Das Einzelgespräch zur Halbzeit

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  • Hallo Trainer- und Betreuerkollegen,


    viele kennen das Einzelgespräch als Waffe gegen bereits bestehende Probleme. Vielleicht aus der eigenen aktiven Zeit. Aber auch als Ratschlag von anderen Trainern oder aus dem WorlWideWeb. Bekannt ist das Einzelgespräch auch als Vier-Augen-Gespräch, wobei es mir bei diesem Begriff, schaudert. Viel zu negativ behaftet, wie ich finde. Wie dem auch sei. Viele Trainer haben ihre Jungs/Mädels bereits in die Winterpause geschickt, oder es finden zur Zeit die letzten Trainingseinheiten statt, bevor es dann soweit ist. Wie bereits erwähnt, sind die Einzelgespräche von den meisten Kindern und Jugendlichen gern gemiedene Handlungen. So heißt es nach der Auforderung des Trainers, dass Spieler XY und AB noch zum Einzelgespräch bleiben, von den anderen Kindern gleich: "jetzt gibts Ärger" oder höhnische Aussagen wie "na? was hast du nun wieder ausgefressen?". Auch unterstützen Eltern diese These immer wieder aufs Neue, und schmeißen ihren Kindern dann schnell noch Wörter wie: "Ohha!" oder "viel Glück!" hinter her.


    Dabei fand ich als Spieler, Einzelgespräche immer sehr hilfreich. Sie haben mir gezeigt, dass der Trainer Interesse an mir hat und halfen darüber hinaus, die Sympathie zueinander, zu verbessern. Ich war als Kind bzw. Jugendlicher immer sehr glücklich nach solch einem Gespräch. Warum? Ein Grund wird sicherlich gewesen sein, dass ich als Frischling im Vereinsfußball sehr gute Trainer hatte. Die nicht nur fachlich gut drauf waren (beide damalige A-Lizenzler), sondern eben auch persönlich und menschlich einiges drauf hatten. So gehörten nicht nur Problematiken und negatives Feedback zu den Inhalten solch eines persönlichen Gesprächs, sondern auch Lob, Aufmunterung und Anerkennung zu guten Ansätzen, der Persönlichkeit usw. waren zu hören. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, wie wir mehrmals unter Vier-Augen über mein allgemeines Wohlbefinden, das Wetter und uns einmal über Eis unterhalten haben. Das wars. Kein Feedback, gar nichts. Und danach fühlte ich mich trotzdem gut. Ein Einzelfall? Ich denke eher nicht. Allein der Effekt der sich daraus ergibt, dass sich der Trainer für einen "wie mich" (als kleiner 13-jähriger) interessiert und unabhängig von der Leistung, oder irgendeiner Bewertung mit mir redet, sich die Zeit nimmt, fand ich schon klasse. Jedes Kind und jeder Jugendliche stebt nach Anerkennung, das ist völlig normal.


    Das was ich als Spieler mitbekommen habe, - von den darauffolgenden Trainern hat dies kein einziger wiederholt, sondern lediglich zu besonderen Anlässen mal einmal im Jahr gemacht -, praktiziere ich seit geraumer Zeit auch als Trainer so. Ich versuche alle zwei/drei Wochen, mir für jeden Spieler ein paar Minuten (10 Minuten) zu nehmen um mit ihm zu reden. Sei es über seinen Lieblingsspieler, den Weihnachtsmann oder einfach nur das Wetter, und das Problem zur Schule zu kommen. (aus gegebenen Anlässen) So, habe ich eine Liste, die ich führe. Dort trage ich stetig ein, wann ich das letzte Mal ein Gespräch mit einem Spieler geführt habe. Auch das hilft enorm.


    Ich selber habe mit Einzelgesprächen gute Erfahrungen gemacht. Unsichere und Kinder dessen Selbstbewusstsein auf Null stand (Angst vor Punktspielen, Abwesendes auf dem Platzstehen, usw.), wurden Stück für Stück immer selbstbewusster und entwickelten sich richtig gut. Zuverlässige Spieler konnte ich immer wieder aufs neue motivieren, auch hier hat sich das Leistungsvermögen gesteigert. Ängstlichen Kindern konnte ich durch offene Gespräche dazu verhelfen, sich mehr zu zu trauen und mutiger darin zu werden, auch mal etwas zu riskieren. Sicher sind alle Kinder und Jugendlichen individuell und demnach muss jedes Einzelgespräch aufs neue vorbereitet und angepasst werden. Die Ergebnise wenn man dies durchzieht sind allerdings durchschlagend und verhelfen zu einem sehr guten Verhältnis zwischen Trainer <-> Kind/Jugendlichen. Dadurch verbessert sich auch das Mannschaftsklima und es ist ein gänzlich neues und immer wieder schönes Arbeiten mit den Kids. Denn die Kinder wissen nach einer bestimmten Zeit, dass Sie dem Trainer vertrauen können und können sich in seine Lage versetzten. Als Trainer kann man seine Schützlinge besser einschätzen, weiß was sie wollen, weiß was diese nicht wollen usw. Man benötigt hier allerdings sehr viel Geduld. Bei einem Spieler wirkt solch ein Gespräch schon beim ersten Mal, bei anderen vielleicht erst nach zwei oder drei Gesprächen.



