Wechsel ins NLZ-Internat

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  • So sehr ich sonst den NLZ positiv gegenüberstehe, so sehr störe ich mich an der Unfähigkeit und mangelnden Bereitschaft allen Spielern, die man im Kader hat ausreichend Spielzeit zu verschaffen.

    Zum einen liegt das sicher am Wettbewerbsdruck (Dein Sohn spielt ja vermutlich U19 Bundesliga) und der grundsätzlichen Einstellung, dass die gefördert werden sollen, denen man am Ende unter Umständen den Sprung zu den Profis oder zumindest zur U23 auch wirklich zutraut. zum anderen aber auch daran, dass sich die NLZ Ihrer Verantwortung gegenüber den Jugendlichen nicht bewusst sind.

    Ich würde mir zwei mögliche Wege wünschen:

    - Abschaffung von Auf- und Abstieg im Jugendbereich und eine Förderliga bis inkl. U19 bei der jeder Spieler eine definierte Mindestspielzeit pro Monat bekommt. Die Spiele könnten gerne in vier vierteln ausgetragen werden, so dass alle Mitglieder des Kaders in jedem Vergleich zum Einsatz kommen können.

    Ich bin - im Gegensatz zu vielen anderen - nicht der Ansicht, dass Kinder und Jugendliche Wettbewerbsdruck wie Meisterambitionen oder Ziel Klassenerhalt benötigen um Ihr bestes aus sich herauszuholen. Das Spiel an sich und das große Ziel Profi zu werden muss ausreichen, dass die Spieler in jedem Spiel alles aus sich herausholen. Die Spieler, die dazu nur in einem Wettbewerb mit Meisterschaft und Auf- / Abstieg in der Lage sind haben wegen fehlender intrinsischer Motive im Leistungssport eh nichts verloren.

    - Alternative: jedes NLZ ist verpflichtet, für die Spieler, die nicht oder zu wenig zum Einsatz kommen jede Woche ein Freundschaftsspiel zu organisieren, dass ihnen Spielpraxis auf angemessenem Niveau bietet. (z.B. gegen Reservisten von Ligakonkurrenten, ambitionierte Teams aus der Region, ggf. Seniorenteams von Landes, Verbands oder Oberligisten ...)


    Dass sich ab einem gewissen Alter (ab U17) in diesen Teams der Leistungsgedanke durchsetzt und ein Teil des Kaders weniger Chancen hat in der Top-Elf zu spielen, lässt sich nicht vermeiden und ist auch vollkommen in Ordnung so.

    Trotzdem haben die NLZ ja eine gewisse Verantwortung den Spielern gegenüber, die den Weg so lange mitgegangen sind.

    Es hat keiner das Recht darauf später Profi zu werden oder zumindest bei der 2. Mannschaft im Verein zu verbleiben.

    Aber jeder NLZ-Spieler sollte bis zum Ende seiner NLZ-Zeit solange er gesund ist und mitzieht die Möglichkeit haben jede Woche Spielpraxis zu erlangen, um sein Niveau trotz fehlendem Stammplatz zu erhalten oder weiterzuentwickeln, damit man später einen guten Übergang in den Seniorenbereich findet - in welcher Liga dass dann auch immer sein mag.


    Don Quijote: für Deinen Sohn alles Gute. Ich wünsche ihm Durchhaltevermögen und die Kraft im Training trotzdem weiter Vollgas geben zu können. Auch wenn man es niemandem wünscht, vielleicht profitiert er in den kommenden Monaten mal von Ausfällen oder Leistungsdellen im Team, so wie andere ja auch von seiner Verletzung profitiert haben.

