Beiträge von Don Quijote

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    Hallo Coach1976 , danke für dein Interesse. Unser Sohn wurde operiert und ist mittlerweile mit der Reha beschäftigt. Er kann den Arm aktuell nur leicht belasten (<=2kg) und auch der Bewegungsradius ist noch eingeschränkt. Aber es wird so langsam besser und die Ärzte erwarten, dass keine bleibenden Schäden zurück bleiben. Er trainiert individuell, aber das Mannschaftstraining fehlt ihm natürlich. Aber dass aktuell keine Meisterschaftsspiele stattfinden, macht es ihm etwas einfacher. Aktuelle Prognose ist, dass er in 4 Wochen wieder voll hergestellt sein wird - dann hat das insgesamt 3 Monate gedauert.


    Grüße

    Oliver

    ich habe wegen dieses Threads mal "Reif ist live" abgeklickt: Das Format ertrage ich kaum, dieser unsägliche Moderator, diese Fragen... =O. Aber den Abschnitt über den Talente GAU habe ich mir angehört.


    Marcel Reif hat sicher Ahnung vom Fussball, aber ich unterstelle mal, dass er vom Nachwuchsfussball keine tiefere Ahnung hat. Vermutlich hat er mal ein U21- oder U19-Länderspiel gesehen. Insofern wird die Diagnose "Talente GAU" alleine an dem festgemacht, was in der Elite ankommt, also an den Ergebnissen der U-Länderspiele und an den Talenten, die in der Bundesliga oder N11 ankommen. Es geht also alleine um den Leistungsbereich, daher kann man in meinen Augen die oben diskutierten Fragen "Lizensierung an der Basis" oder "Bezahlung der Jugendtrainer" vergessen, denn die sind wichtig für den Breitensport, haben aber kaum Einfluss auf den Leistungsbereich.


    Allgemeiner Tenor ist aktuell ja "es fehlen die Straßenfussballer", die auch mal überraschende Dinge ausprobieren, die ins 1:1 gehen, statt den sicheren Querpass zu spielen. Meine Wahrnehmung: Auch heute noch gibt es Kinder, die nichts lieber tun als Fussball zu spielen und die das auch den ganzen Nachmittag lang tun. Das sind vielleicht nicht mehr so viele, wie vor 20 oder 30 Jahren, aber es sind immer noch ausreichend viele, um damit die Elite "füttern" zu können. Das sieht man ja auch an kleineren Nationen, die bekommen ja auch ausreichend Talente zusammen, um eine gute N11 stellen zu können.


    Wo gehen uns die Straßenkicker dann verloren? Ein Punkt ist sicher, dass die Ausbildung in den NLZ extrem Ergebnis-orientiert ist. Die Gründe haben wir ja auch im Forum schon diskutiert. Ein 1:1 geht halt oft auch schief, bei mehr als 40% Erfolgswahrscheinlichkeit gilt man ja schon als Dribbelkönig. Aktuell bekommen es die Spieler im NLZ aber nicht erlaubt, in 60% der Fälle den Ball zu verlieren. Da kann und sollte man ansetzen. Einerseits von Seiten der Trainer, die hier bewusst Ergebnis-technische Nachteile im Sinne der individuellen Ausbildung der Nachwuchskicker in Kauf nehmen müssen. Und zum zweiten von Verbandsseite, Stichwort Auf- und Abstiege im Jugendleistungsbereich. Beide Punkte werden angegangen, sind aber noch weit vom Ziel entfernt.


    Ein wichtiger Aspekt liegt auch im Profibereich. Welcher Verein/Trainer traut sich denn, Nachwuchsspieler einzusetzen, wenn er auch einen erfahrenen Profi für die gleiche Position hat? Der permanente, extreme sportliche und kommerzielle Erfolgsdruck auf die Clubs (Auf-, Abstieg, Europapokal ja/nein...) sorgt dafür, dass Trainer dann lieber auf die alten Spieler setzen, denn da wissen sie, was sie erwartet. Ein junger Spieler braucht aber einen Trainer, der ihn auch einsetzt und der ihn beim ersten Fehler nicht gleich wieder rausnimmt. Ich verstehe z.B. nicht, warum aus unsere U21-NM so wenige Spieler in der Bundesliga eingesetzt werden. Sind die wirklich so viel schlechter als die durchschnittlichen Profis? Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang die Statistik über die Einsatzminuten der Eigengewächse in den einzelnen Clubs. Schalke, Köln und Mainz vorne (Zusammenhang mit der aktuellen Tabellensituation?). Freiburg wird immer genannt, liegt aber nur im Mittelfeld. In Leipzig und bei Union stehen die Chancen für Nachwuchsspieler eher schlecht...


