Neulich habe ich ein Interview mit Ralf Rangnick gelesen, in dem er fordert, dass Kinder in Deutschland viel früher kindgerecht Taktiklehre beigebracht kriegen, hier der betreffende Ausschnitt:
ZitatAlles anzeigenSie waren zu der Zeit auch als Jugendtrainer tätig. Auf was haben Sie dabei geachtet?
Als ganz junger Trainer – ich war 24 Jahre alt – trainierte ich die E-Jugend in Ulm. In den Schulferien haben wir zweimal am Tag trainiert und gemeinsam Freistoß- oder Eckstoßvarianten entwickelt. Ich erinnere mich noch heute, mit welchem Eifer, mit welcher Freude diese zehn- oder elfjährigen Jungs bei der Sache waren. Schon damals gab es aber etliche Kritiker, die sagten, dass man solch junge Steppkes nicht in ein Schema pressen kann, dass man sie so konkrete Dinge nicht üben lassen sollte, weil man ihnen dadurch die Spielfreude nimmt. Ich aber behaupte: Wenn du Sachen nicht in Rollenspielen einstudierst, dann funktioniert es auch im Spiel nicht. Und wenn es im Spiel nicht funktioniert, dann macht es den Jungs auch keinen Spaß.
Ist das in England oder Italien anders?
Im europäischen Ausland etwa wird Kindern und Jugendlichen schon früh – und zwar kindgerecht – vermittelt, was Raumdeckung ist. Das wird heute in Ansätzen auch in Kinder- und Jugendmannschaften der Bundesligisten gemacht. Bei kleineren Vereinen, die in den unteren Klassen spielen, ist das aber anders. Dort verfügen die Trainer oft nicht über das Wissen, wie man kindgerecht ballorientierte Raumdeckung vermitteln kann.
Sie wünschen sich also für die Zukunft eine frühe Heranführung an Taktik und Systeme?
Absolut. Ich gebe Ihnen ein anderes Beispiel: Als meine Söhne mit dem Fußball begannen, habe ich Spiele beobachtet, in denen die Trainer nur grob skizzierten, auf welcher Position die Kinder spielen sollten. Da hieß es etwa: »Ihr spielt hinten!« Ein paar smarte Jungs fragten dann nach: »Trainer, wo ist denn hinten, darf ich auch nach vorne?« Doch zumeist bewegten sich die Jungs nicht von der Stelle, sie überschritten nach solchen Vorgaben nicht mehr die Mittellinie. Wenn ich kleinen Kindern solche Anweisungen gebe, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie im Leistungsbereich plötzlich an ihre Grenzen stoßen, weil sie überhaupt nicht verstehen, dass sich ein Stürmer auch im Spiel nach hinten beteiligen muss und sich der Verteidiger in die Offensive einschalten soll. Im Grunde sollte man die Kinder also genau das tun lassen, was sie tun möchten: Nämlich dorthin laufen lassen, wo der Ball ist. So lernt auch der defensive Spieler, offensiv zu agieren und umgekehrt.
Ich habe auch davon gehört, dass in Barcelona beispielsweise schon F-Jugendliche an Taktik herangeführt werden, woraus dann resultiert, dass diese Nationen taktisch sehr gut ausgebildet sind.
Es ist ja auch in der Realität der Fall, dass die deutschen Spieler oft taktische Mängel haben.
Wie steht ihr zu dieser Frage? Ist das sinnvoll, weil man beispielsweise kaum Probleme damit hätte, Raumdeckung oder zumindest als Viererkette zu spielen, wenn die Spieler das von klein auf beherrschen?
