Frustabbau-Thread

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  • Ein Trainer sagte dann noch, das er sich ein Kind hier im Training 2 Minuten ansieht und dann bereits erkennt, ob es reicht oder nicht....

    Das allein sagt schon alles über die Qualifizierung dieses "Trainers".


    Beide waren häufig dabei, sich lange Notizen zu machen und sahen so viele Spielszenen überhaupt nicht.

    Sehr guter Punkt, der viel zu häufig unerwähnt bleibt.



    Alles, was Mittelfeldstratege schreibt, verdeutlicht die wesentlichen Mängel in der Talentauswahl der Verbände:

    So wird etwa viel zu früh selektiert. Vor dem 11. Lebensjahr braucht man damit gar nicht anfangen. Erst ab 15. Jahren lässt sich halbwegs verlässlich sagen, wer das Potenzial für den Profisport hat. Wer behauptet, bei einem Kind nach zwei Minuten zu erkennen, ob es sich um ein Talent handelt, sollte nichts mit der Auswahl und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu tun haben.


    Es werden technische und konditionelle Leistungsmerkmale überfokussiert, während strategisch-taktische Eigenheiten ignoriert werden. Spielübersicht und Entscheidungsfindung spielen wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle. Ob ein Spieler seine Vorderleute klug absichert oder Verbindungen zwischen seinen Mitspielern erzeugt, wird schlicht nicht erfasst. Das sind oft die vermeintlich "unauffälligen" Spieler. Indem man diese aber ignoriert und stattdessen nur Laufwunder und Dribbelkünstler fördert, sorgt man dafür, dass wir letztlich 11 Einzelspieler haben, die aber kaum in der Lage sind, als Mannschaft zu funktionieren. Ständig wird gefordert, es müssten wieder vermehrt Individualisten ausgebildet werden... In Deutschland wurde nie etwas anderes getan!

    Man bildet die Spieler zwar im gemeinsamen Pressing aus (und behauptet dann, sie seien taktisch gut ausgebildet), aber vermittelt nicht, dass auch Spielaufbau und Angriffspiel auf einer mannschaftlichen Ebene funktionieren können (auch das ist Taktik!). Stattdessen setzt man auf sogenannte "Unterschiedsspieler".

  • So wird etwa viel zu früh selektiert. Vor dem 11. Lebensjahr braucht man damit gar nicht anfangen. Erst ab 15. Jahren lässt sich halbwegs verlässlich sagen, wer das Potenzial für den Profisport hat.

    Sehe ich etwas differenzierter. Ich stimme zu, dass man so früh noch nicht sagen kann ob es bei einem Kind für den Profisport reicht, man kann in dem Alter aber sehr wohl feststellen das es nicht reicht. Die Deselektion ist in dem Alter durchaus schon sinnvoll.


    Ihr solltet euch vielleicht nochmal vor Augen führen wozu die DFB-Stützpunkte eigentlich da sind. Es geht nicht darum Spieler zu fördern die vielleicht später in der Kreisliga oder Bezirksliga ihres Dorfvereins eine gute Figur abgeben, sondern einzig und allein darum potenzielle Bundesligaprofis und Nationalspieler frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Alles andere ist nur das Nebenprodukt.

    Hierzu gibt es klare Selektionskriterien des DFB, die auch allesamt sinnvoll sind um überhaupt die theoretische Chance auf eine Profikarriere zu haben, und Technik, Schnelligkeit sowie Lauf- und Spielfreude sind eben die Grundpfeiler davon.

    Ob ein Spieler seine Vorderleute klug absichert oder Verbindungen zwischen seinen Mitspielern erzeugt, wird schlicht nicht erfasst. Das sind oft die vermeintlich "unauffälligen" Spieler.

    Diese Art von Spieler ist ebene das oben beschriebene Beispiel. Sicherlich super für jeden Breitensportverein und eine Wohltat für jeden Mitspieler, aber kann und wird sich so ein Spieler jemals in einem Bundesliga-NLZ und U-Nationalmannschaften durchsetzen können? Höchstwahrscheinlich nicht. Deswegen wird er nicht selektiert und gefördert.

    Der Stützpunkt ist eben keine Wohlfühloase in dem die gerade besten Spieler des Kreises spielen, sondern die die am ehesten den Talentkriterien entsprechen. Das der menschliche Umgang der Trainer manchmal stark verbesserungswürdig ist, kann ich allerdings bestätigen. Hier würde ein bisschen Fingerspitzengefühl die ganze Sache runder machen.

