Übertriebener Ehrgeiz bei F-Jugendspielern

  • Hallo werte Trainerkollegen,

    ich bin neu hier im Forum und habe seit kurzem eine F-Jugend Mannschaft als Trainer übernommen in der es doch meiner Meinung nach viele Baustellen im Sozialverhalten gibt und würde dazu gerne nach Ratschlägen fragen.


    Punkt 1 und dass ist wohl auch der Schwierigste, ist, dass ich über einige sehr talentierte Spieler verfüge, was ja erst mal positiv ist, aber genau da liegt das Problem---umso talentierter ein Spieler, umso größer das EGO und der EHRGEIZ! Wir waren letztes WE bei der Endrunde zur HKM und hatten dort auch gute Chancen, dass Niveau war gut und die Spiele sollten Spannung versprechen!!! Nach den ersten beiden Spielen waren wir zwei Mal als Sieger vom Parkett gegangen und die Truppe war happy aber dann passierte im dritten Spiel halt das was passieren musste/kann, man verliert!!! Eigentlich nicht schlimm dachte ich, gehört ja auch dazu, doch dann brachen fast alle Dämme---Die Jungs häulten, wollten aufhören zu spielen, beschuldigten sich gegenseitig, etc... Fast wäre es soweit gewesen, dass Turnier vorzeitig zu beenden.

    Mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet und war erst mal selbst völlig überfordert. Wir konnten zwar durch viel Überzeugungsarbeit den Tag retten aber die nächtste Nierlage kommt bestimmt und was dann?


    Für Erfahrungsberichte wäre ich sehr dankbar!!!

  • Hallo,

    also ich habe eine mittelstarke Mannschaft, Jahrgang 2011er, und unsere Quote liegt bei 50/50 Anteil Sieg/Niederlage. Anfangs waren einige wenige meiner Kinder genauso. Es wurde geweint, und z.T. auch Vorwürfe gemacht. Dies hat sich nun zum Glück etwas gebessert, da unsere Niederlagen nicht nur selten, sondern auch regelmässig kommen ;-)

    Von daher tritt wohl auch ein Gewöhnungseffekt ein. Habe einfach versucht auf die Kinder beruhigend einzuwirken. Bei gegenseitigen Vorwürfen werde ich allerdings auch lauter, weil ich sowas nicht abkann. Man gewinnt zusammen, und verliert zusammen, das muss man den Kindern - zur Not auch etwas energischer und evtl. auch mit Konsequenzen (Bank etc.) einbläuen ;-)

  • Mein Vorschlag: öfter verlieren!

    Es gibt schlicht keine bessere Möglichkeit mit Niederlagen umzugehen als durch die Niederlage selbst. Gilt ebenso für Siege/Erfolge.

    Da du es geschafft hast deine Spieler/-innen bereits beim letzten mal zu motivieren, sollte es dir auch sicherlich bei den nächsten malen gelingen.

  • Also bei uns sind nach Niederlagen auch schon Tränen geflossen. Ich finde das völlig okay. Meiner Erfahrung nach ist das für die Kinder dann auch schnell abgehakt.


    Zum Thema Schuldzuweisungen kann ich mal eine kleine Geschichte erzählen, ist schon etwas her. Das Team führt souverän 3:0. Ein Junge war hochmotiviert und hat ein super Spiel gemacht, weil er gegen seine Klassenkameraden gespielt hat. Nachdem der Junge ausgewechselt wurde, haben seine Mitspieler das Spiel in kürzester Zeit noch hergeschenkt. Der Junge saß hinterher heulend bei seinem Vater. Da hätte ich es okay gefunden, wenn der Junge seinen Mitspielern ein paar deutliche Worte sagt. Hat er nicht gemacht :)


    Schuldzuweisungen gegen einzelne würde ich aber sehr konsequent unterbinden.


    Gegenüber den Eltern finde ich es wichtig, dass man mit ihnen spricht und erklärt. Ich war kürzlich auf einem großen Vereinsturnier. Da waren einige Teams, deren Platzierung nicht ihre Leistung widergespiegelt hat. Umgekehrt war da etwa der Drittplatzierte, das fand ich schon peinlich für eine Kindermannschaft, mit was für einer niedrigen Torausbeute die sich den "Erfolg" ergaunert haben.


    Solche Dinge kann man auch seinen Eltern verständlich machen, die haben ja auch Augen im Kopf.

  • Tränen sind okay, besonders in dem Alter. Was nicht geht sind Schuldzuweisungen. Wenn bei mir ein Kind damit anfängt, darf es mit dem Mannschaftsleiter für 1 Minute aus der Kabine hinaus gehen, um sich zu beruhigen. Mittlerweile haben wir sowas quasi gar nicht mehr..

  • Willkommen im Kinderfußball!

    Nee, im Ernst: Kinder können erstmal idR nicht verlieren, das müssen sie erst lernen. Es bricht in der Tat erstmal ne Welt zusammen. Das machen Eltern auch, sie spielen mit ihren Kindern und lassen sie gewinnen und verlieren. Aber wenn sie verlieren, dann fliegen Würfel über Tisch, Kartenspiele landen aufm Boden, "mit dir spiele ich nieeeeee wieder" usw usf. Über die Erfahrungen lernen die Kinder dann, dass sich die Welt dann doch weiter dreht. Aber ehrgeizigen Kindern fällt das sehr viel schwerer als Kindern, denen sowas Hupe ist. Ist doch auch logisch, oder?


    Nicht umsonst gibts auf Turnieren noch keine Platzierungen (auch wenn unbelehrbare immer schön Tabellen ermitteln) und jeder soll als Sieger vom Platz gehen. In der E-Jugend funktioniert das idR dann recht gut und der Spuk ist vorbei.


    Mein Sohn hat im Alter von 6 Jahren ständig geheult, sogar beim Abschlussspiel im Training, wenn der Gegner den Anschlusstreffer geschafft hat. Bis er es endlich kapiert hatte - aber das hat echt gedauert. Monate!

    Der Kleine kann das viel besser beim Fußball, da waren dann beim Abschlussspiel immer die Teams ungerecht und der Trainer schuld *hüstel*.


    Sprich mit den Kindern und versuche ihnen klar zu machen, dass sie sauer und traurig sein dürfen. Auch Tränen sind ok. Und vielleicht weiß ja auch schon jeder einzelne, was er persönlich beim nächsten Mal besser machen kann. Frag sie mal. In dem Alter kommen super tolle Antworten. (Hach, die G/F ist ne super Altersklasse)
    Und wenn am Ende die Stichworte Zusammenhalten oder für einander kämpfen noch nicht gefallen sind, dann kannst du diese ja einstreuen.

  • Danke erst mal für die Antworten und Erfahrungen, ich hoffe dass sich das mit dem "Verlieren können" dann im Laufe der Zeit reguliert und dann nicht mehr so viel geheult und gezetert wird! Ärgern ist ja völlig in Ordnung, dass muss auch sein, sonst brauch man keinen Wettkampf machen aber es sollte halt im Rahmen bleiben! Aber da bin jetzt dann doch guter Dinge, dass wir im Trainerteam das Hinbekommen!!!

  • Der Trainer kann das meiner Erfahrung schon etwas lenken .( Sicherlich nicht komplett)

    z.B. gezielt die Mannschaft zu schwächen gegen schwächere Gegner. Keine Zweistelligen Sieg zustande kommen lassen.

    Auf Augenhöhe mit den Spielern reden, ihnen trotz Niederlagen immer Wertschätzung entgegenbringen, nicht nur bei Siegen oder guten Leistungen.

    Ich erkläre ihnen auch oft, daß mir Tabellenplätze schnurz sind, (was bei den meisten Kindern auch so ist, wenn die Eltern ihnen die Tabelle nicht ständig mit dem Smartphone unter die Nase halten.)

    Was nicht heißt, daß ich keinen Siegeswillen sehen will.

    Unser 2007er Jahrgang hatte einen sehr ehrgeizigen Trainer. Aber nicht ehrgeizig im Sinne, daß er den Kindern Fußball beibringen wollte, sondern im Gewinnen. So wurden dann auch immer fleißig Statistiken der besten Torschützen, die Gesamtanzahl an Siegen und Niederlagen präsentiert. In der F-Jugend!! Aber keine Ahnung davon, wie man ein Training interessant und kindgerecht aufziehen kann.
    D.h. vielleicht machst du dir auch ein Bild davon, was der Trainer vor dir so für Werte mitgegeben und vorgelebt hat.

    (Und zwischen Reden und Machen liegen Welten)

  • Das mit den Statistiken führen einiger Eltern kann ich nur bestätigen, trotz FPL. Bin zwar kein Freund der FPL aber dieses nicht Ergebnis orientierte ist da doch manchmal vorteilhaft, gerade um Druck zu vermeiden.

    Wie geschrieben habe ich eine nicht sehr homogene Mannschaft in Bezug auf die Entwicklung der Kinder. Ich habe einige Jungs, die wahrscheinlich in den nächsten Jahren Auswahlspieler werden und halt auch Welche, die gerade erst angefangen haben. Dementsprechend gestaltet sich auch das Training sehr schwierig um Allen gerecht zu werden.

  • Werden Siege hoch gefeiert, darf man sich nicht bei Niederlagen über Tränen oder Schuldzuweisungen nicht wundern.

    Der Trainer macht die Musik.

    Es fließen auch Tränen, wenn Siege nicht hoch gefeiert wurden. Ich hab auch eine sehr ehrgeizige und, zugegeben, erfolgsverwöhnte Mannschaft (2009er). Mittlerweile gibts zwar keine Tränen mehr sollten sie mal nicht gewinnen, aber verlieren mussten sie tatsächlich lernen. Erleichternd kommt da bestimmt hinzu, dass es bei uns weder Tabellen noch irgendwelche Pokalrunden oder Hallenmeisterschaften gibt. Trotzdem liegt es nicht (immer nur) am Trainer, da musizieren die Kids selbst auch ganz gewaltig mit

  • Beitrag von Mr. Rabona ()

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  • AlexD . Es dürfen auch Tränen fließen, wenn man hoch oder knapp verliert. Das gehört für mich auch zum Spiel. Ohne Emotionen wäre es doch nicht so beliebt. Es war von mir auch bewußt ein wenig überspitzt formuliert. Ich erlebe häufig in G, F -Jugendbereich wie sich die Trainer von den Buben feiern lassen, als hätte man gerade die WM gewonnen. Da frage ich mich, wem gehört das Spiel? Das Spiel gehört außer Frage den Kids.

  • So ist es!!!

    In der D Jugend gibt es ja Siegerphotos, die der Veranstalter macht, vllt. kommts dann beim örtlichen Käseblatt.

    Da muß ich nicht wirklich mit drauf.. Mußte ich nun aber, weil das -so wäre-

    Fühle mich da irgendwie unwohl. In E und F haben wir viele Photos von Turniersiegen von den Kids gemacht.

    War ich fast nie drauf. Bin manchmal peinlich berührt, wenn ich die Trainer sehe, die sich da feiern lassen. Das muß denen doch selber peinlich sein....

    Das Spiel gehört außer Frage den Kids.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ich habe mich auch immer so gut wie es möglich war versteckt das ich nicht drauf musste. Irgendwann haben aber die Kids angefangen mich zu feiern und ab dem Zeitpunkt bin ich nimmer entkommen. Medaillen habe ich immer an diverse kleine Brüder oder Schwestern der Kids verschenkt die Zuschauen waren...