Scannen der Umgebung

  • Moin Forum
    Da ich bald wieder aktiv ins Geschehen eingreife möchte ich mit Eurer Hilfe mein Fundus an Übungen erhöhen. Einer der Bereiche, die ich mir vorgenommen habe, ist der Überschrift zu entnehmen. Neben der Kommunikation ein Thema, dass ich für sehr wichtig halte. Einige Übungen habe ich dafür schon im Kopf, bin aber sehr an weiteren interessiert. In meinem Fall handelt es sich um U16 / U17.
    Hier sehe ich durch die Bank weg sehr sehr wenig Spieler, die vor einem Ballbesitz bzw. der Ballnähe ihre Optionen bei einem dann erfolgten Anspiel vorher gecheckt haben. Kurz gesagt also Übungen/Spielformen in denen das Ziel nur erreicht werden kann, wenn der Spieler die Spielsituation hinter und neben ihm abgescannt hat. Gern auch Übungen mit optischen Hilfsmitteln wie Farben oder Zahlen.


    Egal ob 1:1, Überzahl-/Unterzahlübungen usw. Einfach ungefiltert reinhauen. Würde mich über möglichst viele Übungen/Ideen freuen.

  • Zur Zeit (U13) nehme ich mir im Training max. 10 Minuten Zeit (i.d.R. vor dem Abschlussspiel , die Kozentration ist da am höchsten und man kann es dann auch gleich im Spiel umsetzen) und mach folgenden Aufbau (10 Spieler in einer Spielfeldhälfte) davon 6 mit Leibchen = Gegner). Ein Spieler läuft mit Ball von einer Hütchenmarkierung über die Mittellinie zur nächsten Markierung. In der Zwischenzeit sollen sich die ohne Leibchen frei laufen bzw. kreuz und quer laufen. Der Ballführende stoppt bei der Makierung und dreht sich um, alle Spieler (Blick demnach zum Ballführenden gerichtet) verharren in der Position. Ich geh dann zum Ballführenden und frage verschiedene Dinge: Zum Beispiel wo wirst du hinspielen, wo stehen Hans und Franz etc. War am Anfang bei der Einführung ziemlich stressig und hektisch. Hab dann gesagt das ist keine Kritik und auch kein Test, sondern das ganze dient zur Schulung für den Blick auf den freien Mann. Nebenbei deckt man hier, wie ich finde auch gleich den Deckungsschatten mit ab.


    Edith sagt: Ganz vergessen zusätzlich kann auch ein (passiver) Gegenspieler beim Ballführenden positioniert werden, dann wird das ganze noch etwas schwieriger weil mehr Druck da ist.

  • Mit hat folgende Übung recht gut gefallen, in welcher der "Blick über die Schulter" recht gut geschult wird.


    Beispiel.pdf


    Spieler 1 hat einen simulierten Gegenspieler 2 "im Nacken". Spieler 1 startet nach einer Auftaktbewegung dem Zuspiel von Spieler 3 entgegen. Währenddessen muss er sich kurz umdrehen, da ihm Spieler 2 die Richtung anzeigt, in die er den Ball mitnehmen muss.


    Steigerungsformen wären da z.B: Verteidiger zeigt durch Farbe des hochgehaltenen Hütchens an, welche Art der Ballmitnahme vollführt werden muss. Rotes Hütchen bedeutet z.B. Ballmitnahme mit der Außenseite und blaues Hütchen bedeutet sofort Aufdrehen mit Innenseite um das Standbein.


    Klingt relativ einfach, ist aber sehr fordernd (zumindest für meine Jungs).

    I've missed more than 9000 shots in my career. I've lost almost 300 games. 26 times, I've been trusted to take the game winning shot and missed. I've failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed. (Michael Jordan)

  • Da fällt mir eine Übung ein, die zumindest in die Richtung "Überblick verschaffen" geht:


    ein quadratisches Spielfeld mit vier Minitoren (eines auf jeder Seitenlinie) und eine relativ große Tabuzone in der Mitte, die weder durchlaufen noch durchpasst werden darf. Verstoß dagegen heißt Tor für die andere Mannschaft.


    Um zu große Torvorsprünge zu vermeiden, kann man noch folgende Zusatzregel einbauen: wenn ein Team mit drei Toren führt, darf es nicht mehr auf Torerzielung, sondern nur noch auf Ballkontrolle spielen. Erzielt sie jetzt dennoch ein Tor oder bricht die Tabuzone, dreht sich der aktuelle Spielstand um.

