Die Lust zu gewinnen - mit psychologischen Belastungssituationen besser umgehen

  • Eins vorweg. Ich verstehe mich nicht als Ergebnistrainer, sondern stelle mir die Frage, wie ich den Jungs bei der Erreichbarkeit der eigenen Zielen helfen kann.


    Ich habe bei meiner Mannschaft Situationen erlebt, dass sie tolle Spiele gemacht hat und dann in KO-Spielen als vermeintlicher Favorit an den Druck scheitert gewinnen zu müssen (für mich gibt es kein muss, es heißt eher zu "wollen"). Ich denke, es sollte immer die Lust zu gewinnen da sein und nicht die Angst zu verlieren. Ich erkläre meinen Spielern danach immer, dass die Welt nicht unter geht und bei uns trotzdem weiter Fußball gespielt wird, wenn wir das Spiel nicht gewinnen. Am Ende interessiert es sprichwörtlich "kein Schwein", ob wir gewinnen oder verlieren. Vor den Spielen fokussieren sich die Jungs auf ihre Aufgaben und wirken sehr ehrgeizig. Von meiner Seite gibt es da keinen Druck.


    Ich stelle mir die Frage, wie ich solche Situationen ins Training transportiert bekomme, um den Jungs aufzuzeigen, dass der positive Gedanke und das Stecken von erreichbaren Etappen-Zielen zum großen Ziel führen kann. Wie kann ich den Jungs dabei helfen sich selbst zu belohnen, bzw. mit positiver Energie aus negativen Erlebnissen herauszugehen? Habt ihr da Erfahrungen oder Ideen?

  • Deine Frage, ob es soetwas wie Lust am gewinnen gibt, läßt sich ganz klar mit Ja beantworten.


    Jedoch muß man in der psychologischen Belastung verschiedene Differenzierungen vornehmen, wie:


    1. psychologische Belastung der Spieler
    a. allgemeine Definition
    - Lebenserfahrung (Alter, soziales Umfeld)
    - Charakter (ängstlich, selbstbewußt)


    b. spezifische Definiton
    - Grad der Eigenmotivation zur Sporart
    - Stammspieler, Reservespieler
    - Liga-Zugehörigkeit
    - Tabellenrang (Abstiegs-, Aufstiegsplatz)


    c. situationsbezogene Definition
    - selbst auferlegter Leistungsdruck
    - von außen (Trainer, Eltern, Mannschaftskameraden, Gegner) hinein getragener Leistungsdruck


    2. psychologische Belastung der Trainer


    Generell läßt sich ein Team leichter über die Steuerung von Lob motivieren. Denn weil jeder gern gelobt werden möchte, kann hier die Voraussetzung in der Risikobereitschaft, Mut und Wille zur körperlichen Anstrengung sehr gut gelenkt werden. Auch läßt sich bei fairem und partnerschaftlichem Umgang ein belastbares Vertrauensverhältnis gewinnen, so das jeder Spieler das Ergebnis und seine Leistung besser einzuordnen versteht.


    Warnen möchte ich jedoch vor den Gefahren einer Übermotivation, bei der die natürlichen Ängste, die vor unkalkulierbaren Risiken schützen gänzlich außer Acht gelassen werden. Von einer Übermotivation läßt sich sprechen, wenn dem Team Eigenschaften und Fähigkeiten "angedichtet" werden, die nicht existieren. Hierbei tritt nach anfänglicher Euphoorie zunächst eine Ernüchterung und darauf die Frustration (vom Trainer verar...t worden zu sein) ein.


    Ähnlich negative Folgen kann das Verhalten eines "staatlichen Bedenkenträgers" erzeugen, der vor-, während und nach dem Spiel eine lange Liste von möglichen Gefahren auflistet, egal ob seine Mannschaft für gewöhnlich diese Fehler macht oder nicht.


    Eine weitere Variante ist das System aus Lob und Tadel. Unabhängig von den Signalen der Spieler wird nach eigenem Ermessen während des Spiels gelobt und getadelt. Je nach Intensivität kann sogar der Eindruck erweckt werden, der Trainer wäre nun in seiner eigenen Welt, sodass er eine Interaktion zu den gelobten oder getadelten Spielern gar nicht aufnehmen könnte.


    Der Grad der psychischen Belastbarkeit läßt sich meist an der Körpersprache des beteiligten Spielers/Trainers (gesenkter Kopf bis breite Brust) erkennen. Jedoch gibt es unterschiedliche Ausdrucksformen von Frustration bis Euphorie.


    Nun stellt sich die Frage, wie man sich auf das Spiel vorbereiten kann, um den Spielern und sich selbst die Lust zum Gewinnen zu geben. Dazu sollte man sich einen Masterplan machen, indem eine Handlungsbeschreibung von typischen Situationen abgelegt ist. Auf diese Weise hat man einen "roten Faden" fürs Spiel und gerät nicht so leicht in Unruhe, die sich dann auf die Mannschaft überträgt. (Hierzu ein typisches Beispiel, was jeder schon mal miterlebt hat: weil der Spielverlauf nicht den Erwartungen des Trainers entspricht, fängt er an laut über den Schiedsrichter zu meckern. Kurz darauf beginnen auch die Spieler die Schiedsrichterentscheidungen gegen sie zu kritiisieren. Binnen weniger Minuten kann so die Mannschaft ihren "roten Faden" verlieren. Man war zwar das bessere Team, aber es kehrte allgemeine Ratlosigkeit ein, sodass der Gegner am Ende die Punkte sehr leicht mitgenommen konnte.)

