"DFB-Beamte" und das Sichtungswesen

  • Über das "Sichten" und "Gesichtet werden" kann man hier im Forum ja schon so einiges nachlesen. Der Experte rätselt und der Laie wundert sich oft :D


    Das Sichtungswesen läuft nach einem bestimmten Schema ab, bei dem es nur wenige Termine gibt, an denen ganz offiziell gesichtet wird. In Niedersachen sind das für D-Jugendliche der Spasskassen-Cup für Jungen und der VGHaar-Girls-Cup für Mädchen.


    Hier greift es nun, das "Beamtenwesen". Warum ist die beste Spielerinnen der Region nicht im Stützpunkt, aber die 2.-4. Besten schon? Weil die Nr.1 bisher aus familiären Gründen nicht zu einer dieser Veranstaltungen konnte. Wer nicht kann, kommt auch nicht in den Stützpunkt, so ist das Gesetz.


    Das Mädchen nimmt es übrigens sehr gelassen, weil sie auch noch eine Granate im Schwimmen, Laufen, Tischtennis und Golf ist. Beschäftigungsmangel droht ihr nicht ^^


  • @GC


    zumindest so wie es bei uns abläuft muss ich dir für die hiesigen Stützpunkte wiedersprechen.


    so standen schon vor dem eigendlichen Sichtungstermin so 3,4 Spieler fest, unabhängig vom Sichtungstag


    für mich waren das auch die echten Talente. diese waren dann auch die, die zum Verbandstützpunkt gingen


    bei der Sichtung druchgefallen, 12 Monate später nachnomminiert.


    warum war das so? Junge hat sich in diesem Jahr verbessert, und ist bei den Vereinsspielen aufgefallen.


    die Stützpunkttrainer hier schauen sich E-Jugendspiele an, erkundigen sich, wo Spieler besonders aufgefallen sind.
    sprachen sogar die Jung auf dem Stützpunkt darauf an, ob sie noch besonders gute Spieler kennen.


    das Stützpunktsichtungstraining war also nicht einziges Kriterum.


    so wars zumindest eine zeitlang, obs im Moment noch so ist, kann ich nicht sagen.

  • Hier ist es klar so, dass die Teilbereichstrainerin selbst fast in die Tischkante gebissen hätte ..... sie konnte dem Mädchen aber erst wieder einen Hallensichtungstermin im Winter anbieten.

  • Also wir hatten vor einiger Zeit die Stützpunkttrainer bei meinem kommenden Verein eingeladen, diese sagten zu dieser Problematik das man wohl jederzeit mal zu einem Stützpunkttraining kommen kann wenn man zu diesen Terminen nicht kann.

  • Danke GC, du bestätigst erneut meine - aus jahrelanger Erfahrung erwachsenen - "Vorurteile": Das Maß bei diesem Sichten sind es vorgegebende Passive jenseits des Platzes, die erwachsenen Sichter, ihr Ego (im Schulterklopfer-Ringelreihezirkus, sorry für meine zynische Vernunft), nicht die Aktiven, die jugendlichen Gesichteten, etwa ihr Teamspirit (vs bloße Robustheit/Physis/Technik). Dies ist zwar ne grundverkehrte Welt des Regelns von Oben und Unten, aber schließlich sind das im DFB-Lizenzsystem alles 'verbeamtete' Experten, welch Unwissender von außen wollte, dürfte da etwas anzweifeln?


