Fairplayliga,wie ist euer Fazit?

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung
  • Nun aber mal wieder was zum Thema und aktuelles.


    Am Dienstag hatten wir ein Spiel gegen eine ungeschlagene Mannschaft.
    Ich hatte ja schon beschrieben wie wir unsere Gegner empfangen, kurz gesagt, wie man Gäste eben empfängt. Ich nenne das mal "aktive Freundlichkeit". Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise wurde mir jetzt wieder klar.
    Bei den Kindern klappte die Begrüßung gut, genau wie bei ihren Trainer. Man konnte merken das er wohl ziemlich ehrgeizig ist aber man hatte gleich den Eindruck, mit dem kann man zusammen arbeiten.
    Bei den Eltern (Zuschauer) merkte ich sofort eine negative bis agressive Stimmung, warum auch immer.


    Und genau so kam es. Meinem Kollegen, der sich mal gleich auf der anderen Seite des Platzes einrichten wollte, erklärte ich kurz die Regel und Sinn der Coaching Zone, was er auch akzeptierte. Bei der offiziellen Begrüßung am Mittelpunkt wies ich beide Mannschaften auf ein paar Regeln des Fairplays hin. Und los gings.


    Vom Spielverlauf her, fast wie erwartet mit der Überraschung dass wir in Führung gingen. Aber unser Gegner drehte dieses Ergebniss ziemlich schnell. Im Grunde war es allerdings wie so oft in dem Jahrgang, drei Spieler hätten den Gast gereicht um das Spiel zu gewinnen, die anderen füllten wohl nur den Kader auf.
    Zur Pause lagen sie dann erwartungsgemäß sicher vorne. Nach der Pause nahm der Kollege diese drei Spieler raus und es wurde ein ausgelichenes Spiel. Zwischenstand 5:6 aus unserer Sicht. Zum Ende hin ließ er seine Paradespieler wieder aufs Feld und die Sache wurde wieder klar.
    Nach dem Spiel gabs von uns Glückwünsche und meine Anerkennung dem Kollegen gegenüber. Nicht nur fürs Ergebnis sondern auch, dass er bei hoher Führung das Verhältnis der Spielstärke angepasst hat.
    Uns so stelle ich mir dann ein faires Spiel vor und ich weiß so einen Verlauf sehen alle Beteiligten Kinder, Eltern und Betreuer. Da wird jeder seine Schlüsse ziehen weil schlechte Beispiele kennt ja jeder.


    Also alles prima, alles tutti ?!


    Nicht alles, was ich ausgelassen habe war der Gästeanhang. Unser Platz ist umzäunt und Zuschauer haben sich ausserhalb des Zaun`s aufzuhalten. Da das Wetter recht schlecht war ließen sich die Gäste auf der weit entfernten Auswechselbank der Großen nieder. Kein Ding, 15 m sind es eh noch und bei dem Wetter,ok.


    Leider fingen sie allerdings dan doch an lauthals rein zu rufen und nach hoher Führung unsere Spieler zu verhöhnen. Nach dem noch ein paar Dinge dazu kamen, verwies ich die Gruppe des Platzes, also doch hinter die Absperrung, was natürlich nicht gut an kam und mit entsprechenden Sprüchen belohnt wurde. Darauf hin sprach ich mit meinem Gästekollegen über die Situation und forderte ihn auf seinen Anhang zu beruhigen und bei nicht Beruhigung ich einen Eintrag machen werde.
    Genau das tat er und das Spiel konnte in die zweite Halbzeit gehen.
    Sicherlich hätte ich auch ein riesen Ding daraus machen können was da so alles gerufen wurde, zu mir besonders nach dem Verweiß. Aber ich denke es hätte die Sache nur aufgepuscht.
    Nach dem Spiel waren die Gästeanhänger, trotz allem einigermaßen umgänglich.


    Fazit: Trotz dieser ärgerlichen Situation bin ich der Meinung alles gut gelaufen.
    Trotz Fairplay lasse ich mir ja nicht die Butter vom Brot nehmen und zeige meine Linie allen Beteiligten.