  • @Steini


    Fang noch früher an!


    Benutze "Multi-Tasking-Übungen" zunächst als Einzelübung und erst später als Gruppenübung.


    Das Besondere beim Multi-Tasking ist, dass die einzelnen Bestandteile zunächst in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Sollen sie gut funktionieren, so bedarf es zunächst für jeden Teil einer ausreichenden Konzentration.


    In der Anfangsstufe geht es zunächst einmal darum, einzelne Körperteile in der richtigen Reihenfolge und gewünschten Geschwindigkeit zu bewegen. In der späteren Stufe sind es mehrere Körperteile (z.B. Beine, Arme), die gleichzeitig unterschiedliche Aufgaben erfüllen sollen.


    Wendet man Multitasking lediglich als Gruppenform an, so erzielen lediglich die Spieler Fortschritte, die (auch) im maximalen Tempo ihre Einzelaufgaben im Team erfüllen können.


    Für jeden Spielzug braucht es das Multitasking:
    - erahnen des Passes vom Mitspieler (bzw. vom Gegner)
    - antizipieren, wohin der Ball gespielt wird
    - rechtzeitig (also nicht zu früh und nicht zu spät) in den Laufweg starten
    - Vor der Ballannahme die ballnahe Umgebung scannen
    - entscheiden, ob der Ball mitgenommen oder direkt weitergespielt werden soll
    - gepassten Ball mit dem "richtigen" Fuß mitnehmen (bze. weiterleiten)
    - entscheiden, in welche Richtung/Weg man als Anspielpartner weiterhin bereit sein will
    - ggf. Entscheidung selbst den Torabschluß zu suchen oder den den besser postierten Mitspieler mit dem richtigen Fuss, Balldruck und Präzisien anzuspielen



    Der typische "Bodenscanner" sieht lediglich den Ball, seine Füße und ein Stückchen Rasen drumherum. Was sonst noch so im ballnahen und erst recht im ballfernen Bereich abspielt, dass bekommt er nur dann mit, wenn er fürs Spiel inaktiv auf den "Zuschauermodus" umgeschaltet hat.


    Der 180 Grad - Scanner fühlt sich an der Außenbahn oder wenn er das gesamte Spiel vor sich hat, am Wohlsten. Aufgrund seines "Tunnelblickes" kann er nur einen Teil der Aktivitäen von ballnahen Mit- und Gegenspielern einschätzen.
    Der 360 Grad-Scanner hat großen Spaß daran, seine Umgebung neugierig wahrzunehmen und sehr schnell zu entscheiden, aus welchen Optionen er die scheinbar am Besten geeignete auswählt.


    Die Frage, ob man aus dem "Bodenscanner" und dem 180 - Grad-Scanner einen 360 Grad-Scanner machen kann, ist schwer zu beantworten. Es kommt jeweils auf die Altersstufe an und den Grad der Eigenmotivation. So hat es ein besonders ängstlicher Spieler schwer, ein höheres Risiko einzugehen, weshalb er sich an der Außenbahn vermutlich am wohlsten fühlt. Andererseits kann es jedoch auch Spieler geben, die ihre Leistungen überschätzten und in zentralen Aufgaben (bei der 360 Grad-Scannen notwendig ist) immer wieder die gleichen Fehler machen, den Ball dabei schon bei der Annahme verlieren oder einen Fehlpass verurschen, weil sie einfach noch nicht so weit sind!


    Wer ganz unten beim Multitasking anfängt, der wird sich bei den nächsten Schritten, in denen innerhalb der Gruppe leichter haben, in der richtigen Reihenfolge Aufgaben zu erkennen und auszuführen.


    Mache zwar schon viele Jahre "Multitasking"-Übungen, habe jedoch erst vor nicht allzulanger Zeit erfahren, warum sie besonders geeignet sind, jedoch immer auch altersbedingt ihre Grenzen finden. So entwickelt sich der Teil des Gehirns (vordere Stirnlappen), der für den Entscheidungsprozess für die richtige Wahl von Bildern aus dem Lang- und dem Kurzzeitgedächtnis zuständig ist, erst im Alter zwischen 15 und 20 Jahren auf seine volle (doppelte) Größe. Wie dieses biologische Handycap auch Entwicklungsgrenzen setzt, ist eine Überforderung wie Unterforderung im Zeitraum davor jederzeit möglich. Der Trainer braucht zum Erkennen Fachwissen, wie Erfahrung. Dann nahezu alles, was sich positiv kann sich auch negativ auswirken. Habe deshalb in der Anfangsphase auch Fehler gemacht, aus denen ich lernen mußte. Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen!

