Jugendspieler diskutiert, tritt nach und stört

  • Ich habe einen "schwierigen" Spieler in der D1-Jugend:

    Seit der F2 trainiere ich die Truppe und er fällt leider immer mal wieder auf durch Quatsch beim Training, diskutieren, überhartes Einsteigen und Egoismus.

    In den 5 Jahren habe ich oft das persönliche Gespräch gesucht und ihm immer wieder positiv zugeredet. Gerne habe ich aber auch mal harte Worte gewählt (auch vor der Mannschaft), wenn das Stören nicht mehr zu ertragen war. Bei (gut gemeinter) Kritik und Hilfestellung wird er aber sofort laut und fängt mit trotzigen Aussagen wie "machs doch besser" (was ich dann übrigens auch immer getan habe) an.

    Sein Verhalten war mal besser, mal schlechter, aber grundsätzlich noch im Rahmen. Mit dem Vater habe ich mehrfach gesprochen (Eltern leben getrennt), er sagte mir, ich solle auch ruhig mal durchgreifen, wenn er sich daneben benimmt. So hatte er auch mal eine Woche Trainingspause, musste das Training vorzeitig verlassen oder ich nominierte ihn bewusst für einen längeren Zeitraum nicht (habe ich ihm natürlich alles erklärt). Ich habe ihn auch öfters im persönlichen Gespräch erklären lassen, wo sein Problem liegt, aber da kam nur sowas wie "du schimpfst immer nur mit mir" oder "die anderen machen es doch auch falsch". Das ist aber falsch, ich achte natürlich genau darauf, wem ich was wie sage und er bekommt sicher nur Kritik ab, wenn er eindeutige Fehler macht. Und diese Kritik formuliere ich positiv und niemals als Vorwurf - alle anderen Kinder verstehen es immer, können es einordnen und verbessern sich dadurch.


    Gestern kam es allerdings zur Explosion: Er versuchte in den Übungsformen ständig zu diskutieren (mehr als normal) und bei Hilfestellungen bekam ich als Antwort "Wieso immer ich?? Bei den anderen sagst du nie was!", obwohl ich ihn nur einmal kritisierte und andere Kinder deutlich öfter. In einer späteren Spielform trat er einem Kind absichtlich auf den Fuß, der andere Junge lag weinend am Boden. Der Treter ging aber weg und als ihn andere Kinder darum baten, sich zu entschuldigen, sagte er "Wofür? Der soll einfach aufhören zu heulen". Zwei Minuten später verlor er einen Zweikampf, lief dem anderen Spieler hinterher und versuchte mit einem Sprung und gestreckten Beinen, den anderen Spieler am Knöchel zu treffen und zu Fall zu bringen. Höchstes Verletzungsrisiko, es haben nur wenige Zentimeter gefehlt.

    Mein Co-Trainer und ich haben ihn zur Seite genommen, ihm deutlich gesagt, dass es so nicht geht und ihn an den Spielfeldrand gesetzt: Daraufhin murmelte er vor sich hin "Scheiß Verein, hier lernt man eh nichts, ich hör auf mit Fussball". Nun hat er für Heute und Samstag das Training abgesagt mit den Begründungen "Kein Bock" und "Bin weg".


    Wenns nach mir geht, kann der Junge bis Februar zu Hause bleiben und dann beweisen, dass er sich doch besser benehmen kann (falls er überhaupt nochmal wiederkommen will). Oder wie soll ich nun reagieren? Mit den Eltern sprechen? Durchgehen lassen kann ich es definitiv nicht, die Verletzung anderer Spieler billigend in Kauf zu nehmen geht überhaupt nicht.


    Technisch ist er gut, aber mit dem Verhalten neben dem Fussball bremst er die Mannschaft und bringt einfach nur Unruhe rein. Ich möchte keine Kinder aus der Mannschaft werfen oder verlieren (trotz 23er Kader), nur irgendwas muss hier passieren.


    Hat jemand einen Rat?

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Schwierige Situation...


    Gewisse Trotzreaktionen kann ich - gerade in dem Alter - problemlos tolerieren. Ich arbeite an einer Schule mit Sechstklässlern und weiß, wie es zumindest dort abgeht... Aber wenn die Gesundheit der anderen Jungs (für die ICH die Verantwortung habe) mutwillig gefährdet wird, dann ist definitiv eine Grenze überschritten.


