Beiträge von Linksfuss

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    [ Viel Spielzeit für alle ] vs [ Wettbewerb ]


    Angestoßen durch mein Feedback an luibo habe ich mir nochmal ein paar Gedanken gemacht, warum die Umsetzung der neuen Spielformen immer noch an so vielen Stellen hakt und es mit reiner Freiwilligkeit in der Praxis so selten funktioniert. Letztendlich komme ich zu dem Schluss, dass unausgesprochen an viel zu vielen Stellen immer wieder der Wettbewerbsgedanke die Konzepte ad absurdum führt und einer sinnvollen Einführung im Wege steht. Ich habe dazu auch mal etwas im Forum gesucht und zumindest in der letzten Zeit einige Beiträge von Coach1976 gefunden, der dort sehr ähnliche / gleiche Gedanken äußert.


    Um im Grundlagenbereich (Minis bis einschließlich E-Jugend) möglichst allen Kindern viel Spielzeit und den Trainern gewisse Gestaltungsspielräum zu ermöglichen (um die Kinder aber auch sich selbst weiter zu entwickeln), muss das Format (Format = Spielform(en) + Spielregeln + Rahmenbedingungen + Durchführungsbestimmungen) eine gewisse Flexibilität mit sich bringen, nur dann sind diese Ziele überhaupt zu erreichen. Desto mehr Flexibilität und Vielfalt im Format steckt, desto unsinniger wird es jedoch in meinen Augen, das ganze mit einem Wettbewerb (Meisterschaft oder Turnier) zu verknüpfen, der über das jeweils einzelne Spiel hinaus geht (Natürlich sollen Tore gezählt werden um festzustellen, welche Mannschaft das Spiel gewonnen hat. Tore sind ja das Salz in der Fußballsuppe, schließlich ist es Ziel des Spiels Tore zu schießen). Ich finde alle Altersklassen des Grundlagenbereichs sollten für den Regelspielbetrieb ein Format haben, das keinen Wettbewerb beinhaltet (z.B. Meister bestimmen). Das immer noch verbreitete Format bei Minis (Spieltreffs mit 7gg7, FPL usw.) oder F-Jugend (Saisonspiele mit 7gg7, FPL usw.) wird immer noch durch den Charakter eines Wettbewerbs dominiert, selbst wenn es offiziell keinen Turniersieger oder eine Tabelle mit einem Meister gibt. Wenn man sich an der Stelle wirklich mal konsequent von dem Wettbewerbsgedanken verabschieden würde, wären auch Formate mit 7gg7 möglich, in denen die Kinder wenigstens etwas mehr Spielzeit als aktuell bekommen. Grundsätzlich sehe ich die Reduzierung der Mannschaftsgrößen als größten Hebel an und das wäre auch mein Wunsch (es geht ja auch um die Qualität der Spielzeit und nicht die reine Quantität) , ich will aber trotzdem kurz andeuten, wie ich das mit dem 7gg7 meine. Ohne weitere Anschaffungen oder größere Platzbedarfe könnte man auch dort sofort Veränderungen vornehmen. Da selbst solche oder ähnliche Dinge von unserem Kreisverband als erster Minischritt nicht initiiert werden ist für mich klar, dass es bei uns vermutlich noch ein sehr weiter Weg sein wird.

    Minischritt für 7gg7: Man könnte mehrere Einzelspiele (z.B. 10 Minuten) machen und die jeweiligen Ergebnisse überhaupt nicht miteinander in Bezug bringen (nicht addieren oder ähnliches). Sie auch gar nicht im DFBnet erfassen oder pauschal 1:1 eintragen, damit der Admin zufrieden ist.

    Macht man kürzere Einzelspiele (z.B. 10 Minuten) mit passenden Verschnaufpausen, könnte man in der F-Jugend in Summe bestimmt auch 50 Minuten spielen anstatt 40 Minuten. Zudem hätten so die Trainer häufiger die Möglichkeit mit den Kindern in Ruhe zu sprechen. Laut FPL ist das ganze Reingebrülle sowieso nicht erlaubt (Trainer sollen nur die nötigsten Anweisungen geben), durch mehr (Coaching-)Pausen könnte das hoffentlich minimiert werden.

    Durch die festen kleinen Zeitblöcke mit anschließender Pause wird es für die Trainer praktikabler die Auswechselspieler entweder untereinander z.B. innerhalb eines 2gg2 Funino auf Hütchen oder sogar zusammen mit den gegnerischen Ersatzspielern zu beschäftigen oder sogar einfach komplett frei und unangeleitet zocken zu lassen.

    Man könnte die Spielzeit anhalten, wenn der Ball nicht im Spiel ist oder auch nach Bauchgefühl nachspielen lassen, damit die Kids auch auf die 10 Minuten Spielzeit kommen.

    Man könnte die Anzahl der Einzelspiele oder die Dauer einer Spielzeit davon abhängig machen, wie viele Kinder die jeweiligen Mannschaften mitbringen. Bei größeren Kadern kann häufiger gewechselt werden, wodurch insgesamt auch länger gespielt werden kann.


    Die regelmäßigen Spielmöglichkeiten (Regelspielbetrieb) im Aufbaubereich würde ich eher als Sparrings-Spiele sehen (Beschreibung bei Wikipedia "Die Absicht des Sparrings ist, die Fähigkeiten der Teilnehmer zu verbessern, während im Wettkampf ein Sieger ermittelt werden soll." Für mich persönlich würde ein solches Format sich darauf konzentrieren, zusammen zuspielen und im miteinander etwas zu lernen, als im reinen gegeneinder den Besseren zu bestimmen.


    Zum Wettbewerb:

    Ab der E-Jugend werden mit Sicherheit auch echte Wettbewerbe (sportlicher Leistungsvergleich -> Ermittlung des Besten -> z.B. als Turnierform) für Kinder interessant und, dass sowas auch für mich als Trainer einen gewissen Reiz ausüben würde, davon kann ich mich auch nicht komplett frei sprechen. Solche Wettbewerbe sollten aber ganz klar vom Regelbetrieb abgekoppelt sein, um dort einfach nicht Anreize zu setzen, die letztendlich wieder dem Gedanken von 'Viel Spielzeit für alle Kinder' entgegenstehen.

    luibo danke für deine Antworten. Die Präsi hält noch ein paar kleine zusätzliche Details bereit, aber im Grunde hattest du alles wesentliche schon geschrieben.

    Du hattest dir ja auch ein Feedback dazu gewünscht, also Bitteschön🙂


    Als Einstimmung habe ich nochmal auf die DFB-Seite geschaut:

    FAQ :: Neue Spielformen im Kinderfußball :: Sportlich :: Projekte & Programme :: DFB - Deutscher Fußball-Bund e.V.

    original_Booklet_-_Spielformen_im_Kinderfußball.pdf?1616499665


    Der DFB macht die Empfehlungen nur für den Grundlagenbereich, also Minis bis einschließlich E-Jugend. Ich beziehe mich hier jetzt auch auf die E-Jugend, da die Altersklasse D-Jugend noch zu weit von mir weg ist, als dass ich dazu eine Meinung habe.


