Ideen von Matthias Lochmann ITK 2018

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  • Schöne neue Fußballwelt, zwei Gedankenexperimente:



    1. Gedankenexperiment:


    Kinderfußballmannschaft in einem Dorfverein. 14 Kinder. Zwei körperlich weit entwickelte, bewegungsbegabte Kinder (eines ist natürlich der Sohn des Trainers), einige mittel bis mäßig begabte Kinder; einige Blümchenpflücker sowie der obligatorische dicke Paule.


    Spielbetrieb läuft im 6+1. Es kann also nur ein Team gemeldet werden. Im Team sind die zwei Mini-Messis gesetzt. Bleiben noch fünf Plätze für fünf "nützliche Idioten" (Lochmann). Das heißt, es sind mindestens 7 Kinder (eher 9 Kinder) primär im Aufmerksamkeitsbereich des Trainers, die er entwickeln muss, wenn er mit seinem Team gute Ergebnisse in der Staffel erreichen will.



    2. Gedankenexperiment:


    Dasselbe Dorf, derselbe Verein, dasselbe Team, derselbe Trainer.


    Spielbetrieb läuft aber bei diesem Experiment im 4+1. Es könnten bei 14 Kindern zwei Mannschaften gemeldet werden. Passiert aber nicht. Denn es findet sich kein zusätzlicher Betreuer, der die zweite Mannschaft betreuen kann und der Trainer hat dazu weder Zeit noch Lust. Er macht den Trainerjob v.a. für seinen Sohn. Dann hat er noch einen weiteren Sohn, der auch Fußball spielt, außerdem spielt er selber in der Herrenmannschaft seines Vereins und dann ist da noch sein Lieblingsverein in der Bundesliga, der seine Unterstützung braucht. Das reicht ihm an Fußball.


    4+1, also die beiden Mini-Messis sind gesetzt. Es braucht jetzt nur noch drei "nützliche Idioten" (Lochmann). Es sind also mindestens 5 Kinder (eher 7 Kinder) primär im Aufmerksamkeitsbereich des Trainers, die er entwickeln muss, wenn er mit seinem Team gute Ergebnisse in der Staffel erreichen will.

  • Man kann obige Experimente noch etwas weiter spinnen.


    Wenn man annimmt, dass bei den 14 Kids ein weiterer Papa als Betreuer für das zweite Team gefunden würde und im 4+1 zwei Teams gemeldet werden könnten, dann wird der Trainer sich für sein Team die 7 besten Kinder herauspicken. Auf wen richtet sich dann im Training primär sein Fokus? Welche Kinder wird er v.a. entwickeln wollen? Natürlich seine sieben Kids! Sicherlich kann da zwischen den Teams mal jemand getauscht werden, wenn ein Entwicklungsschub beobachtet wird. Aber ansonsten können dem Trainer die anderen sieben eigentlich egal sein.


    Das 4+1 würde also eine Tendenz verschärfen, die schon jetzt da ist; das ist ja nicht aus den Fingern gesogen, sondern so läuft es in der Regel. Das Interesse des Trainers richtet sich auf seine besten Kinder, die auch im Spiel spielen. Die Blümchenpflücker und der dicke Paule, 'da wird ja sowieso kein Fußballer mehr draus'.

    "There is only one ball, so you need to have it." (J. Cruyff)

  • Schöne neue Fußballwelt, zwei Gedankenexperimente:

    Das ist schwarz/weiß-Denken


    3. Modell

    man spielt weiterhin 4+1. Zu jedem Team wird ein Elternteil abkommandiert, welches die Verantwortung hat. Aktives Coaching findet weder in Team A noch in Team B statt. Beide, Heim und Gegner kommen mit zwei Teams und spielen auf zwei Feldern paralell. Der Trainer steht beobachtend dabei, tauscht sich mit seinem gegnerischen Kollegen aus und hält sich ansonsten zurück.


    4. Modell

    wir spielen Funino mit allen nach dem Championsleague Modus. Wieder braucht es Elternhelfer. Na und? Die wollen nämlich bei diesem Umfang (Spieltagsbetreuung) nur gefragt und gescheit eingewiesen werden. Da findet man sicher jemanden (man darf übrigens auch die Frauen fragen).