  • c. situationsbezogene Definition- selbst auferlegter Leistungsdruck
    - von außen (Trainer, Eltern, Mannschaftskameraden, Gegner) hinein getragener Leistungsdruck

    Ohne zu wissen um welche Jugend es geht, sehe ich darin wichtige Punkte. Wenn ich sonntags morgens Schlafmützen aufstellen muss, dann sag ich kurz ein zwei Sachen zum Aufwecken. Aber in der Besprechung vor dem letzten Spiel, mach ich nichts besonderes mehr, es kommt die gleiche Teambesprechung wie bei jedem anderen Spiel.
    Ich beziehe mich dabei auf G-, F- und die meisten E-Jugenden.
    Ich bin davon überzeugt, dass ich nur für Unruhe sorge, wenn ich plötzlich nen Hype erzeuge. Wurde mir indirekt bewiesen, als ich bei nem G-Turnier die Besprechung fertig hatte, und in diesem Moment der Veranstalter herschlappte mit den Worten: So Jungs, jetzt gehts nochmal richtig um die Wurst! Die Kinder gingen aufs Feld, sahen mich an, sahen den Typen an, sahen sich an, und hatten Mühe sich zu sortieren. Ich musste früh wechseln und eiligst beruhigte Spieler aufs Feld stellen, die die Veranstalterwurst wieder vergessen hatten...
    Ich verzichte also grundsätzlich darauf, irgend ein Spiel besonders hervor zu heben, weil es kein wichtiges oder unwichtiges Spiel gibt. Für die Zuschauer mag ein Finale wichtig sein, für die Mannschaft ist aber jedes Spiel auf dem Weg da hin gleich wichtig, sonst gibt es kein Finale. Man lässt in der Vorrunde auch nicht schlechter spielen, weil es nur Vorrunde ist. Was will man dann noch für ein Finale verbessern?


    Natürlich muss man reagieren, wenn es - eher im älteren Bereich - besonders herausgestellt wird, anderes Licht, Umgebung umgebaut, Ansagen und Kommentare über die Sprechanlage, erneuter Einlauf der Mannschaften etc., sprich, wenn man um eine besondere Aufregung gar nicht mehr herumkommt.
    Ich bin der Ansicht, und ich denke da gehe ich ziemlich d'accord mit dem @TW-Trainer , dass wir nur IN der Situation die Chance haben, die Spieler für diese Momente fit zu machen.
    Das ist eine wahnsinnig belastende Aufgabe, weil jedes Wort, jede Geste, jede Mimik des Trainers besonders analysiert und auf die Goldwaage gelegt wird. Ich halte meist die Schnauze, denn ich kann mit Worten nicht mehr viel verbessern, ich kann aber verdammt viel falsches sagen. Ruhig, selbstsicher und freudig lachen, kleines bisschen Körperkontakt, Schulterklopfen, kleiner Knuff, grad bei den ganz jungen, damit sie sich behütet fühlen, je nach Anspannung ein zerstreuender Gag (Und bei Gags fängt die Gefahr schon an, wenn man zu viel oder das falsche sagt...). Wenn tatsächlich mal einer die Nerven verliert muss er schnell individuell eingefangen werden.
    Das Training ist dann schon alleine, diese Situation auszuhalten. Anders kann es aus meiner Sicht nicht wirklich trainiert werden.


    Es ist dann einfach für deine Jungs @Mapo der Lernweg, immer wieder durch diese Situation zu gehen. Es müssen sich fast zwangsläufig Verbesserungen ergeben.
    Im Vorfeld kannst aus meiner oben geschilderten Sicht nicht viel machen (machen schon, aber wenig erreichen). Wenn du wieder in der Situation bist, diese vll. herunterspielen:
    - Die KO-Runde habt ihr nicht zufällig gewonnen, also spielt locker weiter.
    - In der KO-Runde wird auch nur Fußall gegen andere Kinder gespielt.
    - Gleicher Platz, gleicher Ball, gleiches Spiel Jungs
    - etc.
    Hab einfach mal überlegt was ich in der Situation sagen würde, wenn ich etwas sagen müsste. Ohne die Kinder zu kennen, und in genau deiner Situation zu sein, fällt mir das schwer.
    Ansonsten ist wichtig, dass du am ganzen Prozedere nichts änderst. Gleiche Teambesprechung vor dem Spiel, gleicher Schlachtruf, gleiche Gedankengänge bei der Erstaufstellung, gleicher Funkspruch an die auf der Bank wartenden. Und aus dir muss das selbe Vertrauen in die Jungs und die selbe Ruhe und Zuversicht strahlen, wie bei jedem Spiel.



    Und da sag noch einer, Jugendtrainer ist einmal in der Woche mit nem Ball auf dem Platz zu erscheinen... Wir bräuchten eine Pädagogik- und Psychologieausbildung ;-)

  • Ich schreib oft..."Im besten Fall macht der Trainer"....dieses oder jenes...ist nicht erfolgsdenkend usw...und ich habe immer von mir gesagt, dass ich auf jeden Fall ein erfolgsdenkender Trainer mit Verantwortungsbewußtsein bin.


