Wie bringe ich meinen Spielern das richtige Verhalten auf dem Spielfeld bei?

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  • Ich meine damit Dinge wie Positionsspiel, Bewegung ohne Ball, Freilaufen, Strafraumbesetzung, Raumaufteilung, wann verlagere ich das Spiel auf die andere Seite, wann starte ich den Lauf in den Tiefe, wann komme ich besser dem Mitspieler entgegen und biete mich kurz an etc. Also im Prinzip grundlegende Dinge, die zum Fußball spielen einfach dazu gehören, aber nicht unmittelbar etwas mit Ballbehandlung zu tun haben. Konkret geht es um eine C-Jugend. Ich verliere reihenweise Spiele gegen Gegner, die fußballerisch schlechter oder gleichwertig mit meiner Mannschaft sind, sich jedoch einfach schon "erwachsener" auf dem Spielfeld verhalten. Bei meinen Jungs wurde da vor allem im E- und D-Jugendalter mMn einiges versäumt, was ich den Spielern nun noch mühsam beibringen muss. Sie spielen eigentlich noch wie Kinder, sprich: Einer hat den Ball, der Rest steht nur rum und am Ende folgt ein blind gespielter Pass ins Nirgendwo anstelle von einem Spielaufbau mit Hand und Fuß.

    Das Problem ist: Mit Taktiktafel und minutenlangen Ansprachen kommst du in der Regel nicht weit, gerade in dieser Altersgruppe nicht. Verpacke ich das ganze in Übungen/Spielformen stelle ich aber auch keinen positiven Effekt fest. Zwar kann ich beispielsweise im Training eine Spielform zur Spielverlagerung einbauen. Das klappt auch oftmals ganz gut. Aber im Spiel erkennen meine Spieler dann z.B. trotzdem nicht, in welcher Situation es sinnvoll wäre, zu verlagern. Oder zu hinterlaufen. Oder in die Tiefe zu starten. Dazu kommen halt wie erwähnt große Probleme im positionsspezifischen Verhalten, vor allem was Stellungsspiel und Laufwege ohne Ball betrifft.

    Ich weiß halt aktuell nicht, wie ich das ganze anpacken soll, vor allem in einem Alter, in dem viel von dem, was ich geschrieben habe, normalerweise zumindest im Ansatz schon sitzen sollte (zur Info vielleicht noch: wir spielen in der niedrigsten Spielklasse). Es ist ja meine Aufgabe als Trainer, die Spieler in dieser Hinsicht besser zu machen, aber zur Zeit gehen mir einfach die Ideen aus, wie ich WIRKLICH etwas bewirke.

    Daher die Frage: Kennt vielleicht jemand gute Übungen/Spielformen, die genau bei den beschriebenen Problemstellen ansetzen? Hatte vielleicht jemand schon einmal eine ähnliche Situation zu meistern? Wie gehe ich da am besten vor? Ich wäre für jeden Ratschlag dankbar.

  • Hallo,


    dieses Problem ist tatsächlich viel weiter verbreitet als man annimmt. In den meisten Mannschaften im Breitensport, auch in älteren Jahrgängen und sogar bei Erwachsenen beherrscht meiner Meinung nach sogar die Mehrheit die o.g. Dinge nicht.

    Normalerweise wird dies dadurch kaschiert, dass 3 - 4 Spieler es können und damit das ganze Spiele ausbalancieren. Daher findet man auch die besten Fussballer oft im zentralen Mittelfeld, weil sie dort ihren Teamkollegen überall auf dem Platz Lösungen anbieten können.


    Widersprechen würde ich dir, in der Aussage, das die Spieler kein gutes positionsspezifisches Verhalten haben. Für mich liest sich das eher, als hätten Sie eher Defizite in den Bereichen die gerade nicht positionsspezifisch sind (entgegen kommen, offene Räum erkennen, Spiel über den Dritten etc.). Ursache dafür könnte eine zu frühe Festlegung auf Positionen im Kinderbereich sein.


