Vom Ausland lernen

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  • Danke für die Einblicke! Einige Punkte würde ich gerne auch in D sehen (keine Spieler ohne Einsatzzeiten, keine Sperrfristen für Kleine), andere eher nicht (Spielbetrieb 7:7 oder 8:8 für U7?). Eine Rückfrage zur Kaderbesetzung: Du beschreibst, dass viele Spieler Wechsel nach oben anstreben. Wie sieht es denn dann in den Vereinen "oben" aus? Die müssen doch dann zwangsläufig permanent Kinder nach ein oder zwei Saisons wieder wegschicken, um Platz für die Nachrücker zu haben. Oder wie geht das?


    Grüße

    Oliver

  • Ich glaube im groben dürfte die Ausbildung in der Spitze gut bei uns sein, wo man aber mal schauen sollte was im Ausland besser gemacht wird, ist beim Thema Wettbewerb und Spielpraxis.


    Woher bekommen junge Spieler diese auf höchstem Niveau? Bayern 2 spielt dritte Liga, verstärkt sich aber weltweit mit vielversprechenden Talenten. Vermutlich würde ich mein Kind eher zu Unterhaching schicken als zu den Bayern.


    Die sind eher drauf angewiesen durch den Kosten/ Nutzen Faktor gut auszubilden und mehr Spieler rauszubringen.


    Lassen wir mal Top Teams aussen vor die sich Talente aus aller Herren Länder nachkaufen, und richten den Fokus auf den durchschnittlichen Profiklub von Liga 1- 3.


    Wie kann man es da schaffen, Jugendspieler so zu fördern und zu fordern das sie konkurrenzfähig sind.


    In Liga 3 musst du eine gewisse Anzahl U23 Spieler im Kader und auf der Bank haben, das macht diese Spieler zwar überproportional teuer, aber geholfen ist ihnen damit nicht.

  • Du beschreibst, dass viele Spieler Wechsel nach oben anstreben. Wie sieht es denn dann in den Vereinen "oben" aus? Die müssen doch dann zwangsläufig permanent Kinder nach ein oder zwei Saisons wieder wegschicken, um Platz für die Nachrücker zu haben. Oder wie geht das?

    Oliver, bin da auch kein Experte. Ganz oben denke ich wirst Du zum Koordinator gerufen und der fragt Dich, ob Sie Deinem Kind helfen sollen einen neuen Verein zu finden. Zumindest spielen hier alle Vereine nach den gleichen Regeln in einem Liga System.


    Ich habe gerade in Deutschland gelesen das sich im Norden die NLZs in eine eigene Liga verabschiedet haben, mit eigenen Regeln. Das finde ich schlimm.

  • Ich habe gerade in Deutschland gelesen das sich im Norden die NLZs in eine eigene Liga verabschiedet haben, mit eigenen Regeln. Das finde ich schlimm.

    Ganz so ist das nicht. Das gilt nur für die U13. Hintergrund ist, dass es in den Norddeutschen Verbänden für die D-Jugend keinen Spielbetrieb oberhalb der Kreisebene gibt. Auf Kreisebene ist eine NLZ-U13 unterfordert. Alternative wäre, sie in der C-Jugend spielen zu lassen. Das würde aber heißen, dass man schon ein Jahr eher auf's 11er Feld müsste. Das will man auch nicht. Stattdesen spielt man im Nord-Cup 7er (!) Fußball auf Halbfeld. Beide Vereine teilen ihre U13 in 2 Mannschaften auf und man spielt gegen beide Mannschaften des Gegners. Dadurch wird die Spielzeit pro Spieler nochmals erhöht.


    50 EUR pro Monat, plus minus, in allen Klubs.

    Wow.