    Hierbei legte ich mir gewisse wenige Regeln auf, die ich die "Kifu-Merkmale" nannte (Rotation, alle spielen mindestens die halbe Zeit, altersgerechte Trainings und einen fairen Ton).


    Das tat ich, damit mich nicht mein Ego und mein Gewinndenken zu einem Körperverletzer macht und ich möglichst fair bin und ich nicht -auf Grund meines Ego und Gewinndenkens- zu viel Abverlange im vermeidlichen Denken/einem Trugschluss unterliegend/mich und andere täuschend....schuldig mache. Ein Selbstschutz für mich und andere...und das auch, weil niemand sonst mich einbremsen würde, ...wie z.B. ein überwachtes Vereinskonzept, das selbiges von mir einfordern würde.


    Das alles natürlich deswegen, weil mir Fehler passiert sind, ganz klar und selbstkritisch benannt.


    Dennoch...bin ich der Meinung, dass ein Trainer hier in der Kabine in der Ansprache zu einem Endspiel oder auf einem Turnier durchaus ruhig und klar und verständlich an Trainingsthemen etc. erinnern darf...aber auch, dass ich sie heiss mache...sie dadurch motiviere, dass ich von ihnen überzeugt bin...sie sau geil finde, ...sie gleich die Welt gewinnen können und und und.


    Danach fahre ich runter und biete ihnen einen guten fairen Zuschauer, einen Fan...der zeitgleich Tippgeber ist und auch Tränentrockner...der mit ihnen leidet und oder feiert.


    Und wenn ein Trainer das dann tut, was ich eingangs benannte, selber aber oft nicht hinbekam...dann spielert er das notfalls schau...überzeugend.


    Ich könnte - auch wenn sich einige wundern werden, auf keinen Fall so tun, als ginge es um nichts. Viel wichtiger wäre mir, dass man dann, wenn es in die Hose geht...wirklich nicht auf die Spieler einhackt oder während des Untergangs am Rand austickt oder ähnliches. DAS IST NÄMLICH DER UNTERSCHIED zwischen einem guten und einem schlechten Trainer, finde ich! Und wärend des Spiels...wechsel ich getreu meinen auferlegten Kifu-Merkmalen streng weiter aus und ein...und ich lasse weiter rotieren und jeder spielt mindestens die halbe Zeit (ohne Stoppuhr in der Hand). Gr. Andre

  • Ich stelle mir die Frage, wie ich solche Situationen ins Training transportiert bekomme, um den Jungs aufzuzeigen, dass der positive Gedanke und das Stecken von erreichbaren Etappen-Zielen zum großen Ziel führen kann. Wie kann ich den Jungs dabei helfen sich selbst zu belohnen, bzw. mit positiver Energie aus negativen Erlebnissen herauszugehen? Habt ihr da Erfahrungen oder Ideen?

    Eine ähnliche Diskussion gab es hier schon mal:
    "Wir müssen wieder wettkampforientierter trainieren und Spiele mit großem Gewinn-Charakter ins Training implementieren"


    Im Training immer wieder Wettkämpfe einbauen fördert das Gewinnen wollen. Aufgaben müssen immer so gestellt sein, dass sie eine Herausforderung darstellen, um den Ehrgeiz der Jungs zu wecken. Sind sie zu leicht, führt es zur Überheblichkeit, wenn zu schwer zu Motivationsverlust.


    Weiterhin hilft es, gezielt die Aufmerksamkeit und Inhibition (Impulskontrolle) zu trainieren. Dadurch bekommt man Spieler, die mit Drucksituationen besser umgehen können.

  • Eine ähnliche Diskussion gab es hier schon mal:"Wir müssen wieder wettkampforientierter trainieren und Spiele mit großem Gewinn-Charakter ins Training implementieren"


    Im Training immer wieder Wettkämpfe einbauen fördert das Gewinnen wollen. Aufgaben müssen immer so gestellt sein, dass sie eine Herausforderung darstellen, um den Ehrgeiz der Jungs zu wecken. Sind sie zu leicht, führt es zur Überheblichkeit, wenn zu schwer zu Motivationsverlust.


    Weiterhin hilft es, gezielt die Aufmerksamkeit und Inhibition (Impulskontrolle) zu trainieren. Dadurch bekommt man Spieler, die mit Drucksituationen besser umgehen können.

    Erstmal vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen.


    Den Grundlagenbereich ausgenommen, finde ich es erstmal egal über welche Altersklasse gesprochen wird, denn es ist in meinen Augen primär eine Sache, die von der Persönlichkeit und des Temperaments eines Individuums gesteuert wird.
    Ich finde die Idee von pd33 nicht schlecht am ganzen Prozedere nichts zu ändern, aber das mache ich auch nicht. Die Spieler sind ja nicht dumm und merken selber worum es geht.
    Wettkämpfe im Training gehören in meinen Augen immer dazu, denn das ist das Salz in der Suppe. Ich denke aber trotzdem, dass durch Wettkämpfe solche KO-Runden Situationen nur schwer simulieren lassen. Wenn ich dann in den Wettkämpfen mit Bestrafungen für die Verlierermannschaft spiele (z.B. das Verliererteam sammelt alle Sachen ein), wecke ich ja auch eher wieder die Angst zu verlieren als die Lust zu gewinnen. Mache ich das aber auf der anderen Seite nicht, stelle ich mir die Frage, wie ich es dem Gewinnerteam klarmachen kann, wie geil es eigentlich ist zu gewinnen, denn ich denke ein Anreiz muss schon gegeben sein. Wenn mein Team in KO Runden gewinnt, haben sie sich ja auch damit belohnt, dass sie eine Runde weiter sind und das andere Team raus ist.