    Nach der Auswahl u. sog. Superfördertrainings geht aber das Selektieren ja weiter, in nächsten Jahren fallen viele der sog. besten Talente trotz bester Betreuung heraus, was natürlich stets nur an ihnen (Physis/Lernwille/Kontingenz) u. praktisch nie den verantwortlichen Trainern liegt, andere ohne die vormalige Aufwertung u. Verstärkung rücken nach: da sie sich besser entwickelten o. schon stets die besseren Talente waren. Deine Spielerin wird also sicher demnächst rein rutschen, wenn sie so viel kann u. dies will, entscheidender aber sollten nicht nur Zufall u. Präsenz, sondern die Frage: hat sie evtl. nur schon einige Jahre früher als andere mit dem F-Training begonnen, ist sie Januargeborene o. größer, schneller bzw. weiter im Kopf u. wirkt so leistungsfähiger, ist sie daher technisch besser, erfahrener, auffälliger, oder hat sie innerlich mehr Ressourcen? Klar, letzteres ist als ihr wahres Talent per se nicht "sichtbar", woraus logisch zu folgen hätte: Sichter können gar nicht zugespitzt einzelne auswählen, müsste in Förder-Aussieben viel breiter bzw. an Kids selbst, ihrer intrinsischer (aber auch wieder oft sozial situativ verschütteter) Eigenmotivation, ihrer Intelligenz, ihrer Offenheit für so etwas wie Teamgeist/Play, also ebenso Sensibilität statt nur Durchsetzungsstärke ansetzen. Dies bedeutet viel mehr Leistung, forderte zuerst VON IHNEN viel mehr Einsatzwille - und den bringen "Beamte" eben ungern auf: daher wurden Telekom, Post, Energie ja privatisiert, so dass jeder sich freiem Wettbewerb stellen muss, von der Spitze weg, die es zumindest im Prinzip sodann nicht mehr als statisch fixierte gibt: auch der oberste Boss, Vorstand kann morgen weg sein, wenn Geschäft wie Geist nicht funktionieren, Missstände auftreten, Leistung unten abfällt etc. würde es nicht auch im Fußball Zeit, mehr Konkurrenz: im Team-Geiste zuzulassen, statt mit Papieren - von C- bis A-Lizenz u. F-Lehrer - Verhältnisse zu zementieren, die jeden abschrecken, der solch Tretmühle unmenschlich findet?


    PS: Ich wollte seinerzeit direkt die A-Lizenz erwerben, fragte nach Lern-Unterlagen (ähnlich wie Fernuni), hatte keine Bedenken, in der Praxis zu versagen - so etwas darf es im DFB aber nicht geben: dass wer einfach Leistung erbringen kann, ohne die von ihm umständlich verliehenen "Scheine", für die man dröge, devot Unterricht absitzen o. Übungen ableisten muss, wo mir - wie ich gestehen muss - vieles arg gegen den Strich ginge, meinen Widerspruch hervorriefe: da es m.E. eben auch Grundfalsches einbleut. Es geht Trainern also ganz ähnlich wie in deinem Beispiel SpielerInnen: nicht die objektive Leistung entscheidet, sondern ein Dazugehören, ein Mitmachen im Strom aller, eine Befolgen dessen, was andere im Handlungsrahmen als (ihr)Maß vorgeben, anerkennen... Das Schöne am Fußball aufm Platz aber war doch: wer das Tor macht, und zwar immer wieder, sportlich, hat stets Recht, auch wenn alle anderen nie verstehen, wie er dies macht u. schafft: pures Sein statt zuviel Schein. Leute wie ich werden sich somit niemals in diesem System ein- bzw. zurechtfinden u. ne Sehnsucht nach alternativem, authentisch weltoffenerem Maß in sich spüren... ;)

  • Beim Sparkassencup gibt es auf dem Meldebogen den Bereich "abwesende talentierte Spieler".
    Wie das beim VGH-Girlscup ist, weiß ich nicht. Da habe ich bislang immer nur meine E-Mädchen, die in Jungenmannschaften spielen, ausgeliehen.
    Eine Info an die Auswahltrainer "Wir haben hier ein talentiertes Mädchen" wurde bislang immer dankend aufgenommen und die konnten sofort beim Training vorbeikommen.
    Gerade bei den Mädchen meine ich, dass da keine durch´s Raster fällt. Bei den Jungs sehe ich das anders.

  • @KK


    GC bekam 3 Rückmeldungen dass es andernorts anders, nämlich deutlich besser, gehändelt wird.


    du hast offensichtlich auch ähnliche Erfahrung wie GC gemacht. Es ist halt überall anders, vielerorts besser als du es immer darstellst.


    der Fussball hat halt viele Facetten. wer damit nicht leben kann, wird immer unzufrieden bleiben.


    @GC und dir bleibt wohl doch nur noch Wohnortwechsel um auch positivere Seiten des Fussballes kennenzulernen :D


    das ist doch fast wie bei der F-Jugend.


    da gibt es rund 800.000 F-Jugendspiele im Jahr. über was wird berichtet? wenn in Hintertupfingen eine Vorfall ist, geht es in ganz Deutschland durch die Presse. Über wieviel Vorfälle wird berichtet? 10, 20 oder 50?


    aber der ganze Spielbetrieb in dieser Altersstufe kommt an den Pranger.


    jetzt nicht kommen, ich sehe die Probleme die es gibt nicht, ich sehe die sehr wohl. Ich sehe sie aber im Gesamten nicht so, wie es diese Zeitungsberichte vermitteln wollen.


