Trainingsphilosophie: Üben vs. Spielen

  • Hallo miteinander,


    Ich hab mir in den letzten Tagen einige Gedanken zum Thema Trainingsgestaltung bzw. Gewichtungvon einzelnen Aspekten in der täglichen Arbeit gemacht.


    Es geht um die Aufteilung des Trainings in Übungs (hier: alles was ohne Gegnerdruck stattfindet) und Spielformen (alles was mit echtem Gegnerdruck gespielt wird).


    Es ist extrem auffälig, dass es hier oft sehr "extreme" Herangehensweisen gibt. Die Münchner Fußball Schule legt sehr viel Wert auf Übungen, während bspw. Maric und Henseling in "Fußball durch Fußball" möglichst ausschließlich Spielformen trainieren lassen will.


    Es wird hier wohl keiner eine Non-Plus-Ultra Lösung liefern, aber ich würde trotzdem gerne mal die Unterschiedlichen Meinungen dazu hören.

  • Moin,

    stellt sich erstmal die Frage über welche Altersgruppe man spricht. Welchen Schwerpunkt habe ich? Technik? Taktik? Ausdauer? Wie weit ist die Gruppe die ich trainiere. Für mich beinhaltet ein gutes Training beides. Von der Übungsform komm ich zur Spielform. Vom Leichten zum Schweren bzw. vom einfachen zum komplizierten. Bei meinen Lehrgängen zur Lizenz wurde immer viel Wert darauf gelegt das Übungsformen und Spielformen möglichst abwechselnd stattfinden und ich muss sagen das ich damit momentan auch am besten fahre.

  • Meine Jungs wollen am liebsten von 1. bis zur letzten Minute ein Spiel, so wie auf der Strasse.

    Es hängt sehr davon ab, ob du eher den Breitensport oder den Leistungsbereich trainierst.

    Immer viel Abwechslung für die Kids. Ich habe nur 1/4 des Platz zur Verfügung.

    Mein Plan i.d.R.:
    1. Aufwärmen (15 Min)

    2. Spielen 20 Minuten (Minifelder): 1vs 1, 2 vs 2 oder 3 vs 3
    3. Übungen Teil 1 - Schwerpunkt easy - Übungen Teil: II mittel bis schwierig (20-30 Min)

    4. Spielen: 1. Gruppe: 4x 4 auf Minitore oder Jugendtore - der 2. Gruppe eine bestimmte Übung (20-30 Min)

  • Fußball durch Fußball ist für mich eines der besten Bücher zum Thema Training, neben H.WEin -Spielintelligenz.... natürlich.

    Explites Lehren hat seine Berechtigung und dazu sind auch Übungen geeignet.

    Ich habe allerdings ganze Trainingseinheiten die bis auf das ERwärmen (z.b. Dribbel, Koordinations-, Fintieren, PArcour)

    in denen ich nur in Spielformen trainiere. auch erstes Gruppentaktisches Verhalten in der D Jugend.

    Ansonsten Spielen, Trainieren, Spielen, der Klassiker.

    Vom Aufbau her habe ich einen halben Platz. Der Schwerpunkt und die Leistungsstärke des Teams im jeweiligen Schwerpunkt bestimmt die Spielfeldgröße und die Spieleranzahl. Die zu vermittelden Inhalte bestimmen die

    Art des Spielfeldes (z.b. Diamantform, Außenbahnen, etc..) sowie den inneren Aufbau (Pass, Dribbeltore im Feld oder Mittelkorridor, Schußzonen, Umschaltzonen etc. etc. etc.) Grundsätzlich nie eine Spielform zweimal gleich, und wenn es nur marginale Änderungen sind (Umschalttore statt Umschaltzone etc. etc.)

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Obwohl ich sehr für Spielformen bin und sie auch höher gewichte als früher, möchte ich aus mehreren Gründen nicht auf Übungen verzichten.

    Leider ist in vielen Gehirnen das verankert, was auch der Treadersteller anführt, nähmlich das Übungsformen "druckfrei" ablaufen.