    Insgesamt finde ich euer Umsetzungskonzept richtig gut und vielversprechend. Ich freue mich schon auf ein Update von dir, wenn ihr die ersten Spiele hinter euch habt.😉


    Inhaltlich bewegt es sich, bezogen auf die Spielformen, super innerhalb der Empfehlungen des DFB. Eure Umsetzungsidee empfinde ich als robust-pragmatisch und ich kann sie mir gut am Wochenende auf den Breitensportplätzen vorstellen. Schließlich handelt es sich hier ja nicht um ein Konzept für eine Demo-Staffel mit 6 enthusiastischen Kleinspielform-Trainern, sondern es muss ja mit allen beteiligten Vereinen und Trainern möglichst gut funktionieren.


    Den organisatorischen und materiellen Aufwand am Spieltag finde ich voll ok (2 Spielfelder aufbauen und fertig) und das ist natürlich auch der Preis, wenn man mehr Kinder gleichzeitig und in kleineren Teams ans spielen bekommen möchte. Sollten für das zweite Feld zwei Jugendtore fehlen (nicht vorhanden oder werden zeitgleich woanders gebraucht), könnte man dort laut eurem Konzept auch ein 4gg4 auf 4 Minitore spielen. Die 4 Minitore sollten mindestens als PopUp-Variante doch für jeden Verein finanziell stemmbar sein, daher finde ich diesen Gedanken für das Parallelfeld wirklich gut und auch notwendig, um da nicht direkt einen Grund zu provozieren, weshalb das so nicht von jedem Verein durchgeführt werden kann.


    Dadurch, dass pauschal auf zwei Feldern verpflichtend parallel gespielt werden soll (ist ja Vorgabe !), kommt die nötige Verbindlichkeit in die Veranstaltung. Bei reiner Freiwilligkeit steht man dann doch wieder blöd da, wenn der andere Trainer nur auf einem Feld spielen möchte (hatte Coach1976 ja auch hier berichtet und ich habe dieselben Erfahrungen gemacht). Sollten sich zwei Trainer dann besonders gut verstehen, kann ja immer noch ein drittes Feld aufgebaut werden, wenn genug Kinder dafür da sind. Wer den Wert darin für sich bzw. seine Kinder sieht, wird den Aufwand dafür auch nicht scheuen und bestimmt auch das nötige Material (Markierungshütchen, Minitore u.ä) am Start haben. Aber selbst mit zwei Feldern (Twin-Modus) empfinde ich das in der E-Jugend schon als eine feine Sache.


    Auch im DFBnet sollte das ganze bestimmt auch sehr gut abbildbar sein - ich denke diese Kompatibilität war eine Verbandsvorgabe. Ihr denkt ja weiterhin in Paarungen zwischen lediglich zwei Mannschaften (so behält auch der Staffelleiter seinen Job😉 ) und nicht in Spieltreffs oder Turnieren. Durch die von dir beschriebene Tendenz-Wertung der Teilspiele und dem Addieren zu einem "Endergebnis" kann auch das DFBnet mit einem Ergebnis gefüttert werden (dann ist auch der Funktionär zufrieden😉 ) und es könnte sogar eine Tabelle generiert werden, auch wenn ich spätestens Tabellen inhaltlich als wenig aussagekräftig empfinden würde (Umgang mit Statistiken hatten wir ja letztens schon in einem anderen Thread) und im Sinne dieser Sache sogar als kontraproduktiv einschätze.


    Ich habe Anfang des Jahres selbst an einer Online-Informationsveranstaltung des FLVW teilgenommen. Wenn ich das, was ich dort gehört und gesehen habe, mit dem Vergleiche was ihr hier aufgestellt habt, seid ihr sehr viel weiter. Vor allem, dass ja schon alles so konkret ist und ihr da in der kommenden Saison mit starten wollt. Ich finde es toll, dass euer Landesverband es ermöglicht hat, dass da mehrere Nicht-Verbandspersonen sich regelmäßig abstimmen und so etwas quasi in Hauptverantwortung mit entwickeln. Dass dann noch etwas dabei heraus kommt, das nicht an jeder Stelle nach einem faulen Kompromiss riecht, nur weil jeder Teilnehmer seine Positionen durchdrücken wollte, finde ich das umso erfreulicher.


    Ein ganz sensibles Thema ist finde ich, wie ihr später tatsächlich mit den Ergebnissen umgehen werdet. Etwas grob würde ich es mal so ausdrücken: Ich hoffe nicht, dass das, was an der einen Stelle mühsam aufgebaut wird (Möglichkeiten für viel ungezwungene Spielzeit für alle schaffen), an der anderen Stelle wieder mit dem Hintern eingerissen wird (Ergebnisse erfassen, als Meisterschaftstabelle veröffentlichen oder automatisch als Quali für ein Finalturnier verwenden). Wenn man Wettweberbsformate durchführen möchte, sollten sie meiner Meinung nach formell komplett unabhängig von eurem Twin-Modus-Konzept sein. Meine weiteren Gedanken dazu schreibe ich in einen anderen Thread, da das ein eher allgemeines Thema ist (anderer Thread).

    11Freunde berichtet über die "Gute Tabelle"

    "Der beste Fuß­ball­verein Deutsch­lands? Der SC Frei­burg! Sagt jeden­falls, die „Gute Tabelle“, die die Zukunfts­fä­hig­keit der Bun­des­li­gisten misst. Hier erklären ihre Ent­wickler, wie sie funk­tio­niert."


    Direktlink auf die "Gute Tabelle"


    Die haben da schon ein paar verrückte Dinge in die Tabelle einfließen lassen, u.a. den Parameter 'Gehaltsverzicht (Covid-19)'. Ich würde behaupten, die Tabelle ist auf jeden Fall mal einen Blick wert und ganz unterhaltsam. Insbesondere für dieses Forum ist wohl auch der Parameter 'Trainerverschleiß' interessant ;).

    Hallo luibo.


    Ich habe zu deinem Beitrag ein paar Fragen und würde mich freuen, wenn du die Zeit findest, die mal so kurz wie möglich zu beantworten.


    1. Ich komme jetzt in die E-Jugend im Sommer (FLVW). Wenn ich es richtig verstehe, gehst du im Sommer in die D-Jugend hoch.

    Mit deiner Erfahrung aus zwei Jahren E-Jugend: Wie beurteilst du ganz persönlich diese Änderungen für die Altersklasse E-Jugend? Ich denke, ihr habt vorher in der E-Jugend 7gg7 gespielt. Welche Chancen siehst du, was findest du richtig toll und was vielleicht eher schwierig an dem neuen Modell ein?