  • Ich stimme zu, dass man so früh noch nicht sagen kann ob es bei einem Kind für den Profisport reicht, man kann in dem Alter aber sehr wohl feststellen das es nicht reicht.

    Das ist Unsinn. Kinder können später noch unglaubliche Sprünge machen. Hatte mal einen Mitspieler, der bis zur D-Jugend im Tor stand, weil er ansonsten nix konnte. Kaum setzte die Pubertät ein, wurde er zum absoluten Leistungsträger, ging mit 15 zu Hansa Rostock (damals noch 1. BuLi) und war im nationalen Auswahlkader. Verletzungen haben dann letztlich Profikarriere verhindert.


    Ihr solltet euch vielleicht nochmal vor Augen führen wozu die DFB-Stützpunkte eigentlich da sind. Es geht nicht darum Spieler zu fördern die vielleicht später in der Kreisliga oder Bezirksliga ihres Dorfvereins eine gute Figur abgeben, sondern einzig und allein darum potenzielle Bundesligaprofis und Nationalspieler frühzeitig zu erkennen und zu fördern.

    Das ist jedem hier bewusst. Gemäß dem Bericht von Mittelfeldstratege lässt sich aber recht gut erkennen, dass mit diesen Trainern wohl kaum die vielversprechendsten Talente gefunden werden, sondern allenfalls diejenigen, die im Moment am auffälligsten sind. Die Talentkriterien vorzugeben ist das eine. Diese aber auch zu erkennen ist etwas ganz anderes. Und dafür hat der DFB keine zuverlässigen Instrumente. Davon unabhängig sind zweiminütige Spielbeobachtungen unseriös.

    Diese Art von Spieler ist ebene das oben beschriebene Beispiel. Sicherlich super für jeden Breitensportverein und eine Wohltat für jeden Mitspieler, aber kann und wird sich so ein Spieler jemals in einem Bundesliga-NLZ und U-Nationalmannschaften durchsetzen können? Höchstwahrscheinlich nicht. Deswegen wird er nicht selektiert und gefördert.

    Er wird deswegen nicht gefördert, weil diese Fähigkeiten nicht zu Talentkriterien gezählt werden, was davon zeugt, dass der Fußball gar nicht in seiner Komplexität verstanden wird. Wer nur laufstarke Dribbler selektiert, muss sich nicht wundern, wenn ein Vorrundenaus bei einem internationalen Turnier irgendwann nicht mehr nur die Ausnahme ist. Gemäß diesen Kriterien, dürften Leute wie Xavi oder Busquets nie den Sprung in den Profibereich schaffen.

  • Ihr solltet euch vielleicht nochmal vor Augen führen wozu die DFB-Stützpunkte eigentlich da sind. Es geht nicht darum Spieler zu fördern die vielleicht später in der Kreisliga oder Bezirksliga ihres Dorfvereins eine gute Figur abgeben, sondern einzig und allein darum potenzielle Bundesligaprofis und Nationalspieler frühzeitig zu erkennen und zu fördern. Alles andere ist nur das Nebenprodukt.

    Hierzu gibt es klare Selektionskriterien des DFB, die auch allesamt sinnvoll sind um überhaupt die theoretische Chance auf eine Profikarriere zu haben, und Technik, Schnelligkeit sowie Lauf- und Spielfreude sind eben die Grundpfeiler davon.

    Unter dem Gesichtspunkt natürlich richtig. Aber dann sollte man sich gut überlegen ob man Spieler, die nicht über eine über den Durchschnitt deutlich herausragende Athletik verfügen, überhaupt an die Stützpunkte gibt.
    Ich habe durch glückliche Umstände dieses Jahr eine Spielerin im Kader, die letztes Jahr in einem Kader eines Zweitligisten gestanden hat. Für mich überraschend können einige meiner Mädchen mit der Technik durchaus mithalten (z.B. auch die Spielerin die derzeit Kreisklasse spielt). Das ist gar nicht der große Unterschied. Der augenscheinlichste Unterschied ist tatsächlich die Physis und auch die mentale Bereitschaft, permanent Gas zu geben, die marschiert in jedem Trainingsspiel (Punktspiel sowieso) ohne Ende. Das macht nun wirklich nicht jeder, die meisten - auch die Engagierten auf unserem Niveau - bauen da schon mal Pausen ein.

