Negative Seiten der Talentförderung??

  • hi,
    ich bin neu hier und habe gleich eine wichtige frage an euch. ( beginne bald mit dem thema talenförderung meine examensarbeit).
    mich würde interessieren, welche negativen seite es in der talentförderung gibt. kann mir da bitte jemand irgendwelche auskünfte erteilen, oder weiß jemand wo ich infos über dieses thema bekommen kann?
    auch wäre ich dankbar, wenn ihr noch mehr infos zur talentförderung habt, egal ob in- oder ausland.
    die gängigen sachen wie vom dfb oder einige vereine habe ich schon.

    danke für eure hilfe!!

    gruß lulu
  • Hallo,

    ich trainiere eine Fußballmannschaft. Zum Saisonbeginn gab es ein sogenanntes Sichtungstraining des hiesigen Stützpunktes des DFB. Ein Trainer des Stützpunktes erschien zu einem Hallenturnier und sprach mit auf einen Spieler an. Wir gingen dann alle Spieler namentlich durch. Es kamen zwei Spieler in den Erweiterungskader der U10 (Erweiterungskader) und drei Spieler (U11) kamen unter die letzten 25 Spieler von 70ig eingeladenen in den "Vorabkader". Von diesen 25 Spielern sind letztendlich 15 im festen Kader, 10 mußten gehen (Vorgabe DfB). In den letzten zwei Wochen sind meine drei U11 Spieler aus der Mannschaft ausgeschlossen worden. Den Jungs machte es dort enormen Spass. Zwei der drei sind stark geknickt, einer davon konnte eine Nacht nicht schlafen (Elternangabe) und ging einen Tag nicht zur Schule (Bauchschmerzen).

    Das nenne ich negative Seite der Talentförderung.

    Der Kreisauswahltrainer gab damals auf meine Frage, welchen Spielertyp man suche an, dass man technisch sehr gute Spieler suche, die beidfüßig spielen können und dabei in der Lage sind, schwierige theoretische Dinge zügig umzusetzen.

    Ich bin mir sicher, dass die Stützpunkttrainer mit Sicherheit hinter dem stehen, was sie tun. Jedoch denke ich auch, dass gerade diese Leute auch eine eigene Meinung zu den negativ Seiten haben. Ich würde mir dort mal einen Termin holen, sozusagen einen unter vier Augen mit der Garantie auf Verschwiegenheit hinsichtlich des Namens.

    Im weiteren würde ich versuchen, einen Termin bei einem Bundesligaverein anzustreben. Dort gibt es ebenfalls Jugendtrainer. Die Stützpunktmannschaften in Ballungsräumen oder aus Gebieten, wo Bundesligavereine ansässig sind, sind bei der Besetzung ihrer Jugendmannschaften oft "schwächer" besetzt als die ländlichen Stützpunkte ohne Bundesligaanschluß. Die Bundeligavereine fördern ihrerseits und gerade diese Spieler kommen dann nicht in die Stützpunktmannschaften. Ich denke, da könnte man gut vergleichen.

    Vielleicht würde auch ein kluger Fragebogen Helligkeit ins Licht bringen und zudem den Vergleich erst ermöglichen. Viel Spass. Gruß Andre
  • Problem im deutschen Fußball ist ganz einfach, dass die falschen Spieler gefördert werden.
    Ich (DFB-A-Lizenz Trainer) und ehemals in einem Nachwuchsleistungszentrum tätig, hatte mal eine Untersuchung angestellt und ca. 3000 Nachwuchsspieler der Proficlubs erfasst.
    Ergebnis, ist ein Junge (und nur die spielen richtig Fußball) im Okt, Nov oder Dez geboren hat er im heutigen System kaum Chancen richtig gefördert zu werden.

    Ca. 80 % aller Spieler sind nämlich in der 1. Jahreshälfte geboren.
    Was ist der Grund dafür ? Leistungsdruck auf den Trainer.

    Es werden nur körperlich sehr stark und vorallem früh entwickelte Jungs berücksichtigt.
    Und es ist klar, das ein im Januar geborener wahrscheinlich körperlich weiter ist als einer der erst im Dezember geboren ist.

    Diese Auswahl setzt vorallem in der U14 - U17 ein.
    Die Fluktuation ist enorm, jedes Jahr ca. 5 Spieler

    Tja und wenn alle die gleich körperliche Endstufe erreicht haben, reicht das Talent nicht mehr aus. Und noch schlimmer, die Supertalente, die mit 14 als zu klein heimgeschickt werden, haben eben nicht die Topausbilder und -ausbildung.

