Disziplin bei neuer F-Jugendmannschaft

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  • Hallo Zusammen,

    ich möchte auch einmal meine Erfahrung(en) zu dem Thema mit Euch teilen. Ich bin seit dieser Saison in die F-Jugendmannschaft in unserem Ort als Trainer mit eingestiegen.

    Es sind dieses Jahr viele Spieler aus der G-Jugend in die F-Jugend aufgestiegen. Dies brachte unter Anderem eine neue Herausforderung mit sich. Das Problem mit der Disziplin, Konzentration und Aufmerksamkeit.

    Anfangs war ich der Meinung, an der Konzentration und der damit einhergehenden Aufmerksamkeit der Spieler arbeiten zu wollen.

    Ich musste schnell erkennen, dass ich an beidem mit den Kids nicht versuchen brauche zu arbeiten.

    60% meiner F2 wurden erst eingeschult. Konzentration und Aufmerksamkeit werden fast vollständig von den neuen Eindrücken und Aufgaben außerhalb des Sportplatzes vereinnahmt. Also hatte ich mir vorgenommen über die Disziplin an die Aufmerksamkeit zu kommen. Was bisher ganz gut funktioniert. Zumindest bei einem Großteil der Spieler.

    Einfache Verhaltensregeln mussten erst umgesetzt werden: "Wenn der Trainer redet oder erklärt, hören alle Spieler zu" oder "wir schlagen und beleidigen nicht"

    Dinge, die meiner Meinung nach Grundvoraussetzungen sein sollten.


    Dennoch habe ich ca. 3-4 Spieler bei denen das immer noch nicht funktioniert. Vor einem Kind wurde ich durch die anderen Trainer schon gewarnt. Leider kann der Spieler selbst recht wenig für sein Verhalten. Hat schon x-Mal die Schule wegen seines Verhaltens wechseln müssen. Vater ist leider drogenabhängig, Mutter relativ gleichgültig was ihren Sohn angeht, wird nur von seiner 12-jährigen Schwester ins Training gebracht und wieder abgeholt. Er hatte die anderen Kinder im Training beleidigt, geschlagen und durch sein Verhalten hat er ständig die Trainingsabläufe gestört. Nun hatte ich mehrere Möglichkeiten. Entweder ich bestrafe ihn jedes Mal für sein falsches Verhalten, dadurch bekäme er aber die gleiche negative Aufmerksamkeit wie zu Hause. Das wollte ich in keinem Fall.

    Oder ich entferne ihn aus der Mannschaft. Oder aber ich versuche mit ihm im Training individuell und im positiven Sinne zu arbeiten.

    Ich habe mich dann für die dritte Variante entschieden. Wenn ich den Spielern z.B. etwas erkläre, dann lasse ich ihn Übungen für die Anderen vor machen. Lobe ihn für seine Mitarbeit im Training etc.

    Und siehe da, nach einigen Trainingseinheiten läuft das bei ihm mit der Disziplin. Keine Beleidigungen, Schläge oder Fehlverhalten mehr. Na gut, perfekt ist es noch nicht. Aber es wird immer besser mit ihm.


    Zwei weitere Kinder musste ich leider in der letzten Woche beim Training vom Platz stellen. Beide hatten von Anfang an miteinander das Training gestört. Es wurde geschubst, über die neusten Fußballkarten lautstark diskutiert, die Übungen wurden ignoriert und man hat gemacht was man wollte... usw.

    Also gab es für beide eine Strafrunde um den Sportplatz. Danach hatte ich mit beiden gesprochen, ob wir nun normal weiter trainieren könnten oder ob ich sie raus setzen muss. Na ja, haben sich dann beide für das Raussetzen entschieden. Außen ging es dann gerade so weiter. Es wurde auf dem Boden gerungen, Trainingsmaterial durch die Gegend geworfen, etc.


    Das Ende vom Lied war jeweils ein persönliches Gespräch mit den Eltern. Sie sollten mit ihren Kindern darüber sprechen. Unter Anderem aber auch, ob die Kinder ein Interesse am Fußball und dem damit verbundenen Training haben.

    Final kann ich zu der Situation mittlerweile sagen, dass ein Kind vom Fußball abgemeldet wurde. Das andere Kind scheint soweit noch Interesse am Training zu haben. Hier werde ich sehen, wie es diese Woche weiter geht und gerne darüber berichten.


    Ich würde gerne Eure Erfahrungen zu dem Thema wissen, wie Ihr das mit der Disziplin während des Trainings handhabt???

  • Ich kann Deine Erfahrungen bisher nur bestätigen. Im Training hat man immer die paar, die sich mit anderen Dingen beschäftigen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. Das geht vom interessanten Regenwurm bis hin zum Haareziehen bei der einen Spielerin.