  • Das ist Unsinn. Kinder können später noch unglaubliche Sprünge machen. Hatte mal einen Mitspieler, der bis zur D-Jugend im Tor stand, weil er ansonsten nix konnte. Kaum setzte die Pubertät ein, wurde er zum absoluten Leistungsträger, ging mit 15 zu Hansa Rostock (damals noch 1. BuLi) und war im nationalen Auswahlkader. Verletzungen haben dann letztlich Profikarriere verhindert.

    Ausnahmen bestätigen die Regel. Natürlich ist es ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Aber rein aus Interesse, war er in der D-Jugend einer der langsamsten und lauffaulsten Spieler und dann in der Pubertät plötzlich einer der schnellsten und spielfreudigsten?

    Er wird deswegen nicht gefördert, weil diese Fähigkeiten nicht zu Talentkriterien gezählt werden, was davon zeugt, dass der Fußball gar nicht in seiner Komplexität verstanden wird. Wer nur laufstarke Dribbler selektiert, muss sich nicht wundern, wenn ein Vorrundenaus bei einem internationalen Turnier irgendwann nicht mehr nur die Ausnahme ist. Gemäß diesen Kriterien, dürften Leute wie Xavi oder Busquets nie den Sprung in den Profibereich schaffen.

    Der Ansatz ist meiner Meinung nach ein anderer. Um Bundesligaspieler zu werden ist ein hartes Kriteritum auf allen Spielpositionen z.b. eine sehr hohe Schnelligkeit (Außer als TW vielleicht). Selbst ein Xavi und Busquets werden in ihren Jugendteams in Barcelona wahrscheinlich zu den schnellsten Spielern gehört haben. Pique war ja auch z.b. erst Stürmer. Man darf nicht den Trugschluss bilden, dass weil ein Messi oder Ronaldo schneller als ein Xavi sind/waren, deswegen Xavi eine lahme Krücke ist mit der jeder Kreisligakicker im Sprint mithalten kann. Auch als ZM/IV und sonstwas ist Schnelligkeit im Profifussball elementar um überhaupt in entscheidende Positionen/Zweikämpfe etc. zu kommen.

    Da kann ein U12-Spieler noch so gut das Spiel lesen, wenn er zu langsam ist und womöglich so langsam bleibt, wird er kein Profi. Ganz einfach.

    Es gibt einfach gewisse Mindestkriterien an Profispieler und anhand dieser wird versucht bestmöglich zu selektieren. Das dabei manche Spieler fälschlicherweise unter den Tisch fallen und über mehrere Jahre mal der falsche gefördert wird ist klar.

    Ich denke aber durch das ganze System aus Verein/Stützpunkt/Auswahlmannschaften/NLZ werden 99% aller talentierten Spieler früher oder später entdeckt und gefördert.

  • Das ist gar nicht der große Unterschied. Der augenscheinlichste Unterschied ist tatsächlich die Physis und auch die mentale Bereitschaft, permanent Gas zu geben, die marschiert in jedem Trainingsspiel (Punktspiel sowieso) ohne Ende. Das macht nun wirklich nicht jeder, die meisten - auch die Engagierten auf unserem Niveau - bauen da schon mal Pausen ein.

    Eine typische Stützpunkt/NLZ - Spielerin eben ;)

    Wenn sie jetzt noch technisch herausragend wäre, wäre sie wahrscheinlich in der 2. Liga geblieben bzw. sogar in die 1. Liga hoch.

  • Meine Intension war zunächst ja auch, einfach mal über das WIE dieses Trainings zu berichten.

    2 Felder auf 5er Tore.... Sonst nichts.

    Finde ich einfach zu wenig.


    Weiter geht es mir um die Art und Weise.

    Ein Training soll ausreichen, sich ein Bild zu machen?

    Jugendtrainer begleiten ihre Schützlinge teils bis zu 7 Jahre, kennen Spieler besser als ihre eigenen Kinder 😉 und werden nicht einmal zu einem ihrer Spieler gefragt? Entwicklung über die Jahre usw?


    Mal abgesehen davon, die beiden Jungs, welche nicht genommen wurden, sind schnell und lauffreudig und konnten mit jedem mithalten.


