Ist "altersgerecht" noch zeitgemäß?

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  • Spannend fände ich, wenn wir gute und immer besser werdende Methoden an die Hand bekommen, wie wir das Umfeld der Kinder in deren und unserem Sinne stimulieren können (ich will nicht manipulieren sagen).
    Bereits ein jährliches Grillfest nimmt die Eltern schon ein Stückchen mehr für den Verein ein. Aber ich sehe zu viele verwaiste Bolzplätze. Oder Tischtennisplatten, auf denen Kinder sitzen und am Handy rumtippen, statt Tischtennis zu spielen. Warum hat man vor wenigen Jahrzehnten noch die Kinder nachmittags "rausgeschmissen" und traut ihnen jetzt nichts mehr zu? Ich habe das Gefühl, dass hier ein Zeitraum von nicht einmal 10 Jahren genügt hat, die Eltern nahezu unisono umdenken zu lassen. Zum deutlichen koordinativen und athletischen Nachteil der Kinder.


    Wir haben 4 Kindergärten am Ort. Drei nenne ich mal klassisch, einer ist auffallend anders strukturiert. Der Sportraum ist nur halb so groß wie bei den anderen, aber immer geöffnet. Sobald ein Kind rein will, ist ein Erzieher mit dabei. Aber die sitzt nur dort und greift im Notfall ein, bzw. sorgt dafür, dass die Matten unter den Klettergeräten liegen. Ebenso besteht der Außenbereich nur aus Sand, Wiese und Holzstückchenschüttung, die Kinder können nach belieben raus und klettern, rennen, springen, fallen.


    Wenn man jetzt diese Kerls im Training hat und vergleichsweise dazu die anderen sieht, und seien diese auch zwei Jahre älter, dann sind das Welten. Beim Quatschmachen im Schwimmbad habe ich mal zwei 5-jährige an Tauchringen hochgestemmt und ins Wasser geworfen. Der eine hing dran wie ne Schweinehälfte beim Schlachter, der andere hat sich im Körper stabilisiert um seinen Flug zu steuern, drehte sich nach außen und hing dann nur noch mit einer Hand am Ring. Dabei zeigte sich kurz ein Sixpack, das mich fast neidisch machte...
    Diese Bambinis spielen im Schwimmbad gegen 10-jährige und setzen sich durch... und nach ner Viertelstunde sind die älteren fertig, dann braucht es neue Gegner. Ich hätte gerne mehr solcher Kinder, denn ich finde die vergleichsweise normal, die anderen bauen eher ab. Ein Lichtblick sind da die Flüchtlinge. Mit denen macht es Spaß. Für Fußball braucht man sich auch nicht unbedingt verbal zu verstehen, es reicht die Namen auszutauschen.


    Warum ist das aber so? Hat sich an den herkömmlichen Kindergärten was geändert? Eher nicht. Ich bin davon überzeugt, die/wir Eltern sind es, die den Kindern im Weg stehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir vor lauter Überangebot an frühkindlicher Sprach-, Musik- oder sonstwas Erziehung, den Wunsch des Kindes nicht mehr wirklich erkennen. Reine Bewegung und Sport als zu geringwertig ansehen, ANgst haben, der Nachwuchs könne sich ohne frühestmögliche Fremdsprache nicht in der harten Welt durchsetzen...


    Aber was erzähl ich das euch...? Und warum in diesem Thread, der ne ganz andere Überschrift hat...?
    Achso ja, wie geht ihr aktiv die Eltern an? Was fordert ihr von ihnen?



    Rick

  • @pd33


    Kann mich den Kollegen in der Qualität deines Beitrags anschließen. Insbesonderer der Vergleich, mit einem Badmintonschläger einen Medizinball dirigieren zu wollen zeigt deutlich auf, wo unsere Trainerschwächen und -stärken liegen können.