    2. Soll das ganze in einer Art Meisterschaft ausgespielt werden und somit auch mit öffentlich einsehbaren Tabellen und Spielergebnissen?


    3. Die Art der Ergebniswertung macht mich neugierig und habe ich so noch nicht gehört. Verstehe ich das richtig, dass das Endergebnis (was vielleicht auch öffentlich einsehbar ist) keinerlei Aussagen über die gefallenen Tore enthält? Ein 4:0 Endergebnis würde bedeuten, dass die Heimmannschaft alle 4 Teilspiele gewonnen hat (egal mit welchem Ergebnis)?


    4. Gab es Empfehlungen für die Leistungsstärken von A1 und A2? Also wie man die Kinder aufteilen sollte (Empfehlungen?). Oder ist da jeder Trainer völlig frei in seiner Entscheidung?


    5. Ich habe mal etwas auf euerer Landesverbandsseite gestöbert. Konkrete Infos wie du sie hier lieferst habe ich da noch nicht gefunden. Hast du zufällig einen Link am Start, der noch mehr Infos bereithält? Vielleicht sogar die Präsentation aus eurer Onlinekonferenz?


    6. Unten sprichst du was von Beteilung der Trainer in diesem Prozess an. Meinst du Projekt "Geballte Nachwuchsentwicklung" ?
    Hast du da selbst auch dran teilgenommen und falls ja, wie ist dein persönliches Fazit? Hat das Spaß gemacht und ist das eine ernstzunehmende Veranstaltung, in der es wirklich (und nicht nur zum Schein) um Feedback und Anregungen aus den Vereinen geht.

    Dankeschön. :)

    Constantin
    Du hast ja schon ein paar wichtige Erläuterungen gebracht (u.a. Corona-Geburt), daher noch 2-3 Gedanken (keine Verbesserungsvorschläge!), mit denen man das Spielprinzip noch etwas variantenreicher gestalten könnte.


    1. Das Spielfeld nach unten nochmal spiegeln, sodass auch A im Rücken ebenfalls eine leere Zone und zwei Minitore hat (Bedinung für die nächsten Punkte). So habe ich automatisch eine richtige Spielsituation (ähnlich wie bei Rückschlagsportarten).

    2. Hinter die jeweiligen Torlinien noch einen zusätzlichen Spieler stellen. Je nachdem wie intensiv das Spiel für die beiden vorne ist, könnte man hier etwas verschnaufen. Alternativ könnten diese Position auch zwei Trainer übernehmen. Ziel: Fehlschüsse auf das Minitor vom Gegner können direkt durch einen Rückpass in die vordere Zone einen Gegenangriff einleiten. Ziel: Intensität hochhalten und Überraschungseffekte ausnutzen. Anspiele aus dem Rücken verarbeiten und dann in die andere Richtung Spielfortsetzung.


    3. Die leere Zone bei A kürzer machen als bei B (macht Seitenwechsel erforderlich). Die Torschüsse/Torpässe von B dürfen aber dann nicht in der Zone von A mit den zwei Spielern aufkommen. Die Zone muss also durch einen kurzen "Flugball" überspielt werden und der Ball darf erst wieder in der leeren Zone aufkommen. Ziel: Varianz im Spiel und Schuss/Passverhalten.


    4. Jetzt beziehe ich mich auf deine Zeichnung (müsste dann auch gespiegelt werden): Zentral direkt hinter der Schutzzone ein kleines "Passfeld" markieren (unterhalb von B2). A könnte dann in das Passfeld eine Art kurzen "Stop" spielen. Zählt als Tor, wenn der Ball zum liegen kommt (funktioniert wahrscheinlich nicht auf Kunstrasen). Erläuft B den Ball, haben sie das Angriffsrecht. Ziel: Zusätzliches Ballgefühl bei A fördern. Situationen und freie Räume erkennen, die Verteidiger im Augen behalten und Unaufmerksamkeiten ausnutzen. B muss immer wachsam sein, ggf. parallel im Feld verschieben und kann nicht nur auf der hinteren Linie ihrer Zone "kleben" (ich vermute, dass das einige Spieler machen) und müsste vermutlich immer leicht versetzt stehen. Dadurch enstehen wieder neue Passmöglichkeiten für die Angreifer.

    Zu Frage eins, dem Ballhalten 4 gg 2:


    Hallo Marthi,

    ich gehe mal nur auf ein paar formelle Dinge ein, die den Spaß bei deinen Kindern vielleicht etwas länger hoch halten:

    Ich hatte mir letztens ähnliche Gedanken zu meiner Mannschaft gemacht (F-Jugend, leistungs- und jahrgangsmäßig gemischt, kleiner Verein) und habe erste Versuche mit so einer Sache im 3 gg1 Rondo gemacht: Ich habe um die Rondo-Markierung Hütchen aufgestellt. Immer, wenn jemand einen Pass gemacht hat, durfte er (wenn er wollte) ein Hütchen umtreten. Das Ziel war dann alle Hütchen umzutreten (anstatt das bloße Hochzählen bis z.B. 10 wie bei Erwachsenen) bevor der Verteidiger sich befreien konnte. Eine Variation wäre noch, auf die Hütchen Tennisbälle zu legen (habe ich auch ausprobiert). In der ersten Aktion muss dabei der Tennisball vorsichtig mit dem Fuß heruntergeschubst werden, erst dann ist das Hütchen frei und dürfte in einer neuen Aktion umgetreten werden. Ich habe auch schon Fußbälle um das Rondo-Feld bereitgelegt, die dann in ein Minitor gepasst werden konnten (z.B. Treffer zählt dann wie ein gefallenes Hütchen). Das Spiel lebt natürlich von einem gewissen Fluss, sonst ist man immer nur am Aufbauen (was die Kinder aber selbst machen können). Daher musste der Verteidiger bei uns 3 Ballberührungen machen, damit das Spiel vorbei war. Die konnte er dann ansammeln (z.B. immer nur mit der Fußspitze am Ball gewesen) oder bei einer richtigen Balleroberung dann schnell 3-mal berühren. Dann wurde eben wieder aufgebaut. Es war interessant zu beobachten, wie hütchenfixiert fast alle Kinder waren. Es gehört natürlich letztendlich mit zur Spieltaktik, nicht immer nach dem Pass kopflos abzudrehen um ein Hütchen platt zu machen. Unterm Strich muss ich sagen, dass das eigentlich schon gut geklappt hat (die Kinder hatten bereits einige Rondo-Erfahrung), dass da richtig Pfeffer im Spiel war, ich das in Zukunft auch häufiger machen möchte und auch weiterhin versuche da Dinge rein zu bringen, die noch mehr dem Spieltrieb der Kinder folgen. Noch läuft das auf einem relativ niedrigen taktischen Niveau bei uns ab, aber das hat in meinen Augen unheimliches Potential. Beispielsweise die Vororientierung (wo steht überhaupt noch ein Hütchen zum umtreten) oder auch die Laufbewegung zum Hütchen selbst (drehe ich meinen Mitspielern den Rücken zu oder versuche ich rückwärts mich rückwärts mit Blickkontakt zum Ball zu bewegen).