    @GC du siehst aber nur noch die Probleme, bist über überhaupt nicht mehr offen, das Positive zu sehen. Warum eigendlich?
    dabei sind doch 799.950 Spiele etwas mehr wie 50.

  • guenter : bei uns war es seinerzeit so, dass unser "Talent" im höheren Jahrgang spielte, die Trainer sich nicht grün waren, er so nicht zum Sparkassencup kam, da sicher auch kein Vermerk der Trainer des Jg-Teams kam. Mir hatte es die irre Idiotie solch einer stets als ganz toll inszenierten Sichtung bewiesen: andere Trainer wollten ihr Talente verstecken u. ließen nur schwächere Kids da auflaufen: Denn Trainer des örtlichen JLZ waren auch stets vor Ort, notierten fleißig, wen sie abwerben wollten. Jeder machte unter der Hand "sein Ding" gemäß seiner Willkür, wie üblich....


    Und das ganze KiFu-System ist doch primär von Erwachsenen für Erwachsene erstellt: zB ehrgeizgetriebene Überlandfahrten für 10- o 12-jährige wg. diffiziler Leistungsklassen o. Auswahlen - dies dient primär nicht Kids, schadet ihnen: viel NICHT förderlicher Stress, Zeitaufwand, bewegungsloses Rumsitzen statt Trainieren etc., sondern nem Trainerbetrieb so, dass die Köpfe der Kinderteams sich miteinander messen, um Vorrangstellung streiten o. sich abreagieren wollen. Und wer dazu als strukturell bloßer Eltern-Fan nicht nur sich auf Abstand halten lässt, alles mit Ja u. Amen blanko absegnet, gar wahrem Kinderwohl o. Talentsein nachzufragen wagt, der ist schon ganz unten durch, wo ein Trainer-Ich als sich auf seinen Posten bei den Kleinen oft Großes einbildendes "primus inter pares" in der vorgeblich Kindern dienen sollenden Amtsfunktion de facto vorherrschen will, darf vs echt in Teamgeist/play vereintem Miteinander... Dabei ginge alles so leicht für die Talente (in allen Kids) viel besser u. freier: sich als Trainer etwas zurücknehmen, mit etwas Geduld auf reelle Selbst-Entwicklung der Kids statt für Trainer sichtbare, nützliche Leistung setzen etc. Vor 12, 13 Jahren ist jedes 'mythische' Aus-Selektieren im Prinzip nicht nur eine Verachtung von Kindern als erst heranwachsend werdenden Persönlichkeiten, sondern auch Unsinn, was die hohe Fluktuation unter den Talenten belegt: tomorrow, a day, that never comes - heisst es für 99%. Alles egal? Warum wohl? Dürfte der Fußball mehr, viele Facetten haben, schön wär's: wie du weißt, wurden alle meine kinderfreundlicher denkenden Initiativen wie die Coolen Kidz von Systemoberen aus Erwachsenen-Missgunst, Konkurrenzangst (obwohl ich damit eh kaum ne Chance, Null Mittel hatte) sabotiert, tabuiert, zerstört - will ich aber nicht alles nochmal aufzählen. Und die letzten Spiele unserer Jungs waren alle geprägt von Schreierei, Dirigieren von außen, Treterei, Bolzerei - so ist der ganz normale KiFu, die Ausnahme ist so die Regel, dass man sie kaum mehr bemerkt, außer es kommt gar noch zu Prügelszenen... :( ;)

  • guenter : bei uns war es seinerzeit so, dass unser "Talent" im höheren Jahrgang spielte, die Trainer sich nicht grün waren, er so nicht zum Sparkassencup kam, da sicher auch kein Vermerk der Trainer des Jg-Teams kam. Mir hatte es die irre Idiotie solch einer stets als ganz toll inszenierten Sichtung bewiesen: andere Trainer wollten ihr Talente verstecken u. ließen nur schwächere Kids da auflaufen: Denn Trainer des örtlichen JLZ waren auch stets vor Ort, notierten fleißig, wen sie abwerben wollten. Jeder machte unter der Hand "sein Ding" gemäß seiner Willkür, wie üblich. Gesichtet aber wird nach Leistung vs Talent, letzteres ist die werbliche Mär!