    Letzter Aspekt: Ich glaube, das Signal an die Jungs, die derzeit an der Schwelle stehen, ist verheerend. Die bekommen ständig gesagt "ihr seid so eine schwache Generation, da kommt ja nix!" Wie sollen die Jungs denn Selbstbewusstsein aufbauen? Ich finde das grundfalsch, zumal es nicht die Jungs sind, die die Fehler machen, siehe oben.


    Sorry für den langen Text & Grüße

    Oliver

    Danke! Es ist in einem eng geführten Zweikampf passiert, beide Spieler haben geklammert und sind dann zu Boden gegangen. Der Gegenspieler ist dann unglücklich auf dem Arm meines Sohnes gelandet und hat den Arm dabei verdreht / überstreckt.


    Grüße

    Oliver

    Schöner Mist: Unser Sohn hatte einen Trainingsunfall und ist schwer verletzt worden (mehrfacher Bänderriss im Arm). Gestern war die OP, es lief wohl alles gut, aber er hat große Schmerzen. Und aus der Ferne können wir ihm nicht richtig beistehen....Der einzige Trost ist, dass ich davon ausgehe, dass die medizinische Betreuung dank des Profivereins gut ist. Heute muss er zum Physio.


    Grüße

    Oliver

    Gratulation, hört sich super an!


    Seitens des Forums spricht glaube ich nichts dagegen, den Link einzustellen. Du machst aber dadurch natürlich deine Identität öffentlich, das würde ich mir gut überlegen (und es vermutlich eher nicht machen).


    Grüße

    Oliver

    Das Thema dieses Threads sind die Auswirkungen von Corona auf den Fussball, da ist das off topic.


    Wenn das andauert, dann sprich damit beim Arzt vor. Generell ist es eine schlechte Idee, sich mit Hilfe des Internets zu diagnostizieren und noch schlechter ist die Idee, sich mit Hilfe des Internets selbst zu therapieren.


    Grüße

    Oliver

    Ich weiß nicht, ob man überhaupt bemessen muss, ob es im NLZ und im Breitensportverein "schwerer" ist. Beides stellt einen immer wieder vor quasi unlösbare Probleme:


    Im Breitensport F-Jugend (7:7) hatten wir 2 Spieler, die praktisch nicht am Spiel teilgenommen haben. Beide waren gerne dabei, aber de facto haben die keinen einzigen Zweikampf gewonnen. Als Trainer habe ich mir oft den Kopf zerbrochen, wie ich die Jungs dennoch einsetzen kann. Im Ergebnis stand immer einer der beiden auf dem Feld, aber nie beide gleichzeitig, außer das Spiel war ohnehin schon entschieden (meist gegen uns). Für die stärkeren Spieler war es dennoch sehr frustrierend, dass die Mannschaftsleistung so reduziert wurde. Die wurden auch nicht angespielt, das konnte ich als Trainer auch nicht erzwingen. Oft haben die im Spiel kaum den Ball gesehen. Aber sie waren dennoch eifrig dabei. Was mich als Trainer da regelrecht angek*zt hat war die Spielklasseneinteilung: Wir waren eigentlich immer überfordert, das machte es extrem schwer, die schwachen Spieler mitzunehmen, ohne jedes Speil haushoch zu verlieren.


    Im NLZ habe ich nur die Perspektive als Spielervater. Es war in allen Jahrgängen so, wie Sir Alex es beschreibt, dass es immer Spieler gab, die deutlich heraus stachen, bei uns und auch bei den jeweiligen Gegnern. Natürlich sind die schwachen NLZ-Spieler immer noch recht gute Kicker, aber das Niveau ist halt insgesamt so hoch, dass "recht gut" deutlich abfällt und so auch Spiele oder Turniere entscheidet. Bei vielen Teams habe ich wahrgenommen, dass die sehr früh (schon ab U10, U11) eine Stamm-Besetzung haben, d.h. die Spielzeiten sind nicht mehr gleich verteilt. Ob da nur die Leistung ausschlaggebend ist oder ob andere Faktoren hineinspielen, weiß ich nicht. In den Teams meines Sohnes wurde bis U13 ziemlich durchrotiert, dann wurde zunehmend leistungsbezogen aufgestellt. Der Druck ist auf allen Ebenen hoch: Auf die Spieler, weil sie nicht aussortiert werden wollen. Die Trainer müssen sich erklären, wenn auf dem Turnier gegen eine Breitsportmannschaft verloren wurde. Enormer Druck resultiert alleine daraus, dass es quasi verboten ist abzusteigen. Und das ist z.B. als U14 in der C-Jugend Landesliga gar nicht so einfach.