    Dabei könnte in vielen Übungen Druck eingebaut werden, sei es durch Gegner, Zeit, Wettkampf u.ä.

    Z.B. kommt in einen Dribbelparcour wesentlich mehr Pfeffer durch einen nachstartenden Verteidiger!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Da meine Spieler in einer Kartenabfrage zu Beginn der Saison zu 90% angeben sie kommen ins Training um "Fussball zu spielen" haben wir fest vereinbart das min. 30min der Zeit für Spielformen und Abschlussspiel verwednet werden. Wobei sich dies häufig ergänzt oder gar kombiniert ist.


    Gleichzeitig sehe ich es aber wie open-minded das Übungsformen nicht immer ohne Druck bedeuten müssen. Wettkampfformen und Zeitbeschränkungen können auch hier vieles bewirken. Dennoch bleibt bei mir die Unterscheidung das in Übungen der Fokus zuerst auf dem eigenen tun und handeln liegt. worauf ich auch nicht verzichten möchte. In Spielformen kommt zusätzlich dann noch der Gegner als "unvorhersehbare" Komponente hinzu.


    Der grobe Ablaufplan unserer Einheiten sieht daher (derzeit) wie folgt aus:

    1. Aufwärmen / Koordination / Bezug zum Schwerpunkt (20-30 min)

    2. Schwerpunkttraining in Übungsformen und/oder Spielformen (meist bereits zum Ende in Spielform) (ca. 30 min)

    3. Spielform /Abschlussspiel (30 min)


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

  • Es geht um die Aufteilung des Trainings in Übungs (hier: alles was ohne Gegnerdruck stattfindet) und Spielformen (alles was mit echtem Gegnerdruck gespielt wird).

    Wenn ich diese Definition einer Übungsform (=ohne Gegnerdruck) ernstnehme, wird bei mir fast nie in solchen Übungsformen trainiert. Kommt wenn dann im spezifischen Aufwärmen oder mal in nem Parcours vor.


    In meinem Trainerlehrgang wurden Übungs- und Spielform allerdings anders definiert. Es ging dort lediglich um das "Spielformat". Eine Übungsform hat definierte Start- und Stoppmechanismen, beispielsweise bekommt immer die angreifende Mannschaft vom Trainer den Ball eingespielt oder die Angreifer starten immer vom Ende des Spielfelds zu einer neuen Aktion. Trotzdem kann in einer Übungsform "gespielt" werden. Eine Spielform läuft "unendlich" mit Ballbesitzwechsel bei Ausball und sofort an der selben Stelle weiter. An diese Definition halte ich mich momentan und suche mir für meinen Hauptteil eine Übungsform und eine Spielform zum selben Thema. In diesen Spielformen gibt es oft mehrere Regeln und Einschränkungen bzw viele verschiedene Tore. Es folgt dann ein Abschlussspiel, bei dem oft frei, aber ab und an auch mit kleinen Einschränkungen "richtig" Fußball gespielt wird.


    Edit: kommt natürlich auch auf die betrachtete Altersklasse an. Müssen noch Grundkenntnisse in Passen und Dribbeln vermittelt werden, sollen neue Finden gelernt werden oder arbeite ich individuell- und gruppentaktisch? Je nachdem bietet sich mehr oder weniger druckfreies Üben an, finde ich.

  • Meine -neu- dazugekommenen Kids(also die älteren D) kennen nur Training, indem die einzige Spielform, übertrieben gesagt, das Abschlußspiel war. Nicht das alles bisherige per se schlecht war. Bestimmt nicht.

    Sie haben aber Umgewöhnungzeit auf das Training in Spielformen gebraucht. Sicher ganz natürlich.

    Auffällig ist die Aktions/ und Handlungsschnelligkeit und Vororientierung die bei den -jüngeren- wesentlich höher ausgebildet ist. Dazu kommt :Zusatzaufgaben werden schnell begriffen und spielerisch -umgesetzt-.


