Wechsel ins NLZ-Internat

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!
  • Wenn man den Jungen überzeugen kann, dass er auch später noch im Fokus des Vereins ist, dann sollte er auf die Eltern hören. So hat er noch ein Ziel vor Augen, nämlich in drei-vier Jahren zu diesem Verein zu wechseln.

  • Wie würdet ihr hier agieren?

    Kommt vor allem darauf an wie weit der Bundesligaverein entfernt ist bzw. wie lange die Fahrtzeit ist.

    Ist der Weg nur unwesentlich länger als zum jetzigen Verein uns lässt sich neben der Schule, Freizeit etc. gut handeln spricht eigentlich nichts dagegen, auch wenn es in dem Alter eigentlich noch fast ein bisschen früh ist.


    Wenn man in dem Alter bereits dorthin wechselt ist halt die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass er in den nächsten Jahren auch wieder aussortiert wird. Verkraftet der Spieler ein solches Szenario?

    Die Fahrt ist eher unproblematisch. Bis zum Trainingszentrum sind es ca. 10-15 Minuten.


    Ich frage mich ehrlich gesagt weniger was dagegen als was dafür spricht.

    Warum geht man zu einem Bundesligisten inkl. mehr Druck, Aufwand etc.


    Für eine bessere Ausbildung und die Chance auf Profifußball... und sonst? Stolz den eigenen Jungen in so einem Verein zu sehen?


    Wenn der Junge die entsprechende Qualität hat, ist bei einem Wechsel in 4 Jahren die Chance auf Profifußball kleiner?


    Ich sehe das als Trainer und Vater eines Sohnes der niemals in den Fokus eines NLZ geraten wird, sehr nüchtern. Wäre mir das auch möglich wenn es hier um meinen Sohn ginge oder würden Stolz und Ego mich auch Richtung Wechsel tendieren lassen?

  • Wenn man den Jungen überzeugen kann, dass er auch später noch im Fokus des Vereins ist, dann sollte er auf die Eltern hören. So hat er noch ein Ziel vor Augen, nämlich in drei-vier Jahren zu diesem Verein zu wechseln.

    Für mich ist dieser Junge wirklich der Prototyp des Spielers der es versuchen sollte.


    Technisch herausragend, diszipliniert, schnell, unglaublich ehrgeizig, mannschaftsdienlich, gutes Auge, toller Mitspieler und Anführer.


    Ich habe am ehesten die Sorge das da jemand zu früh in eine solch professionelle Ausbildung reingezogen wird und irgendwann sein Feuer verliert.


    Ich wäre wirklich traurig diesen Jungen und Spieler nicht mehr in meinem Team zu haben, aber meine Meinung zu einem Wechsel versuche ich mir frei davon zu bilden. Ob mir das komplett gelingt... keine Ahnung.

  • Wenn man das mit realistischen Erwartungen angeht kann das schon ne gute Sache sein. Für einen Jungen bei dem Fußball einen sehr wichtige Rolle in seinem Leben spielt, kann das schon sehr erfüllend sein, regelmäßig mit Gleichgesinnten auf dem Platz zu stehen. Da muss Fußball nicht immer etwas "sinnvolles' sein, insbesondere, weil der Aufwand ja nicht exorbitant ist.


    Aber mal aus Deiner Sicht: Ich versuche immer den Spielern/Eltern so objektiv wie möglich meine eigene Sichtweise zu schildern und so eventuell nochmal andere Argumente in den Fokus zu rücken. Da geht es aber mMn auch drum, auch die positiven Aspekte anzusprechen, Auch wenn man den Wechsel selber vllt etwas kritisch sieht.


    Am Ende wird man Dir am ehesten für Ehrlichkeit danken, besonders dann, wenn der Junge vielleicht NLZ irgendwann verlässt. Und die Entscheidung treffen müssen sowieso die Eltern.

  • Wenn man das mit realistischen Erwartungen angeht kann das schon ne gute Sache sein. Für einen Jungen bei dem Fußball einen sehr wichtige Rolle in seinem Leben spielt, kann das schon sehr erfüllend sein, regelmäßig mit Gleichgesinnten auf dem Platz zu stehen. Da muss Fußball nicht immer etwas "sinnvolles' sein, insbesondere, weil der Aufwand ja nicht exorbitant ist.