    Noch ein Satz zu den Spielen an sich: Im NLZ wird deutlich mehr gespielt als im Breitensportverein. Und deutlich meint doppelt so viel oder eher noch mehr! Viele Spiele sind auch gar nicht bei fussball.de aufgeführt, z.B. Testspiele gegen andere NLZs oder Leistungsvergleiche werden oft nicht gemeldet. NLZs nehmen teilweise an einem Wochenende parallel an mehreren Hallenturnieren teil, in dem sie z.B. zwei 8er Teams bilden.


    Grüße

    Oliver

    Ich habe da keinen Gesamtüberblick, aber bei den Schulen, die ich kenne ist es so: Die Eliteschulen werden nicht ausschließlich von (angehenden) Leistungssportlern besucht, sondern lediglich ein kleiner Teil der Schüler zählt zu den Spitzensportlern. Als Beispiel hier die Carl-von-Weinberg Schule in Frankfurt

    Unter den ca. 1.100 Schülern befinden sich etwa 330 Sportler, davon 63 sogenannte High Performer (in der Regel Bundekaderathleten), vornehmlich aus der gymnasialen Oberstufe.

    An der CVW werden die Sportler (hier nicht nur Fussballer, sondern auch Leichtathleten usw.) in Sportklassen zusammen gefasst. Diese Sportklassen bekommen zusätzliches sportartspezifisches Training in der Schulzeit, da kommt z.B. ein Trainer vom DFB morgens an die Schule, um die Fussballer zu trainieren. Es gibt an der CVW auch immer eine starke Schulmannschaft, die es regelmäßig bis zum Bundesentscheid in Berlin schafft. In der Oberstufe gibt es dann keine Klassen mehr.


    An der Schule meine Sohnes ist es anders, da sind auch in Unter- und Mittelstufe die Klassen gemischt zwischen Sportlern und Nicht-Sportlern. Ein Training an der Schule gibt es nicht, stattdessen werden die Fussballer von einzelnen Unterrichtseinheiten freigestellt, um beim Verein trainieren zu können. Das läuft dann so, dass die Jungs zu Beginn der großen Pause abgeholt und auf das nahe Trainingsgelände gebracht werden, dann trainieren die knapp 90 min und sind dann am Ende der nächsten großen Pause wieder in der Schule. Freigestellt werden die Schüler vom Sportunterricht und dann ggf. auch von Nebenfächern, sofern die schulische Leistung passt. Nachgeholt wird der Schulstoff dann in der Nachmittagsbetreuung, wo dann auch Fachlehrer aus der Eliteschule anwesend sind.


    Die Schüler gehen also an die Eliteschulen, weil die durch die Verzahnung mit dem Verein ein intensives Training ermöglichen. Ich denke nicht, dass es funktioniert, an die Eliteschule zu wechseln, um dort ein besserer Sportler zu werden. Das muss im Verein passieren.


    Grüße

    Oliver


    PS: Wir hatten auch zum Wechsel ins Gymnasium ein Aufnahmegespräch in einer Eliteschule des Fussballs. O-Ton des damaligen Sportlehrers "Mir ist egal, ob ihr Sohn in Mathe auf 4 steht, Hauptsache, er kann gut kicken!". Das hat mich schon ziemlich geschockt. Unser Sohn ist dann lieber auf ein normales Gymnasium gewechselt. Die Eliteschule kam dann erst beim Wechsel ins Internat.

    Ich kann bestätigen, dass sehr viele NLZ-Spieler auf Eliteschulen des Fussballs gehen, mein Sohn auch.

    Der Spagat zwischen den (zeitlichen) Anforderungen der Schule und den Anforderungen des Leistungssports ist nur zu schaffen, wenn es eine Kooperation zwischen Verein und Schule gibt.

    Was genau ist denn die Frage dieses Threads?


    Grüße

    Oliver

    Vielleicht wären vom dfb geförderte Jugendleistungszentren ab dem Aufbaubereich eine Option, in denen talentierte Kicker aus ca. 50-60 km Umkreis zu Leistungsteams zusammen gefasst werden und dann eben öfter als 1x pro Woche auf höherem Niveau trainieren.

    Die BFV Leistungszentren gehen ja in diese Richtung. Gibt es so etwas in anderen Bundesländern auch?

    Nein, vom DFB gibt es das außerhalb Bayerns nicht. Aber diese Rolle übernehmen aus meiner Sicht ambitionierte Jugendvereine wie z.B. hier im Rhein-Main Gebiet TSG Wieseck, SG Rosenhöhe oder der Karbener SV 1890 (Liste ist nicht abschließend!). In diesen Vereinen kann ein Jugendlicher durchgängig bis A-Jugend in ziemlich hohen Ligen kicken. Und aus diesen Vereinen gehen auch viele Spieler irgendwann ins NLZ.


    Grüße

    Oliver