zu viele Hallenturniere? / Konzentrationsschwäche bei den Kindern

  • Würde gern mal einen Sportmediziner fragen, ob diese permanente Belastung unter Wettkampfmodus in der Halle für das betreffende Alter sinnvoll ist.
    Bin froh nur noch einen Wettkampftermin in der Halle zu haben. War nett, nette Trainer und Teams und auch gut organisiert, aber inkl. Fahrtzeit 7 Stunden brauch ich nicht 2-3 mal am Wochenende.
    Freue mich mehr auf das Frühjahr.


    Nur mal aus Interesse... wie lang war die Anfahrt und wie lang das Turnier?


    Bin auch kein Freund dieser ellenlangen Veranstaltungen.
    Wir machen nur noch 6 Mannschaften jeder gegen jeden... 12 Minuten Spielzeit pro Spiel für jede Mannschaft.


    Ist auch streessfreier die gesamte Veranstaltung ohne Finalspiele etc... für uns hat es als Einnahmequelle den netten Effekt (das sind eigene Turniere für eine Jugend nunmal auch), dass alle Teams bis Feierabend vor Ort sind.
    Aber die Turnierdauer pendelt sich da überschaubar bei 3 1/4 bis 3 1/2 Stunden ein. Mit einer Stunde Spielzeit für jede Mannschaft.




    Zum Ursprung: die Turniere sind deutlich zu viele. 4-5 wären für mich das Maximum. Und dann sind wir schon gut dabei.
    Ist doch völlig logisch, dass die Spieler irgendwann "satt" und auch "matt" sind. Zum einen die Belastung zusätzlich zur Schule und anderen Hobbys. Zum anderen geht der vorhandene Reiz für junge Kicker von Turnieren doch völlig flöten.

  • In Verbindung mit der Aussage:

    entsteht bei mir ein ganz ungutes Gefühl.Eintrainierte Spielzüge um Erfolg zu haben, ist m.M.n. nicht Ausbildungsinhalt einer U 11.


    Das ist noch gar nichts... habe am Wochenende eine sehr starke reine U7 erlebt... aber unter dem Preis, dass immer 1-2 hinten stehen bleiben mussten und Pässe und Laufwege vom Trainer lautstark vorgegeben wurden.
    Man muss dazu sagen, dass das Turnier als "Bambini II" ausgeschrieben war... somit trafen diese 2010er auf fast nur 11er und 12er


    Die haben jede Mannschaft überrannt. Jeden Anstoß direkt geschnappt und durch. War ein Ball mal daneben, vorne alles zugestellt, den zu kurzen Abwurf abgewartet und ins Tor geschossen.


    Dabei wurde lautstark aggressiv jeder Treffer bejubelt und mehr gefordert. Trainer hat sich sogar mehrmals mit einer Faust richtig Tribüne von den Eltern feiern lassen.
    (Wie gesagt alles zudem unter dem Aspekt, dass die Gegner 1-2 Jahre jünger waren)


    Nach dem Spiel waren die richtig angepisst, dass das Turnier ohne Wertung gespielt wurde. (Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, stand deutlich vermerkt auf der Einladung, im Spielplan, auf den Regeln)


    Geehrt wurden nach dem Turnier einfach alle Mannschaften als Sieger. Mit großem Pokal und Medaille. Da meinten selbst die Spieler glatt, dass man sich vertan hätte. Die haben alle Spiele gewonnen und nur sie wären Sieger.



    Passt nicht zwingend in das Thema...'aber es geht ja um Hallenturniere... und wollte kein neues dafür eröffnen.

  • Dabei wurde lautstark aggressiv jeder Treffer bejubelt und mehr gefordert. Trainer hat sich sogar mehrmals mit einer Faust richtig Tribüne von den Eltern feiern lassen.(Wie gesagt alles zudem unter dem Aspekt, dass die Gegner 1-2 Jahre jünger waren)

    Ich frage mich ernsthaft, was in solchen Leuten vorgeht. Also wirklich. Mangelndes Selbstvertrauen in anderen Lebensbereichen? Oder gesteigertes Selbstvertrauen? Ich empfinde das wirklich als gestört.