    Aber mal aus Deiner Sicht: Ich versuche immer den Spielern/Eltern so objektiv wie möglich meine eigene Sichtweise zu schildern und so eventuell nochmal andere Argumente in den Fokus zu rücken. Da geht es aber mMn auch drum, auch die positiven Aspekte anzusprechen, Auch wenn man den Wechsel selber vllt etwas kritisch sieht.


    Am Ende wird man Dir am ehesten für Ehrlichkeit danken, besonders dann, wenn der Junge vielleicht NLZ irgendwann verlässt. Und die Entscheidung treffen müssen sowieso die Eltern.

    Und genau diese realistischen Erwartungen sind aus meiner Sicht ein großes Problem. Der Traum ist so groß, dass viele Eltern meiner Erfahrung nach jeden Aufwand auf sich nehmen würden um ihn zu erreichen. Mir kommen die Kinder da manchmal fast wie ein Mittel zum Zweck vor.


    In diesem Fall ist das anders und gerade deshalb denke ich ernsthaft darüber nach was ich raten soll.


    Ich glaube wirklich das bei diesem Jungen ein Wechsel zu einem Großen der folgerichtig Schritt sein wird, halte es jetzt aber für zu früh.


    Und ich glaube genau das werde ich sagen...

  • Was spricht dafür:

    Zu aller erst einmal, dass der Junge unbedingt will, oder?


    Das Argument "Profifussballer in 12 Jahren" würde ich da mal völlig ignorieren, manch einer will sein Hobby einfach auf dem höchst möglichen Niveau ausüben. Denn das kann Spaß machen.

    Den größten Druck - der ja immer die Kehrseite der Medaille ist - machen eh idR die Eltern. Das scheint hier ja aber nicht so zu sein (noch nicht?), denn dann wäre die Entscheidung ja schon klar.


    Bei dem NLZ kann er sich halt nicht nur im Training mit den besten messen, er kann tolle Turniere spielen, gegen die namhaftesten Gegner spielen, etc. was er anderswo so nicht erleben kann. Teilweise gibt es da noch andere Highlight, die man eben anderswo nicht erleben kann.



    Bei 15 min Fahrtzeit und dem Wunsch des Jungen, sehe ich da kaum Argumente, die dagegen sprechen.

    (Mal aus der Perspektive der Eltern: Der Junge will unbedingt, der Aufwand/Fahrtweg ist kein Problem, die Eltern gehen da entspannt heran: Wenn sie ihn jetzt nicht wechseln lassen und er in 3-4 Jahren diese Möglichkeit nicht mehr bekommt bei seinem Lieblingsverein spielen zu können, ist das wirklich hilfreich für die Eltern-Kind-Beziehung? der Zukunft?)


    Wichtig wäre - aber das ist es immer - dass die Eltern konsequent mit dem Kind von einer endlichen Zeit beim NLZ sprechen, einer Phase, die zu Ende gehen wird. Am besten auch so, dass man schon bespricht, was man dann machen wird (zurück zum Heimatverein zB), egal, wie man dann auch wirklich agieren wird, da das ja auch mit dem Zeitpunkt und der Entwicklung zusammenhängt. Allerdings scheint der Heimatverein ja als ambitionierter Amateurverein dann wirklich eine denkbare Option zu sein, wenn die Zeit im NLZ endet.)

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Wenn man den Jungen überzeugen kann, dass er auch später noch im Fokus des Vereins ist, dann sollte er auf die Eltern hören. So hat er noch ein Ziel vor Augen, nämlich in drei-vier Jahren zu diesem Verein zu wechseln.

    Das halte ich aus vielen Gründen für zu kurz gedacht:


    1) Niemand kann dem garantieren, dass er in 3-4 Jahren erneut die Chance bekommt. In einem Jahr, eventuell, in 4 Jahren definitiv nicht.