    5. Modell

    Man spielt nicht 2x20 Min sondern 6x10 und mischt die Teams immer neu durch. Gemischt, die schwachen gegeneinander, die starken etc. Dabei ists vollkommen wurscht ob 6+1 oder 4+1


    weitere Modelle

    Wir spielen 3+1

    Wir spielen auf einem Feld 7 auf dem zweiten 3...


    Nenn mir einen Grund, warum ich klein denken sollte. Think big! Nur so kann man auf sinnvolle, machbare Modelle stoßen.

  • Das Interesse des Trainers richtet sich auf seine besten Kinder, die auch im Spiel spielen.

    Bei solchen Pauschalaussagen fühle ich mich übrigens persönlich angegriffen! Dass mich jemand so abkanzeln will, ist vollkommen daneben. Dein "in der Regel" bietet dir das Hintertürchen und ist in meinen Augen nur olle Rhetorik.

    Wenn du zum Nachdenken anregen willst, dann denk mal drüber nach, was man mit platten Pauschalaussagen erreicht außer Ablehnung.


    Hier wird so häufig darüber geredet, wie man die Schere zusammen bekommt. Wie man die Leistungsschwächeren ranführt ohne die Stärkeren zu benachteiligen. Diesen Spagat machen wir hier alle.


    Wenn es so wäre, dann gäbe es überhaupt keine E4, E5 oder gar E6

  • Bei solchen Pauschalaussagen fühle ich mich übrigens persönlich angegriffen!

    Warum? Erkennst du dich darin wieder? Ansonsten kann ich das nicht nachvollziehen.


    Du siehst es ja selber:

    Dein "in der Regel" bietet dir das Hintertürchen

    Das "in der Regel" ist kein "Hintertürchen", sondern genauso gemeint, wie es da steht. Wobei natürlich klar ist, dass ich mich dabei nur auf meine subjektiven Erfahrungen beziehe. Ich kenne die Mannschaften und Trainer bei uns im Kreis und "in der Regel" heißt, bis auf wenige Ausnahmen beobachte ich es so, wie ich es sage. Aber ganz klar, auch bei uns gibt es Ausnahmen.

    "There is only one ball, so you need to have it." (J. Cruyff)

  • Aus Sicht des professionell organisierten Überwachungs- und Sichtungssystems ist es natürlich total praktisch, kleinere Teams im Spielbetrieb zu haben. Denn da können sich starke Spieler weniger gut verstecken. Das ist ja klar, dass die Talentscouts besonders erstmal auf die Ergebnisse schauen. Worauf sollen sie auch sonst schauen, wenn sie sich entscheiden müssen, welche Teams sie beobachten wollen? Sie müssen sich ja entscheiden. Denn es gibt zwar viele Scouts, so viele aber nun auch wieder nicht. Bei 6+1 bekommen sie durch die Ergebnisse allerdings ja nur vermittelt, welches die besten Teams sind, nicht aber, wer die besten Einzelspieler sind. Funino oder 4+1 macht es den Scouts viel einfacher. Und der systemische Druck wird immer größer, die Talente immer früher zu entdecken.

    im 11gg11 können sich dann auch -starke- Spieler besser -verstecken- um den bösen Scouting Leuten zu entgehen.

    Im 3+1 können Sie sich ja -weniger gut verstecken-. Eigentlich ein Vorteil, das sich kein Spieler -verstecken- kann. Man kann es aber auch als Nachteil sehen. Man muß nur nicht von der -Spieler entwickeln- Sicht schauen, sondern die Perspektive ändern...

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Was passiert, wenn Funino verpflichtend würde? Wäre das noch die MDahlin Welt? Oder würde das den "kleinen Klopps und Mourinhos" eher in die Karten spielen? Mein Bauchgefühl sagt mir gerade, dass eine freiwillige Teilnahme und ein paralleler Spielbetrieb wohl besser wäre. Mein Kopf ist bei Funino verpflichtend.

    Würde Funino verpflichtend werden, würde es sich sehr stark ändern.

    Bis vor kurzem waren es in Berlin/Brandenburg sehr "intime" Veranstaltungen. Man kannte und schätzte sich. Regeln des Kinderfußball wurden auf solchen Festivals fast ausschließlich befolgt. (Ein paar Übermotivierte gibt es immer und überall)

    Ein wenig wie eine Hippie-Kommune.

