laute standpauke nach dem Spiel....

  • hallo zusammen,

    Am Wochenende hat meine u13(bol) ein Spiel gehabt welches sie verloren hatten. Vom spielerischen her, waren wir EIGENTLICH besser, haben aber unter unseren Möglichkeiten gespielt.


    Mein trainerkollege hat die, eh deprimierten jungs, nochmal ordentlich rund gemacht.



    Was meint ihr dazu?

    Gleich danach nochmal draufhauen.. oder besser einen tag ,bis zum training, warten...?

    Versuche im jeden Training 1 Spieler gezielt besser zu machen und du hast in einem Jahr/einer saison, VIEL geschafft!

  • Ich kenne deine Mannschaft nicht und hab das Spiel nicht gesehen.

    Aber muss man eine U13 überhaupt "ordentlich rund machen" oder "draufhauen"? Was soll das Ziel davon sein? Hört sich für mich ziemlich drastisch an.

    Haben sich die Jungs selbst geärgert über die Niederlage oder war Ihnen es völlig egal?

  • Weiß auch nicht ob man eine U13 "rund" machen muss.

    Ich denke nicht.

    Wenn man das Spiel analysieren will, und den Spielern was mitgeben will, mach ich das immer erst beim nächsten Training. Am gleichen Tag sind die Spieler oft eh schon platt, sprich auch gar nicht mehr aufnahmefähig.

    Und man selbst kann das Spiel auch noch mal im Geiste durchgehen und die richtigen Schlüsse ziehen.

    Übrigens auch wenn wir gewinnen, halte ich keine Lobeshymnen direkt nach dem Spiel.

  • @lobinjo - stimme dir zu. Ein Trainer muss ein Spiel erst verarbeiten, was hilft da ein Rundumschlag gegen die Mannschaft. Der Frust des Trainer wird größer und die Mannschaft ist verunsichert, egal welche Liga .

    Klar ist man als Trainer erstmal bedient, wenn die Mannschaft ein Schlendrian hat oder sich nicht so präsentiert wie man sich das vorgestellt hat. Ich kann aus Niederlagen mehr für mich und mein Training herausfiltern als nach einer Siegesserie und Schulterklopfen der Eltern.

    Mir hilft es z.B. , wenn ich paar Minuten vom Spiel aufnehmen lasse und mir es später in Ruhe genau anschaue, dort sehe ich Sachen die ich im Spiel nicht wahrgenommen habe. Ich zeig meinen Jungs auch diese Sequenzen aus dem Spiel und stelle Fragen, was man besser hätte machen können. Gemeinsam lernt am besten aus Niederlagen die richtigen Schlüsse zu ziehen.

  • Ich hatte in der U9 mal so eine Situation, wo mein Co-Trainer die Fassung verloren hat, und die Mannschaft nach einem Spiel in der Halle vor versammelter Tribüne rund gemacht hat. Da habe ich mich geschämt. Bin danach mit den Spielern in die Kabine und habe versucht ganz ruhig zu analysieren und sie wieder aufzubauen.


    Ich selber hatte einmal eine Situation in einem Spiel gegen einen starken Gegner. Wir sind eigentlich besser, haben aber immer die Hose voll. Das äußert sich so, dass die Kinder spielen wie gelähmt und nicht annähernd die Leistung abrufen, die sie haben. Wenn man dann das dritte Mal in Serie gegen diesen Gegner verliert, nur weil man vor Respekt aufhört Fussball zu spielen, dann regt einen das schon irgendwann auf. Vor allem dann, wenn der Trainer der gegnerischen Mannschaft ein Brüll-und Erfolgstrainer ist, dem man mal wieder keinen Strich durch die Rechnung machen konnte. Ja, ich weiß das diese Gedanken Mist sind. Aber das war das einzige Mal, wo ich in der Kabine nach dem Spiel etwas lauter geworden bin. Beim nächsten Training habe ich mich bei den Kindern dafür entschuldigt.