    Lange Rede, kurzer Sinn: Die Lösung heißt Funino bzw. die Trainingsmethode nach Horst Wein, wozu du hier im Forum einiges findest. Dabei geht es um die Verbesserung der Spielintelligenz und darin liegt mMn das Problem deiner Mannschaft.


    Kurfristigere Verbesserung kannst du durch eine bessere Kommunikation auf dem Feld bestimmt erreichen. Das beinhaltet z.b. auch im Training immer den Namen des Passempfängers zu rufen und simple Kommandos wie Aufdrehen und Klatschen lassen einzufordern. Damit gewinnen deine Spieler immer wertvolle Sekunden.


    MfG Marthi

  • Die Lösung heißt eher: Positionsspielformen wie el Rondo/Eck/Schweinchen in der Mitte/etc. und seine Abwandlungen. Relativ enge Felder aufbauen, in denen es zunächst keine feste Spielrichtung gibt. Eine Mannschaft hat Überzahl und spielt auf Ballhalten. Die Verteidiger sind in Unterzahl. Das ist der Grundaufbau, der unendlich variiert werden kann. Ein paar Abwandlungen sind im Anhang.


    Solche Spielformen vermitteln die Prinzipien der Raumaufteilung und wie man sich zueinander positioniert, anbietet und eine gemeinsame Ballzirkulation aufbaut. Durch Sonderregeln wie Kontaktbegrenzungen und Rückpassverbote forciert man diese Aspekte zusätzlich und schult so bspw. implizit taktische Mittel wie das Spiel über den Dritten.

  • Beim Training würde ich auch auf Funino, Horst Wein oder Rondos setzen. Die fordern häufig, dass man das Spiel breit macht, sich in kleinen Mannschaften freiläuft usw.


    In (Trainings-)Spielen zudem viele Tipps geben. Und damit meine ich nicht als Playstation-Trainer "...jetzt schießen..." reinrufen, sondern im nachhinein Tipps geben. Immer wieder und immer wieder und immer wieder.

    Bei meinen Spielern, die links oder rechts eingeteilt wurden, rufe ich es hingegen auch mal rein. Aber auch denen erkläre ich dann im nachhinein, warum sie etwas die Seite halten sollen (Gegenspieler, selbst freistehen, usw.).


    Wie im beruflichen Leben lernt man viel durch Fehler. Und vielleicht merken deine Jungs durch die Fehler auch, was sie anders machen können.

    Beispiel: Alle Jungs sind wie Bambinis auf der linken Seite beim Ball. Der Gegner schafft eine schnelle Verlagerung nach rechts und schießt ein Tor ohne Gegenwehr.

    Genau diese Situation vielleicht in der Halbzeit oder nach dem Spiel im Einzelgespräch mitteilen.

    Hoffentlich verstehen dann einige Jungs, warum diese Tore so fallen.


    Ich muss aber auch sagen, dass ich trotz der oben genannten Punkte auch noch gerne Tipps hätte, was man besser machen könnte.

    Viele meiner Jungs machen es inzwischen gut. Aber einige Jungs wetzen immer noch quer über den Platz (9er-Feld) und fehlen bei der nächsten Aktion an ihrer Seite usw.

    Das sind tatsächlich häufig auch die Jungs, die beim Training bei Erklärungen nicht/schlecht zuhören.

  • Das Problem ist: Mit Taktiktafel und minutenlangen Ansprachen kommst du in der Regel nicht weit, gerade in dieser Altersgruppe nicht. Verpacke ich das ganze in Übungen/Spielformen stelle ich aber auch keinen positiven Effekt fest. Zwar kann ich beispielsweise im Training eine Spielform zur Spielverlagerung einbauen. Das klappt auch oftmals ganz gut. Aber im Spiel erkennen meine Spieler dann z.B. trotzdem nicht, in welcher Situation es sinnvoll wäre, zu verlagern.