    Wichtig finde ich auch deine Erläuterung, dass Kinder vor 5 Jahren im selben Alter anders gewesen sind als heute und sich das in 5 Jahren wieder ändern wird. Aber genau das hat @Zodiak in seinem Beitrag zum Anlaß genommen, die stattgefundenen Veränderungen für sich und seine Mannschaft besser umzusetzen.
    Ohne Frage findet in der Frühförderung heute eine bessere geistige Förderung statt als noch vor 5 oder 10 Jahren. Das heißt, die heutigen Kinder in der G- und F-Jugend können bereits Zusammenhänge erkennen, woran Kinder in dieser Altersgruppe früher noch gescheitert wären. Weil aber der moderne Fussball "vom Kopf in den Fuß gespielt wird" sind diese Sinnesreize eine günstige Vorraussetzung bereits etwas früher individual-taktische Grundlagen zu schaffen.
    Die geistige Frühförderung hat jedoch zum Nachteil, als dass Kindern im Kindergartenalter aufgrund von Bewegungsmangel feinmotorische Defizite haben, die dann erst im Sport nachgeholt werden müssen. Heute lernen Kinder erst Lesen und Schreiben und dann Klettern. Das war früher umgekehrt. Wünschenswert wäre sicher, wenn die körperliche und geistige Entwicklung gleichermaßen stattfinden würde.
    Es scheint jedoch in der emotionalen Begeisterung des Menschen immer eine Tendenz vorhanden zu sein, mal in die eine und mal in die andere Richtung Prioritäten zu sehen. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass der Sport wieder eine höhere Bedeutung erlangen wird.


    Weil es sich beim (früheren) Team von @Zodiak aber nicht um eine normale Dorfmannschaft, sondern schon um eine Auswahl besonders für den Fussball geeigneter Talente handelte, darf natürlich bezweifelt werden, ob auch in einer Dorfmannschaft mit einer deutlichen höheren Leistungsstreuung eine ähnliche Lerngeschwindigkeit erzielt werden kann? Allerdings würde dies nichts an der Kernaussage ändern, dass auch ein altersgerechtes Training von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand gehört, um Defizite zu erkennen, mit geeigneten Maßnahmen Optimierungen einzuleiten und zu kontrollieren.


    Nun stellt sich die Frage, inweiweit die Eltern dazu beitragen können, dass sich die auf Basis von festgestellten Veränderungen positiv auf die Kinder auswirken. Nach m.E. hat hier die Rolle der Eltern start zugenommen. Nicht allein deshalb, weil Mobilität und Freizeit die Voraussetzungen dafür schaffen, sondern weil Eltern das Bedürfnis haben, stärker in die Entwicklung ihrer Kinder einzugreifen, als es früher der Fall war. Die Älteren von uns haben noch die Übergabe der Kinder an der Schulporte an die Pädagogen miterlebt, was zur Folge hatte, das Kinder in der Schule von ihren Lehrern gezüchtigt und man sich manchmal sogar an ihnen sexuell vergangen hat. Eine heutige Schule ist ohne aktive Rolle der Eltern gar nicht vorstellbar. Hieraus läßt sich auch die anfängliche Entrüstung mancher Eltern, sich entfernt vom Geschehen in eine Fanzone zurück ziehen zu müssen, erklären. Denn sie sahen es als ihre Aufgabe an, einen Brüll-Affentrainer zu kontrollieren und zu coachen, sollte er sich daneben benehmen. Das darunter auch Eltern sind, die sich selbst nicht benehmen können, soll dabei nicht verschwiegen werden.


    Aufgrund langjähriger Erfahrungen kann ich jedem Trainer empfehlen, frühzeitig die Eltern ins Boot zu holen. Denn gemeinsam funktioniert es am besten. Auf diese Weise können wir günstige Rahmenbedingungen schaffen, um Kinder stark zu machen. Natürlich wird es auch dabei Eltern geben, die nichts mit Fussball am Hut haben und ihre Kinder einfach nur für ein paar Stunden in der Woche beaufsichtigt und bespaßt haben wollen. Hierbei braucht es manchmal die Unterstützung des Vereins für alle Eltern ausgewogene Richtlinien für die Abbildung von Rechten und Pflichten zu finden.

  • Weil es sich beim (früheren) Team von @Zodiak aber nicht um eine normale Dorfmannschaft, sondern schon um eine Auswahl besonders für den Fussball geeigneter Talente handelte, darf natürlich bezweifelt werden, ob auch in einer Dorfmannschaft mit einer deutlichen höheren Leistungsstreuung eine ähnliche Lerngeschwindigkeit erzielt werden kann? Allerdings würde dies nichts an der Kernaussage ändern, dass auch ein altersgerechtes Training von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand gehört, um Defizite zu erkennen, mit geeigneten Maßnahmen Optimierungen einzuleiten und zu kontrollieren.