    Mein Tipp ist daher, beschäftige die Kinder schnell mit ihrem Ball, gib ihnen also gar nicht die Zeit, sich mit anderen Dingen auseinander zu setzen. Lass sie viel spielen, erkläre keine Übungen länger als eine Minute, mach keine langen Schlangen und als ultima ratio würde ich das schlimme Verhalten eines Kinds mit 5 Minuten Pause an der Werbebande sanktionieren. Wenn es zwei sind wie in deinem Fall, dann natürlich voneinander getrennt. Du hast es mit dem Gespräch mit den Eltern ja schon richtig angesprochen, mehr geht halt nicht.


    Natürlich möchte man im Training den Kindern ein positives Erlebnis bieten, die Voraussetzungen dafür schaffen wir so gut wie wir können, aber ich bin kein Therapeut für verhaltensgestörte Kinder. Ich bin außerdem kein Freizeitonkel, sondern Trainer. Ich möchte solche Kinder nicht in der Mannschaft haben und es ist mir völlig egal, was eine Feld- Wald- und Wiesenpsychologin meint, was gut für das Kind wäre. Im Einzelsport meinetwegen - aber Fußball ist ein Mannschaftssport.

  • Danke für dein Feedback. Völlig deiner Meinung.

    Ich musste leider schon einige Male die Erfahrung machen, dass Eltern ihre Kinder für den Fußball anmelden und sich dann nicht weiter darum kümmern. Ob das Kind überhaupt Fußball spielen möchte, ist bei diesen Eltern im ersten Moment völlig egal. Nach dem Motto, mein Kind ist jetzt ne Stunde+ aus dem Haus und beschäftigt. Das erkennt man meist an dem "Rauswurf" und dem "Einladen" des Spielers auf dem Parkplatz. Autotür auf und zack wieder weg.

    Wir versuchen schon so gut wie keine Wartezeiten oder Schlangen zu haben. Wenn ich aber schon bei den einfachsten Erklärungen bei manchen Kindern scheitere... wie z.B. du passt den Ball dem Co-Trainer, er legt ihn dir auf und dann wird direkt auf das Tor geschossen.

    Kind 1 macht es wie vorgegeben. Kind 2 dribbelt beinahe über die Torlinie anstatt zu schießen. Kind 3 passt nicht und läuft mit dem Ball am Tor vorbei.. etc.

    Das ist die Aufmerksamkeit und Konzentration an die wir gerade nicht ran kommen. Also lasse ich das Kind, welches die Übung falsch macht, diese umgehend wiederholen. In der Hoffnung, die nachfolgenden Kinder haben es nochmal gesehen und machen die Übung richtig. Aber dem ist leider nicht so.
    Also mache ich die Übung selbst noch einmal vor und wieder passt nur die Hälfte auf.


    Da es meist zwischen 12 und 16 Kids sind, werde ich mit meinem Co-Trainer mal versuchen ob wir die Jungs und Mädels aufteilen, aber trotzdem die gleichen Übungen machen.

  • "du passt zum Co-Trainer, er legt ihn dir auf, du schießt aufs Tor" - zu viele Worte, die nicht jedes Kind im F Alter versteht.


    Besser: einmal vormachen (lassen), dazu eine kleine Geschichte, in 10 Sekunden ist Action.


    Jedoch spricht eine solche Übung "gegen Grundsätze" des Kindertrainings. Wie wäre es stattdessen mit "2 Kinder passen sich durch min. 2 Hütchentore und schließen dann auf ein Tor ab". Thema Bombenentschärfung könnte eine passende Geschichte sein. Bei einem solchen Spiel spielen alle Kinder gleichzeitig, damit es nicht zu statisch wird.

  • Ich kenne das Dilemma nur zu gut .. bei mir damals war es eine kleine Gruppe die gemeinsam in die Schule ging und sich dort und auch im Training ständig rumgeselt haben. Eine klare Grenz gab und gibt es bei mir bei "körperlicher Gewalt" .. hier fahre ich bis heute die 0 Toleranz Linie. Bei meiner Truppe habe ich einmal ein Kind während des laufenden Turniers rausgeschmissen und von den Eltern abholen lassen danach war Ruhe.. das hält bis heute an.


    Im Training habe ich darauf geachtet, so wenig Standzeit wie möglich zu haben. Wollte ich was erklären und die Kinder haben gequasselt etc. habe ich mich rumgedreht und an die Seite gesetzt. Meistens dauert es nicht lange bis es den Kids aufgefallen ist und dann haben Sie untereinander für Ruhe gesorgt (NUR MIT WORTEN und ohne Beleidigungen).