    Also meiner Erfahrung geht das alles in Hand in Hand. Wenn du eine Spielform oder eine Übung hast, in der du etwas erwartest, solltest du kurz und prägnant schildern, was du von den Jungs willst bzw. was ein Lösungsansatz der Situation wäre. Das muss kein Vortrag sein, am besten stellst du Fragen und lässt die Jungs selbst drauf kommen. Und wenn du dann ein paar gute Durchgänge der Übung gesehen hast, machst du die ganze Übung flexibler, sodass sie neue und unterschiedliche Situationen lösen müssen, in dem sie die ihnen nun bekannte Lösung adaptieren. Und schon hast du einen Lerneffekt, in dem sie erst Dinge nach Muster "nachmachen", dann selbst Lösungen finden und später dann immer wieder reproduzieren müssen, möglichst in ganz neuen Situationen! Dafür eignet es sich natürlich, eine ganze Woche ein bestimmtes Thema zu machen und immer wieder darauf einzugehen.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Auch ich würde hier sehr das 3vs3/Funino ans Herz legen. Ich denke hier wirst du mehrere Punkte gut ansprechen und vermitteln können.


    Im 3vs3 sind alle drei Spieler gefordert und lernen schnell, dass sie auch ohne Ball am Spiel teilnehmen müssen.


    Mitspieler suchen kannst du gut mit einer Überzahl im 3vs3 erzielen. Zb ein Spieler erzielt einen Treffer und muss jetzt um das weiter entfernte Tor laufen.

    In der Zwischenzeit muss das gegnerische Team schnell handeln und seinen Angriff starten um die Überzahl im 3vs2 auszuspielen.

    Zu Beginn werden sie das Umschalten vergessen und auch Übersehen dass ein Mitspieler frei ist, aber wenn du Situationen einfrierst und es ihnen erklärst werden sie es nach einer Zeit verstehen und selbst versuchen.


    Räume erkennen, Schnittstellenbälle, Bälle in die Tiefe kannst du auch gut im 3vs3 trainieren indem du das Spielfeld schmaler, und etwas tiefer machst.


    Sie werden dann merken, dass in der Breite weniger Platz ist und werden dann den Raum hinter den Verteidigern suchen und mit Schnittstellenpässen arbeiten.


    Andersherum kannst du das Feld auch breiter aber weniger tief machen, dann lernen die Kinder das Verlagern, das Spielfeld breit zu machen.


    Du kannst das Spielfeld auch in Zonen aufteilen, zb einmal längs trennen. Gewinnt eine Mannschaft einen Ball auf der linken Hälfte muss der Ball erst auf die rechte Seite verlagert werden bevor man ein Tor erzielt. So ist die Balleroberung das Signal zum Verlagern.


    Ich denke mit dem 3vs3 wirst du einiges abdecken können, und kannst es natürlich auch variieren mit zb 4vs4 und/oder großen Toren und Torhütern.


    Aber wie oben schon erwähnt ist das Vermitteln der Themen ganz wichtig. Die Kinder müssen wissen bzw erkennen warum sie etwas wie machen.


    In den vorherigen Jahren wird den Kindern bestimmt immer vorgegeben wem sie den Ball wann wohin spielen (Joystick-Trainer). Jetzt wo sie selbst entscheiden sollen, wissen sie nicht was sie wann wie wo machen sollen.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"


    "Die erste Frage, die ich mir stelle ist, kann der Spieler dribbeln?

    Ich möchte nur Spieler die diese Fähigkeit haben, also suche ich immer danach.

    Ich möchte Innenverteidiger, Außenverteidiger, Mittelfeldspieler, Flügelspieler

    und Stürmer, die dribbeln können."