  • @Steini Welcome back in business :)


    Habe ich bislang nur bei E-Jugenden gemacht, kann mir aber auch Varianten vorstellen, die das für Ältere erschweren:

    • 3er Teams bilden. Spieler werden durchnummeriert. Jedes Team bekommt ein Feld. Der Ball wird von 1 zu 2 zu 3 gepasst. Nach dem Pass muss der Spieler das Feld verlassen und ein Hütchen (von mehreren) außerhalb des Feldes umrunden. Hier muss 2, wenn der Pass auf ihn zukommt also schon 3 im Auge haben.
    • Stufe 1 war eigentlich nur dazu da, sich an den Ablauf zu gewöhnen. In Stufe 2 bleiben die 3er Teams zusammen gehen aber in ein gemeinsames Feld. Wir haben jetzt also mindestens zwei 3er Gruppen in einem Feld, die sich gegenseitig im Weg sind. Da wird´s schon schwieriger, meinen nächsten Passempfänger im Auge zu haben.
    • Jetzt nehmen wir den beiden Teams einen Ball weg und bringen Gegnerdruck ins Spiel. Dafür nehmen wir aber auch die Hütchen außerhalb des Feldes weg.
      Ab jetzt geht es darum diese Passfolge (1,2,3, alternativ 2,3,1 oder 3,1,2) zu spielen. Der Gegner möchte seinerseits aber auch den Ball haben und selbst diese Passfolge spielen.Einmal diese Passfolge spielen bringt einen Punkt.Dadurch, dass ich einen bestimmten Mitspieler suchen muss, muss ich immer den Kopf oben haben

    Man kann bei Älteren die üblichen Dinge wie Kontaktbegrenzung, Direktspiel, Minimumkontakte ins Spiel bringen oder über die Feldgröße den Gegnerdruck variieren.
    Bei E-Jugenden macht das nur in 3er Teams Sinn, weil die mehr nicht überblicken können.

  • Ich wusste doch, auf Euch ist Verlass. Vielen Dank für die Beiträge und ich hoffe da kommen noch welche.


    @'TW-Trainer
    Sie sind diesbezüglich schon etwas vorgebildet. In der C war Life-Kinetik ein steter Bestandteil der Ausbildung. Würde mich aber freuen, wenn Du mal ein paar Multi-Taskingübungen hier postest. Einfach frei und ungefiltert was Dir da so in den Sinn kommt. Ich kann alles an Input gebrauchen und binde das dann schon entsprechend in meine Einheiten ein. Ich habe als Zeitansatz übrigens die gesamte Saison genommen, da es mMn ein unglaublich komplexes Thema ist. Als Ziel habe ich mir dabei gesetzt, dass einige Spieler am Ende des "Weges" die Informationsgewinnung dazu nutzen, nur durch ihren Laufweg sowohl für sich als auch für die Mitspieler mehrere Optionen zu schaffen. Mal sehen was draus wird.


    Follkao
    Besten Dank. So schnell und unvermutet kann es gehen, aber nur zugucken ist uns auch nicht wirklich gegeben, oder ?


    @Leverkusener
    Xavi ist auch für mich in diesem Bereich das Maß aller Dinge. Er ist für mich der Inbegriff der Spielintelligenz und sein Scanning eine Augenweide. Ich habe die von Dir geposteten Zitate von ihm auf einem Blatt zusammengefügt und das werd ich den Jungs mitgeben. Vielen Dank.

  • Hallo Steini,


    mir fällt eine Spielform ein, die - zumindest teilweise - ebenfalls den Überblick schult.


    Man spielt 4:4, 5:5 oder 6:6 (je nachdem wieviele Spieler da sind) und platziert an den Seitenlinien (Position beliebig bzw. durch die Spieler wählbar) ein oder zwei Spieler (je nach anwesender Spielerzahl) pro Mannschaft. Dann ruft man als Trainer in einem passenden Moment einen (oder zwei) Spieler raus. Diese werden durch ihre Mannschaftskollegen von der Seitenlinie ersetzt. Sie dürfen sich aber nicht auf dem Feld abklatschen, sondern nur außerhalb des Feldes. Somit hast du für drei, vier, fünf Sekunden eine Überzahl-/Unterzahl-Situation, die die eine Mannschaft möglichst schnell nutzen sollte bzw. dessen entstandenen Lücken durch die andere Mannschaft geschlossen werden müssen.