    Ich würde mir nie anmaßen zu sagen, dieses Verhalten ist das einzig Wahre und anders geht es nicht. Ich schreibe meine Erfahrung um andere zu ermutigen das Fairplay im Sport zu unterstützen. Das es Leute gibt die das lächerich finden, kann ich gut akzeptieren.
    Jeder muß da seinen Weg finden und wenn jemand Strafen als unabdingbar sieht ist das sein gutes Recht.


    Gruß
    Peter

    • Das war die ganze Zeit sehr hart am Thema!
  • Alles richtig gemacht, @peter31, würde ich sagen. Das ist ein hilfreicher Beitrag für viele Trainerneulinge, die sich am Spieltag noch nicht so souverän verhalten (können). Genau so macht man das, man redet mit dem "gegnerischen" Trainer und dem Anhang, aber wenn da was in zu hohem Maße nicht richtig läuft, dann tut man auch etwas dagegen. Ich habe auch schon mehrfach Eltern dazu auffordern müssen, sich hinter die den Platz umgebende Absperrung zu begeben. Wenn man das bestimmt, aber freundlich macht, und auch auf die eventuell sich einstellenden Proteste oder Anstalten, die Maßnahme als ungewöhnlich, übertrieben oder lächerlich darzustellen, mit Ruhe, aber Bestehen reagiert, dann klappt das eigentlich auch immer. Viele Leute sind überrascht davon, dass sie als Zuschauer und erwachsene Personen eine Anweisung erhalten. Einige von ihnen fassen diese dann als Bestrafung und/oder Kritik an ihrem Verhalten auf -- was es ja sein kann, aber auf diese Diskussion sollte man sich möglichst erst gar nicht einlassen. Bleibt man dann aber freundlich und bei seiner (ja durchaus zumutbaren) Forderung, so beruhigen sich die fraglichen Kandidaten recht schnell wieder. Und so wie ich es bisher erlebt habe, ist die große Mehrheit der Zuschauer völlig mit der Befolgung der Regeln einverstanden, solange sie eben für die Anhänger beider Mannschaften gleichermaßen gelten.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • @peter31


    Super Beitrag. So oder so ähnlich hat es jeder erfahrene Trainer schon mal miterlebt. Mit konsequentes, aber nicht hysterisches Eingreifen lassen sie sich fast immer sehr schnell lösen. Aber auch der gegnerische Trainer hat sehr gut gehandelt. Denn gerade im unteren Jugendbereich ist es wichtig, dass alle Kinder Spaß am Fussball haben. Gute Trainerarbeit zeigt sich nicht erst auf dem Platz. Das fängt schon beim Training an. Aber er hat dies nicht dadurch zum Ausdruck gebracht, als dass er seine Gegner demütigen wollte, sondern dafür gesorgt, dass keines der Kinder traurig nach Hause gehen mußte.


    Durch euer vorbildliches Verhalten können sich alle als Sieger führen. Vielleicht reift ja auch bei diesen Eltern nunmehr die Einsicht, dass es für alle (insbesondere der Kinder) noch mehr Spaß macht, wenn es friedlich zugeht?

  • Ich glaube ein kleiner Bericht von einem unserer Hallenturniere im Dez. 15 passt gut zum Thema: von 6 teams waren 2 nicht angetreten. Unser beschluss, damit die Kinder ein schönes Turnier spielen können: wir gründen ad hoc ein All Star Team. Mannschaft 6 wurde ersatzlos gestrichen und Immer wenn Mannschaft 5 spielen sollte wurde aus den Mannschaften die eigentlich Pause hatten je 2 kinder abgestellt (5+1). Immer andere Kinder. Coach wurde aus dem Publikum bestimmt. Diese Mannschaft hat das Turnier ohne Niederlage gewonnen. Schande über alle anwesenden Trainer :) Kinder die sich zum ersten mal sahen waren besser als die teams.
    Und warum passt das zum fairplay Thema? Weil diese Team einfach ohne Druck spielen konnte. Und niemand die Kinder ferngesteuert hat. Der Coach konnte ja auch gar nichts machen - er kannte ja die Namen nicht! Und Publikum war ebenso viel entspannter!
    Mein Fazit daraus: Der Grundgedanke hinter der Für play Liga funktioniert!


    Grüße von der Ersatzbank

    Grüße von der Ersatzbank

  • Coach wurde aus dem Publikum bestimmt. Diese Mannschaft hat das Turnier ohne Niederlage gewonnen. Schande über alle anwesenden Trainer Kinder die sich zum ersten mal sahen waren besser als die teams.