    Mittlerweile bringen Kids Ideen ein, wie man einen Schwerpunkt in einer Spielform umsetzen könnte. Das freut mich, auch wenn vieles nicht zielführend wäre.

    Das ist bei Übungsformen m.e. nicht gegeben.

    Das ist aber ein wichtiger Indikator für den Lernerfolg. Spaß am Lernen.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Meine ursprüngliche Definition Übungs- vs. Spielform war nur der Klarheit wegen gedacht. Ist ja logisch, dass jeder da andere Vorstellungen zu hat.

    Meine Jungs wollen am liebsten von 1. bis zur letzten Minute ein Spiel, so wie auf der Strasse.

    Es hängt sehr davon ab, ob du eher den Breitensport oder den Leistungssport trainierst.

    Wie meinst du das genau?

  • Genau die gleichen Fragen stelle ich mir zur Zeit auch. War auch ein schöner Artikel dazu in der DFB Junior Zeitschrift drin. Glaube vorletzte Ausgabe.

    Ich habe letzte Saison ganz viel von der MFS gemacht, viel in Übungsformen, Technik der Ballverarbeitung, Schußtechnik, Tricks in Wettkampfform z.B: die Torschußübung von Gruppe A läuft so lange, bis Gruppe B Koordinationsparcour mit fussballerischer Zusatzaufgabe 3x geschafft hat. Dann Wechsel (Sanduhrspiel). Muss aber sagen, daß viele Übungen der MFS für meine Jungs zu schwer waren.

    Die Spielformen habe ich glaube ich fast ein wenig zu kurz gehalten in der Rückschau.

    Wenn man sich das Resultat anschaut, sind die Jungs technisch wirklich besser geworden, aber am Zusammenspiel hapert es meines Erachtens noch gewaltig. Vielleicht ist das auch auf der Basis des Trainings geschehen. Nun versuche ich pro Training nur ein Lernziel rauszupicken, wie z.B. Pass in den Lauf! nicht im Stand annehmen, mach eine Übung dazu, und versuche in der Spielform das doppelt zu werten, wenn die Provokationsregel zum torerfolg führt.

    Spannende Frage, bin auf die weitere Diskussion gespannt.

  • Ich springe mal ein. Auf sehr hohem Niveau wird mehr trainiert und intensiver.

    Die Spieler sind schon ziemlich gut und um sie zu fordern, sind klassische Übungen ohne Gegnerdruck wenig Sinnvoll. Dennoch muss man das Training abwechslungsreich halten und die Belastung aufgrund des vielen Trainings steuern. Dafür sind Übungen ganz gut. Außerdem kann man in kleinen Gruppen sehr gut individuell arbeiten um an Schwächen zu feilen, auch hier können Übungen Anwendung finden.


    Wenn du aber eine ziemlich schwache Mannschaft hast, die schnell überfordert ist, sind komplexe Spielformen eher fehl am Platz. Hier kann man schon mal Üben wie ein Pass geht um es in einfachen Spielformen dann anzuwenden. Dazu kommt noch, das breitensport Mannschaften öfter nicht so motiviert und Stressresistent sind. Ist die Mannschaft in einer Spielform überfordert bedeutet das meist Frustration. Hier hilft eine Übungsform zum gleichen Prinzip um etwas runter zu kommen, Erfolgserlebnisse zu tanken und trotzdem was zu lernen.


    Unerfahrene Spieler brauchen mehr hilfen um Aufgaben zu lösen. Am Anfang sollte das Spiel stehen und die Übungsform hilft dann, es zu verstehen.(Also Spielen - Üben - Spielen) Ich persönlich nutze aber fast keine Übungsformen, sondern vereinfachte Spielformen und wenn, dann spielgemäße Übungsformen mit Gegnerdruck. Kinder wollen Spielen und es ist wichtig diesen Spieltrieb so lange wie möglich zu erhalten. Ich kann jetzt zwar nicht wirklich sagen, was besser ist: Üben oder Spielen, doch macht meine Truppe stetige Fortschritte. Dazu kommt noch, das die Mannschaft regen Zulauf hatte (trotz vieler Niederlagen) und wir, seit dem ich sie übernommen habe, von 10 auf 15 Kinder gewachsen sind. Ich vermute mal das liegt auch daran das das Training spaß macht und sich das rumspricht ;)

  • Wir sind zu zweit. Ich bin Co-Trainer.