    Ich rufe meistens einen absichernden Spieler heraus oder ziehe die ballferne Seite blank, um Spielverlagerungen zu ermöglichen. Der von dir erwünschte Effekt wird zwar nur "beiläufig" trainiert, aber die Kinder müssen auf jeden Fall mehr scannen als sonst.


    Gruß, Christoph


    P.S. Wir haben letztens gegen die U10 vom MSV gespielt und dessen Trainer forderte die ganze Zeit: "Schulterblick!" von seinen Jungs ;)

  • Mein ältester Sohn -ein Talent- erklärte mir mal, dass er im Team der Regionalauswahl auf Spieler traf, die mit ihm zusammen einige Pässe im Voraus spielen konnten. Er erklärte mir, dass er -so zu sagen taktisch- ungefähr weiss bis erahnt, wer wann wie wohin spielt und das auf cirka 3 Ballkontakte im Voraus. Das -so glaube ich-...kann nicht jeder Spieler...nur die wenigsten.


    Das Thema kam auf, weil er in der "normalen" Mannschaft auf Kreisligaebene verzweifelt war. Er spielte z.b. Bälle in den freien Raum, und keiner war als Abnehmer dort bzw. lief hinein, was der Trainer wohl als Unvermögen abtat und nicht erkannte, das der Pass eigentlich genial war...er (der Trainer) aber nicht.


    Und ganz allgemein möchte ich in diesem Thema sagen, dass die einfachsten Spielformen zu einem tollen Training reichen, wenn man die Spieler nicht so oft instruiert, sondern sie machen lässt, bei positiven Aktionen lobt, sie nicht anschreit und ggf. selten und dosiert über Fragen nach einem STOP stimuliert (Horst Wein).


    Wer da Dinge abfordert die für die Koten NOCH nicht richtig sind (altersgerechte Trainings und Trainingsinhalte auf Grund der körperlichen und gestigen Machbarkeiten die der Trainer nicht beeinflussen kann...nach meiner Auffassung)....der wird selber als Trainer unzufrieden und je nach Charakter wirds da schonmal laut bis beleidigend. Genau in diesem Moment sorgt dieser Cocktail dafür, dass der oder die Spieler ähnlich einem Straßenköter der Angst hat...dauerhaft und vertrauenslos die Rute einklemmen um sich damit das eigene Kinn zu streicheln. Man stelle sich vor, das geht dauerhaft so über Jahre und wird negativ auch noch von den Zuschauern so produziert. So wird nämlich die Spielintelligenz und damit auch die Antizipation verhindert und da bleibt soviel Potenzial liegen, das ist Wahnsinn und spricht auch hier wiederum für die Einführung eines überwachten Konzeptes mit Kodex, um genau das zu verhindern.


    Spielintelligenz und Antizipation wird versteckt im Hintergrund auf diese Art groß geschrieben. Ich kann einem Spieler 1000 mal sagen, er möge den Kopf beim Dribbling hochnehmen. Wenn ich parallel dazu laut werde, weil er den Ball nicht sauber führte...in der F oder D 7...dann wird der die Birne niemals hochnehmen und die Gegend ebend nicht scannen und du als Trainer (ganz allgemein gemeint) bist dafür zu 100 Prozent verantwortlich.

  • @h4cher


    Ne, das meinte ich nun gar nicht! Multitasking heißt in jeder Phase und für jede Phase ein sinnvolle Handlung! Hier erscheint so manches eher als Zufall


    Verfolge mal im unteren Clip die "Nr. 82" und vergleiche, ob dieser Spieler für jede Phase eine sinnvolle Handlung zeigt oder eher planlos rumrennt?


    Zwar gilt auch hier das Prinzip, das Sicherheit vor Schnelligkeit geht, jedoch sollte zur Verfeinerung der Fähigkeiten irgendwann auch eine Tempoerhöhung (z.B. durch Gegnerdruck) stattfiden. Denn wenn man sehr viel Zeit hat, werden jeweils die Fehler gleich mitkorrigiert, für die im Wettkampf dann keine Zeit mehr vorhanden ist.