    Dein Spieler sagt, ,,hier lernt man eh nichts!", blockt aber bei deinen Hilfestellungen ab bzw. wird respektlos. Da würde ich nochmal vor dem nächsten Training ansetzen unter vier Augen. Und dann ginge es mir nicht mehr darum, ihn wieder irgendeinen Grund für sein Verhalten vorschieben zu lassen. Sondern dann wäre ICH dran und würde ihm sagen, was mich stört und wie er sich ab heute zu verhalten hat. Deutlich und unmissverständlich. Dann würde ich ihm klare Konsequenzen aufzeigen (die du auch in deinem Beitrag schon beschrieben hast). Und noch was was würde ich ihm sagen: "Meine Spieler treten niemanden, meine Spieler beleidigen niemanden. Meine Spieler fangen während Spiel oder Training nicht mit mir das Diskutieren an. Wer das tut, ist nicht mein Spieler. Wenn nötig, ist mir der Ausschluss solcher Spieler völlig egal."


    Nach dem Gespräch wüsste der Junge definitiv, woran er ist. Alles weitere liegt dann doch an ihm.


    Ergo meine Empfehlung: Elterngespräch vorerst nein. Suspendierung vorerst nein. Klare Linie/Vereinbarungen ja, unbedingt, sofort.

  • Danke, das bringt mich auf jeden Fall weiter! :) Werde ich machen, wenn er nächste Woche wieder da ist.


    Ich wills nicht aussprechen, aber diese Widersprüche im Verhalten sind einfach nicht intelligent:

    - Er lernt angeblich nichts, aber gleichzeitig missachtet er Hilfestellungen

    - Er will ständig im Mittelpunkt stehen, Lob (und das gibt es zu Hauf) prallt aber ab und bei Kritik wird sofort diskutiert

    - Er tritt andere Kinder, wird bestraft und will die Mannschaft verlassen, weil er für das Treten bestraft wird


    Wie kommt man auf solche Ideen?


    Ich versuche das natürlich auch unter psychologischen Gesichtspunkten zu analysieren und zu verstehen:

    Er war körperlich in der F- und E-Jugend den anderen weit überlegen und hat sich aus Faulheit einfach auf seinen guten Schuss und seinen Körper verlassen. Daraus resultiert natürlich so ein Gefühl wie "Ich bin wichtig" und "ohne mich geht nichts". Nun hat er sich nicht weiterentwickelt, weil Kritik und Hilfestellung eben nicht angenommen wird ("Wozu brauch ich das? Ich schieße doch eh die meisten Tore!"). Jetzt in der D-Jugend, wo das Feld größer ist, auch mehr Laufarbeit und Spielverständnis von Nöten ist, überholt ihn sogar der Junge, der am Ball nichts kann, aber ohne Ende laufen kann. Das muss auf jeden Fall frustrierend sein: Dennoch kein Grund, es an anderen Kindern auszulassen und seine Aggressivität so auf dem Platz auszuleben. Menschen/Kinder wollen sich einfach selbst keine Fehler eingestehen und es ist einfacher, wenn die anderen Schuld sind. Leider fällt man mit der Einstellung nicht nur im Fussball, sondern auch im weiteren Leben, oft auf die Schnauze.

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  • Es gibt solche Kinder mit Kompensationsverhalten(schwierige Situation zuhause). und Gleichzeitigem Aufmerksamkeitsdefizit. Hilfestellung soviel als möglich, aber nur natürlich auch klare Regeln, wie richtig oben beschrieben. Ich habe 2 solcher Kinder nun. Nicht so extrem, aber unheimlich ICh-bezogen.

    Habe gestern mal von oberhalb des Platzes Bilder vom 5 gg. 5 gemacht um Aufteilung zu visualisieren.

    Frage bei : Wieviele von Bunt sind hinterm Ball? (Es waren 3 zu sehen)

    Er : Ich!!!!

    Ich : Ich fragte nicht WER sondern wieviele ;-)?

    Es geht darum, zu kompensieren, der Beste zu sein. Auch mit dem Hintergrund schwerer Verhältnisse zu Hause.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Zusätzlich sollte noch enthalten sein, dass du ihn sowohl als Mensch und Spieler schätzt, seine Stärken kennst, aber auch seine kleineren Schwächen.

    Du wirst nur eine Chance haben, wenn er sich Grundsätzlich von dir wertgeschätzt wird. Das ist wesentlicher einfacher gesagt, als getan. Das ist klar. Viel läuft da auch eher im „Subtext“, als durch besondere Worte oder Lob.