    Eure Gedanken kann ich alle nachvollziehen, finde sie aber pauschalisiert beschrieben und schwer greifbar. Ähnliches gilt auch für den verlinkten Thread. Ich könnte nicht behaupten, dass ich groß anders denke würde.


    Eine Trainingsübung, die ich gerne spiele, ist beispielsweise folgende, die jeder kennen sollte:
    Turnierform mit 4 Teams auf zwei Felder. Ein Feld erste Liga, das andere zweite Liga. Der Gewinner in der 1. ist Meister, der Verlierer steigt ab. Der Gewinner in der 2. steigt auf, der Verlierer bleibt drin. Es ist aber trotz allem irgendwie nicht das selbe, wie in den Turnierspielen.
    Außerdem spielen wir am Ende meistens einen Elfmeterkönig aus. Hier erlebe ich oft, dass wir zumindest in Elfmeterschießen nicht blockieren.


    Ich glaube aber, dass solche Spielformen noch weitergedacht werden müssen, um den Jungs in psychischen Belastungssituationen mehr Optionen für Ruhe und Gelassenheit zu geben anstatt zu blockieren.

  • Und gerade da gehn wir auseinander. Ich bin davon überzeugt, dass im Training unter eigenen Leuten das Gefühl einer KO-Runde nicht hervorgerufen und trainiert werden kann. Schon allein deshalb, weil es beliebig wiederholbar ist, die Kameraden, die zufällig in der anderen Gruppe sind, trotzdem die alten Kumpels bleiben... Und man ist auch nicht wirklich KO bei einer Niederlage, das Training hat ja ein festes Ende...


    Andersrum, wenn man die Situation im Training so einfach nachstellen könnte, wäre sie im Turnierbetrieb auch nicht so besonders, dass sie zu den von dir geschilderten Ergbnissen überhaupt erst führen könnte...


    Wenn die Jungs alt genug sind, den Turniermodus zu begreifen, dann müssen sie halt entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten die Situation wegstecken oder dran kauen und das Wegstecken noch lernen. Lampenfieber lässt sich auch kaum abschalten. Da trifft reflektiertes Handeln auf angeborene Reaktionen, die tief in unseren Genen stecken. Ein Finale ist auch für den ältesten Hasen immer etwas besonderes, er kann nur besser damit umgehen.

  • Ich denke aber trotzdem, dass durch Wettkämpfe solche KO-Runden Situationen nur schwer simulieren lassen.

    Wenn es dir gelingt, zwischen dir und dem Team sowie untereinander ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen, dann werdet ihr euch gegenseitig auch in den Spielformen des Trainings pushen. Der Trainer hat hierbei eines sehr großen Einfluß, insbesondere ist er für ein abwechslungsreiches Training verantwortlich, in der die Kinder viel erleben können und durch Trainer oder Kameradenlob an Selbstvertrauen gewinnen.
    Gerade in der menthalen Untestützung der Mannschaft ist noch viel Luft nach oben!



    Wenn ich dann in den Wettkämpfen mit Bestrafungen für die Verlierermannschaft spiele (z.B. das Verliererteam sammelt alle Sachen ein), wecke ich ja auch eher wieder die Angst zu verlieren als die Lust zu gewinnen.

    Genau das wurde vor Jahren aber in der Trainerausbildung gepredigt, denn es entsprach dem damaligen Denkmuster nicht nur zu gewinnen, sondern gleichzeitig den Verlierer zu dominieren, indem man von vornherein einen Zwang auferlebt, die Niederlage in Form von Untertänigkeit auszubaden.


    Dabei genügt es vollkommen auch die Leistungen des Gegners als fairer Sportsmann zu respektieren. Denn das Schöne im Fussball ist ja, dass man nach einer Niederlage direkt schon das nächste Spiel gewinnen kann, wenn man richtig damit umzugehen weiß!


    Es ist demnach möglich richtig bzw. falsch mit Siegen und Niederlagen umzugehen. Dabei spielt der Trainer ebenfalls eine große Rolle. Eine Möglichkeit (bei älteren Jahrgängen) ist das antizyklische Führen. In der gemeinsamen Spielanalyse nach einer Niederlage stellt man die Dinge hervor, die gut geklappt haben. Das, was noch nicht so gut geklappt hat, kann man fürs nächste Spiel seiner Mannschaft als Herausforderung darstellen und ihnen dabei sehr viel Mut zusprechen, damit evl. verloren gegangenens Selbstvertrauen wieder aufgebaut wird. Sehr helfen wird hierbei an den Teamgedanken zu appellieren, damit jeder weiß, wenn mir mal was mißlingt helfen mir meine Mannschaftskameraden. Typische Übung: Spieler bilden einen Kreis - um einen Spieler im Zentrum - Spieler macht sich steif, schließt die Augen und läßt sich nach hinten fallen - Mitspieler stützen ihn ab, sodass er nicht hinfallen kann." Hat das Team sehr leicht gewinnen können, so wird diese Leistungen ein wenig dezenter gelobt, während die Dinge, die noch nicht so gut funktioniert haben, in den Fokus gelangen. Es genügt jedoch nicht allein die Defizite anzusprechen, sondern es benötigt klare Infos, wie man es besser machen kann. Hierbei fällt sofort auf, dass die Verbesserung komplexer Bewegungsabläufe nur ein Thema fürs nächste Training sein kann, weil es dazu Theorie mit Praxis braucht.