    Und das ganze KiFu-System ist doch primär von Erwachsenen für Erwachsene erstellt: zB ehrgeizgetriebene Überlandfahrten für 10- o 12-jährige wg. diffiziler Leistungsklassen o. Auswahlen - dies dient primär nicht Kids, schadet ihnen: viel NICHT förderlicher Stress, Zeitaufwand, bewegungsloses Rumsitzen statt Trainieren etc., sondern nem Trainerbetrieb so, dass die Köpfe der Kinderteams sich miteinander messen, um Vorrangstellung streiten o. sich abreagieren wollen. Und wer dazu als strukturell bloßer Eltern-Fan nicht nur sich auf Abstand halten lässt, alles mit Ja u. Amen blanko absegnet, gar wahrem Kinderwohl o. Talentsein nachzufragen wagt, der ist schon ganz unten durch, wo ein Trainer-Ich als sich auf seinen Posten bei den Kleinen oft Großes einbildendes "primus inter pares" in der vorgeblich Kindern dienen sollenden Amtsfunktion de facto vorherrschen will/darf vs echt in Teamgeist/play vereintem Miteinander.


    Dabei ginge alles so leicht für die Talente (in allen Kids) viel besser u. freier: sich als Trainer etwas zurücknehmen, mit etwas Geduld auf reelle Selbst-Entwicklung der Kids statt für Trainer sichtbare, nützliche Leistung setzen etc. Vor 12, 13 Jahren ist jedes 'mythische' Aus-Selektieren im Prinzip nicht nur eine Verachtung von Kindern als erst heranwachsend werdenden Persönlichkeiten, sondern auch Unsinn, was die hohe Fluktuation unter den Talenten belegt: tomorrow, a day, that never comes - heisst es für 99%. Alles egal? Warum wohl? Dürfte der Fußball mehr, viele Facetten haben, schön wär's: wie du weißt, wurden alle meine kinderfreundlicher denkenden Initiativen wie die Coolen Kidz von Systemoberen aus Erwachsenen-Missgunst, Konkurrenzangst (obwohl ich damit eh kaum ne Chance, Null Mittel hatte) sabotiert, tabuiert, zerstört - will ich aber nicht alles nochmal aufzählen. Und die letzten Spiele unserer Jungs waren alle geprägt von Schreierei, Dirigieren von außen, Treterei, Bolzerei - so ist der ganz normale KiFu, die Ausnahme ist so die Regel, dass man sie kaum mehr bemerkt, außer es kommt gar noch zu Prügelszenen... :( ;)

  • Germancoach


    Auch, wenn ich deinen Frust verstehen kann, so solltest du deine Verärgerung an die dafür Verantwortlichen im Verband richten. Denn erst, wenn das Mädchen den Sprung in eine Jahrgangs-Nationalmannschaft geschafft hat, übernimmt auch der DFB die Verantwortung. Damit hätten wir hier schon mal die "Bösewichte" identifiziert. Es kommt auch gar nicht so sehr darauf an, ob das Mädchen anderen Hobbies nachgeht, sondern das es gerecht bewertet wird.


    Ein Mädchen kann innerhalb von 24 Monaten von der 1. Sichtung in die Jahrgangs-Nationalmannschaft kommen! Bei den Jungen wäre soetwas wohl unmöglich, weil es dort sehr viel mehr Instanzen gibt und die jeweilgen Beurteiler nicht immer unbedingt zu gleichen Überzeugungen gelangen. Gäbe es nicht so ein durchgängiges Fördersystem im Mädchenfussball, die Frauen hätten kaum die Dominanz im Weltfussball erlangt und über viele Jahre hinaus halten können. Der Etat für die Mädchenförderung beträgt nicht einmal 10 % von dem der Jungen. Und so manch ein Spieler aus der 1. Kreisliga bekommt dafür, das er geradeaus laufen kann und hin und wieder mal statt des Gegners Beine auch den Ball trifft mehr als eine Spielerin aus der ersten Bundesliga, die sich weitaus häufiger im Training quält.


    So, nun noch ein paar Worte zum Sparkassencup und dem VGH-Cup.