    Selber möchte ich euch dazu anregen, das Einzelgespräch nicht nur dafür zu nutzen, um bereits bestehende Probleme lösen zu wollen. Sondern vielmehr, das Einzelgespräch als präventatives Mittel vor Beschwerden, Problemen, Leistungsminderung durch mannschaftsinterne Angelegenheiten usw. zu nutzen. Also, bevor es schon zu solchen Problematiken kommt, diese schon auszumerzen. Ihr baut damit außerdem eine Bindung zu den Kindern und Jugendlichen auf, lernt vielleicht eine andere Seite von ihnen kennen und helf euren Spielern, sich besser entfalten zu können. Es gibt viele Kinder die sehr sensibel sind, eventuell eine Blockade aufgebaut haben und aus ihrem Formtief nicht mehr rauskommen. Ein Einzellgespräch kann auch hierbei helfen, diese Blockade zu brechen. Hierfür möchte ich euch einmal ein paar Tipps, Hinweise und Vorschläge geben, wie ihr solch ein Einzelgespräch aufbauen könnt/solltet:


    Das Einzelgespräch,...


    - ...ist das wichtigste Kommunikationsmittel
    - ...fördert das Verständnis, die Sympathie und das Selbstvertrauen des Kindes
    - ...dient als wichtiges Medium zum Austausch von persönlichen, menschenlichen und sportlichen Informationen (Spieler <-> Trainer)


    Ziele des EG:


    - Vertiefen der menschlichen Beziehung
    - Vermitteln von Informationen (Spieler <-> Trainer)
    - Sicherung/Stabilisierung des Selbstvertrauens


    Voraussetzungen:

    - bedachte Führung von Einzelgesprächen!
    (Kann bei falscher Wortwahl auch schnell das Gegenteilige des erdachten Ziels bringen)


    - vor oder während des Trainings, nicht danach!
    (die Konzentration von Spieler und Trainer sind noch hoch)


    - den Ort des Gesprächs, bestimmt möglichst das Kind/der Jugendliche!
    (Orte an denen sich das Kind wohlfühlt und somit auch sicher, oder zumindestens nicht in die Ecke gedrengt fühlt)


    - Gespräch unter vier Augen
    (die Vertraulichkeit und Wichtigkeit des Kindes wird hierdurch nochmal bestätigt)
    Also möglichst einen Raum aufsuchen wo keiner stört oder ablenkt.


    - individuell nach Verfassung, Problem und der „Aufgabe“ des Kindes!
    (monotone und immer gleiche Ansagen senken eher die Bereitschaft und Motivation des KIndes sich zu öffnen)



    Das Einzelgespräch an sich (bei Feedbackvermittlung):


    Um zunächst die Stimmung zu lockern, solltet ihr über irgendetwas außerhalb von Fußball sprechen, was das Kind aber mit etwas positivem verbinden kann. Ob aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft, ist egal. Hauptsache es interessiert das Kind und auch einen selber. Beispiele: Fragen nach: Wohlbefinden, Ferienunternehmungen, andere Hobbys, usw.
    Nun könnt ihr langsam an das eigentliche Thema herankommen und hinüberleiten. Fragt nach seiner eigenen Meinung und an dieser Stelle nicht unterbrechen, auch wenn die eigene Meinung eine andere sein sollte. Wer das Wort des Spielers unterbricht, macht sich selbst nur unglaubwürdig.
    Fragt grundsätzlich so, dass ihr in der Fragestellung keine eigene Stellung und Meinung bezieht. Bsp. "Ich finde du hast dich in XY verbessert, wie siehts du das?", sondern so: "In welchen Bereichen, hast du dich verbessert? (-was meinst du?). Das andere währe eine Frage, die das Kind im Prinzip nur mit "Ja" und "Nein" beantworten könnte und damit der einfachheithalber keine andere Meinung zulässt. Jeder möchte es sich so einfach wie möglich machen. Mit "Ja", würde das Kind gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Als Trainer ist man aber nicht viel weiter, weil einem selbst die Meinung und Sicht des Kindes interessiert. Die eigene kennt man ja schon.
    Ist es geglückt, solch eine Frage zu stellen und das Kind antwortet darauf, dann lasst es ausprechen. Sollte dies eure Sicht bestätigen, dann macht das auch via: "Ich sehe es genauso! In der vergangenen Zeit hast du dich im Bereich XY enorm verbessert etc..."