    Kennt man eine Mannschaft noch nicht oder ist man Trainerneuling, kann es von Vorteil sein, vor der Schilderung seiner Eindrücke einfach die Kinder nach ihren Erlebnissen im Spiel zu fragen. Je jünger die Kinder sind, je mehr positive Antworten erhält man und je älter das Team, desto größer wird die Bandbreite an Input für den Trainer. Dies hängt insbesondere vom Grad der Selbsteinschätzung ab. Es gibt Spieler, die sehen ihre Leistungen sehr viel besser als sie Außenstehende wahrnehmen und natürlich gibt es auch Spieler, die ihre Leistungen viel zu kritisch sehen. Die schwierige Aufgabe eines Trainer besteht nun darin, aus den unterschiedlichen Charakteren in einer Mannschaft ein Team zu formen, welches mit hoher Motivation den Spaß am Fussball erleben möchte und ihrer Trainer als unersetzbaren Helfer betrachten. Dabei ist es möglich auch bei Niederlagen Antworten zu finden, anstatt sie durch Verdrängung lösen zu wollen.


    Die menthale Unterstützung durch den Trainer ist dabei der Faktor, ob eine Mannschaft über sich hinauswachsen kann oder kaum über den Langeweile-Faktor hinaus kommt, weil Monotonie und Spielertadel den größten Raum im Training und Wettkampf einnimmt.

  • Und gerade da gehn wir auseinander. Ich bin davon überzeugt, dass im Training unter eigenen Leuten das Gefühl einer KO-Runde nicht hervorgerufen und trainiert werden kann. Schon allein deshalb, weil es beliebig wiederholbar ist, die Kameraden, die zufällig in der anderen Gruppe sind, trotzdem die alten Kumpels bleiben... Und man ist auch nicht wirklich KO bei einer Niederlage, das Training hat ja ein festes Ende...

    Exakt die gleiche Situation nachzustellen ist natürlich schwierig, aber man kann durchaus ähnliche Bedingungen schaffen im Training. In solchen Trainingsübungen erfährt ein Trainer dann auch, wer wirklich das Gewinnen wollen in sich hat, und wer sich eher zurück hält. Ist ja auch immer eine Charakterfrage.


    Beispiel: Turnier mit drei Mannschaften. Immer die Mannschaft, die ein Gegentor kassiert muss raus und die dritte Mannschaft kommt rein. Ist gleich ordentlich Zug drinnen, da keine Mannschaft gleich wieder zuschauen möchte. Auf den Spielern lastet auch ein gewisser Druck, da niemand für ein Gegentor verantwortlich sein möchte.



    Wenn ich dann in den Wettkämpfen mit Bestrafungen für die Verlierermannschaft spiele (z.B. das Verliererteam sammelt alle Sachen ein), wecke ich ja auch eher wieder die Angst zu verlieren als die Lust zu gewinnen. Mache ich das aber auf der anderen Seite nicht, stelle ich mir die Frage, wie ich es dem Gewinnerteam klarmachen kann, wie geil es eigentlich ist zu gewinnen, denn ich denke ein Anreiz muss schon gegeben sein. Wenn mein Team in KO Runden gewinnt, haben sie sich ja auch damit belohnt, dass sie eine Runde weiter sind und das andere Team raus ist.

    Bestrafen hielt ich bisher eigentlich nie für notwendig. Normalerweise achte ich im Abschlussspiel auf spielerische Aspekte. Das Ergebnis ist egal. Wenn aber der Trainer plötzlich anfängt das Ergebnis laut mitzuzählen, ist gleich eine ganz andere Intensität und Stimmung im Spiel, die einem Ligaspiel nahe kommen. Da will keiner verlieren, egal ob danach eine Bestrafung wartet oder nicht. Dieser Einsatz muss sich, wie Hermann Hummels meinte, im Kopf als Grundtugend festsetzen.


    Das war zur Trainierbarkeit.
    Im Spiel selber hat das dann auch viel mit Erfahrung zu tun. Vor ihrem ersten Turnier können die Kleinsten ja kaum schlafen vor lauter Aufregung, weil es aber irgendwann zur Routine wird, kommen sie mit dieser "Drucksituation" schon gut zurecht. Das Gleiche passiert mit K.O.-Spielen; nach einer gewissen Anzahl nimmt die Nervosität automatisch ab und die Spieler können immer besser ihre normale Leistung abrufen.


    Ich habe mir abgewöhnt vor "wichtigen" Spielen in der Ansprache groß motivieren zu wollen, den Druck machen sich die Jungs schon selber. Ist man vermeintlicher Favorit, versuche ich die Jungs von ihrem hohen Ross zu nehmen, sind sie der Underdog sollen sie sich auf ihre Chancen konzentrieren und nicht auf die Stärke des Gegners. Ich spreche immer die Dinge an, die wir im Spiel zeigen wollen, bzw. auf die wir uns extra konzentrieren.