    - Pep Guardiola -

  • Schon mal vielen Dank für die vielen Antworten und Anregungen! Scheint tatsächlich so zu sein, dass dieses "Problem" (ist ja in dem Sinn gar keines, sondern eher eine Herausforderung für den Trainer) dann doch etwas verbreitet ist. Um ein paar Punkte aufzugreifen:

    Marthi Ok, das Beispiel mit Hinterlaufen usw. war etwas schlecht gewählt. Das sind halt die Inhalte, die ich normalerweise mit meinen C-Jgd Teams immer gemacht habe. In dieser Saison habe ich eben festgestellt, dass ich erstmal eher kleinere Brötchen backen muss, vor allem weil auch schon viel einfachere Basics noch nicht sitzen, sprich Freilaufen beim Einwurf, Anbieten zum Doppelpass usw. Das sind ja durchaus Dinge, die ich normalerweise schon von einem C-Jugendlichen im Ansatz erwarte. Natürlich auch immer noch ausbaufähig.

    Spielformen für kleinere Gruppen (3v2, 3v3, 3v3+2 etc) scheinen tatsächlich eine gute Idee für den Anfang zu sein. Wie ist denn eure Erfahrungen mit den Übungen? Ich frage mich, was besser ist: sich einen Aspekt herausgreifen und einfach so lange trainieren, bis es klar sichtbare Verbesserungen gibt? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es z.B. nicht reicht, einen Schwerpunkt nur für 1-2 Wochen zu trainieren und dann mit dem nächsten weiterzumachen. Damit habe ich am wenigsten erreicht. Andererseits gibt es halt so viele Dinge, die wir verbessern müssen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll und vor allem auch zeitlich gar nicht alle in einer Halbsaison z.B. unterbringe. Welche von den mir genannten Schwächen sollte ich als erstes anpacken und welche ergeben sich vielleicht irgendwann von alleine? :/

  • Es geht dir vor allem um das Spiel mit dem Ball, wenn ich das richtig verstanden habe.


    Konkret geht es beim 11gg11 Fussball ja eigentlich immer darum zu erkennen, in welcher situativen Spielsituation ich mich gerade befinde - also Unterzahl, Gleichzahl oder Überzahl. Wenn man Gleich- oder gar Überzahl am Flügel hat, dann wäre eine Verlagerung zB ja idR kontraproduktiv, selbst wenn es gelingt.

    Dazu muss man sich stetig orientieren. Sich dessen bewusst zu machen ist mM nach der erste Schritt. Und die Folge, dass ich eine Überzahl kreeieren will, um diese dann aber auch auszuspielen.


    Dann würde ich "Werkzeuge" an die Hand geben, wie man in Überzahl agiert.

    Deshalb sehe ich hier 3gg3 oä erstmal nicht als die optimale Lösung, sondern diverse Überzahlspielspielformen. 6gg3, 6gg4, 8gg4, 8gg6, etc.

    Die muss man aber dann auch coachen, also zB mal einfrieren, um Dinge zu verdeutlichen.


    Und dann kommt man immer mehr in die Richtung zu verdeutlichen, wie ich situative Überzahl schaffen kann. Ein Punkt ist definitiv "Bewegung ohne Ball" und das auch in ordentlichem Tempo. Entweder man wird selbst frei oder der Gegner geht mit und man schafft anderswo Räume.

    Genauso, wie verschiedene Passoptionen anzubieten, nicht auf dem selben Passweg in 10 Meter Abstand zu stehen zB oder im Deckungsschatten des Gegners.



    Noch mal ganz kurz, ich würde Überzahlspielformen wählen, um die Orientierung im Raum erstmal zu schulen (situative Unterzahl/Gleichzahl/Überzahl). Je nach Niveau sehr deutlich Überzahl, die man dann langsam verringert mit Verbesserung. Aber 3gg3 bzw. 3gg2 sollte es nur sein, wenn selbst da noch nicht bekannt ist, wie man das ausspielt. Grundlegendes 3gg2 setzte ich aber mal vorraus, dann braucht es mM nach eine Spielform, die größer als 3gg3 ist. Denn es geht ja darum die 2gg1 oder 3gg2 Situationen zu erkennen, bei 3gg3 ist das ja quasi obsolet.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Das richtige Verhalten auf dem Spielfeld! Das trainieren Profis auch jeden Tag. Warum soll es einem Amateurtrainer anders ergehen.
    Es ist harte Arbeit für den Trainer erstmal angesagt und immer wieder mit zig Wiederholungen und Frustation verbunden.