  • Coach1976 sehe ich nicht so. Generell fehlt es bei uns an der Trainerbildung eine Emaptie sowie richtiges Kommunizieren. Ich denke der Spieler war im Jugendalter eine Granate und war sicherlich im vorderen Quartal geboren. Ihm wurde Sachen erzählt das er "alles" hat, um ein Profi zu werden. Sicherlich kann das schon sein, aber jetzt kommt es - plötzlich kommt ein "Unfähiger" Trainer, der plötzlich meint ein anderes Spielsystem zu spielen usw. usw. und plötzlich wird aus den Spieler ein Bankdrücker. Sorry - ich erlebe das dauernd. Die Spieler werden dann einfach demotiviert, das sie zu schlecht seinen. Hallo ? Der Spieler ist nicht zu schlecht, evtl. sollte sich der Trainer erstmal hinterfragen wie er den Spieler wieder fördern kann und eine Topleistung abruft. Dieser ganze NLZ Schwachsinn wird seit 5 Jahren immer schlimmer. (Sorry für diesen drastischen Ausdruck) Spieler werden verbrannt die eigentlich von der Anlage her mehr Potenzial hätten. Sorry da ist nicht der Erfolgsdruck schuld, sondern die Trainer die keinerlei Ahnung haben über Motivationstraining, Mentaltraining usw. Solche Spieler sollten in andere NLZ oder andere Mannschften transferiert werden - evtl. ein Pool von Spielern die dann wieder eine Auswahl bilden. Aber was will man da schreiben, die ganze Nachwuchsarbeit im Fußball ist so eine Farce geworden das mir oft genug die Spucke weg bleibt.

  • Ich finde diese NLZ Diskussion verläuft zu 90% -nicht nur hier- immer gleich und sehr einseitig, da die meisten Beiträge mit einem "enttäuschten" Hintergrund geteilt werden. Bei einem Kader von 23 bis 28 Spielern ab der U15, kann es doch gar nicht ausbleiben, dass irgendwer enttäuscht wird, egal mit welcher Begründung.

    Es werden immer Entscheidungen getroffen werden müssen, die für einen den Vorteil bedeuten und für den anderen den Nachteil. Das hört übrigens später im Berufs- oder im Profileben nicht auf.

    Seit 5 Jahren im NLZ bin ich als Vater eines aktuellen U14 Spielers meist zufrieden mit den Entscheidungen, aber je höher es nach oben geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein Sohn und dann auch ich mit einer Enttäuschung umgehen muss.

    Die Leistungsdichte nimmt jedes Jahr zu, da sind mindestens 15 Spieler, die alle Ihre Qualitäten haben und trotzdem nicht alle spielen oder weiterkommen.

    Ich kann jeden Trainer verstehen, der Schwierigkeiten hat, dies den betroffenen Spielern und teilweise noch dessen Eltern "mundgerecht" zu vermitteln.

    Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Trainern und und Koordinatoren und das sind beileibe keine unmenschlichen, empathielosen "Profischleifsteine". Dennoch ist es maximal wahrscheinlich, dass der Zeitpunkt kommt, an dem die Reise zu Ende ist.

    Bis dahin kann man die Freude am Leistungssport fördern, die Erlebnisse geniessen, Erfahrungen machen und die Kinder oder Jugendlichen darauf vorbereiten, dass irgendwann, irgendwer eine Entscheidung trifft, die eine "Neuausrichtung" erfordert.


    Mir fällt nur oft auf, dass viele Autoren irgendwelche "Dritte" (Vereine, Stützpunkte, Trainer, Scouts, Koordinatoren,Lehrer, etc) für das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen verantwortlich machen, nur sehr wenige schauen auf Ihren eigenen Einflußbereich oder die Jungs selbst.

  • Ich lese, nein ich verschlinge gerade das Sachbuch von Ronald Reng "Der große Traum - Drei Jungs wollen in die Bundesliga".
    Da wurde der Weg von drei Jugendspielern durch die NLZ Eliteschmieden sehr akribisch und unterhaltsam nachgezeichnet. Einer (Marius Wolf) ist heute tatsächlich Profi, die anderen beiden haben es nicht geschafft.

    In diesem jahrelangen Aussiebungsprozess kommt es massenhaft zu Härtefällen, denen natürlich auch subjetive Einschätzungen zu Grunde liegen, und vieles ist dem Zufall unterworfen.

    Danach kann man sich Diskussionen über die Verantwortung von NLZ oder anderen sog. "Azubi-Mannschaften" wie die U21/23 von Profimannschaften gegenüber den Spielern sparen. Eine Eliteschmiede hat nur eine Verantwortung: nach oben in den Profibereich abzuliefern. Nur dazu sind sie da, nur dazu sind sie geschaffen worden. Es geht ganz sicher nicht um eine verantwortungsvolle Förderung aller Spieler, die dort aufgenommen sind. Dafür ist der Flaschenhals nach oben auch viel zu dünn. Zudem wollen i.d.R. natürlich auch die Trainer auf sich aufmerksam machen und im System aufsteigen und brauchen dafür auch Ergebnisse. Schon brutal das Ganze. Wenn ich sehe, was da auch an Trainernamen auftaucht, die später im Profigeschäft coachen durften, dann wird es durchgehend auch nicht an der Qualität der Trainer liegen. Es ist einfach ein Geschäft, keine pädagogische Maßnahme ein NLZ zu unterhalten.
    Diese Ausrichtung kann man sich fügen oder es sein lassen.

