Beiträge von Thomas0815-2

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    Hallo fahrender Vater, danke für die lieben Worte. Aber ich bin tatsächlich auch selber ein bisschen Schuld. Ich nutze/missbrauche das Forum tatsächlich oft, um Themen außerhalb vom "Hannes Wolf Mainstream" zu platzieren. Mit dem stimme ich zwar zu 80% überein, aber zu den 20%, die mir in seinen Videos zu kurz kommen, versuche ich mich hier auszutauschen.


    Leider führt das manchmal dazu, das mir im "Ich erklär dir jetzt mal wie es richtig geht"-Stil beschrieben wird, dass gute Pädagogik völlig ohne Vorgaben auskommt (Finde den Fehler).


    Das erinnert mich stark an die Trainer, die dich mit "bei uns ist am wichtigsten, dass jeder Spaß hat" begrüßen und dann beim ersten Gegentor zum Rumpelstilzchen werden.


    Leider vermindert das oft fehlende "ich hab da auch eine Idee" den Wert dieses Forum aus meiner Sicht ungemein. Was mich wahrscheinlich dazu bringen wird, die Wahrheit weiter auf dem Platz zu suchen und weniger im Internet. Macht irgendwie auch mehr Spaß, grad jetzt im Sommer :-).

    let1612 Funfact: Das Ziel, dass die Spieler besser/genauso gut werden wie ich erreiche ich in der Regel ab der D Jugend. Drei Spieler aus dem Jahrgang von dem ich euch berichtet haben spielen seit der D Jugend in einem NLZ/Top-Leistungsverein bzw. schon einen Jahrgang höher. Im Jahrgang davor/danach hat das nur ein einziger Spieler geschafft und da weiß man noch nicht wie lange er im NLZ bleibt.


    Ob das jetzt an Talent/Glück liegt oder daran, dass ich meinen Spielern von Anfang an ermöglicht habe das Spiel als Ganzes zu lernen und nicht nur als "offensives 1vs1" überlasse ich deiner Interpretation...


    Aber für einen Trainer, der selber nicht mal in der Nähe der Bezirksliga gespielt hat, ist das gar nicht so verkehrt.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ihr meine Kommentare lest, bevor ihr sie beantwortet.

    Ich schreibe doch an keiner Stelle etwas darüber, wie erfolgreich wir als Team waren oder dass ich die Positionen nicht rotiert habe. Und wie durch mein Vorgehen jeder einzelne mehr Spielanteil und auch mehr Verantwortung bekommen hat, habe ich doch auch beschrieben.


    Vielleicht hilft es, wenn ich die Ausgangssituation beschreibe: Als ich das Team übernommen habe, war es sehr erfolgreich. Es gab einen Spieler, der Bälle erobern und lange hohe Pässe spielen konnte und einen, der einen falschen Pass/Ausweis hatte und allen anderen körperlich überlegen war. Die übrigen Spieler hatten pro Spiel 0-1 Ballkontakte, gingen aber fast immer als glückliche Sieger vom Platz.


    Ich hab dann als erstes lange Pässe verboten und einen flachen Spielaufbau eingefordert. Plötzlich kamen auch andere Spieler in Ballbesitz und in 1vs1 Situationen und mussten Entscheidungen treffen (Befreiungsschlag vs. Dribblig). Die Laufwege für Spieler ohne Ball kamen erst dann ins Spiel, um den Kindern noch mehr Entscheidungsmöglichkeiten (Befreiungsschlag vs Dribbling vs Pass nach vorne, zur Seite oder nach hinten) zu geben und zu verhindern, das sie in ein 1vs1+X müssen (+X Gegner waren damit beschäftigt sich um die anspielbaren Spieler zu kümmern)


    Und da Erfolge wichtig zu sein scheinen hier meine Bilanz:

    - mehr Ballkontakte, da nicht nur 2 Spieler das ganze Spiel machen

    - mehr eigene Entscheidungen, da mehr sinnvolle Alternativen zur Verfügung stehen

    - mehr 1vs1, weil sich die Gegner nicht nur auf 1-2 Spieler konzentrieren müssen.

    - mehr Teilhabe, weil jeder Spieler wichtig ist, nicht nur der mit Ball

    - mehr Verantwortung, weil alle immer eine Aufgabe haben

    - mehr Disziplin/Leidenschaft, weil es für die ganze Mannschaft wichtig ist, was ich tue

    - mehr unterschiedliche Spielsituationen, weil nicht immer alle zum Ball rennen.