    Hier würde ich dir wiedersprechen. Die Mannschaft war eine Dorfmannschaft. Das was daraus gemacht wurde bzw. wie mit den Kindern gearbeitet wurde, hat sie auf Fußball fokussieren lassen.
    Fast alle haben über den Fußball hinaus aber auch andere Sportarten ausgeübt, sei es Tennis, Eishockey, Karate usw.


    Ich werde aller Voraussicht nach, ab dem März einen 2010er Jahrgang übernehmen, und versuchen in 2 Jahren ähnliches zu leisten.
    Ich kenne weder die Kinder noch die Eltern und das Umfeld. Der Verein und einige Leute dort sind mir bekannt, aber das Projekt reizt mich ernorm - es fehlen noch kleine Details in der Verhandlung aber man wird sehen ob das auch mit einer anderen Mannschaft machbar ist.


    Grüße
    Björn

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Sind Kinder heute wirklich koordinativ und athletisch schlechter als früher.
    Oder ist das nur eine mediale und romantische Retroperspektive.
    Neuere Forschung die nicht auf den vielleicht auch nicht mehr modernen klassischem Motoriktest beruhen haben hier ihre Zweifel.
    Hinsichtlich Feinmotorik und Schnelligkeit gibt es vielmehr eher positivere Entwicklungen.
    Dies gilt insbesondere für die jüngeren Jahrgängen.
    Sicherlich können viele Kinder in der Grundschule keinen Rückwärtspurzelbaum mehr, aber früher könnten dies obwohl häufig geübt auch nicht alle.
    Dafür fahren heute 8 Jährige Waveboard, inliner, Cityroller oder ähnliches. Wer sich anschaut was Kinder in den Skateparks abziehen, finde ich echt cool.
    Darüberhinaus gab es vor Jahrzehnten noch keine G Jugend, sondern man hat später angefangen.
    Waren wir Ausdauernder, ohne Zweifel. Müssten auch bereits das ganze Feld beackern.
    Ich bezweifele jedoch, ob ich im betreffenden Alter meines Sohnes ein ähnliches Technisches Repertoire hatte.
    Die Bewegungserfahrungen haben sich durch einen Wandel auch des Schulsports usw. verändert.
    Heute können 10 jährige jonglieren und 5 jährige einen Übersteiger.
    Kinder vielleicht nicht mehr so gut einen Ballfangen, weil sie nicht stundenlang im Garten Schweinchen in der Mitte gespielt haben, sondern heute andere Dinge machen.


    Ein anderer Aspekt!
    Der Fußball muss auch Aufpassen nicht Teil des angesprochen frühkindlichen Förderstresses zu werden.
    7-8 Jährige die teilweise 3-4 die Woche und am Wochenende ihre Freizeit beim Vereinssport verbringen, werden für anderes auch wenig Zeit haben. Zudem immer früher der Wunsch besteht rein fußballerisch zu trainieren.
    Dann können sie aber auch keinen Rückwärtspurzelbaum und auch keinen Ball gescheit fangen.

  • @AKjfv,du sprichst mir aus der Seele.
    Kürzlich habe ich das Thema mit einer Sportlehrerin diskutiert und sie war auch der Meinung dass es immer weiter bergab ginge. Doch dann hat sie mal Ergebnisse von Bundesjugendspielen verglichen und festgestellt dass das so nicht stimmt. Die sportlichen sind immer noch sportlich und die unsportlichen sind immer noch unsportlich.


    Was sich meiner Meinung nach geändert hat ist, dass sich das "draußen toben" in den Sportverein verlagert hat.
    Auch sind die Kinder heutzutage viel länger in den Betreuungssystemen und so bleibt vor dem Training keine Zeit mehr. Oder es fehlen die Spielkameraden...
    Die Gründe sind vielfältig.


    Und auf der anderen Seite buhlen die Vereine immer früher um die Kinder... So ziemlich jede Abteilung bietet inzwischen Minigruppen an und allzu häufig geht das mit einer Spezialisierung einher.
    Hier würde allen etwas mehr Gelassenheit wohl gut tun.

  • Ich bin deshalb davon überzeugt, dass der Sport wieder eine höhere Bedeutung erlangen wird.

    Ein Optimist wie ich. Mein Freund :-)

    Sind Kinder heute wirklich koordinativ und athletisch schlechter als früher.
    Oder ist das nur eine mediale und romantische Retroperspektive.