    Aber ganz offensichtlich fühlt er sich ungerecht behandelt, nur er bekomme immer Sanktionen (er fühlt sich so, objektiv wird das nicht so sein), etc.

    Ich würde ihn nicht groß vor versammelter Mannschaft „zusammenfalten“. Aktion von Ihm- Konsequenz von dir- ggfs in einem Vier-Augen-Gespräch.

    Die große angesprochene Schwäche bzw. Verhaltensweise kannst du eben tolerieren. Nicht nur bei ihm, auch bei anderen nicht.


    Andere Dinge - wie zB den von dir angesprochenen Egoismus - würde ich aber erstmal nicht groß zum Thema machen. Der Fokus muss auf dem nicht tolerierbaren verhakten liegen, eben damit er sich nicht fühlt, als würde er für alles kritisiert werden.


    Leider reden wir hier über einen D-Jugendspieler.

    Je älter ein Kind ist, desto schwerer wird es solche Verhaltensweisen in den Griff zu bekommen.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Ich seh das anders!

    Hier wurde jahrelang mit allen gängigen Mitteln versucht einen Spieler im Zaum zu halten.

    Trotz all dieser Bemühungen ist es nicht nur nicht besser geworden, sondern in unerträglichem Maße eskaliert!

    Hier gehört ein eindeutiger "STOPP" installiert!

    Es kann doch jetzt nicht am Spieler liegen, wann er gedenkt wieder mal in´s Training zu kommen!

    Ich als Trainer würde hier der Handelnde sein wollen.

    Ich würde einen Termin setzen für Gespräch mit Spieler und Eltern.

    Es gilt in Erfahrung zu bringen ob er überhaupt Willens ist weiterzumachen.

    Wenns nach mir geht, kann der Junge bis Februar zu Hause bleiben und dann beweisen, dass er sich doch besser benehmen kann (falls er überhaupt nochmal wiederkommen will).

    ...ja, nach wem soll es denn sonst gehen?

    Wenn er glaubhaft versichert weitermachen zu wollen, dann Pause bis Februar!

    Technisch ist er gut, aber

    ...spielt überhaupt keine Rolle, sondern...

    ersuchte mit einem Sprung und gestreckten Beinen, den anderen Spieler am Knöchel zu treffen und zu Fall zu bringen. Höchstes Verletzungsrisiko, es haben nur wenige Zentimeter gefehlt.

    ...das ist das eigentlich wichtige!


    hier geht´s drum, ob der Rausschmiss nochmal verthindert wird oder nicht !!!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Charles De Goal , hier musst du im Gespräch mit dem Spieler und seinen Eltern für Klarheit sorgen: Welches Verhalten zieht welche Konsequenzen nach sich? Das muss klar definiert und dann mit dem Spieler kommuniziert werden.


    Danach ist es an dir bzw. euch als Trainerteam, diese Vereinbarungen ernst zu nehmen. Wenn ihr vereinbart, dass gewisses Fehlverhalten eines ggf. mehrmonatiges Ausschluss zur Folge hat und das mit dem Spieler so klar besprochen ist, dieser sich aber trotzdem darüber hinwegsetzt, dann müsst ihr die Konsequenzen ziehen.


    Wichtig ist jetzt Klarheit!

  • Wir haben einen Regelkatalog, der viele wichtige (und auch weniger wichtige Dinge) beinhaltet. Über Missachtung und "Strafen" haben wir uns nie wirklich Gedanken gemacht, denn das einzige, was nicht eingehalten wird, hat von Natur aus direkten Einfluss auf die Nominierung für den Kader und das sehen wir dann schon als Bestrafung (Unentschuldigtes Fehlen, Training stören, kein Einsatz im Training).


    Zu diesem Regelkatalog gehören aber auch Respekt und Fairness gegenüber Gegnern, Mitspielern, Schiedsrichtern. Oder Welche Kleidung zum Training oder zu Spielen angezogen werden, Begrüßung mit Handschlag (die besonders coolen auch Begrüßung mit der Faust), Sporttasche selbst tragen, nach dem Training gemeinsam aufräumen oder die Trainer nicht unterbrechen. Das hat bisher funktioniert!


    Das ist nun tatsächlich der erste Fall, der gegen diesen Regelkatalog verstößt und eine "höhere" Strafe fordert als eine Nichtnominierung.