    Kommt sehr auf den Trainingstag in der Woche an. Montags arbeiten wir teilweise fast ausschließlich in Spielformen (Rondos, Überzahl etc.), bis auf Koordination mit der Leiter. Mittwoch/Freitag, wenn wir taktische Schwerpunkte erarbeiten, wird teilweise auch mehr in isolierten Übungsformen trainiert. Besonders wenn dann Freitag vorm Spiel Training ist achten wir natürlich darauf, dass die Intensität nicht zu hoch ist. Da eignen sich Übungsformen natürlich besser.


    Ich bin ein bisschen am Grübeln im Moment, weil ich nächste Saison wieder eine eigene Mannschaft übernehmen will.

    Ich möchte dass da auch eine gewisse Philosophie dahintersteht.

  • Guten Tag


    Ich lebe in der Schweiz, war aber für 3 Jahre in England. Bin erst seit Januar wieder zurück.

    Natürlich habe ich mich umgehend für eine Trainerfotbildung angemeldet um meine Lizenz nicht zu verlieren.


    Bei der Fortbildung ist mir aufgefallen, dass einiges verändert wurde.

    Wenn man früher zB. eine längere Sektion Spiel 1, eine längere Sektion Uebung und eine längere Sektion Spiel 2 hatte, ist es Heute so, dass die Experten mehr Abwechslung propagiert haben. Dh. kürzere Sektion Spiel 1, dann kurz Uebung, dann wieder ein Spiel, dann wieder eine kurze Uebung und dann Schlussspiel. Alles mit rotem Faden.


    Von der Methodik geht man hier in der Schweiz auch vermehrt ins spielerische.

    Also auch da eher eine Aenderung, bedenkt man, dass wir hier für Jahre, viele verschiedene Drill-Uebungen von Experten beigebracht wurden.


    Irgendwie denke ich, dass das ändern auf vermehrt Spielformen für den Breitenfussball, das Richtige ist. Die Kids und Teens möchten spielen und diese möchten das Netz zappeln sehen. Daher finde ich, dass es Sinn macht.

    Auf der anderen Seite denke ich, dass Wiederholung den Meister macht und sehe im Moment noch nicht ein, wie eine Spielform, eine Uebung vom Lerneffekt her auf ein spezifisches Thema, mithalten kann.


    Leider bin ich aktuell nicht als Trainer tätig, weil mir die Zeit fehlt, aber insbesondere weil ich keine Lust mehr habe.

    Es ist aber schon so, dass ich im Falle das ich ein Team übernehmen würde, mich auf das Neue orientieren würde, schon alleine weil ich Neugierig bin. Dh. mehr Spielübungen und mehr Abwechslung zwischen Spiel und Uebung.


    Hiermit kann ich nur sagen - Du bist ja als Trainer tätig. Wenn's was gibt was Du ausprobieren möchtest und du denkst, dass die Mitglieder Spass haben würden, dann leg los... entweder Du gewinnst oder Du lernst .


    Viel Glück

    Pietro

  • Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Beitrag ein wenig länger wird, möchte ich euch meine Denkweise zu diesem interessanten Thema kundtun.


    1. Grundüberlegung


    Die Gretchenfrage die sich jeder Trainer am Anfang seiner Amtszeit stellen sollte ist doch eigentlich:"Was muss mein Spieler (egal welchen Alters) können um besser zu sein als der Gegner?"


    Obwohl ich mittlerweile zig Bücher zum Thema Training und Trainingssteuerung gelesen habe, will ich ganz unvoreingenommen an diese Frage herangehen und lediglich meine eigene (bestenfalls logische) Antwort auf oben genannte Frage finden.


