Habt Ihr als Trainer Eure eigene "Bibliothek" für Übungen?

  • Hallo zusammen,


    ich bin noch ein recht junger Trainer und selber noch aktiv als Fußballer. Seit 2 Jahren besitze ich die C-Lizenz und möchte demnächst die B-Lizenz drauf legen.

    In meinen bisheringen Stationen (2 Herrenmannschaften) war es mir wichtig, abwechslungsreich zu trainieren und meine Spieler immer wieder vor neue Herausforderungen im Training zu stellen.

    Gerade im unteren Amateurbereich und natürlich auch im Jugendbereich ist die Vorbereitung auf ein Training extrem schwierig. Oft sagen Spieler kurz vor dem Training ab, oder leider Gottes auch manchmal gar nicht.

    Dann heißt es als Trainer, dass das am Nachmittag oder Tag zuvor "konstruierte" Training war wieder für die Katz und man muss improvisieren.

    Komplexe Übungen aber auch neue Übungen, welche Spieler und auch ich als Trainer zum ersten Mal durchführen, sind meist nur für eine exakte Spieleranzahl ausgelegt. Verändert man die Spieleranzahl (weil halt eben ein Spieler weniger da ist, oder vielleicht doch einer mehr), gehen oft die Teams nicht mehr auf oder die Belastung stimmt nicht mehr.

    Die Folge daraus ist, dass man eben doch wieder auf altbewehrte Übungen zurück greift. Wie oft musste ich als Trainer schon vor einer Übung sagen: "Eigentlich war eine andere Übung geplant, aber da kurzfristig 3 Spieler nicht kamen, machen wir wieder xy"...


    Wie löst Ihr das?


    Ich habe mir schon überlegt, mir selbst - bspw. fürs Tablet - eine Bibliothek mit meinen Übungen anzulegen als PDF.

    Diese wird allerdings nicht primär nach z.b. Passspiel, Zweikampf, Spielform,... angelegt, sondern an erster Stelle steht die Spieleranzahl.

    Erst danach wird weiter in den Schwerpunkt der Übung unterteilt.


    So könnte ich auch notfalls direkt vor dem Training, oder während des Rondos am Anfang, wenn ich dann weiß, wie viele Spieler tatsächlich im Training sind, das Training umdesponieren und hätte dann eine passenden Übung für die Spieleranzahl.

    - Oh, heute sind wir also 13 Spieler und 1 TW.

    Dann suche ich den entsprechenden Abschnitt in meinem PDF

    - Heute wollte ich eine Spielform zum Umschaltspiel machen.

    Dann schaue ich unter diesem Abschnitt nach einer passenden Übung.


    Das an sich klingt für mich schlüssig und hätte viele Vorteile.

    Großer Nachteil ist der sehr große Aufwand, so ein PDF selbst zu erstellen und dann sinnvoll zu ordnen.


    Was meint Ihr?


    Oder habt Ihr eine andere Lösung?


    Vielen Dank schon mal!

  • Hallo sportsfreund,


    ich habe zwar auch eine "Bibliothek" meiner Trainings, diese stell ich mir immer zusammen, damit ich später mal darauf zurückgreifen kann oder meinem Co-Trainer mal Einblicke geben kann. In der Regel brauch ich diese Anleitungen nicht da ich die Übung dann im Kopf habe.


    Du kannst immer kurzfristige Absagen haben, jedoch habe ich bei meiner Mannschaft (U17 BOL) durchgesetzt, dass mind. 90 Minuten vor Trainingsbeginn alle Absagen da sein müssen, somit kann ich entsprechend noch agieren.

    In der Regel habe ich selbst ca. 12-17 Spieler pro Trainingseinheit da, und dementsprechend kannst du variieren, es ist auch kein Problem für mich wenn ein Spieler mal bei einer Übung eine etwas längere Standzeit hat, dies ist für mich nur im Winter problematisch.

    Sonst funktionieren meine Übungen immer, ob ich da jetzt auf 6vs6 aufs Halbfeld spiele oder mal individuell es anpassen muss.


    Auch würde ich nicht sagen "ich hatte es so geplant, aber jetzt sind paar nicht da, deswegen machen wir wieder das...", wenn das öfters vorkommt, lass 2 oder 3 deiner Spieler eine Trainingseinheit planen und sie sollen versuchen es dann 90 Minuten durchzuziehen, hab ich auch schon gemacht. Die Spieler beschweren sich heute noch darüber dass das nicht möglich war was sie eigentlich wollten und das sie jetz wissen wie schwer das ist jedes Training ist, etwas anderes zu machen.


    Und Wiederholungen im Training sind nicht dramatisch, wenn es nicht funktioniert im Spiel dann übe ich es erneut. Du willst als Trainer ja auch das deine Trainingsinhalte im Spielbetrieb umgesetzt werden.


    Hoffe ich konnt dir bissal helfen.

  • Datenstrukturtechnisch ist der Gedanke diese Lib als PDF mitzuführen für mich Unfug. Du brauchst doch was zum filtern. Also schon mindestens excel oder eine echte DB optional natürlich auch eine entsprechende Homepage mit Menüstruktur. Gerne auch etwas E-Book-Artiges. Aber PDF ist unhandlich für den aktiven Einsatz am Platz.

    let1612 hat recht!

