beobachten. Grundsätzlich empfinde ich es jedoch schon so, dass man je nach Situation (bin ich im Vorteil oder der Gegner oder herrscht gerade "Ausgleich") auch seinen Spielstil anpasst. Es macht zumindest was im Kopf. Bin ich im Vorteil, mache ich (0815-Hobbyniveau) den ersten Aufschlag im Tischtennis auch mutiger und bin vielleicht auch leichtsinniger, als wenn mein Gegner im Vorteil ist. Andererseits muss ich auch gerade dann mutig sein, weil sonst returniert er mir den Aufschlag direkt um die Ohren und er macht den Punkt. Sowas fände ich im Kindertraining mal spannend auszuprobieren und zu beobachten.
    Ich will es hier jetzt nicht ausufern lassen. Zu klären wäre natürlich noch, auf welche Art man sein "Vorteil" wieder verliert. Nur durch einen Gegentreffer? Nach einem eigenen Treffer oder bleibt der Vorteil dann erhalten? Auch durch einen Fehlschuss über die Torauslinie? Sogar schon bei Ausball? Das sind aber Dinge, die man letztendlich auf die persönliche Situation/Mannschaft, den Trainingsschwerpunkt und auch dem eigenen Trainergeschmack anpassen muss.

    Den Nutzen des "Vorteils" als Provokationsregel sehe ich einfach darin, dass die Kinder einfach bereits durchs Regelwerk dazu ermutigt werden, erfolgsstabil / in Serie die Situationen gut auszuspielen. Wenn man sowas in Serie hinbekommen möchte/muss ist ganz anderes Teamwork erforderlich, als wenn jedes Teammitglied es auf eigene Faust versucht. Der erste Erkentnissschritt wäre dann ja, dass man zusammen eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Dann würden sie spüren, welche Laufwege, Passqualitäten, (Pass-)Finten usw. helfen, um erfolgsstabil zu bleiben. Sie erarbeiten sich im Idealfall also selbst die Erfolgsmuster. Das geht natürlich auch ohne die Vorteils-Regel, aber mit ist der Anreiz in meinen Augen um ein Vielfaches höher.

  • Hi let1612 ,

    mit dem Video vom Hockey hast du für mich mal wieder eine völlig neue Tür geöffnet. Vielen Dank dafür:thumbup:


    Ich habe mal etwas weiter in der Video-Serie herumgeschnüffelt und bin auf diesen Trainer hier gestoßen:

    Das mit Abstand beste Training - Andreu Enrich


    Trainer, die sich sehr mit den Gedanken aus dem Buch "Fußball durch Fußball" identifizieren, kann ich das Video mit Andreu Enrich nur wärmstens empfehlen.

    Buchvorstellung "Fußball durch Fußball" im Trainertalk


    Andreu Enrich hat auch ein paar eigene Bücher herausgebracht, die sich vom Titel ebenfalls sehr interessant anhören. Interessant deshalb, da Hockeytrainer im Fußballumfeld ja gar nicht so selten vor kommen -> u.a. Horst Wein, Markus Weise, Bernhard Peters (s. nächster Absatz). Von daher lohnt da bestimmt mal der Blick über den Tellerrand.

    Buchtitel von Andreu Enrich

    SMALL-SIDED GAMES: How to effectively train your players in variable and complex environments

    Hockey: A Philosophical Game

    Hockey: 50 Tips From Intelligent Players


    Und zu guter Letzt fand ich auch die Buchempfehlungen zum Schluss gut: u.a. "2 gegen 1" von Bernhard Peters (kommt ja aus dem Hockey)

    Ich habe mir das Buch Anfang des Jahres geholt, zeitgleich mit "Fußball durch Fußball" (FdF). Ich habe erst FdF gelesen und bin dann zu "Zwei gegen Eins" (ZgE) über gegangen. Die Reihenfolge empfinde ich für mich persönlich im nachhinein als richtig. Nach meinem Empfinden ergänzen sich die beiden Bücher sehr gut. Es gibt inhaltlich Schnittmengen, was den grundsätzlich spielerischen Lernansatz angeht. Das finde ich aber nicht schlimm, sondern eindeutig gut. Einen vergleichbaren Sachverhalt nochmal aus einem anderen Mund "erklärt" zu bekommen, hilft ja manchmal auch gewisse Denkblockaden zu lösen ;). Direkt miteinander vergleichen lassen sich die beiden Bücher in meinen Augen trotzdem nicht (nach dem Motto: Was ist das bessere?). Dafür setzen dann letztendlich die Autoren auch unterschiedliche Schwerpunkte, was man ja auch am Titel erkennt.


    Was ich an FdF, ZgE und auch an Andreu Enrich so spannend finde ist, dass sie sich im Grunde alle mit dem Spiel und dem "Trainings-Warum" auseinander setzen und sogar ganz deutlich dazu ermutigen, sich aus den eigenen "Warum"-Gedanken die Trainingsinhalte (also das "Was") selbst zu erarbeiten.

  • Zu seiner Person er ist extrem stark am Ball hat einen guten Schuss, ein gutes Auge aber Laufbereitschaft, Arbeiten gegen den Ball und Schnelligkeit sind nicht seine Stärken.

    Und nachdem dein Bruder auch schon viele Trainingseinheiten absolviert, schlage ich mal eine Serie/Dokumentation (Netflix) vor: "The last dance" (Dokumentation zu Michael Jordan und den Chicago Bulls). Die genannten Punkte sind aus meiner Sicht kein "Können" sondern "Einstellung" - und da kann man einiges von Michael Jordan lernen.


    Welche Filme/Dokumentationen gehen noch in diese Richtung? Für Tipps bin ich dankbar.

  • Beitrag von luibo ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: Versehen ().
  • "Talent und Glück machen zwanzig Prozent aus. Achtzig Prozent sind Wille und harte Arbeit."

    Dirk Nowitzki in der Dokumentation "Der perfekte Wurf" - auch ein guter Film für den Nachwuchs (findet übrigens auch Bernhard Peters im Buch "Kicken wie die Profis")