Vom Stürmer zum Innenverteidiger

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  • Hi Leute,


    Wieder einmal brauche ich Rat von den erfahrenen hier. Geht um folgendes:


    Bei uns in der Mannschaft habe ich einen "Brocken" (sprich: Körperlich stark / robust) der gut und gerne 2/3 der Zweikämpfe gewinnt aber (vielleicht) logischerweise nicht der schnellste ohne bzw. mit Ball ist. Er selbst sieht sich als der geborene Stürmer, hat in den Spielen aber kaum Ballkontakte im Sturm da er zu wenig arbeitet um an die Bälle zu kommen. Lange Bälle mit hohem Laufpensum ist ebenfalls nicht sein Ding, der Typ Strafraumstürmer würde es vielleicht am ehesten Treffen. Ich finde ihn offensiv eher nutzlos, also habe ich ihn letztes Spiel als IV auflaufen lassen wo er in meinen Augen ein riesen Spiel gemacht hat und hinten wie ne Bank gestanden hat. Begeistert war er von seiner Position nicht, aber er hat es mitgemacht.


    Auf der anderen Seite habe ich einen Spieler der gerne freiwillig in der Abwehr spielt, ziemlich groß und schlaksig ist. Sein Problem ist aber das er, im Gegensatz zum eben erwähnten Spieler, nicht so recht weiß wie er seinen Körper einsetzen kann. Auch hat er Angst vor dem Ball, was ich daran fest gemacht habe dass wenn der Gegner hohe länge Bälle spielt und sie vor ihm auftitschen, er eher zusammenzuckt und die arme vor dem Oberkörper verschränkt. Ich hoffe man kann sich das bildlich ganz gut vorstellen. Er ist hinten eher ein Risikofaktor deswegen, weshalb ich ihn gerne auf die Außen oder sogar in den Sturm beordern würde - da er auch sehr schnell ist. Letztes Spiel hat er das auch ganz gut gemacht und begeistert war er auch - denn wer will ja nicht gerne im Sturm spielen? :)


    Nun habe ich vor Spieler A mit Spieler B positionstechnisch zu tauschen, da er:
    a) Mehr vom Spiel hat, sprich mehr Ballkontakte
    b) Mannschaftsdienlicher sein würde als wenn er vorne nur rumtrabt und kaum am Spiel teilnimmt
    c) Die Defensive enorm bereichern würde


    Wie würdet ihr sowas angehen? Ich bin nicht unbedingt der Freund davon Leute zu zwingen, denn dann spielen sie zwar so wie ich es will, aber sie könnten die Lust am Fußball verlieren. Viel mehr frage ich mich wie ich es ihm richtig vermitteln könnte? Wie ich ihn dazu motivieren und begeistern kann, so dass er es von sich aus will!


    Meine Vorgehensweise war das ich ihm mitgeteilt habe dass er zum besseren Stürmer werden würde wenn er lernt wie ein IV zu denken. Wie es sich anfühlt wenn der Stürmer den IV ständig (ohne Ball) beschäftigt, was dass für Auswirkungen hat und wie er sich dadurch als Stürmer verbessern würde. Als er das letzte Spiel hinten gespielt hat, konnte ich teilweise sehen wie ich ihm sein Herz damit gebrochen habe (übertrieben ausgedrückt), er war recht niedergeschlagen - und ich habe ihn dazu nicht gezwungen!


    Natürlich ist das auch so ein Klischee: Die großen, kräftigen Jungs hinten - die kleinen schnellen vorne. Bei ihm ist das aber tatsächlich so, fast jeder seiner Mitspieler meinte auch nach dem Spiel zu ihm dass er das beste Spiel bis dato absolviert hatte.


    Vielen Dank für eure Zeit.


    Grüße, Marco

  • Marco


    wichtig ist, dass du die Ambitionen und zukünftigen Ziele der Jungs kennt.


    hat jemand etwas konkrete Ziel, wie z.B. in die 1. Mannschaft zu kommen, dann musst du ihm deine Analyse deutlich
    rüberbringen, aufzeigen, dass es nach deinen Vorstellunge durchaus machbar ist im Gegensatz zu der jetztigen Position.


    also Anregung zur eigenmotivation


    Hat er jedoch keine besonderen Ziele, sondern will praktisch derzeit einfach nur kicken, wird es schwer ihn eine andere Position schmackhaft zu machen.