  • Ich hoffe die Diskussion hier "artet" nicht wieder ähnlich aus, wie nach dem letzten Erfahrungsbericht von Don Quijote ,

    Der Thread hier ist ja in erster Linie die Plattform, auf der er seine Erfahrungen und die seines Sohnes postet und keiner um eine NLZ sinnvoll ja oder nein Diskussion zu führen.

    Ich bin als Vater eines U12-Spielers (jüngste Stufe in unserem NLZ) ganz neu in der Materie und stehe (bzw. mein Kind steht) noch ganz am Anfang eines Weges, von dem keiner weiß wie lange er geht und was ihn erwartet.

    Stand jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Atmosphäre und v.a. mit den Trainern, deren Training, Coaching und auch der Art der Kommunikation.

    Ich sehe die Situation zum Teil genauso wie Worom , zum Teil aber auch ganz anders.

    Genauso: den Wechsel ans NLZ haben wir mit unserem Sohn als Projekt besprochen, das immer eine Laufzeit von einem Jahr hat an dessen Ende wir gemeinsam (Eltern und Kind) entscheiden ob und wie es weitergeht.
    Fragen, die dabei beantwortet werden müssen: Wie läuft es sportlich im Training und in den Spielen? Wie passt es menschlich im Team und der Elternschaft? Wie läuft es in der Schule und wie lassen sich Fußball und Schule zeitlich und hinsichtlich mentaler Belastung vereinbaren? Wieviel Zeit bleibt für Freunde außerhalb der Fußballmannschaft? Wie funktioniert das Familienleben für uns alle (inkl. Geschwister) ?
    Wenn alle beteiligten (Sohn, Eltern, Schwester) der Meinung sind ein weiteres Jahr im NLZ macht Sinn, Spaß und ist für die Familie zu realisieren, dann gilt es nur noch abzuklären / abzuwarten, ob der Verein ihn denn auch für die neue Saison als Spieler im NLZ haben möchte...
    ... und ab dem Punkt unterscheidet sich meine Meinung von der, die Worom hat:
    Es ist vollkommen OK, wenn der Zeitpunkt kommt, an dem die Reise zu Ende ist, weil es nicht mehr reicht, oder andere eben so viel besser sind, dass sie bevorzugt werden. Dieser Moment sollte am Ende einer Saison liegen und dem Spieler samt Eltern rechtzeitig in einem Gespräch auf Augenhöhe mitgeteilt werden. Unterjährige Feedbackgespräche über den Leistungs-/ Entwicklungsstand als Motivationshilfe oder nötiger Denkzettel sind wichtig und sollten ebenso dazugehören.
    ABER: ich bin der Meinung ein Spieler, im NLZ hat die Chance verdient das was er sich in 3-5 oder mehr Trainingseinheiten pro Woche erarbeitet am Wochenende auch in einem Spiel auf den Platz zu bringen. Wenn es nicht das Bundesligaspiel in der Stammelf ist, dann zumindest mit den Reservespielern gegen einen passend starken Gegner.
    Der Spieler wird trotzdem enttäuscht sein, weil er sich mehr erhofft, aber er hat so zumindest die Möglichkeit zu verhindern, dass er stehenbleibt oder sich zurückentwickelt, weil er ein Jahr lang gar nicht mehr spielt.

    Die Aussage, dass die Enttäuschungen dazu gehören und es im späteren Berufsleben genauso ist, kann ich gar nicht teilen.

    Von diesen Enttäuschungen bekommen die Jugendlichen in der Schule und im sonstigen Leben genug ab. Bei allem was sie in ihrer NLZ-Zeit investieren, sollte die maximale Enttäuschung, die ihnen ein Trainer bereitet die sein, dass man nicht in der Stammelf spielt sondern bei den Reservisten. Gar nicht spielen zu dürfen und das auch noch auf lange Sicht angekündigt, ist wirklich ein Schlag ins Gesicht, der sich verhindern lässt.


    Klar ist, dass es nicht alle ganz nach oben schaffen können, und klar ist auch, dass annähernd gleiche Spielzeit für alle, wie es die NLZ bis zur U14 sehr oft praktizieren irgendwann nicht mehr gewährt werden kann.