  • Ich bin auch der Meinung, dass man es trainieren kann - warum greifen sowohl die Nationalmannschaft als auch viele Bundesligaclubs auf Psychologen zurück? Und auch bei anderen Sportarten wird immer wieder "vom Mentalen" und Mentalcoach gesprochen.


    Auch das Fußballspiel wird im Training nicht 1 zu 1 transportiert und so wird auch die psychologische Seite nicht 1 zu 1 im Training abgebildet sein.


    Neben "bestrafen" gibt es ja auch noch "belohnen". z.B. anstatt Fehlpässe, kann ich angekommene Pässe zählen. Oder anstatt "Tor aufräumen" für den Verlierer, kann sich der Sieger auch etwas wünschen (z.B. seine Lieblingsübung). Ich habe mal eine Anleitung zum Loben geschrieben, die fällt mir bei dem Thema wieder ein.


    Ich finde die Überschrift schon interessant: die Lust zu gewinnen wird hier zu psychologischen Belastungssituationen in Zusammenhang gebracht - wenn man etwas mit Lust (und Liebe) macht, belastet das normalerweise einen nicht. Und aus meiner Sicht sollten im Kinderfußball Lust und Liebe zum Fußball im Mittelpunkt stehen und keine "Erfolge" (die Belohnung ist das Fußball-Spiel - und nicht die Tabelle, Pokale oder Medaillen). Und zu einem Fußballspiel gehören zwei Mannschaften, die nicht beide gewinnen können (unentschieden hat keinen Sieger bzw. Verlierer). Aber ohne Verlierer hätte es keinen Sieger gegeben (und umgekehrt) und noch schlimmer: gar kein Spiel (keine Belohnung Fußball-Spiel). Auch verlieren kann "geil" sein, wenn es ein spannendes Spiel war, viel gelacht wurde (darf man das beim Fußball noch?), alle beteiligt waren, einiges gelungen ist, man miteinander (ja, mit dem Gegner) Spaß hatte u.a. - das Ergebnis interessiert schon mit dem Schlusspfiff niemanden, den es liegt in der Vergangenheit! Und auch die Tabelle ist etwas historisches - und ja auch die Pokale (und Medaillen) landen irgendwann auf dem Wertstoffhof. Die Erinnerung an das Spiel (Erlebnis) wird bleiben.

  • Ich bin auch der Meinung, dass man es trainieren kann - warum greifen sowohl die Nationalmannschaft als auch viele Bundesligaclubs auf Psychologen zurück? Und auch bei anderen Sportarten wird immer wieder "vom Mentalen" und Mentalcoach gesprochen.


    Auch das Fußballspiel wird im Training nicht 1 zu 1 transportiert und so wird auch die psychologische Seite nicht 1 zu 1 im Training abgebildet sein.


    Neben "bestrafen" gibt es ja auch noch "belohnen". z.B. anstatt Fehlpässe, kann ich angekommene Pässe zählen. Oder anstatt "Tor aufräumen" für den Verlierer, kann sich der Sieger auch etwas wünschen (z.B. seine Lieblingsübung). Ich habe mal eine Anleitung zum Loben geschrieben, die fällt mir bei dem Thema wieder ein.

    Der Punkt an den ich mich aufhalte ist doch bei den Spielern eine intrinsische Motivation (von innen) zu entwickeln. Spiele ich mit Belohnungen ist es wieder extrinsisch (Anreiz von außen), nach dem Motto, wenn ich das schaffe, bekomme ich das und das.


    Ich bin der Meinung, dass jeder Spieler lernen soll, wie geil es ist zu gewinnen (Stichwort: Gewinnertyp). Überspitzt gesagt, sollen Spieler ja auch nicht 1. werden wollen auf einem Turnier, weil es dann den größten Pokal gibt, sondern weil das Gefühl einfach überragend ist 1. zu werden. Letztlich sollte es doch dann egal sein, ob es einen Pokal, Medaille oder gar nichts dergleichen gibt. Den Hinweis von Prof. Dr. Trainer laut mitzuzählen finde ich gut. Das habe ich in letzter Zeit unbewusst weniger gemacht, bewirkt aber eigentlich, dass die Spieler noch sensibler auf die Situation reagieren.


    Dieses Selbstverständnis zu entwickeln, darauf habt ihr hier viele tolle Anmerkungen gemacht, die mich ein Stück weiter bringen. Trotzdem glaube ich, dass das Entwickeln einer intrinsischen Motivation weitaus schwieriger und schwer greifbar ist.

  • Mein Ansatz ist, das intribsische Motivation von alleine im ausreichenden Umfang entsteht, solange der Spieler merkt, dass er vorwärts kommt, besser wird, Erfolge hat.
    Wenn das Gegenteil der Fall ist, dann ist es die Aufgabe dies aufzufangen und umzukehren indem man dem Spieler eben diesescWeiterkommem eröffnet. Das ist noch nicht mal alltu schwer bei gegenläufiger Tendenz zu erkennen. Interessant sind für mich die Spieler, die trotz weiterentwicklung motivation verlieren weil die Entwicklung aus deren sicht zu langsam voranschreitet oder stagniert. Diese unweigerlich immer bei jedem Spieler und jeder Sportart auftretende Situation nennt sich Lernplateau! Diese Lernplateaus zu erkennenbund zu bedienen ist für mich key und nicht so leicht.