    1.1 Die vier Eckpfeiler des Fußballers


    Nach reichlicher Überlegung komme ich zu dem Schluss, dass ein Fußballer über vier Grundeigenschaften (die wir nachher noch weiter aufdröseln werden) verfügen muss.


    1. Athletik

    2. Technik

    3. Spielintelligenz

    4. Mentale Stärke


    2. Athletik


    Zur Athletik zählen für mich folgende Punkte:


    1. Schnelligkeit

    2. Ausdauer

    3. Kraft


    Offensichtlich ist, dass Spieler A, welcher wesentlich schneller als Spieler B ist, einen enormen Vorteil hat. Der mittlerweile schon infltationär erwähnte dicke Paule (der in meinem Beispiel sogar ein herausragender Techniker ist) hat einen großen Nachteil, wenn man bedenkt, dass er maximal 10min am Stück spielen kann. Man stelle sich mal eine Kreisligapartie vor, in der Maurer Franz, im Zweikampf auf Bürohengst Jan trifft. Da für Jan auch Liegestütze ein Fremdwort sind, wird Franz beinahe jedes Mal als Sieger aus diesem Duell hervorgehen.


    2.1 Training der Athletik


    2.1.a Training der Schnelligkeit (körperlich)


    Ich bin in diesem Gedankenexperiment jetzt neuer Trainer der kein Vorwissen und keinen Zugang zu Fachliteratur hat. Die einzige Möglichichkeit mich und mein Training zu verbessern ist "Versuch und Irrtum". Nach den Überlegungen aus Pkt. 2 weiß ich jetzt, dass es wichtig ist meine Spieler schneller zu machen. Darum starte ich den gut gemeinten Versuch in jedes Training 10 60m Läufe einzustreuen (Durch Zufall sind sogar die Regenerations- und Belastungszeiten so gewählt, dass es "Sinn" macht). Nach ein paar Wochen verbessern sich die 60m Zeiten bei beinahe allen Spielern (Ich bin ein akribischer Arbeiter der alle Läufe mit der Stoppuhr misst und dann protokolliert.) Allerdings sind die Auswirkung auf das Spiel am Wochenende minimal. Ich fange an meiner Methode zu zweifeln an und erkenne relativ schnell (ich bin ein Naturtalent der Selbstreflexion), dass die 60m Läufe der Belastung im Spiel nicht gerecht werden. Ich beobachte meine Spieler und sehe, dass die meisten Läufe mit Maximalgeschwindigkeit kurze Sprints, mit Stop-and-Go Bewegung und Richtungswechsel sind. Die 60m Läufe werden ab diesem Zeitpunkt der Erkenntnis nur mehr selten eingestreut. Dafür werden nun Sprints mit Richtungswechsel, verschiedenfärbigen Hütchen (ich bin auch ein kreativer Trainer) und über unterschiedlicher Längen durchgeführt um möglichst präzise die Belastung des Spiels zu simulieren.


    2.1.b Training der Ausdauer


    Noch bevor ich mein Amt als Trainer angetreten habe, hörte ich immer wieder von den drei alten Veteranen die jedes Spiel, egal ob Jugend oder Senioren, verfolgen, dass körperliche Fitness - vor allem Ausdauer - der Schlüssel zum Erfolg sei. Ich lasse mich ja nur sehr ungern beeinflussen, aber deren Meinung deckt sich ja auch mit meinen eigenen Überlegungen. Wer ausdauernd ist, ist klar im Vorteil. Deshalb werden ab jetzt zusätzlich zu den Sprints auch Dauerläufe absolviert. Ein Spiel dauert 90min (oder 50, oder 70.. je nach Altersklasse), also sollten meine Spieler auch in der Lage sein 90min zu laufen. Eine Trainingseinheit pro Woche (oder sollten es vielleicht sogar mehr sein?) widmen wir dem Ausdauertraining und laufen eine 12km Runde, die nur kurz von unseren Sprints unterbrochen wird. Schließlich wissen wir ja wie wichtig die Schnelligkeit ist. Nach ein paar Wochen müssen wir unsere Runde sogar auf 13km erweitern, weil sich die Zeiten bessern, allerdings tritt auch in Bezug auf die Ausdauer fürs Spiel nicht der gewünschte Effekt ein. Zwei Spieler haben nach wie vor Krämpfe in der Schlussphase des Spiels und ein paar andere keuchen wie verrückt und brauchen mal ein paar Minuten um sich wieder zu erholen, nachdem sie die Linie einmal rauf und wieder runter gedackelt sind. Also komme ich wieder zu dem Entschluss, auch in Bezug auf die Ausdauer die Belastung des Spiels simulieren zu müssen. Deshalb wird nun die Ausdauereinheit mit Intervallläufen absolviert, wo sich volle, mittlere und geringe Belastung abwechseln. Die Auswirkungen auf die Laufleistung beim Spiel sind enorm. Ich bin ein guter Trainer.


