Die Darstellung des FUNino Festivals vermischt mehrere Ebenen, die zwingend voneinander getrennt werden müssen. Das grundsätzliche Kinderfußballkonzept des DFB, dessen konkrete Ausgestaltung durch einen Landesverband oder Fußballkreis und die praktische Durchführung durch einen einzelnen Veranstalter, Vereins bzw. Teams einer Altersstufe. Aus einem möglicherweise schlecht organisierten Spielfest lässt sich daher keineswegs ein fundamentales Systemversagen des gesamten deutschen Kinderfußballs ableiten. Bereits Ihre Einleitung enthält eine erhebliche sachliche Ungenauigkeit. Deutschland schied gegen Paraguay nicht in der Vorrunde aus, sondern nach einem Unentschieden und einem anschließenden Elfmeterschießen in der Runde der letzten 32. Wer von der Verbandsspitze eine präzise, ehrliche und faktenbasierte Aufarbeitung verlangt, sollte auch die eigenen zentralen Tatsachen korrekt wiedergeben. Die Aufteilung zweier Großspielfelder in zahlreiche Kleinfelder ist nicht automatisch eine sinnlose Materialschlacht oder eine unpersönliche Legebatterie. Entscheidend ist nicht die Anzahl der verwendeten Hütchen, sondern die Frage, wie viele Kinder gleichzeitig spielen können, wie viele Ballkontakte sie erhalten, wie häufig sie dribbeln, passen, Tore erzielen und eigene Entscheidungen treffen dürfen. Genau darin liegt der nachvollziehbare Kern der neuen Spielformen. Kleine Mannschaften und kleine Felder sollen dafür sorgen, dass möglichst wenige Kinder am Spielfeldrand warten müssen und möglichst viele Kinder aktiv am Spiel beteiligt sind. Die Trainingsphilosophie Deutschland verfolgt ausdrücklich das Ziel, hohe Wiederholungszahlen, intensive Spielsituationen, Kreativität und Freude am Fußball zu ermöglichen. Kleine Spielformen sollen den Bolzplatz nicht ersetzen, sondern dessen wesentliche Elemente in den organisierten Vereinsfußball übertragen. Ob bei der beschriebenen Veranstaltung tatsächlich zwanzig Felder sinnvoll waren, kann ohne Kenntnis der Teilnehmerzahl überhaupt nicht seriös beurteilt werden. Wenn beispielsweise über einhundert Kinder gleichzeitig spielen sollten, könnte eine große Zahl kleiner Felder durchaus sinnvoll sein. Evtl. waren es mehrere Festivals mehrerer Alterstufen parallel. Sollten von sieben Minuten Spielzeit tatsächlich nahezu drei Minuten allein durch die Ballrückholung verloren gegangen sein, wäre dies zweifellos unzureichend. Daraus folgt aber nicht, dass die Spielform grundsätzlich falsch ist. Es würde zunächst bedeuten, dass zu wenige Ersatzbälle vorhanden waren, die Spielfelder zu eng nebeneinanderlagen oder die Verantwortlichen die Abläufe nicht angemessen vorbereitet hatten. Eine geringe Nettospielzeit widerspricht gerade dem eigentlichen Ziel des Kinderfußballkonzepts. Sie ist deshalb kein Beweis gegen dieses Konzept, sondern ein Hinweis darauf, dass es an diesem Tag schlecht umgesetzt wurde. Auch die Aussage, es werde angeblich nicht gewertet, obwohl der Verlierer absteige, stellt einen Widerspruch her, den der DFB in dieser Form gar nicht behauptet. Natürlich gibt es auch im Kinderfußball Gewinner und Verlierer. Kinder dürfen sich über einen Sieg freuen und über eine Niederlage ärgern. Verzichtet wird lediglich auf über Wochen oder Monate geführte Tabellen, Meisterschaften, Torverhältnisse und dauerhafte Einordnungen der Mannschaften. Die Ergebnisse einzelner Spiele werden genutzt, um im nächsten Durchgang möglichst ausgeglichene Begegnungen herzustellen. Eine Mannschaft wechselt nach einem Sieg auf ein anderes Feld, während eine andere Mannschaft nach einer Niederlage ebenfalls neu eingeordnet wird. Das ist keine Schizophrenie, sondern die bewusste Unterscheidung zwischen einem einzelnen Wettbewerbserlebnis und einer langfristigen Tabellenlogik. Auch das aberkannte Tor aus der eigenen Hälfte belegt keine bürokratische Kinderfeindlichkeit. In bestimmten Spielformen der U8 und U9 dürfen Tore nur aus einer festgelegten Torschusszone erzielt werden. Ein Treffer aus der eigenen Hälfte ist regelwidrig. Spielintelligenz bedeutet nicht, jede technisch mögliche Handlung ungeachtet der Regeln auszuführen, sondern innerhalb der geltenden Regeln geeignete Lösungen zu finden. Die Schusszone soll verhindern, dass Kinder ständig aus großer Entfernung auf unbewachte Minitore schießen. Stattdessen sollen sie dribbeln, Überzahlsituationen herstellen, Mitspieler einbeziehen und Torchancen herausspielen. Man kann über Sinn und Ausgestaltung dieser Regel selbstverständlich diskutieren. Ihre korrekte Anwendung ist aber kein