Kommission zur Neustrukturierung des Kinderfußballs

  • Nachdem ich von der Kommission zur Neustrukturierung des Kinderfußballs gelesen habe, schießen mir viele Gedanken durch den Kopf, die ich den Mitgliedern gerne mitgeben (vielleicht liest hier ein Mitglied mit ;-)) und mit euch diskutieren wollte.


    - warum müssen immer die Kinder für Neuerungen herhalten? (Fair-Play-Liga; FUNino)

    - gibt es eine Kommission zur Neustrukturierung des Jugendfußballs? (Drop-out findet dort statt)

    - warum müssen immer die Kindertrainer die Neuerungen begleiten? (meistens wenig Trainererfahrung, oftmals Elterntrainer)

    - welche Hilfen bekommen die Vereine zur Implementierung? (finanzielle (z.B. für kleine Tore) und/oder organisatorische (z.B. Spielplanprogramm für Funino-Festivals anstatt ESB))

    - warum lässt der Fußball den Kindern so wenig Freiraum sich vielseitig, sportlich auszuprobieren? (jeden Samstag ein Spiel/Festival)

    - Kinder (Eltern) orientieren sich auch an Vorbildern - wer dient als Vorbild?

    - sind Kooperationen mit anderen Sportverbänden vorgesehen? (z.B. Ballschule nützt Handball, Tennis, Volleyball, Fußball, Basketball ...)

    - werden Kinder an dem Prozess beteiligt oder entscheiden Erwachsene für die Kinder?

    - brauchen wir viele Regeln im Kinderfußball oder hilft den Kindern mehr Flexibilität? (z.B. Anzahl der Spieler)

    - brauchen wir ein Ergebnis am Wochenende, können es mehrere sein oder gar keines?

    - brauchen wir eine (Halb-)Saison im Kinderbereich?

    - was ist die Zielsetzung der Neustrukturierung? (z.B. Eliteförderung, breiterer Qualitätsanstieg, Spaß im Kindesalter oder erst im Jugend- bzw. Erwachsenenalter, kurzfristiger oder langfristiger Erfolg, Gesundheitsförderung, Sozialkompetenz, Leistungsdruck)

    - wie setzt sich die Kommission zusammen? (z.B. Transparenz, Beteiligung der Basis)

    - wie bzw. wird der Kinderfußball zukünftig bei der Ausbildungsentschädigung berücksichtigt?

    - welche Zugeständnisse vom Profi-/Amateurfußball kann der Kinderfußball erwarten? (z.B. Vorspiele, Anstoßzeiten)

    - lässt man Leistungssport bei Kindern zu?

    - denkt man über die Vereinsstrukturen hinaus? (z.B. Kindersportgärten, Fußballschulen, Kooperationen mit Schulen)


    Jetzt hoffe ich, dass auch ihr mit mir diskutieren wollt. Im Voraus schon einmal DANKE.

  • bisschen viele verschiedene Punkte :]

    Um mal einen herauszupicken:

    Sinnvoll wäre auf jeden Fall wenn der DFB die kleinen Vereine finanziell unterstützt beim beschaffen von kleinen Toren.

    Die sind ja wenn man Qualität haben möchte sehr teuer und man braucht einige um z.B. vernünftige Funino Spieltage auszurichten.

    Geld dafür müsste genug vorhanden sein, der DFB könnte ja auch vielleicht einen Sponsor besorgen. Sich für den Kinderfussball zu engagieren ist ja gut fürs Image der Firmen sollte man denken.

    Der DFB hatte ja damals nach der WM die gute Idee mit den 1000 Minispielfeldern für ganz Deutschland.

    Auf einen von diesen spiele ich heute noch gerne mit meinen Kindern.

    Wieso nicht wieder so eine Aktion starten. Nur diesmal halt mit kleinen Toren für 1000 Vereine ???

  • Also bei uns im Kreis ist man durchaus aktiv und versucht Änderungen nicht nur im Kifu zu etablieren, sondern macht sich auch Gedanken über ältere Jahrgänge.


    Speziell jetzt A und B Jugend, so gibt es demnächst eine Sondersitzung:


    Bei der jeder Jugendleiter ob er eine A/B Jugend hat oder nicht teilnehmen muss, sowie die Trainer der Altersklassen !



    Bitte macht euch vorrab über die Spielformen:

    1. Zusammenschluss der A+B Jugend

    2. Norweger Model

    3. Kreisübergreifender Spielbetrieb in der Region

    sowie über die Durchführungsbestimmungen Gedanken.


  • Ich habe mir mal ein paar Fragen herausgepickt und meine Ansichten dargelegt:


    - warum müssen immer die Kinder für Neuerungen herhalten? (Fair-Play-Liga; FUNino)


    Weil Kinder nun mal gerade anfangen mit dem Fußballspielen und das 'Vorherige' noch nicht (so lange) kennen. Somit fällt es ihnen am leichtesten sich das 'Neue' anzueignen. Im Herrenbereich gibt es aber auch immer wieder Regeländerungen (Rückpassregel, Handspiel, G/R-Karte, Auswechslungen usw.).
     
    - warum müssen immer die Kindertrainer die Neuerungen begleiten? (meistens wenig Trainererfahrung, oftmals Elterntrainer)


    Auch das ist einfach zu erklären. Die meisten Trainer fangen im Kinderfußball an und 'arbeiten' sich dann nach oben. Dort angekommen, möchten die wenigsten wieder zurück zum Kinderfußball.


    - welche Hilfen bekommen die Vereine zur Implementierung? (finanzielle (z.B. für kleine Tore) und/oder organisatorische (z.B. Spielplanprogramm für Funino-Festivals anstatt ESB))


    Ganz wichtiger Punkt! Die Vereine müssen jeden Euro dremal umdrehen, da die öffentliche Förderung von Kommunen immer weiter zurück geht. Hier der DFB in der Verantwortung, damit ihre Vorschläge/-gaben auch in kleineren Vereinen umgesetzt werden können.


    - Kinder (Eltern) orientieren sich auch an Vorbildern - wer dient als Vorbild?


    Den Eltern muss klargemacht werden, dass der Kinderfußball mit dem Erwachsenfußball nicht viel zu tun hat. Das darf man nicht in einen Topf schmeißen.


    - warum lässt der Fußball den Kindern so wenig Freiraum sich vielseitig, sportlich auszuprobieren? (jeden Samstag ein Spiel/Festival)

    - sind Kooperationen mit anderen Sportverbänden vorgesehen? (z.B. Ballschule nützt Handball, Tennis, Volleyball, Fußball, Basketball ...)

    - werden Kinder an dem Prozess beteiligt oder entscheiden Erwachsene für die Kinder?

    - brauchen wir viele Regeln im Kinderfußball oder hilft den Kindern mehr Flexibilität? (z.B. Anzahl der Spieler)

    - brauchen wir ein Ergebnis am Wochenende, können es mehrere sein oder gar keines?

    - brauchen wir eine (Halb-)Saison im Kinderbereich?


    Ich denke die oben stehenden Punkte wurden ja versucht in den letzten Jahren umzusetzen. (Fairplayliga, Funino) Diese Spielformen bedeuten ja mehr Flexilibität, Freiraum und kein Ergebnisdruck.

  • Das sehe ich aus der Perspektive des Breitensports etwas anders:


    In meiner Umgebung sind die meisten Trainer im KIFU Vater Trainer ohne Ambitionen dauerhaft als Trainer im älteren Jugend - oder Herrenbereich arbeiten zu wollen. Hier wäre mehr Unterstützung von Vereins/Verbands-Seite erforderlich


    Der Zulauf zum Kinderfußball hängt mit der Einfachheit des Spiels und den berühmten Vorbildern im Profibereich zusammen. Wettbewerbsformen sollten zwar Kind-gerecht angepasst werden, sollten sich aber nicht zu sehr vom Erwachsenen-Fussball unterscheiden. KIFU Training muss aber natürlich anders aussehen als im Erwachsenenbereich. Das ist aber bereits heute allgemein akzeptiert.

  • fussipapa : wer in der Kommission ist, ist mir nicht bekannt (außer Herr Lochmann). Im Artikel werden auch die Jugendbeiräte angesprochen - hier denke ich, dass es sich um den DFB-Jugendausschuss handelt. Dessen Vorsitzender Herr Pothe möchte sich in "seiner zweiten Amtszeit verstärkt dem Thema „Drop-Out im Jugendfußball“ und möglichen Lösungsstrategien widmen" (Quelle: dfb.de (September 2016)).

    Transparenz ist für mich allerdings etwas anderes ;) - und ob man durch FUNino im Kinderbereich den Drop-Out im Jugendbereich verhindert, ist für mich stark diskussionswürdig.

  • Thommy : auch bei uns ist in der A-Jugend das Norweger Modell in der nächsten Saison im Test. Weiterhin kommt wahrscheinlich ein Auf- und Abstieg während der Saison (Herbst- und Frühjahrsrunde) in den unteren Klassen. Aus meiner Sicht richtige Ansätze um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

  • Ballaufpumper : ich hoffe mal, dass wir nicht auf die Überschüsse der EM 2024 warten müssen ;)

    Ich frage mich aber auch, ob es immer die beste Qualität sein muss. Ich spiele im Training mit Popup-Toren für ca. 50 Euro für 4 Tore (ein FUNino Spielfeld) - gehen wir von 3 vs. 3 (+ jeweils 1 Rotationsspieler aus), sind das ca. 50 Euro für 8 Kinder. Laut DFB Statistik 2018 gibt es 1.343.310 Mitglieder bei den Junioren bis 14 Jahre (dfb.de). Bei Gleichverteilung (2G, 2F, 2E, 2D 1C) könnte man durch 9 teilen (1.343.310/9=ca. 150.000 pro Jahrgang). Nehmen wir 4 Jahrgänge mit FUNino (1G, 2F, 1E) wären das 4*150.000=600.000. 600.000/8=75.000 FUNino-Felder * 4 Tore bzw. 50 Euro = 300.000 Tore oder 3,75 Mio. Euro (knapp über ein Zehntel der Minispielfelder - FAQ zu Minispielfelder). Das wäre mir lieber als Tore für 1.000 Vereine (bei 24.742 Vereine im DFB).


    Gegenargument:

    Popup Tore für Funino - Erfahrungen gesucht - dann kosten die 4 Popup-Tore 100 Euro und wir sind bei 7,5 Mio. (Kosten: 1/4 der Minispielfelder)

  • - warum müssen immer die Kinder für Neuerungen herhalten? (Fair-Play-Liga; FUNino)

    Weil wir von Beginn an "richtiges" Verhalten im Vereinsfußball vermitteln sollten; sprich Fair Play leben (Fair Play Liga) und Fußball spielen statt Bolzen (FUNiño).


    - gibt es eine Kommission zur Neustrukturierung des Jugendfußballs? (Drop-out findet dort statt)

    Ob es eine Kommission gibt, das weiß ich nicht, aber auch damit wird sich wohl beschäftigt. Ein wichtiger Grund für Drop Out ist aber sicherlich eine falsche Ausbildung im Kinderbereich. Wenn ich über Jahre immer nur Mitläufer bin und ich mich nicht weiterentwickeln darf, weil ich entweder gar nicht spiele oder in zu großen/ komplexen Wettkämpfen eben der bin, der nie den Ball bekommt, dann werde ich mir mit zunehmenden Alter und mehr Selbstreflexion irgendwann die Frage stellen, warum ich da noch hingehen soll.


    - warum müssen immer die Kindertrainer die Neuerungen begleiten? (meistens wenig Trainererfahrung, oftmals Elterntrainer)

    Das ist wahrscheinlich das Schicksal des Ehrenamtes. Für alle Beteiligten wäre es wohl besser, wenn Kindersport mit der Schule verzahnt würde, um mehr Kinder zu bewegen, um für die Kinder bessere/frühere Trainingszeiten zu ermöglichen, um eine kontinuierliche Qualität des Angebots zu sichern. Aber dafür müsste die öffentliche Hand ziemlich viel Geld in die Hand nehmen; scheint unwahrscheinlich.


    - welche Hilfen bekommen die Vereine zur Implementierung? (finanzielle (z.B. für kleine Tore) und/oder organisatorische (z.B. Spielplanprogramm für Funino-Festivals anstatt ESB))

    Das wäre natürlich zu wünschen insbesondere die Spielplanerstellung, wobei das keine Ausrede sein sollte. Ein Paar Minitore 1,82m kostet 50 EUR. Wenn jedes Team zu einem Festival 2 Tore mitbringt, dann ist das keine riesige finanzielle Last.


    - warum lässt der Fußball den Kindern so wenig Freiraum sich vielseitig, sportlich auszuprobieren? (jeden Samstag ein Spiel/Festival)

    Nimmt 1h Fußball am Wochenende auf einem Festival den Kindern ihren Freiraum? Da würde ich ganz andere Dinge sehen, die den Freiraum der Kinder einschränken. Außerdem, glaube ich, ist das nicht fußballspezifisch. Ich hatte einen Fall, wo der Turntrainer verlangt hat sich zw. Fußball und Turnen zu entscheiden, weil jetzt "wichtige" Wettkämpfe beginnen.


    - Kinder (Eltern) orientieren sich auch an Vorbildern - wer dient als Vorbild?

    Vorbilder für was, altersgerechten Fußball? Bekannte Profis, die z.B. Futsal gespielt haben, gibt es ja einige. Und viele Länder aus denen aktuelle erfolgreiche Topstars kommen sind uns was kleine Wettkampfformen angeht, schon lange voraus.


    - sind Kooperationen mit anderen Sportverbänden vorgesehen? (z.B. Ballschule nützt Handball, Tennis, Volleyball, Fußball, Basketball ...)

    Kann man sicher machen, aber dann hat sich in 10 Jahren noch nichts geändert.


    - werden Kinder an dem Prozess beteiligt oder entscheiden Erwachsene für die Kinder?

    Kinder sind doch gar nicht in der Lage das zu entscheiden und alle Konsequenzen zu überblicken. Sie entscheiden ja auch nicht, ob sie zur Schule gehen oder ob sie jeden Tag ein Glas Nutella essen etc...


    - brauchen wir viele Regeln im Kinderfußball oder hilft den Kindern mehr Flexibilität? (z.B. Anzahl der Spieler)

    Wir brauchen Regeln, die einen Rahmen setzen. Beispiel: 2 E-Mannschaften mit je 14 Kindern treffen aufeinander, dann sollte die Regel vorsehen, dass die Spielfelder so gestaltet werden, dass alle Kinder beteiligt sind - sprich 2 Felder aufbauen.


    - brauchen wir ein Ergebnis am Wochenende, können es mehrere sein oder gar keines?

    Ein Fußballspiel hat immer ein Ergebnis. Das ändert sich auch nicht durch eine Anpassung der Organisationsform. Das ist auch wichtig, damit Kinder lernen mit Sieg oder Niederlage umzugehen. Aber wir brauchen bis zu einer gewissen Altersstufe sicher keine Aufrechnung dieser Ergebnisse in Form von Tabellen. Wahrscheinlich braucht man im ganzen Kleinfeldbereich keine Tabellen.


    - brauchen wir eine (Halb-)Saison im Kinderbereich?

    Aus organisatorischen Gesichtspunkten brauchen wir sicher eine Saison, um Plätze Mannschaften etc. zu planen. Wenn der Spielbetrieb im Festival Modus veranstaltet wird, dann braucht man die Saison aus sportlicher Sicht, sicherlich nicht - einfach spielen. Kommen Tabellen irgendwann dazu, dann sollte die Saison in mehrere Teile zerlegt werden, damit ich Staffelzusammensetzungen neu adjustieren kann. Warum nicht kleine Staffeln mit nur 3-4 Mannschaften, die sich halt mehrfach innerhalb einer Saison begegnen. Solange die Ergebnisse ausgewogen sind, ist es doch egal, ob ich mehrfach gegen das gleiche Team spiele.


    - was ist die Zielsetzung der Neustrukturierung? (z.B. Eliteförderung, breiterer Qualitätsanstieg, Spaß im Kindesalter oder erst im Jugend- bzw. Erwachsenenalter, kurzfristiger oder langfristiger Erfolg, Gesundheitsförderung, Sozialkompetenz, Leistungsdruck)

    Meines Wissens nach war die Ausgangsfrage, warum wir keine herausragenden Einzelspieler haben, die 1:1-Duelle entscheiden können. Von da ausgehend ist man zu dem Schluss gekommen, dass im Kinderfußball etwas im Argen liegt. So wie ich es verstehe, geht es darum die Basis an sporttreibenden Kindern langfristig zu verbreitern und auch zu verbessern, denn nur wenn ich etwas gut kann, wird es mir auf Dauer Spaß machen. Das wiederum wird langfristig auch positive Auswirkungen auf die Spitze haben.


    - wie setzt sich die Kommission zusammen? (z.B. Transparenz, Beteiligung der Basis)

    Frage an Markus Hirte


    - wie bzw. wird der Kinderfußball zukünftig bei der Ausbildungsentschädigung berücksichtigt?

    Ich glaube nicht, dass das eine Frage für so eine Kommission ist.


    - welche Zugeständnisse vom Profi-/Amateurfußball kann der Kinderfußball erwarten? (z.B. Vorspiele, Anstoßzeiten)

    Ich glaube nicht, dass das eine Frage für so eine Kommission ist.


    - lässt man Leistungssport bei Kindern zu?

    Wenn wir flächendeckend den Festival Modus einsetzen und entwicklungsgerechte Wettkampfformen etablieren, dann fangen wir viel früher mit Leistungssport an, weil sich Kinder permanent auf leistungsgleichen Niveaus begegnen und die Trainer besseres Training anbieten, denn sie werden sich an den neuen Wettkämpfen orientieren, um diese gewinnen zu können. Und dazu müssen wir nicht einmal irgendwelche Leistungszentren aufbauen oder die Kinder ständig von einem Verein zu Nächsten schicken.


    - denkt man über die Vereinsstrukturen hinaus? (z.B. Kindersportgärten, Fußballschulen, Kooperationen mit Schulen)

    Es geht zunächst einmal darum den Wettbewerb kindgerechter zu gestalten.

  • ….Ein wichtiger Grund für Drop Out ist aber sicherlich eine falsche Ausbildung im Kinderbereich. Wenn ich über Jahre immer nur Mitläufer bin und ich mich nicht weiterentwickeln darf, weil ich entweder gar nicht spiele oder in zu großen/ komplexen Wettkämpfen eben der bin, der nie den Ball bekommt, dann werde ich mir mit zunehmenden Alter und mehr Selbstreflexion irgendwann die Frage stellen, warum ich da noch hingehen soll.....

    Das ist eine steile These, die weder plausibel ist noch durch irgendwelche Fakten belegt wurde.


    1. Kommt Drop Out in den entsprechenden Altersklassen in fast allen Mannschaftssportarten vor. Fußball ist keine Besonderheit. Dies spricht für Fußball-unabhängige Ursachen.


    2. Korrelieren Aktivenzahlen immer mit Ereignissen wie Erfolg der Nationalmannschaft, WM im eigenen Land etc. Außerdem sinken die Aktivenzahlen sinken laut publizierten DFB Statistiken im Erwachsenen-Jugend- und Kinderbereich gleichermaßen. Wäre die Ausbildung im KIFU hauptursächlich ,würde man erwarten. Daraus lässt sich falsche Ausbildung im KIFU Bereich nicht ableiten.


    Im Übrigen halte ich es für unfair, den vielen engagierten KIFU Trainern, die als Spielerväter mehr oder weniger freiwillig eingestiegen sind und versuchen, ihre Aufgabe so gut wie möglich zu erledigen, die Hauptschuld am Drop Out anzulasten.

    Wenn diese so viel falsch machen würden, fände der Drop Out nämlich bereits im Kleinfeldbereich statt.

  • Das ist keine steile These: https://www.dfb.de/fileadmin/u…rted/Dropout-im-Sport.pdf


    Die Zahlen korrelieren langfristig nicht mit solchen Ereignissen. Schaut man sich die Mitgliederstatistiken der ganzen letzten Jahre an, dann bleibt das Bild immer gleich. Im Kinderbereich rennen uns die Kinder die Türen ein und dann verschwindet ein Großteil wieder.


    https://www.dfb.de/verbandsstr…statistiken-der-vorjahre/ 


    Ich laste den Drop Out nicht den Spielervätern an sondern der Organisationsform des Spielbetriebs, die falsche Anreize setzt.

  • Servus,


    ich bin da bei Entertainer.


    Das wir den Dropout zurückfahren, nur weil wir Funino spielen lassen....

    Sehr gewagte These und glaube ich nicht.


    Ich denke, wir müssen einfach in Zukunft mit weniger Kinder klarkommen.

    Das jeder Dorfverein sein eigenes Reich hat, wird sich in Zukunft von alleine erledigen.


    Was sicherlich ein großes Unterschied zu früher ist, die Gesellschaft wird immer reicher und hat mehr Zeit.

    Dadurch ist es möglich Kinder in die Stadt zu den verschiedensten Aktivitäten zu fahren.

  • Was sicherlich ein großes Unterschied zu früher ist, die Gesellschaft wird immer reicher und hat mehr Zeit.

    Dadurch ist es möglich Kinder in die Stadt zu den verschiedensten Aktivitäten zu fahren.

    Na das nenn ich ja mal wirklich ne gewagte These. In Zeiten, wo in fast allen Familien beide Elternteile (teilweise) berufstätig sind, ist es ein Spagat, allen gerecht zu werden. Von "viel Zeit" sehe ich nix! Der Aufwand erhöht sich nur marginal, ob ich mein Kind 3 km zum Fußballplatz oder 7 km zum Judo oder schwimmen fahre. Bei einer Gesamtabwesenheit von ca 2,5 h (Fahrtzeit, umziehen, Training und retour) macht die reine Fahrzeit kaum was aus.


    Ich glaube, das ist einfach eine sehr natürliche Entwicklung eines Kindes. Am Anfang geht man halt zum Fußball oder turnen, dann zündet das halt oder nicht. Gerade in der D-Jugend verändern sich für die Kinder auch nochmal massiv die Freudschaften. Grundschulfreundschaften brechen auseinander, neue Kumpels mit neuen/anderen Interessen treten auf den Plan.


    Und warum auch nicht? Muss ein Kind bei dem Sport bleiben, wo es seine Eltern vor 6 Jahren mal angemeldet haben oder dürfen sie eigene Interessen entwickeln? Selbst wenn der Trainer ein Feuerwerk an guter Laune und Ausbildungsqualität abfeuert, dann wird er einige Spieler verlieren.

  • Selbst wenn der Trainer ein Feuerwerk an guter Laune und Ausbildungsqualität abfeuert, dann wird er einige Spieler verlieren.

    Das ist ja genau der Punkt. Wir sollten versuchen das Feuerwerk sicherzustellen. Wenn sich ein Kind dann immer noch für etwas anderes entscheidet, dann ist das doch völlig in Ordnung. Dann hat der Fußballtrainer einen tollen Job gemacht und wichtige Grundlagen für andere Sportarten gelegt. Wichtig ist doch, dass die Kinder erfahren, dass es Spaß macht sportlich aktiv zu sein, sich mit anderen zu messen.

    Aber Kinder sollten nicht deswegen aufhören, weil sie anderen beim Spielen auf der Ersatzbank zusehen müssen.

  • ja, aber das ist ja sehr idealisiert. Allzuhäufig kommen die Trainer irgendwann dahin, die Einsatzzeiten an der Trainingsbeteiligung zu spiegeln, was ich auch ab einem gewissen Alter für Richtig erachte.


    Ich habe im Urlaub mit einem Vater gesprochen, der genauso einen E1- Jungen hat. Er spielt Fußball weil die Kumpels das auch machen. So richtig hats ihn nicht gepackt. Er sagt bei schlechtem Wetter das Training allzuhäufig ab und die Eltern tolerieren das Verhalten, andere stehen da aufm Platz. Er wird jetzt auch immer weniger eingesetzt, was ja logisch wäre wenn er so selten hingeht (lt. Vater). Er wird nach der Saison aufhören.

    Will man irgendwem einen Vorwurf machen? Zwei seiner Mannschaftskameraden brennen für Fußball, einen Gruseltrainer haben die nicht...

  • Zum Thema Dropout habe ich eine andere These: Umso früher Kinder mit dem Fußball beginnen, umso früher hören sie damit wieder auf.


    Taktiker_95 verlinkt in diesem Artikel auf eine Dissertation, in der nach Allgemeine Grundausbildung, Nachwuchstraining (Grundlagentraining, Aufbautraining, Anschlusstraining), Hochleistungstraining unterschieden wird (S. 16). Im Bereich des Grundlagentraining und Aufbautraining wird jeweils von einer 3-jährigen Phase gesprochen. Nehme ich die Abbildung 3 auf Seite 21 dazu, kommen nochmals ca. 3 Jahre Grundausbildung dazu. Das macht insgesamt ca. 9 Jahre.


    Meine Beobachtung ist, dass der Dropout in den vergangenen Jahrzehnten sich nach vorne verlagert hat. War er früher beim Übergang in den Aktivenbereich, ging es über die A- zur B-Jugend, erleben wir heute das Phänomen bereits in der C-Jugend. Früher ging das Fußballspielen in der E-Jugend los (+ 9 Jahre - Übergang Aktive), dann in der F-Jugend (+ 9 Jahre - B-/A-Jugend) heute Bambini/G-Jugend (+ 9 Jahre - C-Jugend) - zum Glück geht nicht mehr viel früher ;) (bei 3-4 Jahren müsste Schluss sein). (die Abbildung 3 auf Seite 21 fängt erst bei 7 Jahre an - da haben viele Kinder heute schon eine 3 jährige Fußballlaufbahn hinter sich)


    Und jetzt kommt FUNino (für mich ganz klar besser als 7 gegen 7). Das führt aus meiner Sicht dazu, dass die Vereine und Trainer noch mehr dazu tendieren immer jüngere Kinder in Wettkämpfe/Festivals zu schicken, weil es kindgerechter ist. Damit verlagert sich allerdings das Anfangsalter der Kinder noch weiter nach vorne und aus meiner Sicht auch der Dropout.


    Ich bin ein klarer Befürworter von FUNino, aber zweifel stark daran, dass es den Dropout verhindert - da wären andere Maßnahmen am Trainings- und Spielbetrieb in der Jugend aus meiner Sicht sinnvoller.

  • zum Thema Vorbilder: da dachte ich weniger an Nationalspieler, die mit dem Spiel groß wurden als viel mehr an die NLZs, DFB und die DFL

    Beispiele:

    - NLZs nehmen mit ihren F- und E-Jugendmannschaften nur noch an FUNino-Festivals teil oder veranstalten selbst welche

    - die Einlaufkinder spielen in der Halbzeit das Spiel

    - Vor- oder Einlagespiele werden so durchgeführt (nicht nur einmal sondern immer)

    - Zuschüsse bekommen nur die Vereine, die sich zu der Spielform bekennen und sie auch spielen

    -> Kinder und Eltern sind auch Zuschauer im Stadion und wenn sie dort nur das sehen, probieren sie es auch eher aus und machen es mit


    zum Thema Neustrukturierung/Konzept:

    - es wird nicht nur FUNino bindend eingeführt, sondern auch FORMino, 5er, 7er und 9er Fußball - und das gilt auch für die NLZs. Wenn die Spielformen besser sind, sind sie es für alle Spieler in dem Alter. Warum kommen Vereine darauf Spieler hochzuziehen, mit der E-Jugend sich bereits bei der D-Jugend zu melden, so schnell wie möglich 11:11 zu spielen usw. - weil sie den NLZs nacheifern (Vorbild).

    - es muss ein Konzept her, das langfristig und nachhaltig ist - die Fair-Play-Liga ist das nicht, die wird nur in der F-Jugend gespielt (zumindest in Bayern) und in der E- bzw. D-Jugend ist von Fair-Play nichts mehr übrig (ich bin übrigens auch ein Fan der Fair-Play-Liga und hätte keine Bedenken diese auszuweiten bis mit Abseits gespielt wird - wenn sie schon eingeführt ist).


    zum Thema Ausbildungsentschädigung:

    - heute gibt es erst ab der D-Jugend eine Ausbildungsentschädigung -> alles darunter wird nicht belohnt und honoriert => also auch nicht FUNino (das zeigt deutlich den Stellenwert des Kinderfußball)


    zum Thema Saison:

    - eine Weltmeisterschaft wird in 4 Wochen gespielt und ist auch interessant (da brauche ich keine Saison)

    - Turniere oder Festivals sind in einem Tag durch - warum muss man Monate für eine Tabelle spielen (bei uns ab E-Jugend)


    zum Thema Verbandsstrukturen:

    - eine vielseitige Sport- und Bewegungserfahrung ist aus meiner Sicht kindgerechter als eine Spezialisierung

    - warum nicht ein FUNino-Festival mit Fußball, Hockey und Handball zum Beispiel