    Kannst natürlich auch die harte Tour (entweder oder) gehen, würde ich jedoch in der B nicht empfehlen.

  • Hatte ich in deinem Profil schon gelesen, wußte nur nicht, ob das noch aktuell ist und ob es dann auch wirklich um die B-Jugend geht.
    Ich bin an sich der Meinung, dass Fußball ein Mannschaftssport ist und somit die Spieler entsprechend ihrer Fähigkeiten aufgstellt werden sollten, natürlich unter der Berücksichtigung auf welcher Position sie auch für die Mannschaft am wertvollsten sind. Somit ist es für den Stürmer zwar schwierig sich eventuell mit der Abwehr anzufreunden, aber im Prinzip sind hier alle Spieler gleichberechtigt und auch er hat da zu spielen, wo man ihn aufstellt. Es würden bestimmt auch andere Spieler lieber an einer anderen Stelle spielen, können dies aber nicht.
    Es liegt jedoch nun an dir ihm den Weg nach hinten schmackhaft zu machen und plausibel zu erklären. Und auch hier bin ich der Meinung, dass man mit der Wahrheit am weitesten kommt. Du hast dich da anscheinend schon ein wenig in die Zwickmühle begeben, als du angedeutet hast, dass die Versetzung damit begründet ist, dass er ein besserer Stürmer wird, wenn er lernt, wie ein IV zu denken. Warum stellst du ihm das ganze nicht so dar, wie du es uns dargestellt hast? Du hast doch leuter plausible Gründe angeführt und zusätzlich könntest du ihn nochmals darauf hinweisen, dass auch seine Mitspieler ihn gelobt haben, wie er auf seiner neuen Position gespielt hat. Erinnert mich gerade so an den Film "Das Wunder von Bern", als der kleine Hauptdarstzeller immer an allen vorbeidribbeln wollte, bis ihm sein Papa gesagt hat, dass er vom Naturell ein Verteidiger ist. Und plötzlich hatte der Junge Erfolge. Auf lange Sicht möchte jeder Spieler einfach "gut" spielen und so wird die neue Position vielleicht auch deinem B-Jugendlichen nach gewisser Eigewöhnung Spaß machen, da er hier Erfolge verzeichnen kann und auch gelobt wird, sowohl vom Trainer, als auch vom Mitspieler.

  • Marco84


    Im Leistungsbereich beginnt man ab der B-Jugend mit der Positionsausbildung. Inwieweit man das auf den Breitensportbereich übertragen möchte, ist sicherlich in Abstimmung mit der Mannschaft, bzw. den einzelnen Spielern zu besprechen.


    Wie in einem anderen Thread bereits beschrieben, läßt sich Schnelligkeit nicht allein anhand der Maximalgeschwindigkeit beschreiben. Wenn also ein Spieler häufig schon an der richtigen Stelle vor dem gegnerischen Tor steht, weil dahin meist die Flanke gespielt wird oder als erster auf einen Abpraller reagiert, dann ist das auch eine Form der Schnelligkeit. Die Füsse machen ja immer nur das, was ihnen der Kopf sagt. Da ist ein "heller Kopf" nicht selten im Vorteil.


    So ist es auf vielen Positionen. Hinzu kommt, dass ein Jugendlicher bis zu seinem 18 Lebensjahr wächst, sodas momentane Aspekte schon nach dem nächsten Wachstumsschub nach ein paar Monaten wieder ganz anders bewertet werden müssen.


    Ich vermute, dass du andere Antworten als - es kommt darauf an - erwartet hast. Aber vielliecht konnte ich dir ja Denkanstöße geben, dass eine endgültige Entscheidung jetzt noch nicht von allzugroßer Bedeutung ist. Erst recht nicht, wenn es sich um den Breitensportbereich dreht, wo nicht das Leistungsoptimum, sondern der Spaß am Fussball eine Berücksichtigung finden sollte.

  • Nela:


    So ähnlich habe ich mir das auch gedacht. Ich wollte ihm allerdings nicht vor den Kopf stoßen oder in ihm den Gedanken aufkommen lassen das er ein "schlechter Spieler" ist, darum habe ich versucht dass ganze über Umwege zu erläutern. Bei uns in der Mannschaft geht nämlich immer das Gerücht um das die schlechten hinten und die guten vorne spielen, was absoluter quatsch ist. "Mein Bester" Spieler ist ein RV, gefolgt von den ZM Spielern.