    Natürlich könnte ich als Steigerung des 3 gg 1 auch auf andere Rondo-Formen gehen (Mehrfelder oder größere Zahlenverhältnisse) und das habe ich auch schon vereinzelt gemacht, allerdings habe ich in meiner Mannschaft auch das Gefühl, dass ich dafür in Summe noch nicht genug Kinder habe, die diesen Formen gewachsen sind. Daher versuche ich erstmal aus den Kleingruppen-Rondos noch mehr heraus zu kitzeln. Außerdem sind sie ja noch so jung und ich muss ja nicht schon alle Rondo-Formen in der F-Jugend verheizen. ;-)


    Für mich habe ich schon das Gefühl, dass Rondos auch bei Kindern durchaus mal 20 Minuten dauern können und auch die Konzentration erhalten bleibt, selbst wenn mal nicht direkt ein Tor im Spiel ist. Für sich genommen ist das für mich schon eine vollwertige Spielform und wesentlich mehr, als bloße Korrekturübung. Zwischendurch notfalls mal mit einer kurzen Trinkpause unterbrechen. Das funktionierte bei uns dann 20 Minuten lang schon ganz gut.

    Das ist jetzt nur mal beispielhaft für diesen Thread und es lassen sich bestimmt noch unzählige andere Threads finden:

    Was in meinen Augen die Antwort von Charles De Goal und Trainer E am elementarsten unterscheidet ist, dass beide Vorschläge im Ursprung auf vollkommen unterschiedlichen didaktischen Ansätzen beruhen (was so aber erstmal nicht erkennbar ist). Charakteristisch für den Ansatz von Charles De Goal , der vermutlich verbreitetsten Art der Trainingslehre im deutschen Fußball, ist bestimmt das Zergliedern ("isolieren"), während Trainer E Antwort auf einer ganzheitlicheren Betrachtung basiert (s. auch Anmerkung von Skriwer ). Untrennbar damit verbunden und total wichtig sind nach meiner Auffassung aber auch Begriffe wie "Explizit" und "Implizit", die unterschiedlichen Rollenbilder des Trainers, die Einbeziehung der "Schüler" in den Lernprozess, die Vermittlungsmethoden usw. Ganz am Ende würde ich behaupten, dass beide Ansätze - jetzt mal konkret im Rahmen des Fußballs betrachtet- sogar unterschiedliche (Trainings-)Ziele verfolgen. Daher ist auch die Art den Fußball zu denken eine andere. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung isoliert und zerlegt man das Fußballspiel bei der ganzheitlichen Betrachtung auch, aber nach völlig anderen Maßstäben, Prioritäten und Kategorien. Und diese Denke führt dazu, dass natürlich auch die Trainingsinhalte anders sind, nur dummerweise teilweise gleiche oder ähnliche Bezeichnungen verwendet werden (z.B. "Spielform"), die im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes aber eine ganz andere Bedeutung haben. Das führt zum Einen immer wieder dazu, dass es in einigen Threads zu (krassen) Missverständnissen kommt und gleichzeitig schwingt dann immer wieder mal durch, dass doch im Grunde alle Foristen vom Gleichen sprechen und einige einfach nur etwas extremere Meinungen innerhalb desselben Mindsets vertreten. Auch, wenn ich noch nicht so lange dabei bin und bestimmt nicht soviel Erfahrung habe, wie manch anderer hier, würde ich eins doch mal klar benennen wollen: Wir reden hier gerade definitiv über zwei im Kern vollkommen unterschiedliche Denkweisen (Mindsets).


    Die Autoren des Buchs "Fußball durch Fußball" haben den ganzheitlichen Ansatz nach meinem Empfinden echt toll aufgearbeitet und beleuchten die unterschiedlichsten Facetten dieser Herangehensweise (auch mit Quellennachweisen). Da letztendlich alles miteinander zusammenhängt und es dort nicht einfach den Absatz "Taktik: Hinterlaufen" gibt, den man im Forum mal locker zitieren könnte, fällt es denke ich auch viel schwerer sich im Rahmen von Threads wirklich tiefgreifend mit dem Konzept auseinander zu setzen oder zumindest es vollumfänglich vorzustellen. Interessierten Trainern kann ich da beispielhaft dieses Buch empfehlen (aber da erzähle ich ja den meisten von euch nichts Neues). Grundsätzlich ist das aber keine Geheimreligion und darauf gibt es auch kein Patent, sondern man findet dazu mit ganz großer Sicherheit auch auf eigene Faust ganz viele (wissenschaftliche) Dinge durch Suchen im Internet. Auch hier im Forum gibt es so einige Beiträge zu dem Thema. Und auch mindestens zwei andere Bücher die ich gelesen habe, gehen den selben Weg.


    Ich muss sagen, dass ich mich mit dem ganzheitlichen Ansatz total wohl fühle. Was man bestimmt nie unterschätzen darf ist die Persönlichkeit des Trainers an sich, wie er seine Rolle sieht und definiert, welche Interessen er hat und auch wie die Rahmenbedingungen vor Ort sind (Größe des Vereins, Vorstand, die Kinder der eigenen Mannschaft, eigene Fußballvergangenheit, Trainingsbedingungen usw. usw.). Auch das sind doch ganz entscheidende Dinge, die Einfluss auf das Training haben. Noch mehr als die sportlichen Argumente des ganzheitlicheren Ansatzes hat mich z.B. das Rollenbild des Trainers überzeugt, da ich im ganzheitlichen Ansatz gefühlt meine Stärken und Interessen viel besser einbringen kann und meine Schwächen nicht so stark ins Gewicht fallen. ;)


    Hier noch ein grundsätzlicher Vorschlag für die Zukunft:

    Vielleicht macht es Sinn, bei Fragen dieser Art zukünftig als allererstes zu klären, nach welchem Ansatz aktuell trainiert wird bzw. innerhalb welches Ansatzes der Fragensteller Hilfe braucht. So wie man bei allem, was mit Computer zu tun hat, auch immer erstmal das "Betriebssystem" nennen sollte.

    Alternativ könnte man natürlich auch dazu schreiben, basierend auf welchem Ansatz man die Antwort gegeben hat. Wenn das klar gekennzeichnet ist, würden Antworten unterschiedlicher Mindsets wenigstens nicht in Konkurrenz zueinander, sondern einfach parallel miteinander stehen.