    Laut bin ich nur geworden wenn es gar nicht anders ging und selbst das hat mich im Nachhinein geärgert. Ich versuche bis heute vieles über reden zu lösen. Entweder mit der kompletten Mannschaft oder halt mit dem einzelnen Kind. Gerade wenn man diesen einen "Störenfried" hat ist es enorm schwierig da die anderen Kinder diesen dann auch sehr gerne zum Sündenbock machen. Da ist viel Fingerspitzengefühl gefragt um die Situation nicht zu verschlimmern.

  • Selbst Drittklässler spielen noch allgemeine Spiele mit Rahmengeschichten. In einer F kann man das ruhig noch nutzen.


    In Kampfsportarten hat quasi jede Bewegung einen Namen. Wenn man wiederkehrende Übungen benennt, spart man sich wortreiche Erklärungen. Dann nennst du eben deine genannte Übung: "Tornetz zerschießen" (bei mir heißt die übrigens: "der Trainer hat die meisten Ballkontakte" und wurde in meine Sammlung nie aufgenommen)


    Disziplin und Aufmerksamkeit steht und fällt mit dem Spaßfaktor. Anstehen = doof = Blödsinn machen.

    Aufgaben mit Wettkampfcharakter zum Beispiel "wer schafft die meisten Tore gegen eine lebendige Sanduhr" hingegen bieten Action, da bleibt kaum Zeit für Blödsinn.

  • Hallo pieters81


    Da du dieses Jahr erst eingestiegen bist wird dir sicherlich noch viel Erfahrung fehlen. Finde aber dass du sehr gut versuchst das Verhalten deiner Kids und dein Verhalten zu reflektieren und auch nach Lösungsansätzen suchst wie du speziell ,auf deine Fragestellung bezogen, in dem Alter die Komzentration und Disziplin hochhalten kannst.

    Goodie u.a. hat ja schon geschrieben was schlangestehen für Kinder bedeutet.

    Versetzte dich nun mal in die Lage des Kindes. Stehst in der Schlange vor dir 3 andere . Der erste startet mit einem pass und dann Torschuss. Dann der nächste und vor dir ist immer noch einer. Der hinter dir muss noch länger warten und stupste dich an weil er spielen möchte bzw. In irgendeiner Form Interaktion wünscht. Und schon ist man als Störer abgestempelt weil man mit dem Hintermann quatscht anstatt aufmerksam zu schauen wann man dran ist.


    Nun ein paar Tipps oder Vorschläge.

    1. Tummelphase

    Die Kinder kommen an und viele quatschen erstmal mit anderen. Manch einer kommt 5 min zu spät.

    Schau das Bälle bereitliegen. Ein oder 2 spielfelder aufgebaut sind, vielleicht auch ein paar Ringe oder eine koordinationsleiter ausliegt . Kinder haben zwar eine geringe Aufmerksamkeitsspanne sind aber sehr kreativ.

    2. Ein Training in dem Alter sollte immer einen festen Rahmen haben, kinder fühlen sich wohler wenn sie einen Rahmen dann besser kennen. dazu gehört nach der Tummelphase der Begrüßungskreis. Wenn die Kinder was erzählen lass sie ausreden und wiegel es irgendwann höflich ab wenn es zulange wird . Wenn ich zum begrüsungskreis rufe (alle Kinder zu mir!) Steh ich mit meinem ballsack und sie müssen wie ein Basketballer in den Sack treffen. Wenn du die Bälle nicht wegnimmst ist die Aufmerksamkeit geringer.

    Start ist immer ein fangispiel ohne Ball. Am besten etwas was zur Rahmengeschichte passt bzw. Um einen roten Faden im Training zu folgen, wobei man dabei auch nicht zu strikt darauf achten sollte. Beim fangi darauf achten dass die kids alle in Bewegung sind und alle 2 min etwa die Fänger wechseln. Am besten so dass alle mal Fänger waren. Wenn du siehst das zuviel Kinder sich ausruhen dann erhöhe die Fängrrzahl.

    Danach geht es bei mir in eine übungsform, etwas mit balldribbeln, zum Beispiel ein rundlauf oder ich mach etwas speziell für die Koordination. Oder ich lasse Balldiebe spielen. Beim rundlauf wartet man nicht bis einer fertig ist sondern die starten alle 5 sec. Am Schluss mit der Aufgabe die vordermänner zu überholen um nochmal richtig Tempo reinzukriegen. Im Anschluss entweder eine spielform zum festigen oder gleich abschlussspiele. Ich würde bei einer f immer mit 2vs.2 beginnen und steigern bis zum 5vs.5(was dann das abschlusssoiel ist) wenn du 14 Kinder hast kannst auch 7vs 7 als abschlusssoiel machen, jedoch würde ich dem dann nicht soviel Zeit einräumen.