    Damit wären wir wieder bei der Frage, wie viel Einfluss (oder eben auch nicht) ein Trainer auf die Entwicklung der Kinder tatsächlich hat. ;)

  • @Grätsche


    Das ist eine Frage, die ich dir absolut nicht beantworten kann. Je mehr Spieler nach der Ausbildung in den Profibereich wechselten und ich ihre weitere Karriere beobachtete, je deutlicher wurde mir, wie gering mein Einfluß war und wie groß der Anteil, den sie sich allein erarbeitet haben.


    Wir Trainer sind für diese Talente lediglich Steigbügelhalter ihrer Karriere. Hingegen brauchen uns Kinder mit normaler Veranlagung mehr, weil sie ansonsten aufgrund deutlich geringerer Erfolgserlebnisse die Motivation irgendwann ausgehen könnte, dem Fussball seinen Spaß abzugewinnen.


    Wichtig aber ist, sie alle gleich zu behandeln. Darin sehe ich eine Aufgabe im Fairplay! Denn leider werden in vielen Vereinen lediglich die ersten Mannschaften im Jugend- und Seniorenbereich reichlich beschenkt und der Rest muß nehmen, was übrig bleibt. Das muß im Breitensportbereich nicht sein oder?

  • Glaube schon das wir Trainer großen Einfluss auf die Entwicklung und Einstellung der Kinder haben KÖNNEN. Aber obiges Beispiel bestätigt mir abermals, dass wir Trainer uns damit abfinden müssen beim Spiel selbst wenig bis gar keinen Einfluss auf das Geschehen haben. Außer wir würden zu drastischen Maßnahmen wie Diego Simeone greifen :P


    Wir sollten die Rolle des Beobachters einnehmen, der die gewonnenen Informationen nutzt, um die weiteren Trainings zu gestalten. Das Training ist das Instrument mit dem wir Einfluss haben.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • @Strznievski


    Ich würde es gern ein wenig umformulieren in: Es ist ein Trugschluß zu glauben, man könnte etwas im Spiel erwarten, was nicht zuvor intensiv trainieren wurde. Dennoch geschehen hin und wieder Dinge auf dem Platz, die sich nicht durch Training, sondern als Geisterblitz erklären lassen. Ob sie jedoch als Zufall oder Fortschritt bezeichnet werden können, kann erst später erklärt werden.


    Man kann als Trainer alleinfalls dazu beitragen, dass Kinder heute schon etwas früher Techniken und Taktiken im Vereinsfussball erlernen. Früher fand dieser Lernprozeß noch im Straßenfussball statt, aber den gibt es heute nicht mehr!


    Wenn man etws früher lernt, dann sollte mehr Zeit für noch Wichtigeres bleiben? Doch diese Entwicklung nimmt nicht immer den gewünschten Verlauf, weshalb es immer eine genügend breite Spur benötigt, in denen man sich bewegen kann.


    Erfolgsdruck auf Spieler und Trainer führen fast zwangsläufig dazu, sich kurzfristig einiger Mittel zu bedienen, die bei gleichzeitiger Ausserkraftsetzung der Fairness als heilig gelten. Diesen manchmal sogar selbst auferlegten Zwang den Fussball als reinen, nicht humanen Ergebnissport zu betrachten, kann nicht als ein in unbefristete Zeit geltendes gemeinschaftliches Ziel Geltung erlangen.


    Gemeinsam durch Dick und Dünn, durch Freud und Leid zu gehen, das scheint in Vergessenheit geraten zu sein, weil man den Zeitraum von einem zum nächsten Erfolg du Geld statt durch Fleiß erkaufen möchte. Leider bleiben bei diesen Versionen der Fairness nur allzu viele, die gern den gemeinsamen Weg von Sieg und Niederlage gehen würden, auf der Strecke!

