Von anderen Sportarten lernen

  • Das ist zwar ein netter Ausgangspunkt der Diskussion um Sinn und Unsinn davon, ob ein Kind im NLZ spielt. Aber entscheidend ist doch die Frage:


    Hat er diesen Sonntag gerne auf dem Fußballturnier verbracht? Oder hätte er ihn lieber mit Freunden und Verwandten verbracht? Solange das Erstere zutrifft und er Spaß hat und sich wohl fühlt - was spricht dagegen?


    Edit: Immerhin bist du einer der Väter, die kapieren, dass auch im NLZ fast keiner Profi wird. Das sehen die meisten Eltern dort anders.

  • Bei den Staffeleinteilungen kann man übrigens auch mal zu den Volleyballern schielen (NRW)


    Es gibt im Jugendbereich ne Bezirksliga und ne Oberliga. Jeder kann melden wo er möchte.

    In der Oberliga (jede Staffel hat idR 8 Teams) wird dann eine Hinrunde gespielt. Danach ist für die untere Hälfte der Tabelle die Saison beendet! Die oberen vier spielen in zwei Turnieren (Quali B und Quali A) gegen andere Oberligateams die begehrten Plätze für die Westdeutschen Meisterschaften aus.

    Somit überlegen sich die Teams gut, ob sich die Oberliga lohnt. In der Bezirksliga wird entspannt Hin- und Rückrunde gespielt.


    Ab der C-Jugend kommt dann noch ne NRW-Liga dazu, zu der muss man sich aber qualifizieren.


    Mit gefällt das System, da es den Druck ziemlich rausnimmt und man sich jedes Jahr wieder neu orientieren kann (Stichwort neue Spieler oder Weggang von Leistungsträgern)

  • Das ist zwar ein netter Ausgangspunkt der Diskussion um Sinn und Unsinn davon, ob ein Kind im NLZ spielt. Aber entscheidend ist doch die Frage:


    Hat er diesen Sonntag gerne auf dem Fußballturnier verbracht? Oder hätte er ihn lieber mit Freunden und Verwandten verbracht? Solange das Erstere zutrifft und er Spaß hat und sich wohl fühlt - was spricht dagegen?


    Edit: Immerhin bist du einer der Väter, die kapieren, dass auch im NLZ fast keiner Profi wird. Das sehen die meisten Eltern dort anders.

    Spaß hat er, sonst macht es keinen Sinn. Die entscheidende Frage ist aber welchen Preis man für diesen Spaß bezahlt. Wie schon gesagt, es geht bei mir nur deswegen, weil der Aufwand in der Woche überschaubar ist.


    Wei man mit gelungenen Geschichten, wie die von Kimmich, vielen Eltern den Kopf verdreht. Es wird nur das gezeigt, was gelungen ist und nicht das, was schiefging. Aber in der Relation gehen die allermeisten Jungs, die einen hohen Preis in ihrer Kindheit und Jugend bezahlt haben, leer aus. Die meisten Verlierer spielen in NLZts der zweiten und dritten Liga. Weil von D- bis C-Jugend sortieren sich die großen NLZs alles bei den kleinen aus. Die kleinen NLZs machen es dann in diesen Jahrgängen in den Breitensportmannschaften. Sollten diese Talente bis A-Junioren den Durchbruch nicht geschafft haben, kommen sie zurück und das Rad dreht sich rückwärts. Die vom Breitensport gehen wieder in ihre alten Vereine und die Rückkehrer versuchen über U-23 dann in irgendeiner Liga ihr Durchbruch zu schaffen, bis sie Ende 20 merken, dass sie ohne Geld, ohne Familie und ohne Beruf, oder besser gesagt ohne gewünschten Beruf dastehen. Es gibt bestimmt auch Ausnahmen, aber die bestätigen, bekanntlich, die Regel.

  • Passt zwar nicht zur Überschrift, aber zur Diskussion - Stefan Reinartz sagte gestern im SportschauClub 2 Sätze, die ich sehr interessant finde:

    "Möglicherweise sitzen wir in 10 Jahren hier und sagen 'wir haben in 2017 falsch trainiert'." und

    "Wir werden in den Nachwuchsleistungszentren zur chronischen Unselbstständigkeit erzogen."

  • Spaß hat er, sonst macht es keinen Sinn. Die entscheidende Frage ist aber welchen Preis man für diesen Spaß bezahlt. Wie schon gesagt, es geht bei mir nur deswegen, weil der Aufwand in der Woche überschaubar ist.