    2.1.c Training der Kraft


    Angetan von der Zweikampfquote von Maurer Franz (die eigentlich nur auf dessen körperliche Stärke zurückzuführen ist), wird am Ende jeder Einheit ein kurzes aber knackiges 20min langer Ganzkörperkraftzirkel absolviert. Langsam aber doch merkt man, dass sich da ein bisschen was tut und selbst Jan (der von seinen Mitspielern liebevoll Lauch genannt wird) hat es beim letzten "Schulter an Schulter Duell" tatsächlich geschafft mal stehen zu bleiben.



    Fortsetzung (und vor allem was die ersten Überlegungen mit Spielf- Übungsformen zu tun haben) folgt...



    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • 3. Technik


    Technik bedeutet für mich, dass Beherrschen des:


    1. Passspiels

    2. Dribblings

    3. Torschusses

    4. Kopfballs

    5. Zweikampfs


    Es ist wieder relativ klar, dass ein Spieler der den tödlichen Schnittstellenpass beherrscht, dem Spieler, der nicht mal die Kugel trifft, natürlich vorzuziehen ist. Die 10min die der dicke Paule (der technisch Starke) in der Lage ist zu spielen, kann er echt den Unterschied ausmachen. Auch Jan der Lauch ist mit seinen überraschenden Pässen eine echte Waffe. Vor allem nachdem er jetzt auch körperlich ein wenig zugelegt hat. Bei Franz dem Maurer besteht aber echt Nachholbedarf. Jedes mal nachdem er auf Grund seiner körperlichen Überlegenheit seinem Gegenspieler den Ball abnimmt, verliert er in postwendend wieder, weil er einfach nicht in der Lage ist den einfachsten Pass über 5m zu spielen.


    Um auf jeden einzelnen Aspekt des Techniktrainings (Passen, Dribbeln, Schießen, Kopfball, Zweikampf,...) einzugehen fehlt mir sowohl die Zeit, als auch der Wille. Deshalb werde ich hier exemplarisch das Thema "Passspiel" anreißen.


    3.1 Training der Technik


    3.1a Passspiel


    Nachdem mein Team körperlich topfit ist. Werden wir uns vermehrt dem Bereich der Technik widmen. Da wir in letzter Zeit sehr viel an der Athletik gearbeitet haben, gibts technisch einige Defizite. Natürlich ist mir bewusst, dass wir nicht alles auf einmal abdecken können und uns schrittweise Verbessern müssen. Deshalb beschäftigen wir uns mit dem Thema "Passspiel". (Und weil es toll zur Verdeutlichung in meinem Beispiel passt :P)


    Voller Tatendrang schreiten wir zur Tat, stellen zwei Gruppen zu je fünf Spieler gegünüber auf und lassen sie abwechselnd einen Ball hin- und herspielen. Output ist wieder eher bescheiden. Ich mache mir Gedanken, ob die Übung die Situationen im Spiel spiegelt und komme abermals zur Erkenntnis, dass ich vor allem variieren muss. Jetzt werden sowohl unterschiedliche Passdistanzen, als auch Mitnahmen in verschiedene Richtungen trainiert. Die Passqualität steigt von Woche zu Woche.