    Ich finde aber, die Vereinbarung für eine Saison im NLZ sollte gegenseitig zwischen Verein und Spieler so lauten, dass der Spieler in allen Einheiten und Spielen seine beste Leistung bringt, und dass der Verein es allen Spielern, die zur Verfügung stehen auch ermöglicht diese Leistung in Trainings und Spielen zu bringen.

    Mit dem Wechsel in den Seniorenbereich kann dann gerne jeder auf eigenes Risiko im Haifischbecken schwimmen, aber vorher sollte man alle Spieler, die man sich in den Kader holt einigermaßen gleich und gerecht fördern.
    Wie schon gesagt geht es nicht darum, dass der gante 23er Kader am Samstag im Buli-Spiel zum Einsatz kommen muss, sondern darum, dass jeder Spieler aus diesem Kader jede Woche ein Spiel absolvieren sollte, in dem er vernünftig auf seinem Niveau gefordert wird.

    => das gilt im Übrigen nicht nur für den NLZ-Bereich, sondern sollte die Maxime für den kompletten Nachwuchsbereich sein.

  • Ich lese, nein ich verschlinge gerade das Sachbuch von Ronald Reng "Der große Traum - Drei Jungs wollen in die Bundesliga".
    Da wurde der Weg von drei Jugendspielern durch die NLZ Eliteschmieden sehr akribisch und unterhaltsam nachgezeichnet. Einer (Marius Wolf) ist heute tatsächlich Profi, die anderen beiden haben es nicht geschafft.

    In diesem jahrelangen Aussiebungsprozess kommt es massenhaft zu Härtefällen, denen natürlich auch subjetive Einschätzungen zu Grunde liegen, und vieles ist dem Zufall unterworfen.

    Danach kann man sich Diskussionen über die Verantwortung von NLZ oder anderen sog. "Azubi-Mannschaften" wie die U21/23 von Profimannschaften gegenüber den Spielern sparen. Eine Eliteschmiede hat nur eine Verantwortung: nach oben in den Profibereich abzuliefern. Nur dazu sind sie da, nur dazu sind sie geschaffen worden. Es geht ganz sicher nicht um eine verantwortungsvolle Förderung aller Spieler, die dort aufgenommen sind. Dafür ist der Flaschenhals nach oben auch viel zu dünn. Zudem wollen i.d.R. natürlich auch die Trainer auf sich aufmerksam machen und im System aufsteigen und brauchen dafür auch Ergebnisse. Schon brutal das Ganze. Wenn ich sehe, was da auch an Trainernamen auftaucht, die später im Profigeschäft coachen durften, dann wird es durchgehend auch nicht an der Qualität der Trainer liegen. Es ist einfach ein Geschäft, keine pädagogische Maßnahme ein NLZ zu unterhalten.
    Diese Ausrichtung kann man sich fügen oder es sein lassen.

    Hallo, das ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Sorry - absoluter .... was du da schreibst. Wir sprechen hier von KINDERN. Du findest eine ellenbogengesellschaft also gut. Genau das ist eben das Problem. Sorry diese Meinung finde ich einfach .... NICHT GUT!!!!

  • Coach1976 , ich bin jetzt nicht unbedingt ein Diplomat, daher zitiere ich einen sehr erfolgreichen Talentsichter im bayerischen Raum: bei der Analyse und Sichtung der Kinder 9 bis 14, musst du dir die Eltern genau so intensiv anschauen. 😉.


    Mit Blick auf deine Bewertung meiner Meinung, habe ich mich wohl zu allgemein ausgedrückt. Ich kenne kein NLZ das erst am Ende des Jahres eine Entscheidung trifft. Es wird immer die Entwicklung bewertet, d.h. keines der Kinder, im Grundlagen und Aufbaubereich wird vor den Kopf gestoßen und am Ende der Saison mit der Entscheidung konfrontiert. Alle bekommen Feedback und es wird frühzeitig aufgezeigt, wenn Gefahr besteht.


    in unserem Jahrgang habe ich in den letzten 5 Jahren 6 Spieler gehen sehen, und Alle hatten ausreichend Zeit, sich vorzubereiten bzw. die Eltern haben teilweise die Reißleine selbst gezogen.