    Das ist einfach so und läßt sich nicht weg diskutieren.
    In der Spitze des Jugendfußball, der von Hrn. Sammer so genannten Elite, zählt nur der Körper, klar können die alle ein wenig kicken, nur zur Spitze reichts eben nicht mehr.

    Südländische Spieler sind in ihrer körperlichen Entwicklung uns Nordeuropäern weit voraus,
    siehe Anteil dieser Spieler in den DFB-Kadern.
    Dies begründet auch die Dominanz dieser Mannschaften (Spanien, Portugal usw) in den internationalen Vergleichen.

    Kurz um eine Talentförderung, kann man sich schenken, sobald der Wettkampf und der Erfolg im Fordergrund steht.
  • Hallo,

    @Ernst Happel: Herzlich Willkommen im Forum. Auch ich bin begeistert von diesem Statement.

    Ich habe zwar nicht so viele Informationen wie Du, kann es aber aus meinem kleinen Umfeld hier durchaus bestätigen. Ein paar starteten hier gerade ihre "Auswahlkarriere", Bei denen ist aber schon abzusehen, das sie nicht gross werden bzw. jetzt schon klein sind. Den Eltern habe ich gleich gesagt, wie es kommen wird.... Ich gebe beiden höchstens noch 1 Jahr, obwohl beide wirklich gute Fussballer wären, wenn man ihnen dauerhaft die Chance geben würde.

    Für mich ist Körpergrösse allerdings überhaupt kein Qualitätsmerkmal. 10 Mal Jan Koller und du gewinnst kein Spiel...

    Ansonsten sieht man her in der D-Jugend schon: Auswahlkriterieum ist die Grösse/körperliche Entwicklung, sonst nichts. Die Gründe hast Du ja schon genannt.

    Das ganze ist und bleibt halt eine Elternveranstaltung...

    P.S.: Beim NFV wurde in deren Forum ein kompletter Thread über die Nachwuchsförderung in den Stützpunkten erst gesperrt und dann total gelöscht. Er hatte über 100 Beiträge, natürlich auch kritischer Art. Da sieht man mal wie es mit der Förderung durch die Verbände bestellt ist...

    ciao
    BB

    P.S.: Ergebnisorientierung in den Stützpunkten (woher die auch immer kommt) ist natürlich grundlegend falsch.

    Das fast ausschliesslich grosse Kids gecastet werden, deutet auch meistens auf eine antiquierte Spielweise hin. Denn im Kombinationsfussball ist es egal ob einer gross oder klein ist, nur gut oder schlecht zählt dort.

    Das wiederum weiss ich aus Erfahrung, das dort klassisch 3:3 gespielt wird. Oder ganz merkwürdig mit 8 Spielern (7:1) so das die Kids überhaupt nicht wissen was sie machen sollen. Tatische Grundausbildung, wie es der DFB in seinem neuen Ausbildungskonzept fordert, Fehlanzeige.

    ---- Sinnvoller Einsatz der Shifttaste sowie der Interpunktion erhöht die Lesbarkeit aller Postings signifikant. ---

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Big Bopper ()

  • Zitat:

    Dr. House schrieb am 22.12.2007 21:02
    Hallo Lulu,
    ich hätte da eine negative Seite für allgemeine Nachwuchsförderdung (im wahrsten Sinne des Wortes).
    Der BFV schafft die Tabellen ab
    und veröffentlicht stattdessen nur noch die schlechtesten (Nachwuchs-) Teams.

    Schau Dir das mal an:
    http://www.bfv.de/de/100394/vi…ften_zur_winterpause.html




    Na sowas ist natürlich Käse und ein Widerspruch in sich!

    P.S.: FROHE WEIHNACHTEN AN ALLE!

  • Spiegel-Online veröffentlichte die Ausschnitte der Ergebnisse einer Studie, die ganz gut zum Thema passt.

    Aus dem Inhalt:

    "Der Sportart geht ein signifikantes Ausmaß an Talent verloren."

    "Relativ jüngeren und daher körperlich noch nicht so entwickelten Spielern, die aber technisch versierter sind, wird der Zugang zum Spitzentraining eindeutig verwehrt",

    "Alterseffekt auch in Italien, Portugal und Frankreich."