  • Habe gerade ein fettes Grinsen im Gesicht. Schön, wenn solche Versehen passieren. :D


    Zum Thema: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kinder während des Spielens des 15. Hallenturniers Spaß haben. Die meisten sind ja in dem Alter fußballverrückt. Allerdings glaube ich, dass das auf die Langzeitmotivation der Spieler geht. Wer so jung schon so viel spielt...das könnten die ersten sein, die dann im höheren Alter genug vom Fußball haben.


    Wir selber spielen diese Hallensaison 3 Hallenturniere und 3 Freundschaftsspiele. Wobei ich letzteres als sinnvoller empfinde. Viel mehr reine Nettospielzeit...

  • Wir trainieren im Winter nur 1 mal pro Woche und mein Kader ist gross genug um jedes Wochenende 2 komplett unterschiedliche Teams zu stellen. Somit träte bei meinen jungs garantiert keine Überlassung auf.


    Jedoch würde ich davon abraten ein Kind zu häufig 2 Wettkampftage in Folge spielen zu lassen. Zumal der TE recht deutlich zeigt, dass die Turniere nicht als zusätzliche Trainingseinheit verstanden werden, sondern scheinbar Ergebnisorientiert gespielt wird. Im Erwachsenentraining gibt es die Methode der Superkompensation und auch da nutzt man das um Übertraing zu vermeiden nur punktuell im Jahresverlauf an strategisch sinnvollen Trainingsetappen.

  • TrainerT Turnierdauer etwas über 4 Stunden. Aber hatten das erste Spiel und letzte Spiel und mit gemeinsamen Treffpunkt usw. Anfahrt knappe Stunde, ergibt sich der Rest.
    Die Anfahrtsdauer bzw. Entfernung ergibt sich aus der geringeren Anzahl von Juniorinnenturnieren und der geringeren Leistungsdichte.
    Die Mannschaften kamen aus drei Bundesländern.

  • Joeben : Ich erkenne mich wieder. Passt auch zu dem Soccerdrills-Aufsatz "meine eigene Fussballmannschaft". In meiner ersten Saison als Trainer habe ich auch um die 12 Turniere mit der Bambini gespielt. Im Prinzip jedes Wochenende. Wenn auch kein Kind mehr als ein mal pro WE. Und klaro gehen die Kinder mit. Die wollen spielen, sie bekommen ja auch Ihre Erfolge, und die Eltern werden einen Teufel tun und ihren Sprößlingen den Sport versauen. Keiner will ja auch ernsthaft dem tollen Trainerengagement im Wege stehen...


    Wenn ich heute zurückschaue, würde ich aber von mir selber fordern: Weniger ist mehr!. Oma und Opa müssen auch besucht werden (denn irgendwann sind sie nicht mehr da) und Skifahren ist auch ganz nett. Ich weiss ja nicht, was Ihr für ein Verein seid, ein NLZ sieht die Sache vielleicht anders, aber ein gesunder Breitensportverein sollte das nicht so verbissen sehen.

  • ..ich weiß nicht, ob "Konzentrationsschwäche" das einzige und vor allem das relevanteste Problem ist...

    bekannt ist jedenfalls, dass mit sinkender Konzentration die Verletzungsgefahr zunimmt.
    Will sagen, dass wir als Trainer da schon in der Verantwortung sind.
    Aussagen von Eltern, oder der vermeintlich nicht nachlassende "Spaß" am Fußball sind nicht qualifiziert und damit nicht aussagekräftig genug.
    Bekannt ist ebenfalls, dass die Leistungsfähigkeit im Wettkampf am Wochenende stark von der Belastung unter der Woche abhängt. Also wie oft Training und mit welchen Intensitäten.
    Folglich wäre eine kombinierte Trainings- und Wettkampfsteuerung nötig, die sich nicht zuletzt an der Erholungsfähigkeit der Altersklasse und ggfs. am einzelnen Spieler orientiert.
    Im älteren Nachwuchsleistungsbereich und Erwachsenenbereich sind ja oft sehr hohe Belastungsumfänge gewollt, inwieweit das für U11 sinnvoll ist weiß ich nicht.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Im Erwachsenentraining gibt es die Methode der Superkompensation und auch da nutzt man das um Übertraing zu vermeiden nur punktuell im Jahresverlauf an strategisch sinnvollen Trainingsetappen.