    Durch den großen Einsatz von MDahlin hat sich die Bewegung hier deutlich vergrößert. Sie muss sich hinter Erlangen oder München nicht verstecken.

    Dadurch hat sich aber auch die Kultur verändert. Es geht nicht mehr nur um die Entwicklung der Kinder auf solchen Festivals. Vielen ist das gewinnen wollen wichtig geworden.

    War es früher auf Festivals eher leise, ist der Lautstärkepegel deutlich angestiegen.

    Ich nehme mit meinen Jungs nichtmehr so häufig an Festivals teil.

    Wir haben uns entschieden, in den Spielbetrieb zu gehen und Funino als Zusatzangebot wahrzunehmen.

    Bei den 2 Festivals bei denen ich anwesend war ist mir das massiv aufgefallen.

    Für mich ist es wie mit allem im Leben. Es steht und fällt mit den handelnen Personen.

  • Skriwer,

    du meinst: nach meiner Logik. :-)


    Natürlich sehe ich auch, dass weniger Spieler = mehr Ballkontakte. Auch das mit den "Ballstaubsaugern", was Lochmann anspricht, sehe ich ja ganz genauso.


    Ich glaube allerdings, dass 4+1 oder 6+1 gar nicht der entscheidende Punkt ist, wenn wir über die Qualität der fußballerischen Ausbildung in Deutschland reden. Denn es geht um Fußball und dafür brauchen Kinder – das wissen wir alle – nicht viel, da reicht ein Ball. Als Tor werden dann einfach Jacken genommen oder zwei Bäume und los gehts – egal ob 10, 20 Kinder, ob Funino 4+1, große oder kleine Tore oder was auch immer. Der Spielbetrieb ist ja nur die Spitze des Eisbergs, was den Fußball betrifft, der in Deutschland gespielt wird.


    Die Kernthese Lochmanns ist ja, dass der Spielbetrieb sich auf die Trainingsstruktur rückkoppeln wird. Und das leuchtet mir nicht wirklich ein. Ich denke, dass der Effekt nicht so ist, wie Lochmann das anzunehmen scheint. Denn es geht bei den Kleinsten immer in erster Linie darum, Ball- und Körpergefühl zu schulen. Das Spiel hat da in meinen Augen mehr den Charakter eines Belohnungssystems. Dass ein Trainer im Blick auf die Ergebnisse die individuelle Entwicklung seiner Kids aus dem Auge verliert, ist genauso auch bei Funino oder 4+1 möglich, daran ändert sich m.E. gar nichts.


    Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wie man denn dann Verbesserungen erzielen kann:


    • Als eine praktische Maßnahme wäre ich dafür, dass untersagt wird, Kinder jahrgangsmäßig hochzuziehen (also beispielsweise dass ein F-Kind schon in der E spielt).
    • Ich wäre für ein Zertifizierungssystem, das Mannschaften belohnt, die beispielsweise allen Kindern eines Teams gleiche Spielzeiten garantiert.
    • Ich wäre dafür, den Grundsatz zu verankern (wie wir das bei uns im Verein haben), dass die Entwicklung des leistungsschwächsten Kindes einer Mannschaft die Qualität des Trainingsbetriebs widerspiegelt.
    • Ich bin für die konsequente Abschaffung von leistungsorientierten Belohnungssystemen im G- und F-Bereich.

    Wie Goodie oben angesprochen hat, kann man da theoretisch ganz kreativ werden und noch ganz andere Möglichkeiten finden, um die individuelle Entwicklung jedes Kindes stärker zu fördern als das derzeit der Fall ist.


    Und dann kann man von mir aus auch gerne über 4+1 reden :-)

    "There is only one ball, so you need to have it." (J. Cruyff)

  • Letzten Endes geht es immer um die handelnden Personen luibo hat da Recht.

    Wir haben hier Funino Turniere ausgerichtet vom Verein( E&F), weil es leider flächendeckend nicht der Fall ist bei uns.