    So weit so gut. Allerdings bekomme ich jetzt schon ein zeitliches Problem. Da wir ein unterklassiger Verein sind, waren wir es immer gewohnt zwei mal die Woche zu trainieren. Wenn ich aber eine Ausdauereinheit pro Woche habe, bleibt nur mehr eine zum Techniktraining. Ob das nicht zu wenig ist. Schließlich muss ich ja auch die Sprints, und den Kraftzirkel unterbringen.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

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  • 4. Spielintelligenz


    Unter Spielintelligenz verstehe ich ganz einfach in der jeweiligen Situation die richtige Entscheidung zu treffen. Das kann von ganz simpler Individualtaktik (z.B. Laufweg des Gegners antizipieren, entsprechend fintieren und erfolgreich dribbeln), über Gruppentaktik (z.B. Überzahlsituationen erkennen und effektiv ausnutzen) bis hin zu hochkomlexen Mannschaftstaktischen Elementen (z.B. zur Seite lenkendes MF-Pressing) reichen. Es ist ziemlich einleuchtend, dass Spieler die in der Lage sind sich am Feld "intelligent" zu verhalten grundsätzlich bessere Spieler sind, als jene die keine Ahnung von den Mechanismen des Spiels haben.


    4.1 Training der Spielintelligenz


    Im Fernsehen habe ich aufgeschnappt, dass ein guter Trainer auch ein guter Taktiker ist. Gemeinsam mit meinen eigenen Überlegungen bzgl Spielintelligenz komme ich zu dem Schluss, dass das ja eigentlich das selbe ist und werde mich mit meinen Spielern damit auseinandersetzen. Eine Taktiktafel muss her, um den Spielern ihre Laufwege aufzuzeigen. Außerdem ist es ja heutzutage kein Problem ein Spiel mit dem Handy zu filmen, um aufzuzeigen, was funktioniert hat und was nicht. Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte. Schließlich muss ich ja Athletik- und Techniktraining auch noch unterbringen. Ein paar Spieler nehmen das ganz gut an. Aber vor allem Franz der Maurer (der bei den isolierten Passübungen große Fortschritte gemacht hat) trifft nach wie vor derartig strunzdumme Entscheidungen, wenn er am Ball ist, dass er nach wie vor viele Bälle verstolpert, weil er einfach nicht in der Lage ist, das gelernte in die Tat umzusetzen (obwohl er es versteht).


    5. Mentale Stärke


    Als bekennender Fan der Rocky Filmreihe weiß ich nur zu gut, was mit Willenskraft alles möglich ist. Obwohl ich vor jedem Spiel eine bewegende Ansprache ala Braveheart gebe, schaffe ich es nicht, dass der Funke auf die Spieler überspringt. Vor allem wenn wir in Rückstand geraten, merke ich wie auf einmal auf alles was wir im Training durchexerzieren wie weggeblasen scheint. Zum ersten Mal in meiner jungen Trainerlaufbahn bin ich ratlos. Wie kann ich meine Mannschaft darauf vorbereiten einen Vorsprung unter viel Druck über die Zeit zu retten? Wie schaffen wir es die mentale Kraft zu entwickeln uns bei Rückstand aufzubäumen? Wie kann ich meinen zwei Heißspornen beibringen mit Niederlagen umzugehen)

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

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  • Und jetzt spielen wir selbiges Gedankenexperiment mit dem Wissen durch, dass ich bereits erlangt habe. An den Grundüberlegungen hat sich nichts geändert. Auch jetzt will ich das meine Spieler Fortschritte im athletischen, technischen, taktischen und mentalen Bereich machen. Aber um alles in einen Topf zu werfen beschließe ich (fast) ausschließlich in Spielformen zu trainieren. Diese Herangehensweise ist viel schwerer und leichter gleichzeitig. Es bedarf besserer Planung und mehr Know-How, dafür erledigt sich dann vieles von alleine.