  • "Kinderfußball: Hürden beim Vereinseintritt" (Quelle: mobilesport.ch)


    Die Einleitung:

    "Eine Untersuchung der Eidg. Hochschule für Sport Magglingen EHSM und des Schweizerischen Fussballverbands SFV zeigt: Schweizer Fussballclubs platzen aus allen Nähten. Zu viele Kinder landen auf Wartelisten. Dies kann zu einem Verlust von Talenten sowie einem Ausschluss aus dem Sportsystem führen. Sowohl bei Knaben als auch bei Mädchen. Die Untersuchung zeigt aber klar auf: Es braucht eine Umwandlung in der Schweizer Kinderfussballlandschaft. Lösungsansätze sind da, wenn auch nicht immer einfach umzusetzen."


    Die Lösungsansätze sind aus meiner Sicht gut. Ich frage mich immer wieder, woran sie scheitern. Und ich komme immer mehr zu der Einsicht, dass sie nicht an den Kindern, sondern an uns Erwachsenen scheitern.

  • Ohne genug Trainer wird es keine Verbesserung der Situation geben.
    Deswegen ist der Ansatz schon Jugendliche ab 14 Jahren an das Trainersein heranzuführen der entscheidende Punkt in den Beitrag.
    ich denke viele Jugendliche finden am Trainerjob Interesse und bleiben dabei wenn sie da mal reinschnuppern lässt.
    Notfalls auch mit einen kleinen finanziellen Anreiz vom DFB.
    Denke wenn man ihnen erstmal zeigt das das auch eine wertvolle Aufgabe ist für andere etwas zu tun bleiben einige hängen als zukünftige Trainer.

  • Ganz so ist das nicht. Das gilt nur für die U13. Hintergrund ist, dass es in den Norddeutschen Verbänden für die D-Jugend keinen Spielbetrieb oberhalb der Kreisebene gibt. Auf Kreisebene ist eine NLZ-U13 unterfordert. Alternative wäre, sie in der C-Jugend spielen zu lassen. Das würde aber heißen, dass man schon ein Jahr eher auf's 11er Feld müsste. Das will man auch nicht. Stattdesen spielt man im Nord-Cup 7er (!) Fußball auf Halbfeld. Beide Vereine teilen ihre U13 in 2 Mannschaften auf und man spielt gegen beide Mannschaften des Gegners. Dadurch wird die Spielzeit pro Spieler nochmals erhöht.


    Wow.

    Es war wohl auch so, dass die Verbände nicht beim 7er Spielbetrieb für die D-Jugend mitmachen wollten. Also hat man sich was eigenes ausgedacht.

  • Der bekannteste Spieler mit diesem Weg ist wohl Julian Gressel (D.C. United). ran.de schreibt dazu:

    "In Neustadt an der Aisch geboren, tingelte Gressel in seiner Jugend über die Dörfer. 2013 spielte Gressel noch in der Regionalliga für Eintracht Bamberg, ehe er den Sprung über den großen Teich wagte. Über seine Leistungen in seiner College-Mannschaft Providence Friars empfahl sich der Mittelfeldspieler für die MLS. Beim MLS SuperDraft 2017 wurde er von Atlanta United in der ersten Runde als achter Pick ausgewählt. Nach seinem ersten Jahr in der MLS wurde Julian Gressel mit großem Vorsprung zum "Rookie of the year 2017" ausgewählt. Für Atlanta absolvierte Gressel 118 Spiele, erzielte dabei 20 Tore und bereitete 36 weitere vor. Mit dem Klub aus Georgia wurde er 2018 MLS-Cup Sieger und 2019 U.S.-Open-Cup- sowie Campeones-Cup-Sieger (Supercup zwischen dem Sieger der MLS und der mexikanischen Liga). Am 21. Januar 2020 wurde sein Wechsel zu D.C. United bekannt."

  • Belgien hatten wir hier schon in #8. Habe heute dazu zwei Video gesehen: Kris van der Haegen: Bringing the street into the club und The coaching switch. Im ersten (2018) spricht er vor Kindertrainern und im 2. vor GAA-Trainern (2020). Die Folien sind im 2. besser zu erkennen und die Qualität ist auch höher.

