Hallo Trainer- und Betreuerkollegen,
viele kennen das Einzelgespräch als Waffe gegen bereits bestehende Probleme. Vielleicht aus der eigenen aktiven Zeit. Aber auch als Ratschlag von anderen Trainern oder aus dem WorlWideWeb. Bekannt ist das Einzelgespräch auch als Vier-Augen-Gespräch, wobei es mir bei diesem Begriff, schaudert. Viel zu negativ behaftet, wie ich finde. Wie dem auch sei. Viele Trainer haben ihre Jungs/Mädels bereits in die Winterpause geschickt, oder es finden zur Zeit die letzten Trainingseinheiten statt, bevor es dann soweit ist. Wie bereits erwähnt, sind die Einzelgespräche von den meisten Kindern und Jugendlichen gern gemiedene Handlungen. So heißt es nach der Auforderung des Trainers, dass Spieler XY und AB noch zum Einzelgespräch bleiben, von den anderen Kindern gleich: "jetzt gibts Ärger" oder höhnische Aussagen wie "na? was hast du nun wieder ausgefressen?". Auch unterstützen Eltern diese These immer wieder aufs Neue, und schmeißen ihren Kindern dann schnell noch Wörter wie: "Ohha!" oder "viel Glück!" hinter her.
Dabei fand ich als Spieler, Einzelgespräche immer sehr hilfreich. Sie haben mir gezeigt, dass der Trainer Interesse an mir hat und halfen darüber hinaus, die Sympathie zueinander, zu verbessern. Ich war als Kind bzw. Jugendlicher immer sehr glücklich nach solch einem Gespräch. Warum? Ein Grund wird sicherlich gewesen sein, dass ich als Frischling im Vereinsfußball sehr gute Trainer hatte. Die nicht nur fachlich gut drauf waren (beide damalige A-Lizenzler), sondern eben auch persönlich und menschlich einiges drauf hatten. So gehörten nicht nur Problematiken und negatives Feedback zu den Inhalten solch eines persönlichen Gesprächs, sondern auch Lob, Aufmunterung und Anerkennung zu guten Ansätzen, der Persönlichkeit usw. waren zu hören. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, wie wir mehrmals unter Vier-Augen über mein allgemeines Wohlbefinden, das Wetter und uns einmal über Eis unterhalten haben. Das wars. Kein Feedback, gar nichts. Und danach fühlte ich mich trotzdem gut. Ein Einzelfall? Ich denke eher nicht. Allein der Effekt der sich daraus ergibt, dass sich der Trainer für einen "wie mich" (als kleiner 13-jähriger) interessiert und unabhängig von der Leistung, oder irgendeiner Bewertung mit mir redet, sich die Zeit nimmt, fand ich schon klasse. Jedes Kind und jeder Jugendliche stebt nach Anerkennung, das ist völlig normal.
Das was ich als Spieler mitbekommen habe, - von den darauffolgenden Trainern hat dies kein einziger wiederholt, sondern lediglich zu besonderen Anlässen mal einmal im Jahr gemacht -, praktiziere ich seit geraumer Zeit auch als Trainer so. Ich versuche alle zwei/drei Wochen, mir für jeden Spieler ein paar Minuten (10 Minuten) zu nehmen um mit ihm zu reden. Sei es über seinen Lieblingsspieler, den Weihnachtsmann oder einfach nur das Wetter, und das Problem zur Schule zu kommen. (aus gegebenen Anlässen) So, habe ich eine Liste, die ich führe. Dort trage ich stetig ein, wann ich das letzte Mal ein Gespräch mit einem Spieler geführt habe. Auch das hilft enorm.
Ich selber habe mit Einzelgesprächen gute Erfahrungen gemacht. Unsichere und Kinder dessen Selbstbewusstsein auf Null stand (Angst vor Punktspielen, Abwesendes auf dem Platzstehen, usw.), wurden Stück für Stück immer selbstbewusster und entwickelten sich richtig gut. Zuverlässige Spieler konnte ich immer wieder aufs neue motivieren, auch hier hat sich das Leistungsvermögen gesteigert. Ängstlichen Kindern konnte ich durch offene Gespräche dazu verhelfen, sich mehr zu zu trauen und mutiger darin zu werden, auch mal etwas zu riskieren. Sicher sind alle Kinder und Jugendlichen individuell und demnach muss jedes Einzelgespräch aufs neue vorbereitet und angepasst werden. Die Ergebnise wenn man dies durchzieht sind allerdings durchschlagend und verhelfen zu einem sehr guten Verhältnis zwischen Trainer <-> Kind/Jugendlichen. Dadurch verbessert sich auch das Mannschaftsklima und es ist ein gänzlich neues und immer wieder schönes Arbeiten mit den Kids. Denn die Kinder wissen nach einer bestimmten Zeit, dass Sie dem Trainer vertrauen können und können sich in seine Lage versetzten. Als Trainer kann man seine Schützlinge besser einschätzen, weiß was sie wollen, weiß was diese nicht wollen usw. Man benötigt hier allerdings sehr viel Geduld. Bei einem Spieler wirkt solch ein Gespräch schon beim ersten Mal, bei anderen vielleicht erst nach zwei oder drei Gesprächen.