    Überzahlspiele (Rondo) in verschiedenen Formen hilfen den jungen Kickern sehr. Wer will schon freiwiliig in die Mitte und auch noch vielleicht eine Doppelrunde. Jeder Spieler in deinem Team muss wissen was seine Aufgabe ist auf dem Spielfeld. Bedenke aber das alles hängt auch ein wenig vom Spielniveau deiner Kicker ab und erwarte erstmal wenig. Wenn Du wirklich die Jungs verbessern willst, muss du als Trainer sehr viel Muße und Schweißblut investieren.

  • Daher die Frage: Kennt vielleicht jemand gute Übungen/Spielformen, die genau bei den beschriebenen Problemstellen ansetzen? Hatte vielleicht jemand schon einmal eine ähnliche Situation zu meistern? Wie gehe ich da am besten vor? Ich wäre für jeden Ratschlag dankbar.

    Ich bin gerade in einer ähnlichen Situation. Zu deinen Fragen:

    ich probiere gerade einiges aus ;)

    ich versuche die Situation gerade auch zu meistern

    falls du willst, kannst du daran teilhaben (Link)

  • Das richtige Verhalten auf dem Spielfeld! Das trainieren Profis auch jeden Tag. Warum soll es einem Amateurtrainer anders ergehen.
    Es ist harte Arbeit für den Trainer erstmal angesagt und immer wieder mit zig Wiederholungen und Frustation verbunden.

    Überzahlspiele (Rondo) in verschiedenen Formen hilfen den jungen Kickern sehr. Wer will schon freiwiliig in die Mitte und auch noch vielleicht eine Doppelrunde. Jeder Spieler in deinem Team muss wissen was seine Aufgabe ist auf dem Spielfeld. Bedenke aber das alles hängt auch ein wenig vom Spielniveau deiner Kicker ab und erwarte erstmal wenig. Wenn Du wirklich die Jungs verbessern willst, muss du als Trainer sehr viel Muße und Schweißblut investieren.

    Bei Rondoformen wie oben gesagt, gehe ich ja konform. Das unsägliche -Schweinchen in der Mitte- vermittelt meiner Meinung nach wenig. Das es auch die Senioren machen und die Profis (zum lockeren Aufwärmen) heißt nicht das es in der Jugend sinnvolle Verhaltensweisen vermittelt.

    Zum einen ist es auf den Außenpositionen statisch. Zum anderen schafft es eine Belohnung für unkontrolliertes -ballberühren- , und somit ein, für mich, völlig falsches Belohnungssystem.

    Für mich sollten Rondoformen/Spielformen immer das 3 Aktionen Prinzip beeinhalten (bewegung/positionierung)vor ball, mit ball, nach ball.

    Trainingsbeispiele hat vangaalsnase ja angeführt.

    Rondo mit 4 Farben im 6 gg.2 ist für mich beispielsweise auch eine schöne Rondoform, in der man schrittweise über Regeln wie: zuerst frei, dann Anspielverbot gleiche Farbe, dann Rückspielverbot allgemein; die Situative Raumbesetzung und vieles mehr deutlich machen kann

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Trainer E - ich meinte auch eher Rondo Spielformen in jeglicher Form mit dem entsprechenden Schwerpunkt.
    Wichtig ist für mich vor allem, das man vor allem noch in der jüngeren C-Jugend einfache Formen wählt mit wenig regeln und häufig Wiederholung für den Lerneffekt.

  • Wichtig ist für mich vor allem, das man vor allem noch in der jüngeren C-Jugend einfache Formen wählt mit wenig regeln und häufig Wiederholung für den Lerneffekt.