    Zu deinen Störern: meine Erfahrung ist dass die meisten aufgrund Langeweile stören. Ich finde dass gerade Kinder die häufig "stören" sehr spielintelligent sind.

    Strafrunden laufen lassen kn dem Alter seh ich pädagogisch sehr fraglich. Trainingsausschluss geht in meinen Augen gar nicht. Das ist richtig schlimm für ein Kind in dem Alter.

    Manche Kindr kommen zum Fussball um Teamgeist zu erfahren oder, mit Freunden gemeinsam Sport machen. Vielleicht werden es nur die Messis, aber es gibt ja noch andere Aufgaben im Verein. Schiri, co-trainer, Jugendleiter...

    Das sind sehr wichtige Kinder im Verein. Und ich würde keines abschreiben nur weil es kein Vollblutfussballef ist.

  • Moin.

    Aufgrund eines sehr starken G. Jugendjahrganges habe ich dieses Jahr nun 31 Kinder auf dem Zettel. Die Trainingsbeteiligung ist super, so dass ich im Schnitt 26-27 Kinder pro Training habe.


    Das A und O ist wirklich die Standzeiten zu minimieren. Das Stören findet nämlich meistens in der Anstehschlange fest. Glücklicherweise habe ich zwei Elternteile die mich relativ regelmäßig beim Training unterstützen, so das wir den Schwarm an Kindern in 3-4 Gruppen aufteilen und Stationstraining machen.


    Eine Gruppe kannst du bspw. immer Funino spielen lassen (am Anfang noch mit Aufsicht, später geht das hier auch ohne) und die anderen 2-3 Gruppen betreut man dann. Nach 20 Minuten wird die Station gewechselt.


    Alternativ baust du eine Station zwei mal direkt nebeneinander auf und coachst parallel.


    Gerade am Anfang sind viele Kinder noch nicht grün miteinander. Achte darauf das du von Anfang an keine Grüppchenbildungen hast und das sich nicht immer die selben Trainingspartner finden. Das kann man sehr gut selbst steuern. Sollte es mal zu Problemenzwischen zwei Kindern kommen, dann bespreche das am Ende mit dem ganzen Team. Lass sie an der Problemlösung teilhaben.


    Du wirst immer Kinder haben die mal etwas mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit benötigen als andere. Leider wirst du auch immer Kinder haben, bei denen sich die Eltern kaum für ihr Hobby interessieren oder Du hast halt jene, bei denen du dich manchmal fragst, wieso sie überhaupt hier sind. Die Kunst ist es, diese Kinder mitzunehmen und keines außen vor zu lassen.


    Du darfst auch nicht vergessen das der Sprung von den Bambinis in die F-Jugend schon riesig ist. Dazu dann noch das erste Schuljahr. Das ganze lange rumsitzen. Die Kinder wollen sich danach bewegen. Glaub mir, das wird besser mit der Zeit. Bis dahin versuch ein WIR-Gefühl im Team zu erzeugen. Versuche so viele Kinder und Eltern zu begeistern, wie es geht. Gerade Eltern lassen sich ganz gerne davon anstecken, sobald die ersten Kontaktängste verflogen sind.

  • Hallo und erst einmal ein Danke an Alle für die Tipps und Anregungen.
    Wir bieten den Kindern im Training eigentlich immer den gleichen Rahmen an, auch um feste Rituale zu erhalten.

    Im Grunde dürfen die Kids in der Tummelphase sich auf dem Platz frei mit dem Ball bewegen. Wenn dann das Training offiziell beginnt, fangen wir mit dem Begrüßungskreis an. Daran nehmen alle Trainer und alle Spieler gleichermaßen teil. Die F1 und die F2.

    Ein bisschen quatschen, Turniere oder Spiele ein wenig reflektieren, etc.

    Dazu muss man sagen, lassen wir die Kinder ihre Eindrücke schildern. Was fanden sie gut an dem Spiel, was nicht usw.

    Den Ball muss jeder Spieler hinter sich legen. So sind diese aus dem Blickfeld verschwunden. Das funktioniert sehr gut.


    Dann laufen sich alle Spieler gemeinsam warm. Ebenso F1 wie F2. Danach teilen wir die Spieler in Gruppen ein und beginnen die Übungen. Ca. 20 Minuten vor Trainingsende versuchen wir fast immer ein Spiel mit 2 Mannschaften zu gestalten. Je nach Anzahl der Kinder und wie viele kleine und große Tore wir zur Verfügung haben. Große Tore sind meist Mangelware, da z.B. Dienstags die E-Jugend ebenfalls auf dem Platz trainiert.