  • Zum Thema:


    Mein Fazit der FPL (Habe 2009er)


    Pro:


    -Eltern sind wieder mehr Zuschauer den Co-Trainer
    -Trainer kommunizieren direkt und sind zusammen am Spielfeldrand


    Kontra:


    -Auslegung der FPL in Vereinen teilweise verschieden
    -(Erfolgs)Trainer mutieren zum Moralapostel und Schiedsrichter, sobald die eigenen Spieler nicht funktionieren
    -Trainer ist immer "Schuld"
    -Kein echter Wettkampf in der F-Jugend
    -Nicht wirklich Kindgerecht!
    -Nicht wirklich an den Bedürfnissen von Jungen angelehnt!
    -Vereine spezialisieren sich auf die Regeln, dadurch falsche Taktik Basics


    Ich habe mehr gegen als für die FPL gefunden. Ich finde das ganze mit der heißen Nadel gestrickt und wie immer überreguliert.
    Mir kommt es eher so vor, als ob man hier den Schiedsrichter Mangel kompensieren möchte und die FPL nur all zu gerne vorschiebt.

  • @HamburgerTrainer


    Erst einmal vielen Dank für dein Fazit.


    Was sollten deiner Meinung nach die Konsequenzen daraus sein?


    1. Schiedsrichter
    Sollte der DFB, die Verbände und Vereine mehr Geld in die Hand nehmen sollten, um den Schiedsrichtermangel im Jugendbereich zu beheben und auch für den F-Jugend-Bereich für ausreichend Neutraiität auf dem Platz zu sorgen?


    In diesem Zusammenhang hab ich mal eine Frage:


    Was ist einfacher zu verkraften?
    A. Ein ungültiges Tor aufgrund einer falschen Schiedsrichterentscheidung
    B. Ein ungültiges Tor aufgrund einer Trainereinmischung (kann auch als Reaktion verstanden werden = Ball wird zwecks Anstoß zur Mittellinie geschossen)
    C. Ein ungültiges Tor aufgrund einer Spielereinmischung (kann auch als Reaktion = Spieler gibt nicht zu, dass er zuvor ein Foul begangen hat oder der Ball zuvor bereits im Aus war)


    2. Unterschiedliche Regelauslegung der FPL
    Sollten die Fussballregeln für die Kinder noch weiter vereinfacht werden, dass sie von allen Teilnehmern hinreichend verstanden werden? Welche Vereinfachungen schlägt du vor?
    Sollten die Regeln auf einer Tafel neben jedem F-Jugend-Kleinfeld aufgestellt werden,damit es jeder Interessent nachlesen kann und es keinerlei Meinungsunterschiede oder falsche Regelauslegungen mehr geben kann?


    Kannst du die nachfolgenden Punkte noch ein wenig erläutern?
    - Trinaer sit immer Schuld
    -kein echter Wettkampf in der F-Jugend
    -Nicht wirklich Kindgerecht!
    -Nicht wirklich den Bedürfnissen von Jungen (von Mädchen schon?) angelehnt

  • Bei uns gibt es die FPL schon sehr lange. Mein Großer kennt es seit der Bambinis nicht anders (08er)


    Gerade der "fehlende" Schiri stört am wenigsten.
    Hier hakt es am "nichtmiteinander" der Trainer... Wenn dann ein zu ehrgeiziger auf einen eher entspannten trifft, hat der entspannte mit seinem Team immer Nachteile.
    Was passiert: der Entspannte (der sich das ja meist auch eher mühseelig erarbeitet hat) gibt seinem Ehrgeiz nach und wird ebenfalls über die Gebühr laut...

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Fairplayliga wird nach dem Wasserfallmodell kommuniziert, oder?

    • Fürs anfeuern: Verband --> Verein --> Betreuer/Trainer --> Eltern --> weitere Fans.
    • Fürs spielen: Verband --> Verein --> Betreuer/Trainer --> Kinder.


    Und ich glaube nicht, dass Unkenntnis darüber eine Holschuld ist, sondern eine Bringschuld!


    Es fallen mir in meiner Wahrnehmung folgende Ausprägungen auf:

    • Verband und Vereine scheinen informiert und akzeptieren die FPL.
    • Trainer sind viel zu häufig nicht informiert und akzeptieren die FPL nicht; halten es für Unfug.
    • Kinder akzeptieren die FPL aber wissen kaum was eigentlich zu tun ist.
    • Eltern müssten informiert werden und würden dann wahrscheinlich die FPL besser akzeptieren; sie wissen eigentlich gar nicht was das ist.