    Genau nach diesen fragt der Thread-Ersteller ;-)


    Nehmen wir das Octagon von vangaalsnase - entspricht das einer einfachen Form? Oder nehmen wir das Umschaltrondo - einfach? Ich finde die sehr gut, aber bei meiner schwächeren, jüngeren, breitensportorientierten C-Jugend würde ich nicht von einfach sprechen -> für die ist das ziemlich schwer. Soll ich sie deshalb nicht machen? Ich mache sie gerade deshalb. Die Komplexität vom 11 gegen 11 am Wochenende erreichen diese Formen aus meiner Sicht nicht - und dem setzte ich die Jugendlichen am Wochenende aus.

  • ...


    Noch mal ganz kurz, ich würde Überzahlspielformen wählen, um die Orientierung im Raum erstmal zu schulen (situative Unterzahl/Gleichzahl/Überzahl). Je nach Niveau sehr deutlich Überzahl, die man dann langsam verringert mit Verbesserung. Aber 3gg3 bzw. 3gg2 sollte es nur sein, wenn selbst da noch nicht bekannt ist, wie man das ausspielt. Grundlegendes 3gg2 setzte ich aber mal vorraus, dann braucht es mM nach eine Spielform, die größer als 3gg3 ist. Denn es geht ja darum die 2gg1 oder 3gg2 Situationen zu erkennen, bei 3gg3 ist das ja quasi obsolet.


    Du setzt hier aber die Kennnisse des 3vs2 voraus, so wie es sich für mich liest, spielen die Jungs zwar in der C-Jugend, aber haben anscheinend keinerlei Kenntnisse darüber und haben in der niedrigsten Spielklasse Probleme gegen gleichwertige oder gar schwächere Teams.


    Der TE schreibt ja selbst, dass die Kinder zwar weniger Probleme mit der Ballbehandlung haben, aber keinerlei Spielintelligenz besitzen.


    ....Sie spielen eigentlich noch wie Kinder, sprich: Einer hat den Ball, der Rest steht nur rum und am Ende folgt ein blind gespielter Pass ins Nirgendwo anstelle von einem Spielaufbau mit Hand und Fuß.

    ... Aber im Spiel erkennen meine Spieler dann z.B. trotzdem nicht, in welcher Situation es sinnvoll wäre, zu verlagern. Oder zu hinterlaufen. Oder in die Tiefe zu starten. Dazu kommen halt wie erwähnt große Probleme im positionsspezifischen Verhalten, vor allem was Stellungsspiel und Laufwege ohne Ball betrifft...

    ....Ich weiß halt aktuell nicht, wie ich das ganze anpacken soll, vor allem in einem Alter, in dem viel von dem, was ich geschrieben habe, normalerweise zumindest im Ansatz schon sitzen sollte (zur Info vielleicht noch: wir spielen in der niedrigsten Spielklasse)....

    Deswegen der Tipp mit dem 3vs3 / 3vs2. Bei einem 6vs3 werden nicht alle 3 freien Spieler sich anbieten und sobald der ballführende zu einer Seite/einem freien Mitspieler gewandt ist, wird sich der freie Mitspieler nicht mehr bewegen und haben dann den Ausgangszustand.


    Ferner wären in den größeren Spielformen die Zahl der nicht am Ball beteiligten Spieler höher. Im 3vs3/3vs2 wäre es für jeden intensiver und jeder müsste aktiver dran teilnehmen.


    Beim 3vs2 sind die nicht ballführenden Spieler jedoch gezwungen aktiv mitzuspielen und der freie Mitspieler einen freien Raum zu suchen. Oft ruft der ballführende Spieler auch denjenigen, dass er starten soll, da dieser der einzige ist, der anspielbare wäre.


    Im Anschluss wenn sie die Grundlagen drauf haben, wären deine genannten Überzahlspielformen natürlich ideal für sie bzw würde ich genauso machen.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"


    "Die erste Frage, die ich mir stelle ist, kann der Spieler dribbeln?