    Naturgemäß hatten die Eltern dieser Jungs eines gemeinsam, ... massive Kritik am NLZ System, den Trainern und dem Verein.


    und wenn ich deiner Argumentation mit dem Haifischbecken folge, wann genau willst du im NLZ die Jungs darauf vorbereiten ? Wie willst du Widerstandsfähigkeit trainieren ? Wie willst du Durchsetzungsfähigkeit trainieren ? in der U19 Buli können wirklich Alle den Ball stoppen und spielen, nur eben nicht unter Druck (Gegner, Situation, Spielstand, entscheidendes Spiel, etc ).


    Meine Meinung und da bin ich inhaltlich bei TomGB , das Finale Ziel von einem NLZ ist es Profis auszubilden, idealerweise mit dem geplanten Effekt auch entsprechende Persönlichkeiten zu entwickeln.

  • Don Quijote Ich lese gerne deine Berichte und bin ehrlich ziemlich entsetzt, über dein letztes Update. Wenn es ein Spieler in einem guten NLZ bis in die U19 geschafft hat, dann sollten doch alle Beteiligten Stärken und Schwächen kennen?! Wie kann es denn dann sein, dass dem Trainer plötzlich auffällt: der Spieler passt nicht in mein System?

    Bei einem guten NLZ sollte man doch auch davon ausgehen, dass ein Gesamtkonzept, also ein roter Faden hinsichlich der Spielphilosophie besteht. Dem haben sich die Trainer anzupassen, ansonsten würden jede Saison halbe Mannschaften ausgetauscht werden müssen.

    Richtig schockierend finde ich die Aussage des Trainers, dass dein Sohn in den nächsten Wochen nicht im Kader sein wird. Wir befinden uns hier im Leistungsfußball, wo es nach Leistung gehen sollte. Wie kann der Trainer die Trainingsleistung der kommenden Wochen ausklammern? Und andersherum frage ich mich, wie will sich ein Jugendlicher fürs Training motivieren, wenn er weiß, dass es eigentlich egal ist, wie gut er trainiert. Sehr merkwürdig. Vorallem, weil es das letzte Jahr ist und mglw. um die sportliche Zukunft des Jungen geht.

    Mal ganz provokant gefragt: Hat der Junge den falschen Berater? Ich habe von Fällen gehört, wo ein Verein Probleme mit einem Berater hatte und deshalb dessen Klienten nicht hat spielen lassen bzw. wo ein Trainer gute Kontakte zu einem bestimmten Berater hatte und dessen Klienten bevorzugt eingesetzt hat.

    Unabhängig davon, es gehört sich einfach, dass ein Trainer einem Spieler erklärt, warum er ihn auf die Bank setzt. In einer U19 kann man das erwarten.

  • Dass man sich die Eltern zu den Spielern immer mit anschauen muss, damit hast Du sicher recht. Und wenn Du Dir die Beiträge von Don Quijote und auch von mir nicht nur Oberflächlich durchgelesen hast, dann würdest Du sicher auch erkennen, dass wir dem Thema NLZ und Bekenntnis zur Leistungsorientierung durchaus positiv gegenüberstehen und ganz sicher nicht zu den Eltern gehören, die Ihr Kind in ein NLZ schicken und gleichzeitig über das System herziehen.

    Ich hatte in meinen letzten Beiträgen ja auch geschrieben, dass es klar ist, dass für die meisten Spieler irgendwann vorbei sein wird, weil der Trichter einfach nach oben hin zu eng wird, und finde das auch vollkommen legitim. Wir sprechen schließlich von Spitzensport. Selbst Stammspieler und Leistungsträger einer BuLi-U19 schaffen größtenteils den letzten Schritt nicht.

    Trotzdem muss es meiner Meinung nach möglich sein, dass ein Verein, allen Spielern seiner Kader regelmäßig Spielpraxis auf vernünftigen Niveau bietet auch wenn dabei Ergänzungsspieler sind, die im Lauf des Jahres so abgehängt wurden, dass klar ist, dass sie im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein werden. Die Jungs haben viel Zeit und Leidenschaft in den Sport investiert und damit durch die Trainingsleistungen ja auch ihren kleinen Teil dazu beigetragen, dass die zukünftigen Profis des Teams, die den Schritt geschafft haben sich so entwickeln konnten, wie sie es getan haben. Da ist es für mich eine Frage von Anstand und Fairness den Spielern neben dem Training weiterhin Spielpraxis zu geben, damit sie ihre Entwicklung vorantreiben können und später die Chance haben zumindest auf Regional-, Ober-, oder Verbandsliganiveau klarzukommen. Auch wenn ihnen bereits mitgeteilt wurde, dass sie im nächsten Jahr keine Chance mehr haben.