    Die Übungen versuchen wir abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Schlangen werden wir jetzt mal verstärkt darauf achten zu vermeiden.


    Mein Problem aktuell ist, egal wie einfach ich die Übung gestalte, es hört immer nur die Hälfte zu. Selbst wenn ich ein einfaches Fangspiel mit den Kids machen möchte, weiß die Hälfte nicht, was sie tun soll. Eben weil sie gedanklich ganz wo anders unterwegs ist.

    Ich hatte schon an mir selbst gezweifelt, ob es an meiner Art zu erklären liegt... aber dem Co-Trainer geht es dann ins seiner Gruppe genauso und die anderen Kids verstehen ja was man ihnen erklärt.

    Mir fällt z.B. immer wieder auf, dass einzelne Kids irgendwo in der Gegend umher schauen während man etwas versucht zu erklären.

    Da ist man dann ständig mit beschäftigt die Aufmerksamkeit des betreffenden Kindes auf seine eigenen Erklärungsversuche zu lenken.

    Erklärungen halte ich so kurz und knapp wie möglich. Mache eine Übung selbst vor oder lasse es von einem der Spieler vormachen.

    Leider oft ohne Erfolg. Die Aufmerksamkeit ist wo anders.


    Ich persönlich bin der Meinung die Aufmerksamkeit während des Trainings ist essentiell wichtig. Wenn diese wiederholt oder bei manchen immer fehlt, dann muss ich mir schon Gedanken machen, ob das Kind überhaupt ein Interesse am Fußball und dem damit verbundenen Training hat. Wie ich oben schon berichtet hatte, war das gleich beim ersten Kind, dass letzte Woche während des Trainings vom Platz musste, genau der Fall. Die Eltern haben mit dem Kind gesprochen und es hat sich herausgestellt, dass dieses gar keine Lust hat Fußball zu spielen.


    Ich halte eigentlich recht wenig von Bestrafungen auf dem Platz, schon gar nichts von einer "Kollektivstrafe". (Einer baut Mist die ganze Zeit und alle müssen laufen.) Das geht gar nicht.

    Dennoch geht es im Fußball und Mannschaftssport bzw. jeder Sportart um Disziplin. Ich schaue mir lange an, wenn einer Blödsinn macht und beobachte genau. Denn genau das dürfen die Kinder in dem Alter noch. Auch einfach mal Blödsinn machen.

    Aber wenn es anfängt unser Training zu sehr zu beeinträchtigen und sich andere Kinder schon beschweren, dann muss ich eingreifen.

    Dann gibt es eine Strafrunde. Die ist in meinen Augen völlig in Ordnung. So wird überschüssige Energie abgebaut und es ist langweilig. Die Erfahrung hat gezeigt, die meisten Kids schlagen dann nicht mehr über die Stränge. Denn sie wollen zum Einen nicht da langweilig um den Platz gurken und sie wollen mit den Anderen weiter am Training teilnehmen.


    Ich finde aber, die Bestrafung eines Fehlverhaltens sollte immer in Relation stehen. Den Ausschluss vom Training, sehe ich nur im Extremfall. Ich glaube Bestrafung ist hier auch das falsche Wort. Ich würde es eher Disziplinierung nennen.


    Ich schreibe definitiv auch kein Kind ab, weil es kein Vollblutfußballer ist. Ganz im Gegenteil. Wie ich im vorhergegangen Post schon geschrieben habe, habe ich da diesen einen Jungen. Hat in seinen 7 Jahren schon 2x den Kindergarten und 3x die Schule wegen seines Verhaltens wechseln müssen. Vater ist Drogenabhängig, der Mutter alles scheißegal. Die große Schwester kümmert sich mit ihren glaub grade mal 14 oder 15 Jahren um den Bruder. Bringt ihn immer zum Training, wartet bis er fertig ist und bringt ihn wieder heim.

    Der kam die letzten Wochen in normalen Straßenschuhen zum Training. Jetzt haben sie (wahrscheinlich seine Schwester) Kickschuhe gekauft. Hallenschuhe!!! oh man...

    Ich wurde vorher schon gewarnt, man könne mit dem Kind nicht auf dem Sportplatz arbeiten. Gerade wegen seines Verhaltens.

    Es wurde beleidigt, getreten, geschubst, geschrien und geschlagen.

    Aber nach wenigen Wochen habe ich bei ihm eine Veränderung bemerkt. Er ist ruhiger geworden, hört aufmerksam zu, setzt die Übungen meist ohne Probleme um. Es ist nicht perfekt und er ist auch nicht das Top Talent.

    Ich gebe dieses Kind in jedem Fall nicht auf, weil ich weiß da steckt soviel Potenzial drin.