    Diese Sponsorenveranstaltungen eignen sich nur eingeschränkt zur Talentsichtung. Beim VGH-Cup müßten die eingeladenen Jahrgänge mindestens 1 Jahr, besser noch 2 Jahre jünger sein, wenn man dabei neue Erkenntnisse gewinnen soll. Beim Sparkassen-Cup sollten nicht Mannschaften, sondern die einzelnen Talente eingeladen werden. Denn es geht ja um die Bewertung von Talenten, nicht um die von Mannschaften und erst recht nicht um die ihrer Trainer. Dies gilt gleichermaßen für Jungen wie für Mädchen.


    Verborgene Talente entdeckt man am besten, wenn man sich ein enges Netzwerk aus Trainerkollegen (diese Mädchen spielen häufig in Jungenmannschaften) sowie ein intaktes Verhältnis zu den Vereinsverantwortlichen in seinem Gebiet hat (Ersatz, weil die Trainerfluktuation in diesen Jahrgängen leider sehr hoch ist) hat. Damit aus den Talenten "etwas wird", ist eine gute Kommunikation zu nächsthöheren Förderebenen sowei den Leistungsvereinen für eine spätere Aufnahme notwendig.


    Um neben einem fundierten Trainerwissen in der Talentförderung gute Arbeit zu leisten, bedarf es einer mehrjährigen Erfahrung. Denn dort, wo sich die Auswahltrainer die Klinke in die Hand geben, wird selten etwas aus den Talenten. Leider werden in diesen Fällen die verantwortlichen Köpfe (Koordinatoren) viel zu selten zur Rechenschaft gezogen.


    Wenn durch ein gut funktierendes Netzwerk mehrere Trainer mit fundiertem Wissen das Talent in unterschiedlichen Wettkampfsituationen "gesichtet" haben, kann man von einem verlässlichen Talentnachweis sprechen, als wenn an einem schönen Tag am Wochenende im Kreise von Gleichaltrigen ein wenig gekickt wird und die Augen der Spieler mehr neben dem Platz in Richtung Sichter gerichtet sind, als das man hier von einem "freien Spiel" sprechen könnte. Deshalb halte ich von solchen Stichtagsselektionen nicht sehr viel.


    Besonders schade finde ich`s immer für die Torleute. Selbst, wenn man in diesem Alter noch keine Stammtorhüter braucht, kommen die bei solchen Veranstaltungen noch am schlechtesten weg. Entweder ist ihr Team dominant und sie können sich gar nicht auszeichen. Oder ihr Team ist so schwach, dass sie nach den vielen Aktionen zuerst die Kraft, dann die Konzentration und schließlich die Lust verlieren.


    Man könnte so vieles verbesseren. So würde ich mir wünschen, dass die Mädchen- und Jungen-Auswahltrainer gemeinsam arbeiten, statt jeder Bereich für sich. Dann könnte man sich bei der Talentsichtung durch ein Scouting weitaus besser unterstützen als dies heutzutage geschieht. Denn die Zuständigkeitsgebiete sind viel zu groß, um wirklich jederzeit einen Leistungsüberblick zu haben.


    Aber Mädchen und Frauen sind den Verbänden und dem DFB (noch) nicht viel wert. O.K. schon ein bißchen mehr als ein Kaffeeservice!


    Vielleicht hilft es dir, wenn wir unseren Frust teilen können?

  • Danke für eure Einschätzungen!


    "Frust" ist es nicht ... es ist eher ein Schmunzeln.


    Eines habe ich von meinem spanischen Freund und Trainerausbilderkollegen mit auf dem Weg gegeben bekommen, was mir schon oft bestätigt wurde: "Qualität setzt sich irgendwann durch."


    Das besagte Mädchen ist eh ein absoluter "Sonnenschein", die juckt das gar nicht.


  • So, nun noch ein paar Worte zum Sparkassencup und dem VGH-Cup.


    Diese Sponsorenveranstaltungen eignen sich nur eingeschränkt zur Talentsichtung.

    Da sprichst Du mir aus der Seele.
    Die Idee, auf diese Art und Weise einmal alle vorgeführt zu bekommen, finde ich ja gar nicht so schlecht.
    Die Turnierform führt ab der Zwischenrunde aber bei vielen zu extremem Heißlaufen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, dem Sichter alle Spieler zu zeigen und das möglichst auf mehreren Positionen.

  • Passendes Thema, ich klinke mich da mal ein :)


    Also ich finde die Talentauswahl hier (Hessen) auch recht dürftig, das konnte ich heute am eigenen Leib erfahren..