Beweis für Willkür oder für die Unterdrückung kindlicher Kreativität. Beim angeblichen Siegtreffer mit dem Schlusspfiff wäre zudem entscheidend, ob der Ball die Torlinie vor oder nach Ablauf der Spielzeit vollständig überschritten hatte. Ohne diese Information lässt sich die Entscheidung nicht seriös bewerten. Allein die emotionale Beschreibung des Vorgangs ersetzt keine nachvollziehbare Tatsachengrundlage. Der schwerwiegendste Vorwurf Ihrer Darstellung betrifft das angeblich vom System erzwungene Entscheidungsschießen eines einzelnen Kindes auf ein leeres Tor. Gerade hier muss jedoch genau geprüft werden, ob dieses Verfahren überhaupt Bestandteil der offiziellen DFB-Regeln war. Die offiziellen Empfehlungen sehen bei einem Unentschieden andere Lösungen vor, etwa die Berücksichtigung des letzten erzielten Tores oder bei einem torlosen Spiel eine einfache Zufallsentscheidung. Ein Ausschießen durch jeweils nur ein Kind ist keine zwingende Vorgabe des bundesweiten Kinderfußballkonzepts. Sollte der Veranstalter tatsächlich ein solches Verfahren durchgeführt haben, wäre dies daher zunächst eine lokale Entscheidung oder eine Abweichung von den vorgesehenen Regeln. Die Kritik müsste sich dann konkret an die verantwortliche Turnierleitung, den Fußballkreis oder den zuständigen Landesverband richten. Es wäre sachlich falsch, aus einer möglicherweise eigenmächtigen und ungeeigneten Durchführung vor Ort abzuleiten, dass der DFB dieses Verfahren bewusst entwickelt und vorgeschrieben habe. Dass ein achtjähriges Kind nach einem Fehlschuss weint, ist selbstverständlich ernst zu nehmen. Das Kind benötigt in diesem Moment Trost, Verständnis und eine angemessene pädagogische Begleitung. Daraus unmittelbar einen psychologischen Kollaps und ein grundsätzlich kinderfeindliches System abzuleiten, ist jedoch ebenfalls eine unangemessene Dramatisierung (Empärungsbait). Kinder weinen nach Niederlagen, Gegentoren, verlorenen Zweikämpfen, Auswechslungen oder eigenen Fehlern. Die Aufgabe der Erwachsenen besteht nicht darin, jede Enttäuschung aus dem Sport zu entfernen. Sie müssen Kindern vielmehr dabei helfen, mit Misserfolgen umzugehen, Verantwortung einzuordnen und zu verstehen, dass ein Fehlschuss weder persönliches Versagen noch Schuld bedeutet. Gerade die von Ihnen verwendeten Begriffe wie „mörderisch“, „psychologisch kollabieren“, „schizophren“ oder „kinderfeindlich“ tragen selbst dazu bei, aus einem Kinderfußballspiel ein existenzielles Drama zu machen. Kinder orientieren sich stark an den Reaktionen der Erwachsenen. Wenn Eltern, Trainer oder Beobachter jede Niederlage und jede Fehlentscheidung als Katastrophe darstellen, erhöhen sie möglicherweise genau den Druck, den sie dem Verband vorwerfen. Ein sachlicher Umgang mit Fehlern und Niederlagen wäre auch auf Erwachsenenseite dringend erforderlich. Anstelle dessen, diesem unsinnigen Rage-, Empörungsbait hätte man folgendes machen können, Don't & Do's schreiben, z.B. bei Kinderfußballfestivals müssen ausreichend Ersatzbälle vorhanden sein. Die Felder benötigen angemessene Abstände. Die Netto-Spielzeit muss so hoch wie möglich gehalten werden. Regeln müssen vor Beginn verständlich und einheitlich erklärt werden. Nicht vorgesehene Entscheidungsschießen sollten unterbleiben. Außerdem sollte geprüft werden, ob sehr große Veranstaltungen auf mehrere Zeitfenster aufgeteilt oder in ihrer Teilnehmerzahl begrenzt werden müssen. Dies wären überprüfbare und konstruktive Kritikpunkte. Die pauschale Behauptung, das gesamte Kinderfußballkonzept sei verlogen, schizophren und Ausdruck eines fundamentalen Systemversagens, wird durch Ihre Schilderung hingegen nicht belegt. Sie haben möglicherweise ein schlecht organisiertes Spielfest erlebt. Sie haben damit aber nicht nachgewiesen, dass kleine Spielformen, hohe Beteiligungsquoten, viele Ballkontakte und individuelle Entscheidungsmöglichkeiten pädagogisch oder sportlich falsch sind. Im Gegenteil: Die von Ihnen geschilderten Probleme bestanden offenbar gerade darin, dass die eigentlichen Ziele des Konzepts, nämlich eine hohe Nettospielzeit, eine kindgerechte Organisation und eine möglichst große Beteiligung aller Kinder, vor Ort nicht konsequent erreicht wurden.
Versagt hätte in diesem Fall daher nicht zwangsläufig das Kinderfußballkonzept. Versagt hätte vielmehr seine konkrete Umsetzung. Diese Unterscheidung ist unverzichtbar, wenn die Diskussion ernsthaft, glaubwürdig und lösungsorientiert geführt werden soll. Und das wurde von Beitrag zu Beitrag obsoleter. Wie Sie.