    Sollte das Anklang finden wäre nur die Frage, wie man das Eine und das Andere nennt, damit Missverständnisse ausgeschlossen sind? ;)

    da bin ich doch froh B-Jugend Trainer zu sein. Da muss man sich über nichts Gedanken machen seit Oktober;(;(

    Das ist schon heftig und wirklich ein verdammt langer Zeitraum. Da ich weder Jugendliche in dem Alter noch Trainer kenne (wir haben die Jugend gar nicht besetzt), sind die älteren Jahrgänge für mich quasi gar nicht präsent. Drücke allen Betroffenen die Daumen, dass da demnächst doch mal wieder irgendwas geht und wenn es so wie jetzt bei den Kindern kontaktlos und in kleinen Gruppen sein sollte. Zumindest dem Fitnessgedanken könnte ja so Rechnung getragen werden und ganz viele klassische Übungsformen kommen ja i.d.R. auch ohne aktive Gegenspieler aus, wodurch ja auch fußballerisch in solchen Trainings einiges ginge.

    Passt hier vielleicht noch ganz gut hin:
    NORBERT ELGERT im Interview des Monats | FC Schalke 04


    Kann hier schlecht alles zusammenfassen, aber er äußert sich u.a. zum richtigen Alter für den Sprung in die Bundesligakader (Verkürzte Auflösung: Gibt kein richtiges Alter. Hauptsache man schafft es und kann dann mindestens sein Niveau halten. ;)). Zudem erzählt er vom Nicht-Training seiner Jungs im ersten Lockdown und seine Einschätzung zu den Auswirkungen der Coronapausen auf die Entwicklung der Kinder / Jugendlichen / jungen Erwachsenen. Eher zum Ende spricht er über Malick Thiaw und wie er seine Zukunft einschätzt. Abschließend dann noch seine Kaderplanung für die kommende Saison.

    Kala Da hast du mich jetzt aber wirklich neugierig gemacht. Auch ich bin fest davon ausgegangen, dass nur Schnelltests akzeptiert werden. Nach ein bisschen googeln habe ich das hier vom Berliner Fußballverband gefunden. Ob das auch auf andere Bundesländer und Kreise übertragbar ist, kann ich nicht sagen. Schön finde ich jedenfalls, dass die auch etwas zu Gruppenanzahlen auf dem Platz schreiben und somit auf die Trainingspraxis eingehen. Selbst wenn das für mich in NRW wohl maximal als gut gemeinter Rat zu sehen ist, finde ich es besser als nichts. Vom FLVW habe ich leider noch nichts in der Richtung gehört.


    Das bedeutet die Corona-Notbremse ǀ Berliner Fußball-Verband e. V.

    hier ein kleiner Auszug aus dem Artikel (im Originalartikel gibt es noch einen Link auf die Verordnung mit §6b):
    "..Als „anerkannte Tests“ gelten keine einfachen Selbsttests. Es ist ein offiziell zertifiziertes Negativergebnis notwendig. Die Voraussetzungen die ein solches Zertifikat erfüllen muss, sind in §6b der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Berliner Senats geregelt. Die geltenden Regelungen zum Nachweis eines negativen Tests und der Umgang mit Selbsttests sind auch Gegenstand der kommenden Sitzung des Berliner Senats am Dienstag, den 27. April - bis dahin gelten bezüglich der Tests die unter §6b festgelegten Voraussetzungen. .."


    Demnach wird dort heute auch im Berliner Senat über Schnelltest </> Selbsttest diskutiert.

    Makaay

    Die Bundesregierung / Bundesweite Notbremse beschlossen


    Bei Inzidenz über 100:

    "Eingeschränkte Freizeit- und Sportmöglichkeiten: ... Ausnahme: Kinder bis 14 Jahre können draußen in einer Gruppe mit bis zu fünf anderen Kindern kontaktfrei Sport machen."


    Das ist denke ich die aktuellste Übersicht. Muss wohl noch in ein Gesetz gegossen und vom Bundespräsidenten unterschrieben werden.

    Wieviel sich daran auf den letzten Metern noch ändern kann, kann ich nicht einschätzen. Und wieviel dann tatsächlich davon in deinem Landkreis ankommt, wird man wohl auch abwarten müssen. :/


    Für meine persönliche Situation wäre das schon eine gravierende Einschränkung (aktuell max. 10er-Gruppen mit Kontakt). Für andere Trainer hier im Forum wohl ein erster Hoffnungsschimmer.

    Natürlich kann man an so einem Wettbewerb teilnehmen, solange die "offiziellen" Wettbewerbe dadurch nicht beeinträchtigt werden. Wenn ich dann noch Nationalmannschaft dazurechne, wird das für den Spieler ziemlich viel und terminlich ohnehin zweifelhaft.

    Fragt sich nur, ob die "offiziellen" Wettbewerbe noch Spieler mitspielen lassen werden, die bei so hochpreisigen Privatwettbewerben (in diesem Fall die Super League) zum Einsatz kommen. Sie wurden ja schließlich auch mit dem Geld aus diesen Privattöpfen angeschafft bzw. müssen wahrscheinlich über Jahre aus den jährlichen garantierten Zahlungen (unabhängig vom sportlichen Erfolg) abbezahlt werden. Letztendlich müssten die offiziellen Wettbewerbe und nationalen Ligen ja in gewisser Hinsicht ihre Wettbewerbsteilnehmer auch schützen bzw. ihnen einen einigermaßen fairen, sportlichen Wettkampf garantieren.


    Erinnert mich irgendwie an die Hobbyturniere damals. Da durften auch keine Profis mitspielen. Unter Kategorie "Profi" viel da jeder, der höher als Kreisliga A spielte :D. So wurde der sportlich faire Wettbewerb sichergestellt und auch der Preis für den ersten Platz (Getränkemarken) kam letztendlich auch den Spielern zu gute, die ihn vorher am Getränkestand selbst finanziert hatten. Fremdkapital war da nicht. ;)

    Skriwer Ich denke, du meinst das hier. Die Vorbereitungen dazu laufen anscheinend schon.


    Reform der Champions League – der Plan, der Streit, die Hintergründe


    "WDR / Die UEFA will die Champions League ab 2024 radikal umbauen. Am Montag fällt die Entscheidung. Die UEFA verspricht mehr „Sicherheit und Stabilität“. Doch profitieren dürften von der Reform vor allem die großen Klubs. (Aufgrund aktueller Entwicklungen hat die Redaktion eine aktualisierte Version des Beitrags hochgeladen. Zu sehen war dieser Beitrag auch in der ARD Sportschau am 18. April um 18.30 Uhr.)"