    Ich stelle mir vor, ein Schüler, von dem man schon weiß, dass er die Klasse nicht schafft, darf bis Schuljahresende keinen Unterricht mehr besuchen, oder ein Auszubildender, der nach der Lehre nicht übernommen wird, weil die Stellen für die beiden anderen mit besseren Noten vorgesehen sind, darf bis zum Ausbildungsende nur noch Straße kehren und Brotzeit holen....

    Abschließend noch (und falls die Diskussion hier weitergeht, sollte Uwe vielleicht einen eigenen Kanal dafür finden, damit wir Don Quijote ´s Thread nicht crashen):

    ich bin grundsätzlich ein Fan von Leistungsorientierter Ausbildung im Fußball und finde das NLZ-System in vielen Punkten wirklich passen für die Kinder, die ihre Grenzen im Fußball austesten wollen. Trotzdem muss es erlaubt sein auch Themen anzusprechen, die verbesserungswürdig sind. Und da bin ich der unverrückbaren Meinung, dass neben vernünftigem Training Spielzeit ein Recht ist, dass jedem NLZ-Spieler fest zustehen sollte unabhängig davon wie der Verein im folgenden Jahr mit ihm plant.

    Die Vorbereitung auf des "richtige" Leben kommt dann noch früh genug und die die es schaffen werden das genauso schnell kapieren, wie die die es nicht schaffen.
    Ballstoppen und spielen unter Druck lernt man nun mal im Spiel und nicht auf der Tribüne....

  • Ich lese, nein ich verschlinge gerade das Sachbuch von Ronald Reng "Der große Traum - Drei Jungs wollen in die Bundesliga".
    Da wurde der Weg von drei Jugendspielern durch die NLZ Eliteschmieden sehr akribisch und unterhaltsam nachgezeichnet. Einer (Marius Wolf) ist heute tatsächlich Profi, die anderen beiden haben es nicht geschafft.

    In diesem jahrelangen Aussiebungsprozess kommt es massenhaft zu Härtefällen, denen natürlich auch subjetive Einschätzungen zu Grunde liegen, und vieles ist dem Zufall unterworfen.

    Danach kann man sich Diskussionen über die Verantwortung von NLZ oder anderen sog. "Azubi-Mannschaften" wie die U21/23 von Profimannschaften gegenüber den Spielern sparen. Eine Eliteschmiede hat nur eine Verantwortung: nach oben in den Profibereich abzuliefern. Nur dazu sind sie da, nur dazu sind sie geschaffen worden. Es geht ganz sicher nicht um eine verantwortungsvolle Förderung aller Spieler, die dort aufgenommen sind. Dafür ist der Flaschenhals nach oben auch viel zu dünn. Zudem wollen i.d.R. natürlich auch die Trainer auf sich aufmerksam machen und im System aufsteigen und brauchen dafür auch Ergebnisse. Schon brutal das Ganze. Wenn ich sehe, was da auch an Trainernamen auftaucht, die später im Profigeschäft coachen durften, dann wird es durchgehend auch nicht an der Qualität der Trainer liegen. Es ist einfach ein Geschäft, keine pädagogische Maßnahme ein NLZ zu unterhalten.
    Diese Ausrichtung kann man sich fügen oder es sein lassen.

    Hallo, das ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Sorry - absoluter .... was du da schreibst. Wir sprechen hier von KINDERN. Du findest eine ellenbogengesellschaft also gut. Genau das ist eben das Problem. Sorry diese Meinung finde ich einfach .... NICHT GUT!!!!

    Wo schreibe ich denn, das ich das gut finde ? Was liest Du denn da rein ? Meine Konsequenz wäre es sein zu lassen, bin absoluter Vertreter des Breitensports mit ensprechender Verteilung von Spielzeiten etc.