    Daraus folgere ich:
    a) Wenn Eltern und Kinder zu wenig wissen, dann muss ihnen das jemand sagen (=Trainer).
    b) Damit das geschieht müssen die Vereine das den Trainern beibringen!


    Damit lande ich wieder in der Diskussion Trainermangel und das Papas einfach ins Kalte Wasser geworfen werden, weil der Verein auf jede helfende Hand angewiesen ist.
    Dennoch Beziehe ich Stellung und wage die Aussage: Dass die FPL nicht funktioniert ist nicht Schuld der Trainer, sondern der Leitungsfunktionen in den Vereinen!

    Grüße von der Ersatzbank

  • Hier kam ja im Verein sogar mal die Idee auf, einen FPL-Beauftragten zu benennen. Wenn das im gesamten Kreis so wäre, wäre ich sogar dabei den Posten zu übernehmen. Aber als Einzelkämpfer bringt das ja auch nix...

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Hier kam ja im Verein sogar mal die Idee auf, einen FPL-Beauftragten zu benennen. Wenn das im gesamten Kreis so wäre, wäre ich sogar dabei den Posten zu übernehmen. Aber als Einzelkämpfer bringt das ja auch nix...

    Das wäre eine Maßnahme, die ich sehr gut finde! Das schafft klare Strukturen und würde die Ernsthaftigkeit des Bestrebens belegen! Ich wäre für diesen Posten bei uns im Verein auch zu haben!

    Grüße von der Ersatzbank


  • Erstmal : Einen FPL beauftragten fände ich super und auch das einführen der FPL Liga mit entsprechenden verpflichtenden Seminaren für Trainer und Verein, sind mMn unabdingbar!


    1. Schiedsrichter nur deshalb, weil hier in HH einfach gesagt wurde : So, wir versuchen mal FPL in der 2009er Staffel. Dazu gab es ein paar handouts der Vereine und fertig. Es gibt eigentlich kaum Kontroll Organe und zum Teil halt die genannte Entwicklung.


    2.Erfolgstrainer drillen die Kinder so, das Sie einen maximalen Vorteil aus dem Regelwerk holen. Dort fehlt das "Fair"ständnis Eine Lösung habe ich oben genannt. Wenn ich (Landesverband) ein neues Regelwerk einführe , muss ich auch für Verständnis und Einhaltung sorge tragen. Zudem muss durch Aufklärung der Missbrauch eingedämm werden.


    Zu deinen Fragen:
    -Trainer sind immer Schuld:
    Die Eltern verstehen immer noch den Trainer als Schiedsrichter, daher haben die Trainer , nach sicht vieler Eltern, die ganze Verantwortung


    -Kein echter Wettkampf in der F-Jugend/nicht Kindgerecht für Jungen:


    Jungs im Alter ab 6-7 Jahren haben den natürlichen Drang sich zu messen. Dies wird z.B. in der Schule (Bundesjugendspiele etc.) in diversen Sportarten gestattet und Sie kennen aus aus den Medien(Buli,EM etc ) Warum muss auf Zwang darauf verzichtet werden ? Kinder wachsen mMn an Niederlagen genauso wie an Siegen und Kinder in dem Alter wissen ob Sie gewinnen oder verlieren. Es ist unsere Aufgabe als Trainer, den Kindern beizubringen, das eine Niederlage nicht schlimm ist.
    Dies zu kaschieren, in dem man einfach die Ergebnisse "versteckt" und verleubnet, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Warum werden Spiele angesetzt und warum muss man Strafe für Verschiebungen und nicht antreten zahlen, wenn eh nichts gewertet wird?!
    Da muss nachgebessert werden. Das System von quasi "Zwangfreundschaftsspielen" ist mMn nicht zielführend! Wenn Kinder nur noch nicht gewertete Freundschaftsspiele bestreiten sollen, dann muss viel mehr flexibilität her. Warum z.B. muss ich das Ergebnis beim DFB melden ??? Zudem verstehen viele die Fairplay Liga als eine Körperlose spielart und jede Berührung wird als Foul beschrien.Da fehlt mir das grundsätzliche Verständnis von einer Kontaktsportart wie Fussball.Man nimmt den Kindern hier viel mehr, als das man ihnen gibt! Wenn meine Jungs nur noch darauf bedacht sind, nicht zu kämpfen, keine Tore zu schießen etc. wo bleibt da der Fussball ?