    Sollten sich im Laufe des Gespräches Probleme ergeben, oder ihr als Trainer ein Problem ansprechen, als Beispiel: die enge Ballführung ist unzureichend. Dann niemalds sagen: "Da musst du dich noch verbessern!" Und den Satz dann so stehen lassen. Entweder hängt ihr noch dran: "Aber das bekommen wir gemeinsam hin!" oder eben "Wir müssen bei dir noch an der engen Ballführung arbeiten!". Das signalisiert dem Kind, dass es nicht allein ist und der Trainer immer da ist, um zu helfen. Wird der erste Satz so stehen gelassen, dann wird sich das Kind alleingelassen fühlen und wohlmöglich für den Rest des Gesprächs, auch davon ausgehen. Womit das Kind sich verschließt. Dann lieber, wenn euch dieses Malheur passiert, noch einen "Wir-Satz" hinterher schieben.


    Aber wie bereits gesagt. Ein Einzelgespräch muss nicht immer nur dazu dienen, Feedback kund zu tun. Sondern kann und sollte auch unbedingt, dazu dienen das zwischenmenschliche und persönliche Verhältnis zu verbessern. Denn nur in einem vertrauten Umfeld, in dem sich die Kinder und Jugendlichen wohlfühlen, kann besonders ab der U12/U13 eine effektive und vorallem spaßreiche Ausbildung vorangetrieben werden.



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    4 Mal editiert, zuletzt von TRST ()

  • Die Vorbereitung:


    - In das individuelle Kind hineinversetzten
    - Gesprächsziel für sich klären
    - Präzise auf das Kind einstellen
    - möglichst wenige Zettel zum Gespräch mitnehmen (bei zuviel Papier, wird das Kind nur verunsichert)
    - Fragestellungen auf mögliche Missverständnise überprüfen
    - viel Zeit für das Gespräch nehmen (10 - 15 Minuten (je nach Ziel))




    So, ich denke als erster Anreiz sollte das an dieser Stelle reichen. Ich kann euch nur den Tipp geben, das Einzelgespräch in regelmäßigen Abständen durchzuführen oder zumindestens mal auszuprobieren. Je Trainingstag vielleicht ein zwei Spieler zur Seite nehmen und erste Erfahrungen sammeln. Allerdings überlegt euch vorher genau, was ich sagen wollt und solltet. Ein Einzelgespräch kann auch das gegenteilige bezwecken, wenn die falschen Worte verwendet werden und sich kein richtiger Eindruck auf den gegenüber einstellt.
    An dieser Stelle, vielleicht auch ein Neujahresvorsatz? :)


    Wenn ihr noch Vorschläge, Erläuertungen oder Anregungen habt, so denke ich, würde die gesamte Community davon profitieren!
    Also immer her damit. Auch sind eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema, sehr gerne gesehen.


    Lieben Gruß aus SH

    Einmal editiert, zuletzt von TRST ()

  • Klasse!
    Einzelgespräche mache ich zwar auch, aber weder systematisch noch regelmäßig. Außerdem finde ich in Deinem Post noch ein paar gute inhaltliche Anregungen, könnte fast aus einem Lehrbuch stammen.

  • Danke für Deine guten Hinweise, denn Einzelgespräche halte ich ebenfalls für sehr hilfreich. Allerdings muss man sich schon klar machen, dass das auch ein ziemlicher "Zeitfresser" ist. 15 min sollte man sich Zeit nehmen, sonst bleibt nicht genug Zeit zum Quatschen. Wenn man dann 12 oder noch mehr Spieler hat, ist man schon bei 3 oder mehr Stunden reiner Gesprächsdauer. Für den Breitensport mit typ. 3h Training pro Woche ist das schon eine Hausnummer. Aber wie gesagt: Ich finde das persönliche Gespräch auch sehr hilfreich, insofern :thumbup: .

    Grüße
    Oliver

  • Es stimmt aber schon, was du anmerkst, Don Quijote. Im Breitensport dürfte man sich fragen, wann man die Zeit und die Räumlichkeiten finden wird, um solche Gespräche zu führen. Außerdem muss man sich noch entsprechend darauf vorbereiten, das dürfte nochmal ähnlich viel Zeit benötigen, wenn man nicht ganz anspruchslos ist. Insofern finde ich das Ansinnen auch gut, weiß aber z.B. nicht, ob ich es selbst umsetzen könnte..