    Wenn du dir z.B. die technischen Fähigkeiten einiger Teilnehmer anschaust, dann bekommen sie nur deshalb das Multitasking in der Übung hin, weil der Trainer darauf gar nicht eingeht, sondern stur seine Übungen durchzieht.

  • Mein Post war auch eher gedacht, diesem Thema an sich neuen Input in Form von Übungen zu geben. (Scannen der Umgebung vor ich den Pass spiele)

  • @h4cher
    Besten Dank. Ich hab es ja geschrieben: Bin für möglichst viel Input dankbar. Ihr kennt das doch sicherlich auch: Bei hier geposteten oder im Netz recherchierten Übungen denkt man sich: Gefällt mir vom Grundaufbau aber den Ablauf stricke ich für meine Zwecke und vor Allem für meine Gegebenheiten vor Ort etwas um. Oder der Ablauf passt und am Grundaufbau ändert man etwas. Also alles gut. Vielleicht poste ich zur Saisonhälfte mal was ich aus Euren Ideen so gestrickt und durchgeführt habe und wie es geklappt hat.


    @Andre
    Dein Einwand ist für jüngere Altersklassen völlig berechtigt. Viele Spielformen in denen sie möglichst eigenständig schon durch den Aufbau und Ablauf kreativ eigene Lösungen entwickeln. Damit wird der Nährboden für alles Weitere bereitet. Und auch ich glaube, dass viele einfach zu früh zu viel fordern und dadurch eher Ausbildungsverhinderer als Förderer sind. Dabei würde ich aber nicht grundsätzlich von egozentrischen Motiven ausgehen. Es fehlt ganz einfach oft die Geduld und die Erfahrung, was denn in späteren Altersklassen als Fundament benötigt wird. Dieses Forum ist da leider nicht repräsentativ.


    Es ist jedoch mMn ein Trugschluß zu glauben, dass sie innerhalb der Thematik Spielintelligenz und insbesondere dem Bereich in dem es in diesem Thread geht von ganz alleine drauf kommen, wenn man nur die passenden Übungen anbietet. Lies mal die Zitate von Xavi im von @Leverkusener geposteten Link. Immer und immer wieder ist in diesem Bereich gearbeitet worden. Er hatte die Voraussetzungen, dies auch tatsächlich in Leistung auf Weltklasseniveau umzusetzen.
    Herunter gebrochen auf unsere "Gefilde" darf man eben nicht erwarten, dass dies alle Spieler umsetzen können. Nur Häuptlinge auf dem Platz wird wahrscheinlich in die Hose gehen. Es braucht auch Indianer und das meine ich durchweg positiv.
    Ich rede ja hier von einer U16/U17. Man spricht da ja vom zweiten goldenen Lernalter und ich möchte mit ihnen schon an ganz speziellen Feinheiten arbeiten. Übrigens ist ein weiteres Thema für mich in dieser Saison das 1:1 Defensiv. Das wird wohl auch Deine volle Zustimmung finden, oder ?
    Und Du musst mir schon vertrauen wenn ich sage, dass die Jungs schon richtig gut kicken können. Ich werde also nichts Unmögliches abverlangen.





    abverlangen.

  • Habe da vor kurzem 2 Videos gefunden, in denen das behandelt wird:

    Sorry, muß motzen. Thema war "scannen" der Umgebung. Ich interpretiere in diese Überschrift, Spielintelligenz und Antizipieren...das Spiel lesen können und Spielübersicht.


    Das was der Trainer da macht ist für mich folgendes:


    -es wirkt auf mich militärisch von seiner Ansprache her und von seiner Körperbewegung
    -er fasst mehrfach Jungs an den Oberarm und schiebt sie ungeduldig ruppig durch die Gegend
    -er ist ungeduldig
    -er gibt vor (instruiert ständig und immer) und stimuliert null (lässt sie die Lösung erarbeiten)
    -der Inhalt der Übungen wäre nicht für jedes Team die Altesgruppe machbar. Ich gehe von Talenten aus. Die Übungen sind viel zu komplex
    -die Übungen sind langweilig, weil...viele Spieler stehen zu oft herum
    -sie sind stupide, weil ein wenig durch die Reihen laufen um dann einen Pass zu spielen auf stellenweise herumstehende Anspielstationen ist ja -ironisch gemeint- bombastisch vom Lerninhalt.
    -es sind viel zu viele Spieler für nur einen Trainer
    -das Video ist mist, weil man hört ihn kaum, was ich höre ist, dass er auf korrekte Pässe wert legt und er sagte auch noch, dass er nicht wünscht, dass man miteinander spricht...was ich unglaublich dumm finde, das zu unterbinden. Die sprachen sich bei der anfänglichen Übung im Video zwei löblicherweise gegenseitig an und er unterbindet es...hammer.
    -seine lila Hose sieht scheisse aus
    -ich gewinne den Eindruck, dass dort ein gealterter Trainer sich gerade selber darstellt und nicht mehrt, dass er keinen Zugang zum Team hat.