    2) Wenn ein U10 Spieler das Ziel benötigt, in der Zukunft mal höher wechseln zu können, um den Sport mit vollem Einsatz auszuüben, dann ist das schon paradox und ziemlich sicher ist ein Wechseln in das NLZ dann so oder niemals die richtige Wahl. Wenn da keine intrinsiche Motivation vorhanden ist bei einem 8-9 jährigen...dann ist schon die Wahl des Hobbys Fussball diskutabel.

    Und wenn man schon Ziele braucht, dann gäbe es da genug andere, auch beim NLZ. Zu allererst mal die individuelle Verbesserung, Spiele/Turniere zu gewinnen, das nächste Jahr zu erreichen, etc.

    Und wenn der Druck als Gegenargument angeführt wird, den ein NLZ mitbringt, was bewertet man dann das "Ziel" in 4 Jahren den Sprung in ein NLZ zu schaffen bzw. ja dann eher schaffen zu müssen?

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Danke für den Gedanken mit der Phase im NLZ. Das ist ein wirklich wichtiger Ansatz, den ich leider bisher so nicht gesehen habe.

    Insgesamt finde ich bei deinen beiden Posts sehr gute Anregungen und neue Sichtweisen.

  • Ich habe mir angewöhnt, in solchen Fällen keine Ratschläge zu geben. Die Wahrscheinlichkeit, von irgendjemandem als nicht neutral angesehen zu werden, ist mir zu groß.

    Stattdessen rate ich dazu, mit 2 Arten von NLZ-Spielern (und/oder ggf. ihren Eltern - je nach Alter) zu sprechen: Ein Spieler, der z.Zt. im NLZ spielt und ein Spieler, der das NLZ bereits wieder verlassen hat.

    Ich möchte, dass sie die zwei Seiten neutral aus erster Hand sehen. Ich bin gerne bereit, aus beiden Gruppen Ansprechpartner zu vermitteln.

    Sie sollen einfach sehr genau wissen, was auf sie zukommt. Wenn Dir ein Spieler oder Ex-Spieler erzählt, wie seine Woche aussieht/aussah, hört sich das ganz anders an als wenn das ein "NLZ-Recruiting-Manager" macht.

  • Bennoah

    Wie haben sich denn die Eltern entschieden?

    Der Junge bleibt erstmal bei uns, wird aber zusätzlich zu unserem Training einmal in der Woche ins Fördertraining beim Bundesligisten gehen.


    Der Junge geht den Weg nach einer gewissen Enttäuschung mit und den Eltern ist bewusst, dass sie diesen Wechsel wohl eher aufgeschoben als abgelehnt haben.


    Der Bundesligist ist zufrieden mit der Lösung, will den Jungen vor allem emotional an sich binden und den Wechsel in ein anderes NLZ in der Zukunft "verhindern". Ob der Junge 2 Jahre eher oder, bei entsprechender Entwicklung, später kommt, ist da nicht so entscheidend.

  • Bennoah Ich finde die Entscheidung gut, so haben wir das auch gemacht, denn wenn ich sehe was die Kinder für einen schulischen Druck haben dann bereue ich das nicht. Irgendwie waren wir etwas entäuscht und/aber auch glücklich. Es war ein zwiegespaltenes Gefühl da man zu einem Stolz war, aber die vernumpft dann rät es nicht zu machen. Außerdem kam jetzt schon wieder Angebot und haben es wieder abgelehnt. Ein Rat evtl. noch, lass dich nich verrückt machen. Vorallem von diesen ganzen DfB oder NLZ, die immer sagen das er dann in seiner Entwicklung gebremst wird. Das ist nicht so, es ist genau das Gegenteil. In einem NLZ oder an einem DfB Stützpunkt wird er in ein Schema gepresst und kann sich nicht frei entwickeln. Da geht es primär um Leistung anstatt Kreativität. So meine Meinung und Erfahrung. Zudem habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler nicht unbedingt in einem hohen Leistungsdruck spielen sollen um besser zu werden. In meinen Training habe ich aktuell einen Spieler mit einem unglaublichen Talent. Ich fürchte, dass das nicht mehr lange dauert und die NLZ stehen da um ihn zu holen.