Selber möchte ich euch dazu anregen, das Einzelgespräch nicht nur dafür zu nutzen, um bereits bestehende Probleme lösen zu wollen. Sondern vielmehr, das Einzelgespräch als präventatives Mittel vor Beschwerden, Problemen, Leistungsminderung durch mannschaftsinterne Angelegenheiten usw. zu nutzen. Also, bevor es schon zu solchen Problematiken kommt, diese schon auszumerzen. Ihr baut damit außerdem eine Bindung zu den Kindern und Jugendlichen auf, lernt vielleicht eine andere Seite von ihnen kennen und helf euren Spielern, sich besser entfalten zu können. Es gibt viele Kinder die sehr sensibel sind, eventuell eine Blockade aufgebaut haben und aus ihrem Formtief nicht mehr rauskommen. Ein Einzellgespräch kann auch hierbei helfen, diese Blockade zu brechen. Hierfür möchte ich euch einmal ein paar Tipps, Hinweise und Vorschläge geben, wie ihr solch ein Einzelgespräch aufbauen könnt/solltet:
Das Einzelgespräch,...
- ...ist das wichtigste Kommunikationsmittel
- ...fördert das Verständnis, die Sympathie und das Selbstvertrauen des Kindes
- ...dient als wichtiges Medium zum Austausch von persönlichen, menschenlichen und sportlichen Informationen (Spieler <-> Trainer)
Ziele des EG:
- Vertiefen der menschlichen Beziehung
- Vermitteln von Informationen (Spieler <-> Trainer)
- Sicherung/Stabilisierung des Selbstvertrauens
Voraussetzungen:
- bedachte Führung von Einzelgesprächen!
(Kann bei falscher Wortwahl auch schnell das Gegenteilige des erdachten Ziels bringen)
- vor oder während des Trainings, nicht danach!
(die Konzentration von Spieler und Trainer sind noch hoch)
- den Ort des Gesprächs, bestimmt möglichst das Kind/der Jugendliche!
(Orte an denen sich das Kind wohlfühlt und somit auch sicher, oder zumindestens nicht in die Ecke gedrengt fühlt)
- Gespräch unter vier Augen
(die Vertraulichkeit und Wichtigkeit des Kindes wird hierdurch nochmal bestätigt)
Also möglichst einen Raum aufsuchen wo keiner stört oder ablenkt.
- individuell nach Verfassung, Problem und der „Aufgabe“ des Kindes!
(monotone und immer gleiche Ansagen senken eher die Bereitschaft und Motivation des KIndes sich zu öffnen)
Das Einzelgespräch an sich (bei Feedbackvermittlung):
Um zunächst die Stimmung zu lockern, solltet ihr über irgendetwas außerhalb von Fußball sprechen, was das Kind aber mit etwas positivem verbinden kann. Ob aus der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft, ist egal. Hauptsache es interessiert das Kind und auch einen selber. Beispiele: Fragen nach: Wohlbefinden, Ferienunternehmungen, andere Hobbys, usw.
Nun könnt ihr langsam an das eigentliche Thema herankommen und hinüberleiten. Fragt nach seiner eigenen Meinung und an dieser Stelle nicht unterbrechen, auch wenn die eigene Meinung eine andere sein sollte. Wer das Wort des Spielers unterbricht, macht sich selbst nur unglaubwürdig.
Fragt grundsätzlich so, dass ihr in der Fragestellung keine eigene Stellung und Meinung bezieht. Bsp. "Ich finde du hast dich in XY verbessert, wie siehts du das?", sondern so: "In welchen Bereichen, hast du dich verbessert? (-was meinst du?). Das andere währe eine Frage, die das Kind im Prinzip nur mit "Ja" und "Nein" beantworten könnte und damit der einfachheithalber keine andere Meinung zulässt. Jeder möchte es sich so einfach wie möglich machen. Mit "Ja", würde das Kind gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Als Trainer ist man aber nicht viel weiter, weil einem selbst die Meinung und Sicht des Kindes interessiert. Die eigene kennt man ja schon.
Ist es geglückt, solch eine Frage zu stellen und das Kind antwortet darauf, dann lasst es ausprechen. Sollte dies eure Sicht bestätigen, dann macht das auch via: "Ich sehe es genauso! In der vergangenen Zeit hast du dich im Bereich XY enorm verbessert etc..."
Sollten sich im Laufe des Gespräches Probleme ergeben, oder ihr als Trainer ein Problem ansprechen, als Beispiel: die enge Ballführung ist unzureichend. Dann niemalds sagen: "Da musst du dich noch verbessern!" Und den Satz dann so stehen lassen. Entweder hängt ihr noch dran: "Aber das bekommen wir gemeinsam hin!" oder eben "Wir müssen bei dir noch an der engen Ballführung arbeiten!". Das signalisiert dem Kind, dass es nicht allein ist und der Trainer immer da ist, um zu helfen. Wird der erste Satz so stehen gelassen, dann wird sich das Kind alleingelassen fühlen und wohlmöglich für den Rest des Gesprächs, auch davon ausgehen. Womit das Kind sich verschließt. Dann lieber, wenn euch dieses Malheur passiert, noch einen "Wir-Satz" hinterher schieben.
Aber wie bereits gesagt. Ein Einzelgespräch muss nicht immer nur dazu dienen, Feedback kund zu tun. Sondern kann und sollte auch unbedingt, dazu dienen das zwischenmenschliche und persönliche Verhältnis zu verbessern. Denn nur in einem vertrauten Umfeld, in dem sich die Kinder und Jugendlichen wohlfühlen, kann besonders ab der U12/U13 eine effektive und vorallem spaßreiche Ausbildung vorangetrieben werden.
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