    1. im Erwachsenentraining
    2. punktuell
    3. zu sinnvollen Zeiten


    Und in aller Regel erst nach dem die notwendigen konditionellen Voraussetzungen gelegt wurde. Die ist meist zur Hälfte oder nach 2/3 der Vorbereitungszeit auf einen geplanten Saisonhöhepunkt.


    Wir trainieren im Winter nur 1 mal pro Woche

    Der TE trainiert wahrscheinlich (ambitionierte Mannschaft) häufiger, so dass es nicht ein Zusatztraining ist, sondern das reguläre Training um Wettkämpfe ergänzt wird.

  • bei uns kam es mal dazu,dass die Kinder 2 Turniere hintereinander gespielt haben (eingesprungen nach kurzfristiger Absage eines Teams).


    Erstes Turnier 5 Spiele in 3.5h.
    1,5h Pause
    Zweites Turnier 5 Spiele in 3.5h.


    Die Kinder haben beim zweiten Turnier noch besser gespielt , als beim erstes . gerade auch kämpferisch.


    Ich war völlig überrascht.


    Was haltet ihr davon als Alternative für Mannschaften, die meinen , sie müssten 2 Turniere pro Wochenende spielen .
    So wäre ein Tag komplett Fußball und der 2re für andere Aktivitäten oder einfach mal die Seele baumeln lassen

  • Aussagen von Eltern, oder der vermeintlich nicht nachlassende "Spaß" am Fußball sind nicht qualifiziert und damit nicht aussagekräftig genug.


    Bekannt ist ebenfalls, dass die Leistungsfähigkeit im Wettkampf am Wochenende stark von der Belastung unter der Woche abhängt. Also wie oft Training und mit welchen Intensitäten.
    Folglich wäre eine kombinierte Trainings- und Wettkampfsteuerung nötig, die sich nicht zuletzt an der Erholungsfähigkeit der Altersklasse und ggfs. am einzelnen Spieler orientiert.

    @open-minded
    Stimme Dir da eigentlich zu wenn Du sagst, dass die Aussagen von Eltern und die anhaltende Spielfreude der Kinder kein guter Anhaltspunkt sind. Die Belastungssteuerung ist Aufgabe des Trainers. Andererseits ist es doch so, dass die Eltern eigentlich am Besten über die Belastungsgrenzen ihrer Kinder Bescheid wissen sollten, oder nicht? Dementsprechend sollten sie doch auch ein Wörtchen mitzureden haben, zumindest bei einem Breitensportverein. Und wenn sich keiner beschwert und der Trainer dieses Programm gehen will bzw. sich nicht über die Konsequenzen im Klaren ist, warum etwas ändern?


    Weiterhin könnte ich mir vorstellen,dass das Problem der Überstrapazierung der Kinder durch zu viele Spieltermine häufig in Mannschaften vorkommt, die von jüngeren, hungrigen und zum Teil unerfahrenen Trainern betreut werden.
    Kennt hierzu jemand gute Lektüre o.ä. zum Thema Belastungssteuerung, mit der man sich weiterbilden könnte?
    Was könnte man Trainern raten, die die Ansicht "Viel hilft viel" im Bezug auf die Trainings- und Spieltermine vertreten und welche Argumente bringt man, um zu zeigen, dass weniger in diesem Fall mehr ist?

  • Aber beißt sich da nicht die Katze in den Schwanz, wenn sich die Eltern beschweren sollen?


    In den "ambitionierten" Teams findet meist schon Selektion statt. Und wer nicht vollumfänglich mitzieht ist auch fix wieder aussortiert, oder? Welche Eltern haben also das Standing und/oder die Nerven zu sagen: das wird zu viel? Damit steht man idR alleine da weil auch auf Elternseite genug Heißdüsen die gegenteilige Meinung vertreten werden.