  • Das Problem hat wohl jeder Trainer im unteren Amateurbereich.

    Ich für meinen Teil schaue als erstes, habe ich 1, 2 oder gar keinen Torhüter. Da frage ich zur Not auch schon mal aktiv nach, wenn ich die Einheit plane. Ansonsten suche ich nur Übungen raus, die mit 2-4 Spieler weniger immer noch funktionieren und ziehe das Programm dann durch.

  • Datenbank an sich hört sich gut an, ist aber vom Aufwand <> nutzen für einzelne in meinen Augen eher Unfug.


    Was ergibt sich nach einigen Monaten (Jahren)?

    Übungen die mit jedem Team laufen und immer wieder genutzt werden können. Übungen die einfach nicht laufe wollten. Und Übungen die mit Team A super funktioniert haben , mit Team B zwei Jahre später aber nicht mehr liefen. (Ganz grob)

    Das wichtigste an dem ganzen System ist aber doch das du dir nach dem Training Gedanken und ggf. Notizen macht was am letzten Training gut und schlecht war. Und mit dieser Nachtbetrachtung hast du schon wieder Grundlagen für andere Einheiten. Also einfach deine letzten Trainings entsprechend abheften, abspeichern oder sonstiges und das ganze läuft. Und ich versichere dir das deine Suchvorgaben sich im Laufe der Jahre immer wieder ändern werden. Ist heute die Gruppenstärke dein Primär Kriterium ist es in einem Jahr vielleicht der Schwerpunkt (andere Altersklasse oder anderes Teams usw.).


    Generell würde ich dir aber empfehlen deine Trainings nicht so sehr von der Gruppenstärke abhängig zu machen. Selbst wenn du die Abmeldungen 90min vorher bekommst ist es nervig alles wieder umzuwerfen und im Kopf den Ablauf der neuen Übungen bereit zu stellen. Da ich derzeit variierende Gruppen von 14-21 Kindern betreue und meist direkt von der Arbeit auf den Platz starte muss ich meine Einheiten am Vortag planen.

    Gute Mittel sind herbei z.B. immer eine Spielform parallel laufen zu lassen und so in zwei Gruppen zu trainieren. Diese kann dann gerne im 3gg3 oder 4gg4 laufen. Somit ist schon ein Puffer eingebaut. Spielform mit Auswechsel ist noch mehr Varianz. Gleichzeitig hast du in der eigentlichen Übung immer wenige Kinder um die du dich Intensiv kümmern kannst. Mit vielen Wechseln an den Stationen ist das training auch extrem kurzweilig für die Kids, so die Rückmeldungen.


    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • 100% Zustimmung bezüglich des Aufwandes eine eigene Übungsdatenbank/-App zu entwerfen. Das sollte dann schon allen Trainern des Vereins dauerhaft zugute kommen. Das war auch keine ernsthafte Empfehlung eine DB anzulegen, sondern nur ein Tipp um das noch unsinnigere PDF zu vermeiden, wenn es um re-use geht. Der eine oder andere Nerd mag sich aber gerne ermuntert fühlen so ein Projekt anzusetzen und seine Coaches ermutigen die DB zu füllen. Kann ja sein, dass es tatsächlich Vereine gibt in denen das klappt.

  • Ersatzbank

    Weshalb ich mich auch auf den Nutzen für den einzelnen bezogen habe.


    Als Verein haben wir Ordner voll mit Übungen sortiert nach Schwerpunkt und Altersklassen. Gerade für Einsteiger fand und finde ich das als gutes Mittel den Trainern unter die Arme zu greifen. Auch da man mit zusätzlichen Texthinweisen das eigene Ausbildungskonzept damit gut vermitteln kann.

    Auch geb ich meine eigenen Aufzeichnungen gerne an Kollegen weiter wenn ich die Altersklasse wechsle oder schlicht gefragt werde.


    Hinsichtlich der eigenen Trainings finde ich es, wie bereits geschrieben, besser sich nicht derart genau auf Anzahl und Bedingungen festzulegen.


    Generell zum Thema bin ich gerade jetzt beim Wechsel in die Halle sehr dankbar über die Aufzeichnungen vom letzten Jahr. Da ich in der Altersklasse geblieben bin gibt es einige Übungen welche ich nun wieder verwenden möchte. Hierzu muss ich nun nicht DFB Seiten durchsuchen oder anderes. Ganz klar ein Vorteil von eigenen Aufzeichnungen, in welcher Form auch immer.



    Gruß

    Torsten

    "Im KiFu gillt: Nicht das Training ist die Vorbereitung auf das Spiel, sondern das Spiel ist die Fortführung des Trainings."

    - (Quelle: unbekannt)

    "Der Grund, warum wir Fußball gucken, ist keine Zahl und kein Ergebnis, sondern ein Erlebnis."