    Und ja, die Bedürfnisse von Mädchen und Jungs unterscheiden sich selbstverständlich sehr stark. Hier steht u.a. viel mehr die soziale Entwicklung im Vordergrund als das körperliche messen, Ausnahmen bestätigen die Regel.Das ist aber generell ein anderes Thema...

  • Da muss nachgebessert werden. Das System von quasi "Zwangfreundschaftsspielen" ist mMn nicht zielführend!

    Da sprichst du vermutlich vielen Trainern/Eltern aus der Seele, die die Fairplay-Liga ebenso nur als ein Baustein und nicht als ein neues System für den Start in den Kinderfussball wahrnehmen?


    Zunächst einmal möchte ich die Motive zur Einführung der Fairplay-Liga in Erinnerung rufen:


    1. Weil ausgebildetete Schiedsrichter für die F-Jugend-Spiele nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, greifen Eltern/Trainer als Schiedsrichter zur Pfeife. An deren laienhaften und evl. nicht neutralen Enscheidungen entzündeten sich die Gemüter, sodass es teilweise zu Ausschreitungen unter den Zuschauern im Rahmen dieser Punktspiele gab.


    2. Die hier größtenteils tätigen Trainer besitzen meist keine Ausbildung, kennen häufig nicht einmal die Fussball-Regeln in ausreichendem Maße, müssen noch ihre Aufgaben in der Mannschaftsführung erlernen, weshalb ihnen der Einsatz in Staffeln ohne Punktspiel-Wertung entgegen kommt.


    3. Auch Eltern von Teams, die fast alle Spiele verlieren, befürworten den Wettbewerb ohne Tabellle, weil hier sichergestellt ist, dass auch beim Verlieren der Spaß im Mittelpunkt steht.


    4. Kinder sollten eigenverantwortlich in ihrem Spiel agieren. Eltern sollten durch Sicherheitsabstand (Zuschauerzone) nicht mehr ins Spiel der Kinder eingreifen. Trainer sollten nur dann in der gemeinsam nebeneinander (Coachingzone) ins Spiel eingreifen, wenn sich die Kinder mal nicht einig werden können.


    Soweit zur Theorie! Schon zur Zeitpunkt der Einführung wurde bemängelt, dass es keine ausreichende Unterstützung bei der Einführung der FPL-Liga gab. Dadurch gab es schon sehr früh unterschiedliche Regelungen, sodass kaum festgestellt werden konnte, ob das gewünschte Ziel ("den Kindern ihren Fussball zurück geben") erreicht wurde bzw. werden konnte.


    Von Seiten des DFB und der Verbände verhielt man sich eher neutral und wollte die Veränderungen beobachten. Doch wie wenig diese Medienabteilungen damit anfangen können zeigt die nach wie vor nach traditionellen Wertmaßstäben Berichterstattung, in denen man sich bewußt oder unbewußt auf die eingetretenen Veränderungen hinwegsetzt. So mancher unerfahrene Trainer mag deshalb sehnsüchtig nach den alten Regeln rufen, wo man noch sehr viel klarer "Freund und Feind" ausmachen konnte, anstatt diesem "Weichspüler-Fussball" für in Watte eingepackten Spielern zuzuschauen, die in der Halbzeitpause von Mutti noch den Schnuller in den Mund gesteckt kriegen! ;( Wer ein harter Kerl werden will, der geht also ins Zeltlager! die haben dem Fussball schon lang den Rang abgelaufen, weil hier noch nach Herzenslust gerauft und herum gebalgt werden darf! In der Menge schaut eh nicht so genau einer hin, wer jetzt gerade verprügelt wird!


    Zu Siegern gehören eben auch Verlierer. So ähnlich ist es dann auch in der Schule, nur das heute die Lehrer nicht mehr die potenziellen Sitzenbleiber mit "schlagenden" Argumenten pädagogisch wertvoll nachhelfen dürfen. Wer die besondere Ehre einer "großen Urkunde" bei den Bundesjugendspielen über sich ergehen lassen durfe, war natürlich anschließend automatisch der Mannschaftsführer und bestimmte, wer den Ball aufpumpen und wiederholen wurde.