    Das ist eine gute Frage. Sowieso können nicht alle in einen Topf geworfen werden. Es muss tendentiell und anteilig betrachtet werden. Heute kann man aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten, hast ja einige aufgezählt, bereits mit besonderen Fähigkeiten beeindrucken. Das zeigt auch, wie vielfältig Kinder ihren Körper anpassen und trainieren können. Aber wenn man all diese Fähigkeiten unter dem Merkmal "Körperbeherrschung: ja" summiert bin ich davon überzeugt, dass das Verhältnis zu "Körperberherrschung: nein" erkennbar schlechter geworden ist.


    Allerdings, ich bin von der Stadt (ca. 70k Einwohner) aufs Land gezogen (unter 5k Einwohner), hier sieht das nicht so drastisch aus.
    Ich bin von dem beschriebenen modernen Kindergarten etwas geblendet, deshalb kann ich nicht wie AKjfv beurteilen, ob es aktuell besser wird. Freuen soll mich das auf jeden Fall!



    Was macht ihr konkret, um die Eltern weiter ranzuholen. Ich habe die Kinder mal mit einfachem Tauziehen überrascht. Ich würde gern mal ein Spiel gegen Mamas und Papas machen (G2 gegen Mamas, G1 gegen Papas,...) oder eben auch ein Tauziehen gegen die Eltern.
    Kommen Wanderungen gut an? Ich habs noch nicht probiert.


    Und sorry dass ich mich vom Topic wegbewege... Zodiac, bitte meckern wenn es zu bunt wird.



    Rick

  • Doch dann hat sie mal Ergebnisse von Bundesjugendspielen verglichen und festgestellt dass das so nicht stimmt.

    Man mag es glauben oder auch nicht! Ein 10-jähriger Junge mit großem fussballerischen Talent steht im Sommer 2016 vor einer Weitsprunganlage. Er läuft mit hohem Tempo an, springt auf dem Balken ab und landet mit dem Gesicht voran im Sandbett! Dieses Kind ist gewiß noch nie über einen Graben gesprungen, sonst wüßte es, dass es besser ist mit den Füßen voran zu landen, anstatt mit dem Kopf! Aber jetzt hat er es bemerkt und kann es aufgrund dieser Erfahrung korrigieren.


    Was ich damit sagen möchte ist, dass unsere Kinder nicht plötzlich anders geworden sind, jedoch in einer etwas anderen Umwelt aufwachsen, wo sie manche Erfahrungen fast gar nicht mehr machen können.


    Leider sind Kinder so begeisterungsfähig, als das sie von uns Erwachsenen sehr leicht für unsere Ziele mißbraucht werden können. Manche Eltern/Trainer wollen, dass ihre Kinder überall die Besten sind ohne die Begründung dafür zu liefern, warum das so für sie das Beste ist.


    Wie sollen Kinder im Spiel eigene Erfahrungen sammeln, wenn wir ihnen fast alles vorgeben? Wie sollen sie jemals selbständig werden, wenn schon der Zweite als der erste Verlierer durch uns beschrieben wird? Denn wenn es nur "Alles oder Nichts" gibt, dann ist der Frust vorprogrammiert.


    Leider fließen bei solchen Bewertungen mit extra hohem Qualitätsstandard und fehlender Bandbreite in der individuellen Beurteilung einem Schubladen-Denken zu. Eigentlich hätte ich gedacht, dass man in der Schule die tradiionelle Form einer Beurteilung (Sportlehrerin) längst hinter sich gelassen hat und zu einer individuellen Beurteilung der Fähigkeiten gelangt ist? Im Sport kennt man das ja schon, wo man jedes Jahr den gleichen Satz: "das Niveau ist noch schlechter als das Vorjahr", hört.

  • Was die "Elternpflege und -Einbindung" bei G-Junioren/Bambini angeht, sind bei mir besondere Aktivitäten noch nicht so ausgeprägt wie in späterem Alter, wenn sich nachhaltiger Mannschaften bilden.


    Im letzten Sommer haben wir vor der Sommerpause mit den Eltern (eigentlich nur Väter, Mütter schauen zu) mal zwanglos zusammen Fußball gespielt. Gemischt und auch mal Väter (mit vollkommen angezogener Handbremse) gegen Kinder.


    Bei ein oder zwei Spielenachmittagen mit befreundeten Teams wird auch mal der Grill angeschmissen. Da ergeben sich deutlich bessere Gesprächsmöglichkeiten als bei "normalen" Turnieren.