    ".....empfiehlt, einen Blick auf den englischen Jugendfußball zu werfen: "Dort gibt es keine Meisterschaften. Die spielen in ihren Akademien gegeneinander, und die Ergebnisse werden noch nicht einmal veröffentlicht." In Deutschland dagegen gehe es schon für die U-15-Teams der Spitzenvereine um Auf- und Abstieg - und damit in erster Linie um den sportlichen Erfolg, was zwangsweise zur Selektion der körperlich reifsten Talente führt. "....."

    "Offen ist, ob auch der DFB auf die Befunde der Sportwissenschaft reagiert. Man kenne die neue Studie von Lames, ließ die Frankfurter Verbandszentrale auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wissen. Doch zum jetzigen Zeitpunkt möchte man sich noch nicht dazu äußern."


    Hier der Link: ----> Warum der DFB Herbstkinder diskriminiert 
  • Noch mehr Diskussionsbedarf!

    Aus Informationsdienst Wissenschaft vom 22.05.2006

    ....Augsburger Sportwissenschaftler untersuchten schlechtes Benehmen im Sportspielvergleich und stellen fest: Fußball ist auch hier einfach "spitze"!...

    "Für die Zuschauer", meint Lames, "sind diese Ergebnisse tendenziell so zu erwarten gewesen, besonders enttäuschend sind sie aus meiner Sicht aber für die Fußballtrainer und die Fußballspieler. Wie sollen junge Spieler vorbildliches Verhalten, Fairness gegenüber dem Gegner und Respekt vor den Schiedsrichtern entwickeln, wenn ihnen die Vorbilder in Spieler- und Trainerschaft etwas ganz anderes vorleben?"

    ".....Nach dieser Studie kann Fußball nicht mehr uneingeschränkt als Schulsportart empfohlen werden....."

    "....Hier ist nicht zuletzt auch der DFB gefragt, der über seine Trainerausbildung nachdenken muss."

    Hier der Linkl ----> Spotzen. motzen, Schwalbe machen - oder: Ist Fußball schulsporttauglich? 
  • Das kam mir kürzlich auch so in den Sinn - Meisterschaften mit Auf- und Abstieg abschaffen wäre bis in eine bestimmte Altersklasse, ja eigentlich sogar bis ENde der A-Jugend, optimal.

    Unsere D-Jugend spielt in der höchstmöglichen, überregionalen Spielklasse. Dort gibt es bei 14 Mannschaften sage und schreibe 5 (!) Absteiger. Begründung: Vereine, die nicht dort spielen, würden auch mal gerne da rein. Das entspricht mehr als 6 Absteigern in der Bundesliga, also 7 von 18 Bundesligisten würden absteigen. Das Geschrei möchte ich mal hören!

    Effekt: ALLE D-Jugenden in dieser Liga gucken nur noch auf Ergebnisse, auch wir! Es wird reiner Ergebnisfußball gespielt, alle Lernziele einer D-Jugend rücken völlig in den Hintergrund, kleine gewitzte Mannschaften haben ganz klar Nachteile gegenüber den Mannschaften, die ein, zwei früh pubertierendene Leichtathleten in ihren Reihen haben. Wir machen das Spiel mit (und stehen u.a. durch unseren Leichtathleten gut da, ein Spieler, der in der C-Jugend, wenn die anderen "nachgewachsen" sind, keine Rolle mehr spielen wird). Ich ermuntere unsere Trainer aber sogar noch dazu, dem Ergebnis fast alles unterzuordnen, eigentlich gegen meine Überzeugung, aber es ist für uns einfach sehr wichtig, in dieser Liga zu bleiben.

    Viel lieber wäre mir natürlich, der Klassenerhalt wäre von vornherein klar und man könnte sich darauf konzentrieren, die Mannschaften auszubilden und die Spiele gegen die anderen guten D-Jugenden einfach als Vergleichsmöglichkeit nutzen.

    Ich weiß, der DFB ist föderalistisch organisiert, aber dieses Modell gehört m.E. überdacht. Solange er es nicht geregelt kriegt, solchen Schwachsinn innerhalb seiner Verbände zu verbieten, kann er sich mMn all seine hübschen Broschüren und Trainingsvideos und -bücher sonstwohin schieben. Von mir aus soll er Verbänden/Kreisen, die so einen Schwachsinn machen, gleich komplett sämtliche Mittel für alle Projekte streichen, aber so etwas DARF es einfach nicht geben!
  • Zitat:

    Chris schrieb am 20.11.2008 10:27
    ALLE D-Jugenden in dieser Liga gucken nur noch auf Ergebnisse, auch wir! Es wird reiner Ergebnisfußball gespielt, alle Lernziele einer D-Jugend rücken völlig in den Hintergrund, kleine gewitzte Mannschaften haben ganz klar Nachteile gegenüber den Mannschaften, die ein, zwei früh pubertierendene Leichtathleten in ihren Reihen haben. Wir machen das Spiel mit (und stehen u.a. durch unseren Leichtathleten gut da, ein Spieler, der in der C-Jugend, wenn die anderen "nachgewachsen" sind, keine Rolle mehr spielen wird). Ich ermuntere unsere Trainer aber sogar noch dazu, dem Ergebnis fast alles unterzuordnen, eigentlich gegen meine Überzeugung, aber es ist für uns einfach sehr wichtig, in dieser Liga zu bleiben.



    Warum ist es wichtig, in der Liga zu bleiben? Es müssen ja schon gravierende Gründe sein, damit man seine eigentliche Überzeugung über Bord wirft..
    Ich könnte mir vorstellen, um der nachfolgenden Mannschaft eine Spielklasse und somit die Möglichkeit zu geben, ihrem Leistungsstand entsprechend zu spielen. Das würde natürlich im Umkehrschluss bedeuten, ich bilde Jungs gut aus, muss sie dann quasi "verheizen", damit die dannach ausgebildeten Jungs wieder in dieser Liga spielen können, wo ich sie aber auch wieder unter Ergebnisdruck verheizen muss usw. ?!?

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen." 
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph) 

  • @ Holler

    genau das ist es, was Chris ja selbst meint.

    Ab einer gewissen Größe bzw. bisherigen Leistungsfähigkeit, verselbstständigen sich gewisse Dinge. Dazu gehört, das bestimmte Altersjahrgänge in bestimmten Leistungsklassen vertreten sein müssen. Das wird sogar vorher von der Jugendleitung so vorgegeben.

    Fakt ist, wer diese Vorgaben nicht erfüllt wird ersetzt. Das gilt für Spieler und Trainer.

    Und da haben wir wieder die Diskussion zwischen theoretischem Wissen und der Realität der Praxis.
    Letztlich wissen das alle, besonders die ganz oben, in den Großvereinen, beim DFB etc.. Denn genau dort ist das Ergebnisdenken doch besonders ausgeprägt. Anders sind die aktuellen Aussagen von Sammer und Co. nicht anders zu deuten.

    Es ist halt wie im wahrem leben, Wasser predigen und möglichst selbst Sekt trinken. In diesem Sinne ...

    Hintergrund dafür ist ganz einfach das Menschen die eine bestimmte Stufe erreicht haben, diese Stufe so lange wie möglichst beibehalten, oder noch ausbauen wollen. Dabei spielt es für die meisten keine Rolle ob mit fairen oder unfairen Mitteln. Das machen sich Verhaltensmuster bemerkbar, auf die Menschen von der Natur programmiert wurden. Sie verteidigen ihre Position innerhalb der Hirachie.
    Hört sich blöd an, aber da ist der Mensch bis heute innerhalb der Evolution nicht weiter gekommen als viele Tiere, die ebenfalls ständig um die Hirachie innerhalb ihres Rudel kämpfen müssen.
  • Zitat:

    Uwe schrieb am 20.11.2008 09:30
    ....Augsburger Sportwissenschaftler untersuchten schlechtes Benehmen im Sportspielvergleich und stellen fest: Fußball ist auch hier einfach "spitze"!...



    Mag ja sein, dass Fussball allgemein Spitze ist, er ist ja auch Spitze im Geldumlauf und den damit verbundenen negativen Seiten. Allerdings mag ich mich noch sehr gut an meine Schulzeit erinnern und da war Handball mit weitem Abstand meine ungeliebteste Sportart. Ellbogenschläge einstecken beim Verteidigen oder mit hochgezogenem Knie angesprungen zu werden, waren normal und wurden kaum gepfiffen. Die paar Rempeleien bei Standardsituationen im Fussball waren da richtiggehend Streicheleinheiten. Zugegeben, über gestreckte Beine wurde damals gesprungen und nicht wie heute geschwalbt, absichtliche Fouls gab es aber kaum und sind auch heute noch bei Junioren eher selten.

    Wenn Wissenschaftler schon Studien machen, sollten sie doch die direkt betroffenen Schüler befragen. Dann gäbe es bessere Hinweise was gut ist oder was geändert werden müsste.