    TW-Trainer:



    Ich habe selber jahrelang im Sturm und in der IV gespielt, bin zwar kein Profi oder sowas aber habe da gewisse Erfahrungen auf den Positionen vorzuweisen. Er fällt im Spiel einfach nie auf, würde er wenigstens den von dir beschriebenen Torinstinkt inne haben - kein Thema, könnte ich mich eventuell mit anfreunden. Seine stärken liegen aber meiner Meinung nach in der IV, sprich Zweikämpfe, ablaufen, Körperbetontes Spiel etc. Und klar sollte Spaß im Vordergrund stehen da die Mannschaft aber am liebsten mit 10 Stürmern spielen würde (weil ja jeder im Sturm spielen will - ist ja die beste Position und überhaupt spielen da nur die Besten ;) ) muss ich da einfach aussortieren - und ich denke da kann ich dann schon nach Leistung gehen. Schliesslich geht es ja nicht nur darum das der einzelne Spaß hat, sondern das die ganze Mannschaft Spaß hat und meine Jungs haben ganz klare Ziele und beschweren sich sogar manchmal bei mir wieso wir so wenig laufen weil wir ja aufsteigen wollen. Ganz ambitionierte Truppe :)


    Das Jugendliche wachsen und dann die "Fähigkeiten" neu dadurch verteilt werden war mir allerdings nicht bewusst - werde ich in Zukunft aber mal drauf achten. Habe ich so nie betrachtet, macht aber Sinn.

  • Das hilft dir in der aktuellen Situation nicht weiter, aber mich wundert etwas, dass alle Stürmer spielen wollen. Denn das ist ja durchaus ein Klischee, dass das so wäre, aber ich kenne das aus eigener Erfahrung nicht so. Wir haben Spieler, die unbedingt vorne spielen wollen, aber auch welche, die sich hinten wohler fühlen. Ein Spieler, den wir mal als IV ausprobieren wollten in der Vorbereitung, war völlig begeistert und identifiziert sich total mit der Rolle. Hat möglicherweise etwas damit zu tun, welche Wertschätzung den unterschiedlichen Aufgaben im Spiel im Umfeld der Mannschaft und in der Mannschaft selbst in der Vergangenheit gegeben wurde.

  • Denn das ist ja durchaus ein Klischee, dass das so wäre, aber ich kenne das aus eigener Erfahrung nicht so. Wir haben Spieler, die unbedingt vorne spielen wollen, aber auch welche, die sich hinten wohler fühlen.


    Kenn und sehe ich ebenso.


    habe auch die Erfahrung gemacht, dass die guten Spieler einer Mannschaft auf jeder Position, ganz unabhängig davon, wo sie am liebsten spielen würden, immer versuchen ihre beste Leistung zu bringen.


    Ich habe noch keinen Leistungträger meiner Mannschaften erlebt, die sich beschwerten, wenn sie auf bestimmten Positionen
    spielen sollten. Bei schwächeren Spielern dagegen doch häufiger.

  • Ich bin an sich der Meinung, dass Fußball ein Mannschaftssport ist und somit die Spieler entsprechend ihrer Fähigkeiten aufgstellt werden sollten, natürlich unter der Berücksichtigung auf welcher Position sie auch für die Mannschaft am wertvollsten sind.

    Sehe es auch so, nur manchmal begreifen das die sogenannten Trainer nicht. Meine Meinung ist, ein Spieler der auf eine Position spielen soll/muss die ihm nicht liegt, spielt automatisch schwächer, als jemand der auf einer Position spielt, die ihm besser liegt.

  • Bei uns in der Mannschaft herrscht einfach der Irrglaube das die Stürmer die Top-Stars im Team sind und der Rest mitläufer sind. Etwas überspitzt formuliert, aber so denkt der Grossteil bei uns.
    Deswegen möchte bei uns niemand in der Abwehr spielen und alle mindestens im Mittelfeld, derjenige der sich in der Abwehr freiwillig anbietet ist ein Risikofaktor da er Angst vor Ball und Gegner hat.


    Nun hat mich gestern nach unserem Pokalspiel ein weiterer guter Spieler um ein persönliches Gespräch gebeten, mit den Worten:


    "Ich überlege mit Fussball aufzuhören,. weil ich keine Lust habe ständig in der Abwehr zu spielen. Vielleicht werde ich den Verein wechseln, da ein Freund mich schon öfter gefragt hatte ob ich nicht
    höher klassig spielen will."