    Unter dem Strich fand ich das richtig scheisse! Da er durch seine Art zusätzlich die Spieler vermutlich dazu bewegt, mit eingezogener Rute zu trainieren, weil sie nämlich Angst vor Fehlern haben (Übung nicht verstanden / Fehlpass z.B. ...usw.) finde ich, dass wir hier einen vermutlich teuer bezahlten Spielintelligenzverhinderer sehen....jedenfalls...lässt er mich das -wenn ich diese Übungen und dieses Training hier sehe- ....so vermuten. Sorry.

  • @Andre


    Wenn wir den pädagogischen Wert, insbesondere beim Coaching mal außen vorstellen, dann sucht Steini in erster Linie Übungen, die er sich selbst für seine Jungs zurecht basteln möchte. Die Übungen selbst finde ich O.K. Was mir nicht gefällt ist, dass der Trainer:
    - keinen Wert auf die Antizipation des Paßnehmers legt. Zwar bestimmt dieser die Paßrichtung, jedoch muß der Paß auch irgendeinen Sinn ergeben
    - ihm die technische Ausführung von Pass und Ballmitnahme schnuppe ist


    Natürlich soll der Paßnehmer die Umgebung vor seinem Ballkontakt scannen! Dafür eignen sich die Übungen generell schon. Nur reicht es nicht, wenn man Teile daraus selektiert trainiert und im Spiel deshalb wenig davon sieht, weil wesentliche Elemente (Technik, Individualtaktik) noch nicht intensiv mit-trainiert wurden.


    Wenn aber Steini sagt, er besitzt genügend Erfahrung und sucht Inhalte, dann kann er sich vielleicht mit etwas Mühe daraus etwas Gutes machen?

  • @'Steini, Du bist ja der Forumsmeister der planvollen Trainingseinheit. Ich selber habe Dein Thema noch nie in einem Schwerpunkt bearbeitet, aber folgende Spielform (Vermutlich kennst Du sie auch schon) könnte für Dich die Grundlage einer Trainingseinheit sein



    ich habe die Spielform bisher für andere Schwerpunkte (ballorientiertes Passspiel, Kommunikation, Umschaltspiel, "konditionelle" Einheiten) gerne genutzt, habe aber immer wieder einzelne Mannschaftsmitglieder dabei gesehen, dass sie das gemacht haben, worauf es Dir ankommt. Deshalb glaube ich, dass die Spielform, die Du vermutlich auch kennst


    1. Für Deine Zwecke geeignet sein könnte
    2. Du bestimmt eine Menge Ideen hast, die Übung noch auszubauen. Ich habe bisher nur vage Ideen, aber bisher noch nicht zu Ende gedacht.



    Die Spielform, wie ich sie verwende:
    2 Felder, bei 12 Spielern (je nach Altersklasse) z.B. ca. 20-25 mal 20-25 Meter im Abstand von etwa 15-20 Metern.


    Zwischen die Felder Koordinationselemente - bei 12 Spielern z.B. 2 Stück (Leiter, Reifen, Stangen, Ringe etc.)


    Grundregeln:
    1. Spiel beginnt in Feld 1: Mannschaft 1 passt sich den Ball zu, Mannschaft 2 ist mit 5 Mann ebenfalls in Feld 1 und versucht den Ball zu erobern, der sechste Spieler aus Mannschaft 2 befindet sich in Feld 2.


    2. nach Balleroberung spielt Mannschaft 2 den langen Ball oder Pass in Feld 2 und rückt hinterher. Mannschaft 1 ebenso - bis auf einen Spieler. Dann muss im Feld 2 Mannschaft 1 den Ball zurückerobern und möglichst wieder in Feld 1 zurückbefördern.