  • Bennoah Ich finde die Entscheidung gut, so haben wir das auch gemacht, denn wenn ich sehe was die Kinder für einen schulischen Druck haben dann bereue ich das nicht. Irgendwie waren wir etwas entäuscht und/aber auch glücklich. Es war ein zwiegespaltenes Gefühl da man zu einem Stolz war, aber die vernumpft dann rät es nicht zu machen. Außerdem kam jetzt schon wieder Angebot und haben es wieder abgelehnt. Ein Rat evtl. noch, lass dich nich verrückt machen. Vorallem von diesen ganzen DfB oder NLZ, die immer sagen das er dann in seiner Entwicklung gebremst wird. Das ist nicht so, es ist genau das Gegenteil. In einem NLZ oder an einem DfB Stützpunkt wird er in ein Schema gepresst und kann sich nicht frei entwickeln. Da geht es primär um Leistung anstatt Kreativität. So meine Meinung und Erfahrung. Zudem habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler nicht unbedingt in einem hohen Leistungsdruck spielen sollen um besser zu werden. In meinen Training habe ich aktuell einen Spieler mit einem unglaublichen Talent. Ich fürchte, dass das nicht mehr lange dauert und die NLZ stehen da um ihn zu holen.

    Bis zu einem gewissen Alter ist das sicher korrekt, dass ein NLZ in Relation zum Aufwand den man reinsteckt keinen Mehrwert zum Heimatverein bringt. (wobei hier schon immer das Niveau im Heimatverein entscheidend ist).

    Beim Stützpunkt muss ich Dir entschieden widersprechen. Es ist unbestritten, dass auch an den Stützpunkten Optimierungsbedarf besteht und dass man vieles besser machen könnte. Das dort Kinder in der fußballerischen Entwicklung gebremst werden ist aber schlicht und einfach falsch.
    Ab dem Alter wo Kinder in den Stützpunkt gehen (und das ist in meinen Augen auch der früheste Zeitpunkt wo NLZ sinnvoll ist) geht es natürlich um Leistung (nicht um Ergebnis) und es gibt genügend Kinder, die in Ihrer körperlichen wie geistigen Entwicklung weit genug sind, dass sie richtig Lust darauf haben in ihrem Lieblingshobby mit Spaß und Freude ihre Leistungsgrenze zu gehen. Wenn es dann noch relativ Wohnortnah als Ergänzung zum Training und Spiel im Heimatverein, wo die Kids weiter mit ihren Freunden kicken abläuft, werden diese Kinder ausschließlich davon positiv profitieren, was nicht heißt, dass sie deswegen Profis werden müssen.

    Kinder, die in dem Altern noch nicht bereit sind ihre Leistungsgrenze auszutesten, kicken eben weiter mit Spaß und Freunden weiter im Heimatclub und versuchen es am Stützpunkt erst später, wenn sie von Ihrer Motivation her soweit sind. Oder sie machen einfach auf Vereinsebene weiter und werden am Ende trotzdem gut ausgebildete Breitensportfußballer, die genauso Spaß an ihrem Sport haben. Grundsätzlich müssen wir nämlich mal festhalten, dass das ganze Thema Stützpunkte und NLZ genauso wie ambitionierte Leistungsvereine im Jugendbereich dazu dient den Nachwuchs für den Profi- und höheren Amateurbereich (bis Verbands-/Oberliga) zu finden.
    Um ein vernünftiger Kreis-/Bezirksligakicker zu werden braucht es das alles nicht. Ich bin überzeugt, dass motorisch angemessen veranlagte Spieler(innen), die ab der U9 bis zur U19 durchziehen locker Kreis- ggf. Bezirksliga spielen können, ohne dabei größere Unfälle zu erleiden oder zu verursachen.