    Viel mehr ist es bei uns eigentlich nicht. Finde ich bei unseren "Jungbambini" (2011 und jünger) auch ausreichend. Die Kinder fangen gerade an mit Kindersport. Weihnachtsfeier oder besonderer Sommerabschluss finden noch nicht statt, aber zum Vereinsfest sieht man sich. Vielleicht machen wir da wieder ein vereinsinternes G-/F-Turnier mit zugelosten Kindern (1 x F2, 1 x Altbambini + 1 x Jungbambini). Da wird dann auf ca. 8 Kleinstfeldern mit Auf- und Abstieg gespielt. Da ergeben sich auch Gesprächs- und Aktionsmöglichkeiten.


    Vielleicht intensiviere ich das nächste Saison, wenn manche Eltern und Kinder schon im 3. Jahr dabei sind.

  • aber zum Vereinsfest sieht man sich. Vielleicht machen wir da wieder ein vereinsinternes G-/F-Turnier mit zugelosten Kindern (1 x F2, 1 x Altbambini + 1 x Jungbambini). Da wird dann auf ca. 8 Kleinstfeldern mit Auf- und Abstieg gespielt. Da ergeben sich auch Gesprächs- und Aktionsmöglichkeiten.

    Ähhhm, ihr plädiert alle dafür das es keine Tabellen etc in der Jugend geben soll, aber intern bei dem Vereinsfest spielt ihr mit Auf und Abstieg....

  • Bei ein oder zwei Spielenachmittagen mit befreundeten Teams wird auch mal der Grill angeschmissen. Da ergeben sich deutlich bessere Gesprächsmöglichkeiten als bei "normalen" Turnieren.
    Vielleicht machen wir da wieder ein vereinsinternes G-/F-Turnier mit zugelosten Kindern (1 x F2, 1 x Altbambini + 1 x Jungbambini). Da wird dann auf ca. 8 Kleinstfeldern mit Auf- und Abstieg gespielt. Da ergeben sich auch Gesprächs- und Aktionsmöglichkeiten.

    Das sind zwei interessante Sachen, die ich mir mal auf die Liste nehmen werde. Vor allem der zweite Punkt hört sich sehr nach Saisonabschluss an :-)



    Danke, Rick

  • Ähhhm, ihr plädiert alle dafür das es keine Tabellen etc in der Jugend geben soll, aber intern bei dem Vereinsfest spielt ihr mit Auf und Abstieg....

    So wie ich das verstanden habe basiert darauf die Planung der Paarungen. Bei etwas vereinsintern spaßbetontem hätte ich da keinen Stress. Die (vermutlichen) Leistungsträger sind den Wettbewerb schon eher gewohnt.


    Platzierungen scheinen den Kleinen gar nicht mal sooo viel auszumachen, meine rechnen schon mit und erstellen im Kopf ne Tabelle. Bei einem Turnier dachte ich, ich sei schlauer als sie und teilte mit, dass es zwei Erstplatzierte gäbe. Die Antwort: Ne, wir haben zwei Tore weniger... Was soll man da noch sagen...

  • Damit meint er sicher den Champions League Modus , der dafür sorgt , dass gleich starke Teams gegeneinander spielen und gleich schwächere

    Genau so ist es!!! Da ist ein ständiger Wechsel, ohne dass groß gefeiert werden kann. Es wird nicht einmal groß kommuniziert, dass es "bessere" oder "schlechtere" Ligen sind. Manchmal lösen sich auch Teams auf, weil der Jungbambino nach einer Weile die Hüpfburg doch besser findet. :) Da müssen dann mal Eltern einspringen, alles bestens.

  • Wir machen schon mal gemeinsame Trainings mit den Eltern, z.B. das letzte vor Weihnachten. Gemeinsam Mattenrutschen macht ne Menge Spaß. Und bei den Staffelläufen machen wir es für die Eltern schwer bis unmöglich zu gewinnen. (unter einer Bank durchkrabbeln :D ) Aber auch unsere koordinativen Geschichten müssen die Eltern ausprobieren. Das gibt immer viel Gelächter.
    Im Jungjahrgang haben wir die Hallenzeit genutzt, das DFB-Schnupperabzeichen zu machen, auch hier waren die Eltern an den Stationen eingespannt.