    Follkao und golfstrom:

    Ich stimme euch vollkommen zu, dass Technik im Kinder/frühen Jugendbereich klare Prio 1 hat.


    Meine taktischen Vorgaben (und ich bezeichne hier mal alles als taktisch, was nicht technisch ist) sollen lediglich dazu dienen, dass ein Spiel ermöglicht wird. Quasi wie die Seitenlinie, die den einzelnen Spieler zwar in seiner Kreativität einschränkt, aber dennoch sinnvoll ist, damit für alle ein sinnvolles Spiel entsteht. Diese regeltechnischen Vorgaben habe ich durch taktische Vorgaben ergänzt, damit sich alle aktiv und jederzeit am Spiel beteiligen können.


    Dass vieles davon in der D Jugend schon keine Rolle mehr spielt und die Kinder später einmal nicht direkt davon profitieren ist mit klar. Wichtig ist, das der berühmte dicke Otto während eines Spiels 5x und nicht nur 1x angespielt wird und dass er sich während des gesamten Spiels 2 anstatt nur 1 km bewegt. Von den Ballkontakten und der Bewegung profitiert er später in jedem Fall (physisch) und von der gesteigerten Beteiligung am Spiel auch (mental).


    Zum Thema kreative, eigenständige Entscheidungen würde mich mal interessieren, wie man das fördert? Ich bin da immer noch bei meinem Beatles Beispiel von oben. Ohne viele einstudierte Varianten (Tonleitern in allen möglichen Tonarten) werden nur sehr wenige Naturtalente eigene Variationen entwickeln können.

    Trener - wenn jemandem im Herrenbereich die technischen Grundlagen fehlen, trägt der Jugendtrainer aus meiner Sicht eine Mitschuld (80%). Gilt das nicht in abgeschwächter Form (30%) wenn taktische Grundlagen fehlen (z.B. die Taktische Grundlage, dass sich auch die Spieler ohne Ball bewegen sollten)


    Trainer E - hier ein konkretes Beispiele (System 231): Wenn wir über links angreifen, rückt der linke Verteidiger mit auf. Rechter Verteidiger rückt ins Zentrum und bleibt letzter Mann, Stürmer und rechtes Mittelfeld besetzen den Strafraum (ldealerweise am kurzen und langen Pfosten, mit genug Abstand zum Tor um Einlaufen zu können), 6er lauert auf den Distanzschuss. Ähnliche Vorgaben gab es auch für wir greifen über rechts an/verteidigen auf links/rechts.


    Zielsetzung: Alle Spieler (auch die ohne Ball) haben eine Aufgabe bzw. die Chance sich am Spiel zu beteiligen. Sie ziehen entweder einen Gegner auf sich oder bekommen sogar den Ball. Moritz spielt nicht immer nur auf Max sondern hat zahlreiche Alternativen, wenn Max gedeckt ist.


    Natürlich klappt das nicht immer so. V.a. weil wir uns im Training auf Technik konzentriert haben. Aber es gibt zumindest einen Plan, wie es klappen könnte.


    Und noch ein Argument: wenn ein Kind nicht das Talent der Beatles (eines Thomas Müller) hat, hilft es vielleicht, erstmal eine Tonleiter (diese taktischen Grundzüge) zu lernen, bevor es das erste Impro-Solo raus haut.


    let1612 - trotz fallender Popularität ist Disziplin oder das Einhalten von Regeln durchaus etwas, das ich mit Hilfe des Mannschaftssport Fußball vermitteln will. Für die Kids habe ich das etwas populärer immer so formuliert: "es wird immer die Mannschaft gewinnen, deren Spieler die höhere Bereitschaft haben, die Fehler ihrer Mitspieler auszubügeln".

    Hallo, ich mische mich hier mal mit einer vielleicht etwas abweichenden Meinung ein.

