Umschalten, Handlungsschnelligkeit, Zweikampf, Überzahl, Torschuss

  • Hallöchen,


    diese Übung ist denkbar einfach und ich schätze, sie ist vielen in dieser oder leicht abweichender Form bekannt. Da sie bei uns aber sehr gut angekommen ist und sehr viele wichtige Dinge parallel und intensiv schult, gehört sie in dieses Unterforum.


    Das Feld ist vielleicht 20m x 15m, je nach Alter und Leistungsniveau. An einem Ende ein Jugendtor, am anderen Ende zwei kleine Tore rechts und links. Die Kinder bekommen Leibchen in zwei Farben und stellen sich farblich abwechselnd in eine Reihe, jeder mit Ball am Fuss. Die Kinder laufen immer zwischen den beiden kleinen Tore ein. Der erste Spieler fängt mit einem simplen Torschuss auf das Jugendtor an (ggf. ne Finte davor einbauen). Sofort nach dem Schuss (egal ob gehalten, daneben oder drin), kommt der nächste Spieler aus der Schlange in der anderen Leibchenfarbe mit Ball am Fuss zum 1 gegen 1 rein. Der Schütze wird zum Verteidiger und kann nach einem etwaigen Ballgewinn auf die kleinen Tore kontern. Sobald der Ball im Tor oder Seitenaus ist, kommt ein neuer Spieler hinzu, diesmal wieder in der Farbe des ersten Spielers. Das ist dann ein 2 gegen 1, dann kommt wieder einer zum 2:2 und zum 3:2 usw. Bis zum 3:3 oder 4:3 oder 4:4, je nachdem was Sinn macht, dann Neustart, wobei die andere Farbe diesmal beginnt. Jede Mannschaft zählt ihre Tore, ggf. kann man die Kontertore in Unterzahl doppelt werten.



    Die Kinder schalten ständig zwischen Verteidigung und Angriff um, die Spielrichtung wechselt ebenfalls mit jedem neuen Spieler. So trainert man das Umschaltverhalten, hat viele 1:1-Situation, trainiert aber auch das Auffächern, Freilaufen, Dreiecksbildung, Pressing, kompakt werden, Arbeit gegen den Ball, Orientierung im Raum, Handlungsschnelligkeit, Direktspiel, etc. Das Tempo ist ständig hoch, weil es keine Unterbrechungen gibt, da immer wieder ein neuer Spieler mit neuem Ball hinzu kommt. Auf Ecken und Einwürfe wird komplett verzichtet. Wenn der Ball aus dem Spiel oder im Tor ist, kommt unmittelbar ein neuer Spieler. Als Trainer muss man da am Anfang ein wenig nachhelfen und den neuen Spieler immer wieder ansagen. Irgendwann machen das die Kinder aber automatisch (klar, sie wollen die Lücken des soeben noch angreifenden Gegner sofort nutzen). Dann ist richtig Zug drin... :thumbsup:


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

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  • Die Übung find ich auch echt gut werde ich gleich in der nächsten Trainingseinheit mal so ausprobieren.


    Mal sehen wie sie bei unseren Mädels so ankommt. Wir haben sonst immer direkt 3 gegen 3 oder 4 gegen 4 gespielt. Aber das ist echt ne gute alternative. :thumbsup:

  • Etwas Entscheidenes ist anders: Du greifst bei Torbellino immer auf die die gleichen Tore an und verteidigst die gleichen Tore. Bei der von mir vorgestellten Übung wechselt die Spielrichtung immer. Zudem finde ich die Abmessungen von Torbellino unglücklich gewählt. Der Schwerpunkt liegt schon fast im Ausdauer- und Sprintbereich. Ich finde ein fast quadratisches, kleineres Spielfeld sinnvoller. Dann hast du mehr 1:1-Situationen und mehr 360°-Spiel (anstatt immer nur in die Tiefe zu spielen und dem Ball hinterherzulaufen (ist das überhaupt spielnah?)). Gerade das Auffächern bzw. die Raumverdichtung werden im Umschaltmoment viel deutlicher provoziert. Probiert es einfach mal aus...

  • Hi Dirk,


    ich kenne die Übung von der MFS, aber auch bei unserem Coerver-Training kann ich ähnliche Ansätze in den Spielformen beobachten. Gerade das Umschalten, die Neuorientierung im Raum und das ständige - durch den Trainer hoch gehaltende - Tempo sind brillante Aspekte dieser Übung. Darauf legen die Coerver-Trainer auch immer viel Wert und das habe ich mir abgeschaut.