  • Wenn bei mir Kinder Mal ein Spiel nicht verstanden haben, dann sehen sie es bei den anderen und machen kurze Zeit später mit. Kein Spiel erkläre ich mehr als genau einmal.


    In ganz seltenen Fällen unterstütze ich durch gezieltes Fragen, während das Spiel läuft. Spätestens dann sind alle Kinder dabei, die Bock auf das Spiel haben. Keiner ist scheinbar gerne das Kind, das es nicht verstanden hat. Danke Grundschule und Gruppendynamik. 😁


    Spielregeln gibt's bei uns nur wenige, bspw. "wir sprechen höflich miteinander" oder "wir begrüßen und verabschieden uns voneinander per Handschlag". Die Kinder achten untereinander auf ihre Regeln. Lediglich Grätschen führt zu einer Auszeit von 2 Minuten. Weitere Sanktionen könnte die Gruppe animieren die Grenzen auszutesten. Das muss ich nicht haben.

  • Guten Morgen Zusammen,


    ich möchte einmal über mein gestriges Training berichten.

    Wie gewohnt haben wir die Tummelphase laufen lassen und die Kids erst einmal ankommen lassen. Gemeinsame Begrüßung im Kreis und das gemeinsame Warmlaufen mit der F1. Insgesamt waren 17 Kinder zum Training der F2 gekommen.

    Wir hatten ein Funino-Feld und 2 Dribbling- / Passfelder aufgebaut. Auf dem Funino-Feld habe ich 4 gegen 4 spielen lassen und der Rest der Truppe hat Dribbling und Passen geübt. Beim Dribbeln und Passen konnten wir so agieren, damit keine Warteschlagen entstehen.

    Wir konnten gestern zum ersten Mal ein richtiges Funino-Spiel einbauen, da der Verein endlich 2 weitere kleine Tore organisiert hatte.

    Wir waren positiv überrascht, wir haben Kinder beim Funino laufen und spielen sehen, die sonst immer nur auf dem Feld rumstehen und Löcher in die Luft gestarrt hatten.

    Danach wurden die Teams gewechselt und die 2te Gruppe konnte spielen und die 1te Gruppe Passen und Dribbeln.

    Nach Trainingsende haben wir dann nochmals ein Abschlussgespräch mit der F2 geführt. Die Resonanz der Kinder war überragend gut.

    Die haben sich vor Euphorie fast überschlagen.


    Einige Spieler sind gestern von ganz alleine aus ihrer Komfortzone ausgebrochen und haben endlich mal gezeigt, was sie können.

    Haben sich untereinander geholfen und erklärt. Aber auch darauf hingewiesen, wenn zu viel Blödsinn gemacht wurde.

    Dadurch mussten wir als Trainer etwas weniger eingreifen. Was ich super finde. So regelt sich die Mannschaft in Sachen Disziplin etwas eigenständiger.


    Auch beim Aufräumen lief das fast wie am Schnürchen. Anstatt sich mit den Eltern einfach zu verkrümeln, waren sie mit vollem Eifer dabei, jedes einzelne Hütchen und jeden Ball einzusammeln.

  • Ok, was ich noch nicht verstehe ist, warum ihr "Warmlaufen" macht. Ich vermute, ihr lasst die Kinder ohne Ball über den Platz traben.

    Kinder rennen aber eh den ganzen Tag. Ein Warmmachen wie wir Erwachsene das zur Verletzungsprophylaxe benötigen ist unnötig.


    Ich habe Leibchen in vier Farben (angeschafft) und verteile diese ganz gerne direkt an die Kinder.

    Statt stupidem Warmlaufen gehts also direkt ins erste Spiel, zum Beispiel so:


    Raupenlauf:

    Je 4 oder 5 Kinder stehen hintereinander mit gespreizten Beinen, der vorderste rollt den Ball durch seine Beine und durch alle weiteren Beinpaare. Der letzte schnappt sich den Ball, läuft nach vorne und rollt wieder durch seine eigenen Beine nach hinten durch. Es gewinnt das Team, welches entweder nach einer gewissen Zeit am weitesten gekommen ist oder welches einen Zielstrich erreicht hat.


    Raupenkick

    Zweiter Durchgang mit den Füßen. Der Ball wird durch die Beine gepasst, hinten vom letzten angenommen, nach vorne dribbeln usw. (hier haste bei vier Spielern ja nur zwei Beinpaare, das ist also nicht sonderlich schwierig.)


    Dritter Durchgang in zweier Teams: einer steht mit gespreizten Beinen, der andere passt da durch, läuft um seinen Partner herum, nimmt den Ball wieder an und spielt ihn sofort wieder durch die Beine: Wettkampf auf Zeit, nach x Sekunden wechseln, wer schafft die meisten Pässe?


