Was läuft falsch in unserer Talentförderung?
Wahrscheinliche Schwachstellen
1. Zu wenig freie Spielmöglichkeiten
Das wird von vielen Trainern und Experten als einer der wichtigsten Faktoren gesehen.
- Weniger Bolzplätze als früher.
- Kinder spielen seltener spontan ohne Erwachsene.
- Weniger Straßenfußball, Käfigplätze und selbst organisierte Spiele.
- Zu wenig Sportartenkarusell, zu wenig Hallen, Sportanlagen
Viele spielwirksamkompetente (spielintelligent) technisch starke Spieler entstanden früher durch tägliches freies Spielen, nicht durch zusätzliche Trainingseinheiten.
2. Zu frühe Selektion
Das deutsche System sortiert Kinder oft früh aus.
- Späte Entwickler werden übersehen.
- Körperlich starke Kinder werden bevorzugt.
- Technische und kreative Spieler fallen manchmal durchs Raster.
Vergleiche mit Ländern wie den Niederlande oder Belgien zeigen oft eine spätere und flexiblere Talentidentifikation.
3. Trainerausbildung im Kinderbereich
Deutschland hat zwar viele lizenzierte Trainer, aber:
- Die besten Trainer arbeiten häufig im Leistungsbereich. Dazu fehlende Architekturentwicklung, Erwachsenenbildung ist mit B Lizenz nicht vorbei, sondern für die Basis müssen in der vertikalen mehrere Angebote geschaffen werden.
- Im Kinderfußball stehen oft Eltern oder Ehrenamtliche auf dem Platz, ohne Grundqualifikationen, Kompetenzen, Wissen, Grundhaltung, Einarbeitung
- Individuelle (binnendifferenzierte) Förderung wird nicht überall ausreichend vermittelt.
4. Zu wenig Sport im frühen Kindesalter
- Bewegungsmangel beginnt oft schon im Krippen-, Kindergartenalter.
- Motorische, koordinative, kardiovaskuläre (Übergewicht, Unbeweglichkeit) Defizite nehmen zu.
- Viele Kinder kommen mit schlechteren Voraussetzungen in Vereine als noch vor 20 oder 30 Jahren.
Mehr Bewegung in Krippe, Kindergarten und Grundschule würde langfristig einen großen Unterschied machen.
5. Infrastruktur
Auch hier gibt es Defizite:
- Hallenzeiten sind knapp.
- Viele Kommunen haben Sanierungsstau.
- Gerade im Winter fehlen Trainingsmöglichkeiten. Vereine sind nicht ganzjährig wettkampffähig.
- Futsal wird im Vergleich zu Ländern wie Spanien oder Portugal weniger intensiv genutzt. Obwohl klar ist, dass das der Bringer ist.
6. Finanzierung
Im Kinder- und Jugendbereich fließt vergleichsweise wenig Geld.
- Ehrenamt trägt einen großen Teil des Systems.
- Viele Vereine kämpfen mit steigenden Kosten.
- Qualifizierte Trainer im Grundlagenbereich sind schwer finanzierbar.
Mehr Investitionen in die Altersstufen 4–14 Jahre könnten wahrscheinlich mehr bewirken als weitere Mittel im Spitzenbereich.
7. Zu wenig Leistungszentren und fehlende differenzierte Architektur
- Kriterien ändern und richtige Stufungen schaffen
- Jugendförderzentren bundesweit wie beim BFV mit Kriterien der Landesverbände (ab Verbandsliga) sind im Fokus der Landesverbände
- Leistungszentren unterhalb der 3. Liga (Oberliga, Regionalliga) sind im Fokus der Regionalverbände
- Nachwuchsleistungszentren für 1., 2. und 3. Liga verpflichtend machen (in vier statt drei Kategorien) sind im Fokus des DFBs/DFL
8. Zu wenig DFB-Stützpunkte
- In alle Städte ein Stützpunkt
- Abschaffung von Stützpunkten wieder zurückdrehen, es gibt Regionen, da gibt es stundenlang keinen Stützpunkt
9. Zu wenig Sportschulen bzw. Schulen mit sportlichen Profil, vor allem Sportgrundschulen errichten, Lehrkräfte ausbilden, ErzieherInnen ausbilden
10. Zu wenig Spiele im Winter
- Futsalliga verpflichtend im Winter
- Turniere nur noch als Futsalvariante