    Wie ich darauf reagieren soll weiß ich noch nicht, denn:


    - wenn er damit durch kommt, kommen die anderen Zukünftig auch mit sowas an
    - wenn er aufhört wäre das auch ein Verlust für die Mannschaft
    - Er im Falle eines Wechsels sowieso eine Sperre erhalten würde


    Zumal das Paradoxe daran ist, dass er sich freiwillig als LV bei schweren Spielen angeboten hatte, und dass gestern war ein schweres Spiel da der Gegner eine klasse höher spielt.


    Wie geht ihr mit sowas um?

  • "Ich überlege mit Fussball aufzuhören,. weil ich keine Lust habe ständig in der Abwehr zu spielen. Vielleicht werde ich den Verein wechseln, da ein Freund mich schon öfter gefragt hatte ob ich nicht
    höher klassig spielen will."


    in diesem Falle dürfte die Positionsfrage vorgeschoben sein.


    Der Junge trägt einen Konflikt mit sich rum. Verein wechseln? Aufhören? Bleiben?


    In diesem Alter durchaus nicht unüblich.


    Diesbezüglich solltest du Gespräche mit ihm führen. Kann durchaus schon in 14 Tagen wieder anders aussehen.


    Würde ihm deswegen einen Wechsel zum Saisonende empfehlen, ihm eine Pause empfehlen.
    Nicht gegen ihn sprechen, eher bestätigen, und sogar Unterstützung anbieten.


    Kann dann ganz schnell zu einem Umdenken bei ihm kommen.



    Beispiel: gleiche Altersstufe, Spieler teilt mit, dass er keinen Bock mehr auf Fussball hat, Training eh zuviel für ihn sei und
    er aufhören wollte. Ich zeigte Verständnis für seine Entscheidung, brachte ihm rüber, dass ich das in Ordnung finde, er aber
    jederzeit wieder kommen könnte. 14 Tage später stand er auf der Matte, wolle wieder anfangen, auch mehr trainieren, ob ich ihm ein zusätzliches Trainingsprogramm zusammenstellen könnte.


    Andererseits, was spricht dagegen, ihn hin und wieder im Sturm aufzustellen? aus meiner sicht doch recht wenig.

  • Ursache, unter anderem, ist dieser Kommentar:

    Sehe es auch so, nur manchmal begreifen das die sogenannten Trainer nicht. Meine Meinung ist, ein Spieler der auf eine Position spielen soll/muss die ihm nicht liegt, spielt automatisch schwächer, als jemand der auf einer Position spielt, die ihm besser liegt.


    Da wird vielen Kindern schon in der G-Jugend eingeredet auf was für einer Position sie am Stärksten sind. Entweder kommt es von den Eltern oder Trainern, die feste Positionen vergeben. Von den Kindern vielleicht auch manchmal, weil ihr Vorbild z.B. Schweini ist und sie gerne so sein würden wie er.


    Ich würde dieses Thema vor dem nächsten Training mal klar ansprechen. An der Taktiktafel würde ich die mögliche nächste Aufstellung fürs Spiel mitteilen.
    Angefangen im Sturm. Alle Spieler die unbedingt Sturm spielen möchten, würde ich als Stürmer aufschreiben. Dann die Mittelfeldspieler und dann zum interessanten Punkt, der Abwehr. Schreib die Namen hin, die gerne in der Abwehr spielen.
    Wenn du "Glück" hast bleiben da nicht viele. Dann würde ich mal gaaaaaanz plump in die Runde fragen, was an dem Bild nicht stimmt. :D
    Und sie dann fragen, was sie als Trainer machen würden? Mannschaft abmelden, weil keiner hinten spielen will? In der Winterpause 5 neue Abwehrspieler verpflichten? (für Ablöse kannst ja die Mannschaftskasse plündern)


    Klar haben Spieler in dem Alter schon die Möglichkeit ihre Stärken und Schwächen einzuschätzen. Klar sollen sie auch gerne da spielen, wo sie sich wohl fühlen.
    Aber erstens steht das Wohl der Mannschaft ganz oben und zweitens - und das würde ich auch deutlich sagen - macht es als Trainer keinen Spaß wenn du vor jedem Spiel überlegst wer gerne wo spielen würde. Du aber "Angst" haben musst, dass danach wieder jemand kommt und meint er will den Verein verlassen.