    Hi let1612 ,

    mit dem Video vom Hockey hast du für mich mal wieder eine völlig neue Tür geöffnet. Vielen Dank dafür:thumbup:


    Ich habe mal etwas weiter in der Video-Serie herumgeschnüffelt und bin auf diesen Trainer hier gestoßen:

    Das mit Abstand beste Training - Andreu Enrich


    Trainer, die sich sehr mit den Gedanken aus dem Buch "Fußball durch Fußball" identifizieren, kann ich das Video mit Andreu Enrich nur wärmstens empfehlen.

    Buchvorstellung "Fußball durch Fußball" im Trainertalk


    Andreu Enrich hat auch ein paar eigene Bücher herausgebracht, die sich vom Titel ebenfalls sehr interessant anhören. Interessant deshalb, da Hockeytrainer im Fußballumfeld ja gar nicht so selten vor kommen -> u.a. Horst Wein, Markus Weise, Bernhard Peters (s. nächster Absatz). Von daher lohnt da bestimmt mal der Blick über den Tellerrand.

    Buchtitel von Andreu Enrich

    SMALL-SIDED GAMES: How to effectively train your players in variable and complex environments

    Hockey: A Philosophical Game

    Hockey: 50 Tips From Intelligent Players


    Und zu guter Letzt fand ich auch die Buchempfehlungen zum Schluss gut: u.a. "2 gegen 1" von Bernhard Peters (kommt ja aus dem Hockey)

    Ich habe mir das Buch Anfang des Jahres geholt, zeitgleich mit "Fußball durch Fußball" (FdF). Ich habe erst FdF gelesen und bin dann zu "Zwei gegen Eins" (ZgE) über gegangen. Die Reihenfolge empfinde ich für mich persönlich im nachhinein als richtig. Nach meinem Empfinden ergänzen sich die beiden Bücher sehr gut. Es gibt inhaltlich Schnittmengen, was den grundsätzlich spielerischen Lernansatz angeht. Das finde ich aber nicht schlimm, sondern eindeutig gut. Einen vergleichbaren Sachverhalt nochmal aus einem anderen Mund "erklärt" zu bekommen, hilft ja manchmal auch gewisse Denkblockaden zu lösen ;). Direkt miteinander vergleichen lassen sich die beiden Bücher in meinen Augen trotzdem nicht (nach dem Motto: Was ist das bessere?). Dafür setzen dann letztendlich die Autoren auch unterschiedliche Schwerpunkte, was man ja auch am Titel erkennt.


    Was ich an FdF, ZgE und auch an Andreu Enrich so spannend finde ist, dass sie sich im Grunde alle mit dem Spiel und dem "Trainings-Warum" auseinander setzen und sogar ganz deutlich dazu ermutigen, sich aus den eigenen "Warum"-Gedanken die Trainingsinhalte (also das "Was") selbst zu erarbeiten.

    Hockey-Video von let1612


    Ich habe mir das Video auch mal angeschaut, obwohl ich von Hockey keine Ahnung habe. Eigentlich handelt das Video ja inhaltlich um das Verteidigen des Schusses nach einer kurzen Ecke. Verschiedene Weltklasseverteidiger werden in ihrer Verteidigungsstrategie analysiert, was ich persönlich sehr interessant fand. Wie Trainer E ja schon vermutete, haben kurze Ecken anscheinend einen größeren Einfluss auf den Spielverlauf beim Hockey.
    Wirklich entscheidend in Bezug auf Tor -> kurze Ecke wird es dann hier:

    Das mit Abstand beste Training - Nicklas Beneke / Minute 27:00


    let1612 Ich interpretiere den Kern der Aussage im Video glaube ich etwas anderes als du. Ich finde es geht nicht darum, das Tor durch irgendeine Standardsituation nochmal zu "bestätigen", auch wenn er es wörtlich so sagt :/. Im Grunde geht es dem Trainer im Video vielmehr sogar nur um die Ecke und eine möglichst erfolgsstabile Ausführung, da der Umgang damit anscheinend einen unheimlich hohen Stellenwert für den Spielverlauf hat. Und er nutzt die Motivation der Angreifer (falls sie die Ecke verwandeln zählt das Tor) und der Verteidiger (wenn sie den Schuss geblockt bekommen, verhindern sie doch noch das eigentlich schon aus dem Spiel kassierte Gegentor), um eine möglichst hohe Konzentration und Ausführungsqualität (Angriff und Verteidigung) zu provozieren. Was ich in diesem Beispiel zusätzlich schön finde ist, dass die Defensive nochmal die Chance hat, als Team den ursprünglichen Gegentreffer wett zu machen. Und auch im Angriff habe ich den (leienhaft gesagt) Eckenballspieler, Ballstopper und Torschützen. Auch dort ist eine Teamleistung erforderlich, wenn ein Tor gelingen soll. Das hat für mich einen ganz eigenen Charakter, da der Fokus in Spielformen ja gerade auf Agieren-als-Team, Spielverständnis und auch die Spielerkommunikation liegt. Wenn ich mich jetzt ganz konkret auf die Situation im Video beziehe, fände ich die Interpretation "kurze Ecke im Hockey" -> "Elfmeter im Fußball" etwas zu kurz gedacht, da in dem ursprünglichen Gedanken glaube ich viel mehr Potential steckt. Grundsätzlich ist gegen den Gedanken mit dem Elfmeter aber natürlich gar nichts einzuwenden und sobald es in den Spaßbereich geht, wird es spätestens Geschmackssache und da tickt ja auch jeder Trainer anders.


    Für meine persönliche Situation (F-Jugend) könnte ich mir folgende Übersetzung vorstellen: Für mich stellt sich die Frage, welche Situationen im (Kinder)fußball für meine Mannschaft echt wichtig und häufig spielentscheidend sind (vgl. kurze Ecke im Hockey). Und da muss ich bspw. an das erfolgsstabile Ausspielen von Überzahlsituationen mit Zug zum Tor denken. z.B. 2gg1, 3gg1 oder 4gg2.
    Erfolgsstabil definiere ich in meinem persönlichen Fall recht einfach:

    1. Das Runde muss in Eckige!
    2. Das sollte in Überzahlsituationen kein Zufall, sondern die Regel (jetzt lege ich die Messlatte vielleicht etwas zu hoch😉 ) und somit reproduzierbar sein. (mit reproduzierbar meine ich nicht einstudierte Laufabläufe zu reproduzieren, sondern wiederholter Torerfolg in Serie.)

    Das Video legt den Fokus ja eigentlich sogar auf die Verteidigung des Schusses. Übertragen wäre das mein Verteidigerverhalten in Unterzahl. Auch die kann ich natürlich mit diesem Ansatz gut mit solchen Situationen konfrontieren und zusätzlich pushen, für mich persönlich liegt mein Fokus aktuell aber mehr auf dem erfolgsstabilen Offensivspiel.