    Noch ein Beispiel vielleicht :

    Einer der Trainer unterbrach das Spiel und sagte, das einmal "Sturm" und "Abwehr" tauschen sollen.

    Fand ich gut!

    Passiert ist folgendes, diejenigen, welche nun hinten spielen sollten, blieben einfach vorne und hinten war offen.

    Man kassierte schnell zwei Kontergegentore und dann orientierte sich - genau- der eine Spieler wieder nach hinten, der zuvor dort auch schon spielte.

    Das Spiel lief wieder ausgeglichen, der "spielintelligente Spieler" überzeugte erneut defensiv und im Aufbauspiel und setzte somit die "Läufer" wieder in Szene.


    Gedankt wurde ihm sein Spielverständnis und sein uneigennütziges Verhalten nicht.


    Natürlich lässt sich über alles streiten und gerade bei diesem Thema klappt das sicher nicht immer ganz objektiv.


    Nichtsdestotrotz kann ich dieses Merkmal "laufen geht über alles" und überdeckt auch mal taktische, technische Schwächen nicht nachvollziehen.

    Das klingt für mich schon wieder zu sehr nach Leichtathletik.

  • Gedankt wurde ihm sein Spielverständnis und sein uneigennütziges Verhalten nicht.

    Völlig wertfrei: Im Stützpunkt geht es nicht darum, eine gute funktionierende Mannschaft zu stellen, sondern um die Spieler individuell zu fördern. Die Spieler treffen sich einmal in der Woche und trainieren Technik und Individualtaktik. Es interessiert leider den Stützpunkttrainer wenig, welcher Spieler in der Kette immer richtig verschiebt und welche einen anderen absichern. Diese Dinge lernen sie (hoffentlich) in ihrem Heimatverein mit ihren dortigen Mitspielern. Denn völlig berechtigt muss man die Frage stellen: Warum sollen die Spieler im Stützpunkt eine Gruppentaktik einstudieren? Das ist Sache der Vereine und des Vereinstrainers.


    Gut und richtig finde ich das in der drastischen Form nicht, aber das Individualtraining in Kleingruppen im Stützpunkt wird immer ernster genommen und wird auch das Hauptaugenmerkt bleiben.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Ich habe im Sommer fünf Mädchen, die ich alle seit ihren Fußballanfängen kenne, zu einer Sichtung, die nach ähnlichem Muster abgelaufen ist, begleitet. Zwei der fünf Mädchen waren erfolgreich. Ich mache daraus jetzt mal ein Sichtungs-Quiz:


    Spielerin 1

    Technik: Extrem gut

    Spielintelligenz: Gut

    Schnelligkeit: Mittel

    Besonderheiten: Mangelnde Positionstreue in der Defensive.


    Spielerin 2

    Technik: Gut

    Spielintelligenz: Ausbaufähig

    Schnelligkeit: Extrem schnell

    Besonderheiten: Januarkind, kann auch im Tor spielen, mangelnde Positionstreue in der Defensive.


    Spielerin 3

    Technik: Gut

    Spielintelligenz: Gut

    Schnelligkeit: Gut

    Besonderheiten: Januarkind, kann alle Positionen exklusive Tor spielen.


    Spielerin 4

    Technik: Gut

    Spielintelligenz: Gut

    Schnelligkeit: Gering

    Besonderheiten: Sehr groß und körperlich stark, kann alle Positionen inklusive Tor spielen.


    Spielerin 5

    Technik: Gut

    Spielintelligenz: Gut

    Schnelligkeit: Gut

    Besonderheiten: Kann alle Positionen auf den Flügeln (defensiv und offensiv) spielen.


    Alle Mädchen sind Rechtsfüßler, sortiert habe ich sie nach ihrer Wirkung im Spiel. Spielerin 1 ist demnach aus meiner Sicht die spielstärkste Spielerin, Spielerin 5 die spielschwächste Spielerin. Welche beiden Spielerinnen waren bei der Sichtung erfolgreich? Falls es Tipps gibt, kommt am Sonntag die Auflösung.