    Ich habe in meiner Zeit als E-Jugend Trainer tatsächlich schon sehr früh damit begonnen den Kindern taktische Grundregeln beizubringen. Besser gesagt, war es eher Positionsspiel und Laufwege ohne Ball. Warum? Weil im 7vs7 permanemt 13 Kinder ohne Ball unterwegs sind und da war es mir wichtig, dass zumindest die 6/7, für die ich als Trainer verantwortlich bin, etwas sinnvolles mit ihrer Zeit anfangen. Im Training haben wir dafür nur wenig Zeit investiert. Aber vor JEDEM Spiel habe ich für jede Position vier Laufwege (für Angriff/Gegenangriff über Links/Rechts) vorgegeben. Ab Mitte der Saison konnten die Kids diese Wege in der Besprechung vor dem Spiel auch ohne mich "aufsagen". Und auch im Spiel hatten wir, für eine E-Jugend, stets eine gute Raumaufteilung. Was für mich aber viel wichtiger war, wir konnten als Mannschaft zusammenspielen, weil alle stets Positionen besetzt waren, jede/r wusste, was er/sie zu tun hat und was seine Mitspieler/innen machen. Für mich ein klarer didaktischer Vorteil gegenüber anderen E Jugend Mannschaften, in denen zwei technisch hervorragende Spieler/innen 10 Tore pro Spiel erzielen und die anderen meinen, sie hätten auch mitgespielt (und gewonnen) nur weil sie auch auf dem Platz standen (und zufällig dasselbe Trikot anhatten).


    PS: Ich sehe mir regelmäßig Kreisliga Herrenfußball an. Da sieht man dann einen dieser beiden tollen Techniker (der andere hat aufgehört) aus mehreren Jahrgängen. Alles gute Kicker, solange sie den Ball am Fuß haben, aber dass Fußball ein Mannschaftssport ist, bei dem Taktik eine wichtige Rolle spielt, ist bei meiner E Jugend eher zu erkennen.

    ähm seid ihr sicher, dass Eckball in der D Jugend ein Thema sein sollte? War das nicht mal das Goldene Letnalter, in dem Technik, Technik, Technik im Vordergrund stehen sollte. Neuerdings die Technik, die man für ein offensiver 1x1 braucht?

    Hier mal die Sicht eines Betroffenen (selber am Ball hochgradig untalentiert). Ich konnte auf dem Niveau, das du beschreibst immer ganz gut mithalten. Dazu musste ich mehr laufen und als Verteidiger etwas robuster, manchmal auch cleverer sein, als die Stürmer, die am Ball alle besser waren als ich. Mein Vorteil war immer, dass ein Spieler im Schnitt nur zu 5% des Spiels tatsächlich in Ballbesitz ist. Damit war ich zu 95% ein guter Spieler.


    Ist heute natürlich viel schwieriger wenn der Trainer einen kontrollierten Spielaufbau aus der Defensive fordert, wo früher ein Befreiungsschlag ins Aus auch schon gelobt wurde. Aber auch da hätte ich gewusst, in welche Richtung der Ball muss, damit ein versierterer Mitspieler den Gegenangriff einleiten kann.


    Mit diesen Ansätzen machst du aus deinen Untalentierten zwar keinen Messi, aber sie behalten den Spaß und die Akzeptanz, um am Ball zu bleiben und damit die Chance, sich (wenigstens ein bisschen) weiterzuentwickeln.

    Goodie: nee Nationalmannschaften darf es geben. Nur würde ich das als Gesellschaft nicht finanziell unterstützen. Ist ja beim Fußball auch gar nicht notwendig. Lieber in jedem Dorf einen Bolzplatz/Fußball-Käfig, da hat die Gesellschaft glaub mehr davon.


    Und zu erfolgreiche Nationalmannschaft = Begeisterung für eine Sportart, sage ich nur, schaut mal nach England...

    (Sorry, der musste an der Stelle sein 😀😃🙂)

    Finde das eine spannende Diskussion!


    Mir kommt es manchmal so vor, als würde das aus der Wirtschaft bekannte "Peter Prinzip" im Fußball besonders stark wirken.

    Man geht einfach davon aus, dass je besser/erfolgreicher jemand selbst als Fußballer war, desto besser eignet sich diese Person auch als Trainer. Das führt aus meiner Sicht dazu, dass sowohl im Breitensport, als auch im Leistungsbereich Personen die Jugendausbildung dominieren, die dafür eigentlich nicht geeignet sind. Was dann natürlich zu einer schlechten/nicht optimalen Ausbildung führt.


    Ein weiterer Aspekt, der mir in dem Zusammenhang auffällt, ist dass, obwohl soviel Geld im Spiel ist, das ganze Thema wenig wissenschaftlich angegangen wird. Jeder kleine Dorfverein und vor allem jedes NLZ inkl. DFB hat seine Ausbildungsphilosophie. Diese werden dann auch eindrucksvoll von Größen der Branche verargumentiert. Mir sind aber wenige empirische oder wissenschaftliche Studien zum Thema Jugendausbildung bekannt. Oder kennt jemand eine Arbeit, in der Fragen behandelt werden wie,

    wann sollten Kinder in ein NLZ wechseln?