  • 1. im Erwachsenentraining2. punktuell
    3. zu sinnvollen Zeiten


    Und in aller Regel erst nach dem die notwendigen konditionellen Voraussetzungen gelegt wurde. Die ist meist zur Hälfte oder nach 2/3 der Vorbereitungszeit auf einen geplanten Saisonhöhepunkt.


    Der TE trainiert wahrscheinlich (ambitionierte Mannschaft) häufiger, so dass es nicht ein Zusatztraining ist, sondern das reguläre Training um Wettkämpfe ergänzt wird.

    Genau so wie du es kommentiert hast, sollte mein Beitrag auch gelesen werden. Danke für die Präzessierung.

  • Andererseits ist es doch so, dass die Eltern eigentlich am Besten über die Belastungsgrenzen ihrer Kinder Bescheid wissen sollten, oder nicht? Dementsprechend sollten sie doch auch ein Wörtchen mitzureden haben, zumindest bei einem Breitensportverein

    einige Eltern werden es "draufhaben", andere weniger (egozentrische Verzerrung, mangelndes Wissen, fehlende Bindung, Zeitmangel e.c.t.).
    Letztendlich ist man als Trainer aber für jeden Einzelnen verantwortlich.
    Wenn man sich in Belastungsumfänge des Leistungsbereichs hineinbegibt, sollte man dafür Sorge tragen, dass alle dafür erforderlichen Kompetenzen Beachtung finden.


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • einige Eltern werden es "draufhaben", andere weniger (egozentrische Verzerrung, mangelndes Wissen, fehlende Bindung, Zeitmangel e.c.t.).Letztendlich ist man als Trainer aber für jeden Einzelnen verantwortlich.
    Wenn man sich in Belastungsumfänge des Leistungsbereichs hineinbegibt, sollte man dafür Sorge tragen, dass alle dafür erforderlichen Kompetenzen finden.

    Mein Senf zu "Eltern sollten am besten wissen was die Kinder leisten können":
    14°C, bewölkt, kaum spürbarer Nieselregen: "Fällt das Training heute aus?"
    Herrlicher Sommertag 32°C: "Fällt das Training heute aus?"

  • @Ersatzbank


    Klar gibts solche Eltern, wie du sie beschreibst. Es mag ja auch Eltern geben, die ihre Kinder überfordern. Sind eben auch im Querschnitt der Gesellschaft enthalten.


    Dennoch glaube auch ich, dass die meisten Eltern, die ja die meiste Zeit des Tages mit ihren Kindern verbringen, noch am besten einschätzen können, was ihre Kinder können und wollen!


    Auch finde ich es wichtig, die Eltern mit ins Boot zu holen, denn gemeinsam klappt es am besten, als wenn man sich gegenseitig mißtraut. Selbst, wenn man nicht immer gleicher Meinung ist kann ein Dialog zwischen Trainer und Eltern auf Augenhöhe doch stets die Interessen der Kinder stärken.

  • Unbestreitbar! Will auch nicht gesagt haben es wäre anders.
    Jedoch haben die Eltern bitteschön den Trainern zu vertrauen, dass wir das Pensum richtig einschätzen und auf unterschiedliche Gegebenheiten eingehen. Das ist ja unsere Aufgabe. Wenn ein Trainer nun seine Aufgabe missversteht und die Eltern bemerken diese Überforderung, dann sind die Eltern wiederum verpflichtet sich zu melden und das anzusprechen.
    Mein Hinweis auf diese Trainingsausfallnörgelei sollte anzeigen, dass die Eltern schon löschen wollen bevor es brennt und das ist falsch solange es keine Indizien gibt!



    z.B.:
    Richtig wäre es wenn es so läuft:
    Wenn TE diesen Thread schreibt, weil er sich Gedanken über die Überforderung macht ist er sensibilisiert und wird hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen. Die Eltern sollten nun nicht aktiv werden.


    Falsch wäre es wenn es so läuft:
    Die Eltern sprechen den TE mehrfach an warum die Kinder Montags in der Schule so verpennt sind warum so viele Turniere gespielt werden, und der TE nun aufwacht und mit uns darüber diskutiert. Denn die Eltern haben das richtige gemacht und die Reißleine gezogen.