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • Es passt vielleicht nicht ganz zum Thema, aber eine Geschichte von vor 2 Wochen möchte ich erzählen:


    Die Trainerin der D1 (älterer Jahrgang) musste früher vom Training weg und hatte mich schon in der Vorwoche gebeten, ihre Mannschaft für die letzten 20 Minuten zu übernehmen (wir trainieren mit der D2 -jüngerer Jahrgang- in der Halle direkt hinterher).


    Als ich in die Halle kam, wurden gerade die Materalien eingeräumt, anschließend sollte ich nur noch das Abschlußspiel beaufsichtigen, die Trainerin verabschiedete sich. Die Mädchen wirkten alle sehr cool und haben nicht groß auf mich reagiert, beginnende Pubertät halt. Durch das eine Jahr Unterschied wirken sie auch schon körperlich anders als meine Mädchen, die teilweise noch im E-Jgd. Alter sind. Ich habe mich daher nicht groß eingemischt, habe in einem Nebenraum Bälle aufgepumpt u.ä. und nicht weiter auf das Spiel geachtet. Nach ein paar Minuten gehe ich rein und sehe, dass ein Mädchen nicht mitspielt und am Rand sitzt. Ich habe mich neben sie gesetzt und gefragt was los ist, und das vorher so cool auf mich wirkende Mädchen schluchzt los: Ich darf nicht mitspielen, weil ich Läuse hatte, aber das ist längst vorbei und xxxx hat gesagt, du passt auf uns auf aber du guckst ja gar nicht.......
    Das ließ sich dann schnell regeln (zwei 'Rudel'-Führerinnen haben das Mädchen ausgeschlossen), aber mich hat das doch sehr nachdenklich gemacht.


    Ich habe zwei Töchter (11 und 14) und trotzdem bin ich mal wieder auf die abgeklärte und cool wirkende Haltung der Mädchen reingefallen ohne zu Bedenken, dass dies vielleicht nur die äußere Fassade ist.


    Daher finde ich den Ansatz, hin und wieder das Einzelgespräch zu suchen, sehr wichtig und lobenswert. Es ist eine Chance, einen Blick in die Gedankenwelt der Kinder zu erhaschen. Ich fürchte, und das passiert auch mir, man behandelt sie in der Beurteilung viel zu oft als kleine Erwachsene (warum spielt die wieder nicht ab, man ist die egoistisch usw.).

  • Einzelgespräche können Wertschätzung signalisieren, wenn sie zumindest "positiv-kritisch" u. nicht allzu "zudringlich" sind. Was ich nicht verstehe, wieso willst du sie lt. Titel "zur Halbzeit" führen, wenn du doch zurecht genug Zeit forderst. In der Halbzeit sollen Kinder sich entspannen, den Kopf frei bekommen, ihre Dinge abhaken. Generell gilt: wer fragt, der führt. Daher sollte man die Kinder selbst viel fragen lassen, sie nicht etwa 10 min am Stück "zutexten", da sie nur wenigen Minuten o. gar Sätze aufnahmebereit sein können, umso kürzer, je weniger sie aktiv beteiligt sind. Wenn man bemerkt, dass das Kind unaufmerksam, nicht wirklich interessiert ist, sollte man ihm nichts aufzwingen und abbrechen. Dass ist das Schlimme an den oft üblichen "Halbzeitansprachen" o. "Spielanalysen" (im Training nach dem Spiel) von Trainern, die sich so oft nur ihre - zB bei Rückständen sich verletzt u. "enttäuscht" fühlende - Autorität beweisen wollen. Sie werden allen gleich verordnet, obwohl doch uU jeder eine individuelle Ansprache benötigen würde. Da sind Einzelgespräche immer effizienter für den individuellen Spieler, in der Halbzeit reicht aber ein präziser Hinweis, falls etwas zu korrigieren wäre: der Defensive fällt immer auf die gleiche Finte des Gegners rein, stellt sich falsch o.ä., der Mittelfeldmann steht, der Offensive läuft ins Abseits, lässt sich blocken, schiesst überhastet, sieht die Gassen nicht etc. Da ist ein kurzes Wort an den Einzelnen immer besser als jene Ansprache, die alles und alle einbeziehen will, der aber keiner richtig zuhört und die deshalb dann schnell ins Schreien verfällt...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Ja, war da guenter gefolgt. Ich würde aber eher in der Saisonvorbereitung intensiver "coachen", denn im Winter liegt die Handlungsauslösung uU zu weit weg. Aufmerksamkeit u. Interesse von Kindern kriegt man aber meist über die Praxisnähe und ihren Ehrgeiz, sich im Spiel zu beweisen etc.