    Die Resonanz der Vereine war immer gut. Manche Vereine haben, wie wir es auch versuchen(und leider zu oft noch scheitern), den Trainingsbetrieb bis einschließlich E Jugend auch auf Funino und H. Wein Modell umgestellt. Die Resonanz hierzu ist mehr als positiv. Die Erfahrung ist, das eher -ergebnisorientierte- Trainer das Modell Funino ablehnen.

    Wir haben für uns entschieden, das das Modell an sich schlüssig ist, weil es unheimlich viel inkludiert, was für uns wichtig ist. Die Vorteile der Ausbildung zähle ich hier nicht mehr auf.

    Der DFB Stützpunkt unterstützt uns hier. Weil es den handelnden Personen um eine gute Ausbildung der Kinder geht und nicht aus Selektions- oder Scouting gesichtspunkten!!!

    Zum Thema Funino an sich haben und dem umgesetzten Training wir uns Meinungen und Feedbacks von verschiedensten Stellen eingeholt. Wichtig auch mal das Spieler der ersten MAnnschaft so ein Training absolvieren und

    als Feedback geben, das Ihnen genau das in Ihrer Jugendausbildung gefehlt habe.

    Man kann sicher eine Umsetzung durch zig Gegenargumente verhindern, die alle nicht belegt sind, oder man macht

    es einfach und erfährt es selbst und durch die Feedbacks der Kinder und deren Entwicklung.

    Wichtig ist, das es sich um ein leicht umsetzbares Training handelt, das auch der Vater Trainer umsetzen kann.

    Die Frage ist nicht ob er es perfekt macht, sondern die Frage ist, ob mögliches Falsches Trainieren hier häufiger vorkommen kann, als beim -youtube raussuch Training-.

    Die Frage ist eindeutig zu beantworten.

    Für mich gibt es daher nur 2 Möglichkeiten:

    Ganz pragmatisch:

    Entweder ich lasse mich auf neues ein, und erfahre selber.

    oder:

    Ich lasse es sein. Entweder weil ich meine, noch tollere Ideen zu haben(die aber bitte andere umsetzen sollen), oder weil ich einfach keine Lust habe, meine alten Pfade zu verlassen.


    Für mich ist klar, das ich lieber neues, was mir schlüssig und gut erscheint, umsetze, anstatt an allem krampfhaft etwas finden zu wollen, was mich hindert, meine ausgetretenen Pfade zu verlassen. Das ist nämlich der Geist der jede Art der Innovation im Kifu verhindert!!!

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Puh...ganz schön viele Meinungen hier, sehr interessant.


    Vieles gefällt mir, anderes überzeugt mich eher nicht, wiederum andere Vorschläge finde ich gut, halte sie aber für absolut nicht umsetzbar.


    - Zertifizierung für Teams, in denen alle die gleiche Spielzeit bekommen. Wer überwacht das?

    - die Entwicklung des schwächsten Kindes wird als Indikator für die Trainingsqualität herangezogen? Puh! Ganz ganz gefährlich!!! Das heißt ich könnte mich theoretisch nur noch individuell um den Schwächsten kümmern. Das würde ihn in der folge verbessern. Die anderen Jungs lasse ich komplett liegen und mein Training ist dann qualitativ als top bewertet...sehe ich so nicht.

    - Das Argument, die Talente könnten im 3 vs. 3 schlechter versteckt werden bzw. zumindest sie würden noch schneller gesichtet werden finde ich auch komisch. Wofür ist das ein Argument? Es ist doch egal, wann größere Vereine die Spieler entdecken. Es hängt doch letztlich davon ab, wie diese Spieler/Eltern angesprochen werden und wie diese selber damit umgehen.

    - "Das Interesse des Trainers richtet sich auf seine besten Kinder, die auch im Spiel spielen." Totale Pauschalierung, die Aussage steht für sich und zeigt, was man davon halten soll. Pauschalkritik ist natürlich immer super 8)

    - Goodie macht eine gute Aufzählung von Punkten, die sicherlich die individuelle Förderung steigern würden! Zustimmung erfährt er leider kaum, meist werden nur einzelne Punkte rausgerissen, die dann kritisiert werden. Daher von meiner Seite: Ich finde deine Argumentation echt gut, das hat Hand und Fuß! :thumbup:

    - Spannend finde ich die Frage, die u.a. von let1612 gestellt und beantwortet wird: Funino verpflichten?