    Wei man mit gelungenen Geschichten, wie die von Kimmich, vielen Eltern den Kopf verdreht. Es wird nur das gezeigt, was gelungen ist und nicht das, was schiefging. Aber in der Relation gehen die allermeisten Jungs, die einen hohen Preis in ihrer Kindheit und Jugend bezahlt haben, leer aus. Die meisten Verlierer spielen in NLZts der zweiten und dritten Liga. Weil von D- bis C-Jugend sortieren sich die großen NLZs alles bei den kleinen aus. Die kleinen NLZs machen es dann in diesen Jahrgängen in den Breitensportmannschaften. Sollten diese Talente bis A-Junioren den Durchbruch nicht geschafft haben, kommen sie zurück und das Rad dreht sich rückwärts. Die vom Breitensport gehen wieder in ihre alten Vereine und die Rückkehrer versuchen über U-23 dann in irgendeiner Liga ihr Durchbruch zu schaffen, bis sie Ende 20 merken, dass sie ohne Geld, ohne Familie und ohne Beruf, oder besser gesagt ohne gewünschten Beruf dastehen. Es gibt bestimmt auch Ausnahmen, aber die bestätigen, bekanntlich, die Regel.

    Wie das alles funktioniert ist mir bewusst, war als Trainer selber in zwei NLZs (1. und 2. BL).


    Mir geht es um genau die Frage, die du eingangs stellst - ist es für die Spieler, die es nicht schaffen, am Ende den "Preis" wert gewesen?


    Da gibt es anscheinend Meinungen, die weit auseinander gehen. Im Kern interessiert mich, wie sich diese Frage für die Mehrheit beantworten lässt. Ist es für die Mehrheit aufgrund der (hoffentlich) guten sportlichen Ausbildung und der tollen Turniere/Erlebnisse etc. eine positiv prägende Zeit gewesen? Oder aufgrund des Frustes (Selektion, wenig Einsätze, das Gefühl es am Ende "nicht geschafft" zu haben), der "verlorenen Zeit" etc. unter dem Strich ein Negativerlebnis?


    Gibt es Studien dazu?

  • ist es für die Spieler, die es nicht schaffen, am Ende den "Preis" wert gewesen?

    Spannende Frage! Aber auf die gibt es m.E. keine generelle Antwort, sondern diese Frage muss jeder individuell für sich beantworten.


    Recht erhellend fand ich die Serie mit Fritz und Bilal in der FAZ:

    http://www.faz.net/aktuell/spo…dArticle=true#pageIndex_0

    Bilal hat es bis in den Profibereich geschafft, Fritz wurde aussortiert. Aber der Aussortierte hat dank seiner Fussballausbildung ein Stipendium an einer US-Hochschule bekommen. Da stelle ich mir schon die Frage, wer von beiden es denn wirklich "geschafft" hat. Fussnote: Laut Transfermarkt hat sich Bilal auch in der 3. Liga nicht durchsetzen können und ist mittlerweile vereinslos, d.h. er ist auch gescheitert, nur halt später.


    Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Spieler nur dann ins NLZ wechseln sollte, wenn er daran Spaß hat, dort seine nächste Saison zu trainieren und zu spielen. Wer das nur macht wegen des entfernten Zieles, Profi zu werden, der wird das kaum durchhalten. Daher kann man den Gedanken ans Profitum auch ausklammern. Meinem Sohn macht es Spaß im NLZ, auch die Turniere, die weiten Fahrten mit den anderen Jungs im Bus, die Spiele gegen namhafte Vereine. Zumindest vermittelt er mir das. Klar, bisher wurde er noch nie aussortiert, daher weiß ich nicht, wie er empfinden würde. Aber ich versuche ihn schon zu erden. Er soll ruhig träumen, aber ihm ist dennoch klar, dass es zum Profi vermutlich nicht reichen wird.


    Zur Illustration mal der Plan für Januar, den unsere Jungs gestern bekommen haben (U15 Regionalliga). Ganz ehrlich glaube ich nicht, dass das jemand mitmacht, der nicht genau das will.


    Grüße

    Oliver


    trainertalk.de/attachment/506/

  • Um wieder ein bisschen näher an die Überschrift zu kommen:

    "Es wird keine Meister regnen. Punkt. Wir brauchen wieder gute Ausbildungs-, Entwicklungs- und Karrierepfade für viele. Die Spitze bildet sich nur über einer breiten Basis mit einer gesunden Mitte."

    Das ist der Schlusssatz von Gunter Dueck in dem faz.net Artikel. Hier vergleicht er Fußballspieler mit IT Fachleuten.


    Mir stellt sich die Frage, ob wir im Fußball noch die breite Basis und die gesunde Mitte haben? Oder führt die immer frühere Spezialisierung der Kinder dazu diese zu verlieren?

    Es stellt sich aber auch die Frage, suchen wir die Stars (perfekten Spieler) oder suchen wir eher die perfekte Mannschaft (perfekte Team)? Und hier denke ich, dass wir auf dem Weg zur perfekten Mannschaft im Jugendbereich sind => die Individualförderung leidet aus meiner Sicht darunter. Und die Mannschaft bleibt nicht zusammen - zumindest in einem NLZ.


    Zum Spaß im NLZ:

    - wie viele steigen freiwillig aus? wahrscheinlich weniger als 10%

    - wie viele sind später Stolz auf diese Zeit? wahrscheinlich über 90%

  • Ich finde es immer ein Problem, wenn die Spieler im NLZ aussortiert werden und dann gar kein Fußball mehr spielen. Nicht jeder kann Vertragsliga spielen, aber Verbands- und Oberligisten suchen eigentlich immer nach gut ausgebildetem Nachwuchs und die Zahlen ja meist auch nicht schlecht (so als Verdienst neben Ausbildung/Studium/Beruf).