    PS: Viele Spieler haben innerlich Frust, das weiß ich von mir selbst (falsche Position/Stress/"heimlich" das Spiel von Gleich zu Gleich unterdrückende Hierarchien im Team: auch jenseits reeller Leistungserbringung/ Auswechslungen bzw. Bankdrückerei/Gestaltung des Trainings/Umgangsformen etc.) wie den Söhnen. Offen geredet wird darüber aber praktisch nie und wehe dem, der es mal wagt, den Mund aufzumachen, sei es auch noch so konstruktiv gemeint. Daher sollte ein Einzelgespräch diesen Aspekt zuerst im Blick haben, nicht aber zuviel "belehren" wollen: reden und fragen lassen statt selbst (wie im Trainingsalltag gewohnt) reden wollen...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

    3 Mal editiert, zuletzt von Kicker ()

  • Habe auch schon dreimal in den letzten Jahren einen "Durchgang" Einzelgespräche mit allen Spielern der Mannschaft (15-18 Spieler) geführt.
    Ich fand das auch sehr hilfreich und auch bei den Spielern ist es sehr gut angekommen. Außerdem habe ich als Trainer sehr gutes Feedback bekommen, das kommt oft nicht von selbst...
    Wenn man aber tatsächlich 10-15 Minuten pro Spieler braucht (das ist realisitisch), dann frage ich mich schon, wie man mit jedem Spieler alle 2-3 Wochen so ein Gespräch führen kann!? So viel Zeit habe ich leider nicht. Genausowenig ist mir klar, wie so ein Gespräch während des Trainings stattfinden kann? Da hat man doch als Trainer (und als Spieler) meist anderes zu tun. VOR dem Training hat den Nachteil, dass ein Zeitdruck da ist. Daher habe ich die besten Erfahrungen mit Gesprächen nach dem Training gemacht.

  • Danke für Deine Mühe!


    Habt Ihr das Gespräch groß angekündigt oder einfach einen Spieler während des Training raus gezogen? Ich habe nur Gespräche geführt, als es bei jemandem sehr schief lief oder er ein Störenfried war: kurzes Gespräch - anfangs auf gute Momente bezogen, dann gefragt, warum er in seinen Augen vor mir steht, schließlich meine Einschätzung und Erwartung. Ich sehe ein Problem bei der Umsetzung bei C-Junioren. Jemand Erfahrungen mit C-Junioren gemacht? Finde die Idee gut, in der Winterpause paar Gespräche zu führen - habe aber die Befürchtung, dass es als lächerlich empfunden wird oder die Spieler nehmen es nicht an - warum sollten sie über´s Wetter reden?!

    "Don't forget to love your haters. They keep you motivated."

  • Ich erachte Einzelgespräche ebenfalls für sehr wichtig. Gerade im Jugendbereich, aber wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann auch im Herrenbereich. Hatte da jetzt selbst einen Trainer, der in knapp einem Jahr so gut wie gar nicht mit mir gesprochen hat (zugegebenermaßen auch mit anderen Spielern nur das Nötigste), aber da fragt man sich dann schon, ob der überhaupt Bock auf das Ganze hat, warum er den Job überhaupt macht, etc.
    Gerade im Jugendbereich ist es für die Spieler auch einfach schön zu wissen, dass der Trainer sich tatsächlich für sie interessiert (sehr schön im Ausgangsposting beschrieben). Wenn der Trainer das natürlich rüberbringen kann, weil's eben auch tatsächlich der Fall ist, wird das sicherlich dafür sorgen, dass sich die Spieler bei ihm wohlfühlen oder noch wohler fühlen. Wenn's gezwungen rüberkommt sehe ich eher einen negativen Effekt und würde die "informellen" Gespräche, sprich über alles außerhalb des Platzes, dann auch nur führen, wenn sich's gerade wirklich ergibt.