  • Bei Marius Wolf war es so, dass er bei Hannover 96 schon aus dem Profikader aussortiert war und nur noch bei der Reserve bzw. Nachwuchsmannschaft gespielt hat. Dann ist er, einfach weil Verantwortliche zufällige Kontakte über drei Ecken zueinander hatten, von Eintracht Frankfurt angefragt worden. Heute ist er DFB-Pokalsieger mit der Eintracht und Spieler beim BVB. Einfach nur weil bei der Eintracht Leute waren, die ihn aus früheren U-Mannschaften kannten und ihm den Sprung in den Profibereich noch zutrauten. Sind jetzt alle Verantwortlichen bei Hannover 96 oder diverser anderer Mannschaften und deren Scouts blind ? Doch wohl kaum. Es geht einfach extrem eng zu im Flaschenhals, und der Anteil der Aussortierten ist naturgemäß um ein zigfaches höher als die Spieler die es schaffen. Es liegt in der Natur der Sache dass die Unterschiede und damit die Perspektiven auch für ausgewiesene Fachleute auf dem Niveau nicht mehr so deutlich erkennbar sind.

  • Ich habe mir die Beiträge durchgelesen und sehe, dass du auf der einen Seite das Leistungsprinzip nachvollziehen kannst und auf der anderen Seite den "Druck" rausnehmen willst und mehr "Gleichbehandlung" forderst.


    Und dieser klassische Spagat, ist eine Herausforderung, die eben für einige Spieler oft zur Unzufriedenheit führt.


    Unabhängig vom Fußball, ist der Leistungssport immer ein Auswahlverfahren, ob Leichtathletik, Skifahren, Volleyball, etc. Bei einem Auswahlverfahren werden in der Ausbildung Entscheidungen getroffen, wer das "größte förderungswürdige Potential" (nächste Herausforderung Talentprognose) hat.

    Daß dies natürlich nicht immer die richtigen Entscheidungen sind, zeigen viele Beispiele, ABER dennoch muss sie jemand (Trainer,Co-Trainer, Koordinator) , auf Grund seiner Erfahrung, Position oder Kompetenz treffen.


    Ich gebe dir völlig recht, dass es im Grundlagen- und Aufbaubereich sinnvoll ist, die Spielanteile gleich zu verteilen und für größtmögliche Harmonie zu sorgen, Aber ab der U17 im Leistungsbereich geht es einzig und allein um die Förderung der Top Talente.


    In dem Zusammenhang ist Frust übrigens relativ, denn auch der vermeintliche TOP Spieler findet es Scheiße, wenn er aus "sozialen" Gründen ausgewechselt wird oder auf der Bank sitzt.


    Richtig ist, dass Spielzeit durch nichts zu ersetzen ist, nur wem gebe ich sie ?

    In der idealen Welt der Talentförderung, natürlich dem "vermeintlichen Topspieler" !

    ...und hier gibt es wohl zig Definitionen und Meinungen dazu.

    Somit wären wir wieder bei meiner Sicht, dass ich es nachvollziehen kann, wenn Trainer hier maximal gefordert sind, was die Kommunikation betrifft und das es in einem NLZ nicht ausbleibt, dass irgendwer gefrustet ist.

  • Wir sind bei vielen Punkten ähnlicher Meinung und bei einem hast Du mich einfach nicht richtig verstanden.

    Es geht gar nicht darum den Druck rauszunehmen. Ab einem gewissen Zeitpunkt (ggf. U17) können nur noch die stärksten Stammspieler sein und werden die meisten Einsatzzeiten bekommen.

    Ich bin trotzdem der Meinung, dass man keine Stamm-11 sondern eher eine Stamm-16 benötigt, bei der zumindest zwischen Position 7 und 16 die Zeiten relativ homogen verteilt sind.

    Mir ging es aber vielmehr darum, dass den Positionen 17 - 23 eine adäquate Form der Spielpraxis gewährt werden sollte, damit diese nicht dauerhaft auf der Tribüne sitzen. Selbst wenn sie keine Chance haben in der BuLi-Truppe zu spielen.

    Da bieten sich wie beschrieben Testspiele gegen Reservisten von Ligakonkurrenten oder ambitionierte Teams aus Regionalligen ggf. auch aus dem Erwachsenenbereich. Mir geht es nur darum, dass talentierte Spieler nicht 1 Jahr auf der Tribüne versauern und am Ende der Saison auf Bezirksligalevel landen, nur weil sie keine Möglichkeiten haben ihre Trainingsleistung auf den Platz zu bringen.

  • Coach1976

    Dein Gedanke, ALLEN Spielern Spielzeiten zu geben, ist mir sehr sympathisch. Einige Stellschrauben dazu werden ja auch gerade gedreht auch für den Leistungsbereich (Neu-Planung der Junioren-Bundesligen, um Abstiegsdruck zu nehmen). Auch heute kommen in Test-Spielen oft die Ergänzungsspieler zum Einsatz. Aber es würde den Jungs sicher helfen, wenn das weiter intensiviert würde und die Trainer das auch konsequent umsetzen.