    Ich bin für eine Verpflichtung! Sicherlich wird es dazu führen, dass die Funinofestivals auch etwas von ihrer "Qualität" (im Sinne des Drum herum durch Trainer, Eltern etc.) einbüßen würden, vgl. Erfahungsbericht von luibo . Aber das müsste man vielleicht in Kauf nehmen, um dafür alle dazu zu bringen dort teilzunehmen. Die wenigen Funinoveranstaltungen würden sich vielleicht etwas "verschlechtern", aber dafür wäre die Verbesserung für alle, die dort bisher nicht teilnehmen in meinen Augen deutlich größer!


    Den Beitrag von Trainer E finde ich wirklich gut!!!

    Die Erfahrung ist, das eher -ergebnisorientierte- Trainer das Modell Funino ablehnen.

    JA!:thumbup:

  • würdest du den Sprung von 3:3 nach 6+1 im Alter von acht Jahren nicht etwas zu groß finden? Das würde wohl eher dazu führen, dass die Hälfte der F-Jugend anfinge, sich schon ein Jahr eher auf das "richtige" Spiel vorzubereiten. Schon im September habe ich FS Anfragen (E-Jugend aufs D-Feld) gelesen.


    Ich würde - wenn ich erstmal König von Deutschland bin - folgende Einstufung einführen


    G gar kein offizieller Spielbetrieb mehr. Ende mit dem Theater aus "Spiieeel, Lauuf, Schiiieeeßßß" (analog zu fast allen anderen Sportarten)

    F Funino

    E 4+1 (oder 3+1 :/ da müsste ich nochmal überlegen)

    D 6+1

    C 8+1

    B und A dann mit 11

  • E 4+1 (oder 3+1 :/ da müsste ich nochmal überlegen)

    D 6+1

    C 8+1

    Finde ich so nicht gut.


    Habe ich so ähnlich glaube ich schonmal geschrieben, aber im D und C Bereich sind 8+1 und 10+1 durchaus sinnvoll.


    Das 9er Feld verleitet auf höherem Niveau im Jugendfussball bereits jetzt viele Mannschaften extrem tief zu stehen. Durch die kleinen Tore sowie das kleine Feld muss viel auf so engem Raum gespielt werden, dass es sich fast nicht mehr lohnt das Spiel zu machen. In der U15, wo die Athletik dann auch auf einem entsprechenden Niveau angekommen ist, würde fast keine Tore mehr fallen. Bei unserer Mannschaft in der U15 BOL fallen im Schnitt 1,4 Tore pro Spiel. Das torreichste Spiel bis jetzt war ein 3:0 Sieg. Im 9er Feld hätten wir wahrscheinlich gar keine Tore mehr.


    Die Mannschaften sind taktisch und von der Athletik so fit, dass ein 8+1 absolut unpassend wäre.

  • E Jugend 4+1. Genauso würde es m.e. auch Sinn machen!!! Im Training ner F Jugend mal dann keine Flanken und Kopfbälle -einstudieren- sondern sich am Spielbetrieb orientieren(für die für die das einzig und allein zählt) und das Training kindgerecht und altergerecht durchführen, ganz im Sinne der fußballerischen Entwicklung!!! Alleine Funino im F Bereich würde viel Unsinn auch schon im Training ausschließen. Denn die erfolgsgeilen Trainer, die auch im Funino nicht zu ändern wären, würde wie oben erwähnt, das Flanken/Kopfball üben und ähnlichen Unsinn sein lassen, allein weil es Ihnen nichts mehr bringt. Das wäre, unabhängig von der Intention dieser Trainer, schonmal ein Fortschritt.

    Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft (J.P.Satre)

  • Meiner Meinung nach haben wir im deutschen Kinderfußball ein Belohnungssystem, dass auf gute Ergebnisse zielt, nicht aber auf eine gute Ausbildung. Ein Zertifizierungssystem wäre in meinen Augen eine sehr einfache Möglichkeit, hier neue Anreize zu setzen, die in der Umsetzung m.E. überhaupt keine Schwierigkeiten macht. Der DFB kann doch Kampagnen :-)


    Zertifizierung für Teams, in denen alle die gleiche Spielzeit bekommen. Wer überwacht das?