    Aus meiner Erfahrung (u.a. auch C-Jugend) kann ich sagen, dass dieser Smalltalk sehr gut angekommen ist. Allerdings habe ich solche Gespräche nicht im Einzelgespräch geführt, sondern einfach in der Kabine wenn vor dem Training noch Zeit war und entsprechend auch mit mehreren Spielern und ohne Vorbereitung.
    Man kriegt ja mit, was die Jungs so interessiert/beschäftigt und kann dann entweder selber mal irgendwas ansprechen was gerade passiert ist oder sich ruhig ganz normal an einer Diskussion unter den Spielern beteiligen. Einzelgespräche während des Trainings gab's auch immer mal, wobei das keine "Gespräche" im herkömmlichen Sinn waren, sondern sich eigentlich auf einen ganz kurzen Austausch oder einfach nur ein paar Scherze beschränkt hat.
    Man kriegt auch schnell raus, welche Spieler für solchen Smalltalk empfänglich sind und welche vom Trainer einfach nur "Anleitung" auf dem Platz erwarten, aber sonst am liebsten in Ruhe gelassen werden.
    Ganz wichtig ist in meinen Augen dabei auch - wie schon oben erwähnt - , dass es zum restlichen Auftreten des Trainers passt. Das Gesamtbild muss halt stimmig sein.


    Wirklich vorbereitet in Einzelgespräche bin ich nur zur Winterpause gegangen, wo ich so ziemlich exakt das geschilderte Gespräch geführt habe (Wie gefällt dir das Training? Fühlst du dich wohl in der Mannschaft? Wo hast du dich verbessert, wo hast du noch Luft nach oben, usw.) oder wenn ich wusste, dass ich mit einem gewissen Spieler etwas Bestimmtes besprechen will.
    Solche Gespräche habe ich dann aber auch nicht angekündigt, sondern den Spieler einfach vor dem Training oder direkt danach (spätestens nach dem Duschen kannst du's vergessen, dann ist der Kopf schon wieder ganz wo anders) zu mir geholt. In der Winterpause konnte natürlich jeder der noch nicht "dran" war, erahnen, dass es ihn auch noch irgendwann "erwischt" ;)
    Abgesehen von solchen Gesprächssituationen macht es für mich auch keinen Sinn sich da groß vorzubereiten, weil es dann einfach wieder gezwungen, steif und auch wenn es gut gemeint ist, nicht ehrlich bzw. authentisch rüberkommt.

  • So, nun finde ich wieder etwas Zeit, um mich euren Anregungen anzunehmen.
    An dieser Stelle erstmal Danke, für eure Antworten zum Thema.



    Das Einzelgespräch als Zeitfresser?!:
    Ich erachte Einzelgespräche als ein sehr wichtiges Mittel, um Informationen auszutauschen und somit die Stimmung bzw. das Verhältnis zwischeneinander zu verbessern. Wenn wir nun davon ausgehen, dass eine Mannschaft 16 Spieler hat und wir je Trainingstag, mit zwei Spielern sprechen. Dann brauchen wir bei zwei Mal wöchentlichen Training 4 Wochen, bis wir durch sind. Dass es hier mit 2 - 3 Wochen nicht hinkommt, dürfte ersichtlich sein, zumal einige von euch auch mehr als 16 Spieler haben dürften. Die Zeitangabe geht auf meine Tätigkeit als Torwarttrainer zurück und da habe ich sechs (zehn) Torleute zu betreuen und auszubilden. Wie das bei euch passt, müsstet ihr mal durchrechnen. Vielleicht hilft ja auch eine pauschale Auslegung von 2x je Saisonhalbzeit?
    Ich denke aber durch die für Mannschaftstrainer übertriebene Ansage, alle 2 - 3 Wochen jeden Spieler sprechen zu wollen, habt ihr euch Gedanken darüber gemacht und überlegt.

    Überschrift:

    Mit der Überschrift ist tatsächlich die Saisonhalbzeit gemeint und keine Halbzeit im Spielbetrieb oder Wettkampf. Das währe dann doch sehr irreführend. Mindestens genauso, wie die Überschrift.
    Anfangs ging es mir darum, dass konstruktiv gebildetes Feedback zum Saisonende nicht verkehrt ist, um dem Spieler aufzuzeigen welche Fortschritte er gemacht hat. Wo er sich noch verbessern kann, welche Besonderheiten ihn ausmachen, usw. Ihm also zu helfen, gelassener in die Winterpause zu gehen.
    Allerdings ist mir im Laufe des Schreibens klar geworden, dass sehr viele nicht wissen, wie sie solch ein Gespräch aufbauen sollen. Leider habe ich vergessen die Überschrift anzupassen.