  • Völlig wertfrei: Im Stützpunkt geht es nicht darum, eine gute funktionierende Mannschaft zu stellen, sondern um die Spieler individuell zu fördern. Die Spieler treffen sich einmal in der Woche und trainieren Technik und Individualtaktik. Es interessiert leider den Stützpunkttrainer wenig, welcher Spieler in der Kette immer richtig verschiebt und welche einen anderen absichern. Diese Dinge lernen sie (hoffentlich) in ihrem Heimatverein mit ihren dortigen Mitspielern. Denn völlig berechtigt muss man die Frage stellen: Warum sollen die Spieler im Stützpunkt eine Gruppentaktik einstudieren? Das ist Sache der Vereine und des Vereinstrainers.


    Gut und richtig finde ich das in der drastischen Form nicht, aber das Individualtraining in Kleingruppen im Stützpunkt wird immer ernster genommen und wird auch das Hauptaugenmerkt bleiben.

    Okay, das verstehe ich.

    Aber ist es denn nicht auch ein Talentmerkmal, wenn man Spielintelligenz hat, Übersicht, Passsicherheit?

    Mir kommt vor, dass das zweitrangig ist und eben die physischen Dinge komplett alles überragen.

    Das gefällt mir nicht, ist aber auch nur meine unmaßgebliche Meinung dazu.

  • Mittelfeldstratege In welcher Eigenschaft warst du bei der Sichtung dabei? Du schreibst „mehr oder weniger als Beobachter“?

    Zumeist sehen doch Eltern und/Vereinstrainer bei Sichtungen zu. Also stehen doch zumeist die eigenen Kinder bzw. Spieler in der Beobachtung. Und natürlich fließen hier die persönlichen Erfahrungen und Erwartungen mit ein. Wenn also das eigene Kind als „spielintelligent“ gilt (woher stammt eigentlich die Einschätzung?), dann muss das doch der Sichter auch bemerken?! Perspektivenwechsel: ist das freiwillige nach hinten gehen nicht möglicherweise auch auch ein Zeichen fehlenden Selbstvertrauens in der Offensive? Möglicherweise das Eingeständnis offensive 1 gegen 1 Duelle nicht eingehen oder nicht gewinnen zu können?

    Was ich damit sagen will, genauso wie die Sichter gewisse Erwartungshaltungen haben, bringen auch die Eltern bzw. Trainer Erwartungshaltungen mit. Neutral sind sicher die Wenigstens.

    Ganz entscheidend war für mich die Aussage, dass es über die ersten Drei keine unterschiedlichen Meinungen gab. Streng genommen geht es in der Talentförderung nur um diese ersten Drei. Drei mal 20 Stützpunkte und ich bin bei 60 Jungs als Grundlage für die Verbandsauswahl, dazu noch die Spieler aus den NLZ.

    Ein weiterer Punkt, der mir auffällt: Viele Vereinstrainer haben weder eine fundierte Ausbildung, noch selbst höherklassig gespielt. Wie will man dann einschätzen können, ob ein Spieler genug Talent mitbringt, um es in ein NLZ, die Bundesliga oder gar die Nationalmannschaft zu schaffen?

    Erfahrene Stützpunkt- oder NLZ-Trainer hingegen haben schon Talente von klein auf trainiert, die es bis ganz nach oben geschafft haben. Und interessanterweise stützen die eher die Aussage, dass sie nach wenigen Minuten sehen können, ob es nicht reicht.

    Ergänzend dazu passt auch, dass die Sichtungen in der Kreisliga und nicht in der Kreisklasse durchgeführt werden. Die Bezugsgröße ist für Vergleiche entscheidend. Wie oft glänzen Kicker ohne Zeit-, Raum- und Gegnerdruck, sobald der dann aber da ist, sieht man technische Fehler. Mit zunehmendem Alter wird es für Spieler aus niedrigen Ligen immer schwieriger den Sprung in ein NLZ zu schaffen. U.a. weil sie den Zeit-, Raum- und Gegnerdruck in der Kreisklasse nicht gewöhnt sind. In Gesprächen mit NLZ-Trainern wird mir das immer wieder bestätigt. Und wer kennt denn nicht die typische Reaktion von Eltern/Trainer, wenn das Probetraining am NLZ oder ein Vergleich mit einer Leistungsmannschaft nicht wie gewünscht verlief? Da hatte der Junge einen schlechten Tag. Mag sein. Viel eher glaube ich aber, konnte der Junge nix dafür, er war einfach überfordert.