  • Zitat:

    Holler schrieb am 20.11.2008 10:42
    Warum ist es wichtig, in der Liga zu bleiben? Es müssen ja schon gravierende Gründe sein, damit man seine eigentliche Überzeugung über Bord wirft..
    Ich könnte mir vorstellen, um der nachfolgenden Mannschaft eine Spielklasse und somit die Möglichkeit zu geben, ihrem Leistungsstand entsprechend zu spielen. Das würde natürlich im Umkehrschluss bedeuten, ich bilde Jungs gut aus, muss sie dann quasi "verheizen", damit die dannach ausgebildeten Jungs wieder in dieser Liga spielen können, wo ich sie aber auch wieder unter Ergebnisdruck verheizen muss usw. ?!?




    BCEfferen hat das eigentlich schon ganz schön beschrieben, wenn auch für uns gewisse Dinge so nicht 100 % zutreffen (Trainer ersetzen "nur" weil sie absteigen z.B.).
    Ich würde z.B. nie einen Trainer ersetzen, nur weil er absteigt, wenn ich trotzdem das Gefühl hätte, dass er mit seiner Mannschaft gute Arbeit geleistet hat. Um es aber recht deutlich zu sagen: Für die Spielklassen, in denen wir sind, haben wir eigentlich immer geeignetes Spielerpotenzial gehabt, um zumindest die Klasse zu halten. Wenn es zu einem Abstieg käme, würde es vermutlich schon an mangelnder Trainerarbeit liegen.

    Warum ist es für uns wichtig, in dieser D-Jugendklasse vertreten zu sein? Wir haben natürlich auch sportliche Ambitionen als Verein, dazu muss ein gewisses Potenzial an Spielermaterial einfach da sein. Die kommen natürlich umso mehr, umso höher die Spielklasse ist, in der gespielt wird. Ich glaube das ist Fakt. Sind wir nun schon in der D-Jugend statt z.B. erst in der C-Jugend in dieser Klasse, kriegen wir die Spieler zwei Jahre früher und können sie zwei Jahre länger in unserem Sinne ausbilden und formen und erhalten zwei Jahre eher einen Mannschaftskern, der diesen jeweiligen Jahrgang dann bis zur A-Jugend tragen soll. Ich denke, auch hier liegen die Vorteile auf der Hand.

    Es ist richtig, dass die Jungs bis zu einem gewissen Grad in der laufenden Saison verheizt werden, da wir aber momentan in der D-Jugend einen "Lauf" haben und relativ weit von der Abstiegszone entfernt sind, hält sich das sehr in Grenzen. Es ist m.E. auch nicht so, dass dieses eine Jahr die Jungs auf immer und ewig schädigen wird. Im nächsten Jahr spielen sie als junger Jahrgang ohne jeglichen Druck wieder eine Klasse tiefer, in der C-Jugend dürfte das Problem Klassenerhalt dann kein Thema sein, wie auch in den Folgejahren (gewachsene Mannschaftsqualität, weniger Absteiger in der C- als in der D-Jugend :rolleyes: ). Ich nehme das, was dieses Jahr passiert, halt zähneknirschend inkauf, weil die Gesamtvorteile meiner Meinung nach immer noch die Gesamtnachteile überwiegen.

    Außerdem besteht bei mir die Hoffnung, dass nächste Saison, im Rahmen der Reformen, die der HFV dieses Jahr durchgeführt hat, diese Abstiegsregelung in der D-Jugend abgeschafft wird. Wenn's also optimal läuft, muss nur der 96er Jahrgang dieses Jahr durch diese Geschichte durch.





  • Zitat:

    Ernst Happel schrieb am 17.12.2007 12:57
    Ca. 80 % aller Spieler sind nämlich in der 1. Jahreshälfte geboren.
    Was ist der Grund dafür ? Leistungsdruck auf den Trainer.



    Natürlich ist ein grosser Spieler einfach mal schneller und gewinnt den körperbetonten Zweikampf eher. Allerdings sollte man meinen, dass ein Trainer einer Spitzenmannschaft, dies erkennt und entsprechend bewerten kann. Scheinbar ist das nicht der Fall.

    Zitat:

    Ernst Happel schrieb am 17.12.2007 12:57
    Tja und wenn alle die gleich körperliche Endstufe erreicht haben, reicht das Talent nicht mehr aus. Und noch schlimmer, die Supertalente, die mit 14 als zu klein heimgeschickt werden, haben eben nicht die Topausbilder und -ausbildung.