    Gruß, Christoph

  • Es wäre traumhaft für mich, wenn solche Spielformen zum Allgemeingut eines jeden Kinder- u. Jugendtrainers werden würde.
    Noch besser wäre es wenn aus diesen relativ einfachen Spielformen immer neue Ideen von kreativen Trainern entwickelt werden.
    Dann hätte ich mich endlich überflüssig gemacht und kann in Rente gehen.

  • DrRoeder


    Diese Übung wird bestimmt bei deinen Mädels gut ankommen! Aber achte beim Start darauf, dass du jeweils die Mädels beginnen läßt, die es auch gut verstehen und umsetzen können. Denn davon profitieren die anderen Mädels, die es sich zunächst kurz anschauen und dann als Nr. 2, 3 oder 4 einsteigen. Mehr sollten es nicht werden, sonst läufst du Gefahr, dass einige deiner Mädels wieder "Standfussball" spielen wollen und man nicht mehr zügig den Torabschluß sucht. Wenn mehr als 8 Mädchen beim Training sein sollten, dann kannst du besser 2 Gruppen machen. Aber achte dann bitte darauf, dass du die Teams in etwa gleich stark zuordnest, sonst kann´s dir passieren, dass die Schwächeren die Lust verlieren und bockig werden! Zu berücksichtigen ist bei der Zusammenstellung der Trainngsgruppen ferner, dass sich Freundingen (unabhängig von den jeweiligen Fähigkeiten) sehr gut gegenseitig motivieren können.


    Generell kommst du mit interessanten und abwechselungreichen Übungen bei den Mädels immer gut an! Je weniger du sie dazu motivieren mußt, je mehr können sie selbst Spaß daran haben. Das Thempo und der jeweilige Schwierigkeitsgrad für die Abwehraufgaben: Anlaufen, Ablaufen, Teckling) sowie das Dribbling (enge Ballführung, Finten) ergibt sich von ganz allein durch die gute Zuordnung in den jeweiligen Teams!


    @Coever
    Auch ich würde mich über "intelligente Trainingsformen" mehr freuen, als über den Wert des Wald- und Wiesen-Laufen diskutieren zu müssen! Denn überall, wo Körper und Geist gleichermaßen gefördert werden, da ist der Spaß garantiert und der Erfolg die logische Konsequenz.

  • Gestern hatten wir in meiner D-Jugend diese Übung gemacht - es war super! Die Jungs waren top motiviert, da war Power im Ablauf und alle hatten einen riesen Spaß! Das werden wir jetzt regelmäßig machen - ach ja, nach ein paar Durchgängen haben sie gepumpt wie die Maikäfer! Für die Kondition ist das auch eine super Übung! Danke nochmal für diese Idee! Wir waren gestern 12 Spieler somit haben wir max. 3 gg 3 gespielt. Ich glaube 4 gg 4 ist das Maximum, mehr sollten es wirklich nicht sein.

  • Gestern hatten wir in meiner D-Jugend diese Übung gemacht - es war super! Die Jungs waren top motiviert, da war Power im Ablauf und alle hatten einen riesen Spaß! Das werden wir jetzt regelmäßig machen - ach ja, nach ein paar Durchgängen haben sie gepumpt wie die Maikäfer! Für die Kondition ist das auch eine super Übung! Danke nochmal für diese Idee! Wir waren gestern 12 Spieler somit haben wir max. 3 gg 3 gespielt. Ich glaube 4 gg 4 ist das Maximum, mehr sollten es wirklich nicht sein.



    du meinst dann auf zwei Spielfeldern zu je 6 Spieler.?


    lg

  • Etwas Entscheidenes ist anders: Du greifst bei Torbellino immer auf die die gleichen Tore an und verteidigst die gleichen Tore.


    Jetzt hilf mir mal vom Schlauch runter auf dem ich stehe ;) :
    Das ist doch im Spiel genauso. Bei uns in Bayern zumindets wechseln wir die Hälften nur nach der Halbzeit. Also spielnah.
    Nicht das Umschalten der Spielrichtung ist doch entscheidend, sondern das Umschalten von Angriff auf Verteidigung und redur, oder???

    Ich finde ein fast quadratisches, kleineres Spielfeld sinnvoller.


    Die Spielfeldmaße sind doch leicht zu verändern?!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.

  • Hallo,


    Jetzt hilf mir mal vom Schlauch runter auf dem ich stehe ;) :
    Das ist doch im Spiel genauso. Bei uns in Bayern zumindets wechseln wir die Hälften nur nach der Halbzeit. Also spielnah.
    Nicht das Umschalten der Spielrichtung ist doch entscheidend, sondern das Umschalten von Angriff auf Verteidigung und redur, oder???

