Ist Nachwuchsförderung im deutschen Fußball sportlich und finanziell rentabel?

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  • Ich weiß nur, daß der Junge in der Nähe von Hannover aufwuchs, dann sehr früh zu St. Pauli wechselte und anschließend zu Hannover 96. Mit 14 oder so ging es nach Leipzig. Es hieß damals, er hätte überall hingehen können, 96 habe keine Chance, ihn zu halten und daß da richtig Kohle geflossen ist (wie auch immer). Vor einem Jahr dann nach Amsterdam. Inwieweit diese individuelle Laufbahn nun wirklich beweist, daß in deutschen NLZs was schiefläuft, ist meiner Meinung nach eher zweifelhaft.

  • Die Geschichte von Kai Havertz - kicker.de

    Ob das wirklich alles so ganz der Wahrheit entspricht, bzw. ein paar nicht unerhebliche Details vllt fehlen, ich weiß es nicht. Bei Leverkusen und Bayern München weiß man zumindest von Fällen, wo schon vereinzelt U10 Spielern bzw. deren Eltern auch andere Argumente vorgelegt wurden.

    Richtig ist jedenfalls, das Havertz in dem Raum jedem bekannt war, dafür war er allerspätestens in der U10 bei Aachen zu auffällig und spielte ja in der Nachwuchsrunde auch gegen alle NLZs mehrfach. Richtig ist deshalb auch, das auch andere Vereine Havertz gerne geholt hätten ua das räumlich am nächsten liegende Gladbach. Ich habe sogar damals gehört, dass Havertz dort längst im Wort stand. Aber, das habe ich auch nur erzählt bekommen.


    Grundsätzlich sollte man solche Geschichten nicht immer als komplette Wahrheit sehen, wie das Beispiel Reus ja zeigt. Der wurde nie beim BVB ausgemustert, auch wenn sich das in der Presse am besten verkauft, er hat als junger B-Jahrgang nur nicht die Spielanteile in der U17 bekommen, die er gerne gehabt hätte und ist deshalb eigeninitiativ gewechselt.

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Erstaunlich ist, dass bei Kai Havertz offenbar die Talentprognose schon sehr früh möglich war. Sonst heißt es ja immer, "vor der U15 kann man da nix sagen".


    Grüße

    Oliver

    Kai Havertz, Arne Meier (Hertha BSC) und Adrian Fein (damals 1860, dann Bayern, jetzt HSV) waren jedenfalls seit spätestens der U10 die drei bekanntesten und auffälligsten Spieler in Deutschland. Die drei kannte jeder, der irgendwie/-wann mal ein Turnier des 99er Jahrgangs gesehen hatte. (Ich würde behaupten, wenn man die Turnierseiten von Bundesligaturnieren anschaut und den gewählten besten Spieler des Jahres des 99er Jahrgangs sucht, dann wird man nahezu ausschließlich einen der drei finden).

    "Wenn zwei Menschen immer der gleichen Meinung sind, dann ist einer von ihnen überflüssig." Winston Churchill

  • Wäre die Talentprognose nicht eingetroffen würden wir Kai Havertz und die Anderen nicht kennen. Das man sicher das Talent sehen konnte ist falsch und ein confirmation bias. Großes Talent erfüllt Erwartungen: "Wir haben es schon immer gewusst."

    Wenn ein Talent aber nie bei den Profis ankommt (warum auch immer ) hört man aber gar nicht erst von denen. Heutzutage hört man vielleicht schon denen, hat sie aber auch schnell wieder vergessen.

  • Wäre die Talentprognose nicht eingetroffen würden wir Kai Havertz und die Anderen nicht kennen. Das man sicher das Talent sehen konnte ist falsch und ein confirmation bias. Großes Talent erfüllt Erwartungen: "Wir haben es schon immer gewusst."

    Wenn ein Talent aber nie bei den Profis ankommt (warum auch immer ) hört man aber gar nicht erst von denen. Heutzutage hört man vielleicht schon denen, hat sie aber auch schnell wieder vergessen.

    Sehe ich ganz genauso. Noch viel größer ist der Irrtum, dass manchen Vereinen nachgesagt wird, dass Sie Spieler besonders gut ausbilden, weil sie ja offensichtlich viele Profis hervorgebracht haben. Dabei spielen soviele andere Faktoren mit rein, ob ein Verein Profis hervorbringt. Selektionsbasis, Qualität und Quantität des Scoutings, manchmal einfach Glück etc.

    Die ausgewählten Spieler wären vielleicht unter anderen Umständen genauso Profis geworden. Wo ist der Beweis, dass der Spieler davor durchschnittlich war und nach 3,4,5, Jahren Ausbildung auf Profi-Niveau ist?