    Die Geschichte begann damit, dass ich meiner Meinung nach 2-3 Talente in der Mannschaft habe, aber wie gesagt das ist meine Meinung. Ich stehe (auch wenn ich jetzt irgendwie schon etwas skeptischer bin) hinter dem Ausbildungssystem des DFB, deshalb hätte ich es gerne gesehen, wenn sie nächste Saison zum Stützpunkttraining kämen (is E-Jugend, also Stützpunkt geht bei denen dann erst los). Also hab ich mich einfach mal an den Chefausbilder des Stützpunkts gewandt, wie das denn so abläuft, weil ich davon keine Ahnung habe. Er hat mich dann am nächsten Tag gleich angerufen, und mir erklärt, dass sie zwar sichten und auch schon einige Mannschaften gesichtet haben, aber sie natürlich auf die Einschätzung der Trainer angewiesen sind.
    Das fand ich zu diesem Zeitpunkt eine sehr positive Sache, natürlich kann ich zumindest was den Willen angeht das ganze besser einschätzen als die, wenn sie sie nur 1 mal sehen. Trotzdem war ich schon etwas verwundert als es hieß, dass sie zwar schon einige Mannschaften gescoutet haben, aber uns noch nicht (mh und wir stellen auf der einen Seite eigentlich regelmäßig Spieler für den Stützpunkt und spielen mit dem Jahrgang eine auch ergebnistechnisch ganz gute Runde).
    Weiter wurde dann beschlossen, dass ich quasi die Verbindung zwischen ihm und den Eltern herstelle, also eine Mail an die betreffenden Eltern schreibe, ihn ins CC packe und auch gleich Telefonnummern mitliefer, und er sich dann bei ihnen meldet. Das hab ich dann auch gemacht, und er hat sich über nen Monat lang nicht gemeldet.
    Da hab ich dann auf Bitten der Eltern nochmal angerufen und jetzt einen Termin ausgemacht, der war heute. Die Kids waren da, ich kam etwas später (wir mussten leider, weil noch 2-3 andere Kids abgesagt haben, das Training komplett absagen). Die Eltern saßen schon da, und als ich gefragt hab, ob mit ihnen schon geredet wurde, kam ein "nein". Naja, wir saßen dann eigentlich die ganze Zeit da und haben uns unterhalten, da is doch tatsächlich mal einer von denen vorbei gekommen um etwas Eigenwerbung zu machen, und den haben wir dann gefragt, wie das weiter geht: Naja, die Kids sollen halt weiterhin montags kommen "und sich das angucken".


    Da gabs von mir erstmal das Veto, nö, wir trainieren montags, geht nicht. Wie gesagt, ich steh hinter dem DFB und würde mir auch wünschen, dass die Kids zum Stützpunkt kommen, aber ich kann und will nicht den Rest der Saison auf mehr als 1/4 der Mannschaft verzichten. Und ich finde es auch wichtig, dass wir die Runde ordentlich zu Ende bringen. (Übrigens passen wir im Verein die Trainingszeiten extra an, um allen Talenten das Stützpunkttraining zu ermöglichen). Naja, er hat dann über irgendwas anderes geredet und war irgendwann dann auch weg (war auch nicht der Chef von dem Laden).


    Nach dem Training bin ich dann zum Chef gegangen, und gefragt, wie das nun weiter geht. Der meinte dann auch wieder, die Jungs sollen montags kommen, darauf meine Antwort, geht nicht, wir sind noch in der Runde. Er meinte dann nur "Naja, wenns daran hängt..." (um den Satz mal zu komplettieren: scheint das Interesse ja nicht allzugroß zu sein). Es gäbe dann ja auch noch den Sichtungstag, auf dem jeder kommen könne.


    Jetzt muss man dazu sagen, dass noch andere aus dem gleichen Jahrgang da waren, die nach Aussage der Eltern schon seit 4-5 Wochen mittrainieren.


    So, jedes "Sichtungsmaßnahme" für sich finde ich okay (zwar nicht optimal, aber okay). Aber die Kombination passt doch nicht. Auf der einen Seite werden Spieler seit Wochen dort mitgenommen, und auf der anderen Seite sollen sich Spieler an einem einzigen Auswahltag bewähren? Zumal der "Nicht-Chef", der zwischenzeitlich mal bei uns war, extra betont hat, dass man sich von Spielern an einem einzigen Termin ja kein Bild machen könne...