    Zurück zum eigentlichen Thema:
    Mein Sohn (11) trainiert und spielt jetzt seit ca. 8 Wochen in einer NLZ-U12.
    Training 3x/Woche + Spiel einfache Fahrzeit ca. 30 Minuten
    Aufwand für uns als Eltern ist vertretbar, da eine Fahrgemeinschaft mit 2 weiteren Familien bilden können (war auch ein Grund dieses NLZ einem anderen, dass im Raum stand vorzuziehen)
    Der aktuelle Eindruck: wir haben für unseren Sohn genau den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel erwischt.
    Allein durch das höhere Trainingsniveau hat er einen Entwicklungssprung (sportlich & persönlich) gemacht wie lange Zeit vorher nicht. Er geht mit noch mehr Freude und Motivation zum Training und Spiel als vorher im Heimatverein (da gab es daran auch schon nichts zu meckern, aber das jetzt hat noch mal eine ganz andere Dimension). Mir ist bewusst, dass auch daraus irgendwann wieder Alltag wird und die Euphorie auf ein Normalmaß sinkt, aber nach Corona & Co freut es mich einfach ihn so zu erleben.

    Das höher Trainingsniveau kommt zum einen durch den Trainer, der natürlich einfach ein viel größeres Spektrum an Spielformen (Übungen gibt es tatsächlich eigentlich nur zur Regeneration oder Gaudi) hat und diese immer wieder auf die Tagesform der Jungs anpasst, als ich das mit meinem Training realisieren konnte. Zum anderen sind die Jungs alle auf einem ziemlich homogenen deutlich höheren Niveau als im Heimatverein und ziehen in jedem Training voll mit, so dass sie sich gegenseitig hochschaukeln und mit richtig viel Spaß an der Leistung (aktuell sehe ich keinen Leistungsdruck, aber die Saison beginnt ja auch erst) stetig verbessern.

    Im Heimatverein ist es (z.T. coronabedingt, aber auch aus den üblichen altersbedingten Gründen) gegenläufig. Aus der bisherigen Mannschaft möchten einige sich nur noch auf ein Hobby konzentrieren, das nicht der Fußball ist. Andere wurden durch die lange Pause in der guten Entwicklung, die sie davor hatten gebremst. .Es ist nun mal ungünstig, wenn ein 10/11-jähriger den ersten Wachstumsschub (in Höhe wie Breite) gerade in der Zeit bekommt, wo er keinen oder weniger Sport treibt als sonst. Die Jungs rücken in eine gemischte U13 auf, bei der die Spielerdecke wohl zu klein für 2 Teams sein wird aber zu groß für eines. Engagement im Verein bezüglich Spielgemeinschaft und vernünftige Trainer ist da aber nur halbherzig.
    Letztendlich beginnt der übliche Teufelskreis, in den viele Vereine zum Ende der Kleinfeldzeit geraten.
    Für mich ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits tut es mir Leid, für viele Jungs, die ich jetzt 7 Jahre trainiert habe, andererseits habe ich in den 7 Jahren ausreichend unentgeltlichen Beitrag für den Verein geleistet durch den Spieler ausgebildet und an den Verein gebunden wurden und damit ja auch die Mitgliedsbeiträge erhalten. In erster Linie bin ich aber nun mal der Vater meines Sohnes, für den Fußball (im Moment) eben mehr ist als für seine Altersgenossen im Heimatverein und deswegen steht für mich jetzt zunächst ganz oben ihn auf seinem neuen Weg zu unterstützen.
    Sportlich versuche ich mich zukünftig bis auf den ein oder anderen Tipp bzw. Hilfestellungen wenn er aktiv danach fragt weitestgehend zurückzuhalten. Wichtiger wird jetzt vermutlich die Aufgabe dafür zu sorgen, dass er den Spagat zwischen Mehraufwand im Sport und den Anforderungen der Schule schafft und was genauso wichtig ist, dass er trotz der zeitlichen Beanspruchung in Sport und Schule sich auch im Heimatort einen Freundeskreis erhalten kann in dem er sich aufgehoben fühlt.

    In seiner neuen Mannschaft hat er sich zwar super integriert und schnell Freunde gefunden, mir ist aber wichtig, dass er ein "zweites soziales Standbein" zu Hause behält. Uns ist bewusst, dass der Weg im Leistungsbezogenen Fußball irgendwann zu Ende sein kann. Es ist schön zu sehen, dass er bereits jetzt durch die neuen Kontakten die er knüpft wächst, und das wird ihn sicher auch in Zukunft bereichern, trotzdem ist es uns sehr wichtig, dass er hier immer ein gewisse "Home-Base" hat, die nicht nur aus seiner Familie besteht.