    Ab wann sind Themen wir Atlethik, Spielverständniss, Technik zu trainieren und wie?

    Welche Rolle spielen psychologische Aspekte und lassen sich diese beeinflussen?

    Zu diesen und ähnlichen Fragen gibt es in Hochzeiten bis zu 80 Mio. Meinungen. Wissenschaftlich aufgearbeitet scheint das ganze (trotz der wirtschaftlichen Möglichkeiten) aber wenig zu sein...


    Bin gespannt, ob jemand die Diskussion in dieser Richtung fortsetzen möchte.

    Seine Füße küssen. Wollt Ihr Runden laufen, Medizinbälle werfen, Sandsäcke stemmen, durch Hütchenparcour und Reifen hüpfen? Was kommt dem Spiel am nächsten? Spiele spielen. Anstatt diesem ganzen anderen Unsinn, den viele machen.

    Nur ganz kurz:

    90 Minuten Training mit nur Spielen sin max 70 Minuten Nettospielzeit. Geteilt durch 22 bzw. 18 Spieler, sind rd. 3 Minuten am Ball pro Spieler. Bei 2 Trainings pro Woche 6 Minuten!

    Weniger gute Spieler werden pro Training sogar nur 1 bis 2 Minuten am Ball sein.


    Das ändert sich natürlich bei weniger Spielern/mehr Bällen.


    Training mit nur Spielen ist für mich kein Training. Es ist aber der einfachste Weg, die Jungs/Mädels 2x die Woche 90 Minuten sinnvoll zu beschäftigen (auch dafür gilt jedem der das macht mein Respekt)

    Disziplin ist für mich Teil unseres Sports und damit schon Traineraufgabe. Natürlich haben da auch die Eltern ein Wörtchen mitzureden, aber währen des Trainings und bei Spielen/Turnieren gelten die Regeln des Trainers. Auch während der Pausen. Natürlich kannst du auch die Regel ausrufen, geht mal zu euren Eltern, bzw. die Kinder dort abgeben. Dann sind die zuständig, bis du die Kinder wieder abholst.


    Um sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu qualifizieren, brauchst du natürlich das nötige Fingerspitzengefühl damit Kreativität/Chaos/Kind sein und Disziplin/Teamgeist/Aufmerksamkeit die richtige Balance finden. Und die notwendige Konsequenz, um das auch so umzusetzen zu können.

    Wenn ich mir die Beiträge hier im Forum so anschaue, würde ich mir eine "dialektische" Diskussion zum Thema Leistung wünschen. Ich halte Leistung im (Jugend) Fußball und Leistungsförderung im Training für essentiell. Sehe aber auch, welche Auswüchse das ganze annehmen kann und wie es weniger leistungsfähigen (leistunswilligen) Kindern (und Eltern) den Spaß verderben kann. Wie findet man hier ein Lösung die wirklich ALLEN Kindern, die kicken wollen (Leistungsfähigkeit UND leistungswillig bis leistungsunwillig UND -unfähig) inkl. Eltern UND ehrenamtlichen Trainern gerecht wird.


    Bin sehr gespannt auf eure Beiträge

    Follkao: sehe ich anders. Als Trainer habe ich 1. eine Mitverantwortung gegenüber dem einzelnen Spieler und müsste die Eltern mindestens darauf hinweisen, dass ich das Gefühl habe, dass ihr Kind hier keinen Spaß hat und warten/ein anderes Hobby ggf. besser geeignet ist. Aber die letzte Entscheidung haben da tatsächlich die Eltern.

    2. habe ich natürlich die Hauptverantwortung für die gesamte Mannschaft und da kann ich es eigentlich nicht akzeptieren, das jemand Teil der Mannschaft ist, der keinen Bock auf Fußball hat. So lange derjenige mit seiner Lustlosigkeit die anderen nicht negativ beeinflusst (nervt, demotiviert, aus Langeweile stört), kann man ihn/sie ja noch mittrainieren lassen und hoffen, dass es besser wird. Wenn er/sie aber der Mannschaft schadet, ist leider auch das nicht mehr möglich.

    ScuBac: dann habt ihr als Verein wahrscheinlich einen anderen Fokus als wir. Bei der Breite, die wir in unserem Verein anbieten, reicht Talent ODER Wille, um genug Spielzeit in einer Mannschaft zu bekommen. Wer beides hat, kann bei uns meist sogar zu einem höherklasdigen Verein wechseln.


    Follkao: leider viel zu oft die Eltern oder der Freundeskreis. Sonst gäbe es das Problem meiner Meinung nach gar nicht.