    Ausbilder in einer Topmannschaft zu sein, heisst leider noch lange nicht ein Topausbilder zu sein. Wenn ich sehe wieviele Leute Mühe habe, das Potential eines Spielers abzuschätzen, ist es nicht verwunderlich, dass es kaum jemanden gibt, der das Potential eines Trainers abschätzen kann.

  • Ausbilder in einer Topmannschaft zu sein, heisst leider noch lange nicht ein Topausbilder zu sein. Wenn ich sehe wieviele Leute Mühe habe, das Potential eines Spielers abzuschätzen, ist es nicht verwunderlich, dass es kaum jemanden gibt, der das Potential eines Trainers abschätzen kann.


    Mir ist nach einem Gespräch mit einem Vater, dessen Sohn als TW in der Stützpunktmannschaft spielt der Verdacht aufgekommen, dass die Talentförderung zwar gut gemeint ist und in teilen auch gut läuft. Der Umgang mit den Kindern ist aber nicht immer der Beste, denn nach dieser Geschichte zu urteilen, wird dort wie im Erwachsenenfußball verfahren.


    1. Spieler -hier ein Torwart- steht bei Spielen wiederkehrend am Rand und wird bei einem Spielstand von 4:0 für 5 Minuten eingewechselt, um dann wieder aus dem Tor ausgewechselt zu werden. Hierbei regnete es bei niederen Temperaturen und die beistehenden Eltern boten ihrem heute 12jährigen an, mit unter den Schirm zu kommen. Das wurde vom Trainer unterbunden, denn dieser fand es besser, dass der durchgefrorene Junge, welcher ja nicht mehr spielen sollte, besser im Regen stehen bleibt.


    Wenn diese Geschichte so wahr ist und davon gehe ich aus, dann erschleichen sich für mich hier mehrere für mich niederschmetternde Gedanken:


    1. Stützpunkt, Talentförderung, Jugendfußball ---gelten dort nicht mehr die Ausbildungsziele, weil das Kind beim Stützpunkt ist?


    2. Werden hier nicht die Dfb-Grundsätze völlig auf den Kopf gestellt, mißachtet und irgendwie mit Füßen getreten?


    3. Wenn dem so ist, frage ich mich, wer diesen Trainer eingestellt hat? Da dürfte es doch wohl Verantwortliche geben, die von dieser Verfahrensweise wissen sollten.


    4. Wie sehr steht der Trainer wohl unter Erfolgsdruck, dass er so handelt oder hat er tatsächlich die falsche Einstellung?


    5. Wer setzt den Trainer hier so unter Erfolgsdruck? Der DFB, sein unmittelbarer Chef oder hat man einen Trainer eingestellt, der bei Einstellung das richtige sagte, aber dieses nicht tatsächlich 1:1 umsetzt?


    Fragen über Fragen die mich frieren lassen. Fakt ist, dass der Junge wahrscheinlich von sich aus aufhören will. Auch für diesen Jungen war es das Allergrößte dort mitspielen zu dürfen und er hat dafür Geburtstage abgesagt, abgesagt dafür, dass er für fünf Minuten als 12jähriger eingewechselt wurde, um danach im kalten Regen weiter zuschauen zu dürfen. Wenn das so ist, würde mich die Frage nach dem WARUM am allermeisten interessieren und wenn mir das niemand plausibel erklären kann, dann nehme ich ab jetzt alle "Pro Texte für den Stützpunkt" zurück und würde das ganze verurteilen und mit wesentlich kritischeren Augen sehen. Ich ginge dann sogar soweit und würde an diejenigen modern denkenden Trainer appellieren, sich den Kreisauswahltrainer gut anzuschauen und ihn nach seiner Meinung zu solchen konkreten Dingen befragen und wenn er dort nicht plausibel Antwortet und den hoffentlich guten Vorsätzen Taten folgen ließe, dann würde ich es niemandem von den guten Trainern verdenken, hier auf dem kleinen Dienstweg den Gang zur Talentförderung zu vereiteln, sorry.


    Abschließend erkenne ich für mich, dass der an sich gute Gedanke -Stützpunkt- mit den Leuten steht und fällt, die die Sache ausfüllen. Da brauch nur mal eine faule Tomate zwischen zu sein und schon kippt die Sache, ....finde ich sehr sehr schaden, ....wie gesagt, vorausgesetzt es gibt keine plausible Erklärung.