    Generell sei aber gesagt, dass das Einzelgespräch am Besten während der Trainingseinheit geführt werden kann, auch wenn man alleine als Trainer vor Ort ist. Wie bereits erwähnt ist vor dem Training zwar Zeit, für einen Smalltalk mit den Kindern/Jugendlichen, allerdings in der Regel nicht für ein Einzelgespräch. Es sei denn, das Kind ist viel zu früh dran, dann bietet sich ein spontanes Einzelgespräch an. Eine Vereinbahrung, dass die betreffenden Kinder früher kommen, halte ich allerdings für nicht notwendig. Das Einzelgespräch nach dem Training zu führen, halte ich ebenso für nicht ratsam, da ich zumindestens, mental und vom Kopf her, nicht mehr so ganz frisch bin. Dies gilt für das Kind genauso. Also, es bleibt noch die Trainingszeit. Am Besten ist dies, meiner Erfahrung nach, während des Abschlussspiels! Dort bleibt in Ruhe Zeit, um sich der Kids anzunehmen.
    Im Sommer, klar draußen. Im Winter, dann eben in der Halle! Man suchs sich ein Fleckchen, wo man ungestört ist, und wo man die Bande trotzdem im Blickfeld hat, wenn etwas sein sollte. In der Halle bietet sich hierfür in der Regel, der ärtzliche Versorgungsraum an.


    Das Einzelgespräch:
    ...sollte nicht, wie eingangs erwähnt, nur für Kritik und als letzter Ausweg gesehen werden, um einem Kind seine Rechte und Pflichten vorzulesen. Besonders sollte es positive Aspekte aufgreifen, Feedback für den Spieler und für den Trainer bieten und auch zwischen ihnen vermitteln. Hinzu kommt, dass nicht nur der Trainer reden sollte, wie es Kicker bereits ein paar Beiträge hierdrüber geschrieben hat, sondern das Kind auch reden soll. Ziel und Sinn des Einzelgespräches ist es doch, dass man die Meinung und Sichtweisen des Kindes erfährt. Am besten auch noch, ohne diese zu verurteilen oder zu sagen: "Das sehe ich aber anders!" Keine Meinung ist falsch, es gibt nur andere Sichtweisen. Und dies in einem Einzelgespräch rüberzubringen, ist sehr schwierig. Die eigene Meinung zu sagen, ohne die des anderen niederzumachen oder zu entwerten, aber dennoch den selben Bezug zu haben. Das macht das Vorbereiten auf die Einzelgespräche für mich auch so reizvoll. Es ist eine Herausforderung. Aber nur wer diese angeht, kann von seinen Spielern verlangen, dass diese sich verbessern sollen. Stichwort: Vorbild!


    Ausstrahlung der Kinder:
    Auch der Beitrag von thomasg, passt wie ich finde perfekt hier hinein.
    Was tun wir als Trainer denn, wenn wir keine Einzelgespräche führen und von uns aus nicht auf die Kinder zugehen? Wir setzten voraus, dass sie sich selbst einschätzen können und darüber hinaus auch so engagiert sind, um von selbst zu einen zu kommen und nach Verbesserungsvorschlägen zu fragen. Auch wenn die Austrahlung noch so cool und lässig ist, es sind noch Kinder. Auch 15- oder 16-jährige haben einen weichen Kern und nehmen sich viele Dinge zu herzen. Für einen F-Jugendlichen ist es ein riesen Problem, wenn er sein Zimmer aufräumen soll, ähnlich wie für Erwachsene welche die Steuererklärung das erste oder zwei Mal machen. Es gibt viele Kinder, die sich da vor ein riesen Problem sehen und bedingt vielleicht in Tränen ausbrechen.


    Ich möchte euch an dieser Stelle mal dazu anhalten und euch bitten, dass sich jeder mal Gedanken dazu macht, wieviel Zeit (von 90 Minuten Training) jedem Kind kommunikativ zu Gute kommt. Dh., die Zeit summieren, die ihr mit einem Kind redet. Und dann zieht ihr noch die Zeit davon ab, wenn das Kind seine Meinung offenlegt.
    Ich bin mir sehr sicher, das hierbei nicht sehr viel rumkommt.


    Beispiel: Eine Trainingseinheit von 90 Minuten...


    ...10 Minuten - Begrüßung und Ansprache
    ...15 Minuten - Aufwärmen
    ...20 Minuten - Hauptteil I
    ...20 MInuten - Hauptteil II
    ...25 Minuten - Abschluss


    Hierbei habe ich "positiv" berechnet eine reine "verbal-kommunikative Zeit" von 50 Minuten raus. Diese Zeit dann noch durch die Spielerzahl,
    zB. 16 Spieler und schon hat man dabei raus, wieviel Zeit man sich im Schnitt für jeden Spieler in 90 Minuten nimmt. In diesem Fall, währe das eine
    verbale Kommunikation von 3,125 Minuten, JE Spieler. Klar, ist das nur ein theoretischer und statistischer Wert, aber dennoch macht dies vielleicht deutlich
    wieviel Zeit wir mit einem Spieler reden. Und das dann auch noch rein über Fußball. Nehmen wir nun noch den Small-Talk hinzu, dann lass es meinet wegen 4 Minuten sein.
    Aber dennoch sind 4 Minuten verdamt wenig, für weit aus mehr als 90 Minuten.
    Gehen wir hierbei noch weiter und beziehen den Meinungsaustausch mit hinein, dann reden wir von weniger als eine Minute je Spieler... ...auf 90 Minuten gesehen!