    - (Quelle: paderball.com)

  • Ich habe ne Mappe in Din A5 mit Klarsichfolien
    Dort schreibe ich Übungen die gut funktioniert haben auf. Oder welche die mir gefallen und die ich mal ausprobieren möchte. Wenn ich viel Zeit habe nutze ich ein Grafikprogramm für die Bildchen, wenn nicht, hilft auch ein Bleistift. Es kommt ja auf den Content an und nicht auf die Form.


    Ich habe beim Volleyball mal versucht, was mit Evernote zu gestalten.
    Da kann man Fotos, Texte, Gemaltes, Tonaufnahmen etc sammeln und Kategorisieren.

    Aber am praktischsten ist und bleibt ein Stift und ein Stück Papier.

  • Guten Morgen,


    eine Datenbank für alle Jugenden sollte eigentlich der Verein für alle Trainer stellen.


    Grundlage könnten die kompletten Einheiten des DFB sein. Diese sind aber mit Anmerkungen der Trainer versehen, wie z.B. Übung xy sollte das Feld größer sein oder 2 Mann weniger und es funktioniert.

    So eine Sammlung ist aber äußerst schwierg zusammen zu bekommen und nur mit gut organisierten Trainern möglich.


    Trainingseinheiten im vornherein planen funktioniert nur mit disziplinierten Mannschaften und geht auch dort manchmal in die Hose.

    Bei mir ist weniger mittlerweile mehr.

  • Ich improvisiere inzwischen auch mehr als dass ich vorplane. Ich habe einen groben Ablauf vor Augen und dann guck ich mal, wo ich auskomme. Mal geht nix wegen Konzentrationsdefiziten, mal rocken die das ganze locker und man kommt viel weiter als gedacht.


    Gestern waren zunächst 9 Kinder da. Prima drei Dreiergruppen... ich hab dann alles aufgebaut und dann kam noch ein Nachzügler und ich konnte von vorne beginnen... Ging aber auch. ;)

  • Meine Übungen müssen immer mit einem Spieler mehr variabel durchführbar sein.

    Anfangs hatte ich für meine 75 Minuten immer 1Aufwärmen, 3 Übungen, + Ein Endspiel geplant.

    Ist zeitlich aber viel zu eng und auch zu stressig, sodass ich jetzt von vornherein nur noch einmal Aufwärmen und eine Übung plane.(+ 1 in der Hinterhand.)

  • Am Anfang der Trainerkarriere ist sicherlich das Blatt Papier sehr sinnvoll. Gut abheften und mit Notizen versehen. jeder Trainer braucht erstmal seine Zeit und Erfahrung, damit er aus dem Kopf auch Übungen situativ gestalten kann. Am Anfang habe ich mich fest an meine Übungen gehalten, was dann sehr statisch wirkte und nicht immer spassig war wohl für die Kids und die haben das schnell gemerkt, daß ich nicht so firm bin in der Sache. Jetzt mache ich mir eher einen groben Plan und lasse auch Übungen länger oder kürzer laufen. Lege mir aber ein Schwerpunkt fest für 2-3 Wochen. Ich halte mich auch z.T. an Horst Wein derzeit in meinen Übungen. Da gibt es Übungen für 2, 3, 4 , damit jeder soviel wie möglich Ballkontakte und intensiv trainiert in der kurzen Zeit.

  • Ich schließe mich meinen Vorrednern an, dass gerade zu Beginn der "Trainerkarriere" eine Übersicht recht hilfreich sein kann. Diese darf aber nicht in Stein gemeißelt sein, sondern sollte auch einer stetigen Veränderung und Anpassung unterliegen. Gute, neue Aspekte und Übungen kommen dazu - alles, was ich aus unterschiedlichsten Gesichtspunkten nicht mehr, oder anders machen würde, wird entsprechend angepasst.


    Ich selbst habe einen Ordner auf meinem Macbook, auf dem ich einige meiner bevorzugten Trainingsformen nach Schwerpunkten geordnet abgelegt habe. Darunter sind viele Formen, die ich über das Grafiktool entsprechend visuell nochmal aufgearbeitet und durch Coaching-Punkte ergänzt abgespeichert habe, aber auch einige Videos von dfb.tv und anderen Plattformen, die ich als nützlich erachte.


    Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang für mein Empfinden aber die Nachbetrachtung der Trainingseinheit.

    Mit folgenden Fragen sollte ich mich auseinander setzen (können auch mehr sein):

    - Wo hat es eventuell nicht wie geplant funktioniert und warum?

    - Wie hat sich das Fehlen / Hinzukommen eines oder mehrerer Spieler bemerkbar gemacht?

    - Waren die Feldgrößen gut gewählt?

    - Wurden akzeptable Belastungszeiten gewählt?

    - Wurde der vorher gesetzte Schwerpunkt wirklich im Detail trainiert?
    - ...

    - ...

    - ...


    Aus diesen Erkenntnissen sammel ich oftmals die größten Erfahrungswerte auf dem methodischen Sektor für die kommenden Wochen und Monate. Diese Nachbetrachtung kostet in der Regel nicht mehr als 5-6 Minuten und ist oft auch in Absprache mit dem Co-Trainer schnell, aber gewinnbringend erledigt.


    Beste Grüße

    Peepshow