    Also ich muss schon sagen, nach dem, was ich da heute gesehen habe (und da gehört ja auch mehr dazu: zum Beispiel kamen die anderen, ich schätze mal 7, Spieler ALLE aus EINEM Verein?) ist mir die ganze Sache doch recht suspekt.

  • "Qualität setzt sich irgendwann durch."


    Dies stimmt im Jugendbereich leider nicht: weil diese Qualität erstmal heranwachsen müsste, nie schon fix u. fertig vorliegt. Dies ist im leistungsbezogen zugespitzten Talentsichten auch Grund-Irrtum: man geht von sich aus statt von Kindern, will letztlich primär den Nutzen für sich, ist derweise subjekthaft interessengeleitet statt Talente als Selbstzweck vs Objekt anzusehen. So sucht man Mini-Stars als Nadel im Heuhaufen getrieben von der Fantasie, als ihr Entdecker mit groß raus zu kommen, findet aber nur die aktuell Besten. Dies gibt natürlich kaum wer zu. Ich beobachte es aber, wo aus dem trainierten Kind später - per Zufall - ein Star wurde: plötzlich gibt es ganz viele, die dies in privater Lebenslüge schon früh erkannt, ihn gefördert haben wollen, damit stolz sich verkaufend hausieren gehen. Sich in diesem Motiv zurückzunehmen kann den Blick dafür befreien, worum es in Wahrheit zu gehen hätte: junge Heranwachsende eben, an die Visionen von späterer, sie über alle anderen stellender Größe o. Güte gar nicht so, wie aktuell praktiziert, herangetragen werden dürften!!


    Das og Vergessen dieses mutmaßlichen Talents ist hier ein treffendes Beispiel, da doch eher frustrieren als schmunzeln lassen sollte, wenn man das Innenleben des vergessenen Talents selbst bedenkt, die Folgen für es: es wird so eben aussortiert, ohne gesehen zu werden, u. nicht gefördert, wie es ihm vom Selbst her zukäme. Ohne Zuspruch Dritter schrumpft es mangels Ermutigung in der Zurückweisung/-setzung zusammen, für äußere Beobachter unmerklich, da eben nie aufs Schild gehoben. Wer also später nie groß herauskommt, den bemerkt man auch nie, bleibt in der 'Masse' der Erfolglosen ohne besonderen Blick: so sind die, die scheitern, bevor sie wahrgenommen wurden, schlicht nur "weg", sie sind in ihrer möglichen Qualität nie aufgetaucht, existieren somit öffentlich gar nicht, nur für jeden Einzelne seine private Tragödie. Von ihnen aber dürfte es mangels Talentfördern in der Breite sehr viel mehr Betroffene geben, als man meint... ;(


    Zutreffend - nur, dass nach meiner 10-jährigen Beobachtung von G-Jugend an bis zum Profi-Fußball dieser 12.Mann vor allem der Trainer war. Wie kommt es, dass er in seiner Rolle - im KiFu zudem meistens ein Papa - so unkritisch sakrosankt fast immer ausgeklammert wird? Hat man so sehr die Normalität verinnerlicht, dass es nahezu ausschließlich an ihm als Taktikfuchs, Animator, Antreiber liege, ob ein Team gewinnt? Woher kommt dieser Mangel an Selbstreflexion im Fußball, einer Sehnsucht nach einem Macher, Teambuilder, Ordnungshüter, lenkend-führenden Positionsinhaber über allen anderen...

  • "Qualität setzt sich irgendwann durch."


    Dies stimmt im Jugendbereich leider nicht: weil diese Qualität erstmal heranwachsen müsste, nie schon fix u. fertig vorliegt. Dies ist im leistungsbezogen zugespitzten Talentsichten auch Grund-Irrtum: man geht von sich aus statt von Kindern, will letztlich primär den Nutzen für sich, ist derweise subjekthaft interessengeleitet statt Talente als Selbstzweck vs Objekt anzusehen. So sucht man Mini-Stars als Nadel im Heuhaufen getrieben von der Fantasie, als ihr Entdecker mit groß raus zu kommen, findet aber nur die aktuell Besten. Dies gibt natürlich kaum wer zu. Ich beobachte es aber, wo aus dem trainierten Kind später - per Zufall - ein Star wurde: plötzlich gibt es ganz viele, die dies in privater Lebenslüge schon früh erkannt, ihn gefördert haben wollen, damit stolz sich verkaufend hausieren gehen. Sich in diesem Motiv zurückzunehmen kann den Blick dafür befreien, worum es in Wahrheit zu gehen hätte: junge Heranwachsende eben, an die Visionen von späterer, sie über alle anderen stellender Größe o. Güte gar nicht so, wie aktuell praktiziert, herangetragen werden dürften!!