    Umschalten von Angriff auf Abwehr ist auch in jedem "normalen" Fussballspiel drin. Aber bei der Übung wechselt doch ständig die Spielrichtung. Du spielst doch abwechselnd auf das große und die zwei kleinen Tore. Also gibt es keine Positionierung im klassischen Sinne (hinten Abwehrspieler, vorne Stürmer). Im Gegenteil: Wenn du eben noch im Angriff warst und "hoch" stehst, bist du im nächsten Augenblick schon wieder Verteidiger und stehst nah an dem zu verteidigenden Tor. Das ist dann nichts anders als eine Gegenpressing-Situation. Umgekhert genauso. Eben noch der "tiefe" Abwehrspieler bist du im nächsten Moment durch schnelles Lösen aus dem Deckungsschatten empfänglich für einen Pass in die Tiefe und den Torabschluss. Moderner bekommt es selbst Pep nicht hin ;)


    Einfach mal probieren. Dann erkennt man das sofort.


    Übrigens habe ich zuletzt zwei Spiele im B- und C-Jugendbereich gesehen....von der Tabellensituation gehobenes Kreisniveau...technisch passabel und brauchbar...Tempo und Diziplin auch ok....Umschaltverhalten katastrophal!!!


    Gruß, Christoph

  • @Schimi


    Deine Übung find ich prima! Sie kann von vielen Mannschaften unterschiedlicher Alters- und Leistungsklassen trainiert werden. Auch die Trainer können hierbei sehr viel lernen.


    Sie wird jedoch schwierig für das Verständnis von Trainerkollegen, wenn man zu viele Elemente damit verbindet. So wird das Gegenpressing als Unterform des Angriffspressings beschrieben. Das Gegenpressing wird nur im Moment des Ballverlusts angewandt, um daraus unmittelbar eine Torchance zu generieren. Das Angriffspressing beschreibt den Spielfeldbereich (zum Vergleich:. Angriffs-, Mittelfeld-, Abwehrpressing). Der Deckungsschatten beschreibt lediglich den zugestellbaren Paßraum, jedoch läßt sich daraus nicht zwangsläufig ableiten, dass dies nach Ballgewinn eine besonders günstige Anspielstation wäre. Denn um den Überraschungsmoment zu nutzen, sollte Tiefe (Vertikalpaß) vor Breite (Horizontaler Paß) gehen.
    Je nach Ausbildungsgrad kann ein Traner diese Begrifflichkeiten ableiten oder auch nicht! Aber dies spielt bei deinem tollen Übungsvorschlag gar nicht so eine große Rolle, denn sie strahlt auch so genügend Anreiz aus.


    @open
    Bitte schau dir das dazugehörige Video an. Dann wird klar, was mit wechselnden Aufgaben gemeint ist. Die Dynamik in dieser Übung besteht daraus, dass auf dem schnellstmöglichen und direkten Weg der Torerfolg gesucht wird.

  • Jetzt hilf mir mal vom Schlauch runter auf dem ich stehe :
    Das ist doch im Spiel genauso. Bei uns in Bayern zumindets wechseln wir die Hälften nur nach der Halbzeit. Also spielnah.
    Nicht das Umschalten der Spielrichtung ist doch entscheidend, sondern das Umschalten von Angriff auf Verteidigung und redur, oder???

    open-minded : Erinnere Dich doch mal an die Trainer-Tech: Das Setzen neuer Reize bringt den Spielern oft ganz neue Impulse. Meine B-Mädels sind wirklich nicht schlecht, aber die Übung hatte sie anfangs noch ein bisschen überfordert. Ein klarer Grund für mich, die Übung kurzfristig 1-2 mal zu wiederholen und beim Coaching auf die Probleme einzugehen, die die Spielerinnen (vor allem mit den zügigen Richtungswechseln) hatten.

  • @open
    Bitte schau dir das dazugehörige Video an. Dann wird klar, was mit wechselnden Aufgaben gemeint ist. Die Dynamik in dieser Übung besteht daraus, dass auf dem schnellstmöglichen und direkten Weg der Torerfolg gesucht wird.


    ja,ja, das Video hab ich mir schon angguckt und den Sinn kappiert, wir spielen das Torbellino ja öfter.
    Mir war nur nicht so ganz klar, was an Schimis Variante besser sein sollte.
    Aber hey, ich probier´s einfach und setze "neue Reize" :] .


    Merci Jungs !!!


    Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.