    Dem Gedanken aus dem Video folgend könnte ich mir bei uns vorstellen, dass die Mannschaft (z.B. 2gg2 + 2 neutrale), die einen Punkt machen möchte, sich durch ein Tor erstmal ein "Vorteil" (so wie man es aus dem Tennis oder Tischtennis kennt) erspielen muss. Erst wenn sie im "Vorteil" ist, zählen geschossene Tore auch als Punkt. Ob die Kinder das wirklich alles schon so taktisch sehen wie ich, müsste ich durch "Trial and Error" im Training ausprobieren und beobachten. Grundsätzlich empfinde ich es jedoch schon so, dass man je nach Situation (bin ich im Vorteil oder der Gegner oder herrscht gerade "Ausgleich") auch seinen Spielstil anpasst. Es macht zumindest was im Kopf. Bin ich im Vorteil, mache ich (0815-Hobbyniveau) den ersten Aufschlag im Tischtennis auch mutiger und bin vielleicht auch leichtsinniger, als wenn mein Gegner im Vorteil ist. Andererseits muss ich auch gerade dann mutig sein, weil sonst returniert er mir den Aufschlag direkt um die Ohren und er macht den Punkt. Sowas fände ich im Kindertraining mal spannend auszuprobieren und zu beobachten.
    Ich will es hier jetzt nicht ausufern lassen. Zu klären wäre natürlich noch, auf welche Art man sein "Vorteil" wieder verliert. Nur durch einen Gegentreffer? Nach einem eigenen Treffer oder bleibt der Vorteil dann erhalten? Auch durch einen Fehlschuss über die Torauslinie? Sogar schon bei Ausball? Das sind aber Dinge, die man letztendlich auf die persönliche Situation/Mannschaft, den Trainingsschwerpunkt und auch dem eigenen Trainergeschmack anpassen muss.

    Den Nutzen des "Vorteils" als Provokationsregel sehe ich einfach darin, dass die Kinder einfach bereits durchs Regelwerk dazu ermutigt werden, erfolgsstabil / in Serie die Situationen gut auszuspielen. Wenn man sowas in Serie hinbekommen möchte/muss ist ganz anderes Teamwork erforderlich, als wenn jedes Teammitglied es auf eigene Faust versucht. Der erste Erkentnissschritt wäre dann ja, dass man zusammen eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Dann würden sie spüren, welche Laufwege, Passqualitäten, (Pass-)Finten usw. helfen, um erfolgsstabil zu bleiben. Sie erarbeiten sich im Idealfall also selbst die Erfolgsmuster. Das geht natürlich auch ohne die Vorteils-Regel, aber mit ist der Anreiz in meinen Augen um ein Vielfaches höher.

    Also ich bin nicht grundsätzlich / aus Prinzip gegen Bezahlung von Trainern im Breitensport-Kinderfußball. Ich vermute nur, dass in den weniger professionalisierten Breitensportvereinen (dazu zähle ich meinen ausdrücklich auch!) nicht die Strukturen sind, in denen das Geld auch echte Wirkung zeigt.

    Auf einer etwas höheren Ebene scheint mir, zumindest in Minis und F-Jugend, vielleicht noch E-Jugend, das Geld besser investiert zu sein, wenn der sportlich-administrative Bereich (Stichwort Jugendobmann) einen Qualitätsschub erhält. Das kann ja auch gut eine Rolle für einen NLZ-erfahrenen Kindertrainer sein, der sich vom Tätigkeitsfeld verändern möchte.

    So jemand sollte dann auch ein Auge dafür haben, welche Eltern als Trainer in der F-Jugend in Frage kommen können (großes Herz, Mentalität, Persönlichkeit usw.). Er kann sie begleiten, betreuen und gezielt weiterbilden. Er kann bei Trainingsinhalten unterstützen (sagte ich ja bereits oben). Er kann sich auch Gedanken zu Anschaffungen machen (Minitore) und wie von diesen Anschaffungen möglichst viele Teams profitieren können (ggf. Trainingsplatznutzung planen). Oder wie soll der Verein mit großen Kinderzahlen im F-Jugendbereich umgehen? Mehrere 7er-Teams? Oder nur ein 7er-Team und mit den übrigen Kids zu Funino-Festivals? Das sind strategische Entscheidungen, die ein neuer Eltern-Trainer ohne jeglichen Erfahrungsschatz gar nicht überblicken kann. Und ein gewählter Jugendobmann, der nach den Vorstandswahlen selbst nicht weiß, warum er das Amt angenommen hat, kann das erst recht nicht. Das wäre in meinen Augen ein Modell, "Job" (Kinderjugendleiter) und "Ehrenamt" (Kindertrainer) in einem Breitensportverein unter einen Hut zu bekommen, ohne dass es direkt zu Streitigkeiten wegen des Geldes kommt.


    Erst dann, wenn das alles verlässlich funktioniert, ist nach meinem Empfinden überhaupt eine strukturelle Basis da, über nennenswerte Trainerbezahlungen nachdenken zu können. Wobei ich auch dazu sagen möchte, dass so ein Jugendleiter-Job durchaus auch Ehrenamtlich laufen kann. ABER für diesen Posten ist mit Sicherheit mehr Know-How und Erfahrung notwendig, als man allein durch die erfolgreiche Teilnahme eines C-Scheins erhält. Da dann wirklich auch die richtigen Leute für den Posten zu finden, ist mit Sicherheit etwas schwieriger. Und wenn man dann das Geld dafür hat, ist es an der Stelle bestimmt richtig gut investiert!


    Ohne diese Kompetenz auf Ebene des Kinderfußballleiters frage ich mich ansonsten nämlich, wer im Verein überhaupt die Gespräche mit potentiellen Trainerkandidaten führen soll? Und nach welchen Kriterien dann die Wahl getroffen wird? Entscheidet dann der Kassierer darüber, wer bezahlter Kindertrainer wird? Er geht dann wahrscheinlich nach dem Preis und nimmt den billigsten. Und welche Institution beurteilt und betreut dann die Arbeit der bezahlten Kindertrainer? Der erste Vorsitzende, der sich die Spielergebnisse vom Wochenende vorlegen lässt? Vermutlich wird es für die Trainer auch nur befristete Verträge geben. Und wenn sich dann kurz vor der Sommerpause doch ein Vater/ eine Mutter als Trainer für die kommende Saison bereiterklärt, wird womöglich kurzerhand ein vertrauensvoller Bezahl-Trainer in den Wind geschossen, da man mit dem Vater-Trainer doch leicht ein bisschen Geld in der nächsten Saison einsparen kann. Das sind zumindest die Gedanken, die mir zu dem Thema Geld im Breitensport-Kifu durch den Kopf schießen.


    In den älteren Jahrgängen kenne ich mich nicht aus, daher belasse ich es hier mal besser bei den Altersklassen der Kinder.