    Naja, nun denkt man darüber nach, während der Grundschulzeit die Zensuren abzuschaffen und durch Beurteilungen zu individualisieren! Fragt sich dann ebenfalls, ob ein Pauker das besser kann oder ob der Schaden für die Zukunft des Kindes dadurch etwas geringer wird?


    Ein Schwerpunkt der FPL ist sicher das Spektrum, in dem noch nicht ausreichend verstanden wird, was Kinder wollen und wie sie sich dabei wohl fühlen. Denn in unserer auf Leistung beruhenden Gesellschaft ist es schwierig, sie in ihrer Kreativität in einer angstfreien Umgebung entwickeln zu lassen! Hierin hat man eine Chance gesehen, sich im Kinderfussball zu wandeln. Denn man steht als Freizeitgestaltung längst nicht mehr konkurrenzlos auf einem Elfenbeinturm.


    Kinder sind jedoch die einzige Zukunft für die Vereine, die Verbände und dem DFB! Es sind sogar die kleinen Dorfvereinen, die die Nationalspieler von morgen und übermorgen machen. Denn wer bereits dort auf Menschen trifft, die sie wie kleine Erwachsene, statt heranwachsende Kleine behandeln, dann werden sie sich schon früh abwenden. Dieser Prozess des Dropout im Kinderfussball ist bereits im Gange und er nimmt jährlich zu!


    Zeit innezuhalten und unsere Ziele mit denen unserer Kinder zu vergleichen? Denn jede Veränderung fängt im Kopf an!

  • Wenn meine Jungs nur noch darauf bedacht sind, nicht zu kämpfen, keine Tore zu schießen etc. wo bleibt da der Fussball ?

    Ich verstehe sehr viele deiner Kritikpunkte und gebe dir auch in einigen Recht. Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist warum die FairPlay Liga zum Verzicht aufs Tore schießen oder anderes führen sollte?


    Kampf und Körpereinsatz könne die Kinder in der F bereits sehr gut einschätzen und wissen auch sehr gut wann es von Körpereinsatz ins Foul geht. Hängt wohl auch immer etwas vom Trainer ab. Wenn Sie sich im Training nicht berühren dürfen lernen Sie auch das Verhältnis nicht. Vielleicht ist dies daher mit den von dir angesprochenen Verständnis von FPL = körperloses Spiel zu erklären.
    In einem FPL Spiel gibt es aber sehr wohl einen Sieger und einen Verlierer. Wie wirklich wichtig das für die Kinder ist zeigt sich aber auch darin das viele mit einem erfolgreichen 7Meter im Anschluss die Niederlage schon deutlich besser verkraften können.


    Ergebnisse in Tabellen festzuhalten ist in keiner Weise nötig. Kinder leben im Moment. Wie Sie gegen die Mannschaft X vor Y Wochen gespielt haben ist nur Thema wenn es der Trainer, der Vater oder sonst wer immer wieder erwähnt. Und es spart ja auch viel Geld! Denn aus irgendwelchen Meisterschaftsshirts für die G-Junioren Gruppe ABC sind die Kinder nach max. 1 Jahr eh wieder raus gewachsen. Warum also braucht es sowas?


    Gruß
    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)


  • -Trainer sind immer Schuld:
    Die Eltern verstehen immer noch den Trainer als Schiedsrichter, daher haben die Trainer , nach sicht vieler Eltern, die ganze Verantwortung


    Klare Kommunikation vom Trainer mit den Eltern....Warum, Wieso, Weshalb....



    -Kein echter Wettkampf in der F-Jugend/nicht Kindgerecht für Jungen:


    Das stimmt nicht.



    Warum muss auf Zwang darauf verzichtet werden ? Kinder wachsen mMn an Niederlagen genauso wie an Siegen und Kinder in dem Alter wissen ob Sie gewinnen oder verlieren. Es ist unsere Aufgabe als Trainer, den Kindern beizubringen, das eine Niederlage nicht schlimm ist.


    Jedes Spiel hat ein Endergebnis. Sie messen sich also durchaus.



    Dies zu kaschieren, in dem man einfach die Ergebnisse "versteckt" und verleubnet, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.
    Warum werden Spiele angesetzt und warum muss man Strafe für Verschiebungen und nicht antreten zahlen, wenn eh nichts gewertet wird?!