    Es ist jetzt doch mehr Text geworden, als ich ursprünglich geplant hatte.

    Dafür werde ich vermutlich in Zukunft mangels aktivem Trainerjob weniger beitragen können.

  • Beim Stützpunkt muss ich Dir entschieden widersprechen. Es ist unbestritten, dass auch an den Stützpunkten Optimierungsbedarf besteht und dass man vieles besser machen könnte. Das dort Kinder in der fußballerischen Entwicklung gebremst werden ist aber schlicht und einfach falsch.

    Neeeeein das stimmt so nicht bzw. sind Halbwahrheiten. Es kommt IMMER auf die Qualität der Trainer an. Dass, entschuldige, ist an den Stützpunkten bei weitem nicht gegeben, da die Entlohnung dort einfach zu gering ist. Außerdem gibt es gibt dazu auch Studien die genau deine Aussagen wiederlegen, dass die körperliche und spielerische Entwicklung keinesfalls damit zu tun hat bzw. marginale Fortschritte sind . Ich kann dir 1000 Beisspiele nennen wo das nicht so der Fall war (Sogar in unseren Heimatverein). Vorallem ist entscheident die Pupertät und das kannst du beim besten Willen nicht steuern. Außerdem ist immer der Heimatverein die Basis , die die Fußballprofis bildet, nicht der Stützpunkt oder das NLZ. Was man erkennen kann ist, dass man immer mehr dem entgegenwirkt und den Vereinen die Fußballtalente sowie Fussball und Strukturen entzieht. Das wird uns und dem deutschen Fußball auf kurz oder lang richtig weh tun. Auswirkungen kann man jetzt schon erkennen. Gestern bekam ich eine Nachricht, das ein großer Verein jetzt komplett den Spielbetrieb im Fußball einstellen wird, mangels Spieler. Diese wurden übrings von den einem anderen großen Vereinen alle abgeworben. Das Resultat ist nun, dass dort ein komplettes Loch entsteht in der Jugendarbeit. Dazu möchte ich weiter ausholen und noch Anmerken, dass die schulische Belastung freilich Auswirkungen haben und bei dem hohen Trainingsaufkommen, Zeiten fehlen um eine Regeneration (keine körperliche) zu bewerkstelligen. Ob es genügend Kinder gibt die das meistern, glaube ich aber das ist nicht die Regel. Ein Fall meinerseits. Ein Junge ging ins NLZ und musste dann nach mehrmaligen Wiederholen der Klasse auch noch in die Mittelschule wechseln, da er einfach keine Zeit und Lust hate den Stoff zu lernen. Weiterer Fall, ein Spieler musste das NLZ abbrechen, da er sonst wegen einer Ausbildung die Lehre sonst schmeißen musste. Nochmal, es ist eine individuelle Entscheidung und auch keine pauschale Aussage. Viele Eltern lassen sich blenden vom Traum: "Fußballprofi". Es kommt immer auf das Kind an. IMMER und nicht auf Aussagen von irgendwelchen Leuten.

  • ... Dazu möchte ich weiter ausholen und noch Anmerken, dass die schulische Belastung freilich Auswirkungen haben und bei dem hohen Trainingsaufkommen, Zeiten fehlen um eine Regeneration (keine körperliche) zu bewerkstelligen. Ob es genügend Kinder gibt die das meistern, glaube ich aber das ist nicht die Regel. Ein Fall meinerseits. Ein Junge ging ins NLZ und musste dann nach mehrmaligen Wiederholen der Klasse auch noch in die Mittelschule wechseln, da er einfach keine Zeit und Lust hate den Stoff zu lernen. Weiterer Fall, ein Spieler musste das NLZ abbrechen, da er sonst wegen einer Ausbildung die Lehre sonst schmeißen musste. Nochmal, es ist eine individuelle Entscheidung und auch keine pauschale Aussage. Viele Eltern lassen sich blenden vom Traum: "Fußballprofi". Es kommt immer auf das Kind an. IMMER und nicht auf Aussagen von irgendwelchen Leuten.