    Zusatzregeln
    1. Der Spieler, der als einzelner im Feld verbleibt, muss jedes Mal ein anderer sein, also bei 6 Spielern bleibt erst beim 13. Seitenwechsel ein Spieler zum zweiten Mal im Feld zurück.


    2. Beim Felderwechsel müssen außerdem 2 Spieler der Mannschaft, die gerade denn Ball verloren hat, noch durch die Koordinationselemente. Die Spieler, die durch die Koordinationselemente gehen, müssen sich auch immer abwechseln.


    wichtiger Coachingpunkt: die Spieler, die einzeln im Feld zurückbleiben, sollen nicht einfach warten, bis der Ball angeflogen kommt. Ballannahme und -kontrolle erfolgen umso schneller, je aktiver sie versuchen, permanent mit einem flachen scharfen Pass anspielbar zu sein. Die Spielform gibt das her. Sollte der Spieler grundsätzlich immer genug Zeit haben, jeden Ball zu kontrollieren, sind die beiden Felder etwas zu weit auseinander.






    Meine Beobachtung im Hinblick auf Dein Coachingthema:
    einzelne Spieler (auf meinem bisher trainierten Niveau weiß Gott nicht alle) versuchen, während sie sich an der Balleroberung beteiligen, gleichzeitig den Felderwechsel zu antizipieren und für den Moment der Balleroberung bereit zu sein (loszusprinten bzw. wissen wo der Mitspieler im anderen Feld steht, damit der Pass hart und präzise gespielt werden kann)
    Spieler versuchen außerdem, wenn ihre Mannschaft den Ball verloren hat, beim Felderwechsel durch Schulterblick zu schauen, wann die Mannschaft wieder vollständig ist (weil die Spieler, die durch die Koordinationselemente gehen, ein paar Sekunden später eintreffen)



    Meine bisherigen Ideen, die Übung noch auszubauen, gehen dahin, dass man statt zwei Felder 3-4 Felder nimmt und durch farbige Markierungen den Wechsel in ein bestimmtes Feld vorgibt. Wie das im einzelnen funktioniert habe ich aber noch nicht zu Ende gedacht. . . . Das wäre dann Dein Part :-). Und falls Du in die Richtung tatsächlich was gemacht hast und hier postest, wäre das super.

  • @MichaMittelfeld
    Sorry das ich mich erst jetzt melde, aber wie Du richtig erkannt hast plane ich gerne "etwas" im Voraus und bin gerade in der Vorbereitung zur Vorbereitung -).


    Dieser Thread und die vielen tollen Tipps hier waren dabei ein nicht unerheblicher Bestandteil.


    Nein, diese Übung war mir so nicht bekannt und ich finde sie beim ersten Anlesen richtig klasse ! Ich werde sie auf jeden Fall mal durchziehen und dann die Variante mit drei Feldern und Farben vorgeben wählen. Allerdings erst zu einem Zeitpunkt an dem die Jungs schon etwas besser im Thema sind, da die Übung für mich beim Lesen und dem gedanklichen Praktizieren bezogen auf den Coachingpunkt des Umgebungsscans sehr anspruchsvoll klingt.
    Vielen Dank für die Anregung.

  • Zitat Steini :
    Herunter gebrochen auf unsere "Gefilde" darf man eben nicht erwarten, dass dies alle Spieler umsetzen können. Nur Häuptlinge auf dem Platz wird wahrscheinlich in die Hose gehen. Es braucht auch Indianer und das meine ich durchweg positiv.


    Das hieße, dass Du zur besonderen Förderung auch positionsspezifische Übungen (für zentrale Mittelfeldspieler) anbieten kannst:


    wenn Du z.B. @BJLs Übung nimmst und in der Tabuzone 1 Spieler platzierst, über den immer gespielt werden muss, hast Du für diesen Spieler eine sehr gute Übung. Und durch Hinzunahme zwei - drei weiterer Spieler kannst Du in dem zentralen Quadrat Zeit-, Raum- und Gegnerdruck erhöhen bzw. einbauen.


    Da ich übernächste Saison voraussichtlich in meinem neuen Verein die leistungsorientierte U16/U17 übernehmen soll, bin ich an der Fortentwicklung Deiner Überlegungen sehr interessiert. Ich finde diesen Schwerpunkt dabei hochinteressant, kann mir im Moment aber noch nicht so richtig vorstellen, wie das aktive Coaching erfolgen soll . . .


    P.S.: Ich habe Dir dazu auch eine PN geschrieben