  • Ich versteh "rund machen" bei älteren Trainern in der Regel nicht. Klar ist man emotional nach einem Spiel, aber wir Trainer müssen uns da einfach im Griff haben. Mit Maulerei ist niemanden geholfen. Im Gegenteil, wir schaden der Mannschaft.

    Wenn wir davon ausgehen, dass deine Jungs das beste gegeben haben, kann man dann ihnen einen Vorwurf machen?

    Problemanalyse machen und dann die Ursache der Probleme erforschen und diese dann abstellen. Gerade letzteres ist anstrengend, aber wir sind ja nicht Trainer geworden weil es leicht ist ;)

  • Von Ärger kann sich wohl keiner freimachen.

    Es geht darum das zielgerichtet und konstruktiv einzusetzen. Sind die Jungs deprimiert und wissen woran es lag?

    Dann erübrigt sich jede Art der -Standpauke-.

    Sind Sie ratlos. Dann im nächsten Training ansprechen.

    War der Gegner einfach mal besser? Dann auch so klar kommunizieren. Respekt schaffen und Antrieb selber besser zu werden.

    Generell ist m.e. wichtig bei Kritik(bitte mit zeitlichem Abstand) herauszustellen, das man Dinge kritisiert, die die Kids wirklich besser können und Wege aufzeigen das auch umzusetzen. Die AKzeptanz steigt dann es besser zu machen, weil die Kids merken, das der Trainer an IHNEN interessiert ist, und nicht am eigenen Erfolg, zu dem Sie selbst nur Mittel zum Zweck sind.

    Gerade im nächsten Training Dinge loben die im Spiel schief gelaufen sind, damit der Effekt(Ich kann es) verstärkt wird.

    Das soll nicht heißen, das ich problemorientiertes Training favorisiere. (Also Trainingsschwerpunkte nach Fehlern im letzten Spiel). Davon halte ich gar nichts.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • danke danke für die bisherigen Antworten, die Meine Meinung wiederspiegeln.

    Ich denke auch, dass die Art und Weise völlig überzogen und unnötig war. Gleich welche liga...

    Die Jungs waren down und dann kommt nochmal sowas..

    "Eine Antwort" bei dem kommenden Spielen wurde nun gefordert.

    Ich denke, ich werde mir treu bleiben und diese Respektlose art nicht adaptieren. Mein junger(20,j.Kollege) ist zudem noch co. Trainer des u14 bayernliga teams..

    Vielleicht ist dieser ton dort gang und gebe?


    Je höher die Liga, desto schärfer der Ton?

    Hm..

    Versuche im jeden Training 1 Spieler gezielt besser zu machen und du hast in einem Jahr/einer saison, VIEL geschafft!

  • kommt immer auf die Situation drauf an wie das Team vom Platz geht. Ich spreche kurz nach dem Spiel die kritischen Situationen ganz trocken und frei von Emotionen an um die Emotionen und gegenseitigen Schuldzuweisungen abzufangen. Genaueres kommt dann immer beim nächsten Training. --> U14

  • Mein junger(20,j.Kollege) ist zudem noch co. Trainer des u14 bayernliga teams..

    Vielleicht ist dieser ton dort gang und gebe?

    denke nicht das es gang und geben ist aber klar, die Älteren muss ich nicht in Seidenpapier wickeln. Aber draufhauen ist genauso kontraproduktiv wie in allen anderen Altersklassen auch.


    Mir wurde mal gesagt schreien ist ein Zeichen von Hilflosigkeit?! :/

  • wenn die Mannschaft ein schlechtes Spiel abliefert, nachher aber der Meinung ist, dass sie gut war und beratungsresistent ist, finde ich schon, dass der Ton etwas rauer sein darf. Konstruktive Kritik hat noch niemandem geschadet und in der Altersklasse müssen es sie Kinder auch ab können. Meine Tochter z.B. hat mal einen Anpfiff bekommen, weil ihre Einstellung auf dem Platz nicht gestimmt hat. Geschadet hat ihr dieser Anpfiff ganz sicher nicht, an der Einstellung hat es danach auf jeden Fall nicht mehr gelegen.