    Du kannst aber nicht das ganze System in Sack und Asche schreiben, nur weil es Eltern gibt, die nicht in der Lage sind Ihr Kind in diesem Umfeld richtig einzuschätzen und in der richtigen Form zu begleiten.
    Niemand zwingt Eltern oder Kinder in das NLZ-System. Es ist eine freiwillige Entscheidung, die erwachsene Menschen für ihr und hoffentlich mit ihrem Kind treffen.
    Ich nehme jetzt mal für mich in Anspruch, dass ich bzw. wir als Familie diesen Weg unseres Sohnes mit einer ausreichenden Portion Demut und realistischer Einschätzung der Zusammenhänge angehen. Immer im Blick, dass er sich im Moment damit einen Traum verwirklicht, von dem wir nicht wissen wie lange das sein wird.
    Wir haben im Familienkreis im Vorfeld klar abgesprochen wo die Prioritäten liegen und dass wir grundsätzlich nur von Jahr zu Jahr denken werden. Wir werden ständig sensibel beobachten, wie dieser Spagat unseren Sohn und unsere Familie als ganzes beeinflusst und hoffen, dass wir ihm so lange er es möchte ermöglichen können seinen Fußballtraum zu leben, aber nicht zu jedem Preis.
    Natürlich gibt es genügend Fälle wo das Kind oder die Familie völlig naiv und unreflektiert in das Thema hineinrasselt.
    Aber nochmal: wir sprechen wie im normalen Leben von Erwachsenen Menschen, die Kinder in die Welt gesetzt haben und deshalb nun mal in der Pflicht sind Ihr heranwachsendes Kind vernünftig zu begleiten und nicht einfach 3-4 x pro Woche ins Training zu schicken "und nach mir die Sintflut".

    Es kommt ja auch niemand auf die Idee das Internet abzuschalten oder Smartphones zu verbieten nur weil die meisten Eltern nicht in der Lage sind ihren Kindern einen vernünftigen Umgang damit beizubringen.

    Vermutlich wäre hinsichtlich vernünftiger Entwicklung von Jugendlichen mehr erreicht als wenn man im Fußball auf NLZ verzichtet.

  • Zitat

    Du kannst aber nicht das ganze System in Sack und Asche schreiben, nur weil es Eltern gibt, die nicht in der Lage sind Ihr Kind in diesem Umfeld richtig einzuschätzen und in der richtigen Form zu begleiten.

    Niemand zwingt Eltern oder Kinder in das NLZ-System. Es ist eine freiwillige Entscheidung, die erwachsene Menschen für ihr und hoffentlich mit ihrem Kind treffen.

    Das mache ich auch grundsätzlich nicht, doch auch du sagst PAUSCHAL, dass es nur den Weg gibt bzw. es suggeriert einem dieses. Ich bin keines falls gegen das NLZ, im Gegenteil, dort ist die Qualität der Trainer sehr hoch, weit höher angesiedelt als in den Stützpunkten. Das wiederum kann man jetzt auch nicht pauschal mit einem Rasenmäher gleich ziehen. Es gibt auch sehr sehr gute Stützpunkttrainer, aber das ist in der Regel seltener als in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligaclubs. Jedoch beinhalten auch diese schwarze Schafe. Ich gebe dir aber wirklich recht mit den Eltern. Da bin ich 10000% Dacor. Meine Erfahrungen hierzu sind aber auch, das viele Eltern meinen, weil Ihre Fußballkarriere scheiterte, müssen sie diese bei Ihren Kind durchboxen. Was ich da Tränen sah, dass kann man sich nicht vorstellen. Mir tun da auch die Kinder leid, die die enttäuschten Eltern dann vor sich haben und wild schimpfen den Platz verlassen. Wild gestikulieren. Meist spielen die Kinder dann nicht mehr Fußball und in ihren Stammvereinen stolpern sie dann über sich selber, weil sie sich schämen den Traum vom Fußballprofi doch nicht geschafft zu haben. Häme und Spot kommt dann oft auch dazu (Schon erlebt). Das System ist mir zu "Friss oder Stirb" anfällig. Wir brauchen Türöffner aber keine Türen die dann zufallen wenn er durchgegangen ist. Das wäre optimal.