    Mein letzter Punkt: in einigen Verbänden spielen Stützpunktteams gegeneinander. Gut möglich, dass die Trainer für ihr Team bestimmte Typen gesucht haben. Persönlich finde ich das nicht gut, ist aber leider so. Wenn die Trainer nun einen offensiven Dribbler suchen, dann wird der Fokus nicht auf dem Defensiven liegen, der möglicherweise eine gute Spieleröffnung hat.

  • Okay, das verstehe ich.

    Aber ist es denn nicht auch ein Talentmerkmal, wenn man Spielintelligenz hat, Übersicht, Passsicherheit?

    Mir kommt vor, dass das zweitrangig ist und eben die physischen Dinge komplett alles überragen.

    Das gefällt mir nicht, ist aber auch nur meine unmaßgebliche Meinung dazu.

    Absolut und ich bin der gleichen Meinung, dass das ein Talentmerkmal ist.


    Aber wir dürfen nicht vergessen, wozu der DFB-Stützpunkt da ist: Individuelle Förderung von Talenten! Das Individuelle wird also groß geschrieben, es soll keine Mannschaft aufgebaut werden. Wozu auch? Die Spieler trainieren in ihren Vereinen unter gruppen- und mannschaftstaktischen Gesichtspunkten, soll der DFB eventuell konträr zur Arbeit in den Vereinen etwas anderes lehren? Was ist, wenn der DFB die Dreierkette schult und im Verein Viererkette geschult wird?


    Ich habe unseren DFB-Stützpunkt ein Jahr lang begleitet (und hospitiert), die Truppe ist (durch den Corona-Ausfall) noch amtierender Meister unseres Landesverbandes. Selbst bei der Wochenschulung im Sportzentrum ging es nur um Individuelles. Ich habe die Innenverteidiger trainiert und durfte nur Individualtaktik trainieren, also maximal ein 1 gegen 1.

    Auch bei der Nachbesprechung der Spiele ging es niemals um Spielzüge oder Kettenverhalten, immer nur um einzelne Spieler.


    Für mich nachvollziehbar, denn der Stützpunkt bietet Training, das die Spieler individuell verbessern soll. Und logischerweise wird da auch auf die individuell besten Spieler gesetzt.

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  • Aber wir dürfen nicht vergessen, wozu der DFB-Stützpunkt da ist: Individuelle Förderung von Talenten! Das Individuelle wird also groß geschrieben, es soll keine Mannschaft aufgebaut werden.

    Spätestens dann, wenn es um Verbandsauswahlen geht, sprechen wir auch über Mannschaften, deren Trainerinnen und Trainer auch am Erfolg gemessen werden und bei andauernden Mißerfolgen sich Sorgen um ihre Honorarverträge machen müssen..

  • Spätestens dann, wenn es um Verbandsauswahlen geht, sprechen wir auch über Mannschaften, deren Trainerinnen und Trainer auch am Erfolg gemessen werden und bei andauernden Mißerfolgen sich Sorgen um ihre Honorarverträge machen müssen..

    Ich weiß nicht, wie tief du in der Materie bist.


    Aber inzwischen werden mit jedem Spieler Einzelgespräche geführt, individuelle Ziele festgelegt und im Training darauf wert gelegt, dass an diesen Zielen gearbeitet wird. Das Training wird wöchentlich dokumentiert und die Spieler werden in der Leistungsdiagnostik getestet.


    Die Trainer müssen sich eher daran messen, ob ihre Spieler die gesetzten Ziele erreichen können.


    Auch in meinem Stützpunkt bin ich mit so mancher Spielerentscheidung nicht zufrieden. Aber man kann sich sicher sein, dass über jeden Spieler ausgiebig gesprochen wird/wurde, ich war ein Jahr lang dabei. Eventuell gibt es auch manchmal Gründe, die für den Vereinstrainer oder Elternteil nicht nachvollziehbar sind. Dann darf man aber auch gerne dem A- oder EJ-Lizenz-Trainer glauben. Vielleicht ist es in anderen Stützpunkten chaotischer oder schlechter organisiert. Aber grundsätzlich geht es nunmal darum, beim Sichtungstraining die Stützpunkttrainer zu überzeugen. Wenn das jemand nicht geschafft hat, dann mag das vielleicht Schade für jemanden sein, aber ist zu akzeptieren. Passiert auch in NLZs.


    Es mag sein, dass Verbandsauswahlen auf einer anderen Ebene arbeiten als Stützpunkte. Aber im Stützpunkt geht es nicht um Gruppentaktiken.