    Und wie gesagt, diese Kommunikation ist rein bezogen auf den Fußball, wobei 50 Minuten schon sehr lang sind. Vielleicht weckt das ja einwenig auf, wie absurd diese Statistik auch sein mag.



    C-Junioren:
    Ich selber habe vertretungsweise für zwei Monate im Sommer eine C-Junioren-Mannschaft trainiert. Ein total zusammengewürfelter aber auch lustiger Haufen gewesen. Mit der Einstellung, was der Trainer sagt, machen wir nur widerwillig. Der vorherige Trainer hat aber auch alles mit sich machen lassen, daher sind die Jungs auch teils auf sich selbst los gegangen. Nach den ersten Trainingseinheiten hatte ich sie dann soweit, dass sie allesamt zuhörten wenn ich etwas gesagt habe. Und das durch anfänglich viel Zuwendung zu den Jugendlichen, viele Gespräche aber auch mit strengem Reglement. Die jenigen die ständig zu spät kamen und dafür keine guten Begründungen hatten, durften zum Aufwärmen kurz laufen gehen. Wenn wir Pause hatten bzw. sich die Jungs ausruhen durften, habe ich ihnen eine Zeit mitgegeben, für 10 sek. zu spät sein (Ich habe vorher angekündigt, kurz bevor die Zeit rum war), durften sie alle zusammen eine Runde laufen. Hinzu kam noch, wenn ich darum gebeten habe, das Tor zu holen und sich anfangs keiner dafür bereit erklärte, ebenso eine Zeit vorzugeben, in der das Tor dann da zu stehen hatte, wo wir es benötigten.
    Mal abgesehen davon, dass ich einiges habe durchgehen lassen, weil Rundelaufen normalerweise keinen Platz in meiner Trainerphilosophie hat, hat es gut geklappt.


    Am Ende der zwei Monate, habe ich mit jedem der 24 Spieler ein Einzelgespräch geführt und auch eine Einleitung gefunden. Meistens war es die Frage danach, wie es ihm geht, was er bei dem heißen Wetter so macht und welche Hobbys er noch neben Fußball hat. Anschließend ging es dann sehr offen und ehrlich darum, wie er sich verbessert hat, wo er sich noch verbessern kann und vorallem dann auch das wie. Durch Fragestellungen wie: "In welchen Bereichen meinst du, hast du dich verbessert.", habe ich mir nochmal Infos rausgezogen und dann darauf aufgebaut. Sehr oft stimmte deren Meinung mit meiner überein, wobei ich noch ein paar Punkte hinzugefügt habe bzw. sind mir desweiteren aufgefallen. Hinzu noch persönliche Besonderheiten die ich schätze, wie... ...sehr zuverlässig, charakterlich gut, kameradschaftlich usw. - Wer in meinen Augen hinterhältig und nicht mannschaftsdienlich war, dem habe ich es auch gesagt. Allerdings zusammen mit Beispielen, Fragen und Hilfestellungen. Beispiel hierbei: "Kannst du dich an die Situation erinnern, wo du XY beschimpft hast?", "Welche anderen Lösungsmöglichkeiten hättest du da gehabt?";"Wie würdest du dich fühlen, wenn dich jemand beleidigt?"; usw.


    Wie ich von sehr vielen Eltern gehört habe, fanden alle die Einzelgespräche sehr gut und waren glücklich danach.
    Und nach wie vor, habe ich ein gutes Verhältnis zu den Spielern. Die Jungs fanden es übrigens gut, dass ich auch mal durchgegriffen habe
    und sowas wie Rundelaufen eingeführt habe. Wir haben neben den lernintensiven Trainingseinheiten, allerdings auch viel gelacht und viel Spaß gehabt,
    weshalb das Rundelaufen schnell wieder vergessen war und die Jungs wieder bei der Sache waren.


    Vielleicht ist dies auch nochmal ein Positivbeispiel für alle - also nicht das Rundelaufen, sondern die Einzelgespräche - . :D
    Aber besonders als Antwort, auf die Frage von 7Heby.


    Lieben Gruß, aus SH



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