    Ich möchte nur Spieler die diese Fähigkeit haben, also suche ich immer danach.

    Ich möchte Innenverteidiger, Außenverteidiger, Mittelfeldspieler, Flügelspieler

    und Stürmer, die dribbeln können."

    - Pep Guardiola -

  • Genau, das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass Spielformen, bei denen auf Tore/Minitore gespielt wird, einfach besser funktionieren, als reines Ballhalten, egal ob Überzahl/Unterzahl oder mit gleich großen Teams. Bei stärkeren C-Jugendteams mag das zwar funktionieren, aber meine Spieler lassen dann den notwendigen Ehrgeiz vermissen bzw man hat wieder das Problem, dass sie den Sinn der Übung und die Absicht dahinter gar nicht erst kapieren. Es geht hier wahrscheinlich wirklich eher um dieses "spielerische Lernen", wie man es vor allem auch im F- und E-Bereich handhabt. Allerdings ist es halt nicht einfach, wenn wie gesagt das eigentliche goldene Lernalter schon überschritten wurde und bestimmte Verhaltensweisen auf dem Platz intuitiv noch nicht sitzen. Eine Übung kann vom Grundprinzip her noch so gut sein - daraus lernen wird ein Spieler denke ich nur, wenn er den Sinn dahinter versteht und ihn dann auch ins Spiel 11gg11 zu übertragen weiß. Daran scheitern meine Spieler so ein wenig. Wie gesagt, ich will meine Vorgänger als Trainer nicht kritisieren, aber mMn wurden da in den jüngeren Jugenden wichtige Dinge vernachlässigt. So etwas wie Spielintelligenz und Übersicht lässt sich denke ich gerade schon im E-/D-Bereich gut vermitteln.

  • Eine Übung kann vom Grundprinzip her noch so gut sein - daraus lernen wird ein Spieler denke ich nur, wenn er den Sinn dahinter versteht und ihn dann auch ins Spiel 11gg11 zu übertragen weiß.

    Das sehe ich ganz genauso! Die sind ja alle nicht doof, schauen Fußball im TV und interessieren sich dafür. Aber alles nach Gefühl lernen und unterbewusst die Instinkte ausbilden, kann auch in die falsche Richtung gehen: körperlich bessere und schnellere Spieler würden dann das Stellungsspiel nicht verbessern, weil sie die anderen ja immer noch einholen können.


    Mit voller Transparenz bei jeder Übung erklären, was das Thema ist, wo man es auf dem Feld braucht und wie man zu einer Lösung kommt, ist der Schubser, den viele brauchen. Das Training ist ein Angebot mit Hilfestellung, die Dinge zu lernen, die dann im Spiel umgesetzt werden sollten.


    Spielformen machen ohne etwas zu erklären verfehlt meist den Sinn.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Allerdings ist es halt nicht einfach, wenn wie gesagt das eigentliche goldene Lernalter schon überschritten wurde und bestimmte Verhaltensweisen auf dem Platz intuitiv noch nicht sitzen.

    Einspruch, euer Ehren

    Das viel zitierte goldene Lernalter bezieht sich hauptsächlich auf Koordinatives.

    Was du brauchst ist Orientierungsfähigkeit und da ist es noch längst nicht zu spät. Außerdem ist die intrisische Motivation ein entscheidender Faktor. Die musst du nur wach kitzeln.

  • Ich meine damit Dinge wie Positionsspiel, Bewegung ohne Ball, Freilaufen, Strafraumbesetzung, Raumaufteilung, wann verlagere ich das Spiel auf die andere Seite, wann starte ich den Lauf in den Tiefe, wann komme ich besser dem Mitspieler entgegen und biete mich kurz an etc. Also im Prinzip grundlegende Dinge, die zum Fußball spielen einfach dazu gehören, aber nicht unmittelbar etwas mit Ballbehandlung zu tun haben.