    Den Ansatz 2:2, 3:3, 5:5, 8:8 und dann 11:11 auf 2 Tore finde ich auch interessant. In Bezug auf das eine Tor könnte man bei uns auch 2 Popup-Tore zentral nebeneinander stellen. Wäre mal ein Ansatz für das nächste G-Jugend-Festival.

    Die Vorgabe für die Trainer "no coaching" deckt sich wiederum.

  • Bin jetzt von den Basketball Dokumentationen zum Fußball gewechselt ;)

    "Antoine Griezmann - eine Legende wird geboren" (die Dokumentation hat mir gut gefallen)

    Griezmann wechselte im Alter von 14 Jahren nach Spanien zu Real Sociedad San Sebastian - zuvor wurde er von allen französischen Nachwuchszentren aufgrund seiner physischen Voraussetzungen (klein, schmächtig und nicht der Schnellste) abgelehnt. Diese physischen Voraussetzungen erinnern mich ein wenig an L. Messi.

    Die Fragen, die sich mir stellen:

    - ist das heute auch noch so, dass spanische Vereine Spieler mit sehr guten technischen Fähigkeiten und weniger körperlichen Voraussetzungen weiterhin fördern?

    - was machen die Spanier da anders als die anderen Nationen (wie z.B. Deutschland oder Frankreich)?

  • Was mir auffällt ist, dass in Deutschland Spätgeborene nur Außenseiterchancen besitzen weit zu kommen.


    Ich habe mir mal ein paar Daten aktueller Kader (Quelle: WM-Quali. Europa 2021/2022 » Mannschaften) angeschaut:


    Deutschland mit einem 26er Kader:

    - 9 Spieler aus der zweiten Jahreshälfte, davon

    - 8 aus Quartal 3

    - 1 aus Quartal 4


    Frankreich mit einem 26er Kader:

    - 13 Spieler aus der zweiten Jahreshälfte, davon:

    - 7 Spieler aus Quartal 3

    - 6 Spieler aus Quartal 4


    Belgien mit einem 31er Kader:

    - 14 Spieler aus der zweiten Jahreshälfte, davon:

    - 6 Spieler aus Quartal 3

    - 8 Spieler aus Quartal 4


    Spanien mit einem 25er Kader:

    - 7 Spieler aus der zweiten Jahreshälfte, davon:

    - 3 Spieler aus Quartal 3

    - 4 Spieler aus Quartal 4


    Holland mit einem 25er Kader:

    - 12 Spieler aus der zweiten Jahreshälfte, davon:

    - 4 Spieler aus Quartal 3

    - 8 Spieler aus Quartal 4


    Irgendwie schaffen es die anderen Länder einfach, dass bei ihnen um ein Vielfaches viel mehr Kinder gefördert werden und weniger Kinder durch das Raster fallen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland keine Talente in den beiden letzten und vor allem im letzten Quartal geboren werden.


    Obwohl in dieser Statistik was die Geburtsdaten in Spanien angeht, hinterhinkt, herrscht dort eine ganz andere Spielphilosophie als bei uns in Deutschland. Dort "steht" man sehr auf technische Fähigkeiten und nicht vermehrt auf athletische und physische Vorteile.


    In Belgien wird soviel ich weiß auch mit rollierenden Stichtagen gearbeitet um allen Kindern gleiche Rahmenbedingungen zu geben.


    1. Saison Stichtage: 01.01. - 31.12.

    2. Saison Stichtage: 01.04. - 31.03.

    3. Saison Stichtage: 01.07. - 30.06.

    4. Saison Stichtage: 01.10. - 30.09.


    So ein System würde ich mir hier in Deutschland wünschen und bin mir sicher, dass die Breite an Talenten dann exponentiell steigen würde.


    Es wäre fairer, und viel effizienter, da man alle Kinder eines Jahrgangs fördert und nicht nur einen Teil.

    "Kinder die nichts dürfen, werden Spieler die nichts können!"