    Also versuche einfach nicht intrinsische Motivation zu fördern, sondern Stagnation und demotivation zu erkennen und dort für Erfolg zu sorgen.

  • Dieses Selbstverständnis zu entwickeln, darauf habt ihr hier viele tolle Anmerkungen gemacht, die mich ein Stück weiter bringen. Trotzdem glaube ich, dass das Entwickeln einer intrinsischen Motivation weitaus schwieriger und schwer greifbar ist.

    Das freut mich, dass wir dir weiterhelfen konnten. Ich denke mal, es ist nicht immer in jeder Sitution möglich den Spielern (z.B. bei einer Klatsche) noch klar zu machen, dass sie etwas für sich mitnehmen konnten und von besseren Gegnern zu lernen, wenn doch von den eigenen Vorsätzen kaum etwas ungesetzt werden konnte. Hier ist es aber wichtig, beim nächsten Training die positiven Akzente zu setzen, indenen jeder Spieler spürt, dass er dadurch etwas Neues gelernt hat oder sich bei etwas Bekannten verbessern konnte.


    Aber auch wir Trainer können im Laufe der Saison dazu beitragen, dass bei jedem einzelnen Spieler eine für ihn selbst wahrnehmbare Verbesserung eintritt. Denn was nützt der erste Tabellenplatz, wenn dabei immer nur die Besten spielen durften? Was nützt das ganze Lob, wenn man in der falschen Liga spielt bzw. weil das Trainng nicht der Liga entspricht?



    Diese Lernplateaus zu erkennenbund zu bedienen ist für mich key und nicht so leicht.

    Allzu häufige Wiederholungen führen nicht nur zur Monotonie, es werden bewußt wahrgenommene Bewegungsabläufe gelangen ins Unterbewußtsein (Automatisierung). Weil jedoch die Anfordernungen im Laufe der Zeit komplexer werden, können eingeschleifte Prozesse zur Stagnation führen. Dies ist dann auch der Grund, warum jahrlang in den NLZ trainierte Spieler plötzlich von "Spätentwicklern" in relativ kurzer Zeit sportlich überholt werden können.
    Unbewußte Handlungen benötigen weniger geistige Arbeit als die Herausforderung für die jeweilige Situation neue, selbst noch unbekannte Lösungen zu suchen und dadurch die Fähigkeiten kreativ zu erweitern. Inwieweit dieser Entwicklungsprozeß möglich ist, liegt weitgehend am Trainer. Denn je mehr technische und taktische Vorgaben bereits in der Phase gemacht werden, je weniger wird über selbständig zu erarbeitende Lösungen nachgedacht. Denn es wird nur noch versucht möglichst präzise das nachzumachen, was der Trainer zuvor verlangt hat. Kommt noch das Risiko hinzu im Rahmen wiederkehrender Selektionen "aussortiert" zu werden, verringert sich die Zahl der Spieler, die nicht stagnieren um die Quote der besonders stressresistenten Spieler. Daraus resulitert die Aussage von gestandenen Profis: "in meiner Jugend gab es viele Spieler mit mehr Talent. Aber ich habe mich durchgesetzt!"


    Leider wissen wir zu wenig über den Fussball, weshalb man eine Stagnation erst dann feststellt, wenn sie bereits deutlich sichtbar eingetreten ist. Präventiv kann man es damit probieren, jeden Spieler zunächst einmal als ganzen Menschen zu aktzeptieren, anstatt ihn auf bestimmte Fähigkeiten (z.B. Schnelligkeit, Dribbling, Übersicht, usw.) zu reduzieren und ihm eine bestimmte Position vorzugeben. Gerade dieses "Einschleifen" durch Reduktion des Individuums auf bestimmte Fähigkeiten kann dazu führen, dass eine Stagnation eintritt, weil sich eine Angst vor neuen Herausforderungen (auf anderen Positionen bzw. anderen Aufgaben) entsteht.

  • Bis auf die vielen guten Beiträge kann ich noch mit einem weiteren Tipp, welcher bei meinen Kids Wunder gewirkt hat, dienen:


    Am Anfang des Trainings zwei Teams mit jeweils einem Kaptitän einteilen, welchere für sein Team verantwortlich ist. Ganz wichtig dabei ist den gegründeten Teams auch Namen zu geben (bzw. von den Kindern geben lassen).


    Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ein paar Beispiele die ich schon benutzt habe:


    FC Ninjago vs. Borussia Nexo Knights
    SV Schnuckiputz vs. Team Bussibärli
    1. FC Latoni (Lara, Tobias, Nici) vs. SC Anluja (Andi, Luca, Jana)


    Abgesehen davon, dass es für großes Gelächter bei den Kindern sorgt, werdet ihr überrascht sein wie sich das auf den Einsatz der Kinder auswirkt. Kaum zu glauben, wie sich 6,7,8 Jahre alte Kids sich da hineinsteigern können. Stellt euch vor, wie bei einem Staffellauf Gas gegeben wird, während sich die wartenden Spieler mit ihren Schlachtrufen übertönen (Schnuckiputz!Schnuckiputz!Schnuckiputz! vs. Bussibärli!Bussibärli!). Und das mit einem lachenden (nicht verbissenen) Gesicht.