    Vielleicht ließt ja hier mal eine Stützpunkttrainer und teilt mal seine Meinung/seinen Eindruck hier mit, ....fände ich jedenfalls sehr gut. Gruß Andre

  • Abschließend erkenne ich für mich, dass der an sich gute Gedanke -Stützpunkt- mit den Leuten steht und fällt, die die Sache ausfüllen. Da brauch nur mal eine faule Tomate zwischen zu sein und schon kippt die Sache, ....finde ich sehr sehr schaden, ....wie gesagt, vorausgesetzt es gibt keine plausible Erklärung.

    Ich glaube damit hast du den zentralen Punkt erwischt, der alle Trainer nicht nur die des Stützpunktes betrifft. Die Bescheinigung einer B-Lizenz für einen Stützpunkttrainer sagt ja nichts über seine menschliche Kompetenz als guter Trainer, sondern nur, dass er fachlich mit den vom DFB vorgegebenen Inhalten vertraut ist und sie anwenden kann. Gerade an den Job des Stützpunkttrainers kommt man z.B. in unserer Region nicht so ohne weiteres heran. Da sind schon Vitamin B und einige Referenzen erforderlich, die oftmals nicht aussagen ob ein Trainer auch mit 12jährigen altersgerecht umgehen kann.

  • Hallo,


    ich bin zwar kein Stützpunkttrainer, aber ich muss euch in euren Punkten beipflichten (es steht und fällt natürlich immer mit den Leuten die verantwortlich sind) und trotzdem Mal "pro Stützpunkt" argumentieren und ein meiner Meinung nach richtig positives Beispiel dokumentieren.


    Ich habe die Stützpunkttrainer in unserem Kreis in meiner ersten Saison als Trainer kennen gelernt. Wir hatten einige Talente in unserer Mannschaft, die aber nicht Auswahl spielten, weil sie vom Verein nicht gemeldet worden waren. Daraufhin hab ich einen der Auswahltrainer angesprochen und er kam auch sofort zu unserem nächsten Spiel. Mit so einer schnellen Reaktion hatte ich gar nicht gerechnet.


    Kurz darauf gründeten die Trainer eine Fußballschule, weil sie der Meinung waren, dass jeder die Chance haben sollte, mal zu erleben wie kindgerechtes, modernes Training aussieht (das nenne ich mal Enthusiasmus und Einsatz). Dadurch das ich vorher die Bekanntschaft mit den Trainern machte wurde ich für die Fußballschule (dauert normalerweise 4 Tage und ist 3-4 mal im Jahr) als Honorartrainer eingestellt, wodurch ich natürlich schon ein bisschen Einsicht in die Vorstellungen und Philosophien der Auswahltrainer habe. Zusätzlich zur Fußballschule wird seit neuestem auch einmal pro Woche ein Fördertraining angeboten, im Prinzip dieselben Inhalte wie beim Auswahltraining. Hier kann sich jeder anmelden (auf 10 Kinder begrenzt) und bekommt, ich glaube 8 Einheiten lang dieses Fördertraining. (Auch das finde ich neben Beruf, fast schon bewundernswerten Einsatz). Natürlich bessert es auch ein wenig die Kasse auf, aber ich kann wirklich versichern, das das was dabei rumkommt in keinerlei Verhältnis zum Aufwand steht und das hier immer, auch im Denken der Trainer, kindgerechtes Fußballtraining und nichts anderes im Vordergrund steht.


    Dadurch, dass die Auswahltrainer unseres Kreises etwas besser kenne, wurde ich auch schon zu einigen Sichtungen als Sichter eingeladen. Auch heute war eine, deswegen habe ich grade so interessiert das thema durchgelesen ;-). Worauf in diesem Kreis hauptsächlich geachtet wird sind Technik (Beidfüßigkeit) und ein ganz wichtiges Kriterium ist Schnelligkeit. Die Größe spielt eigentlich keine Rolle. Wir hatten bei der Sichtung heute zum ersten Mal eine Lichtschranke mit der man Schnelligkeit messen kann (nach 10 und 20 Metern). Die schnellsten Spieler auf diese Entfernungen waren auch die, die davon unabhängig fußballerisch bei der Sichtung aufgefallen sind, wie nachher im Vergleich herauskam. Wer schneller ist, ist auch eher am Ball. Ein interessanter Aspekt find ich. :rolleyes:


    Leider hat einer der 3 Auswahltrainer vor kurzem aus beruflichen Gründen aufgehört und der neue Trainer wird wohl jetzt auch wieder gehen. Die genauen Gründe kenn ich nicht, aber man hat gemerkt, das die Stimmung hier vergiftet war. Es herrschte wohl auch ein wenig Chaos, bei dem Jahrgang den er übernahm, z.B. das die Spieler auf einmal nicht mehr wussten wann genau die Trainingszeiten sind etc. Wie gesagt, es steht und fällt immer alles mit dem der die Position ausfüllt. Das ist die negative Seite die ich jetzt erlebt habe. Ansonsten kann ich in den 5 Jahren die ich mit der Stützpunktarbeit vertraut bin, nur positives berichten. :)


    Naja....ein bisschen ärgerlich ist es, dass wir im Kreis keine großen Vereine haben (soweit ich weiß nicht einmal einen Niederrheinligisten in der C-Jugend), während die umliegenden Kreise reihenweise Mannschaften in Niederrheinliga und Regionalliga haben. Hier wandern die richtig guten Talente spätestens in der C-Jugend in einen anderen Kreis ab. Dadurch wird die, meiner Meinung nach, richtig gute Talentförderung im Stützpunkt für die Öffentlichkeit natürlich nicht deutlich, weil die meisten Spieler, die einmal aufgefallen sind, ganz schnell aus dem Kreis weg sind. Das ist ein wenig schade. Aber das nur am Rande.


    Ich möchte keine Werbung machen, aber falls ihr wissen wollt um welche Fußballschule es sich handelt könnt ihr mir gerne eine PN schicken :D Seit letztem Jahr ist die Fußballschule auch mobil, d.h. sie würde auch zu euch in die Vereine kommen......ein bisschen Werbung ist wohl erlaubt :D


    grüße, stefan

  • Die Auswahlen in meiner Region, sichten D - Junioren und nehmen die "besseren" in die U14 und U15. Die eine Auswahl von den zwei die in meiner Region arbeiten, hat klare Verträge mit FC Zürich, FC Winterthur und noch ein paar anderen Spitzenfussballclubs. Die andere Auswahl hat einen Vertrag mit dem FC St. Gallen. Nun läuft es folgendermassen; Da die Auswhalen jeweils nur bis zur U15 kommen, ist es so, dass die talentierteren oder wie schon erwähnt, wohl eher die "grösseren" die Chance erhalten beim FC Zürich usw. (Vereine die mit den Auswahlen die Partnerschaft haben) zu gehen. Die Anderen gehen mit einer "besseren ausbildung" zum Verein zurück... dass mit der Ausbildung glaube ich aber nicht mehr... können wir auch selbst machen!!


    Nun stelle ich mir die Frage; Warum muss unser Verein in der nächsten Saison 11(!!) Spieler in den Auswahl geben? Wie gross ist denn die Möglichkeit, dass ein Verein wie unseren so viel Potenzial hat? Wurde einmal mehr, wieder falsch selektioniert? Warum können wir unsere Talenten (die wirklich Talente sind) nicht direkt in den Spitzenfussballclubs schicken, ohne den Umweg über die Auswhal? Ist die Auswahl einfach eine Geldfressmaschine, die dafür gedacht wurde, den MA dort somit zu befriedigen?


    Kurz; Alles was die Auswahl macht... schon alleine der Sinn einer Auswahl; Kann man als Verein auch selbst machen!


    Grüsse TRPietro

  • Für ein Gespräch braucht es eine Basis. Es gibt zu viele Unterschiede:


    Das fängt schon damit an, was unter einem Talent verstanden wird. Lt. Stützpunkt: momentan weit überdurchschnittliche Leistung im Jahrgang. Erzählt wird dann, das dies der richtige Weg in Richtung Proifkarriere sei. Häufig wird verschwiegen, dass nur ca. 0,5 % aller Stützpunktteilnehmer mal im bezahlten Fussball landen. Daran ändert auch die hohe Fluktuation nichts, denn meist kommen nach einem Wechsel des Stützpunkttrainers auch die Talente ganz plötzlich woanders her.


    Mich interessiert nur sekundär, was ein Talent kann, viel wichtiger ist, was ein Talent in welcher Zeit erlernen kann. Was einmal daraus wird, hängt von so vielen Faktoren ab. Aus Glaskugeln etwas abzulesen, überlasse ich anderen.


    Deshalb und aus vielen anderen Gründen halte ich ein Gespräch mit diesen Funktionsträgern für reine Zeitverschwendung. Ich kann nur den Rat geben, sich nicht verrückt machen zu lassen, an sich selbst zu glauben und Spaß am Fussball zu haben.