    Wir werden das (gegebenenfalls auch mit dem Vorstand) beraten und ich tendiere insgeheim schon dazu, dass der Spieler eine Schaffenspause von einigen Wochen/bis zu 2 Monaten bekommt (tut zur Futsal-/Hallensaison natürlich besonders weh).


    Nach euren guten und hilfreichen Beiträgen habe ich natürlich auch viel darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass dem ganzen knallhart ein Riegel vorgeschoben werden muss. In erster Linie, um Mitspieler zu schützen und den Trainingsbetrieb ohne Probleme bewältigen zu können. In zweiter Linie allerdings auch, um dem Jungen die Lektion zu erteilen, dass er mit diesem Verhalten nichts im Mannschaftssport oder Sport allgemein zu suchen hat.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Puh, das ist eine schwierige Situation. Wir haben auch das gleiche in unserer D-Jugend.

    Eltern arbeiten viel, Kind ist viel allein zu Hause, darf medial schon viel machen (Fortnite, Internetzugang ...)

    Der fällt eigentlich auch überwiegend negativ auf. Wahrscheinlich ist aber das Entscheidende mangelnde Aufmerksamkeit.

    Egal ob positiv oder negativ.

  • Wahrscheinlich ist aber das Entscheidende mangelnde Aufmerksamkeit.

    Egal ob positiv oder negativ.

    Richtig. Aber erkläre das mal den Eltern der Mitspieler, die im schlimmsten Fall nach einem unbeherrschten Tritt ihr Kind ins Krankenhaus fahren müssen. Sicher sind wir Trainer Teil eines Erziehungskonstruktes aber eben auch nur ein kleiner Teil. Die Hauptarbeit muss im Elternhaus geleistet werden. Und wenn die überfordert sind, gibts Fachleute.


    Außerdem geht einer Suspendierung zumeist eine lange "Leidensgeschichte" voraus...

    Ich habe sogar mal einen Bambinispieler suspendiert, der getreten und gespuckt hat. Ohne Grund, aus dem Nichts. Gespräch mit den Eltern geführt und die haben das Kind sofort abgemeldet... So kann man es dann auch machen. :cursing:

  • @Charles De Goal - deine Ansätze und dein Verhalten in allen Ehren. Du wirst nicht viel machen können, da du nicht weisst was zu hause abgeht bei den Eltern abgeht. Du hast mit den Jungs ein Regelwerk aufgestellt und hier gilt es diesen Einzuhalten mit entsprechender Konsequenz . Einige Jungs reagieren auf Strafen und andere wiederum garnicht.

    Diskussion auf dem Platz führen meist zu nichts. Ich finde du hast schon viel investiert. Rauswerfen würde ich ihn nicht, sondern haltet Euch an Eurer Regelwerk mit der entsprechenden Suspendierung. Ich würde ihn mal 1 Woche, dann 2 Wochen rausnehmen. Die Änderung muss vom Spieler kommen und er muss dir zeigen, daß er sich ins Team integriert und nicht sich das Team an ihn anpasst.

  • Du schreibst, dass du diesen auch auffälligen Spieler seit der F-Jugend hast, aber irgendwo auch, dass dies der erste so extreme Fall war.( zumindest habe ich das irgendwo so rausgelesen).


    Das widerspricht sich mM nach ein wenig und das hat auch Auswirkungen auf die Maßnahmen, die ich ergreifen würde.



    Falls er wirklich schon seit der F-Jugend in Kader ist und häufig auffällig war, dann sehe ich kaum Chancen das Ruder jetzt noch runzureißen.

    Wenn du es in all den Jahren nicht geschafft hast, dann wird das jetzt wohl auch nichts mehr. Selbst bei bestem Pädagogen schafft man das eben nicht bei allen.

    Es ist eh wesentlich schwerer bei einem D-Jugendapieler positiven Einfluss diesbezüglich zu haben, als bei einem F-Junior.

    Aber mit dem selben Trainerteam ist das mM nach jetzt kaum noch möglich.

    Wertschätzung, die ihn dazu bringt wenigstens grobe Dinger nicht mehr zu bringen (weil er dir den Ärger nicht antun will), wirst du in eurer Beziehung nach dieser länger Zeit nicht mehr vermitteln können, wenn es bis heute nicht gelang.