    Nach Einteilung der Teams wird das ganze Training als Wettbewerb durchgeführt. Ich trickse dann immer ein wenig, dass es spannend bleibt. Wichtig finde ich immer dabei zwar die Punkte an den Sieger zu vergeben, Lob erhalten aber alle die sich bemüht haben. Ich versuche immer Einsatz/Wille und nicht das Ergebnis zu belohnen.

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • @Steini
    Ich wills mal versuchen?


    In den NLZ wird üblicherweise mehr trainiert als ein "Wald-und-Wiesen-Vereinen"! Das häufigere Training soll einer umfassenden Ausbildung dienen. Wird jedoch eine zu frühe Positionsspezialisierung (vor der B-Jugend) vorgenommen oder findet die Spezialisierung nicht im Einklang mit den Wünschen des Spielers statt, so reduziert sich die Ausbildung auf häufig wiederkehrende Situationen statt, deren Bewegungsabläufe vom Bewußtsein ins Unterbewußtsein eindringen.


    Wenn die körperliche noch nicht abgeschlossen ist, findet bei eingeschleiften Techniken keine Detailverbesserung mehr statt, wenn die Abläufe nur noch automatisiert ablaufen. Weil auch die geistigen Fähigkeiten noch nicht vollends erreicht sind, findet keine weitere Entwicklung in Richtung Kreativität statt, weil fast ausschließlich auf die bereits verinnerlichten Prozesse zurück gegriffen wird.


    Der Irrtum war, dass man glaubte aus vielen Ballkontakten würden automatisch auch gute Ballkontakte. Der NLZ-Spieler hat zwar den Vorteil, dass er ein Füllhorn an Möglichkeiten kennengelernt hat, über dessen breites Spektrum der "Spätentwickler" (nennen wir ihn mal so, obwohl es eigentlich meistens gar nicht stimmt) noch nicht verfügt. Weil der Spätentwickler sich die Bewegungsabläufe in einer späteren Phase seiner Ausbildung erarbeiten muß, bekommt er gleichzeitig einen größeren Zusammenhang dabei mit.


    Die Lösung des Problems könnte sein, dass man die Kinder nicht zu früh in eine enges Positions- und Taktikkonzept steckt, sondern erst ab der B-Jugend überhaupt mit einer Positionsausbildung startet. Denn es besteht sonst die Gefahr, dass eine bereits im unteren Jugendbereich festgelegte Position aufgrund sehr häufiger Wiederholungen zur "geistigen Abstumpfung" führen kann, weil sich der Spieler in seiner "kleinen Positionswelt" eingerichtet hat und ihm die Erlebnisse auf anderen Positionen fehlen.


    Eine zu frühe Positionsfestlegung ist fast immer dem ergebnisorientierten Spiel geschuldet. Wenn es also die Gegner machen, dann bleibt scheinbar selbst keine andere Wahl? Kurzfristig mag das ja richtig sein? Man sollte sich jedoch nicht wundern, wenn sie von anderen Talenten später überholt werden, für die aufgrund ihres biologischen Entwicklungsfortschritts mehr "hängen geblieben" ist.


    Früher war man davon überzeugt, einen Spieler so früh wie möglich auf eine Position auszubilden, weil man meinte, es wäre dann mehr Zeit da, um ihn auf seine Spezialaufgaben vorzubereiten. Heute findet eine Positionsspezialisierung in manchen NLZ erst ab der B-Jugend statt. Aufgrund immer komplexer werdender Taktik ist es zumindest für den Profibereich von hoher Bedeutung, als dass jeder Spieler über ausreichende Erfahrungen auf jedem Flecken des Rasens verfügen, um situativ auf in der Ausbildung erlernte Fähigkeiten zurück greifen kann.


    Weil der Erfolg dieser Arbeit erst zum Ende der Ausbildung erkannt wird, ist es besonders schwer für manche Trainer über den Tellerrand hinaus auszubilden, weil sie ihren Jahrgangserfolge allzusehr im Fokus haben. Zwar dienen "Etappenziele" immer auch der Kontrolle, jedoch sollte der "rote Faden" einer systematischen Ausbildung im NLZ immer als Teamaufgabe des Trainerstabes verstanden werden. Diese größere Sorgfalt bei der Auswahl der Talente erlebe ich in den letzten Jahren mehr. Ein guter Start ist wichtig, damit sich der Irrtumsfaktor in Grenzen hält und die Fluktuation gering bleibt.


    Allerdings weiß man nicht immer richtig mit dem Lernplateau umzugehen, weil ein Teil der Stagnation durch falsche Trainingsinhalte hinein getragen werden kann. Weil wir längst noch nicht wissen, wieviel wir von der physischen und psychischen Entwicklung durch unsere Arbeit positiv und negativ steuern, gibt es noch sehr viele Geheimnisse des Fussballs zu lüften.

  • Heute findet eine Positionsspezialisierung in manchen NLZ erst ab der B-Jugend statt.

    Kannst Du konkrete NLZs benennen, wo das so ist? Alle NLZs, die ich kenne, bilden schon ab U12, U13 positionsspezifisch aus, viele sogar schon früher. Ob das gut ist, sei mal dahingestellt - ich denke auch, dass es sinnvoll ist, eine Vielseitigkeit ("Polyvalenz") anzustreben. Gerade daher interessieren mich konkrete Beispiele.


    Grüße
    Oliver