    Ich denke das es ein strukturelles Problem des NLZ-Systems ist. Es wird ein riesen Tohuwabohu darum gemacht und von vorn herein der Elitegedanke gepflegt. Frei nach dem Motto: "Seht uns an, wir sind der tolle Profiverein und besser als der Rest". Gehörte man einmal zu dieser "Elite" ist es schwer sich noch wieder mit "weniger" zu frieden zu geben.


    PS Das gilt natürlich besonders für noch nicht in ihrer Persönlichkeit gefestigte Jugendliche

  • Ich sehe das nicht so negativ mit den NLZ. Jedes Kid oder die Eltern werden sich noch Jahre später davon erzählen und davon zerren, daß er eigentlich Profi geworden wäre, wenn nicht...... Auch wenn Kinder nach NLZ aufhören, finde ich das normal, das hätten sie im Normalverein auch getan ohne den Anreiz Bundesliga. Auch wenn diese Jugendliche/Eltern auf das Pferd Profi setzen, gibt es in Deutschland. zig Möglichkeiten das verpasste nachzuholen mit Studium, Ausbildung , Schule usw auch nach dem 18. Lebensjahr, wichtig ist nur das man die Jugendliche klar macht. Die Geschichte von Bilal oder Fritz, wäre sicherlich auch so verlaufen, wenn beide sich im NLZ durchgesetzt hätten.

    Man muss sich doch nur mal die Bilder Nachwuchs-Nationalmannschaften anschauen, wer wo oder garnicht kickt.

  • Zum Spaß im NLZ:

    - wie viele steigen freiwillig aus? wahrscheinlich weniger als 10%

    - wie viele sind später Stolz auf diese Zeit? wahrscheinlich über 90%


    - Hängt vom Alter ab.

    - was sollen sie nachher sagen? War alles Scheiße und verlorene Zeit, ich habe es trotzdem durchgezogen? Dann kommt eine berechtigte Frage, warum hast du mit dieser Schieße nicht früher aufgehöhrt?

    - ich bin kein Gegner NLZ, nur nach meiner Erfahrung letzten Monaten/Jahren sollte man sehr früh mit der Wahrheit ausrücken und den Kindern/Eltern keine Märchen erzählen. Wenn dabei der Alltagsaufwand überschaubar bleibt, dann kann ich mit deiner These "viele sind später Stolz auf diese Zeit" konformgehen.

  • Warum wird landet man beim Thema " Von anderen Sportarten lernen " eigentlich beim NLZ.

    Keine Ahnung ob In den Phasen vor dem Leistungsalter, bei den NLZ immer innovativ und nach den neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnssen trainiert wird.

    Ist mir eigentlich auch primär egal.

    Nimmt man Trainerausbildung und Trainerfortbildung als Maßstab, zeigt sich hier ein klares Bild.

    Die Multiplikation und damit Verbreitung von neuen Trainingsmethoden in der Breite und damit an der Basis ist völlig ungenügend!

    Wer sich zBsp. In den Bereichen Lifekinetik, Laufschulung, usw. ist auf eigene Recherche angewiesen, oder muss sich privat auf eigene Kosten fortbilden.

    Den Verbänden fehlen scheinbar die geeigneten Multiplikatoren. Dieses Segment hat man den kommerziellen Anbietern überlassen.

    Wahrscheinlich fehlt es eh an der notwendigen Nachfrage. Denn an der Basis wird nach meinen Erfahrungen der letzten Monate wieder immer mehr klassisch trainiert.

    Das gehört dann aber eher in den Bereich Frustabbau und hat wie die NLZS hier eigentlich nichts zu suchen.

  • AKjfv : und da wären wir wieder beim 1. Post in dem Thread: MOOC - warum nicht im Fußball? Und den dann zum Thema Kinderfussball oder was kann der Fußball von den anderen Sportarten lernen (Laufschule, Life Kinetik u.a.). Dort könnte man dann auch diskutieren, ab wann in anderen Sportarten eine Leistungsselektion (NLZ) stattfindet - wird da ab 8, 10 oder 12 Jahren selektiert? (wahrscheinlich muss man dann noch Mannschafts- und Einzelsportarten trennen - hier sind ja ein paar aus dem Norden - sammeln die Handballbundesligisten die Kinder auch so früh ein wie die Kollegen im Fußball? Basketball und Volleyball sind aus meiner Sicht später dran. Und läuft das dann auf Vereins- oder Verbandsebene?).


    Ich habe in meinem Verein versucht eine Präsenzfortbildung durchzuführen - das scheiterte (0 Teilnehmer). Machte es dann online - war ein bisschen besser (2 Teilnehmer von unserem Verein - die von anderen Vereinen weiß ich nicht, Zugriffe sind auf jeden Fall da).