    @all

    Danke für die vielen Reaktionen. Hier noch ein paar Infos zur Situation: Mein Sohn spielt bei einem ambitionierten Junioren-Bundesligisten. Er ist seit der U16 dort. Vor der Saison wurde der Fördervertrag meines Sohnes vom Verein per Option um 1 Jahr bis zum Ende der U19 verlängert, insofern gab es eine aktive Bestätigung für ihn für die laufende Saison, im Team zu bleiben. Es gibt eine U23, die erste Mannschaft spielt Bundesliga. Es sind in den letzten Jahren einige Spieler zu den Profis aufgerückt, die Durchlässigkeit ist recht hoch. Einige Jungs aus der U19 haben bereits Profiverträge bekommen. Einige trainieren zum Teil auch schon mit den Profis und bekommen Einsätze in der U23. Mein Sohn gehört da nicht dazu, insofern ist klar, dass er nach der Einschätzung des Vereins leistungsmäßig und perspektivisch nicht im allerobersten Regal angesiedelt ist. Trotzdem macht er sich Hoffnungen, zumindest einen Anschlussvertrag für die U23 zu bekommen. Konkrete Gespräche dazu gab es noch nicht, das stünde im Winter an.


    Was mich aktuell ein bisschen schockt, ist die Absolutheit der Entscheidung und wie abrupt sie getroffen bzw. kommuniziert wurde: Grade noch Stammspieler (und stark geredet), dann raus, nicht mal mehr im Kader?! Aber ja, dass es in der U19-BuLi nicht mehr um gleichverteilte Einsatzzeiten geht, ist klar. Es spielt jetzt ein 2004er, der nach Aussage des Trainers aktuell schwächer ist als mein Sohn (2003er), dem sie aber eine gute Entwicklung zutrauen. Es wird also der RAE ernst genommen, das finde ich prinzipiell gut. Und vielleicht muss man auch einfach abwarten, wie absolut die Entscheidung tatsächlich ist. Mein Sohn wird weiter versuchen, sich im Training anzubieten, auch wenn das ihm aktuell schwer fällt. Im Winter muss er überlegen, wie es im Sommer 22 dann weiter geht. Auch wenn in seinem Verein grade eine Tür zuzugehen scheint, hat er viele Möglichkeiten: Anderer Club, z.B. Regionalliga? Parallel studieren? Fußball-Stipendium in USA?


    Vielleicht noch ein paar O-Töne des Trainers, so wie sie mein Sohn mir berichtet hat:

    • „Hättest du den einen Zweikampf im Spiel gegen XXX nicht verloren, dann würdest Du ohne jede Diskussion weiter spielen“ (nach dem Zweikampf fiel das spielentscheidende 0:1).
    • „Du würdest in fast jedem U19-BuLi Team Stamm spielen, aber nicht bei uns wegen unserer speziellen Spielidee“ (hohe Abwehrlinie, daher besonderer Fokus auf Schnelligkeit).
    • „Lass den Kopf nicht hängen, es haben bereits Spieler mit einem ähnlichen Profil Verträge und auch Einsatzminuten bei den Profis bekommen.“

    Über den Sinn und Unsinn jeder dieser Aussagen könnte man einen eigenen Thread aufmachen. Für meinen Sohn ist das gerade vor allem mental sehr schwer. Aber mal abwarten, wie er damit umgeht und wie die Situation sich weiter entwickelt.


    Grüße

    Oliver

  • Don Quijote danke für den Erdahrungsbericht als Elternteil. Natürlich ist der Traum groß von einer Fußballkarierre und die Jungs träumen und quatschen davon Tag und Nacht im vollen Stadion einzulaufen. Die Stressbelastung für die ganze Familie muss extrem zu sein. Da jedes Wort oder jede Aktion ein den großen Traum platzen lassen kann.

  • Das Sahnehäubchen auf der Gesamtsituation ist dann noch, dass er aktuell praktisch keine Chance auf Besuche bei uns hat, da am Wochenende immer trainiert wird.


    Grüße

    Oliver

    das finde ich aber auch übel! Gerade jetzt würde ja ein bißchen familiäre Wärme gut tun... Mal aus Interesse: haben die Spieler auch mal zwei Tage am Stück frei? Ich denke, nein, richtig?