    Wenn man sich mal damit beschäftigen würde, weiß man warum das so ist.....
    Wollen denn die Kinder die Tabellen sehen? Oder sind es etwa Erwachsene....



    Da muss nachgebessert werden. Das System von quasi "Zwangfreundschaftsspielen" ist mMn nicht zielführend! Wenn Kinder nur noch nicht gewertete Freundschaftsspiele bestreiten sollen, dann muss viel mehr flexibilität her. Warum z.B. muss ich das Ergebnis beim DFB melden ???


    Und wieder:
    Wenn man sich mal damit beschäftigen würde, weiß man warum das so ist.....



    Zudem verstehen viele die Fairplay Liga als eine Körperlose spielart und jede Berührung wird als Foul beschrien.Da fehlt mir das grundsätzliche Verständnis von einer Kontaktsportart wie Fussball.


    Wer sind denn "viele"???
    Bei uns wird kein Zweikampf unterbrochen....die Kinder entscheiden. Und die können es mittlerweile besser als die Erwachsenen.



    Man nimmt den Kindern hier viel mehr, als das man ihnen gibt! Wenn meine Jungs nur noch darauf bedacht sind, nicht zu kämpfen, keine Tore zu schießen etc. wo bleibt da der Fussball ?


    Stimmt auch wieder nicht.
    An der Stelle:


    Die Fairplay Liga wurde nicht eingeführt, weil die Kinder etwas falsch machen.
    Sie wurde eingeführt, weil Erwachsene es einfach nicht in Birne bekommen wollen, das dort Kinder Fußball spielen wollen und sollen.
    Und weil die Erwachsenen zu beschränkt sind es zu verstehen, wurden die Tabellen nicht mehr veröffentlicht, die Schiedsrichter abgeschafft und ein Abstand der Eltern zum Spielfeld eingeführt.
    Nochmal: DIE ERWACHSENEN MÜSSEN LERNEN SICH ZU BENEHMEN, NICHT DIE KINDER!!!

  • Meines Wissens werden die Ergebnisse sehr wohl erfasst und auch ausgewertet aber nicht veröffentlicht. Zur Rückrunde werden hier die Gruppen nach den Ergebnissen der Hinrunde neu gemischt. Die stärkeren einer Gruppe steigen auf, die schwächeren ab.


    Hier wird die FPL nur noch sehr selten in Frage gestellt. Immer nur durch die Erwachsenen und immer nach eher ruppigen Spielen. Und ja, so mancher Honk telefoniert samstags nach den Ergebnissen der anderen um eine "interne Tabelle" zu führen.


    Ich finde jedoch, wenn man den Kindern aufmerksam zuhört, dann kann man durchaus von ihnen lernen...
    Folgende Szene: rot schreit "Foul, Freistoß", blau wehrt sich "gar nicht, Ball gespielt". Die Kinder meckern sich an, sind aber recht weit von den Trainern entfernt. Dann legt sich rot den Ball zurecht und macht sich zum Freistoß bereit. Blau fügt sich. Der Freistoß führt zum Tor.
    Nach dem Spiel, welches blau 4:2 verliert, sind sich die blauen einig: "das Freistoßtor zählt nicht! Das Spiel ist nur mit 3:2 verloren gegangen" und gehen erhobenen Hauptes vom Platz. - Problem gelöst! So einfach kann es sein, wenn man die Kinder machen läßt.


    Wir hatten ein FS mit den Bambinis und am Ende haben alle gerätselt, ob es 5:5 oder doch 6:5 ausgegangen ist. Die eine Mannschaft meinte so, die andere anders. Alle glücklich.



    Ich sehe das nicht so, dass es FS-Charakter hat. Die fehlende Tabelle führt eher dazu, dass sich alle immer zunächst auf Augenhöhe begegnen. Da kommt dann eben einfach der FC Knickfuß und nicht der Tabellenvorletzte. Ein großer Vorteil, wie ich finde.
    Auch bei Turnieren wird hier kein Sieger ermittelt. Wo in einem normalen Turnier ein Team gewinnt, sind 7 andere traurig ausgeschieden.
    Wettkampf ja - sobald die Kinder das Trikot anhaben, sind sie im Wettkampfmodus.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!