    Aus der Problemstellung die Du beschreibst, ergeben sich ja Trainingsinhalte, die trainiert werden sollten um ein -Mindset- zu schaffen. Freilaufen ,Raumaufteilung, Positionsspiel etc. etc. Also Räume erkennen und nutzen, Passverbindungen schaffen (bedingt individualverhalten Deckungsschatten lösen etc.) etc. etc.

    Dann ziehst Du das Fazit:

    Genau, das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass Spielformen, bei denen auf Tore/Minitore gespielt wird, einfach besser funktionieren, als reines Ballhalten, egal ob Überzahl/Unterzahl oder mit gleich großen Teams. Bei stärkeren C-Jugendteams mag das zwar funktionieren, aber meine Spieler lassen dann den notwendigen Ehrgeiz vermissen bzw man hat wieder das Problem, dass sie den Sinn der Übung und die Absicht dahinter gar nicht erst kapieren. Es geht hier wahrscheinlich wirklich eher um dieses "spielerische Lernen", wie man es vor allem auch im F- und E-Bereich handhabt. Allerdings ist es halt nicht einfach, wenn wie gesagt das eigentliche goldene Lernalter schon überschritten wurde und bestimmte Verhaltensweisen auf dem Platz intuitiv noch nicht sitzen

    Ich würde für mich das gegenteilige Fazit ziehen. Nämlich eine hohe WDH Zahl der oben genannten Inhalte über Spielformen ohne Spielrichtung, bei denen ständig gefordert Passfenster zu öffnen (durch lösen aus Deckungsschatten etc) und dadurch Passverbindungen zu schaffen, sowohl für den Passempfänger als auch schon für den nächsten etc. Implizit schult man dabei

    -nebenbei- Spiel über den Dritten etc. etc.

    Die Sinnhaftigkeit zu erklären sollte kein Problem sein, und jedem in dem Alter vollkommen verständlich. Eine Verbesserung und somit ein Nutzen erkennen-Erkenntnis nutzen ist darüber eigentlich schnell zu vermitteln. Damit ist dann der Transfer ins Spiel auch nicht mehr schwierig.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Man kann auch noch tiefer starten mit einem einfachen 2:1.

    Wie schrieb Horst Wein so schön, dass ganze 11:11 Spiel besteht eigentlich aus ganz vielen 2:1 Situationen.


    Einfachste Übung ist eine Torschussübung, bei der 1 Verteidiger in einem Feld (vielleicht 10x10 Meter) steht und überspielt werden muss.

    Der Verteidiger soll das Feld nicht verlassen, die Angreifer müssen hingegen beide durch den Korridor.

    Das Feld platziere ich so ca. 20 Meter vor dem Jugendtor (noch nicht C-Jugend). Muss man gucken, wie es passt.

    Wenn sie am Verteidiger vorbei kommen, dürfen sie einen Angriff aufs Tor spielen.

    Wenn selbst das zu schwer ist, Korridor breiter machen. Oder sogar mit 3:1 in einem 20m Korridor starten.


    Wenn es gut klappt lässt sich die 2:1 Übung auch steigern. Z.B. einen zweiten Verteidiger davor/dahinter in einem weiteren Feld platzieren, dann müssen die Abspiele/Dribblings noch genauer sein.

    Oder 3:2 mit/ohne Begrenzung.


    Und natürlich geht es auch ohne Torschuss mit Dribbel-Toren. Dann ein Feld ca. 20 lang und 10 Meter breit. Die Enden sind jeweils Dribbel-Tore mit jeweils einem Verteidiger. Zwei Angreifer greifen dann zusammen abwechselnd die beiden Dribbel-Tore an. So ist die Übung bei Horst Wein (Abmessungen vielleicht anders). Bei meinen Jungs hat sich die Torschuss-Variante aber als besser herausgestellt, da haben sie mehr Ehrgeiz.

    Und die Torschuss-Variante kann ich immer leicht einwerfen, benötigt nicht viel Aufbau.


    Und natürlich bei allem immer coachen / Tipps geben.