    Höhere Beiträge habe ich schon mehrfach vorgeschlagen. Das ist in vielen Vereinen aber ein No-Go.

    Nur zum Verständnis: Würde die Beitragserhöhung dann deiner Meinung nach dem Zweck der Bezahlung der Trainer erfüllen?

    Ich denke nur wo Geld im Spiel ist ist Qualität im Spiel.

    An der Basis im Breitensportverein frage ich mich, ob man sich mit Geld wirklich die erhoffte Qualität ins Haus holen kann. Soviel Geld kann glaube ich kein Basis-Breitensportverein zahlen, dass die sportliche Perspektive dem Trainer völlig egal ist. D.h. es würde sich bestimmt jemand finden, der einen Trainerschein hat uns sich damit etwas dazuverdienen möchte. Wenn die Vorstellungen des Trainers (er weiß, dass er auch auch bessere Teams trainieren könnte, schätzt aber die Atmosphäre und örtliche Nähe zu dem Verein) sich mit den Vorstellungen des Vereins decken, will ich das nicht komplett ausschließen, aber in der Breite über alle Vereine wird darin nach meinem Bauchgefühl nicht die Lösung liegen.


    Was man durch Geld (sollte der Verein genug auftreiben können) aber mit Sicherheit realisiert bekommen würde, ist eine solide Grundbetreuung aller Jugendteams. D.h. der Verein ist dann nicht darauf angewiesen auf dem Schützenfest in der Sommerpause noch zwei Alte Herren-Spieler zu "überzeugen", ab dem Herbst doch die F2 zu trainieren. Und wenn das nicht klappt setzt der Verein den Eltern die Pistole auf die Brust und sagt, "entweder von euch macht es jemand oder es wird die Mannschaft gar nicht geben". Alleine diese Grundbetreuung von Saison zu Saison sicher zu stellen, könnte man natürlich auch als Qualität bezeichnen, wobei du denke ich eher auf die individuellen Fähigkeiten des einzelnen Trainers abzielst.


    Durch das Geld werden sich bestimmt auch die Typen auf den Trainerposten verändern, die dann die Kinder trainieren. Das wird dann vielleicht auf einmal für einen Schüler interessant, der sonst sein Geld am Wochenende an der Tanke verdient. Das muss nicht schlecht sein und ist vielleicht auch eine großartige Chance junge Leute früh einzubinden. Ein großer Vorteil von Elterntrainern im Kinderbereich ist jedoch glaube ich schon, dass sie die Altersklasse und die Sorgen und Nöte der Kinder, aber auch der Eltern sehr gut kennen, einfach weil sie selbst sehr nah dran sind.


    Zudem sehe ich im Basis-Breitensportverein ein bisschen die Gefahr, dass durch zu viel Geld eine Blase entsteht. Sollte der Geldstrom, warum auch immer (z.B. Corona), abreißen, platzt auch die Blase. Und ehrenamtliche Trainer/Leute mit eigener Vereinsgeschichte gibt es dann nicht mehr, auf die man zurückgreifen kann. Das fällt ja jetzt schon vielen Vereinen schwer aus dem Umfeld überhaupt Leute zu begeistern. Liegt das erstmal komplett am Boden, stelle ich es mir extrem schwierig vor, das wieder aufzubauen. Zumindest solange, wie nicht ein richtiger Umbruch um Verein stattfindet.


    Wo ich eine viel größere und nachhaltigere Chance sehe Geld im Breitensportverein einzusetzen, ist auf der Ebene der sportlichen Leiter / Jugendkoordinatoren / Trainerkoordinatoren. Je nach Situation vor Ort (jeder Verein ist da bestimmt anders), könnte so jemand Basis-Spielformen insbesondere für die Kinderteams erarbeiten und die Eltern-Trainer in der Umsetzung betreuen. In manchen Vereinen nennen sich solche Leute glaube ich auch "Kleinfeldkoordinatoren". Sie könnten sich auch um gewissen Papierkram kümmern (Fördergelder). Sie könnten auch schauen, welche Trainer vielleicht welche Fördermaßnahme weiterbringen würde. Und dann entweder intern schulen oder den jeweiligen Trainern Kurzschulungen raussuchen (praktische oder online). Sie könnten auch eine Art internes Trainer-Blog pflegen in das Neuigkeiten eingestellt oder auch interessante Online-Artikel gepostet werden. Im Grunde schwebt mir eher eine "Professionallisierung" des klassischen Jugendleiters vor. Natürlich geht es dann auch darum zu schauen, dass die Teams mit ausreichend Kindern besetzt sind. Ggf. müsste dann mal Werbung gemacht werden. Oder mal ein Fußballsportfest organisiert. O.ä.

    Ein Vorteil bei dem Ansatz wäre aus meiner Sicht, dass man zum Einen nicht so viele qualitativ hochwertige Personen bräuchte (in größeren Vereinen vielleicht auch 2 oder 3) und der Tätigkeitsbereich ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem eines Trainers. Dadurch ist eine Art Bezahlung vielleicht auch intern akzeptabler (der bekommt Geld und ich bekomme für die gleiche Tätigkeit kein Geld). Grundsätzlich könnte das auch ein Posten für einen ehemaligen Elterntrainer sein, dessen Kinder mittlerweile größer sind oder er selbst nach einer anderen Herausforderung sucht. Das soll jetzt aber nur ein Beispiel sein. Der Grundgedanke ist der, der Ebene über den Trainern erstmal mehr Kompetenz zu verschaffen. Über die Trainer könnte dann im klassischen Breitensportverein diese Kompetenz dann hoffentlich auf die jeweiligen Teams gestreut werden.

    Hallo Oliver,


    zu deinem Punkt mit den "Ein wichtiger Aspekt liegt im Profibereich" ist mir spontan ein Interview mit Norbert Elgert in den Sinn gekommen. Dort hat der Interviewer mal bei einigen Buli-Vereinen recherchiert, wie viele Spieler es letztendlich aus der eigenen Jugend zu einem Einsatz im 1. Seniorenteam geschafft haben. Anschließend nimmt Norbert Elgert dazu auch nochmal Stellung. Passt ergänzend denke ich ganz gut zu deinem Punkt. Ob sich die Zahlen aus dem Interview mit der Transfermarkt-Tabelle decken, habe ich jetzt allerdings nicht überprüft.


    Rasenfunk - Tribünengespräch mit Norbert Elgert

    ab 1:45:56 geht es um / Die Rolle der Nachwuchsspieler im modernen Fußball

    Ah. Ok. Danke. Jetzt weiß ich was ihr meint. Es geht um den neuen §16 mit der Notbremse, den hatte ich nicht gesehen. Das wichtigste kommt zum Schluss ;). Sollte der Kreis unter 100 sein, bleibt es bei 20 Kindern unter 14. Also wie es jetzt eh schon war.