    Wichtig: Dann würde ich mir die Spieler rauspicken die du für gute Abwehrspieler hälst und vor allen erklären warum du das tust. So von wegen: "Mensch, Tommy. Du warst im letzten Spiel so super. Hast uns echt paarmal den Arsch gerettet. Wir brauchen dich da. Und wenns mal passt, bringe ich dich auch mal im Sturm."


    Is nur mal so eine Idee. :)


    Gruß,
    sb

  • soccerbook


    Gesamtmannschtlich gesehen macht dein Vorschlag für mich Sinn.


    Marco hat die Mannschaft übernommen. B-Alter testet einen neuen Trainer durchaus auch, wie weit man bei ihm gehen kann.
    hier ist auch schon ein Dominoeffekt zu sehen. zuerst wehrtl sich ein Stürmer, der in die Abwehr soll, dann will ein Abwehrspieler
    plötzlich in den Sturm. der nächste steht sicherlich schon in den Startlöcher.


    es wird Zeit, dass Marco eine klar Richtung vorgibt und dazu finde ich deinen Vorschlag passend.

  • Marco
    Das ist für jede einzelne Mannschaft, ihre spezielle "Geschichte" und Zusammensetzung unterschiedlich und sehr sehr schwer eine Patentlösung zu geben.

    Ich vermute aber, dass Die Spieler damit auch Dich als Trainerneuling testen wollen. Sie spüren vielleicht, dass Du bei allem Engagement und den vielen Dingen, die Du richtig zu machen scheinst, noch keine klare Linie bezüglich dieses Themas hast bzw. haben kannst.


    Ich würde in Deinem Fall das Thema mit der Mannschaft oder zumindest dem Mannschaftsrat ansprechen und Lösungsvorschläge gemeinsam erarbeiten.
    Mach das Problem nicht zu Deinem Problem, weil Du dann Lösungen verkünden musst, die einigen nicht passen. Mach es zu einem gemeinsamen Problem aller Beteiligten. Das ist es nämlich, wenn wirklich kein Spieler hinten spielen will.

    Für Dich ist eine konsequente Wertschätzung von Abwehrspielern und -arbeit wichtig - auch nach außen und gegenüber der Mannschaft in fast jeder Ansprache. Als Innenverteidiger habe ich immer gerne einen der besten Spieler, weil ich da Spielverständnis brauche und die Fähigkeit, unter Druck technisch sauber (im Rahmen der jeweiligen Klasse) zu spielen. Die Abwehrspieler stehen unter dem Druck (wie auch Torhüter), dass ihr Fehler jedem Dödel offensichtlich ist, aber keiner gemerkt hat, wo die Fehlerkette eigentlich begann, die schließlich zum Gegentor führte. Merk ich ja auch nicht immer. Die Außenverteidiger sehen auch schnell schlecht aus, wenn sie gegen den wieselflinken Außenstürmer bestehen müssen und kein mannschaftliches Abwehrverhalten im Verbund existiert.

    Unterbinde nach Möglichkeit die üblichen Phrasen von Mitspielern "der geht auf Deine Kappe", die sind nämlich alle Murks. Da werde ich manchmal sogar richtig giftig und sage Jugendlichen schon mal, dass sie für so eine Analyse keinen Trainer brauchen. Stell Dir mal vor, ich würde mit Fortgang drohen und meine Spieler müssten hier im Forum posten: Was machen wir denn, wenn der Trainer tatsächlich aufhören will, weil wir alles Egoisten sind?


    P.S.: Hat sich mit @soccerbooks Post überschnitten - wäre so eine gemeinschaftliche Lösung, gefällt mir gut



  • Bei uns in der Mannschaft herrscht einfach der Irrglaube das die Stürmer die Top-Stars im Team sind und der Rest mitläufer sind. Etwas überspitzt formuliert, aber so denkt der Grossteil bei uns. Deswegen möchte bei uns niemand in der Abwehr spielen und alle mindestens im Mittelfeld, derjenige der sich in der Abwehr freiwillig anbietet ist ein Risikofaktor da er Angst vor Ball und Gegner hat.


    Tja, wenn du das als Grundübel festgestellt hast, dann ist doch deine Aufgabe als Trainer klar: beseitige bei ihnen diese Gedanken. B-Jugend, oder, also keine kleinen Kinder mehr, tja, dann überlege dir mal, wie du sie davon überzeugen kannst, dass sie ihre Eigeninteressen hinter die der Mannschaft stellen.