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  • Aber wir dürfen nicht vergessen, wozu der DFB-Stützpunkt da ist: Individuelle Förderung von Talenten! Das Individuelle wird also groß geschrieben, es soll keine Mannschaft aufgebaut werden. Wozu auch?

    Und genau das ist ein großes Defizit in der deutschen Fußballausbildung (Spieler- UND Trainerausbildung). Es wird überall impliziert, dass Technik und Kondition wichtiger sind als Wahrnehmung, Orientierung, Entscheidungsfindung und sämtliche kollektivistische Aspekte (gegenseitige Absicherung mit und ohne Ball, Verbindungen etc.). Das ist ein großer Irrtum und zeigt sich auch immer wieder als fataler Ansatz, wenn wir nach großen Niederlagen jammern, es gebe keine Kreativen (kaum einer vermag zu sagen, was unter Kreativität verstanden wird) mehr. Dann heißt es zum wiederholten Male, wir brauchen mehr Individualisten (mit Individualisten sind grundsätzlich Spieler gemeint, die stark im 1-gegen-1 sind). Dabei haben wir schon immer nur Individualisten ausgebildet. Also verstärken wir abermals den Fokus aufs Individuum. In meinen Augen ein Teufelskreis.


    Natürlich habe ich nichts gegen solche Spieler, die durch eine Einzelaktion wie dem Dribbling den Unterschied ausmachen können. Aber ich will keine Mannschaft, in der 10 dieser Spezialisten sind, die nicht in der Lage sind, ein kollektives Zusammenspiel zu betreiben und sich an irgendeinem Punkt nur noch festrennen. Ich will Spieler, die sich gegenseitig helfen können. Die einem gemeinsamen Plan folgen, in dessen Rahmen sich jeder einzelne gemäß seinen Eigenheiten möglichst optimal entfalten kann. Aber so etwas sehe ich leider nur sehr sehr selten.


    Wir verfolgen in Deutschland einen extremen Umschalt- und Pressingfokus und glauben, nur das ließe sich als Mannschaftstaktik trainieren. Der Gegner wird ständig unter Druck gesetzt und soll mittels schneller Konter überrumpelt werden. Steht er jedoch tief, ist man vom Egoshooter abhängig. (Offensiv)Strategien wie das Positionsspiel bieten demgegenüber so viel mehr Möglichkeiten. Nicht nur für das Team sondern auch für den Einzelnen. Dafür benötigt man aber Spieler, die mehr können, als nur dribbeln. Aber so lange man einen solch starken Individualfokus verfolgt, kann man nicht erwarten, dass das je umgesetzt wird.

  • Grätsche

    Ich war persönlich unbeteiligt, keine Familienmitglieder dabei 😉


    Ich selber habe lange Jahre Fußball gespielt, auch höherklassig.

    Über meinen eigenen Sohn dann zum klassischen Vatertrainer geworden.

    Fast 7 Jahre, mit den Kleinsten angefangen und immer weiter mit hoch gegangen.


    Ich maße mir durchaus an, bei diesem Thema mitreden zu können 😉


    Ich hatte einiges ja schon erzählt und will nichts wiederholen.

    Nochmals, mir geht es letztlich um die Vorgehensweise des Stützpunktes.

    Und um einige Aussagen.

    Und das du hier diese "2 Minuten reichen zum Ergebnis" rechtfertigst, muß ich ja nicht gut finden.


    Im Gegenteil, ich halte das für ganz großen Blödsinn.

    Wer das kann, der sollte sich doch bitte selbständig machen und für alle großen Clubs dieser Welt arbeiten.

    Auf die vielen Studien, welche die These unterstützen, dass zu frühes selektieren äußerst schwierig ist, gehe ich jetzt mal nicht in Gänze ein.


    Und ja, sicherlich gibt es top ausgebildete Jugendtrainer.

    Ja, die werden sicherlich auch mehr Lehrgänge als ich besucht haben.

    Und trotzdem muß ich denen ja nicht alles abkaufen und allem zustimmen, was die so von sich geben.


    Dann noch dein Punkt Kreisklasse/Kreisliga (als Beispiel).

    Im fortgeschrittenen Alter, ja, da gebe ich dir recht, da sollte man Unterschiede machen.