    Das og Vergessen dieses mutmaßlichen Talents ist hier ein treffendes Beispiel, da doch eher frustrieren als schmunzeln lassen sollte, wenn man das Innenleben des vergessenen Talents selbst bedenkt, die Folgen für es: es wird so eben aussortiert, ohne gesehen zu werden, u. nicht gefördert, wie es ihm vom Selbst her zukäme. Ohne Zuspruch Dritter schrumpft es mangels Ermutigung in der Zurückweisung/-setzung zusammen, für äußere Beobachter unmerklich, da eben nie aufs Schild gehoben. Wer also später nie groß herauskommt, den bemerkt man auch nie, bleibt in der 'Masse' der Erfolglosen ohne besonderen Blick: so sind die, die scheitern, bevor sie wahrgenommen wurden, schlicht nur "weg", sie sind in ihrer möglichen Qualität nie aufgetaucht, existieren somit öffentlich gar nicht, nur für jeden Einzelne seine private Tragödie. Von ihnen aber dürfte es mangels Talentfördern in der Breite sehr viel mehr Betroffene geben, als man meint... ;(


    Zutreffend - nur, dass nach meiner 10-jährigen Beobachtung von G-Jugend an bis zum Profi-Fußball dieser 12.Mann vor allem der Trainer war. Wie kommt es, dass er in seiner Rolle - im KiFu zudem meistens ein Papa - so unkritisch sakrosankt fast immer ausgeklammert wird? Hat man so sehr die Normalität verinnerlicht, dass es nahezu ausschließlich an ihm als Taktikfuchs, Animator, Antreiber liege, ob ein Team gewinnt? Woher kommt dieser Mangel an Selbstreflexion im Fußball, einer Sehnsucht nach einem Macher, Teambuilder, Ordnungshüter, lenkend-führenden Positionsinhaber über allen anderen...

  • @PeterPan: mit deinem Trainingstag Montag wirst du aber stets Terminprobleme bekommen, wenn deine Spieler Stützpunkttraining erhalten sollten.


    Interressant finde ich mal wieder, wie unterschiedlich die Förderung in den einzelnen Verbänden läuft:


    - Sparkassencup? Gibts bei uns gar nicht.
    - Stützpunkte für Mädchen? Gibts bei uns auch nicht.
    - Sichtung? Da wird immer ein Termin für den kommenden Jahrgang angeboten, an dem gesichtet wird. Anmelden tun die Trainer der Spieler.

  • Follkao
    Du wirst es wahrscheinlich selbst festgestellt haben wie auch ich damals bei meiner Truppe:
    Mit Rotation beim Sparkassencup gehört man als Trainer zu einer absoluten Minderheit !!! Und soll ich Dir noch was sagen ? Obwohl ja ein und derselbe Sichter immer am Feld stehen bleibt und somit die fünf bzw. sechs gleichen Mannschaften zu Gesicht bekommt, behaupte ich, dass es nicht jedem auffällt, wenn Spieler auf verschiedenen Positionen spielen und ich somit im Grunde ein größeres Repertoire zu sehen bekomme. Und am Sonntag brauchte man wieder nicht allzu lang, um das zu sehen.


    Hätte ich es zu sagen würde ich erst mal beim Cup für eine Revolution und damit mit ziemlicher Sicherheit für eine Trainerrevolte sorgen: Trainer zusammen rufen. Deutliche Ansprache das Sieg oder Niederlage hier völlig Wurscht sind. Und dann käme es: Maßgabe von Spiel zu Spiel die Aufstellung zu ändern ! Kein Spieler ist auf der Position des vorherigen Spiels. Geb das einfach mal zur Diskussion frei...


    Ein wesentliches Manko sehe ich in der Tatsache, dass nur ein Sichter pro Feld sichtet. Kann ich nicht nachvollziehen. Zwei Sichter, die erst nach Turnierende zusammen setzen und ihre Beobachtungen besprechen. Das wird in der Regel zu fast 100% übereinstimmen. Aber die wenigen Ausnahmen sind doch hier interessant und führen dazu, dass man sich den ein oder anderen Spieler nochmal genauer anschauen würde.