    Auf Kinder, die schon komplett fertig sind, sollte man meiner Meinung nach nicht "draufhauen", sonder die ganze Sache sacken lassen und es beim nächsten Training besprechen. Da hat sich auch der Trainer wieder beruhigt und man kann alles mit etwas Abstand vielleicht auch viel besser beurteilen.

  • @Christof1984 - Je höher die Liga, desto schärfer der Ton?

    Nee, genau umgehrt habe ich die Erfahrung gemacht.

    Je höher Trainer mal als Spieler gespielt haben, umso entspannter sehen sie das.

    Ist nach meiner Erfahrung komplett unabhängig. Tendenziell eher andersrum.


    Du musst eventuell bedenken, dass ein Ex-Buli Spieler der eine U12 coacht evtl. weniger ehrgeizig ist, als ein Ex-BZL Spieler, der in der Verbandsliga Trainer ist.

    Ab einem gewissen Punkt ist Ehrgeiz als Trainer einfach auch eine Vorraussetzung.

  • Ich denke es gibt zu viele verschieden Faktoren um eine generelle Aussage treffen zu können.

    Ab einem gewissen alter darf man den Spieler schon etwas deutlichere Ansagen machen.

    Wobei ich das nur aufgrund einer mangelnden Einstellung machen würde, nicht wegen fußballerischen Fehlern.


    Als Trainer sollte man seine Mannschaft ja auch einschätzen können, manche Spieler kann man durch etwas lautere Ansprachen motivieren , andere wiederum muss man ruhig und besonnen angehen. Das kann man aber meiner Meinung nur bewerten wenn man die Spieler gut genug kennt

  • Ich finde auch, dass man die raue Tonart situationsbedingt bewerten muss.

    Ich hatte beispielsweise vor 3 Wochen ein Spiel wo es etwas wärmer war und die Spieler sozusagen Arbeitsverweigerung begangen haben. Haben als in die Sonne geschaut, mittem im Spiel ihren berüchtigten Fortnite Tanz gemacht und mit den Armen durch die Luft gewedelt. In der Halbzeit dann die Sachen versucht ruhig anzusprechen. Die zweite Halbzeit war dann doppelt so schlimm und wir mussten uns 15:0 geschlagen gegeben, gegen einen eher gleichwertigen Gegner.

    Dann konnte ich mich auch nicht zurückhalten, sondern habe den Kids auch mal in einem rauen Ton gesagt, dass sowas überhaupt nicht geht. Aber auch erst im nächsten Training.


    Nach dem Spiel bin ich direkt heim und habe denen gezeigt, dass ich sauer bin. Das nächste Spiel auch verloren, aber mit einer extrem guten Leistung von meinen Kids. Da habe ich denen wieder gezeigt, wie stolz ich eigentlich auf sie bin.

  • Gegen den schwächsten Gegner mit 3:2 mit müh und not gewonnen.
    Nachdem die Kids meinten den Sieg in der Kabine überschwänglich feiern zu können habe ich Ihnen gesagt das sie sich über den Sieg zwar freuen dürfen aber auf die Leistung brauchen sie nicht stolz sein. Cirka 60% der Spieler haben die Ansage sofort verstanden und bei den anderen 40% hat es etwas gedauert.. aber die Message ist angekommen.

    Das ganze ruhig und sachlich gesagt, danach habe ich die Kabine wider verlassen.

    Am Dienstag habe ich das 1:6 mit ihnen aus der Vorwoche aufgearbeitet und sie mal ermutigt sich über die zukünftigen Spiele Gedanken zu machen anstatt sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ich war teilweise Überrascht das sich eigentlich die größten "Chaoten" sich die meisten Gedanken machten...

    Es muss nicht immer laut und viel sein um die Kinder auf den Boden zurückzuholen oder wach zu rütteln. Da reicht oft ein Satz in einer gewissen Tonlage und die Wirkung ist weit stärker als eine laut vorgetragen Predigt. Da schalten sowieso die meisten auf Durchzug! ;)