    Konsequenzen - welche auch immer - hin oder her, da muss man vllt jetzt dann an die gedämmte Gruppe denke.



    Fantomas :

    Auf Strafen reagieren alle Kinder nicht wirklich.

    Konsequenzen, die einen klaren Bezug zum eigenen Verhalten haben, sind da etwas anderes.

    Viele Kinder brauchen und suchen sogar nach Grenzen/Konsequenzen. Wenn diese nicht kommen, dann wird das mit zunehmendem Alter (und von den selben handelnden Personen) schwer hinzubekommen sein.

    Spieler, die ohne Konsequenz - meist weil sie der beste Spieler sind - unsportlich auf dem Feld agieren, sind dann auch die Spieler, die später solche Taten ausüben.

    In jüngsten Jahren kann man das noch relativ gut „in den Griff“ bekommen als Trainer.


    Konsequenz und Strafe ist ein entscheidender Unterschied in allen Erziehungsfragen.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Ich möchte euch auf dem Laufenden halten:

    Der Spieler hat sich am Sonntag (also 4 Tage nach dem "Vorfall") per SMS bei mir entschuldigt, woraufhin ich ihm sagte, dass wir darüber nochmal beim Training sprechen.

    Beim nächsten Training konnte er nicht, war aber dann Mittwoch einmal da: Zuerst hat der Vater mich um ein Gespräch gebeten, in dem er mir sagte, dass er es nicht in Ordnung fand, den Jungen zuschauen zu lassen (weil es kalt war?!). Und er sagte, dass sein Sohn unzufrieden wäre und das durch sowas äußert (u.A., weil er angeblich benachteiligt wird bei Foulentscheidungen nach Zweikämpfen oder immer nur kritisiert wird).

    Mag sein, dass er sich ungerecht behandelt fühlt (wird er aber nach Rücksprache mit Co-Trainer und anderen Beteiligten NICHT), dennoch ist das keine Entschuldigung für massives Stören des Trainings oder sogar gefährliches Nachtreten!! Das Gespräch ging dann in eine Richtung, die mir nicht gefiel, weil es nurnoch darum ging, dass der Junge unzufrieden ist. Das Problem ist aber meiner Meinung nach, dass er offenbar seine Unzufriedenheit durch Nachtreten äußert!!!!

    Das war alles in einem ruhigen und vernünftigen Ton, ich habe das Gespräch aber dann beendet, da ich das Training leiten musste und es am Ende tatsächlich darum ging, dass sein Junge im vorletzten Spiel nur 15 Minuten gespielt hatte und andere länger (beim entscheidenen Spiel um die Kreismeisterschaft musste ich taktisch wechseln).


    Nach dem Training habe ich mit dem Jungen gesprochen und ihn zuerst gefragt, ob er etwas zu sagen hat. Das hat er verneint. Dann habe ich ihm klar gemacht, dass dieses Verhalten absolut nicht in Ordnung war. Er hat auch das eingesehen und sich nochmal dafür entschuldigt. Ich habe ihm positiv zugesprochen und ihn daran erinnert, dass er durchaus gute Ansätze hat und die nicht immer durch negatives Verhalten kaputtmachen soll. Das hat er ebenfalls eingesehen und Besserung gelobt. Er wirkte sehr erleichtert, dass wir die Entschuldigung akzeptiert haben.


    Insgeheim glaube ich aber, dass der nächste Aussetzer nicht lange auf sich warten lässt, wenn das passiert, ist er aber wirklich weg vom Fenster. Vielleicht bin ich zu nett bei sowas.

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  • Irgendwo her kenne ich das.

    LEider glaube ich auch das der nächste Aussetzer nicht lange auf sich warten lässt.

    und das schließe ich nicht aus der Reaktion des Jungen sondern des Vaters. Entschuldigungen zu finden die nur das

    Fehlverhalten rechtfertigen, sind nicht förderlich für eine positive Entwicklung. Peter Hyballa hat neulich mal in einem

    Interview sinngemäß gesagt: Wir haben es mit einem anderen Umfeld zu tun. Wenn jemand früher weniger gespielt hat, hat das Umfeld gesagt er solle sich im Training reinhängen. Heute sagt das Umfeld: Der Trainer ist schuld.