    Ich würde wohl das Grundübel tatsächlich mal offen ansprechen, sie direkt damit konfrontieren, dass es dir so scheint, als wären sie der Meinung, die Stürmer wären die Stars usw.. Wie du dann weiter machst, hängt dann davon ab, was für ein Typ du bist und wie die Spieler so drauf sind. Da gibt es sicher ganz viele Möglichkeiten. Du könntest sprichwörtlich auf den Tisch hauen und den Autoritären raus hängen lassen, schließlich ist eine Fußballmannschaft keine Demokratie und jeder hat dort zu spielen, wo du ihn aufstellst, basta. Stars gibt es keine, die Mannschaft ist der Star, Punkt, aus, Micky-Maus. Dann könntest du zumindest eine Zeit lang verstärkt rotieren, wenn du das Gefühl hast, dass sich einige ins Fäustchen lachen, weil sie eben vorne spielen dürfen und sich ein paar andere darüber ärgern oder darüber traurig sind, dass sie hinten spielen müssen.


    Mir ist noch ein anderes Vorgehen eingefallen, das ich selbst vielleicht eher wählen würde, ich bin aber halt auch eher der kommunikative Typ, der versucht, auch wirklich alle mit Argumenten zu überzeugen und ins Boot zu holen. Das dauert oft länger, ich finde aber, dass die Stimmung dadurch besser ist und die Wirkung auch nachhaltiger ist. Übrigens kann es durchaus sein, dass man sich am Ende dennoch durchsetzen muss, weil nicht alle Spieler die eigenen Argumente nachvollziehen können oder wollen. Zu einer Demokratie wird die Mannschaft also weiterhin nicht.


    Nun, ich könnte mir also vorstellen, dass ich die Spieler alle frage, wo sie denn am liebsten spielen würden, vielleicht an der Taktiktafel, und dann schreibe ich dann ihre Namen in den jeweiligen Bereich. Oder ich setze da Kringel, Dreiecke, Strichmännchen oder Magnete hin, ganz egal. Wenn es so ist, wie du meinst, dann dürfte sich ein recht sturmlastiges Gebilde ergeben. Ich würde dann wohl anteilig Magnete entfernen, bis zehn Feldspieler plus Torwart übrig bleiben -- angenommen, am Anfang war da bei einem Kader von zwanzig Mann ein 1-1-8-10, dann ergäbe das ein 1-1-4-5 (also TW, einen Verteidiger, vier MF und fünf ST). Dann würde ich sie fragen, ob sie in dieser Aufstellung spielen wollen. Werden sie nicht, und so kommt dann die Diskussion ins Rollen.


    Ich weiß nicht, wie wichtig es für Euch ist, eine möglichst optimale Mannschaftsaufstellung zu haben, und ob es nicht möglich wäre, mehr zu rotieren. Denn folgende Äußerung deines Spielers:

    "Ich überlege mit Fussball aufzuhören,. weil ich keine Lust habe ständig in der Abwehr zu spielen. [...]"


    würde mir schon zu denken geben. Ich finde, dass die Mannschaft ein Team sein muss, das klappt nur, wenn sich alle ausreichend gewürdigt und berechtigt fühlen. Wenn es so empfunden wird, dass Abwehrarbeit eine Strafe ist, dann würde ich sie, wenn es nicht anders geht, einfach reihum gehen lassen, und das auch so kommunizieren. Ich bin aber halt vom Typ her auch ein großer Integrator, es gibt nicht viel, das ich weniger leiden kann, als wenn Spieler ausgeschlossen werden oder sich ausgeschlossen fühlen. Wenn sie es selbst tun, ist das etwas anderes.

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Günter:


    So ähnlich werde ich es wohl auch angehen. Ihn bestätigen, ihm mitteilen dass er immer willkommen ist und das es mir Leid tun würde wenn er sich gegen uns entscheidet, ich aber seine Entscheidung akzeptieren würde.
    Hin und wieder im Mittelfeld spielen zu lassen, da spricht nix gegen. Nur, erpressen lasse ich mich nicht und wie schon bereits erwähnt: Er wirds vormachen, andere werden nachziehen. Sowas spricht sich früher oder später
    rum. Darauf habe ich echt keine Lust.


    soccerbook:


    Gute Idee mit der Tafel, jedoch wäre unsere Abwehr dann schwach besetzt. Hin zu käme, dass wir wohl beim nächsten Spiel dadurch verlieren würden, alle wieder rumjammern und die Stimmung schlecht wäre.
    Denn ich sehe das genau so wie Du: Das Wohl der Mannschaft geht vor! Das ich mit meiner Aufstellung und meinen Positionsgedanken bezüglich einiger Spieler Recht behalten habe, sollte unser gestriges Spiel
    klar untermauern. 0-0 im Pokalspiel gegen Tabellenführer einer klasse höher als wir, im Elfmeterschießen dann verloren. Und: Wir waren überlegen im Spiel!