    Wenn man ein Zertifikat "dieser Verein bietet kindgerechten Fußball" (oder wie immer man das nennt) einführt und ein Verein sich darauf verpflichtet, verbindet sich damit ein Anspruch für die Eltern, der dann auch eingefordert werden kann. Da sehe ich in Bezug auf den Aufwand der Überwachung überhaupt keine Schwierigkeit.


    die Entwicklung des schwächsten Kindes wird als Indikator für die Trainingsqualität herangezogen? Puh! Ganz ganz gefährlich!!! Das heißt ich könnte mich theoretisch nur noch individuell um den Schwächsten kümmern.

    Das ist ein Missverständnis. Es geht darum, dass, wenn sich das schwächste Glied einer Kette positiv entwickelt, davon alle Glieder der Kette profitieren.


    Ich kann das gerne konkretisieren: Zu Beginn dieser Saison war ich erschüttert über das schwache Niveau bei uns im Training. Wie gesagt, haben wir etliche 2011er Kinder aus der G bekommen (wir haben zu wenig 2011er Kinder für eine eigene F2), außerdem haben wir einige neue Kinder bei uns im Training. Ende letzter Saison war das Trainingsniveau super, aber die leider sehr schwachen Neulinge haben das Niveau – und damit die Trainingsbedingungen für alle Kinder! – extrem runtergezogen.


    Jetzt sind wir zwei Monate im Training und es ist einfach toll zu sehen, welche Entwicklung gerade auch unsere sehr schwachen Kids genommen haben. Davon profitieren aber alle Kinder, weil das Niveau im Training dadurch insgesamt steigt und auch die Starken so im Training viel mehr gefordert werden!


    Wenn ich hier lese, dass es Kinder gibt, die den Ball mit der Pike gerade mal ein paar Meter weit bekommen, dann ist das ja nichts, was sich nicht durch gutes Training verändern ließe.


    Das Interesse des Trainers richtet sich auf seine besten Kinder, die auch im Spiel spielen." Totale Pauschalierung

    Wie bei Goodie, wenn du dich da angesprochen fühlst, frage ich mich, warum?! Trifft diese Aussage etwa auf dich zu? Den Vorwurf der Pauschalierung weise ich jedenfalls zurück!


    Wenn dich dieser Vorwurf nicht trifft, wird er an dir abperlen.


    Das Argument, die Talente könnten im 3 vs. 3 schlechter versteckt werden bzw. zumindest sie würden noch schneller gesichtet werden finde ich auch komisch. Wofür ist das ein Argument?

    Genau das schreibe ich doch :/:wacko: Siehe oben:

    auch wenn es für die Argumentation vielleicht eher eine Randglosse darstellt

    "There is only one ball, so you need to have it." (J. Cruyff)

  • warum in G und F nicht Funino und 3+1 (auf kleinere Tore) abwechselnd. Natürlich im Champions League Modus.


    Die Kids müssen nicht auf die TW Position verzichten und dürfen alle 2 so spielen, wie sie es im Fernsehen sehen (nur halt kleiner)

  • Zitat von Powerzwergenpapa

    Wie werden dann die Spiele organisiert? Jeder gegen jeden? Oder gibt es eine andere Choreographie, die auch Unter- und Überforderung strukturell zulässt? Oder eben "leistungshomogen" durch euch Trainer sortiert?

    In unserem Kreis bestimmmen die Vereine die Einteilung der Mannschaften. So trifft dann schwach nur auf schwach....Sollte so sein.

    Einige teilen ihre Mannschaften kreativ ein. So entstehen Ergebnisse von 23:0 oder 19:1 etc.

    Na wenn dass die Unter- und Überforderung sein soll, dann hast du zwar recht, aber das ist auch eine bankrotterklärung....

    Wer das befürwortet hat im Kinderfussball nichts zu suchen!

    Bei Funino kannst du dein Team einteilen, es wird aber schnell aufsteigen, bzw. absteigen. Und du bekommst eine Rückmeldung wie die Entwicklung deiner Kinder ist.