    Spätestens jetzt sind alle warm, hatten jedoch schon Spiele, die den Teamgedanken und die Ballbehandlung schulen und Spaß machen...

    Aber wichtig ist immer: Staffeln mit möglichst wenig Spielern ausstatten. Lieber 4*4 als 2*8 Spieler...

  • Zum Warmlaufen habe ich die gleiche Meinung wie Goodie .

    Wir hatten ein Funino-Feld und 2 Dribbling- / Passfelder aufgebaut. Auf dem Funino-Feld habe ich 4 gegen 4 spielen lassen und der Rest der Truppe hat Dribbling und Passen geübt. Beim Dribbeln und Passen konnten wir so agieren, damit keine Warteschlagen entstehen.

    Hierzu wäre es eine simple Möglichkeit, einfach ein zweites Feld aufzubauen und die Minitore durch Pass/oder Dribblingtore zu ersetzen. Das hätte den gleichen Schwerpunkt, aber in einer spielform.

    Möchte man das intensivieren, dann wechselt die Siegermannschaft dann als Gegner auf das -richtige- Funinofeld.

    Natürlich sollte jede Mannschaft am Ende auch auf die Minitore gespielt haben.

    Im Schwerpunkt Passen, wäre dann evtl. auch das Funinofeld so aufgebaut, das die Tore 1,2 Meter hinter dem Feld stehen.

    Evtl. in folgenden Einheiten zum Zentrum eingedreht/weggedreht oder mit ähnlichen Variationen.

    Mit ständigen Veränderungen bedient man nicht nur den differentiellen Ansatz, sondern schafft auch Dauer auch höhere Aufmerksamkeit und mit der Zeit schnelleres Verständnis für komplexere Spielformen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Ok, was ich noch nicht verstehe ist, warum ihr "Warmlaufen" macht. Ich vermute, ihr lasst die Kinder ohne Ball über den Platz traben.

    Kinder rennen aber eh den ganzen Tag. Ein Warmmachen wie wir Erwachsene das zur Verletzungsprophylaxe benötigen ist unnötig.

    Warmlaufen wird bei uns mit Ball praktiziert.

  • Hallo lieber Kollege,

    hier ein paar Tipps aus meinem Training...

    Wir haben uns zur Mission gemacht jedes Kind - egal wie gut oder wie schlecht optimal zu beanspruchen.

    Das Problem bei der Disziplin ist ganz einfach die Disziplin an sich. Was wollen wir denn von den Kindern? Sie sind in der Früh in der Schule, weil Mama es so sagt, dann Hort, dann Essen usw. und dann kommt irgendwann der Coach und will wieder was.

    Das klappt nicht, da ein Training in dem Altersbereich ganz anders aufgebaut werden sollte.


    Ich gebe dir mal eine 1:30h beispielseinheit von uns:

    17:15-17:25 Freizeit

    17:25-17:40 Minispiel

    17:40-17:55 Fangspiel

    17:55-18:25 Spielformen (1g1,2g1,3g1,3g2,3g3)

    18:25-18:45 Abschlussspiel


    Hier eine Erklärung warum wir so trainieren.


    Die 10 Minuten Freizeit am Anfang des Trainings werden viele nicht verstehen, aber wie oben beschrieben schaffen wir für die Jungs einfach einen Freiraum um auch mal den Kopf freizubekommen ect.

    Hier kannst du auch gerne mal über Clash of Clans oder sowas reden, die Jungs werden es dir danken.


    Danach gibt es einen strikten eintritt in die Trainingszeit und wir kommunizieren das jedes Mal deutlich und holen die Jungs im Kreis zusammen - geben ihnen die kurze Übersicht (max 2min) was alles dran kommen wird im heutigen Training. Wichtig: geh nicht zu lange auf die Fragen der Kids ein, weil es wird immer welche geben.


    Da dich innerhalb der 10 Minuten Freizeit jedes zweite Kind fragen wird, ob ihr heute spielt. Das kannst du bejahen und in das sogenannte minispiel gehen. Wichtig hier ist einfach, dass es kleine Teams gibt und jeder Spielt.


    Anschließend, und das ist wichtig, gibt es bei uns keine Trinkpause. Wenn es eine gäbe nimmst du hier die ganze Dynamik aus der vorherigen Übung raus und bist wieder bei 0.

    Deshalb nur einzelne Spieler, die wirklich fragen zum Trinken schicken.


    Die erste halbe std. ist geschafft. Jetzt ist das restliche Training im Wettbewerbsformat aufgebaut. Das liegt daran, dass deine Mannschaft verlieren könnte, wenn du nicht aufpasst. Und hier haben wir die Konzentration! Jedes Kind will gewinnen (liegt in der psychologischen Natur des Kindes) und deshalb werden sie dementsprechend viel Energie reinstecken.