    Leider werden damit diziplinlose Egoisten geformt. Ich habe einen Spieler, der viel Zuspruch braucht. Den gebe ich Ihm auch. Er fällt allerdings durch Lustlosigkeit bei kleinster Kritik(in Form von Korrektur) auf. Die Mutter hat Verständnis, aber entschuldigt das Verhalten durch zig Umstände. Der Junge braucht sich gar nicht zu ändern. Es sind die Umstände schuld. SChade finde ich das. Die Eltern merken gar nicht, das positiver Zuspruch wichtig ist, aber auch Verhaltensänderung und somit auch Kritik. WEnn ich in Mathe ständig störe und schlechte Noten schreibe, aber das Umfeld halt schuld ist (unbequemer Stuhl, Lehrer erklärt falsch etc. ) warum sollte ich den Antrieb entwickeln mehr zu lernen oder mein verhalten zu ändern???

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Charles De Goal , hast du denn jetzt mit dem Jungen (bzw. dem Jungen und seinem Vater!) konkrete Verabredungen über Konsequenzen getroffen? Ich würde das wichtig finden.

    Jein. Konkret ist es nicht: Ich habe beiden im Einzelgespräch gesagt, dass, wenn sowas nochmal vorkommt, eine längere Pause ansteht, weil wir natürlich die Verletzung von anderen nicht in Kauf nehmen können und ebenfalls Rücksicht auf die Entwicklung der anderen nehmen müssen, die durch sein Stören beim Training in Gefahr ist.


    Meint ihr, ich hätte konkret sagen sollen, dass es dann einen Monat Pause gibt oder er aus der Mannschaft fliegt? Wäre sinnvoll gewesen, weil dann hätte ich die Warnung ausgesprochen und bei Zuwiderhandlung müsste ich nicht nochmal lang und breit erklären, warum das so ist.

    Wer gut zielt, macht viele Tore - Wer gut spielt, hat viel Spaß - Wer beides macht, hat Erfolg

  • Ich behandele es analog zur Sportgerichtsbarkeit.

    Tätlichkeit oder Beleidigung ist ne Rote Karte und x Wochen Sperre.

    Mildernde Umstände ("Ersttäter", Situation etc etc.) werden berücksichtigt.

    Erschwerende Umstände (Wiederholungstäter, Inkaufnahme einer Verletzung etc.) werden ebenso berücksichtigt.

    Sperre gilt für den Spiel- und Trainingsbetrieb.

    Diese Regelung gilt für alle.

  • Vielleicht bin ich zu nett bei sowas

    ich glaube, das passt schon wenn man ein Herz für die Kids hat.

    Letztendlich ist es ja auch jedesmal ein Lernprozess für uns Trainer.

    Hier hast du bestimmt gelernt, dass wichtige Gespräche besser nicht unmittelbar vor oder wärend des Trainings geführt werden sollten?

    Beim nächsten "Aussetzer" solltest du Ort, Zeitpunkt und Teilnehmer des Gespräches bestimmen!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • ich glaube, das passt schon wenn man ein Herz für die Kids hat.

    Letztendlich ist es ja auch jedesmal ein Lernprozess für uns Trainer.

    Hier hast du bestimmt gelernt, dass wichtige Gespräche besser nicht unmittelbar vor oder wärend des Trainings geführt werden sollten?

    Beim nächsten "Aussetzer" solltest du Ort, Zeitpunkt und Teilnehmer des Gespräches bestimmen!

    Ja, definitiv! Aus mehreren Gründen: Erstens, weil ICH als Trainer entscheide und nicht ein Spieler oder Elternteil. Zweitens, weil ich dann vorbereitet bin und weiß, in welche Richtung das Gespräch laufen muss.

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  • ich glaube, das passt schon wenn man ein Herz für die Kids hat.

    :thumbup::thumbup:


    Meint ihr, ich hätte konkret sagen sollen, dass es dann einen Monat Pause gibt oder er aus der Mannschaft fliegt?

    Ja, ich denke, es ist gut, in solchen Fällen eine konkrete Absprache zu treffen: welches Fehlverhalten zieht welche Konsequenzen nach sich. Das gibt allen Sicherheit, dir, aber ja auch dem Spieler. Ich würde es dabei auch so halten wie luibo , also nicht so, dass er jetzt aus dem Kader fliegt oder so etwas. Aber eben schon, dass er dann mit einer Pause rechnen muss. Wie auch immer, aber eben eine unmissverständliche Ansage, welches Fehlverhalten welche Konsequenzen nach sich zieht. Das ist für alle hilfreich, für den Spieler und auch für dich!