Jonglieren üben bzw. schulen

  • Hallo zusammen,


    hier eine Frage, die vielen dumm vorkommen wird, mich aber trotz mehrjähriger theoretischer und praktischer Trainertätigkeit immer wieder beschäftigt:

    Wie bringt Ihr Kindern das Jonglieren bzw. Ball Hochhalten bei?

    Oder ist das bei Euch kein Trainingsinhalt, weil sich gerade das Jonglieren zum Eigentraining (für zu Hause) anbietet, da es die Kinder gut alleine durchführen können?

    Und würdet Ihr hierauf ggf. komplett verzichten, wenn Ihr es selbst nur sehr unvollkommen beherrscht (denn Hilfestellung wäre dann ja schwer)?

    Oder würdet Ihr die Kinder einfach machen lassen und hoffen, dass sich das Ballgefühl irgendwann von selbst einstellt bzw. es einen talentierten Spieler vormachen lassen (der das aber vielleicht anderen nicht wirklich erklären kann)?


    Danke für Eure Hilfe!

  • Jonglieren nimmt mMn im Training eine gewisse Sonderstellung ein. Als Übung ist es nämlich eigentlich ziemlich Fußballunspezifisch (->als konkrete Handlung kommt es im Spiel fast nie vor). Dennoch hat Jonglieren im Training eine Daseinsberechtigung: Im Grundlagenbereich als Schulung der Koordination (Fuß <-> Auge) und des Ballgefühls, bei älteren als Maßnahme zur Erholung zwischen intensiven Übungen oder zur Überbrückung von Pausen. Ich gehe davon aus, dass du dich für den Grundlagenbereich interessierst.


    Das Jonglieren ist eine der wenigen Techniken bei denen ich das Vormachen als solches völlig überflüssig finde, da hier das Erlernen "falscher" Bewegungsabläufe nahezu ausgeschlossen ist (nach differenziellem Lernen gibt es sowas ja eh nicht). Höchstens zu Demonstrationszwecken, damit jedes Kind sieht, was es jetzt tun soll.


    Da Jonglieren nicht gerade einfach ist (besonders für jüngere Kinder) bietet es sich an, das "Dandeln" erstmal vereinfacht einzuführen. Ein Spieler lässt den Ball fallen und versucht, ihn mit dem Fuß wieder in seine Hände zu spielen. Dabei soll der Spieler versuchen sich so wenig wie möglich zu bewegen bzw. dem Ball nicht hinterherlaufen zu müssen. Wenn das gelingt soll das Kind 2,3,4,... Kontakte machen bevor es den Ball wieder fängt. Zur Variation kann auch mit einem Bodenkontakt zwischen jedem Hochhalten gespielt werden. Das Beginnen vom Boden würde ich erst nach einiger Zeit von den Kindern fordern, da es eine hohe Hürde ist, die zu Frustration führen kann.


    Thema Hausaufgaben: Ich finde es grundsätzlich eine gute Idee Kindern "Hausaufgaben" aufzugeben. Da Eigenarbeit nachweislich (auch im schulischen Kontext) aber deutlich weniger effizient ist als Üben unter Anleitung würde ich davon absehen Trainingsinhalte auf Eigentraining zu reduzieren. Gleichzeitig sollte das Jonglieren im Training einen gewissen Rahmen nicht überschreiten. Ich binde es z.B. immer wieder in Abschnitte ein, in denen sowieso jeder Spieler einen Ball am Fuß hat (Klassiker: Dribblingquadrat). Dabei komme ich aber auf kaum mehr als 2-3 Minuten am Stück.

  • Wie bringt Ihr Kindern das Jonglieren bzw. Ball Hochhalten bei?

    Wie schon Constantin beschrieben hat, mit einem Kontakt beginnen, jedoch immer abwechselnd links und rechts.

    Das gleiche noch mit dem Oberschenkel, danach immer weiter steigern, am besten immer li & re abwechselnd.

    Als Alternative kann auch der Ball etwas höher geschossen werden und dann klatschen , Drehung um die eigne Achse und wieder fangen..

    In der Halle bietet es sich mit Luftballon an weil die Kinder mehr Zeit haben, die meisten Kinder machen den Fehler den Ball mit dem Fuß zu folgen, so das nach dem ersten Kontakt eigentlich schon der Fuß auf Schulterhöhe ist (Karatekick) . Kann man mit dem Ballon leichter üben weil man mehr Zeit hat und den Ablauf einfacher lernen kann.

    Halle bietet sich auch an, mit einem Bodenkontakt zu üben.
    Auf das fangen würde ich auch einen Schwerpunkt legen, weil es zu Hand/Fuß/Auge Koordination gehört und es leichter ist so die Flugkurve des Balles einzuschätzen und lernen.

  • Jonglieren halte ich schon für wichtig, es zeigt sich schon im ballgefühl, wie einer z.b. in der ball/anmitnahme halbhoch hoch agiert.

    Ich lasse das mal ab und an als Wettbewerb laufen. Vorm Training. Manche Kids sind sehr motiviert, andere weniger. Die 2007er/2008er schwanken da auch von 20 bis 30 mal, 70bis 100, 100- 150 und einer regelmäßig über 300....

    Jeweils ein Drittel bis auf den besten... wichtig ist beidfüßigkeit, wie schon beschrieben.

    Und ruhig verschiedene Ballgrößen.


    Edit: Hausaufgaben bringen m.e. nichts. Eigenmotivierte Kids machen das automatisch und führen einem das dann auch stolz vor, das sie besser geworden sind. andere würden das auch zu hause nicht üben, wenn es hausaufgabe wäre. wichtig finde ich auch fortschritte auf -niedrigem- Niveau anzuerkennen...

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Und würdet Ihr hierauf ggf. komplett verzichten, wenn Ihr es selbst nur sehr unvollkommen beherrscht (denn Hilfestellung wäre dann ja schwer)?

    Nein, denn wenn du den Kids nur Dinge beibringst die du selbst perfekt kannst, werden sie ja die gleichen Lücken haben wie du.

    Oder würdet Ihr die Kinder einfach machen lassen und hoffen, dass sich das Ballgefühl irgendwann von selbst einstellt bzw. es einen talentierten Spieler vormachen lassen (der das aber vielleicht anderen nicht wirklich erklären kann)?

    ...ja, warum nicht jemand anderes vormachen lassen der es beherrscht. Ist doch super! Dann sehen die Kids wie es ungefähr auszusehen hat. Du kannst ja dazu kommentieren auf was es so ankommt. (Ball nicht zu hoch spielen, sonst kommt er mit zuviel Power wieder runter u.s.w.)


    Wichtig ist es, am Anfang die Konzentration der Kids nicht zu sehr auf das Vermeiden des "Runterfallens" zu lenken. Das führt zum Verkrampfen. Deshalb Bodenkontakte zulassen oder sogar einfordern! Anbieten tut sich dafür natürlich die kommende Hallenperiode. Ebener Boden und gut "hüpfende" Bälle (kein Futsal) erleichtern das sehr.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • ......warum lernst du´s eigentlich nicht selbst 8o, so im laufe der Zeit müsste doch....:rolleyes:8)

    Im Prinzip hast Du Recht, aber ich hatte früher schon als 10jähriger keine Ausdauer dafür und meine Geduld hat in den letzten 40 Jahren nicht zugenommen ;). Und mit Schuhgröße 50,5 wird es schwer, die Metamorphose zum Edeltechniker noch hinzubekommen. Obwohl - Henk Veerman von St. Pauli kann es auch...

  • Im Grundlagen kann man das ruhig in die allgemeinen Koordinationsaufgaben mit einfließen lassen. Wie andere schon geschrieben haben. Ball teicheln lassen und dann wieder in die Hand spielen. Wenn das sitzt pö a pö steigern.
    Nachher im Aufbau und Erwachsenen Bereich kann man es immer mal wieder als aktive Erholung und Konzentrationsübung nach Belastungsspitzen einsetzen. Also wenn der Puls so richtig schön hoch ist, jonglieren lassen. Damit wird es auch durchaus wieder Spielnah. Ich simuliere die Konzentration auf das Ballgefühl bei starker körperlicher Beanspruchung.

  • ...passend zum Thema habe ich folgende aktuelle Frage...

    mein Sohn 2008er nimmt seit kurzem an der Talentförderung am DFB-Stützpunkt (Bayern) teil.

    Jetzt kam die E-mail, dass am kommenden Montag ein Leistungstest stattfinden soll.

    Weiß jemand, ob da Ballhochhalten in Bewegung noch Bestandteil ist :?:


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • ...passend zum Thema habe ich folgende aktuelle Frage...

    mein Sohn 2008er nimmt seit kurzem an der Talentförderung am DFB-Stützpunkt (Bayern) teil.

    Jetzt kam die E-mail, dass am kommenden Montag ein Leistungstest stattfinden soll.

    Weiß jemand, ob da Ballhochhalten in Bewegung noch Bestandteil ist :?:

    normalerweise ja. das ist dieser Sportmotoriktest. da gibt es die -acht- die mit hütchen markiert ist. hier jonglieren die Kids beidfüßig und gehen dadurch. pro hütchen gibt's einen punkt. ich glaube insgesamt 45 Sekunden zeit....

    also hat man ein, zwei versuche. sollten für Kids mit 11 am STP relativ locker machbar sein.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)