    Generell ist es zwar wünschenswert, wenn sich die Eltern gut verstehen, zumal man sich ab der F-Jugend im Grunde jede Woche zu den Spielen sieht, aber erzwingen lässt sich freilich auch nichts.




    Was ich damit sagen möchte ist, dass unsere Kinder nicht plötzlich anders geworden sind, jedoch in einer etwas anderen Umwelt aufwachsen, wo sie manche Erfahrungen fast gar nicht mehr machen können.

    Richtig. Und da hilft der Blick zurück auch nur wenig weiter wenn es keine Gräben mehr gibt, weil alle längst zugeschüttet sind. :thumbdown:
    Wir wohnen so, dass wir unseren Jungs ne Menge Freiraum bieten können und einen sehr großen Aktionsradius. Ich weiß manchmal 2-3 h nicht, wo sich mein 8 Jähriger rumtreibt. Aber damit bin ich in der Minderheit. Der Überwachungswahn der Eltern hat längst um sich gegriffen. "Weißt du was alles passieren kann?" ist genauso ein Killer wie "welche Versicherung zahlt denn wenn was passiert?"


    Und auch beim Schulsport in der Grundschule war in den letzten Jahren jeglicher Wettkampf verpönt, weil es Verlierer mit entsprechenden Tränen gibt. Das hat dazu geführt, dass viele einfach gar nicht mehr verlieren können und es gibt wieder eine moderate Gegenbewegung. Früher auf dem Bolzplatz durfte der Dicke Paul nur mitmachen, wenn man ungerade war. Fertig. Was das mit dem Kind gemacht hat, hat die Kumpels nicht interessiert.


    Die Ablehnung der Bundesjugendspiele geht ja in die gleiche Richtung.


    Ich weiß auch keinen goldenen Mittelweg. Ich verstehe, dass man sich im sportlichen Wettkampf messen möchte und ich finde, die guten müssen auch gut sein dürfen... Ich verstehe aber auch, dass man keinen Zwang möchte. Aber manche Gutmenschen können ja schon nicht ab, dass nur die Besten in eine Schulmannschaft kommen. ("Aber mein Arthur-Sören hat sich doch angestrengt...")


    Schwierig. Denn das Problem ist, dass man mit dem Leistungsgedanken einfach immer früher anfängt. Das finde ich schädlich. Wenn die ganze Förderung im Fußball erst konsequent mit der D-Jugend losginge und auch die NLZs die jüngeren noch in Ruhe ließen, wäre wohl schon etwas Luft zum Atmen da.

  • Der Leistungsgedanke ist nicht das schädliche, sonder die Ergebnisorientierung. Von den Erwachsenen auf die Kinder projezierter Ergebnisdruck ist schlimm. Die Leistungsorientierung am Kindergeburtstag beim Schaumkuss-Wettessen zu gewinnen ist klasse. Beim Fussball genauso: Gewinnen müssen, um Erwartungen zu erfüllen schadet; die Kinder sich selbst auch gegeneinander möglichst auf Augenhöhe messen zu lassen fördert Motivation und Freude.
    Niederlagen sportlich fair verarbeiten zu helfen ist dann auch nicht schwer und überhaupt eine maßgebliche Aufgabe eines KinderTrainers (mMn).

  • Was ist am Leistungsgedanken für jüngere Jahrgängen positiv?
    Vorab vor 3-5 Jahren wäre ich möglicherweise bei dir gewesen.
    Leistung ist per se nichts negatives, sich anstrengen, Erfolge positiv zu werten usw.
    Aber unterstützt Leistungsgedanke die jüngeren Jahrgänge wirklich; hier ein paar Grundgedanken und wie sie mit dem Spiel von 6-12 ( willkürlich) vereinbar sind.
    - Spaß am Spiel und Leistungsgedanke bei Grundschüler?
    - Wie betrachte und schätze ich als 9 Jähriger meinen Freund und Klassenkameraden unter dem Gesichtspunkt des Leistungsgedanken, als gleichwertig?
    ( Hierachien haben meist schon jüngere Teams, aber muss ich das verstärken)
    - Kinder sollen nach meiner Auffassung, positiv verstärkt durch den Trainer, mit Spaß nach besten Kräften an ihren Fähigkeiten, Bewegungsmustern usw. "arbeiten". Ist hier der Leistungsgedanke hilfreich oder wird nur ein kontraproduktiver Druck erhöht sich auszuprobieren?
    - Selbstvertrauen ist eins der wesentlichen Aspekten im betreffenden Alter, hilft hier der Leistungsgedanke.
    - Fehler machen und sie selbst korrigieren, ist ein wesentlicher Aspekt von Entwicklung von Kompetenzen, wie verträgt sich dies mit einem Leistungsgedanken? Oder fördere ich ein fehlervermeidendes Verhalten?
    - Werden sich die talentiertesten Spieler oder unter einem Leistungsgedanken, die am längsten spielenden , am frühsten entwickelten, und die aus welchem Gründen auch immer stressresistentesten Spieler durchsetzen?