  • Bei Eintracht Frankfurt verdienen die U16 Trainer Thomas Broich & Jerome Polenz 2500 €/Monat + Dienstwagen (Quelle: fnp.de). Andererseits überweist die Eintracht 2019 15,486 Mio. € an Spielerberater (eigenes Personal 92,987 Mio. € - Quelle: dfl.de). Das würde ich als Verantwortlicher hinterfragen. Welche Antworten würde ich erhalten?

  • Das Verhältnis zwischen Beraterhonoraren und Personalkosten (16,6%) ist wirklich krass. V.a. wenn man bedenkt, dass die Honorare ja nur für einen Teil des Personals anfallen, auch wenn dieser den Löwenanteil des Personaletats ausmacht.

    Das Gehalt für die beiden U15 Trainer finde ich mit dem Wissen, dass Sie den Job ja nur in Teilzeit ausüben und nebenher noch als Blogger, Experten etc. diversen anderen Beschäftigungen nachgehen an sich gar nicht so dramatisch.
    Ob es vielleicht besser wäre für eine U15 Trainer zu beschäftigen, die mehr verdienen, sich dafür aber Vollzeit in vielen anderen Bereichen im Verein einbringen kann ich aus der Ferne nicht beurteilen.

    Bei dem was Thomas Broich aus seinen Expertenauftritten an sportlicher und menschlicher Kompetenz vermuten lässt, klingt das für mich aber nach einem guten Deal für beide Seiten.
    Verein und Jugendliche bekommen für relativ kleines Geld einen Top-Trainer und
    -Menschen.
    Die Trainer selbst machen ihre ersten Schritte als Teilzeitprojekt ohne dafür ihre anderen Projekte und Einnahmequellen aufgeben zu müssen.
    Trotzdem bin ich absolut d'accord mit let1612 , dass das Missverhältnis zu den Beraterhonoraren erschreckend ist.

    Ich finde ehrlich gesagt die 3.500 EUR für die Jungprofis sogar relativ bescheiden.
    Die Jungs werden noch nicht großartig am Prämientopf teilnehmen, da sie selten im Kader stehen. Eine U23 in der sie Spielen und Prämien sammeln können existiert nicht und Werbeverträge sind bei Ihrem Bekanntheitsgrad vermutlich auch noch nicht in Sicht.
    Klar ist es viel Geld für 19 Jährige. Aber wenn jemand nach der 10 Klasse eine Ausbildung macht oder nach dem Abi ein Bachelorstudium, dann kann er im richtigen Job und mit dem richtigen Arbeitgeber mit 20/21 ähnlich verdienen.
    Die Jungprofis arbeiten in der Zeit für das ganz Große Glück, dass dann mit Anfang Mitte 30 zu Ende ist.
    Ich will jetzt hier keine "Millionärsbubis"-Diskussion eröffnen und auch kein Mitleid für die Jungs verteilen.
    Aber wenn die Zahlen stimmen, dann zeigt sich, dass viele die den Traum Profivertrag realisiert haben immer noch weit weg von den Goldtöpfen sind und dafür ein hohes Risiko eingehen, was die Mittel-/ Langfristige Zukunft angeht.

  • Bezüglich der Gehälter der Jungprofis muss man das vielleicht ein wenig relativieren. 3.500 EUR ist eher ein typischer Betrag für ein Toptalent einer U23-Mannschaft. Wenn Frankfurt eine U23 hätte wären diese Jungs womöglich erstmal in dieser geparkt und hätten auch noch keinen Profivertrag. So werden sie halt zu "U23-Konditionen" in den Profibetrieb aufgenommen, obwohl bei diesen Jungs vielleicht noch gar nicht so klar ist, ob sie je zu Profi-Einsätzen kommen und ob ihnen das zugetraut wird.

    Bei anderen Vereinen mit U23 Mannschaft steigen Jungprofis meiner Erfahrung gehaltsmäßig wesentlich höher (5.000-10.000 ist eher die Regel) ein, haben sich davor aber auch meist 1-2 Jahre in der U23 bewiesen.

  • Da muss aber auch die Frage erlaubt sein, ob immer alles rentabel sein muss. Da haben sich zum Beispiel die alten Griechen über schwingende Seiten unterhalten und versucht zu bestimmen, wo die Seite zum Zeitpunkt x wohl sein wird, und deswegen können wir heute vorm Fernseher hocken. Überspitzt formuliert. Aber die Frage ist doch berechtigt: muss sich immer alles rentieren? Beim Fußball gehts ja noch, das ist bei anderen Sportarten noch erheblich schlimmer