    Baue ich da wieder um, kriegen wir hinten 1-2 Tore pro Spiel, dass würde ich Prophezeihen. Der Junge, der gerne in die Abwehr geht ist ein hervorragender Mittelfeldspieler mit dem richtigen Auge die Stürmer steil
    zu schicken und ist zudem in der Lage die Flanken nicht nur hoch sondern auch flach und genau in den 16er zu bringen. Ganz im Gegensatz zu meinem hier erwähnten "Problemkind", der zu ballverliebt ist und immer
    alles "erzaubern" möchte. Einfach reinschieben oder querpassen ist nicht sein Ding, lieber rumfummeln und den Ball ins hinterste Eck zirkeln. Als LV lässt er sich allerdings nix vormachen, kommt kaum wer vorbei.


    Liebe Grüße,
    Marco


  • a) Mehr vom Spiel hat, sprich mehr Ballkontakte
    b) Mannschaftsdienlicher sein würde als wenn er vorne nur rumtrabt und kaum am Spiel teilnimmt
    c) Die Defensive enorm bereichern würde

    Und damit hast du schon 3 Punkte die du ihm schildern kannst. Dazu wie guenter schrieb ist es wichtig zu wissen wie er seinen weiteren Weg sieht.
    Diese Problemstellungen hatte wohl jeder Trainer schon mal. Ich erkläre es meinen Spielern gerne so das die Leistungsdichte in der Jugend bis zu den Aktiven immer dichter wird. Wenn der Spieler sich auf eine Position(als Beispiel linkes Mittelfeld) versteift dann versuch ich ihm klar zu machen das es genau auf dieser einen Position gut sein kann das er nur auf der Bank sitzt weil eben genau auf dieser Position ein Spieler ist der einen Ticken stärker ist als er. Wenn er sich aber auf den Linken Außenverteidiger einlässt dann ist er auf dem gleichen Flügel und kann offensiv genauso Akzente setzen.
    Umso mehr Positionen du als Spieler spielen kannst, und auch spielen willst, umso variabler bist du für einen Trainer einsetzbar und umso wertvoller für die Mannschaft. Das haben die meisten Spieler auch genau so verstanden und umgesetzt.
    Wenn sich ein Spieler mit Händen und Füßen dagegen wehrt in der Abwehr zu spielen dann bist du halt irgendwann machtlos, oder du sitzt ihn auf die Bank bei nem Spiel und erklärst es ihm wie ich es weiter oben geschrieben habe. Entweder er versteht es und nimmt es an, oder er wird wechseln. Dann geht es ihm im neuen Verein aber vielleicht nochmal genauso. Ende vom Lied ist das er irgendwann ganz aufhören wird.

    Wer aufhört besser werden zu wollen hat aufgehört gut zu sein.

  • Nun, ich könnte mir also vorstellen, dass ich die Spieler alle frage, wo sie denn am liebsten spielen würden, vielleicht an der Taktiktafel, und dann schreibe ich dann ihre Namen in den jeweiligen Bereich.


    Absolut wirksame Methode.


    Im Aktivenbereich mit einem Sportstudenten (Teil einer Diplomarbeit) durchgezogen, jedoch wesentlich differenzierter:
    Aufstellung nach Leistung, nach den liebsten Mitspielern, wo sie selbst am liebsten Spieln würden, wo sie sich
    am stärksten sehen, mit wem sie ungern in der Mannschaft spielen, wie sie als Trainer aufstellen würden.


    Absprachegemäss bekam ich nicht alle Detailergebnisse mitgeteilt. aber ich hätte zwischen 77 möglichen Aufstellungen auswählen können.


    danach gab es wesentlich weniger Diskussionen wegen der Mannschaftsaufsellung


    Es geht natürlich einfacher, einfach jeden Spieler eine Aufstellung machen lassen, diese alle an die Tafel, und dann fragen
    für welche Aufstellung die Spieler sich nun entscheiden.


    Das Thema Aufstellung dürft sich erledigt haben.