  • Kinder haben keinen evolutionären Rückschritt gemacht, aber die motorischen Fähigkeiten werden nicht mehr so gut entwickelt wie früher. Deutlich längere "Sitzzeiten", weniger Freizeit, auch weniger Freiheit (mehr Kontrolle durch Eltern, z.B. werden Kinder von den Eltern mit dem Auto abgeholt, unbeaufsichtigtes rumtoben wird nicht zugelassen), Digitales Lernen bedeutet kein motorisches Lernen, usw. sind nur einige Gründe dafür.
    Unser Gehirn ist anpassungsfähig, verwendet sein Potential dann eben für die Anforderungen im Alltag wie z.B. das Tippen auf dem Smartphone (unglaublich, wie schnell z.T. 7 Jährige bereits tippen können...). Werden jedoch die Gehirnareale für die Motorik nicht (ausreichend) beansprucht, entwickeln sie sich auch nicht. Zivilisationskrankheiten sind die Folge, u.a. Tinitus (Informationsüberfluss), Diabetes, Rückenschmerzen, (Übergewicht bzw. dessen Folgen), Kreislaufprobleme.


    Die wissenschaftlichen Studien weisen klar in die Richtung, dass die motorischen Fähigkeiten schlechter ausgebildet sind als früher. Natürlich probieren die Spieler heute wie du oben erwähnst hast mehr verschiedene Sportarten aus, aber das ist auch die Ausnahme. Es gibt viele, die machen überhaupt keinen Sport. Früher gab es diese Sportarten einfach noch gar nicht. Wir müssen auch aufpassen, was wir als "Früher" bezeichnen. Vor 20/30 Jahren war es natürlich auch nicht mehr so, dass alle Kinder den ganzen Tag im Wald spielen gegangen sind. Worauf ich hinaus will, ist dass sich die Motorik deutlich verschlechtert hat wozu es auch genügend Studien dazu gibt und die Folgen sichtbar sind.

  • Man mag es glauben oder auch nicht! Ein 10-jähriger Junge mit großem fussballerischen Talent steht im Sommer 2016 vor einer Weitsprunganlage. Er läuft mit hohem Tempo an, springt auf dem Balken ab und landet mit dem Gesicht voran im Sandbett! Dieses Kind ist gewiß noch nie über einen Graben gesprungen, sonst wüßte es, dass es besser ist mit den Füßen voran zu landen, anstatt mit dem Kopf! Aber jetzt hat er es bemerkt und kann es aufgrund dieser Erfahrung korrigieren.

    Das kann ich schwer glauben.
    Fussballerisches Talent ist ja keine Inselbegabung, die nicht mit anderen koordinativen Handlungsabläufen korelliert. Du sprichst sogar von großer fussballerischer Begabung.
    Und ein Fussballtalent, sogar ein mittelmäßiges kann springen und ist auch schon mal gesprungen.
    Und schon instiktiv spring ein koordinatives Talent - und auch die völlig untalentierten - eher auf die Füße, hüpft ggffs mehr, als dass er springt.
    10Jahre, das ist U11, 4te Klasse.


    Fällt mir wirklich schwer, die Anekdote so zu glauben. Oder es war eben kein großes fussballerisches Talent. Und selbst wenn, die Regel,die man von einer empirische Beobachtung ableiten könnte ist das nicht. Meine Erfahrungen spiegelt das nicht wieder.
    Es mag heutzutage mehr koordinativ schlechte Kinder geben, ok, aber die sind auch nie und nimmer ein fussballerisch großes Talent. Denn dieses inkludiert eine mindestens ordentliche Allgemeinsportlichkeit. Wirklich immer. Und ein sportliches 10jähriges Kind ist auch schon mal gesprungen, sonst wäre er nie so "sportlich geworden", wo sollen denn die koordinativen Fähigkeiten herkommen?

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill