Ex-Trainervater / Ex-Trainersohn (mangelnder Ehrgeiz)

  • Guten Abend Sportsfreunde,

    ich weiß mittlerweile nicht mehr weiter und wollte mal euch nach euren Meinungen und Erfahrungen fragen.

    Um mein Anliegen etwas überschaubarer zu machen, werde ich euch kurz einen Überblick geben.

    Ich bin ein ehemaliger Trainervater. Ich habe meinen Sohn (2008) in der F2, F1 und E2 trainiert. Zur neuen Saison 18/19 habe ich nun aufgehört, da mein Studium, aber vor allem unser kleiner Sohn meiner Meinung nach zu kurz gekommen ist. Da sich der Verein um keinen neuen Trainer gekümmert hat, hat er nun den Verein gewechselt. In seinem neuen Team wurde er sehr gut aufgenommen und ist rundum glücklich. Sein neuer Trainer ist ein ehemaliger Mitspieler von mir und kann hervorragend mit den Kindern umgehen. Davon abgesehen, macht er sehr gutes Training und hat eine hohe fachliche Kompetenz.

    In der Vergangenheit habe ich stets darauf geachtet meinen eigenen Sohn ja nicht zu pushen bzw. zu bevorzugen. Die Kapitänsbinde durfte z.B. jeder mal tragen. Positionen wurden ständig gewechselt, da es mein oberstes Ziel war den Kinder in diesem Alter so viele Eindrücke wie möglich zu gewähren. Sie sollten also den Spaß am Fußball entdecken, damit sie auch dabei bleiben. Es lief ausbildungstechnisch gesehen solide.


    Problem

    Nun ist es so, dass mein Sohn gemäß seiner Klassenlehrerin auffällig selbstbewusster geworden ist, dies aber nicht im Positiven. Seine Fußballkollegen und er denunzieren scheinbar gerne die Nichtvereinskinder und allgemein macht er wohl neuerdings auf "dicke Hose". Des Weiteren hat die Playstation einen sehr hohen Stellenwert bekommen, aber dazu kann ich gleich sagen, dass wir diesbezüglich begrenzen, d.h. wir haben ein PS4 Konto eingerichtet, auf dem er sich Spielzeit mit guten Noten ergattern kann und diese darf er am Wochenende runter spielen. Note 1 = 60min, Note 2 = 45min, Note 3 = 30min - alles danach gibt sogar Abzug. Er ist von dieser Regelung begeistert!

    Ich habe mir jetzt fünf Spiele angesehen. Ich rufe nicht rein - ich schaue einfach nur zu. Ich erinnere ihm vor jedem Spiel sich unabhängig vom Ergebnis voll reinzuhängen und nicht aufzugeben. Er möge bitte das anwenden, was sie im Training üben, z.B. sauberer Innenseitstoß, Finten. Erst heute hat sein Trainer ihn während des Spiels ran gerufen und mehr Herzblut gefordert. Sobald er weiß, dass ein Gegenspieler technisch oder körperlich stark ist, geht er nicht richtig ran. Gegen starke Mannschaften wird schon vor dem Spiel aufgegeben und die Niederlage akzeptiert. Ich habe ihm gesagt, dass ich diese Art zu denken nicht verstehe. Wir haben früher immer von schweren oder leichteren Spielen geredet - ja, auch in seinem Alter schon. Ich kapiere das nicht! Heute hatte ich die Nase voll davon. Nach dem heutigen halbherzigen Auftritt bei dem sie 1:14 verloren haben, habe ich ihm direkt nach der Traineransprache ran zitiert und ihm somit das 9m-Schießen im strömenden Regen verwehrt und ihn sich umziehen lassen. Ich hatte keinen Bock, dass er bei dem Gestehe noch auskühlt, aber vor allem wollte ich ihn dafür nicht noch belohnen. Versteht mich nicht falsch! Na klar kann man verlieren, aber ohne Gegenwehr? Ohne Ehrgeiz? Nein, sorry, aber dafür parke ich nicht meinen Kleinen bei den Großeltern. Heute Abend rief mich dann sein Trainer an und meinte, dass mein Sohn schon denke, dass er ein Großer sei und sich selbst total über- und falsch einschätzt - ich wusste sofort, wie er das meinte. Ich habe ihm darum gebeten in Zukunft strenger zu sein und Fehlverhalten mehr zu sanktionieren.

    Ich habe jetzt einen Entschluss getroffen, zu dem mein Sohn tatsächlich nichts gesagt hat, und zwar habe ich ihm klar gemacht, dass ich mir keine Spiele mehr von ihm ansehen werde, da mich dieses ehrgeizlose Gekicke nur aufregt. Stattdessen werde ich mir jetzt immer den Kleinen und unseren Hund schnappen und spazieren gehen. Meine Frau meinte, er sei nun deswegen geknickt. Ehrlich gesagt habe ich diesen Eindruck nicht!


    Was denkt ihr? Habt ihr andere Ideen?

  • Da ich selber ehemaliger Vatertrainer bin kann ich Deine Situation gut nachempfinden.

    Ich weiß wie schwer es fällt sich zurückzuhalten wenn man sein Kind dann in andere Trainerhände gibt.

    Trotzdem muss ich sagen die Aktion wo Du Deinen Sohn das 9-Meterschießen verweigerst geht schon mal gar nicht.

    Als Trainer will ja gerade damit den Kindern der unterlegenen Mannschaft damit noch mal die Möglichkeit geben mit einem Erfolgserlebnis aus einer vorher manchmal herben Niederlage herauszugehen und einen versöhnlichen Abschluss für alle zu haben.

    Zumindest war das immer meine Intention dahinter.

    Ich hätte es ziemlich daneben gefunden wenn einzelne Eltern ihre Kinder aus persönlicher Enttäuschung eigenständig vom Platz gerufen hätten !

    Das Du vor den Spielen Meinst Deinen Sohn noch persönlich Anweisungen zum Spiel zu geben ist menschlich verständlich aber auch nicht wirklich zielführend.

    Du weißt ja gar nicht genau was für Anweisungen der Trainer ihm schon gegeben hat. Du sagst dann vielleicht er soll mehr hinten bleiben, der Trainer sagt er soll mehr nach vorne gehen. Nach wem soll sich Dein Sohn dann richten ?

    Du schreibst Du hällst viel von den Trainer. Dann vertraue ihm doch das er die richtigen Maßnahmen einleitet.

    Zu dem Problem in der Schule mit den vorlauten Sohn kann ich auch noch meinen Senf dazugeben...

    Ich hatte kürzlich das selbe Problem. Als alle anderen Verbote nicht mehr geholfen haben wurde Fußballverbot verhängt.

    Er musste jeden Tag Smileys von den Lehrern nachhause bringen das er sich gut benommen hat.

    Als das eine Woche geklappt hat durfte er auch wieder zu seinem geliebten Fußball.

    Danach klappt es bisher sehr gut. Auch der Trainer sagt er hört jetzt besser auf ihn :)

    Zu Deinem Vorschlag das Du nicht mehr zu den Spielen Deines Sohn gehst.

    Soweit muss es ja nicht kommen.

    Erstens glaube ich nicht das Du das lange durchhalten wirst. Dafür bist Du doch mit Zuviel Leidenschaft dabei und das ist ja auch gut so. Mitfiebern mit seinem Kind ist ja durchaus erlaubt und es ist ja auch schön das selbe Interesse am Fußball zu haben wie sein Kind.

    Aber wir sind die Erwachsenen und sollten unsere Emotionen soweit im Griff haben das wir unsere Kinder positiv unterstützen und sie nach Niederlagen und Fehlern aufbauen.

    Also mein Fazit:

    Gehe ruhig weiter zu den Spielen. Erkenne die alleinige Autorität des Trainers was das Spiel angeht an.

    Der Trainer ist sicherlich froh wenn Du Dich anderweitig positiv einbringst.

    Als ehemaliger Trainer weißt Du ja auch das normal jede helfende Hand gern gesehen ist um den Spielbetrieb zu organisieren.

    Feuer Dein Kind und auch die anderen möglichst Positiv an und alles wird gut ....

  • Bei der Schilderung finde ich meinen Sohn und mich zu 99 % wieder. Unterschied ist, dass ich die Kinder noch trainiere.

    Ich hatte schon überlegt, ob ein Trainerwechsel nicht die richtige Lösung für ihn wäre. Scheinbar ist das aber auch nicht immer besser.

    Ich versuche meine Erwartung an ihn zu zügeln. Wenn es für uns richtige Klatschen gibt, liegt es ja nicht nur an ihm, da stehen ja

    auch eine Reihe andere Kinder auf dem Platz, nur meine Erwartung an diese Kinder ist nicht dieselbe. Das fällt mir manchmal schwer, aber auf schlechte Stimmung in der Familie nach Training oder Spiel hat meine Frau keine Lust;).


    Wir hoffen, dass nach dem Wechsel an die weiterführende Schule mit vielen neuen Kindern sein Ehrgeiz, egal ob Schule oder auch Sport, wieder ein bisschen geweckt ist. Beim Sprint Üben für das Sportabzeichen in der Schule ist er jetzt im Goldbereich gelandet. Ich kann mich

    kaum daran erinnern, wann er das letzte Mal beim Fußball richtig schnell gelaufen ist. Für die 10jährigen die jetzt die Schule gewechselt haben, kam zuletzt viel Neues auf einmal. Da hat Fußball vielleicht auch nicht immer mehr den Stellenwert für die Kinder.


    Überhebliches oder schlechtes Benehmen sanktionieren wir, ansonsten kämpfe ich darum geduldig zu sein. Das wir von ihm eine vernünftige Einstellung/Arbeitshaltung erwarten, bei Schule noch mehr wie Sport, weiß er.

    Ich sage mir aber auch, dass es sein Hobby ist und nicht meins. Nach 3 Jahren funktioniert das jetzt meistens, aber ehrlich gesagt, muss ich immer noch oft an mich halten. Das wird sich auch wohl auch nie ändern.

  • Vielleicht mal nur ein paar kleine Denkanstöße:
    Warum ist Dir der Fußball Deines Sohnes so wichtig? Wieviel sprecht Ihr über SEINEN Fußball? Wie hättest Du es als Trainer gefunden, wenn Eltern so in Deinen Bereich hereingefuscht hätten?

    Ich habe jetzt einen Entschluss getroffen, zu dem mein Sohn tatsächlich nichts gesagt hat, und zwar habe ich ihm klar gemacht, dass ich mir keine Spiele mehr von ihm ansehen werde, da mich dieses ehrgeizlose Gekicke nur aufregt.

    Das ist nichts anderes als Liebesentzug. Denk mal darüber nach, was das bei einem 10-Jährigen auslöst.

    Sie sollten also den Spaß am Fußball entdecken, damit sie auch dabei bleiben.

    Und was ist mit Deinem Sohn? Soll er Spaß an SEINEM Fußball haben oder soll er dafür sorgen, dass DU Spaß an seinem Fußball hast?

    Mag sein, dass Du meine Denkanstöße als provokant und evtl. sogar als Angriff empfindest. Denk trotzdem drüber nach. Ich habe im Laufe der Jahre viele Familien gesehen, in denen der Fußball zu wichtig war.

    Oft ging der Schuss später nach hinten los...

  • Ich vermute, er hat den Wechsel auf die weiterführende Schule hinter sich? Bei uns läuft dieser Wechsel zwischenmenschlich gut aber von den Anforderungen der Schule ist ein mittlerer Sturm aufgezogen. Das bindet bei uns zu Hause ziemlich viele Ressourcen. Dass sich das auch in den Hobbybereich auswirken kann, scheint logisch.

    Dieses "dicke Hose" ist meiner Beobachtung nach was vorpubertäres. Das beobachte ich bei vielen Jungs in dem Alter. Dem würde ich nicht allzuviel Beachtung schenken. Und der Trainer muss seinen Umgang mit deinem Sohn finden (Stichwort Starallüren). Ihn einzunorden ist sein Job, nicht deiner.


    Der Switch vom Seitenrand in die Fanzone ist echt hart. Diese Erfahrung mache ich auch zur Zeit. Man muss echt loslassen lernen und kann häufiger nur die Stirn runzeln. Ich denke mir aber immer - bei allem sportlichen Ehrgeiz meinerseits - es ist nur Kifu.

    Frag dich mal selber: würdest du genau so agieren, wenn dein Sohn was anderes machen würde? Schwimmwettkampf, Bodenturnen, Gitarre spielen? Wärst du auch persönlich angefressen, wenn es beim Schwimmwettkampf nur zu Rang 17 gereicht hätte? Würdest du ihn ins Gebet nehmen, wenn er beim Vorspiel mit der Gitarre drei Fehler gemacht hätte?


    Bei welchem Gedanken ich dich unterstützen würde ist, dass du die Lasten gleichmäßig verteilst. Wenn du noch ein kleineres Kind hast, dann darf dieses nicht alles abbekommen sondern braucht auch seine Zeit mit Papa und alles was dazu gehört.

    Aber auch hier sind Kompromisse möglich. So kann man etwa das große Kind zum Treffpunkt bringen und sich dann ne Stunde ums Kleine kümmern. Wenn das Spiel des Großen schon ne Viertelstunde läuft, verpasst man nicht viel. Halte Abstand vom Rasen, das kühlt die Gemüter. Schnapp dir einen Ball, spiel mit dem Kleinen am Rand und wirf ab und zu einen Blick auf das Geschehen auf dem Platz.

    Vielleicht können sich deine Frau und du auch abwechseln bei der Begleitung zum Fußball. Aber ihm die Aufmerksamkeit komplett zu entziehen ist falsch.

    Hast du mal darüber nachgedacht, dass wir Eltern in spätestens 3 Jahren peinlich sind?! Dann wollen sie uns gar nicht mehr dabei haben. Ich persönlich genieße die Zeit zur Zeit sehr. 10 ist ein tolles Alter. Noch sind sie ganz gut zu führen, noch wollen sie uns gefallen und unsere Aufmerksamkeit. Das wird sich bald legen.

  • Mir ist das Verhalten in Teilen auch nicht unbekannt. Drei Söhne trainiert,... sie bewusst so behandelt, dass niemand eine Bevorzugung vorwerfen könnte. Dieser unterschwellige Druck führt zu Situationen, wo ich mir heute noch gerne in den eigenen Hintern treten könnte. Auf mich persönlich gemünzt sage ich heute, dass es auf Grund meiner persönlichen Art und Weise ein Fehler war, das Amt als Vatertrainer wahrgenommen zu haben.


    Ferner empfinde ich mein damaliges Tun nachträglich als Wichtigtuerei und vieles geschah für meine Schulterklopfer... durch Unwissende.


    Das kann ich leider nicht wieder gut machen! Im Umkehrschluss erscheint es mir komisch, dass ehemalige Spieler und auch meine Söhne mal meinten, dass ich doch nochmal ihr Trainer sein könnte, was ich aber ablehnte.


    Dem Threaschreiber kann ich nur raten an sich und der inneren Einstellung zu arbeiten. Andere Trainer haben das Recht Fehler machen zu dürfen. Den Sohnemann nun nicht mehr zuschauen zu wollen ist schwach. Ich hätte darüber auch nicht mit ihm gesprochen... wäre ggf. einfach mal eine Zeit seltener hingegangen. Man gewinnt ein bißchen den Eindruck, dass der Vater sich etwas zu wichtig nimmt. Das der Junge derzeit auf die Sahne haut, ist altersbedingte Verhalten, da kommt auch noch eine Zeit der Ernüchterung, des Katers und der Neuausrichtung. Hierzu hätte ich aber auch die Missbillugung ausgesprochen.


    Und noch ein Tipp. Die Internetzeit zu reglementieren...ist restloser Nonsens. Geh und sag ihm das und warum du das Scheisse findest. Dann würde ich ihn verblüffen und ihm die Verantwortung für seine Zukunft in seine Verantwortung legen. Das geschähe dadurch, dass er so lange Playstation spielen kann wie er will und auch, dass er beispielsweise so lange wegbleiben kann, wie er meint. Das hat auch was mit Vertrauen zu tun, aber auch damit, dass er lernt, sein Leben sinnvoll zu strukturieren, statt das Pappi alles regelt und er das gut zu finden hat., was Pappi gut findet. So kann man sich nicht entwickeln und psychisch Schwächere würde so auf Dauer vielleicht noch tiefer herunter gezogen, als das nötig wäre. Bei dieser Verfahrensweise gibt es wahrscheinlich Rückschläge, damit würde ich rechnen. Jemanden so zu überwachen erzeugt aber auch Ausbrüche, vor allem bei starken Charakteren.

  • Puh, das ist harter Tobak, das sehe ich so wie Follkao .

    Du schaffst hier m.e. eine völlig unnötige Konfrontation. 1. Punkt vllt. fehlendes Selbstvertrauen, auch wenn Du es nicht so siehst, weil Du das Schulbeispiel hernimmst. Das ist m.e. aber nicht mehr als eine Kompensationshandlung.

    Das er sich bei stärkeren Gegenspielern gar nicht mehr -anstrengt- liegt vllt. daran, das er sich gar nicht mehr -traut-.

    Weil die Angst vor dem SCheitern so groß ist, das er die Herausforderung gar nicht mehr sucht. (schaff ich ohnehin nicht, also erfüllt es sich auch-Selbsterfüllende Prophezeiung). Du spielst hier mit Wertigkeiten(lieber Geschwisterkind, also so einen Fußball anzusehen). Das finde ich in dem Alter(und generell) sehr gefährlich. Die Kinder haben noch kein Erwachsenen Ich (ich bin ok- Du bist ok). Also werden sie das als persönlichen Wertigkeitsverlust empfinden.

    Das ist m.e. wirklich mehr als verletzend. Das Deine Frau das Geknicktsein sieht und Du nicht, liegt ja evtl. schon am Schutzschild, den er aufgebaut hat...

    Konflikte entstehen aus entäuschten ERwartungen. Deine Erwartung und die eures Trainers sind Klar.

    Aber was ist die Erwartung deines Sohnes???? An sich, an Dich, an das Spiel??????

    Mein Sohn ist auch 10 Jahre alt, ich kenne seine Erwartung, Spaß am Spiel. Meine ist deckungsgleich. Wie wir das für uns zusammenbringen und was dafür notwendig erscheint, das gemeinsam zu erreichen, besprechen wir.

    Das mache ich auch mit den vermeintlich -lustlosen- in meiner Mannschaft.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Das geschähe dadurch, dass er so lange Playstation spielen kann wie er will und auch, dass er beispielsweise so lange wegbleiben kann, wie er meint.

    Da bin ich anderer Ansicht denn meine Eltern haben das so mit mir gemacht. Während Gleichaltrige klare Grenzen hatten, an denen sie sich orientierten, stand ich immer etwas verloren in diesem viel zu großen Raum. Grenzen geben aber auch Sicherheit. Wenn ich diese "Freiheit" dann mal strapaziert hatte, gabs aber Missbilligung. Nur wusste ich nie, wo diese Grenzlinie lag...

  • Ich kapiere das nicht! Heute hatte ich die Nase voll davon. Nach dem heutigen halbherzigen Auftritt bei dem sie 1:14 verloren haben, habe ich ihm direkt nach der Traineransprache ran zitiert und ihm somit das 9m-Schießen im strömenden Regen verwehrt und ihn sich umziehen lassen.

    ...mein Sohn ist auch ein 2008er, und er hätte, so wie ich ihn kenne, nach so einer total gestörten, herzlosen "Vateraktion" mir gedroht mit dem Fußballspielen aufzuhören.

    Und das sollte dein Sohn auch tun....dir mal ordentlich Kontra geben.

    Irgendwie hast du den Switch von Trainer zu Vater nicht ganz hinbekommen und bist jetzt sowas wie sein Sportdirektor.

    Du solltest mehr auf deine Frau hören!

    Da verliert das Team 1:14 und du machst deinen Sohn runter als wäre er der Hauptverantwortliche. Denk mal nach!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • ..was zum Nachdenken ?!


    --> aus Vertrauen wird Selbstvertrauen!

    --> sei freundlicher mit deinem Sohn, so wie du mit Freunden umgehen würdest. Weniger hat er nicht verdient!

    --> lass die Machtdemonstrationen sein, was soll er sinnvolles dagegensetzen?

    ==> da sein, trösten, Klappe halten ;-)


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Ich verstehe den Gegenwind für den TE hier durchaus, aus meiner Sicht wird hier jedoch die verständliche Not eines Vaters aus den Augen verloren. Hier erlebt ein Vater drastische Veränderungen im Verhalten seines Sohnes und versucht dieser Herr zu werden. Auch aus meiner Sicht sind seine Handlungen sehr kritisch zu hinterfragen.

    Von oben herab geäußerte Kritik und Verurteilungen halte ich edoch für falsch. Im Kern geht es hier um ein Erziehungsproblem und nur am Rande um den Fussball.

    Wie häufig hadere ich selbst mit meiner Erziehung oder mit meinem Umgang mit meinem Sohn. Wieso sollte ich also einem anderen Vater nicht genau das selbe zugestehen.

    Allerdings verstecken sich in der geballten Kritik der Antworten durchaus wertvolle Tips, ich hoffe dem TE gelingt es diese für sich herauszufiltern.

  • Im Kern geht es hier um ein Erziehungsproblem und nur am Rande um den Fussball.

    Das sehe ich auch so. Fußball ist hier nur der Rahmen, im Inneren geht es um etwas anderes.

    Nun ist es so, dass mein Sohn gemäß seiner Klassenlehrerin auffällig selbstbewusster geworden ist, dies aber nicht im Positiven. Seine Fußballkollegen und er denunzieren scheinbar gerne die Nichtvereinskinder und allgemein macht er wohl neuerdings auf "dicke Hose".

    Kann es sein, dass der Junge gar nicht so selbstbewusst ist, wie Klassenlehrerin meint? In dieser Altersphase suchen die Kinder häufig eine neue Orientierung, weil sie sich von dem Elternhaus abkapseln. Diese Orientierung geht mit einer gewissen Verunsicherung einher und diese Verunsicherung wird oft durch die "dicke Hose" versucht zu kaschieren. Auch das beschriebene Verhalten sich als Gruppe über andere stellen zu wollen, spricht für mich - aus der Ferne - eher für zu wenig Selbstvertrauen. Und bei zu wenig Selbstvertrauen erlebe ich häufig ein schnelles resignieren, gerade auch im Sport.

    Wenn dem so ist, wäre mein Vorschlag dem Jungen Selbstvertrauen zu vermitteln, gerade durch Lob, bei Dingen, die gut geklappt haben.

  • Hallo zusammen!

    Als erstes möchte ich mich bei jedem von euch für seine Meinung bzw. Kritik bedanken. Ich nehme davon nichts persönlich oder sehe es gar als provokant an. Meine Reaktion war im Nachhinein völlig überzogen und unangebracht.


    Mein Sohn hat den Schulwechsel noch nicht hinter sich und ist im Moment in der 4.Klasse. Wir beide haben ein äußerst vertrautes Verhältnis. Auch bin ich der, mit dem er seine Sorgen lieber bespricht als mit seiner Mutter. Ich habe ihn bezogen auf Fussball noch nie runter oder verantwortlich gemacht. Des Weiteren gebe ich ihn im Leben keine taktischen Anweisungen bzw. pfusche seinem jetzigen Trainer rein.


    Nun haben sich folgende Dinge herausgestellt:

    Ich habe von ihm fälschlicherweise die gleiche Disziplin gefordert, wie ich sie von mir in gewissen Dingen fordere.

    Selbst die Erinnerung vor dem Spiel den Ball mit der Innenseite zu spielen, hat ihn schon unter Druck gesetzt - da kam immer der Trainer durch.

    Die Vermutung, dass es an der Erziehung liegen könnte, kann ich bestätigen. Er hat uns gestern beim Abendessen gesagt, dass seine Mutter seit der Geburt seines kleinen Bruders viel strenger geworden sei. Das hängt jedoch auch mit seiner Verplantheit/Unzuverlässigkeit zusammen. Meine Frau muss ihm die Dinge manchmal dreimal sagen - Mappe wegstellen, anziehen - woraufhin er aber auch gerne mal widerspricht.


    Fazit:

    Ich fahre weiterhin mit zu den Spielen, jedoch lasse ich ihn komplett in Ruhe. Während des Spiels werde ich mich mit dem Kleinen beschäftigen oder mich abseits alleine aufhalten, weil ich sonst automatisch anfange über das Spiel zu philosophieren.

    Des Weiteren haben wir abgemacht, dass er mich jederzeit fragen kann, was ich denke, aber er mich ausbremsen darf und vor allem muss, wenn ich zu sehr zum Trainer mutiere.

    Meine Frau soll sachlicher mit ihm reden und zwar wie eine Mutter mit ihrem Kind. Sie neigt oftmals dazu zu kalt und zu schorf zu reden.


    Ich habe ihn übrigens gefragt, ob ich zu den Brennervätern gehöre. Das hat er lachend verneint, was mich beruhigt.


    Ich melde mich vielleicht mal in einiger Zeit in diesem Thread wieder, um ein Update zu posten.


    Besten Dank nochmal an alle und bleibt gesund.


    PS: Die PS4-Regelung bleibt, denn er meint, es sei ein positiver Ansporn für ihn sich etwas zu erarbeiten. Amen!

  • ch melde mich vielleicht mal in einiger Zeit in diesem Thread wieder, um ein Update zu Posten.

    ...das wäre interessant.

    zum anderen text: sehr reflektiert!! Hut ab. Wünsche Deinem Sohn und Dir das es klappt wie Ihr beide euch das wünscht!!!

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Meine Reaktion war im Nachhinein völlig überzogen und unangebracht.

    sicher sogar aber eventuell hilft dir auch wieder back to the roots und das Fußballspielen mit seinen Kinderaugen auch für dich neu entdecken.

    Ähnlich wie wenn das Neugeboren im ersten Sommer die Blumen und Insekten für sich entdeckt, das erste mal auf Schnee oder Eis steigt usw...


    Ich habe aktuell auch den Vatertrainer (Bambini) übernommen und lasse mir von meiner Tochter immer das Training erzählen wie sie es erlebt hat ohne meinen Senf dazu abzugeben.

    Was ich auch lustig finde , es ist sogar Thema im Kindergarten...

  • Hauch,...schön das jeder für sich noch erkennt, dass man manchmal Defizite aufweist. Ich bin nicht allein🙌😀👌✌️🙏😇

  • Die Vermutung, dass es an der Erziehung liegen könnte, kann ich bestätigen. Er hat uns gestern beim Abendessen gesagt, dass seine Mutter seit der Geburt seines kleinen Bruders viel strenger geworden sei. Das hängt jedoch auch mit seiner Verplantheit/Unzuverlässigkeit zusammen. Meine Frau muss ihm die Dinge manchmal dreimal sagen - Mappe wegstellen, anziehen - woraufhin er aber auch gerne mal widerspricht.

    Das Verpeilte ist absolut Altersgemäß! Bring mal das Gespräch am Feldrand mit den anderen Eltern auf das Thema... Überall das Gleiche! Bei uns finden die Jungs nicht mal mehr die Wäschekiste und diese steht exakt zwischen den beiden Kinderzimmertüren.


    Ganz dramatisch ist es, wenn man im Umfeld Mädcheneltern hat. Die gucken dann immer ganz irritiert.

    Beispiel? Mein Sohn war mit einer Freundin und deren Vater kurz einkaufen. Der Vater hat dann meinem Sohn die Tüte mit dem Toastbrot zum Tragen gegeben. Natürlich kam da mehr Paniermehl an als Toastscheiben... wie kann man ihm auch so was empfindliches geben? :D Würde mir nicht mal in den Sinn kommen.
    Ist zwischen uns Erwachsenen inzwischen in running gag.

  • Was könnte man denn dem Trainer des Sohns des TE raten, wenn das Kind "auf dicke Hose macht" und man letztendlich nicht sagen kann, ob es an Zuviel oder Zuwenig Selbstbewußtsein liegt?


    Ich finde das auch für den Trainer eine schwierige Situation, denn das eigene Verhalten beeinflusst zwangsläufig auch die außersportliche Erziehung des Kindes.