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Letzteres würde ich kritisch sehen. Meiner Überzeugung nach muss da bei den Kleinsten ein gewisses Maß an Aleatorik in die Organisation rein. Denn du sprichst zwar von einem großen "Leistungsspektrum", aber die Unterschiede sind bei den ganz Kleinen noch relativ gering

    Wenn ein Kind heute zum ersten mal zum Fußballtraining kommt, 9 Jahre alt ist und in ein Team kommen soll, die schon seit fast 4 Jahren zusammen im Verein spielen. Dann ist der Unterschied nicht gering. Dieses Kind wird brutal überfordert....

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Lerntheoretisch sind für mich in gewissem gesteuerten und natürlich nicht exzessivem Rahmen Momente der Über- und Unterforderung für die Ausbildung extrem wichtig. Unterforderung bietet den Kindern einen Raum, sich ausprobieren zu können. Überforderung führt die Kinder an ihre Grenzen und dazu, diese auszureizen. Beides provoziert, dass die Kinder "über sich hinauswachsen" können.


    Das bietet Funino. Und zwar schneller als es der normale Spielbetrieb kann. An einem Wochenende startet man in der schwächsten Gruppe schafft es aber dort alle Spiele zu gewinnen. Dann kann der Trainer beim nächsten Termin die Kinder in einer stärkeren Gruppe melden...

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Wenn man organisatorisch das selektive Moment im Kifu (G und F) zu stark macht, ist das für die Ausbildung deshalb gerade nicht förderlich


    Wie kommst du darauf?


    Zitat von Powerzwergenpapa

    H. Wein kommt ja vom Hockey her und – ich gebe zu, so gut kenne ich mich da nicht aus – m.W. gibt es beim Hockey keine hohen Bälle, das Spiel läuft gewissermaßen nur zweidimensional ab

    Powerzwergenpapa

    Soll das ein Argument sein? Dann sind wir glücklich, dass Horst Wein nicht aus dem Handball kommt....
    Das entspricht ungefähr dem Argument, Tedesco hat nie professionell Fußball gespielt, wie kann der eine Bundesligamannschaft trainieren...

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Beim Fußball ist es selbst im professionellen Bereich (selbst Championsleague) so, dass es chaotische Momente gibt. Dazu gehören auch hohe oder springende Bälle. Die Struktur des Funino-Spiels klammert nach meinem Gefühl solche Momente strukturell aus. Deshalb sehe ich Funino eher als Ergänzung, nicht aber als Ersatz.

    Hohe Bälle werden seltener...was für mich in dieser Altersgruppe überhaupt kein Problem ist. Ganz im Gegenteil: Stichwort CTE.

    Bei der Periodisierung, oder beim DFB propagierten "vom einfachen zum schweren" entspricht Funino und danach Formino optimal beiden Ausbildungen.
    3vs3 entweder 2 Pässe oder ein 1vs1.

    Beim 7vs7 sieht es schon anders aus....

  • 3. Gedankenexperiment:

    Dasselbe Dorf, derselbe Verein, dasselbe Team, derselbe Trainer.


    Spielbetrieb läuft aber bei diesem Experiment im Funino. Alle 14 Kinder an jedem Spieltag im Einsatz wenn Sie wollen. Alle 14 bleiben in der selben Trainingsgruppe. Am Spieltag werden Eltern als Teambetreuer eingeteilt.

    .

  • Zitat von Powerzwergenpapa

    Ich glaube allerdings, dass 4+1 oder 6+1 gar nicht der entscheidende Punkt ist, wenn wir über die Qualität der fußballerischen Ausbildung in Deutschland reden. Denn es geht um Fußball und dafür brauchen Kinder – das wissen wir alle – nicht viel, da reicht ein Ball. Als Tor werden dann einfach Jacken genommen oder zwei Bäume und los gehts – egal ob 10, 20 Kinder, ob Funino 4+1, große oder kleine Tore oder was auch immer. Der Spielbetrieb ist ja nur die Spitze des Eisbergs, was den Fußball betrifft, der in Deutschland gespielt wird.