    Bei den Spielformen ist nur wichtig, dass möglichst viele Kinder spielen, aber in kleinen Gruppen. Das klassische 7g7 macht deine Kinder in der Regel nur zu Kick&Rush spielern.


    Wir haben lange an dieser Art von Trainingsaufbau rumprobiert (1,5 Jahre) und hier hatten wir wirklich fast immer 90% der Jungs voll auf Zack!


    Was wir auch gerne einbauen sind Matheaufgaben vor den Übungen. Dann sind immer alle leise, weil sie noch nicht sooooo gut in Mathe sind ;D



    Wenn du noch ne Frage hast oder sonst was ist helfe ich gerne :)

    Daniel
    (SV Planegg Krailling U9)

  • Wenn bei mir Kinder Mal ein Spiel nicht verstanden haben, dann sehen sie es bei den anderen und machen kurze Zeit später mit. Kein Spiel erkläre ich mehr als genau einmal.


    In ganz seltenen Fällen unterstütze ich durch gezieltes Fragen, während das Spiel läuft. Spätestens dann sind alle Kinder dabei, die Bock auf das Spiel haben. Keiner ist scheinbar gerne das Kind, das es nicht verstanden hat. Danke Grundschule und Gruppendynamik. 😁


    Spielregeln gibt's bei uns nur wenige, bspw. "wir sprechen höflich miteinander" oder "wir begrüßen und verabschieden uns voneinander per Handschlag". Die Kinder achten untereinander auf ihre Regeln. Lediglich Grätschen führt zu einer Auszeit von 2 Minuten. Weitere Sanktionen könnte die Gruppe animieren die Grenzen auszutesten. Das muss ich nicht haben.

    Warum genau verbietest du Grätschen? Trainiert ihr nur in der Halle, oder wie?

  • Warum genau verbietest du Grätschen? Trainiert ihr nur in der Halle, oder wie?

    Die Ursprungsaussage stammt zwar nicht von mir, ich antworte aber trotzdem gerne auf die Frage.

    Ich habe bis inkl. U9 (z.T. auch bis U11) sehr gerne mit "Grätschverbot" im Training (für meine Spieler inoffiziell auch im Spiel) gearbeitet, egal ob in der Halle oder draußen.

    Die Kinder sollen doch lernen den Ball zu erobern, indem sie Ihr Stellungsspiel verbessern, denn Gegner ablaufen, überholen, Körper zwischen Ball und Gegner bringen etc.
    Grätschen führen in der Regel dazu, dass der Ball ins Aus gespielt wird und der Gegner wieder Ballbesitz hat.
    Außerdem ist gerade in der F doch nach wie vor eines der primären Ziele, dass die Kids sich im 1gg1 und Dribbling versuchen und trauen.

    Wenn man jedes Mal damit rechnen muss, dass ein Gegenspieler einem mit Anlauf zwischen die Beine rutscht, fördert das den Mut dazu eher nicht. Mal abgesehen davon, dass den Kindern in dem Alter einfach noch das Timing fehlt Grätschen so sauber auszuführen, dass sie meistens den Ball treffen und nicht jedes Mal eine Verletzungsgefahr für den Gegner darstellen.

    Dementsprechend finde ich in der Altersklasse das Verbieten / Vermeiden von Grätschen absolut sinnvoll.


    2-Minuten-Strafen habe ich dafür zwar nicht ausgesprochen, aber Ballbesitz für die andere Mannschaft (egal ob der Ball gespielt wurde oder nicht) hat i.d.R. ausgereicht, dass die meisten gar nicht erst versucht haben Zweikämpfe per Grätsche zu bestreiten.

    Positiver Effekt: einige sind mittlerweile in der U15 bzw. U16 und auch da immer noch in der Lage Zweikämpfe zu gewinnen ohne die Grätsche auszupacken.

  • Finde ich ehrlich gesagt ganz schwierig.

    Eine gute Grätsche ist eine komplexe koordinative Aufgabe und sollte daher durchaus im Kindesalter ausprobiert werden dürfen.

    Irgendwelche taktischen Überlegungen wie lieber das Stellungsspiel verbessern etc. sollte man dem gegenüber hinten anstellen.

    Gerade beim Grätschen ist es so, dass es sehr schwierig im höherern Altern zu erlernen ist und man es später bei höherem Niveau allerdings in jedem Fall braucht.


    Durch das Verbieten der Grätsche nimmt man denn Kindern einfach eine Entwicklungsmöglichkeit.

    Meine Meinung.