  • Neeeeein das stimmt so nicht bzw. sind Halbwahrheiten. Es kommt IMMER auf die Qualität der Trainer an. Dass, entschuldige, ist an den Stützpunkten bei weitem nicht gegeben, da die Entlohnung dort einfach zu gering ist.

    Die Diskussion kommt hier ja immer regelmäßig wieder auf.

    Obiger Punkt stimmt aber definitiv nicht. Die Entlohnung der STP Trainer ist meist sogar höher als in den (unteren) Altersklassen der NLZ. Hieraus ist m.e. kein Zusammenhang zur Qualität der Trainer zu ziehen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Leider entwickelt sich dieser wirklich interessante Thread wieder in eine Richtung, die wir schon zig mal geführt haben. Das beobachter_1000 offensichtlich schlechte Erfahrungen mit (einem?) Stützpunkt(en) gemacht hat, sollte mittlerweile klar sein.

    Persönlich fände ich es gut, wenn wir in diesem Thread tatsächlich beim Thema blieben. Es ist wirklich spannend die Entwicklung zu lesen, danke Don Quijote .

    Zum Fall von Bennoah : ich finde die Entscheidung sehr gut. Der Junge kann in seinem Umfeld bleiben, hält aber gleichzeitig den Kontakt zum NLZ. Eltern können für sich und ihr Kind mehr Einblick gewinnen, ob das NLZ zukünftig der richtige Schritt ist.

  • Mal wieder ein Update, leider nicht allzu erfreulich:


    Nach seiner langen Verletzung hatte sich mein Sohn wieder heran gekämpft und war am Ende der Vorbereitung und auch in den ersten Pflichtspielen Stammspieler. Letztes Wochenende saß er dann überraschend auf der Bank. Auf Nachfrage hat ihm der Trainer mitgeteilt, dass er erstmal nicht mehr auf ihn setzen wird. Begründet hat er das mit Schwächen im Zweikampf und mangelnder Schnelligkeit, die für die Spielidee des Trainers (sehr hoch stehende Abwehr) halt wichtig sei.


    Unabhängig davon, ob die Bewertung zutrifft, finde ich das ganze ziemlich zum k…

    1. Die Trainer haben nicht von sich aus das Gespräch gesucht, um ihre Entscheidung zu begründen. Sondern mein Sohn musste nachfragen.
    2. Meinem Sohn wurde gesagt, dass er die kommenden Wochen nicht spielen wird und oft auch gar nicht im Kader sein wird. Ich verstehe, dass die Trainer den anderen Spielern auch eine Chance geben wollen (daher braucht es die Wochen), aber für meinen Sohn ist das jetzt extrem schwer. Er soll sich im Training engagieren, obwohl er weiß, dass er aktuell keine Einsatzchance hat?! Schwierig…
    3. Meinem Sohn fehlt durch Corona und die lange Verletzung Spielpraxis. Er sagt selbst, dass er noch nicht die Sicherheit aus der U17 wieder hat. Blöd halt, dass er die Spielpraxis, die er jetzt bräuchte, nicht bekommen wird.

    Natürlich macht sich mein Sohn jetzt große Sorgen, wie es sportlich weiter geht. Grade jetzt im letzten Jugendjahr wären Einsatzzeiten wichtig für den Übergang zu den Senioren. Mal sehen, wie das weiter läuft. Ein Vereinswechsel kommt aktuell nicht in Frage – zum einen hat er ja Vertrag und zum anderen ist er im Internat und macht kommendes Jahr Abi.


    Das Sahnehäubchen auf der Gesamtsituation ist dann noch, dass er aktuell praktisch keine Chance auf Besuche bei uns hat, da am Wochenende immer trainiert wird.


    Grüße

    Oliver