    Um den athletischen Bereich abzudecken biete ich Spielformen in verschiedenen Mannschafts- und Spielfeldgrößen an. Statt isolierte Sprints zu machen, lasse ich einfach 1v1 bis 3v3 spielen. Um bei unserem Beispiel mit dem Passspiel zu bleiben, fällt mir spontan ein Spiel ein, wo unter voller Belastung 2v1 gespielt wird. Natürlich muss ich auf entsprechende Ruhephasen dazwischen achten. Wenn ich erkenne, dass meine Spieler nicht in der Lage sind den technischen Schwerpunkt umzusetzen, mach ich das Spielfeld einfach größer und somit wird die Distanz des Verteidigers zum Ballführenden bzw. Ballempfängers größer, womit sich auch die Zeit für die Ballmitnahme und Entscheidungsfindung erhöht. Durch die Entscheidungsfindung habe ich auch den taktischen Aspekt abgedeckt. Wenn ich jetzt noch zwei Teams gegeneinander antreten lasse und die Punkte mitzähle habe ich automatisch Wettbewerbscharakter den ich, wenn ich will, jeder Zeit erhöhen kann (z.B. Verliererteam räumt weg). Somit habe ich selbst wenn ich mich bei meinem Coaching ausschließlich dem technischen Teil widme, alle anderen Aspekte auch abgedeckt. Wenn ich will, kann ich mich auch dem taktischen Teil widmen und das Stellungsspiel verbessern.

    Unser Kraftpaket Franz tut sich Anfangs ein wenig schwer (so wie auch beim Spiel) alles unter einen Hut zu bekommen. Er wirkt ein bisschen überfordert. Aber weil wir entsprechende Anpassungen vornehmen findet er auch Zeit sich den Ball so mitzunehmen, dass er Erfolgserlebnisse hat. Kaum merkbar für ihn, wird der Zeitdruck aber Schritt für Schritt größer. Irgendwann ist es aber so als würde er einen Schlater umlegen. Neue Synapsen haben sich gebildet und er ist tatsächlich in der Lage gelerntes auch im Spiel anzuwenden. Technische Defizite werden beim Aufwärmen nochmals behandelt. Genauso wie ein kurzes Athletikprogramm (von dem Jan der Lauch erheblich profitiert). Denn so gern ich auch schon zum Aufwärmen spielen lassen würde, wäre die Verletzungsgefahr zu hoch.

    Genauso wie beim 2v1 Spiel, kann ich natürlich auch 8v8 mit 2 neutralen Spielern (spielen immer mit Team im Ballbesitz) um den Ausdauerbereich abzudecken. Durch die Überzahl der 2 neutralen Spieler wird das Passspiel erleichtert, wodurch der technische Schwerpunkt umgesetzt werden kann.


    Kurz zusammenfassend möchte ich sagen, dass es meines Erachtens nach keine bessere Möglichkeit das Fußballspiel zu trainieren als in Spielformen. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass es die einzige Möglichkeit ist das Thema ganzheitlich zu behandeln. Zugegeben ist es oft nicht ganz einfach den gewünschten Schwerpunkt herauszuarbeiten (Eine gelegentlich SPIELNAHE Übungsform mit Gegnerdruck ist ja kein Beinbruch) und es Bedarf ein wenig an Erfahrung die Spielformen so anzupassen, dass sie auch wirklich Sinn ergeben. Ich selbst habe mir auch immer gedacht, dass auch die Anzahl der Wiederholungen (wie bei isolierten Technikübungen) unheimlich wichtig ist. Mittlerweile tendiere ich eher zu der Meinung, dass Qualität eindeutig vor Qualität geht. 30 Pässe unter Zeit- und Gegnerdruck, wo der Spieler auch noch die Geschwindigkeiten seiner Mit- und Gegenspieler sowie sich öffnende Räume erkennen muss sind viel wertvoller als 100 isolierte Päss. Außerdem macht es mir als Trainer wesentlich mehr Spaß Spiele als Übungen zu entwickeln. Der eigenen Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Unterschiedliche Spielfeldformen, Tabuzonen, neutrale Spieler, unterschiedliche Tore, diverse Handicaps, usw.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

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