    Und Spieler, welche ambitioniert sind und weiterkommen wollen, die müssen sicherlich zusehen, so hoch wie möglich spielen zu können.


    Aber doch bitte nicht im Alter von bis zu elf Jahren, also da, wo üblicherweise die erste Sichtung möglich ist.

    Was sollen denn die Kinder aus den typischen Dorftruppen machen?

    Wo sollen die hinwechseln?

    Und vor allem warum?

    Warum die kumpels im Dorfverein verlassen?

    Nur weil sich der dfb zu schade ist (oder auch nur einige Trainer vielleicht), in den unteren Klassen mal spiele zu besuchen?

    Echt jetzt?

    Und dann stellt ein Trainer solch ein Kind vor, das Kind wurde noch nie besichtigt beim Spiel und dann sagt jemand, hey, ich brauch nur zwei Minuten und dann sag ich hop oder top?


    Nee, das find ich arrogant und selbsherrlich und alles andere als intelligent und zielführend.

  • Ein Training soll ausreichen, sich ein Bild zu machen?

    Jugendtrainer begleiten ihre Schützlinge teils bis zu 7 Jahre, kennen Spieler besser als ihre eigenen Kinder 😉 und werden nicht einmal zu einem ihrer Spieler gefragt? Entwicklung über die Jahre usw?

    Also ich weiß normalerweise nach einem Probetraining eines Spielers, ob er leistungstechnisch in meine Mannschaft passt oder nicht. Wenn natürlich 20 Spieler rumlaufen, die bewertet werden müssen, ist das ganze ein wenig aufwendiger. Gehen wir mal davon aus, dass bereits vorher gescoutet wurde und man sich bei einigen Spieler schon ein Bild gemacht hat - so läuft das nämlich üblicherweise im Stützpunkt. Wie sollen sonst diese Spieler eingeladen worden sein (abgesehen von Empfehlungen des Vereinstrainers)?


    Sicherlich wäre es sinnvoll, auch die Meinungen der Trainer einzuholen. Aber wieviele Trainer haben über 7 Jahre lang die Spieler in ihrer Mannschaft und welche interessieren sich überhaupt dafür? Und sollen nun 20 Trainer über jeden Spieler befragt werden? Soll bei jedem Spieler der Lebenslauf und der Werdegang bewertet werden? Das ist die Arbeit nicht wert für einen Stützpunkt, von dem es hunderte in Deutschland gibt.


    Die Spieler haben bei diesem Sichtungstraining die Chance, sich individuell gegen andere durchzusetzen und somit einen Platz in der Förderung zu bekommen. Wer nicht in den Fokus gerät, der hat leider Pech gehabt, einige Spieler trifft das halt so. Es wird sicherlich mal wieder ein Sichtungstraining geben, in dem die Spieler dann erneut die Chance bekommen.


    Ich gehe davon aus, dass zukünftige Bundesliga- oder nur NLZ-Spieler beim Sichtungstraining positiv auffallen und genau um diese geht es ja.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Kleine Anekdote von mir: ein Mitspieler (Kreisliga) von mir durfte über einen Kontakt beim Fußballlehrerlehrgang mal vor Jahren bei einem Zweitligisten mittrainieren. Beim ersten Training wurden 2 Spieler nach 5 min. 5 gegen 2 weggeschickt (Spieler kamen aus Portugal und Spanien). Weitere 2 gingen nach einer Viertelstunde. Ja, das ist nicht Kinder- oder Jugendfußball, aber da hat der Trainer das auch nach sehr kurzer Zeit entschieden. Mein Mitspieler trainierte 3 Wochen und wurde dann nicht genommen.


    Und ich behaupte auch, dass man schon viel sehen kann, wenn man Spieler beobachtet wie sie den Platz betreten und wie sie den Ball behandeln bzw. was sie mit dem Ball machen.


    Yul Wiegand (St. Pauli) hat mit advanced.football einen Podcast gemacht (wer will kann meine Zusammenfassung lesen). Er sagte, dass die Athletik sehr wichtig ist. Technik und Taktik sind nicht so wichtig, das bringen ihnen die Trainer ja bei (Spielverständnis war übrigens für St. Pauli wichtig).


    Der Ablauf der Sichtung sieht bei uns in Bayern übrigens seit 2 Jahren (leider im letzten Jahr durch Corona unterbrochen) anders aus (siehe anpfiff.info).