    Die Kernthese Lochmanns ist ja, dass der Spielbetrieb sich auf die Trainingsstruktur rückkoppeln wird. Und das leuchtet mir nicht wirklich ein. Ich denke, dass der Effekt nicht so ist, wie Lochmann das anzunehmen scheint. Denn es geht bei den Kleinsten immer in erster Linie darum, Ball- und Körpergefühl zu schulen. Das Spiel hat da in meinen Augen mehr den Charakter eines Belohnungssystems. Dass ein Trainer im Blick auf die Ergebnisse die individuelle Entwicklung seiner Kids aus dem Auge verliert, ist genauso auch bei Funino oder 4+1 möglich, daran ändert sich m.E. gar nichts.


    Warum kannst DU diese Punkte nicht verbinden?
    Und ich meine explizit dich.

    Wenn du doch erkennst: "Denn es geht um Fußball und dafür brauchen Kinder – das wissen wir alle – nicht viel, da reicht ein Ball."

    Weiter erkannst du: "Natürlich sehe ich auch, dass weniger Spieler = mehr Ballkontakte."

    Dann hast du dcoh schon den ersten Punkt.

    Meine Frage:
    Erziele ich ein besseres Ball- und Körpergefühl durch mehr oder weniger Ballkontake?

    Und hier widersprichst du dir selbst:

    "Ich glaube allerdings, dass 4+1 oder 6+1 gar nicht der entscheidende Punkt ist, wenn wir über die Qualität der fußballerischen Ausbildung in Deutschland reden."

    4+1 oder 6+1, wo gibt es mehr Ballkontakte pro Kind....


    Zitat von Powerzwergenpapa

    Der Spielbetrieb ist ja nur die Spitze des Eisbergs, was den Fußball betrifft, der in Deutschland gespielt wird.

    Die Kernthese Lochmanns ist ja, dass der Spielbetrieb sich auf die Trainingsstruktur rückkoppeln wird. Und das leuchtet mir nicht wirklich ein. Ich denke, dass der Effekt nicht so ist, wie Lochmann das anzunehmen scheint.

    Nehmen wir eine Dorfmannschaft. 14 Kinder. Wer geht ins Tor?
    Bei Funino stellt sich diese Frage schon nicht. Wird sich also das Training verändern, wenn im Spiel kein Torwart gebraucht wird?
    Meine Antwort: Ja.

    Beim 6+1 war das Jugendtor vorhanden und so manches Kind konnte aus der dritten Reihe ein Tor erzielen.
    Im Training hat es auch Sinn gemacht, wenn ein Kind beim Abschlusspiel den Ball nach vorne gedroschen hat und dafür gelobt wurde.

    Ein Tor von so weit ....wow.
    Bei Funino fällt das weg. Im Spiel und im Training.

    Die Kinder müssen Lösungen finden. Beim 6+1 sind es verdammt viele Probleme...
    Bei Funino hat ein Kind 3 Gegner.

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Dass ein Trainer im Blick auf die Ergebnisse die individuelle Entwicklung seiner Kids aus dem Auge verliert, ist genauso auch bei Funino oder 4+1 möglich, daran ändert sich m.E. gar nichts

    Das ist weder ein Argument für 6+1 noch gegen 6+1.

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Als eine praktische Maßnahme wäre ich dafür, dass untersagt wird, Kinder jahrgangsmäßig hochzuziehen (also beispielsweise dass ein F-Kind schon in der E spielt).

    Oder ein Mini in der F?

    Damit sind einge Dorfmannschaften tot.

    Danke!

    Zitat von Powerzwergenpapa

    Ich wäre für ein Zertifizierungssystem, das Mannschaften belohnt, die beispielsweise allen Kindern eines Teams gleiche Spielzeiten garantiert

    Ihr spielt nach Fair Play? Kommt bei euch jedes Spiel einer und kontrolliert?

    Übrigens bei Funino wird jedes Kind ein- und ausgewechselt.... nach jedem Tor in fester Reihenfolge.

    Zitat von Powerzwergenpapa


    Ich bin für die konsequente Abschaffung von leistungsorientierten Belohnungssystemen im G- und F-Bereich.

    Früher hatte man die Tabellen und konnte sich orientieren, was für eine Mannschaft da jetzt kommt.
    Heute ist das jedesmal eine Überraschung.

    Bei Funino ist das fast egal. Teams einteilen aud auf gehts. Bist du schwächer verlierst du und spielt gegen schwächere und dann gewinnst du auch mal ein Spiel.